Claudia am 08. März 2026 — 11 Kommentare

KI-Nutzung: mehr als nur Recherche – soll ich? Will ich?

Nie hätte ich gedacht, nochmal eine so grundstürzende Welle zu erleben wie das Internet, das zügig in alle Bereiche hineinwuchs und dabei Wirtschaft und Gesellschaft verändert hat. Und doch passiert es wieder: KI durchdringt unsere Welt, weit schneller als einst das Web, das sich ebenfalls massiv verändert. Seit Anfang 2023 experimentierte ich mit ChatGPT, spielte mit Bilder-KIs und landete schließlich bei Perplexity (pro), das mir Zugriff auf etliche LLMs gibt und aus meiner Sicht die beste Suchfunktion bietet.

Hauptsächlich verwende ich Claude Sonnet als Assistent beim Recherchieren und Schreiben meiner Fachartikel (nicht im Blog). Die sind dennoch ganz und gar „meine“, auch wenn es mittlerweile „meinen Stil“ beherrscht. Gelegentlich teste ich, ob ich ersetzbar wäre, ob Claude auch einen ganzen Artikel alleine schreiben könnte. Noch ist das nicht der Fall, denn es verzapft immer noch Unsinn, hält sich nur gelegentlich an Vorgaben und bleibt inhaltlich oberflächlich, wenn ich es alleine machen lasse.

Gemini Talk-IlluNeuerdings hat sich Gemini in meinen Firefox-Browser eingeschlichen. Erst war ich skeptisch, aber bald schon sehr angetan von der bequemen Möglichkeit, mal eben etwas zu erfragen, ohne erst bei Perplexity einloggen zu müssen. Hauptsächlich nutze ich Gemini (Plus), um Videos zusammenzufassen,  – sehr praktisch, wenn gerade die Zeit fehlt, das Video in voller Länge anzusehen.

Bis hierher war und bin ich Konsumentin, Enduserin, reine Anwenderin von KI, nutze sie als Werkzeug im Alltag, produziere aber nichts selbst.

Der Schritt zum „coden lassen“

Seit 2025 ist das sogenannte „Vibe Coding“ in aller Munde: Programmieren (lassen) ohne es selbst zu können. Weil die KI Claude dafür gut geeingnet sein sollte, versuchte ich mich daran, eine „Video-Bibliothek“ als Plugin erstellen zu lassen, analog zu meiner Blogbibliothek, die noch ein Mensch gecodet hat. Mit dem Ergebnis war ich zufrieden und fürs erste blieb es bei diesem einen Projekt, einfach mangels weiter führender Bedürfnisse.

Mittlerweile sind allerdings „agentische KIs“ auf den Plan getreten: KIs, die direkt auf dem eigenen PC arbeiten können, programmieren, Dateien erstellen, ganze Projekte realisieren. Software-Entwickler arbeite schon lange damit, vor allem mit Claude Code – und Claude Cowork verpasst dem Dingens eine Oberfläche für die „allgemeine Wissensarbeit“, bei der man nicht mehr mit der puristischen Kommandozeile arbeiten muss.

Bisher hab‘ ich gedacht: Das brauche ich nicht, so als weiter arbeitende Rentnerin muss ich mich da nicht noch einarbeiten! ABER: immer häufiger nehme ich auf Youtube anfängertaugliche Lehrvideos wahr, die auch Laien das Arbeiten mit Claude Code et al nahe bringen wollen. Und ja: irgendwie reizt mich das! Es scheint DIE neueste Technik zu sein, die zu vielerlei disruptiven Änderungen bisheriger Geschäftsmodelle führt und den kürzlichen Absturz der Software-Aktien verursacht hat. Denn: Wenn jeder sich das Nötige mit Claude Cowork selber strickt, wozu braucht es diese Firmen in der Zukunft noch?

Interesse reicht nicht, es braucht einen Bedarf

Obwohl es mich interessiert, wie das alles funktioniert und was diese handlungsfähigen KI-Agenten wirklich können, so hab‘ ich doch keine Lust, einfach nur so damit herumzuspielen. Wie denn auch? Es braucht ein Projekt aus der eigenen Praxis, das tatsächlich Arbeit erleichtern kann bzw. vom „Agenten“ eigenständig abgewickelt werden könnte.

Und ja, da gibt es etwas: meine vierteljährliche Umsatzsteuervoranmeldung. Ich weiß, dass es dafür lange schon Software und Plattformen gibt, die aber immer verlangen, gleich die ganze „Buchhaltung“ gegen eine monatliche Gebühr zu übernehmen. Das passt für mich nicht, weil ich nicht dauernd „buchhalte“, sondern nur einmal im Vierteljahr die Ein- und Ausgänge in eine Tabelle schreibe, die mir die Summen und die MwST. ausrechnet. Dafür checke ich meine Kontoauszüge und übertrage die Summen mit noch ein paar Angaben in die Tabelle. Die Ergebnisse gebe ich dann ins entsprechende Elster-Formular ein und sende ab. Abgesehen vom letzten Schritt müsste ich so einen Agenten doch dazu bringen können, die Tabelle eigenständig auszufüllen, basierend auf den Kontoauszügen und evtl. noch einem Ordner „Rechnungen Dritter“.

Von diesem Kleinkram abgesehen denke ich schon länger darüber nach, meine Steuerberaterin einzusparen, die mir den Jahresabschluss macht. Ob und wenn ja wie ich da KI zu Hilfe nehmen könnte, muss ich erst noch erforschen. Es ist halt wie immer: Man muss schon genau wissen, was man gemacht haben will, um eine KI anweisen zu können – und soweit bin ich noch nicht, nicht beim Jahresabschluss mit seinen diversen Formularen.

Und Ihr? Wofür nutzt Ihr KI oder plant, sie zu nutzen?

***

Mehr:

  • Warum mein Blog jetzt spricht: Die Geschichte von Lyra und der Suche nach echtem Nutzen (digitalhandwerk)

    „Das Spannende an diesem Projekt ist nicht die Technik an sich, sondern wie sie entstanden ist. Ich habe keine Agentur beauftragt und kein fünfstelliges Budget ausgegeben. Ich habe Claude genutzt. Generative KI verändert die Art und Weise, wie wir Werkzeuge bauen. Früher hättest Du für eine gewichtete Suche und eine integrierte Sprachausgabe spezialisierte Entwickler gebraucht, die Dir teure APIs anbinden. Heute reicht ein klares Verständnis des Problems und die Fähigkeit, einen Workflow zu strukturieren.“

  • Telekom präsentiert Magenta AI Call Assistant (Basic Thinking)

    „Die Deutsche Telekom will ein KI-Modell in sein Mobilfunknetz integrieren. Jedes Telefon soll dadurch zu einem smarten Assistenten werden – theoretisch sogar Dumbphones….. Der Magenta AI Call Assistant soll der Telekom zufolge zum Start drei Kernfunktionen umfassen: Live-Übersetzungen in bis zu 50 Sprachen, eine automatische Zusammenfassung von Gesprächen per Text sowie Antworten zu Alltagsfragen. Die KI könne zudem Restaurantreservierungen, Arzttermine und Reisen buchen.“

***

Persönliche Vorgeschichte: Als 1995 das Web einen zunächst nur kleinen Teil der Öffentlichkeit erreichte, war ich sofort begeistert und bastelte recht zügig eine erste eigene Webseite. Alle drei Monate kam ein Browser-Update heraus: mit neuen Möglichkeiten per HTML immer komplexere Seiten zu bauen. Meine ersten Homepages und Webzines fächerten sich auf und ab 1997 war ich plötzlich freiberufliche „Webdesignerin“. Bis in die Zehnerjahre hinein baute ich Webprojekte und Blogthemes, ohne je werben zu müssen.

Das Internet hat mein Leben verändert, ohne dass ich viel dazu tun musste außer lernen, was mir sowieso Freude machte: Leben & Arbeiten, Hobby & Beruf wurden eins. Ich erlebte krasse Veränderungen in der Art, wie Webseiten gecodet wurden und machte eine Zeit lang mit – bis es mir zu „codig“, insgesamt zu komplex (und langweilig) wurde. Ich verlegte ich mich aufs Schreiben für kleine Unternehmen, die „wegen SEO“ Inhalte benötigen. Bis heute ergänze ich so meine Mini-Rente, die allein zum Leben nicht reichen würde.

*

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
11 Kommentare zu „KI-Nutzung: mehr als nur Recherche – soll ich? Will ich?“.

  1. Ich bin mehr als beeindruckt, was Du als „weiterarbeitende Rentnerin“ bereits alles durchgespielt hast. Ich habe mir (und für Kunden) „nur“ ein paar sehr ausgefeilte Custom GPTs geschrieben und gehöre inzwischen wohl auch zu denen, die sagen, die ganze KI Geschichte entwickle sich so viel schneller, als man ihr folgen kann.

    Vielleicht machen mir die KI und damit kundige „Rentnerinnen“ inzwischen sogar Angst. ;)

  2. Ausser ab und an für eine kleine Recherche nutze ich KI nicht. Ich verfolge aber ein wenig die Entwicklung. Und hier bei dir, @Claudia, erfährt man ja den State of art.
    Im Museum der angwandten Kunst in Frankfurt gab es einige Beispiele zu Anwendungen künstlerischer Art.
    Mattis Kuhn hat im Museum das automatische Schreiben “auf eine neue Stufe gehoben”: Er trainierte ein LLM-Modul mit etwa 100 Beispielen automatischen Schreibens. Nun gab es ihm bedeutende Sätze der Literatur vor und lies es 10000 mal Essays “fantasieren” im Stil dieser Automatic writings. Heraus kamen Texte, die man sich als Besucher mitnehmen kann .Einige der Texte klingen plausibel, ja tief sogar, wären da nicht zusätzlich kleine “Schreibfehler^” dabei, eben angelehnt an das wilde Trainingsmaterial.
    Wie bei den Surrealisten, ist man als Besucher automatisch versucht, besondere Botschaften oder Erkenntnisse in den Texten zu finden.
    Kann sein, dass Text 3721 etwa ein solcher ist. 😉

    Man sieht also: Das Thema wird grösser und grösser.

  3. zu: „Denn: Wenn jeder sich das Nötige mit Claude Cowork selber strickt, wozu braucht es diese Firmen in der Zukunft noch?“

    Ein kleines Plugin für die Website ist schon was anderes als große Softwareprojekte, die über Jahrzehnte weiterentwickelt werden. Und solche Dinge wie Sicherheit, Skalierbarkeit, Laufzeitverhalten und Ressourcenverbrauch kann man gerade im SAAS Bereich auch nicht ignorieren. Bin daher etwas skeptisch, ob das direkt die ganze Branche plätten wird. Hatten dazu ja auch schon einen kleinen E-Mail Austausch…

    Deine Idee mit der Umsatzsteuervoranmeldung klingt interessant. Das ist ja eigentlich nichts extrem komplexes, aber sicherlich ein anschauliches Beispiel dafür was geht oder halt auch nicht. Viel kaputt machen kannst du damit auch nicht.

  4. @Patrick: sei gegrüßt und vielen Dank für deinen Kommentar! „Ausgefeilte ChatGPTs“ sind doch auch schon was, es ist wohl in etwa das, was ich mit den „Spaces“ in Perplexity mache: Konkrete Prompts für diesen Zweck, Beispieltexte, bevorzugte Quellen (genau weiß ichs nicht, habe ChatGPTs nicht ausprobiert).
    „die ganze KI Geschichte entwickle sich so viel schneller, als man ihr folgen kann.“ Ja, das ist auch mein Eindruck. Allein wenn man die Wochen-News über die neuesten KI-Entwicklungen schaut (z.B. Digitale Profis, Everlast AI, kann einem schwindlig werden!

  5. @Yossarian: Das ist mir auch klar, komplexere Projekte, die auch skalieren und sicher sein müssen, kann sich nicht jeder Ahnungslose mal eben selber bauen. Mich wundert auch immer wieder, dass „die Märkte“ gleich so reagieren, oft so schnell, dass es garnicht sein kann, dass da irgendwer mal genauer hingeschaut hat, wie die Dinge wirklich stehen.
    Die konkreten, stark vorgeformten „Agenten“ von Anthropic scheinen allerdings wirklich eine Gefahr zu sein – aber inwieweit das in der Praxis WIRKLICH so einfach funktioniert, weiß ich natürlich nicht.

  6. Das kenne ich – ohne sinnvolles Projekt fehlt die Motivation. Und nichtvorhandene Probleme zu lösen, reicht mir auch nicht, um mich in etwas Neues einzuarbeiten. Andererseits merke ich schon, welche Promts sich mit viel Ähnlichkeit wiederholen – das schreit geradezu nach einem Agenten 😄

  7. @Queen All: Was machst du denn hauptsächlich mit den wiederkehrenden Prompts? Bin immer interessiert, wofür KI konkret genutzt wird. Manchmal erfahre ich da Anwendungen, auf die ich noch nicht gekommen bin.

  8. Hallo Claudia,

    danke für den Beitrag, Ich ergänze mal zwei meiner Einsatzgebiete:

    * Mit Lars nehme ich regelmäßig den Podcast #9vor9 auf. Das Transkript lasse ich durch KI zusammenfassen und dort finde ich, dass zumindest derzeit Le Chat von Mistral AI aus Frankreich mir die besten Texte liefert. Überraschend, aber vielleicht auch Geschmacksache.
    * Und dann sind da meine #60Sekunden-Videos. Basierend aiuf Blogbeiträgen erstelle ich Kurzvideos, Reels und Shorts für YouTube, Insta und TikTok. Dafür nutze ich ChatGPT als Assistenten, um das Voice Over (den Text) erstellen zu lassen, der dann von CapCut vom TikTok-Besitzer ByteDance über die Option mit KI generieren in Videos umgesetzt wird.

    Und natürlich halte ich links und rechts die Augen offen.

  9. ,@Stefan Pfeiffer: danke für deinen Beitrag, find ich interessant! Die 60-Sek-Videos hab ich grade mal angesehen – also an KI-Stimmen kann ich mich einfach nicht gewöhnen! Die betonen immer mal falsch, was dann sehr seltsam wirkt. Kürzlich hab ich ein längeres Video geschaut, da hat sich der Publisher die Mühe gemacht, eingeblendete Szenen vom redenden Trump mit der originalen Stimme auf Deutsch zu versehen. Gut gemeint, aber sowas von seltsam!!!!

  10. Ich dachte, hier hätte ich gestern etwas geschrieben,merkwürdig.
    Ich nutze perplexity.ai nur zur Recherche. Gestern klagte ein Ornithologe, dass eine wichtige Zusammenkunft ausfalle und er mit seinen Fragen nun alleine dastehe. ich konnte einer seiner Fragen gleich beantworten.

    Gestern schrieb ich über eine Anwendung, die im Museum der angewandten Kunst in Frankfurt vorgestellt wurde. Diese war trainiert in sogenanntem automatischen Schreiben und produzierte 10.000 solcher Texte aus je einem einzelnen Satz der Weltliteratur.

  11. @Gerhard: Danke, dass du es nochmal versucht hast! Das gab mir Gelegenheit, den Fehler zu erkennen – Der Kommentar war im Papierkorb, weil er eines der Worte enthielt, die ich wegen Massenspam mal als Signal für „ab in den Papierkorb“ angegeben hatte. Habe diese jetzt auf die allernötigsten reduziert! Und deinen vorherigen Kommentar wieder hergestellt.
    Danke auch für die interessante Anwendung – das werde ich mir auf jeden Fall anschauen!

Was sagst Du dazu?

*) Ein Name muss angegeben werden. Wenn du keine Mailadresse angeben willst, lass das Feld frei. Wenn du aber weitere Kommentare abonnieren willst, musst du natürlich auch eine Adresse angeben! Auch wäre es NETT, eine anzugeben, weil ich gelegentlich mal nicht öffentlich antworte. IP-Adressen werden nicht gespeichert. Was mit Daten auf diesem Blog passiert, erfährst du in der Datenschutzerklärung.