Thema: Autobiografisches

Claudia am 28. Juni 2000 — Kommentare deaktiviert für Draussen sein

Draussen sein

Je länger ich in den Netzen lebe, desto mehr geraten Ausflüge ins „Real Life“, gelegentliche Bewegungen durch den physischen Raum zu Besuchszwecken, zu Expeditionen in eine seltsame Anderwelt. Dabei wächst einerseits meine Wertschätzung nicht-medial vermittelter menschlicher Kontakte: Sich ungeschützt und ohne Wahl jenseits jeder Notwendigkeit zu begegnen, ist alleine schon ein Ereignis, das zum feiern einlädt. Man liefert sich freiwillig einer Situation aus, die nicht jederzeit „gecancelt“ werden kann, wie all die Dinge, die ich täglich am Bildschirm herbei und wieder weg-klicke. Das allein ist schon eine Liebeserklärung an den Mitmenschen, allerdings eine, die nur von denjenigen verstanden wird, die ihre Tage lange schon aus freien Stücken im kühlen Schein der Monitore verbringen. Weiter → (Draussen sein)

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Claudia am 22. Juni 2000 — Kommentare deaktiviert für Wollen & Können

Wollen & Können

„Reiss Dich zusammen!“, ermahnte mich meine Mutter vor vielen Jahren, wenn ich ihr wütend erzählte, warum der Deutschunterricht völlig öde, der Lehrer doof und die aufgegebene Hausarbeit wirklich DAS LETZTE sei. Ihre Worte waren in den Wind gesprochen, „zusammenreissen“ war definitiv nicht mein Ding, ich sah es einfach nicht ein, absurde Aufgaben erledigen zu sollen, weil sie der Lehrplan nun mal forderte. Statt dessen versammelte ich den Unmut der ganzen Klasse und gemeinsam brachten wir unsere Kritik zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort vor – ach ja, wir waren kein Spaß für die damaligen Lehrer, es war Anfang der 70ger und ihre „Macht“ seit ’68 deutlich geschrumpft. Weiter → (Wollen & Können)

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Claudia am 08. Juni 2000 — Kommentare deaktiviert für Zwangsjacke Intellekt

Zwangsjacke Intellekt

Mit „intellektuell“ meine ich nicht einen gehobenen Bildungsstand oder gar akademische Würden, sondern die Grundprägung, mit der lange schon die Menschen entwickelter Industriestaaten von klein an konditioniert werden: Ursachen und Wirkungen in Beziehung setzen, immer auf Sinn und Zweck schauen, alle Dinge und Handlungen analysieren und begründen – und dies alles in „schlüssigen“ Texten und Reden ausdrücken. Weck‘ mich mitten in der Nacht und frag mich: Warum rauchst du eigentlich noch immer? Schlaftrunken blinzelnd werde ich eine Rede vom Stapel lassen, die dieses verrückte Verhalten vollständig erklärt, ja – bei aller Schädlichkeit – als das einzig Richtige in meiner Situation erscheinen läßt. Weiter → (Zwangsjacke Intellekt)

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Claudia am 30. Mai 2000 — Kommentare deaktiviert für Vom Sterben und Töten

Vom Sterben und Töten

Das Orkantief Ginger hat im Schloßwald eine riesige Buche mit weit über einem Meter Stammumfang zum Einsturz gebracht: der Baum hatte sich kurz über dem Boden in zwei gleich dicke Stämme geteilt, eine Stelle, die der Fäulnis, den Insekten und allerlei Pilzen und Schmarotzerpflanzen optimale Ansatzpunkte bot. Trotzdem wurde der Baum groß und alt – bis Ginger kam und einen der beiden Stämme abbrechen ließ. Es macht mich traurig, vor allem, wenn ich mir vorzustellen versuche, wie sich die andere Hälfte jetzt „fühlt“.

Abgebrochener Baum

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Claudia am 18. Mai 2000 — Kommentare deaktiviert für Multiple Ichs

Multiple Ichs

21 Fotos rieselten heute früh in meine Mailbox – eine Auswahl der Portraits, die vor drei Wochen in einer Fotosession entstanden waren. „Du kannst dich nicht selber fotografieren“, hatte der Fotograf gesagt, als ich von meinen Selbstbild-Versuchen mit der DigiCam berichtet hatte, „du mußt die Verantwortung für die Bilder abgeben“. Weiter → (Multiple Ichs)

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Claudia am 11. Mai 2000 — Kommentare deaktiviert für Der Körper als Text

Der Körper als Text

Sport war für mich immer schon Mord. Als Kleinste, Jüngste und einen komischen Dialekt Sprechende (Schwäbin unter Hessen!) hatte ich in der Kinderhorde schlechte Karten, war körperlich völlig unterlegen und bekam das stets zu spüren, meist auf unangenehme Art. Ich konnte nicht so schnell laufen wie die Älteren, mich nicht wehren, wenn sie mich angriffen, versagte – zu ihrer Freude! – bei jedem Wettspiel, kurzum: eine volle Niete! Ich lernte früh das HASSEN, haßte meine Übeltäter, deren übermächtiger Gewalt ich täglich ausgesetzt war. Und ganz automatisch entstand so Haß und Verachtung für körperliche Kraft und Anstrengung in jeder Form. Weiter → (Der Körper als Text)

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Claudia am 10. Mai 2000 — Kommentare deaktiviert für Net-Identity

Net-Identity

Nicht immer schaffe ich es, Leserbriefe gleich auf die Briefe-Seite zu stellen – zum Beispiel den von Michael zum Thema „Warum schreiben?“, das – wen wundert’s! – doch einige bewegt hat. Herzlichen Dank! Weiter → (Net-Identity)

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Claudia am 07. Mai 2000 — Kommentare deaktiviert für Abschiedsfotos: Ich wurde fotografiert

Abschiedsfotos: Ich wurde fotografiert

Die Fotos, die bei der Session vor über einer Woche entstanden sind, hab‘ ich noch nicht gesehen. Der äußere Anlaß für dieses „mich fotografieren lassen“ war ein aktueller Bildbedarf in einem Webprojekt – und meine Neugier, mich mit den eigenen inneren Widerständen beim „abgelichtet werden“ zu konfrontieren, einmal ausführlich auszuprobieren, was es damit eigentlich auf sich hat. Doch ohne das spontane Angebot eines Künstlers, der sowieso viele Leute aus eigenem Interesse fotografiert (mit f neuerdings? Oder doch ph in der Mitte?), hätte ich das nie veranstaltet, sondern wieder eine schreckliche Passbild-Automaten-Erfahrung gemacht. Weiter → (Abschiedsfotos: Ich wurde fotografiert)

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