Thema: Weltgeschehen

Claudia am 18. September 2001 — 1 Kommentar

Vom Glück mitten im Grauen (9/11)

„Kaum bist du mal weg, geht die Welt unter“, schreibt mir ein Leser ins Forum, den es interessiert hätte, zum aktuellen Desaster meine laufenden Kommentare zu lesen. Ein anderer fragt nach, ob denn wirklich jeder etwas dazu sagen müsse. Und gerade bekomme ich eine Mail, dass der Initiator des von mir betreuten Forums der 13 aus dem Projekt ausgetreten ist und seine Funktionen niedergelegt hat. Warum? Offenbar wurde in der Diskussion über die schrecklichen Ereignisse zu viel Falsches gesagt, jedenfalls für ihn Unerträgliches. Als nächstes schau ich in die Mailinglisten: 768 Mails, davon viele zum Thema „Amerika wird angegriffen“. Jetzt komme ich wirklich ins Staunen, WAS da so alles diskutiert wird („Passt nun die Prophezeiung des Nostradamus oder nicht?“) und mehr denn je stößt mich das übliche Listengeschehen ab, das geradezu automatenhaft darauf hinausläuft, sich zu streiten bis hin zum „Stellvertreterkrieg“. Weiter → (Vom Glück mitten im Grauen (9/11))

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Claudia am 28. August 2001 — 1 Kommentar

Überfluß und Armut

In Berlin ist gerade Funkausstellung. Mir hat es gereicht, vor ein paar Jahren mal dort gewesen zu sein. Zwischen den unzähligen blinkenden Monitorwänden leicht verstört herumlaufen, die teuerste Stereoanlage der Welt anhören, den grinsenden Moderatoren und aufgehübschten Hostessen in die angestrengten Gesichter sehen – und überall Geräte, Geräte, Geräte, in Szene gesetzt wie soeben ausgegrabene Schätze großer Pharaonen. Dazu die seit Jahren sich mantrahaft wiederholenden Beschwörungen: Konvergenz der Technologien, digitales Fernsehen, multifunktionale, alles mit allem vernetzende Steuermodule – Fernbedienungen wählen nicht nur Programme, sondern öffnen auch die Garagentür, schalten den Herd ein – ja wirklich! Und natürlich die noch kleinere und leichtere VideoCam, Kameras mit noch mehr Millionen Pixel, noch bessere DVD- und MP3-Player, der Fortschritt schreitet unaufhaltsam voran – aber gehen wir noch mit? Weiter → (Überfluß und Armut)

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Claudia am 04. August 2001 — Kommentare deaktiviert für Schreiben, Lesen, Verstehen

Schreiben, Lesen, Verstehen

Wenn das berechnende Denken sich langsam totläuft, der machtgeile Blick auf Ursache und Wirkung, Plan und Ziel, „Nutzen“ und Risiken nurmehr wie ein Radioprogramm erscheint, mal laut, mal leise, doch insgesamt erschreckend uninteressant – was dann?

Ein paar Tage Pause, Tage ohne Diary. Vielleicht ist es ja das Ende des Schreibens? Ein Journalist könnte so denken, auch der Philosoph, der am Ende aller Systeme angekommen die Buchdeckel zuklappt. Nicht aber der zwecklos Schreibende, der – allein dem Schreiben zugewandt – die Tastatur, das weisse Feld als ruhige Landschaft spürt: offen für Gestaltung, Wüste mal, dann Metropole, Eremitenhöhle, Tempel, Ort der Kraft. Mögen die Impulse gelegentlich versanden, das Leiden an der Rationalität auch wachsen, die aller Sprache per Grammatik eingeschrieben – eher entsteht ein Fischgesang aus stummen Zeichen, ein Wortgemisch, das heilig nach Geheimnis klingt und gar nichts meint, als dass der Schreibende verstummt vor seinem letzten Morgen. Weiter → (Schreiben, Lesen, Verstehen)

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Claudia am 15. Juli 2001 — Kommentare deaktiviert für Vom Mangel

Vom Mangel

Markus schrieb mir ins Forum: „Lese mal wieder.. 16.7.99, angekommen, Gottesgabe Tag 2.“ Was will er mir damit sagen? Ich lese selber den Beitrag nochmal, eine fast euphorische Schilderung des Neuen, voller Freude an der Natur, an der Landschaft und der großen Wohnung mit Blick ins Grüne. Ich lese es ohne Wehmut, fühle kein „Heimweh“, erst recht keine Reue, diesen Ort nach zwei Jahren wieder verlassen zu haben. Es ist ausgelebt, war die Verwirklichung eines Traums, an dem ich für den Rest meines Lebens fest gehangen hätte, wäre ich nicht aufs Land gezogen. Es ist gut, dort gewesen zu sein und auch gut, den Absprung rechtzeitig wieder geschafft zu haben, bevor sich das Gefühl des Mangels zu äußeren Katastrophen verdichten konnte. Weiter → (Vom Mangel)

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Claudia am 12. Juni 2001 — Kommentare deaktiviert für Das Chaos beginnt

Das Chaos beginnt

Bisher schien es so, als würde dieser Umzug wie am Schnürchen klappen. Aber das kann ja eigentlich nicht sein, ich hätte es wissen müssen. Gestern also nach Berlin gefahren, um einen Termin mit der Telekom wahrzunehmen: ab 13 Uhr, Einrichten des ISDN-Anschlusses. Ha, ich saß also wartend in der leeren Wohnung und pünktlich um 13 Uhr fuhr tatsächlich ein Telekom-Bus vor. Nur: Der war nicht für mich gekommen, sondern für Leute aus dem fünften Stock, Mieter, die nun ihrerseits nicht zuhause waren, so daß der arme Monteur unverrichteter Dinge wieder abziehen mußte. Bis halb sechs blieb ich dann noch dort, gewöhnte mich an die neue Lautstärke, schob im Geiste Möbel hier und dahin und ärgerte mich über die nutzlos gefahrenen 500 Kilometer. Zwischenzeitlich hatte sich auch herausgestellt, daß die Telefonanlage im Heizungskeller liegt, zu dem ich keinen Schlüssel habe. Klar doch, es hat eine umfangreiche Wohnungsübergabe mit drei Seiten Protokoll gegeben, aber dass ein Mieter auch ein Telefon braucht, war dem Mitarbeiter der Hausverwaltung nicht aufgefallen. Weiter → (Das Chaos beginnt)

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Claudia am 01. Mai 2001 — Kommentare deaktiviert für Bewegungen…

Bewegungen…

Auf den ersten Seiten der Berliner Boulevard-Blätter wird seit Tagen alles dafür getan, um auch noch den hinterletzten „gewaltbereiten Chaoten“ zum traditionellen Mai-Zoff hervorzulocken. Der Innensenator hat die „revolutionäre 1-Mai-Demo“ diesmal schlicht verboten, für viele ein Grund, das entpolitisierte Ritual wieder mitzumachen, man hat ja nun wieder einen richtigen Gegner! Verschärfend kommt hinzu, dass ein Gericht das gleichfalls wegen vermutlicher gewalttägtiger Auseinandersetzungen verhängte Verbot einer NPD-Demo wieder aufgehoben hat: Rechte dürfen marschieren, geschützt von der Polizei, die im übrigen 9000 Mann-stark Berlin etwas grüner macht als sonst. Weiter → (Bewegungen…)

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Claudia am 24. April 2001 — Kommentare deaktiviert für Ein ganz normaler Morgen

Ein ganz normaler Morgen

Dieser Beitrag entstand auf Einladung und ist auch im Netzliteratur-Blog erschienen.

Der erste Mailabruf gilt meiner „persönlichen Box“ – naja, persönlich stimmt zwar, gleichzeitig ist klinger@snafu.de aber auch meine älteste und bekannteste Adresse. Trotzdem ist das Verhältnis Mail zu SPAM immer noch erträglich, so ungefähr 9:1, und das nach fünf Jahren. Was mal wieder bestätigt, dass Paranoia keine zu erwägende Geisteshaltung ist… Weiter → (Ein ganz normaler Morgen)

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Claudia am 29. März 2001 — Kommentare deaktiviert für Strafe und Schaden

Strafe und Schaden

Es regnet, dafür ist es endlich wärmer! Die Zeit am Ende des Winters, die sich dieses Jahr besonders lange hinzieht, erscheint mir als die Schlimmste des ganzen Jahres: Und immer noch ein Tag, an dem KEIN Frühling kommt…

Welch seltsames Bild: Die Leute von Robin Wood auf den Gleisen im Wendtland, Arme geschickt einbetoniert, gut zugedeckt von fürsorglichen Polizisten, damit sie sich nicht erkälten. Und Schily verkündet mit eisigem Gesicht, man werde sie verklagen, für den Polizeieinsatz finanziell haftbar machen. Mensch Schily! Von jemandem, der so sehr Staat, Recht & Gesetz vertritt, hätte ich erwartet, daß er nicht versucht, das Strafrecht mit den Mitteln des Zivilrechts zu verstärken. Im Strafrecht steht, welche Handlungen nicht erlaubt und deshalb strafbar sind und mit welchen Folgen einer rechnen muß, der es trotzdem tut. Sich an Bahnschienen zu ketten und so festzubetonieren, dass die „Befreiung“ 16 Stunden dauert, der arme Castor-Transport also einen Tag später sein Ziel erreicht (hat er’s denn wirklich so eilig?) – das ist strafrechtlich eine Sachbeschädigung mit Behinderung des öffentlichen Verkehrs. Vermutlich mit Geldstrafe belegt, normalerweise Tagessätze in überschaubarer Höhe.

Offenbar reicht das dem Innenminister nicht, er will den ganzen Aufwand des Wendtland-Einsatzes per Schadenersatzklage einzelnen Individuen anhängen, wenn’s geht auch den Umweltverbänden (wird schwer werden!). Damit unterhöhlt er den Staat als solchen, dessen legitimes Mittel das Strafrecht ist, um friedliches Miteinander durchzusetzen, nicht die „wirtschaftliche Keule“. Staatliche Gesetze kommen in demokratischer Abwägung zustande, sind das Ergebnis politischer Willensbildung: Dies und das soll unrecht sein, so und so ist der Strafrahmen, mit dem man zu rechnen hat. Um den Gesetzen Geltung zu verschaffen, gibt es die Polizei, die von allen über Steuern finanziert wird, nicht von den Tätern über Schadenersatzzahlungen oder womöglich Gebührenordnungen!

Da fährt einer viel zu schnell und verursacht auf der Autobahn einen Unfall, der folgende Stau dauert Stunden – soll man dem neben seiner Strafe wegen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung die „Gesamtkosten“ aufbrummen? Ist es schon mal vorgekommen, daß einem Mörder, Amokläufer, Sexualstraftäter die Kosten der polizeilichen Fahndung angelastet wurden? Der gerade gefaßte Kindsmörder hat immerhin eine 150-Mensch-starke Sonderkommission recht lange beschäftigt – wird man ihn zivilrechtlich dafür haftbar machen?

Schily denkt offenbar in diese Richtung. Na denn! Wenn sich das durchsetzt, werden die staatlichen Organe kein Interesse mehr haben, die Kriminalität zu bekämpfen, denn je mehr Straftaten es gibt, desto besser wird ihre finanzielle Lage aussehen: Schieß doch, Bürger! Leute, brecht mehr ein, rafft euch auf und macht Randale statt friedlich im Park zu grillen – wir brauchen neue Einsatzfahrzeuge, leichtere kugelsichere Westen und neue PCs wären auch mal wieder angesagt… Weiter → (Strafe und Schaden)

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