Claudia am 10. Februar 2022 —

Diffuser Hass und ein Gefühl der Überflüssigkeit

Götz Eisenberg hat im FREITAG einen hellsichtigen Artikel geschrieben, in dem er sich mit dem „diffusen Hass“ auseinandersetzt, der immer mehr um sich greift. Als Aufhänger dient ihm der Amokläufer, der kürzlich in der Uni Heidelberg auf Studierende geschossen und dabei eine Studentin getötet hat. Drei weitere wurden verletzt. Sein Motiv ist immer noch unbekannt, was nicht nur für diesen Amoklauf gilt. Eisenbergs Bewertung der Amoktaten weicht von den üblchen Erklärungsversuchen deutlich ab:

„Die landläufige Annahme, der Amokläufer bringe sich nach seiner Tat aus Schuldgefühlen darüber um, was er angerichtet habe, scheint falsch zu sein. Seine Morde sind nicht die Ursache für seinen Suizid, sondern seine Suizidabsichten sind die Ursache für seine Morde. Der Suizidant schafft es nicht, still und leise auf den Speicher zu gehen und sich aufzuhängen, sondern muss sich durch Morde in eine Lage bringen, die ihm keinen anderen Ausweg mehr lässt, als sich zu töten oder sich töten zu lassen. Erst jetzt – hinter sich verbrannte Erde und Leichen, vor sich die Polizei, in sich wachsende Panik – schafft er es, sich umzubringen“.

Im Weiteren geht es nicht um Amok-Ereignisse. Zügig nimmt der Autor die Ursachen unter die Lupe, die zum „frei flottierenden Hass“ führen, der sich in der Gesellschaft verbreitet und ein Ventil sucht:

„Gegenwärtig kristallisiert sich der Hass an der und um die Impfung aus, die auch als Metapher für all das verstanden werden kann, was den Menschen von außen und oben angetan und zugefügt wird. Karl Lauterbach und eine Regierung, die im Nebel der Pandemie herumstochert, müssen auch für all das herhalten, worüber die Leute sich ärgern.“

Das denke ich mir schon die ganze Zeit: Nie und nimmer ist dieser Widerstand allein aus Ablehnung der Impfung entstanden! Da muss zuvor schon viel anderes passiert sein, bevor z.B, eine Pflegekraft ins Mikrofon spricht: „Lieber gehe ich aus der Pflege, als dass ich mich impfen lasse!“ (Speziell in diesem Fall wissen wir sogar alle, was da schon lange passiert, geändert wird es trotzdem nicht).

Aber wir können nicht anders, auch wenn wir einsehen, dass wir müssten. Das ist ein mental und gefühlsmäßig deprimierender Zustand – und mag bei nicht wenige zum „diffusen Hass“ beitragen. Aber weiter mit Eisenbergs Gründen für das Geschehen. Dazu erzählt er eine Geschichte vom Bauern, der enteignet wird und den Baggerfahrer erschießen will, der auf sein Haus zurollt. Der aber verwickelt ihn in ein Gespräch, das zu Tage fördert, dass weder der Baggerfahrer noch irgend ein anderer konkret „Täter“ ist, dessen Erschießung befreiend wäre. Heute seien wir alle in der Situation dieses Bauern:

„Im Grunde ahnen oder spüren die Menschen heute, dass sie überflüssig sind oder es demnächst werden. Das, was man Digitalisierung nennt, wird sich als gigantisches „Arbeiterlegen“ (Helmut Reinicke) erweisen, die Wiederholung dessen, was Marx im Kontext der „ursprünglichen Akkumulation des Kapitals“ als „Bauernlegen“ beschrieben hat. Aus Bauern sollten damals Lohnarbeiter werden, heute werden diese zu Dienstleistern und Datenproduzenten – oder zu nichts. Das Kapital hat sich von der Ausbeutung der Ware Arbeitskraft weitgehend emanzipiert und nullt, ohne den Umweg über die Produktion realer Dinge zu gehen, tautologisch vor sich hin. Geldströme zischen um die Erde. Das Finanzkapital ist der Fetisch, die vor sich hin nullende Null, die Marx als logischen Endpunkt der Verselbstständigung des Wertes begriffen hat.“

Dann wird es wieder sehr konkret:

“ Die Menschen sind gehalten, das ihnen zur Verfügung stehende Geld auszugeben, Serien zu gucken, über ihre Smartphones zu wischen und dabei Daten zu hinterlassen, das ist alles. Das vage Gefühl der Überflüssigkeit ist der Kern der um sich greifenden Indifferenz. Die aus dieser Indifferenz rührende Leidenschaft ist der Hass – ohne Gegenstand und ohne Bindung an ein Objekt. Bindungslosigkeit ist die sozialpsychologische Signatur des Zeitalters. „Wenn die Gewalt aus der Unterdrückung aufsteigt, dann der Hass aus der Entleerung“, sagte Jean Baudrillard.“

Was passiert mit dem Hass? Das sehen wir derzeit überall. Mehr persönliche Angriffe, grundlos oder wegen Nichtigkeiten, Hass und Hetze in den sozialen Medien, totale Ausraster rund um das Thema „Maske“, tätliche Auseinandersetzungen bei Autobahn-Blockaden, auch häusliche Gewalt hat zugenommen, wen wunderts!

Da ich nun schon so viel zitiert habe, will ich auch die düstere Aussicht nicht vorenthalten, mit der Eisenberg endet:

„Die historische oder leidenschaftliche Gewalt hatte einen Gegenstand, einen Feind, einen Zweck. Der Hass hat keinen. Selbst der Klassenhass erscheint im Rückblick beinahe als eine bürgerlich-kleinbürgerliche Leidenschaft. In der glitzernden Welt des Konsums scheint Widerstand nur noch in Form des Vandalismus oder Wahnsinns möglich zu sein….. Wenn eine staatliche Ordnung, die wir als Bedingung unseres Lebens vorfinden, Überleben und geschichtliche Errungenschaften nicht mehr zu sichern vermag und von keiner gemeinsamen Idee oder ideellem Interesse getragen und verbunden ist, büßt sie ihre Legitimität ein und wird verfallen. Angesichts des Mangels an emanzipatorischen Alternativen steht zu befürchten, dass es die Rechtsradikalen sein werden, die von der Selbstzerstörung der bürgerlichen Ordnung profitieren. Das hatten wir schon einmal.“

Da war doch noch was…

Mich hat der Artikel wirklich beeindruckt, denn nur selten bringt jemand in dieser Kürze die Dinge so auf den Punkt. Zu den Gründen gehört aus meiner Sicht aber noch etwas Anderes:

Die Klimakrise und die fehlenden Perspektiven, den nötigen Umbau wirklich zu schaffen lässt kaum jemanden wirklich kalt. Weder die Befürworter noch die Gegner einer dem Problemdruck angemessenen oder auch nur in diese Richtung weisenden Klimapolitik: Wer sich nämlich mit dem Thema beschäftigt, merkt schnell, dass wir mit der Art und Weise, wie wir wirtschaften, produzieren und konsumieren ganz großformatig auf dem Weg in den Abgrund sind. Gleichzeitig ist „Wachstum“ für dieses Wirtschaften unverzichtbar und das meiste, was an Rezepten zur Abwehr des Klima-Crashs debattiert und projektiert wird, ist eher marginal, viel zu wenig, zu spät.

Was früher „Utopie“ war, ist jetzt die „Erhaltung des Status Quo“ bzw. des Wohlstands, den wir im Weltvergleich immer noch genießen. Der aber gleichzeitig auf im Grunde nicht mehr hinnehmbarer Ausbeutung von Ressourcen, menschlicher Billigarbeit, Artenvernichtung, Tierleid und immer extremerer Umweltverschmutzung (sichtbar vor allem anderswo!) basiert.

Wer ehrlich zu sich selbst und finanziell nicht unkaputtbar abgesichert ist, befindet sich häufig in der mentalen Gemengelage, die nötigen Schritte in die richtige Richtung zu fürchten, weil sie spürbare Kosten verursachen werden. Bei uns allen! Selbst wenn es gelingen könnte: Nur „die Reichen“ abzukassieren wird nicht genügen. Wir müssen unsere Lebensweise ändern – und wer will das schon?

Meine Ergänzung – das merke ich jetzt – passt nicht wirklich zum Artikel. Denn „Hass“ ist nicht die Folge dieser Einsicht, sondern eher Depression.

***

Die Wut dreht sich im Kreis
Immer mehr Menschen haben einen „Hass“. Er ist diffus, aber nicht grundlos

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Diskussion

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9 Kommentare zu „Diffuser Hass und ein Gefühl der Überflüssigkeit“.

  1. Diesen Mangel an Orientierung und die damit verbundene Unsicherheit könnte auf fehlende Führung zurückgehen. Aber das wäre vlt zu einfach. Schließlich sind wir, trotz anderslautender Behauptungen, kein Volk von Untertanen. Eher sind wir ein Volk von Egoisten. Viele wissen einfach alles besser und kämpfen vorrangig nicht um Erfolg versprechende Lösungen, sondern darum, am Ende Recht zu behalten. Das Verrückte ist, dass die meisten von uns (zumindest unterbewusst) ihre Schwäche, kennen dürften. Das trifft sich dann ein wenig mit den Aussagen des von dir gelobten Autors. Keine Elite, keine Vordenker, keine Akzeptanz für irgendwas. So komplex die Herausforderungen auch sein mögen, es liegt allein bei uns. Ich frage mich bloß, ob wir zu solchen Einsichten noch in der Lage wären. Von singulären Einsichten und Absichtserklärungen einmal abgesehen.

  2. vielleicht können wir als masse der menschen mit freiheit einfach nicht umgehen. einzelne individuen können es vielleicht, aber die mehrheit nicht.

    früher hat uns die kirche als verbindlich akzeptierte verhaltensregeln vorgegeben (die ursache für religiöse gebote ist ja ohnehin oft, das zusammenleben von gesellschaften zu regulieren, und die angst vor göttlicher strafe oder die hoffnung auf belohnung im jenseits waren da wichtige faktoren) und auch die gesellschaft selbst, man war in ein enges richtlinienkorsett eingeschlossen, mit wenig raum zur persönlichen entfaltung, das war nicht vorgesehen. man hatte in diesem rahmen zu funktionieren, freizeit gab es auch nicht groß. ich denke da an alltag in der landwirtschaft, in der städtischen gesellschaft zur der zeit der industrialisierung, aber auch in urzeitlichen dorfgemeinschaften, tribes, immer gab es strenge regeln, die die entfaltung einschränkten, gleichzeitig als korsett aber auch halt gaben. individuelle sinnsuche war nicht vorgesehen.

    wer nicht zum nachdenken kommt, weil er zu funktionieren hat, auch z. b. in der familie (kinder aufziehen, versorgen, gleichzeitig noch die alten familienangehörigen gleich mit pflegen, im familienverbund mit geschwistern, kindern, onkeln, tanten, neffen, nichten), wird auch nicht das gefühl der ratlosigkeit erleben, das sich einstellt, wenn man nicht weiß, welchen weg man gehen soll. er wird höchstens von freiheit träumen und sie als gut per se vergöttern, ohne sich je die frage stellen zu müssen, wie er mit dieser freiheit umgehen soll.

    ich bin ein großer verfechter individueller freiheit, sehe aber auch zugleich die gefahr, dass die sinnsuche für die meisten in leere endet. das gegenteil von egoismus ist altruismus, das für andere da sein. das war früher durch die strikten regelwerke, die nicht verhandelbar waren, schon vorgegeben. das einlullen durch wischtaferl wirkt da dauerhaft nicht. wirklich ruhig stellt nur die tiefe körperliche erschöpfung nach schwerer arbeit. erstrebenswert klingt aber auch das nicht. irgendwie entwickeln wir uns als spezies also zu langsam weiter. (meine prognose dazu bewegt sich eher pessimistisch in richtung untergang, was für den planeten selbst und alle anderen arten, die ihn bevölkern, freilich eher positiv zu sehen ist.)

  3. Ich danke Euch für die ausführlichen Kommentare. Beide geht Ihr auf die Orientierungslosigkeit ein, die aus „zuviel Freiheit“ resultiert. Das reicht übrigens bis in den Konsum hinein. Bezüglich der Präsentation von Waren in Supermärkten hat es Studien gegeben, die zeigten: mehr als SIEBEN Versionen desselben Produkts erhöhen nicht die Freude an der großen Auswahl, sondern verunsichern eher, verzögern das Einkaufen und machen keineswegs zufriedenere Kunden.

    „Führung“ im Sinne von Ansagen von oben, die Horst anspricht, ist das, was auf uns zu kommt, wenn mal die Rechten gewinnen. Sicher nicht Glück- und sinnvolle Orientierung bringend!
    Es ist die gesamte Erziehung, die mehr in Richtung „Lebenskunst“ gehen müsste, nicht nur darum, durch Leistung optimal konkurrieren zu können. Für das eigene Wohl sorgen können abseits bloßen Konsumierens, ebenso eine Orientierung auf das Gemeinwohl, das wir schließlich brauchen, um unsere Freiheiten friedlich auszuleben.

    Kürzlich sah ich ein interessantes Gespräch des Philosophen Precht mit dem Soziologen Hartmut Rosa. „Allmacht und Ohnmacht – unser digitales Lebensgefühl“ Sehr spannend, es thematisiert auch unser Thema Freiheit/Orientierung. Precht plädiert tatsächlich für „mehr Ge- und Verbote, insbesondere Pflichten“ – z.B. zwei soziale Jahre für jeden: eins vor dem Berufsleben, eines danach. Wobei er die Senioren nicht zu heftiger Maloche zwingen will, sondern man soll sich frei eine bis dato ehrenamtliche Aktivität aussuchen können. Damit will er dem „Gemeinwohl“ einen Schub geben und den Menschen mehr Sinn sowie ein reales Erleben im Tun für Andere.
    Grundsätzlich meint er, Gebote/Verbote und Pflichten strukturierten das Leben, man könne dann eher eine „Geschichte vom eigenen Leben“ erzählen als wenn man bloß rumhängt, arbeitet was man muss und konsumiert.

    „Erschöpfung nach schwerer Arbeit“? Dafür haben wir heute Fitness-Center, nicht unbedingt die beste Form, den Körper müde (und gesünder) zu machen, weil nicht für alle zugänglich. Aber immerhin eine Möglichkeit, die ja massenhaft genutzt wird. Das Thema liefe bei mir in der Sparte „Lebenskunst“ und müsste ebenfalls in die Schulen integriert werden: Morgens erstmal eine halbe Stunde Gymnastik,… gibts in manchen Ländern und wäre sicher besser, als nur ab und an an Leistungssportarten orientierter Sportunterricht, der sowieso häufig ausfällt.

  4. Ich las letztes Jahr das Buch von Pankaj Mishra: Zeitalter des Zorns.
    Das sagte mir sehr zu.
    Er versteht den Zorn und die Wut als Begleiterscheinung der Moderne.
    Durch seine Analysen (und auch einigem anderen Lesestoff) verstand ich „Die Dämonen“ von Dostojewski besser.

  5. „Ich hab`noch einen Koffer in Berlin“,- das würde mir Spaß und Freude machen, sich mit diesem illustren Kreis hier aus dieser Seite einmal dort zu treffen und dann nächtelang der vielen hier angeschnittenen Themen anzunehmen. :))

    Von Mishra, @Gerhard, habe ich nur die Rezension gelesen. Meine aber, wenn ich es richtig verstanden habe, das es um die „Zurückgelassenen“ geht. Ich denke, das gehört hier unbedingt mit her.

    Eisenberg`s Schlussfolgerung zu Amoklauf und Suizid betrachte ich, aus meiner oberflächlichen Auseinandersetzung damit, als seine eher persönliche Schlussfolgerung. Einen Hinweis auf eine fundierte soziologische Untermauerung dazu habe ich nicht erkannt. Das entscheidende, das Motiv, lässt sich ja nach dem Suizid nicht mehr erforschen, weshalb ich das für viel stochern im Dunkeln halte. Ich würde seine These so nicht unterschreiben „Ei“ oder „Henne“? Dazu zählt auch, ob ich auf dem Handy wische um Daten zu hinterlassen, oder hinterlasse ich Daten, weil ich auf dem Handy wische.

    Wie @Clauida bin auch ich der Meinung, dass zu viele freiheitlichen Wahlmöglichkeiten nicht förderlich sind, sondern das Konfliktpotential zur Entscheidungsfindung vergrößern. Welche Ideen gibt es dazu? Nach meiner Erfahrung ein Problem, so paradox es klingt, die Betroffenen mehrheitlich belastet.

    Was Konsum betrifft, so würde ich aus meiner Selbstbeobachtung meinen, dass ich mit 40 Jahren viel konsumiert habe, und selbst das nie gereicht und zufriedenstellend war. Heute, mit 70, konsumiere ich nur noch einen Bruch-Bruch-Bruchteil davon, weil ich auch nicht mehr soviel habe. Und habe trotzdem alles, was ich brauche. Paradox! Konsum meine ich, steht für mehr als „NUR“ Konsum auf der Zeitachse des Lebens. Was müsste also geschehen oder umprogrammiert werden? Will, soll und kann man das überhaupt?

  6. Gestern war bei 3SAT eine Sendung: Allmacht und Ohnmacht: unser digitales Lebensgefühl. Richard David Precht im Gespräch mit Hartmut Rosa in dem es u.a. auch um die versteckte Wut ging.
    Für mich konzentrieren sich derzeit Wut, Macht und Ohnmacht auf meine Oberkieferprothese. Ich gehe seit Anfang September quasi auf dem Zahnfleisch und die DAK brauchte jeweils 5-6 Wochen, um Anträge abzulehnen, Gutachter zu bestellen u.a.m. Nachdem der Gutachter erst noch eine Paradonthosebehandlung vorschlug, dauert es noch einmal drei Wochen, bis der Antrag dafür genehmigt wird und, und. Die Verzögerung war auch für einiges gut (Zahnarztwechsel) Jetzt kriege ich privat ein Provisorium zu einem moderaten Preis. nachdem auch bei Zahnarzt etwas schief lief. Außerdem bin ich jetzt bei Ergo versichert, die meinen Eigenanteil übernehmen.
    Ich unterstelle der DAK jetzt einmal nicht, dass sie darauf wartet, dass sich das Problem durch mein Ableben erledigt, weil ich ja so hochbetagt bin.
    Außerdem bin ich persönlich auch machtlos meinem jüngeren Sohn Heinz gegenüber, der wegen einer Depresssion (Arbeitsplatzverlust) niemanden an sich ranließ. Mein älterer Sohn Thomas hat es geschafft, dass er wieder den Anschluss schafft Arbeitsagentur, Miete, Strom u.a.m.
    Nila
    Liebe Claudia, wenn das zu privat ist, dann bringe nur den Hinweis auf die Sendung, denn darin waren einige Anstöße.

  7. @Gerhard: das Buch werde ich mal sichten, danke für den Tipp!

    @Menachem: Gute Frage, die du am Ende stellst!
    „Konsum meine ich, steht für mehr als „NUR“ Konsum auf der Zeitachse des Lebens.“ Könntest du das etwas ausführen? Ich finde das interessant! Meinst du Grundsätzliches wie „wir singen und musizieren nicht mehr zusammen, sondern kaufen Musik“? Oder näher liegend: Statussymbole? Oder Füllung einer Leere?

    @Nila: Deine Beispiele lass ich stehen, sind es doch Beispiele für die Entwicklung einer „diffusen Wut“, wenn man wg. derlei lange einfach nicht mehr normal essen kann! Aber immerhin bist du deswegen nicht zur Querdenkerin geworden! Dein Tipp (Precht) ist SEHR relevant, so sehr, dass ich die Sendung in meinem letzten Kommentar selbst erwähnt, verlinkt und Teile seiner Einlassungen berichet habe. Es ist offenbar ein Nachteil langer Kommentare, dass sie dann von dazu Kommenden nicht gelesen werden – ich will sie trotzdem nicht missen!

  8. Ja, @Claudia, „Statussymbol“ trifft es schon sehr gut. Und bei Konsum, wie auch bei „Macht“, geht es meiner Ansicht nach um Attraktivität und die eigene Stellung in der Gruppenhierarchie. Und je weiter man oben steht, desto größer ist die Auswahl- und das Zugriffsrecht auf den Partner, in welchem die Weitergabe der besten Gene, besonders der eigenen, vermutet wird. Und wenn an dieser These etwas dran ist, dann liegt dem Ganzen ein biologisches Programm zu Grunde, das dominiert und über der „Vernunft“ steht. Konsum als Mittel zum Zweck. Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir ohne dieses Programm noch immer auf den Bäumen hausen würden.

    Aber auch die „Füllung einer Leere“ ist in diesem Zusammenhang für mich stimmig. Wenn ich in meinem Kommentar zum Konsum schreibe, dass es „nie gereicht und zufriedenstellend war“ dann liegt in dieser Leere auch mein „Wunsch nach Anerkennung“ verborgen. Ich glaube nicht, dass dieser tiefe Wunsch sich einzig an vernunftorientiertem handeln ausrichten lässt.

    Es gibt so viele interessante Perspektiven und Ansichten auf unser KonsumVERHALTEN und auf das, was uns am vernünftigen verhalten hindert, ja-, in einem solchen realen Austausch vergingen Stunden wie Minuten.

  9. @Liebe Claudia,
    mich hat die Sendung mit Precht so fasziniert, als ich sie selbst gesehen habe (zufällig), dass ich vergaß, darüber schon bei dir darüber gelesen zu haben. Jetzt erinnere mich wieder, wenn ich den Kommentar lese.
    Zur Musik: Engelbert und ich hören fast jeden Abend Musik. Meist Pop, wenig Klassik. Manches möchten wir öfter hören. In der Waldbühne waren wir früher oft. Unvergesslich. Heute halte ich das Sitzen auf hölzernen Bänken nicht mehr aus. Am Bildschirm ist es einfach bequemer und ohne Störungen. Wie auch im Kino. Als ein Bekannter, Opernsänger, noch Schubert u. a., z. B. die Moabiter Sonettte in Berlin sang, haben wir kein Konzert versäumt. Sind auch bis 2019 nach Malchin zu seinen Konzerten gefahren. Unsere Familie hatte bis 1961 kein Radio. Meine Mutter spielte Thüringer Waldzither, wir sangen Volkslieder, christliche Lieder und auch Weihnachtslieder selbst. Und dass auf YouTube fast jede Musik zu finden ist, ist doch auch ein Reichtum. Vor allem seit Corona.
    Übrigens: Gemeinsam altern … wird im Biografienforum oft angesehen, inzwischen über 950 Mal.