Claudia am 25. Januar 2012 — 5 Kommentare

Das Netz zieht sich zusammen

Ich komme mir gerade vor wie in einem Bummelzug, der plötzlich auf ICE-Geschwindigkeit beschleunigt. Google schaltet alle Dienste und Daten zusammen, FB beglückt seine User zwangsweise mit der umstrittenen Timeline, Medien und Blogs nutzen verstärkt „sammelnde“ Kommentar-Systeme – das Netz zieht sich zusammen.

Dabei gehöre ich immer schon zu jenen, die „bewusst“ im Netz publizieren, egal wo. Ich folgte dem Rat der „Ahnen“ ab 1996, die allen Newcomern in die Nettiquetten schrieben: „Egal, was Ihr dem Netz anvertraut, rechnet damit, dass es irgendwann irgendwo in einem anderen Zusammenhang auftauchen kann!“

Doch obwohl das so ist, GRUSELT mich die „totale Zusammenschaltung“ von Google. Dass man jetzt – sehr eingeschränkt – Pseudonyme und Spitznamen „beantragen“ kann, macht nichts besser. Im Gegenteil, es wird dadurch sehr offensichtlich, dass Google darauf besteht, SELBST den Klarnamen/Normalnamen/Realnamen zu kennen.

Zum Glück lebe ich nicht von Adsense-Einnahmen (=die Google-Anzeigen) und hab‘ mich arbeitstechnisch nicht von den Google-Produkten abhängig gemacht. Denn wenn das alles mal zusammen geschaltet ist, wird ein „Verstoß gegen die Richtlinien“ (auf nur EINEM der Dienste) schnell zum Existenz-bedrohenden, evtl. vernichtenden Ereignis.

Froh bin ich auch über meine seit Jahren etablierten Blogs auf selbst gemietetem Serverspace bei einem kleinen, mir seit 1999 vertrauten Provider. Das gibt mir ein gewisses Gefühl der Unabhängigkeit:
sollte ich hier mal verschwinden, wissen viele immerhin, wo sie mich finden – zur Not auch über meine uralte „Homepage“ www.claudia-Klinger.de, die (aus sentimentalen Gründen) optisch noch den Charme der 90ger versprüht…

Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden

Warum kommt mir nur gerade dieser Spruch in den Sinn? Dabei bin ich nicht mal Tolkien-Fan…

***

Mehr dazu:


Google will alles über dich wissen
– SPIEGEL online, sehr informativ!;

Googles neue Datenschutzerklärung ist böse. Richtig, richtig, richtig böse – Basic Thinking;

Neue Nutzungsbedingungen: Google sammelt deine Daten bald zentral – t3n ;
Google aktualisiert Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen – GoogleWatchBlog;

Alle Google-Produkte vereint – artundweise.de;

Diskussion

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5 Kommentare zu „Das Netz zieht sich zusammen“.

  1. *unterschreib*

    das ist auch genau der grund, warum mir kein externes kommentarsystem ins blog kommt.

  2. Claudia, Du warst doch mal sehr angetan von dieser neuen Google-Plattform? Immer noch?
    Lese grad das Buch „Gemeinsam einsam“ – wobei ich denke, dass die Meinungen darüber sich so schnell ändern, wie es die neuen Möglichkeiten tun- je nachdem, was so geschieht…
    Gruß von Sonja

  3. Hallo Sonja,

    ich habe diese Buch auch gelesen und wurde damit in vielem bestätigt, was ich von Anfang an vermutet hatte, aber nie für möglich gehalten habe. Crowdsourcing für die Plattformbetreiber eine tolle Sache. Die Arbeit von vielen unbezahlten Arbeitskräften macht einige wenige Menschen zu reichen Leuten. „Geben und Nehmen“ heißt es so schön. Was Sprüche! Gegeben habe ich viel. Meine Gedanken, meine Gefühle, meine Texte – freiwillig. Und ganz unfreiwillig um ein Haar mein Leben. Doch diese Emotionsfilmchen interessiert keinen Menschen. So ist das Netz. Es liegt an uns diesen Raum, der immer mehr zum Lebensraum wird, zu gestalten.

  4. @Sonja und Christa:

    dass ich Googles Datenpolitik und Facebooks Timeline-Zwang kritisiere, heißt bei weitem nicht, dass ich nicht selber gerne soziale Netze nutze. Ich bin bei GooglePlus recht aktiv, bei FB immer schon fast nur Karteileiche, das hat sich nicht geändert.

    Das genannte Buch hab ich nicht gelesen, nur etliche Rezensionen und Statements von Bekannten/Vernetzten. Demnach hab ich ein recht festgeklopftes Vorurteil, das in etwa dieser Leser-Rezension entspricht.

    Gerade WEIL große soziale Netwerke durch die Ermöglichung der Kommunikation Vieler mit Vielen unglaubliche Möglichkeiten bieten, die erstmal heraus gefunden und genutzt werden wollen, kann bloße Ablehnung und Verweigerung nicht der Weg sein. Damit ist man halt bloß „draußen“ und verweigert sich der Mitgestaltung. Wer nie selbst „vernetzt agiert“ (im jeweils individuell zum Leben passenden Maß) und sich dieser neuen Art des Miteinanders ängstlich verweigert, kann doch kaum kundig kritisieren, geschweige denn beim „Politik machen“ bezüglich der beteiligten Interessen sinnvoll mitwirken.

    Die Klage, dass hier Unternehmen die Bewegungsdaten ihrer User zur Bereitstellung zielgenauer Werbung nutzen, teile ich z.B. nicht. Meine Angst ist NICHT, die passenden Angebote zu meiner letzten Google-Suche oder Google-Mail an einen Freund zu bekommen. Ist doch 1000 mal besser als breit gestreute Themen als Prospektberge im Briefkasten!

    Es ist auch nicht so, dass ich „für Google arbeite“, wenn ich dort etwas poste. In meinem Empfinden kommuniziere ich mit bekanngen und unbekannten Leuten über das, was mich den Tag über so bewegt. Ich gebe weiter, was mir erwähnenswert erscheint und trage in Diskussionen zur politischen Willensbildung bei. Andere machen mehr auf Unterhaltung, zeigen ihre Künste oder flooden die Timeline einer Bank, weil die in ihrem Werbespot Wurstkonsum glorifiziert – und und und…
    Ich gebe und ich nehme – hier im Blog genauso wie in den sozialen Netzen.

    @Christa

    „Und ganz unfreiwillig um ein Haar mein Leben. Doch diese Emotionsfilmchen interessiert keinen Menschen. So ist das Netz. “

    Den Satz kann ich überhaupft nicht einordnen! Und NATÜRLICH interessiert es mich, wenn du „wegen sozialer Medien“ fast dein Leben verloren hast. SEhr sogar!

    Kriminalität ist ja ein allgemeines Phänomen, dem man mit und ohne Netz zum Opfer fallen kann. Auch Sucht kann sich in zig Gestalten zeigen, von der Alkohol- über die Arbeits- bis hin zur Sex-, Porno- und Internet-Sucht.

    Google und Facebool würde ich da aber eher nicht die schuld geben.
    „Es liegt an uns diesen Raum, der immer mehr zum Lebensraum wird, zu gestalten.“

  5. früher war Beichtstuhl
    heute ist Google …

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