Claudia am 02. Mai 2020 — 8 Kommentare

Selbstschutz: Bloß nicht nahe kommen!

Erstaunlich, wie die Zeit der massiven Einschränkungen auf Dauer das eigene Verhalten beeinflusst. Zwar hat sich nach wie von an meinem Alltag nichts geändert, doch verhalte ich mich jetzt durchaus ein wenig anders, ganz ohne darüber nachzudenken.

mit MaskeWährend der ersten Corona-Wochen waren kaum Menschen auf der Straße, die Plätze und Grünanlagen gähnend leer, der ÖPNV ebenso. Auch im Supermarkt verteilten sich die wenigen Leute so, dass auf Abstand nicht extra geachtet werden musste. Das ist jetzt anders: Es fahren wieder deutlich mehr Autos herum, die Straßen und Plätze sind belebter und in Geschäften gilt Maskenpflicht, die zumindest in den Supermärkten auch beachtet wird. Abstand an der Kasse wird durch Markierungen auf dem Boden gefördert, aber ansonsten begegnet man sich in den Gängen wieder in mittlerweile ungewohnter Nähe. Auf den Bürgersteigen sind wieder Gruppen unterwegs, aneinander „auf Abstand“ vorbei gehen ist oft unmöglich.

Und ich merke: das passt mir nicht. Unwillkürlich weiche ich aus soweit es geht, drehe den Kopf weg, atme nicht, bis die Leute im Gang bzw. auf der Straße vorbei sind. Der Mitmensch ist mir zur potenziellen Gefahr geworden und entsprechend verhalte ich mich. Fasse draußen möglichst nichts an, was auch andere anfassen, schiebe den Einkaufskorb schon mal mit über die Hände gezogenen Ärmeln, drücke den Türknopf in der U-Bahn mit dem Ellenbogen und wasche mir zuhause erstmal die Hände.

Das ist eine Veränderung, die nicht abhängig ist von meinen schwankenden Meinungen zu diversen Corona-Maßnahmen und ihren Lockerungen. Die Gefahr und das angesagte Verhalten ist ins Unbewusste gesickert und hat Abwehrmaßnahmen automatisiert, die ich nicht wirklich bewusst beschlossen habe (außer das mit dem „Hände waschen“).

Vermutlich bin ich kein Einzelfall, es geht sicher vielen so, vor allem, wenn sie sich selbst zur Risikogruppe zählen. Dass junge Menschen sich anders verhalten und auf manche Corona-Regel pfeiffen, kann ich gut nachvollziehen, denn ihr Risiko ist deutlich geringer, an einer Corona-Infektion zu sterben. Es liegt nicht bei Null, klar – aber hey, mit 20 hätte ich auch gesagt: Leben ist nun mal Risiko! Mein Zuhause war damals für mich faktisch nur Schlafplatz, von morgens bis spät Nachts war ich unterwegs. kaum vorstellbar, dass ich durchweg zuhause geblieben wäre.

Am Montag machen die Berliner Museen auf. Vielleicht eine gute Gelegenheit, mal hin zu gehen, ohne dem üblichen Gedrängel zu begegnen. Touristen sind ja noch kaum in der Stadt.

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P.S. Schade übrigens, dass ein Lächeln mit Maske nicht sichtbar ist!

Diskussion

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8 Kommentare zu „Selbstschutz: Bloß nicht nahe kommen!“.

  1. Moin
    hattest Du nicht da
    https://www.claudia-klinger.de/digidiary/2020/03/13/virus-kreativ-10-corona-songs-die-laune-machen/
    empfohlen, dass bei solchen „Stimmungen“ Songs/Videos hilfreich sein können?
    ;-)

  2. Es gibt Leute, die ändern sich einfach nie. Gell, Peter.

  3. Das mit dem Museum ist eine Möglichkeit. Aber nicht die Lösung.

  4. @Peter: steht im Artikel irgendwo was von Stimmungen? Ich sehe nichts, es geht um „automatisiertes“ Abstandsverhalten, das vermutlich nicht nur ich im Lauf der Wochen erlebe.

    Freut mich aber, dass Du die Corona-Songs verlinkst / erinnerst. Dein Urteil als „geschmacklos“ fand ich damals voll daneben, da wirklich großartige Musik dabei ist. Schau auch mal rein, die Liste ist gewachsen – wunderbare Stücke mit völlig unterschiedlichen Stimmungen und wirklich für jeden etwas.

  5. Hier hat heute die Schule wieder begonnen. Ich trage Maske auch im Unterricht, auch wenn mir die Brille anläuft. Und meine Teilnehmer? Denen wurde gesagt, Masken seien empfehlenswert aber keine Pflicht. Also: tragen sie gar keine. ok, wie du sagst, Junge Leute. Aber dann kommt mein Direx rein und schüttelt mit dem Kopf „Du musst doch im Unterricht keine Maske tragen“
    Seitdem frage ich mich: Na wann denn dann? Im Bett zu Hause? Nur im Supermarkt?

  6. Ich erkenne mich wieder, Claudia!

    „Die Gefahr und das angesagte Verhalten ist ins Unbewusste gesickert und hat Abwehrmaßnahmen automatisiert, die ich nicht wirklich bewusst beschlossen habe…“

    Das bemerke ich bei mir auch. Bisher meinte ich, dass diese automatisierten Verhaltensweisen wie Sediment auch wieder überlagert werden von den alten (dann neuen) Weisen, sobald man die wieder einübt. So schnell das kam, wird es doch auch wieder weg sein, oder?

    Was mienst du? Hast du Sorgen, dass das „versteinert“ und bis auf alle Ewigkeit so bleibt?

  7. @Gilbert: nein, ich glaube, bei den meisten verschwindet das auch irgendwann wieder, je jünger, je eher. Aber selbst werde ich zum „Küsschen Küsschen mit halber Umarmung“ nicht zurück kehren, bin froh, dass das weg ist! :-) Nehme statt desses den Namasté-Gruß.

  8. @Ingo: wunschgemäß habe ich deine Kommentare gelöscht. Links zu Quellen wie dem Schwindelexperten, der – wie du weißt und obwohl ich versucht habe, dir am Beispiel die Gründe nahe zu bringen – für mich mittlerweile ein rotes Tuch ist, werden hier gelöscht. Ich will nicht noch zur Popularität solcher Spinner beitragen, die sich mit ihrer Anti-Coronamaßnahmen-Haltung profilieren und dabei immer mehr abdrehen.

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