Wie Ihr gleich merken werdet, vermeidet diese Überschrift Suchbegriffe zum Thema, um das es heute gehen soll: Meinen Zusammenbruch im Sizilienurlaub, gefolgt von einem 4-tägigen Aufenthalt im italienischen Krankenhaus, der eigenwilligen „Flucht“ aus diesem, dem Resturlaub im Schongang und der unbefriedigenden Ärztetour seit meiner Rückkehr.
Erst wollte ich garnicht darüber berichten, deshalb auch das lange Schweigen mit nur einem Eintrag zum Weltgeschehen bis heute. Aber es geht nicht! Mich rührt, dass sogar jetzt noch hier kommentiert wird (danke dafür!), es gibt also den Wusch, etwas von mir zu lesen, auch nach längerer Zeit noch!
„Über Krankheit schreiben“ heißt ein Blogpost aus dem Jahr 2006: Meine Mutter war totkrank, was mich motiviert hat, ausnahmsweise über die eigene Zukunft in Sachen Krankheit, Leiden, Elend und das Schreiben darüber nachzudenken. Anstatt mich hier selbst zu zitieren: das Ergebnis steht im kurzen Kapitel Schreibend Haltung gewinnen & mutwillige Ignoranz – wobei genau diese Ignoranz immer noch meine Lieblingshaltung ist! Die lässt sich jetzt aber nicht mehr durchhalten, sofern ich nicht meinen ganzen Blogstil ins „bloß noch Magazinige“ ändern will. Will ich nicht!
Das Trapani-Ereignis: voller Kontrollverlust
Es war der erste Urlaubstag in Sizilien: Wir hatten Trapani per Fernbus vom Flughafen Palermo aus erreicht und die vorab gemietete Ferienwohnung bezogen. Nun wollten wir den Tag mit einem guten sizilianischen Essen beschließen und suchten ein Restaurant in der Nähe auf: endlich Meeresfrüchte satt! Während wir aßen, füllte sich das Lokal mit Einheimischen, auch eine Fußballmannschaft fand sich ein. Das Essen war köstlich! Wir zahlten, ich erhob mich – und merkte, dass ich nicht mehr problemlos aufrecht gehen konnte! Ich schlingerte wie ein Schiff auf hoher See, wobei dieses völlig unbekannte Körpergefühl zügig schlimmer wurde.
An den Rücklehnen besetzter Stühle entlang hangelte ich mich Richtung Ausgang und setzte mich dort auf die Treppe, kein weiterer Schritt war mehr möglich. Auch aufrecht sitzen ging bald nicht mehr, ich wurde mehr und mehr zu Gemüse, linksseitig schmerzte der Hinterkopf und von dort aus verlor der linke Arm zügig jegliches Gefühl. (Fun fact: Mein Liebster hob ihn an, während für mein (Rest-)Empfinden der Arm immer noch bewegungsunfähig auf der steinernen Treppe lag!). Es dauerte dann schreckliche 15 Minuten bis endlich eine Ambulanz kam (im Restaurant hatten sie drei verschiedene angerufen!), mich auf eine Liege verfrachtete und ins örtliche Krankenhaus fuhr.
Das sizilianische Krankenhaus: zu kalt!
Ganz sicher verdienen es die dort angestellten Ärzte und Pflegekräfte nicht, dass ich Schlechtes über sie schreibe! In der Regel (nicht immer) waren sie freundlich und hilfsbereit und taten, was sie konnten bzw. gemäß ihrer Arbeitsplatzbeschreibung tun mussten. Auch habe ich keinen Vergleich, denn in einem deutschen Krankenhaus war ich nur mal kurz als Besucherin. Ich kam also in die Notaufnahme, wo sie mir „Zugänge legten“ und mich an den Tropf hängten. Was genau alles geschah, weiß ich nicht mehr: zwar war ich zu keiner Zeit bewusstlos, aber insgesamt doch völlig durch den Wind! Zum Glück war ich wach genug, um einen Katheder zu verweigern, den sie mir auch gleich verpassen wollten! (Ist ja am bequemsten fürs Personal!)
Ich fühlte mich furchtbar, soweit ich noch etwas fühlte – es hat mir aber gereicht! Nach und nach stellte sich das Empfinden im linken Arm wieder her, nicht ganz, aber das bisschen „pelzig“ war ja sehr erträglich!
Dann die Odysse von Station zu Station, denn eigentlich hatten sie dort, wo ich hingehörte (die Neurologische), nichts frei. Es war saukalt (15.März), das Krankenhaus heizte offensichtlich nur die Zimmer, nicht die Gänge – und ich war nur mit einer dünnen Alu-Folie bedeckt. Mein Liebster versuchte natürlich die ganze Zeit, in meiner Nähe zu bleiben und schaffte es irgendwann/irgendwo, meinen Mantel über mich zu legen, was ein wenig Wärme brachte. (Es gab dort nur eine Stunde Besuchszeit pro Tag, wie wir später erfuhren!). Immerhin kam ich recht schnell zum MRT, dann zu einem CT mit Kontrastmittel, das zu einer unangenehmen „Wärme von innen“ führte.
Die Behandlung, die mir in den Folgetagen zuteil wurde, waren zunächst viele weitere Infusionen. Die seien nötig, erklärten sie, um die Wirkung des Kontrastmittels auszugleichen. Bedeutete: häufige Toilettenbesuche, die ich in den ersten zwei Tagen „selbständig in Begleitung“ machen durfte. Nur dass garnicht immer Pflegepersonal da war, um mich zu begleiten, wenn es sein musste. Ich ging trotzdem, wofür sie mich dann lautstark zurechtwiesen.
Am dritten Tag kam ich endlich in die Neurologische, wo mir eine resolute Pflegerin allen Ernstes eine Windel verpasste! Dass ich die Lizenz zum selbstständigen Toilettengang hatte, interessierte sie nicht, sie habe ihre Weisungen. Zum Glück kam der Arzt eine Stunde später und hob ihre Weisungen auf, was sie lautstark grummelnd zur Kenntnis nahm.
Ansonsten bekam ich morgens und mittags Tabletten, durfte nicht aufstehen, anfangs nicht mal aufsitzen, wodurch ich von Tag zu Tag schwächer wurde. Dazu trug auch das Essen bei: Morgens gab es Zwieback, Marmelade und die Wahl zwischen Milch und Tee (armer italienischer Süden, Kaffee nur im Automat, von dem ich nichts wusste!). Mittags dann typisch italienisches 3-Gänge-Essen: Pasta, Hauptgericht (z.B. ein dünner Fleischlappen), danach ein hartes Brötchen plus Marmelade-Pack. Erst bekam ich das eingeschweißte Essen nicht mal auf, dann entschied ich mich grundsätzlich dagegen, schob Übelkeit als Erklärung vor, was nur halb gelogen war. Das Foto rechts ist das einzige Foto aus dem Krankenhaus, ich war selbst zum Fotografieren und Dokumentieren zu lustlos und schwach. (Ein bisschen Übergewicht wird in solchen Situationen zum Vorteil!)
Die Verständigung im Krankenhaus klappte nur so mittelgut bis schlecht. Zwar kann ich Italienisch für den Alltag ganz gut, aber nicht gut genug, um medizinische Themen mit Ärzten und Pflegenden zu diskutieren! (Immerhin verstand ich die Diagnose: Eine von vier Halsadern zum Kopf hatte sich geschlossen, was zum linksseitigen Kleinhirninfarkt führte, woraufhin sich auch gleich eine Armarterie schloss)
Englisch kann auf Sizilien kaum jemand, der nicht direkt im Tourismus arbeitet. Ich stellte also auf Italienisch den Sinn des Bleibens in Frage, denn Tabletten könne ich doch auch draußen nehmen. Tja, angeblich sollte ein Eingriff am linken Arm erfolgen, wo sich eine Arterie geschlossen hatte – das sei in der einfachsten Form keine große Sache, vielleicht ein Stent, aber: Dafür müsse ich wieder in eine andere Abteilung, natürlich erst, wenn dort etwas frei würde. Wie lange sie dann für diesen Eingriff brauchen wollten, wussten sie noch garnicht zu sagen. Auch ein 24-stündiger Herz-Check auf der Suche nach der Ursache des kleinen Schlaganfalls stünde noch aus…. wo und wann? Keine Ahnung… .
Wie ein Urlaubsplan plötzlich nur noch Zwang ist
Mir mir nicht! Wir hatten die Fewo in Trapani nur wenige Tage, danach noch eine für drei Tage in Marsala, dann vier Tage in Palermo. Der Rückflug nach Berlin war erst am 27. März. Dafür hatten sie im Krankenhaus kein Verständnis: ich müsse sofort zurück nachhause, wenn ich das KH verlassen würde. Tja, das ging aber nicht! Selbst wenn wir willig gewesen wären , einen zeitlich näheren Flug zu bezahlen – es gab keinen! Nicht mal mit einer Auslandskrankenversicherung wäre das gegangen, die zahlt den Rücktransport (zigtausende Euro!) auch nur, wenn es medizinisch zwingend notwendig ist und man vor Ort nicht behandelt werden kann.
Unbefriedigend! Ich wollte raus… Nachdem mich an Tag 4 eine freundliche Gefäßchirurgin aus Lettland per Ultrasachall ausführlich untersucht hatte und meinte, das mit dem Eingriff könne ich auch noch zuhause machen, beschloss ich, das Krankenhaus am Tag 5 zu verlassen. Die Ärzte waren nicht begeistert, ich unterschrieb den Abgang auf eigene Wunsch – und immerhin gaben sie mir einen ausführlichen Bericht mit, die MRT- und CT-CDs, sowie eine Liste mit Medikamenten mit, die mein Liebster dann noch in Trapani besorgte – alle fünf zusammen kosteten übrigens nur knapp 50 Euro, nur eines war verschreibungspflichtig.
Der Resturlaub im Schongang
Wie war ich froh, als ich draußen war! Bis auf ganz wenige kurze Spaziergänge lag ich jetzt in der Ferienwohnung ab, anders als im Krankenhaus immerhin mit WLAN! Hier mal der Ausblick nach hinten hinaus, sehr typisch die Wasserbehälter auf den Dächern:

Trapani erschien mir als recht hässlicher Ort (kein Wunder! Es gibt aber auch andere Ansichten!), wir hatten ursprünglich vor, uns ein Auto zu mieten und Ziele im Inland anzufahren, die mit Bus odert Bahn nicht erreichbar sind. Das musste nun leider ausfallen! Nach ein paar ruhigen Tagen wechselten wir ins benachbarte Marsala, das nur für die Freunde des gleichnamigen Süßweins wirklich interessant ist, dann endlich nach Palermo.
Endlich daheim (und im defizitären deutschen Gesundheitssystem)
Zu den Medikamenten hatte mir das Krankenhaus in den Bericht geschrieben, diese seien nur provisorisch und dringend nach fachärztlicher Neubewertung zu ersetzen. Tja, aber krieg erstmal einen Facharzttermin, drauf wartet man hierzulande Wochen und Monate, es sei denn, man ist Priovatpatient oder Selbstzahler! Zudem hat mein Hausarzt im letzten Herbst dicht gemacht, also gab es auch keine Chance auf eine „Übverweisung mit Dringlichkeitsvermerk“. Ich mailte also ausführlich an die Cardiologische Praxis, bei der ich schon einmal gewesen war. So mit der ganzen Geschichte, der Medikamentenliste, dem (extra übersetzten) Krankenhausbericht – aber erst einmal keine Reaktion. Nochmal gesendet und ich bekam den Bescheid, mein Anliegen werde „den Ärzten vorgelegt“. Man bitte um Geduld und sei im übrigen ab Mitte April im Urlaub – am Telefon dann ein Terminangebot im Mai, nach Verweis auf Dringlichkeit (Leute, ich hatte einen SCHLAGANFALL!) dann schließlich doch etwas zeitnäher in einer Akut-Sprechstunde.
Dort verschrieb mir der Arzt die deutschen Versionen der Medikamente, das sei so Standard. Immerhin ein Termin zu diesem 24-Stunden-EKG, ambulant – und dafür wollten die mich in Italien stationär behalten! Aus dem Wartezimmer nahm ich mir eine Erkältung mit, wie ich gleich am ächsten Tag spürte. Erstmalig ließ ich mir auch von eine KI die verschriebenen Medikamente beschreiben – oha, ein Statin dabei, sogar die Apothekerin meinte, das sei aber recht hoch dosiert. Nun legte mich nicht nur die Erkältung wieder flach, es kaum auch ein furchtbarer Husten dazu, den ich als häufige (1 von 10!) Nebenwirkung des Statins dingfest machen konnte. Gleich abgesetzt und tags drauf war der Husten weg! (Die Cardio-Praxis, die ich von der Absetzung und der Nebenwirkung informiert hatte, glaubt mir einfach nicht: alles nur die Erkältung – warum blieb aber die Erkältung, während der Husten verschwand?).
Ach ja, den deutschen Normalpreis (den Menschen mit Privatrezept bezahlen) der Medikamente hab‘ ich jetzt mal zum Vergleich ermitteln lassen: Schlappe 133,51 € alles zusammen, dabei sind hier vier von fünf verschreibungspflichtig – und das eine frei Verkäufliche kostet in der Apotheke weniger als die Hälfte des Listenpreises.
Da war doch noch was…
Ach ja, der kleine Eingriff, der VIELLEICHT meine Armartherie entstopfen könnte – dafür bekam ich vom Cardiologen eine Überweisung in ein riesiges Ärztezentrum. Dort sind jede Menge selbständige Arztpraxen ansässig, jedoch nur eine internistische. Dort mailte ich hin, wieder so ausführlich wie nötig, die Vorgeschichte, die Medi-Liste, die Kopie der Überweisung – keine Antwort. Mehrere Tage später nachgehakt aus einem anderen Mailaccount, meine Hauptadresse könnte wegen diversem Missbrauch im SPAM landen. Aber nix: Keine Antwort! Ich fragte also Gemini, wie man zu dieser Praxis Kontakt bekommen könne. Sie wusste, dass Mails meist nicht bearbeitet werden und riet mit zum Telefon (das auf der Webseite garnicht angegeben war), sowie zum FAX!
Yeah, FAX, das hat doch sicher Chancen, ist nicht so ekliges Neuland. Ich bemühte also einen Online-Fax-Dienst, holte mir einen Gutschein für drei Probefaxs und sendete gestern nochmal alles mit Verweis auf die Emails plus Anhänge.
Und siehe da, heute ruft mich tatsächlich eine medizinische Fachangestellte aus der Praxis an! Sie berichtet, der Arzt hätte mein Fax gelesen und ihr aufgetragen, einen Termin zu machen – ob mir der 22 Mai passe?
Nun ja, meinte ich, das Gefäß sei halt verstopft und brauche vielleicht einen Stent, ob das denn solange warten könne? Prompt bekam ich einen Termin nächste Woche, ich glaub es kaum!
Fazit: Zeitnahes Behandeln unmöglich
Mich würde mal interessieren, wieviele Leute pro Jahr sterben, kränker oder behindert werden weil unser Gesundheitssystem keine zeitnahen Behandlungen ermöglicht? Kein Wunder, dass die Notaufnahmen überquellen, was sollen die Menschen denn machen, die akute Probleme haben und eine „fachärztliche Bewertung“ brauchen?
Ich hab mich sowieso drauf eingestellt, dass von ärztlicher Seite nichts weiter kommt. Mit dem leicht pelzigen Gefühl im linken Arm kann ich leben, vor allem immer noch gut tippen. Sollte das mit dem „kleinen“ Eingriff nicht gehen oder Gefahren mit sich bringen, lasse ich alles so und lebe damit.
Dass Kraft und Ausdauer nicht von alleine wiederkommen, weiß ich denk meiner Befassung mit Fitnessthemen. Da ist also Training angesagt, wofür ich im FitnessCenter eine Beratung wollte. Gerne, am 5.Mai – und bis dahin halt spazieren gehen, da regeneriert sich der Körper ja auch schon… :-)
So, jetzt hab ich alles erzählt – bis in die degoutanten Einzelheiten hinein. Und erst jetzt fühle ich mich „im Diary angekommen“. Dieses „übers Persönliche schweigen, wenns mal weniger schön ist“ ist nichts, was ich auf Dauer praktizieren kann. Und schließlich herrscht kein Lesezwang, schon gar nicht zum Lesen derart langer Artikel! (Vorab wusste ich nicht, dass der so lang wird! :-)
Und jetzt? Jetzt kümmere ich mich verstärkt darum, Dinge loszuwerden, die ich nicht mehr brauche. Und darum, soweit aufzuräumen (auch im PC), dass es für Hinterbliebene einfacher wird, meine Hinterlassenschaften zu bereinigen. Die Gartenarbeit wird diese Saisan etwas weniger werden müssen, aber die vorgezogenen Tomaten stehen schon auf der Fensterbank! :-)
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Ein Kommentar zu „Was in Sizilien war und was noch ist“.