Thema: Zeitgeist

Claudia am 21. Juni 2021 — 5 Kommentare

Medienabstinenz und die Suche nach dem Konstruktiven

Fast einen Monat kein Diary-Beitrag, das ist selten! Zum einen liegt das an viel Gartenarbeit, die in letzter Zeit angefallen ist – und auch richtig Freude macht. Aber nicht nur, denn gar keine Freude macht mir seit einiger Zeit das News-Geschehen und die sogenannte „öffentliche Debatte“ sowohl in den klassischen als auch „sozialen“ Medien. Weiter → (Medienabstinenz und die Suche nach dem Konstruktiven)

Claudia am 23. Mai 2021 — 11 Kommentare

Rock’n Roll will never die – #ESC2021, meine TopTen, kurz kommentiert

ESC21 LOGOMeist lebe ich in Stille, kenne mich mit zeitgenössischer Musik nicht besonders aus. Mit dem ESC verband ich bisher nur das belanglose Schlager-Pop-Geträller früherer Jahre, hatte ihn lange schon nicht mehr verfolgt. Gestern beim Zappen dann zufällig rein geraten, dran geblieben – und war überrascht, wie gut es mir gefallen hat!

Hier also meine TopTen und ein paar Kommentare:

  1. Ukraine: Shum / Go_A
    Wow, diese krass-knackig-durchdringende SPRACHE, die gelungene, ungemein fetzige Fusion traditioneller Folk-Sounds mit Techno-Rhytmen / Electro-Elementen – sagenhaft! Dazu ein tolles Outfit, kreative, assoziativ erzählende Visuals – ich bin ja hin und weg!  Eine fetzige Andersartigkeit, die mich mitnimmt.
  2. Italien: Zitti E Buoni / Måneskin
    Klassischer Hard Rock, italienisch gesungen (was einfach toll klingt!), anturnend, mitreissend! Die Performance, die Klamotten und immer alle Aufmerksamkeit der Kamera auf Sänger und Band – so kennen und lieben wir das seit den 70gern! „Rock’n roll will never die“ war die erste Reaktion von Måneskin  auf den Gesamtsieg. Richtig so, mehr ist dazu nicht zu sagen! (Deutsche Tele-Voter: 7 Punkte (Platz 4), deutsche Jury: 6 Punkte, (Platz 5).
  3. Frankreich: Voilá / Barbara Pravi
    Die ganze Kraft und Ausstrahlung der großen, abendländischen Kulturnation Frankreich in klassischer Chanson-Form, vorgetragen mit Stimme und Verve, die an Edith Piaf und Jaques Brel erinnern – und doch wirkt es nicht angestaubt!  Die Eleganz der französischen Sprache gepaart mit schlichter Eleganz des Auftritts, Stimme, Klavierbegleitung, keine potenziell ablenkende Video-Inszenierung, kein bemüht sexualisierendes Outfit  – einfach schön!  Publikum DE:  10 Punkte (Platz 2), Jury: 12 Punkte (Platz 1) – da sind sich ja mal alle fast einig!
  4. Litauen:  Discoteque /  The Roop
    Bringt die Sehnsucht nach dem Dance Floor im 2.Corona-Jahr auf eingängige, sehr kunstvoll arrangierte Weise zum zeitgemäßen Ausdruck! Echter Augenschmauss, ganz ohne bildgewaltige Opulenz, sondern mit grafischer Dynamik glänzend, mit der wiederum das Outfit und die Moves stimmig korrespondieren. Musikvideo-Kunst, edel, fetzig… toll! (bekam aus Deutschland 12 Punkte vom Publikum, ist damit bei uns die Nummer 1, der deutschen Jury aber grade mal Platz 10 mit einem Punkt wert).
  5. Russland:  Russian Woman / Manizha
    Witzig und provozierend macht sich Manizha über die „russische Frau“ lustig, die sie dann aber ausgiebig und mitreissend „empowert“, wie man heute gerne sagt. Sagenhaft der Start, in dem sie zunächst in einem übertrieben gewaltigen Traditionskosüm regelrecht eingemauert erscheint, sich dann aber daraus befreit. Das Brachiale im Russischen kommt hier toll rüber, ergänzt von opulenten Visuals, teils mit erzählendem Charakter. Irgendwo hinten stürzen ständig „die Reiter des Patriarchats“ in den Abgrund – so jedenfalls meine Assoziation. (Deutsche Voter: 5 Punkte (Platz 6), deutsche Jury: 2 Punkte, (Platz 9)
  6. Malta:  Je Me Casse / Destiny
    Was für eine kraftvolle Stimme für eine 18-Jährige!  Destiny rockte die Bühne und zeigt mit ihrer Performance in kurzem Glitzeroutfit und Overknees, wie schön und sexy Frau im Full-Size-Format sein kann. Einen „tollen Wonneproppen“ hab‘ ich sie spontan genannt, was vielleicht für manche/n nicht respektvoll klingt, jedoch lieb & lobend gemeint ist. Vom internationalen Publikum bekam sie nur 47 Punkte, von deutschen Votern keinen, von der deutschen Jury immerhin 8 (Platz 3). Hier bin ich mal bei der Jury!
  7. Island: 10 Years / Daði og Gagnamagnið
    Ein „nerdiger“ Auftritt, in vieler Hinsicht auf überzeugende Art „daneben“. Die Klamotten, Haartrachten, die verrückten Halbkreis-Keybords und ihre Performance, farblich und grafisch stimmig untermalt und ergänzt vom Hintergrundvideo – das Gesamtkunstwerk hat mich spontan überzeugt! Beim Nachhören fand ich den musikalischen Anteil, einen etwas zu eingängigen Disko-Pop nicht mehr ganz so super,.
  8. Deutschland: I Don’t Feel Hate / Jendrik
    Soooooo unglaublich NETT, dieser Song! Nett gesungen, nett und humorig in Szene gesetzt,mit eingängiger Melodie, richtig ehrlich nett gemeint – aber leider völlig vorbei am Zeitgeist!
    „I don’t feel hate“ entspricht nun mal gar nicht der Gemütslage der Massen, aus vielen nachvollziehbaren Gründen. Da wirkt die forcierte Nettigkeit mitsamt der gut gemeinten Botschaft nur als der ungeliebte Zeigefinger, der zum besseren Benehmen aufruft. Dass die Kostüm-Hand mit Victory-Zeichen auch als Stinkefinger interpretiert werden konnte und wohl auch sollte, hat es nicht besser gemacht. (letzter Platz mit 0 Punkten in der Gesamtwertung). Guter Song, nur eben 2021 völlig falsch!
  9. Azerbaijan: Mata Hari / Efendi
    Ein schneller, stampfender Ryhtmus treibt den Song voran, der die berühmte Spionin als „starke Frau“ feiert. Wieder gefällt mir die Einbindung folkloristischer Elemente in die moderne Performance sehr gut, ein paar Sätze kommen gar in Landessprache. Efendi und ihre vier Begleiterinnen treten im sexy Huren-Outfit auf, das hier sogar inhaltlich passt. Toll gesungen, attraktiv getanzt, fetzig und schnell – gefällt mir!
  10. San Marino:  Adrenalina / Senhit
    Weil eine TopTen zehn Plätze braucht: Gefällt mir vom großen Rest noch am Besten! Diese kurz auftauchende arabische Flöte ab und an im Hintergrund, der eingängige, gut tanzbare Song, die Rap-Einlage – alles ok, kann man hören!

Und sonst so?

Karl Lauterbach hat den ESC kritisiert: „Konzerte mit 3.500 Zuschauern können wir uns noch nicht leisten, dafür ist es noch zu früh“. So sehr ich die Warnungen Lauterbachs ansonsten zu schätzen weiß, so heftig widerspreche ich ihm hier: Doch, manchmal MUSS man sich auch wieder etwas leisten, selbst mit Risiko! Der ESC21 ist nicht „irgendein Konzert“, sondern ein Europa-Event, dem 200 Millionen  Menschen zugesehen haben – eine der wenigen Gelegenheiten, uns als Europäer/innen zu erleben, mal nicht streitend, lästernd, einander blockierend, sondern richtig gut drauf!  So ein Lichtblick ist im 2.Corona-Jahr gar nicht zu überschätzen und wäre ohne Publikum nicht dasselbe gewesen.

Mein Fazit: Der ESC-Wettbewerb ist gegenüber früheren Zeiten richtig gut geworden:  musikalisch besser, diverser, großartig in den Inszenierungen, fast jeder Auftritt ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk – das schaue ich mir auch nächstes Jahr wieder an! Peter Urban (73), langjähriger ESC-Kommentator, der aus gesundheitlichen Gründen nicht einmal vor Ort war, sollte allerdings den Stab an eine jüngere Person weiter reichen, die ein bisschen spritziger kommentiert. (Und bei den Outfits mancher Frauen wünsch ich mir etwas mehr Vielfalt.)

Mehr zum Thema:

Claudia am 29. April 2021 — 2 Kommentare

Nur wegen Lobbyinteressen – ein wohlfeiler Vorwurf

Fast egal, um was es geht: Immer wenn die Regierenden wirtschaftliche Interessen berücksichtigen, kommt dieser Vorwurf: Sie hätten sich von Lobbyisten manipulieren lassen und so „uns alle“ wieder und wieder an die Konzerne und Großfirmen verraten, damit deren Profite nicht geschmälert werden. Der Vorwurf stellt Kontakte mit Lobbys oft sogar mit Korruption gleich, auch wenn nicht der Schimmer eines Verdachts besteht, dass sich Amtsträger irgendwie bereichert hätten.

Immer wieder finde ich das ziemlich platt und der jeweils zu verhandelnden Problemlösung nicht wirklich dienlich. Viele Jahre war ich mietenpolitisch unterwegs: Dort heißen alle, die sich in die Themen eingearbeitet und einen Namen gemacht haben, sowie ihre jeweiligen BIs, Vereine und Verbände „Betroffenenvertretungen“. Ihre Stimmen müssen gehört werden und tatsächlich haben und hatten sie auch immer wieder Zugang zur Politik,  wobei das niemand kritisiert, egal ob sie als Angestellte einer Institution oder als Aktivistinnen unerwegs sind. Der Haus- und Grundbesitzerverein aber ist „Lobby“, obwohl er auch nichts anderes tut, als die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten. Weiter → (Nur wegen Lobbyinteressen – ein wohlfeiler Vorwurf)

Claudia am 04. April 2021 — 16 Kommentare

Mehr Freiheiten für Geimpfte?

Weil Jans Spahn angekündigt hat, „in der Zukunft“ müssten Geimpfte nicht mehr in Quarantäne und bräuchten auch keine Tests  für den Besuch beim Frisör und anderswo, reagieren gerade viele ziemlich aufgeregt: Spaltung, Erpressung, Ungerechtigkeit, keine Solidarität – das sind so die Vorwürfe, die angesichts solcher Perspektiven gepostet werden.

Impfung, SymbolbildSpahn stützt seine Verkündung auf einen aktuellen Bericht des RKI, in dem es heißt:

»Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen.«

Bei mir wird das ab dem 17.Juli der Fall sein, doch war meine Meinung zu „Erleichterungen für Geimpfte“ schon immer diesselbe:  Wenn es keinen sachlichen Grund mehr gibt, die Bewegungsfreiheit von Geimpften zu beschränken, dann sind solche Maßnahmen nicht mehr zu rechtfertigen. Denn: Weiter → (Mehr Freiheiten für Geimpfte?)

Claudia am 17. März 2021 — 33 Kommentare

Wer macht den Staat, der hier versagt?

Impfen, testen, digitalisieren: Haben wir die Regierung und Verwaltung, die wir verdienen?

Es läuft schlecht in Deutschland: Beim Impfen geht es nur schleppend voran, was nicht nur an den Lieferverzögerungen der Herstellern liegt. Beim Umgang mit PCR-Tests und der Versorgung wichtiger Bereiche mit Schnelltests hat sich unser Land auch nicht mit Rum bekleckert. Geradezu ein Desaster ist die zögerliche und krass verspätete Auszahlung von Hilfen an Selbständige und Unternehmen, die faktisch Berufsverbot hatten und zum großen Teil noch haben. Und die Digitalisierung der Schulen, zu der die Corona-Pandemie nun zwingt, offenbart sehr schmerzlich die Jahrzehnte lange Ignoranz gegenüber dieser lange schon angesagten Modernisierung. Ein ganzes Corona-Jahr hat nicht gereicht, um die Versäumnisse nachzuholen. Nach wie vor geht vieles eher holpernd und stolpernd vor sich, die Gelder des „Digitalpakts“ sind bei weitem noch nicht alle abgerufen. Weiter → (Wer macht den Staat, der hier versagt?)

Claudia am 15. Februar 2021 — 3 Kommentare

Mord, Totschlag und „Tischkantenmord“ im öffentlich-rechtlichen TV

OpferIm gestrigen Tatort „Hetzjagd“ verhörte die Kommisarin Lena Odenthal den Nazi-Täter, wobei sich folgender Dialog zutrug:

Lena: Sie haben zwei Vorstrafen, Körperverletzung und Landfriedensbruch – und jetzt Mord, zweifacher Mord“

Nazitäter: Totschlag! Das mit der Polizistin war Totschlag, das wollte ich nicht. Ich hatte Angst, dass sie mich umlegt, mich und die Kleine.“

Lena: Deshalb haben einfach Sie sie umgelegt, patsch und weg!

Täter: Ansonsten wär‘ ich dran gewesen!

Lena: Das ist doch Bullshit! Sie waren auf der Flucht, weil Sie zuvor M. umgebracht haben. Und deshalb haben Sie sich auch vorgenommen, sofort zu schießen, wenn irgend jemand Sie aufhalten will. Und das ist Vorsatz, also Mord!“

Beide befinden sich in Bezug auf die Bedeutung des Vorsatzes im Irrtum: Weiter → (Mord, Totschlag und „Tischkantenmord“ im öffentlich-rechtlichen TV)

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