Claudia am 17. Februar 2020 — 12 Kommentare

Was mich zum Bloggen motiviert

Maria Al-Mana ruft anlässlich des dreijährigen Bestehens ihres „Unruhewerks“ zur Blogparade auf. Was uns 50-plus-Blogger zum Bloggen motiviert, will  sie wissen. Ein schönes Thema!

Das Digital Diary hat nun über 20 Jahre auf dem Buckel. Damit ist es das älteste, durchgängig aktive deutschsprachige Blog, dessen Beiträge auch alle noch online sind. Das alleine ist mittlerweile schon ein Grund, weiter zu machen. Immer schon hab‘ ich angesagt, dass ich blogge, so lange ich noch eine Maus schieben bzw. die Tastatur bedienen kann – und mittlerweile hoffe ich, dass ich „diktierend“ bloggen kann, wenn das mal nicht mehr gehen sollte.

Das hohe Blog-Alter und ein Themenmix, in dem das „Weltgeschehen“ eine prominente Rolle spielt, bringt es mit sich, dass ich mich bei gravierenden Ereignissen und Veränderungen besonders gefordert fühle, dazu etwas zu schreiben. Nicht gleich, sondern mit ein wenig Abstand, mit einem weiteren Blick.

Es kommt sogar vor, dass ich „angestupst“ werde, wenn ich dann zu lange auf mich warten lasse. Wie zum Beispiel nach 9/11, als es mir erstmal „die Sprache verschlagen“ hat, bevor ich dann eine Woche danach „Vom Glück mitten im Grauen“ schreiben konnte. Oder der vergleichsweise aktuelle Artikel „Wie weiter nach Erfurt“ – da hat mich Ute Plass‘  Nachfrage nach meiner Meinung dazu bewegt, die Sache ausgiebig zu beleuchten.

Motiviert sein alleine reicht nicht

Es gibt allerdings zwei Arten von Motivation: Bei allem, was mich irgendwie aufregt oder auch positiv berührt, denke ich schon mal: darüber könnte ich jetzt schreiben! Diese Anlässe sind allerdings viel zu viele, als dass ich sie alle zu Blogposts machen könnte. Ich schreibe auch beruflich Artikel für Auftraggeber, was viel Zeit kostet, und habe noch ein bisschen Leben neben dem Schreiben! :-)

Es muss also etwas dazu kommen, um wirklich loszulegen. Das sind wiederum verschiedene Gründe:

  • Etwa, wenn mir etwas länger „auf der Seele liegt“ und ich es schon mehr als einmal mit dem Liebsten oder einem lieben Freund besprochen habe. Dann muss es irgendwann auch „raus“ in die weite Netzwelt.
  • Wenn ich das Gefühl habe, meine Sicht der Dinge kommt in der öffentlichen Debatte gar nicht vor – dann MUSS es einfach sein!
  • Wenn ich zur Aktivistin werde, was gelegentlich passiert, poste ich Beiträge für die jeweilige Sache  – seien es „Brunnen für Kambodscha“, „Formular-Übersetzungen für Flüchtlinge“ oder breitere Kampagnen wie etwa die gegen das Leistungsschutzrecht .
  • Themen, die viele Kommentare nach sich ziehen (heute eher selten) motivieren mich sehr, mitzudiskutieren und evtl. Folgebeiträge zu schreiben, die im Gespräch entstehen. Durch all die Jahre ist es gelungen, hier durchweg eine angenehme Debatten-Atmosphäre beizubehalten – trotz sehr liberaler Kommentartechnik. (Dafür wieder mal lieben Dank an die Kommentierenden!).
  • Skurrile Experimente wie etwa „Hey Google – plaudern mit dem Google-Assistent“ sind auch immer einen Blogpost wert. Mit so etwas will ich doch nicht alleine bleiben!
  • Linkliebe und Notizbuchfunktion sind weitere Motivatoren: Einfach mal andere Blogs rühmen, sowie empfehlenswerte Artikel zu einem bestimmten Thema zusammen fassen.

Manchmal schreibe ich auch über meine Dauerbaustellen, wie etwa „Abnehmen“ oder das Bemühen ums „Bewegen & Sporteln“ – die Kategorie „gesund leben“ dient dann vor allem der Eigenmotivation, mit diesen Anstrengungen fortzufahren. Und unter „Liebe, Beziehung, Geschlecht“ teile ich – selten aber gerne – meine Lebenserfahrung und verhandle auch kontroverse Themen wie Feminismus, Geschlechtsrollen, Gender und was sonst noch so alles aufregt.

Tja, wie Ihr seht, gibt es kaum etwas, das NICHT zum Bloggen motiviert. Dabei kann ich Schreibblockaden und Sinndefizite, wie sie Thinkabout beschreibt, durchaus gut nachvollziehen. Er schließt seinen Kurzbericht mit den Worten:

„…nur im einigermassen Unmittelbaren können wir einen tatsächlich eigenen Eindruck gewinnen, zulassen. Wahr, wirklich, ist das, was uns direkt geschieht. Darum ist das Gespräch so wertvoll. Das Zusammenleben. Zeit teilen. Nicht Nachrichten.“

Stimmt, einerseits. Andrerseits auch wieder nicht, denn wieviel „Welt“ bekommen wir im eigenen unmittelbaren Leben denn mit, wenn wir alles, was per Medien herein kommt, mal wegdenken? Es wäre eine Art Vogel-Strauss-Dasein, oder etwa nicht? Erinnert mich an Kreislers „Und ich geh‘ Blumen gießen, Blumen gießen, Herz was willst du noch mehr!“ ;-)

Das bringt mich auf ein wichtiges Grundmotiv, zu bloggen: Ich will Einfluss nehmen – und sei es auch immer nur ein minimaler, marginaler Beitrag. Damit die Welt ein bisschen mehr so wird, wie ich sie gerne mag!

Diskussion

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12 Kommentare zu „Was mich zum Bloggen motiviert“.

  1. Liebe Claudia,

    was für ein wunderbarer Beitrag – ganz herzlichen Dank! Ich kann ja auch gleich drauf reagieren: Wie ich es von dir kenne (und liebe), guckst du ein Thema immer erst mal von allen Seiten gründlich an und reagierst DANN. So hab ich mir die Blogwelt auch immer schon gewünscht: Ganz viele Grauwerte, viel „Dazwischen“, Eigenes, Selbst-Gedachtes (beileibe nicht so selbstverständlich, wie es klingt … Leider!) Allein diese Haltung motiviert – zumindest mich – immer zum Lesen. Wenn nicht gar zum Selberbloggen.

    Und das alles auch noch so lange wie es „das Bloggen“ überhaupt nur gibt. Mich beeindruckt, beflügelt und motiviert allein schon das.

    Ganz herzlichen Gruß
    Maria

  2. Hallo Claudia,
    eine Blogparade ist eine gute Motivation zum Bloggen! Aus dem Grund:

    #Blogparade – #blogs50plus: Meine Motivation zum Bloggen!

    Natürlich mit Link zu dir und Maria, so wie sich das gehört. 20 Jahre ist ein stolzes Alter für ein Blog, das dauert bei mir noch ein paar Jährchen! ;-)

    Viele Grüße nun aus Augsburg

    Mike, TmoWizard

  3. Wahrscheinlich kann man das Thema textlich nicht schöner zusammenfassen, wie du es hier getan hast.

    Mich dünkt, Blogger sollten Themen erst mit Abstand und einer besseren Rundumsicht aufgreifen. Aber mein Ärger über die ablaufenden Vorgänge sind zu groß, als dass ich mich vernünftigerweise noch etwas zurückhalten könnte. Womit wir dann gleich bei der Motivation wären, die mich vor allem zum Bloggen brachte. Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich etwas geschrieben habe, über das ich eine Weile später teilweise schon wieder anders gedacht habe? Das spricht sehr dafür, dass deine Herangehensweise die bessere ist.

    Bei mir wäre das dann aber vielleicht so, dass ich das Thema ganz ließe und nicht nur weniger, sondern gar nicht mehr bloggen würde.

  4. @Maria: danke danke! Deine Wertschätzung freut mich sehr!

    @TmoWizard: schön, dass es mehr Teilnehmer werden! Hab deinen Beitrag auf dem Blog gerne gelesen!

    @Horst: Alles hat seinen guten Sinn, auch das Spontanbloggen! Wenn ich nämlich angesichts relevanter Ereignisse (noch) nicht selbst dazu blogge, freue ich mich immer sehr über deine zeitnahen Beiträge. Da kann ich dann wenigstens kurz kommentieren!

  5. Nachdem, was in Thüringen und auch in Berlin (Röttgen) abläuft, kann ich einfach nicht widerstehen. :-) Und bin doch irgend überfordert. Was soll man zu diesen Dingen sagen. Thüringen ist gefährlich, Röttgen täte der CDU gut. Mal so ganz kurz mein Statement dazu.

  6. Liebe Claudia,

    ich habe mich bevor ich meinen Beitrag zur Blogparade eingereicht habe, zunächst mal in die bereits vorhandenen Artikel vertieft und muss sagen, dass ich deinen überaus spannend und lesenswert finde.

    20 Jahre, Hut ab! Wirklich eine großartige Leistung. Und die Vielfalt, da werde ich gerne immer mal wieder reinschnuppern.

    Liebe Grüße, Gabi

  7. Alle Achtung, 20 Jahre sind schon eine Leistung, einen Blog zu schreiben. Da kommt einiges an Themen zusammen.

    So eine Blogsammlung finde ich schön, weil man immer wieder in alten Beiträgen stöbern kann. Manchmal ändert sich die Sichtweise auf ein Thema, und dann wird es wieder aufgegriffen und neu beurteilt.

    Ähnliche Dauerbaustellen habe ich auch. Vor allem mehr Bewegung. Aber ich bin dran.

    Liebe Grüße Sabine

  8. […] Klinger bloggt schon seit 20 Jahren. Sie bloggt immer noch unter derselben URL, selbst ganz alte Beiträge findet man. Das ist schön, […]

  9. @Claudia „Das bringt mich auf ein wichtiges Grundmotiv, zu bloggen: Ich will Einfluss nehmen – und sei es auch immer nur ein minimaler, marginaler Beitrag. Damit die Welt ein bisschen mehr so wird, wie ich sie gerne mag!“

    In diesen Anliegen kann ich mich sehr gut wiederfinden, nicht als Bloggerin (bin ich nicht), sondern als jemand, die auf deinem Blog immer wieder gerne kommentiert. :-)

  10. Nachdem ich einen eigenen Beitrag zur Blogparade formuliert habe, war ich neugierig, was andere dazu schon publiziert haben. Und so bin ich auf dein Blog gestoßen, das mir trotz dieses beeindruckenden Alters bisher nicht in die Quere gekommen ist. Dabei könnte es doch ein paar Gemeinsamkeiten geben, auch vor allem die ganz am Ende des Beitrags formulierte Motivation. I ch habe mir vorgenommen, ab jetzt öfter vorbeizuschauen.
    Liebe Grüße
    Astrid

  11. Deine zwanzig Jahre sind eine unglaubliche Leistung. Und Deine Beiträge sind nach wie vor voller Feuer, Energie und Sorgfalt. Und tatsächlich herrscht bei Dir im Haus unter den Kommentierenden ein Grundrespekt – weil Du ihn auch in Deinen meinungsstarken Texten und Kommentaren entsprechend vorlebst.
    Du fragst „wieviel „Welt“ bekommen wir im eigenen unmittelbaren Leben denn mit, wenn wir alles, was per Medien herein kommt, mal wegdenken?“
    Und ich frage mich eben, ob wir denn wirklich die Welt mit bekommen durch eben diese Medien – und durch die Social Media wie FB, Twitter oder Instagram? Das Coronavirus ist ein wunderbares Beispiel.
    Du sollst rein gar nichts an Deinem Schreiben ändern, bist darin eh viel mehr Profi als ich, und wichtig ist immer, dass man über das schreibt, wofür das eigene Herz brennt und klopft – und/oder über die Themen, die einem unter den Fingernägeln brennen.
    Danke für 16 Jahre Inspiration – und für die vielen, die noch kommen werden!

  12. @Thinkabout – ein Kommentar, dem ich mich sehr gerne anschließe, auch wenn ich noch nicht so lange in Claudias Blog mitlese.

    @Claudia – bin sehr beeindruckt von deinen engagierten, aufklärenden
    und auch sprachlich klar u. treffend formulierten Beiträgen. :-)

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