Claudia am 12. März 2026 — 30 Kommentare

Nerven und nicht nerven lassen

Ich lese mich gerade durch die aktuelle „Ranteria“ und bin ganz amüsiert – zugegeben nach zwischenzeitlichen Irritationen. Wieder einmal scheint es um Kritik zu gehen, aber das reicht bei weitem nicht, um die eigenartigen Auseinandersetzungen zu beschreiben, die ab und zu hochkochen (=mehrere, aufeinander reagierende Blogposts).

Da regt sich Herr Tommy über allerlei Leute auf, die unverlangt mit Standard-Tipps und klischeehaften Abwertungen kommen: „Windows-User gelten in einigen Kreisen als zerebralentkernte Dumpfbacken. “ Ja, das ist so und nicht erst seit vorgestern (gäääähhhhn…). Mich hat dieser Text in keiner Weise getriggert, grade weil ich das alles lange kenne und keinen Grund sehe, mich an derlei Debatten zu beteiligen (das Alter… :-)

Dann schreibt Henning Uhle, dass er sich nicht nerven lässt. Und: „Ich mache das so, wie ich das für richtig erachte. Und wenn es mir zu bunt wird, bin ich halt weg von den Plattformen„. Na klar, schließlich gibt es keinen Zwang, sich in Räumen aufzuhalten, die einem nicht gut tun!

Bis hierher sind es ganz normale Blogartikel: man schreibt sich von der Seele, was gerade – oder immer mal wieder – nervt.

Aber Achtung, jetzt tritt auf: „Rantgebiet“ mit dem provozierenden Text „Alte weiße Erklärbären dulden keine anderen Erklärbären neben sich„. Er benennt und verlinkt die beiden als Erklärbär Nr.1 und Erklärbär Nr.2, schmäht sie als „alte weiße Männer“ und lässt kein gutes Haar an ihren Äußerungen. Um dann zu offenem Alten-Bashing überzugehen, indem er Erklärbär Nr.3 einführt:

„Da die Rentnergruppe allerdings auf ihrer Terrasse nicht allein ist, kommt noch der Erklärbär Nr. 3 aus dem Nebenzimmer des digitalen Altenheims um die Ecke und kommentiert nicht nur umfangreich, sondern applaudiert selbstverständlich noch einmal dazu.“

Das alles auf einem komplett anonymen Blog ohne Kommentarfunktion! Klar, so lässt sich leicht ranten! Obwohl:

Ein „Rant“ ist eine leidenschaftliche und emotionale (Wut)Rede. Der englischen Bedeutung nachempfunden, ist jemand der „rantet“ am Schimpfen. Sich exzessiv über etwas auslassen, weil es einen einfach so sehr aufregt, wird durch soziale Medien immer leichter.“ (Netzwelt)

Ich glaube nicht, dass Rantgebiet.de sich „so sehr aufregt“, dass er nicht anders kann, als rumzuschimpfen. Eher nehme ich an, dass er sich amüsiert und über die Aufmerksamkeit freut, die ihm dank seiner Provokationen zuteil wird. Liest man weiter, wird klar: Der Verfasser der Rants bleibt nicht nur anonym und spricht von sich als „wir“, sondern gibt auch sonst absolut nichts von sich preis. Möglichst „hochwertiges“ Lästern über andere Blogger ist der ganze Inhalt – ok, kann man machen, der Name „Rantgebiet“ ist ja Warnung genug.

In  Zwischen Kritik, Gefühlen und der Anonymität gibt es sogar ein Statment dazu:

„Die Anonymität dient hier einfach dazu, der Bloggeria ihren eigenen Spiegel vorzuhalten. Wäre es nicht anonym, hätte die Holzhammer-Methode keinerlei Auswirkungen.“

Was für Auswirkungen sollen das sein? Vielleicht die so erschimpften Links, die dem Grantler mehr Wert sind als Kommentare? Ich weiß es nicht, habe aber wohl bemerkt, dass es ein stark verzerrender Spiegel ist, den er da vorhält. Nervig finde ich, dass dieser Anonymus sogar ein Pseudo verweigert, mit dem man ihn ansprechen bzw. zitieren könnte.

Warum ich am Ende doch eher amüsiert als abgestoßen bin? Weil ich den Wunsch, gesehen werden zu wollen ohne sich zeigen zu müssen, irgendwie tragisch und komisch zugleich finde. „Reibung erzeugt Wärme“ – vielleicht ist das die Hoffnung, nicht nur von Rantgebiet?

***

Und sonst:

Landwehrkanal 03/26 (Betonflüsterer)

„Ein Typ mit einem grünen re:publica 23-Shirt kommt mir entgegen. Ein Blogger. Oder einer, der Blogger liest. Der Loser. Weiß nicht, dass alle Welt heute bei Tiktok hirnfrittierende Videoclips wischt. Und Buchstaben eine Mikroaggression sind. Mit seinem Shirt als Diagnose. Die arme Sau.“

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Diskussion

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30 Kommentare zu „Nerven und nicht nerven lassen“.

  1. Mit seinem Shirt als Diagnose. Die arme Sau.

    So würde ich denken, wenn mir jemals im Real Life jemand mit einem T-Shirt von einem Chaos Communication Congress begegnen würde. Beim Chaos Communication Congress gab es mal auch für Laien interessante Inhalte, aber die findet man kaum noch zwischen dem ganzen Woke-Kram, mit dem der „Fahrplan“ inzwischen zugekleistert ist.

    Am Text von Herrn Tommi finde ich lustig, wie die Mastodon-Fans da alle von ihren Blocklisten reden. Ich weiß, dass es das „Feature“ gibt, aber ich habe es irgendwie noch nie gebraucht. Vielleicht hilft es, wenn man nicht in der IT und auch nicht im „Home-Office“ arbeitet.

  2. XY mit seinem Rantgebiegt, Hachja. Kann man mal lesen, drüber lächeln, und dann schnell wieder vergessen. Wenn er das für einen Spiegel hält, den er der Bloggerszene vorhält, dann hat dieser aber einige Sprünge, welche das Bild sehr verzerren. Geschenkt. Dann lieber ehrliche und fundierte Kritiken lesen, wie bei Dir hier.

  3. @Christina: das hättest du besser beim Betonflüsterer kommentiert, ich hab ihn nur zitiert, um den Link zu illustrieren. Im übrigen mag ich das pauschalisierende „woke“ nicht – und fand das CCC Programm 2025 sehr interessant!

    @Tommi: danke für deinen Kommentar! Schon seltsam, was so manche in einen Blogpost hinein projizieren – letztendlich sagt es mehr über den Schreiber als über die Kritisierten.

    Besonders daneben finde ich, dass er anderen vorwirft, „keinen Arsch in der Hose“ zu haben, weil sie nicht benennen/verlinken, wer nun genau mit einer Kritik gemeint ist. Dabei ist das eine Tugend, kein Bug! Man kritisiert ein bestimmtes Verhalten, aber ohne jemanden „an den Pranger zu stellen“. Die Mitlesenden können so selbst entscheiden, ob sie sich den Schuh anziehen oder nicht – meist geht es ja auch um Verhalten, dass nicht nur eine Person an den Tag legt. Und wie gesagt: Voll anonym spricht wahrlich nicht für „Arsch in der Hose“!.

  4. […] Blog Rantgebiet liefert gerade das perfekte Beispiel für diese neue und gesellschaftlich eher problematische Reibungskultur. Dort wird mit dem Holzhammer hantiert, anonym und emotional. Ob die weiterhin festzustellende […]

  5. Ich bin da auch einigermaßen amüsiert. Ich habe 52 Jahre auf der Uhr. Ich wusste gar nicht, dass man damit schon als „alt“ gilt. Da ich mich gerade neu erfinde, was den Umgang mit mir selbst betrifft, und immer zu Blödsinn aufgelegt bin, denke ich mir halt, dass ich mir das „Alter-Weißer-Mann-Schema“ gar nicht anheften werde.

    Well, am Ende hält sich der Randverbogene vielleicht selbst den Spiegel vor? Wie war das? Wenn du mit dem Finger auf andere zeigst, zeigen ein paar dabei auf dich selbst.

    Ich sehe das nicht so tragisch. Even bad publicity is publicity. Oder so.

  6. Im übrigen mag ich das pauschalisierende „woke“ nicht – und fand das CCC Programm 2025 sehr interessant!

    Je weniger die Leute das Wort mögen desto stärker muss man es vorsätzlich benutzen, damit es an Beliebtheit einbüßt.

    Wenn die Leute es nicht mögen können sie ja auch einfach aufhören, es zu sein.

  7. @Christina: du bist knapp davor, dass ich deine Comments wg. OT lösche! Du hast nichts zum Thema zu sagen, sondern lebst hier zusammenhanglos deine Anti-Woke-Agenda aus. Solche Buzzwords sagen garnichts, denn was alles schon als „woke“ bezeichnet wurde, damit könnte man ein halbes Lexikon füllen. Ist also nix als unbegründetes Geschimpfe!

  8. @Henning: 52? Da bist du aber voll dabei! Für manche fängt „alter weißer Mann“ schon mit 40plus an! :-)

  9. Man kritisiert ein bestimmtes Verhalten, aber ohne jemanden „an den Pranger zu stellen“.

    Genau das. Aber diese Art von passiver Höflichkeit scheint auch wieder nicht richtig zu sein. Aber wehe, man nennt Ross und Reiter, dann kommen andere und sagen: „Wie kannst Du nur?“

    Ansonsten sehe ich es so, und füttere nur ungerne Trolle. Denn sie sind es nicht wert, keine Sekunde der kostbaren Lebenszeit. Und dieses anonyme Pöbeln, kann man nun wirklich nicht ernst nehmen.

  10. “ Im übrigen mag ich das pauschalisierende „woke“ nicht“
    Aber inflationär benutzte Begriffe, wie *rechts* und *Nazi* sind ok?

  11. @Claudia

    Das hat mit dem biologischen Alter nicht so viel zu tun. Früher® hieß ein Teil dieser Formel altklug und der weiße Mann steht dabei ja auch nur für einen weiteren Teil des damit verbundenen Narrativs.

    Wobei die Männer da nicht alleine dastehen, nur ist es aus Gründen eben so, dass (auch junge) Frauen und mit anderer Hautfarbe usw. in diesem Teil des Spektrums nicht so stark vertreten sind. Ich kann Dir aber versichern, dass diese an solchen Positionen ganz ähnlich handeln und reden würden. Argumentieren kann man das ja nicht nennen, denn das wäre faktenbasiert.

    Soviel zur Gossenphilosophie für heute und gehaben Sie sich wohl – schönes Wochenende und der nächste Rant kommt bestimmt;-)

    Thomas

  12. Wenn der Blogger vom Rantgebiet keinen Namen nennt, dann sprich ihn doch einfach mit einem x-beliebigen Namen an, bspw. Robert 😉

  13. Wenn der Blogger vom Rantgebiet keinen Namen nennt, dann sprich ihn doch einfach mit einem x-beliebigen Namen an, bspw. Robert 😉

    Ich wäre ja mit solchen Unterstellungen vorsichtig.

  14. Ich wäre ja mit solchen Unterstellungen vorsichtig.

    Ein durchaus erwähnenswertes Zitat, welches wir gerne nutzen, wäre „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, wenn man sich als jemand ausgibt, der man nicht ist.

    Wenn der Blogger vom Rantgebiet keinen Namen nennt, dann sprich ihn doch einfach mit einem x-beliebigen Namen an

    Das würden wir so unterschreiben, wenn es da nicht das „wir“ geben würde. Denn wie einst Kevin McCallister, sind auch wir Blogger vom Rantgebiet nicht Allein zu Haus.

  15. Lt. Brauchtum fängt der alte weiße Mann noch viel früher an. Mit 30.
    Dabei haben die Männer da noch Glück gehabt. Für Frauen geht das schon ab 25 los. In vielen Gegenden NRWs bekommt sie dort mit 25 den Schachtelkranz kredenzt. Natürlich aus alten Schachteln bestehend.

  16. Sich über unwichtige Blogger aufzuregen ist Zeitverschwendung. Man liest einen Blog regelmäßig, wenn man sich von dem Content angesprochen fühlt und wenn dem nicht so ist, dann zieht man kommentarlos weiter. Werde ich nie verstehen, wie man sich da an Menschen fest beißen kann, die man ablehnt. Ist bestimmt eine Mischung aus Selbsthass und Projektion.

  17. Ist also nix als unbegründetes Geschimpfe!

    Gebildete Menschen würden es als begründetes Geschimpfe erkennen.

  18. Hab heute auf X zufällig diese Hardcore-Rants entdeckt:
    https://x.com/search?q=Eisblock&src=trend_click&vertical=trends

    Fast alle Kommentare wünschen den Tod der abgebildeten AktivistInnen.

    Bei dieser Lynchjustizmentalität läuft es mir kalt den Rücken runter.

  19. Wie dem auch sei… der Name des Blogs (Live aus dem Rantgebiet) und die URL (Rantgebiet.de) und mit ein bisschen Abzug auch die Namen (bRANTstifter und bRANTbeschleuniger) sind schon lustig bis clever. Auch sprachlich kann es erfreuen („Ende. Vorhang. Weltuntergang.“) … Wäre es alles nicht inhaltlich ohnehin zukunftslos, wie es ja der zuletzt veröffentlichte Verriss „Wie man alles outsourced und trotzdem ’selbst‘ macht“ deutlich macht. Das ist es vielleicht, was „normale“ Blogger nicht verknusen können: Wie ephemer ihre/unsere Machwerke sind. Also danke für den Tipp, ich werde dort öfter vorbeischauen und mich unnötig amüsieren lassen.

  20. Zum Ausgleich mal etwas Erbauliches:

    https://e13.de/zurueck-in-die-zukunft/

    Da ich im nächsten Jahr 80 Jahre alt werde, finde ich mich in diesem wunderbaren Text wieder. Und Du – Claudia????

  21. @ Claudia
    Die für deine Verhältnisse ungewöhnlich lange Schreibpause (fast 3 Wochen!) hier in deinem Blog beunruhigt mich. Wie geht es dir?
    Liebe Grüße
    Fred

  22. Fred: Ich mache mir auch so meine Gedanken über die lange Schreibabstinenz von Claudia.

    Sie hätte sich -so meine Vermutung – z. B. auch zum Fall Ulmen geäußert.

    Hoffe, dass es ihr gut geht.

  23. OK, dann ich nochmal mit einem altklugen {sic!] Kommentar.

    Stimmt, das „Rantgebiet“ bezeichnet sich ja als „wir“. Das ist so eine „We are legion“-Nummer, oder? Naja, wenn es keinen Namen gibt, dann machen wir es doch so:

    Es ist ja neuerdings „in diesem Netz“ sehr verbreitet, drauflos zu schimpfen. Das ist also die moderne Sprache. Warum nennen wir das „Rantgebiet“ dann nicht einfach „Modern Talking“?

  24. Es ist wider Erwarten Frühling und ich hoffe, dass Claudia nicht unter die Radieschen geraten ist, sondern darüber. Leute mit einem Garten müssen dann schon mal eher in den Garten, als an den Schreibtisch. Sonst gibt es Ärger von den Gartennachbarn, der Gartengesellschaft (aka Gartenverein) und, und, und. Abgesehen davon, wird das Essen auch welk.

  25. @alle: hier hat sich ja einiges getan, und das unter einem 3 Wochen alten Eintrag – freut mich, ebenso wie die Besorgnisse, die einige hier äußern!
    Alsdenn: ich bin aus dem Urlaub zurück, Urlaub kommuniziere ich hier nie vorab oder während, damit bei mir nicht eingebrochen wird. Und nein: noch bin ich nicht unter die Radieschen geraten und – toi toi toi! – werde das auch nicht in der nahen Zukunft. Tatsächlich hatte ich in Sizilien einen (aus eigenem Willen kurzen) Krankenhausaufenthalt, jedoch weiß ich noch nicht, ob ich den Anlass, die Erfahrung und die Folgen/Folgerungen hier öffentlich breit treten will.

    Den Garten werde ich heute zum ersten Mal besuchen, vor dem Urlaub sah man dort gerade mal die ersten ‚botanischen“ Krokusse.

    @Gerhard Keller: Nö, der Fall Ulmen hat mich nicht zum Bloggen gereizt, sehr viel mehr und täglich massiver möchte ich Trumps dummdreiste Aktivitäten thematisieren, die der Welt eine Wirtschaftskrise einbrocken, wie wir sie noch nicht erlebt haben (auch wenn sich das heute und hierzulande erst an den Tankstellen zeigt). Mehr dazu (inkl. Kommentare) dann bitte im nächsten Post.

  26. Merke: In Sizilien sollte man sich nie mit den Leuten anlegen. Kleine Weisheit vom Paten.

  27. @Claudia, da war mein schlechtes Gefühl nicht ganz unberechtigt, obwohl du im Urlaub warst. Jedenfalls bin ich froh, dass du heil zu Hause zurück bist. Vielleicht zeigst du uns ja demnächst ein paar Fotos? Bis bald.

  28. @Claudia: Wenn Deine Kunden kommentieren, sollte Dir das nicht egal sein.
    In Italien/Sizilien gibt es doch ein gutes Netz?!

  29. @Gerhard: Wieso „Kunden“? Niemand, der hier kommentiert, ist mein Kunde! (für was auch?) Es sind Mitlesende, die netterweise gelegentlich kommentieren – daraus ergeben sich für mich keine Pflichten, schon gar nicht im Urlaub!

  30. Mein Rant des Tages: Das Sterben im Mittelmeer interessiert keine Sau. Aber kaum strandet ein suizidaler Buckelwal namens Timmy mehrfach an der Ostsee sind sie alle am Start. Medien, Kameras, sogar Psychologen, die dieses Phänomen massenpsychologisch einordnen.

    Mehr dazu: https://www.sonntagsblatt.de/artikel/menschen/alan-kurdi-zehn-jahre-nach-dem-foto-europas-vergessene-fluechtlingskrise

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