Claudia am 19. Dezember 2009 — 33 Kommentare

Klimakonferenz-Desaster Kopenhagen: falsches Format!

Eigentlich hat man es ja VORHER schon gewusst: dass es wenig Aussicht auf ein sinnvolles Abkommen in Kopenhagen geben werde, war bereits in den Vorverhandlungen klar. Doch dann kam – allein durch massives kollektives Beschreien der weltrettenden Wichtigkeit – ein wenig Hoffnung auf: Die Konferenz der 192 Staaten werde die nötige Bewegung schon erzeugen, wenn nicht gleich, dann spätestens mit dem Eintreffen der Staatsoberhäupter. Wer würde schon ein komplettes Scheitern riskieren wollen?

Nun ist man nach durchverhandelten Tagen und Nächten knallhart auf dem Boden der Tatsachen gelandet: keine Einigkeit, kein Abkommen. Was den einen als Reduktionsziel schon zu viel ist, ist den anderen zu wenig – mal ganz abgesehen davon, dass das Ausmaß der zu erwartenden Erwärmung ja selbst auf wackligen Füßen steht.

Wahnsinniger Verhandlungsmarathon

Viele werden jetzt ziemlich deprimiert sein. Komischerweise bin ich es selber nicht. Denn die Konferenz hat doch ETWAS sehr deutlich gezeigt: es ist schon ziemlich verrückt, vom Zusammentreten der 192 Staatsdelegationen überhaupt einen wie immer gearteten „Durchbruch“ in Sachen Klimaschutz zu erwarten. Man stelle sich mal vor: wenn aus den 192 Staaten jeweils nur einer fünf Minuten lang spricht, und man für den Rednerwechsel nur 2 Minuten ansetzt, vergehen schon 1344 Minuten, also 22,4 Stunden! Richtige Diskussionen, Rede und Gegenrede, aufeinander Eingehen und erfolgreiche Kompromissfindung KANN so gar nicht stattfinden!

Na klar, man verhandelt nicht nur im Plenum, sondern auch abseits davon in kleineren Gruppen. Richtig gesprächsfreundlich klein sind aber auch diese Gruppen nicht. Da versuchen sich diejenigen Staaten abzustimmen, die mehr Interessen gemeinsam haben als andere, bzw. die sich diplomatisch für so erfahren halten, einigungsfähige Formelkompromisse zu finden. Was bringt das aber, da man dann ja doch wieder auf „die Anderen“ trifft, die schon das separate Verhandeln als intransparent und undemokratisch brandmarken? 48 Stunden non-stop verhandeln, kein Schlaf, keine Erholung, zunehmende Emotionalität, extremer Stress – wie sollte so jemals was Sinnvolles beschlossen werden?

Nicht die Politiker, sondern die Bürger verändern die Welt

Neben der völlig überdimensionierten und im Grunde handlungsunfähigen Politiker-Runde war schon das Gebäude nicht groß genug, um den NGOs ausreichend Platz für eine Teilnahme zu bieten: je mehr Staatsoberhäupter anreisten, desto weniger Delegierte der NGOs konnten „drin“ bleiben – ein weiterer Grund für böses Blut rund um die Konferenz. (Und die Polizei soll bei den Demos auf den Straßen auch nicht grade zimperlich bzw. „deeskalierend“ vorgegangen sein).

Aber mal im Ernst: Hat die Welt sich denn je durch große Versammlungen geändert? Ist es nicht eher so, dass in Kopenhagen und nächstens wieder anderswo erst dann NACHHALTIGE Vereinbarungen beschlossen werden können, wenn die jeweiligen Bevölkerungen der Staaten ein großes Stück weit dahinter stehen?

Kopenhagen wird auf jeden Fall viel bewegt haben: das Thema in all seinen Facetten ist ins Bewusstsein vieler eingedrungen wie niemals zuvor. Es gab einen gewaltigen Input ins „große globale Gespräch“, das nun sowohl in der Nord- als auch in der Südhalbkugel (und stellenweise sogar schon miteinander) weiter geführt werden muss.

Und: Die Chinesen liegen, wie ich finde, gar nicht so falsch mit ihrem Statement: An unseren Taten soll man uns messen! Die Bürger aller Staaten, die Unternehmen, Institutionen, Vereine, Verbände und alle erdenklichen Gemeinschaften sind frei, nicht auf eine schier unmögliche Einigung „der Welt“ zu warten, sondern eigene ehrgeizige Klimaschutz-Ziele umzusetzen. Insbesondere in den entwickelten Staten gibt es ja nach wie vor RIESIGE Energiesparpotenziale. Allein schon technisch lässt sich eine Menge machen, ebenso ist ein kultureller Wandel, der massiven Ressourcenverbrauch als „NoGo“ diskriminiert, durchaus denkbar, ja hier und da schon im Gange.

„Hopenhagen“ war eine Schimäre und hat hoffentlich vielen gezeigt, dass der Weg, sich von politischen Vorgaben zwingen zu lassen, nur sehr sehr langsam, vermutlich gar nicht gangbar ist. Aber NICHTS spricht dagegen, selbst aktiv zu werden: ich wette, fast jeder, der hier mitliest, könnte im nächsten Jahr den eigenen CO2-Ausstoß locker um 10% verringern – und zwar noch ganz ohne besondere Kasteiungen oder echt gefühlte Askese.

Machen wir das doch einfach – Kopenhagen braucht es dazu nicht!

*

Siehe dazu auch:

Eskalation in Kopenhagen: Zwergenaufstand lässt Klimagipfel scheitern,

Klima ertrinkt in chaotischer Gipfelstruktur,

Copenhagen Accord

Diskussion

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33 Kommentare zu „Klimakonferenz-Desaster Kopenhagen: falsches Format!“.

  1. Guten Tag.
    Treffende Überschrift, schöne Zusammenfassung und knackiges Fazit.
    Mach es einfach!
    Matthias

  2. weiß einer was angereichertes CO2 ist?
    Das is glaub das garstige, gell?
    Im Ernst – es soll tatsächlich angereichertes CO2 geben.

    Und was wir ausatmen ist das gute CO2?
    Sollen wir jetz weniger ausatmen oder ist es gut?
    Oder ist es ungesund so viel auszuatmewn
    Ich bring das nich mehr recht zusamm.

  3. Hochgeschätzte Claudia,
    wie Du sicher weißt, enthält die Atmosphäre 0,038 % CO2 – in den letzten 100 Jahren ist dieser Wert von 0,03 aus angestiegen, also um 8-Tausendstel Prozent. Warum soll ich daran etwas ändern wollen?

    Das Wetter auf der Erde ist von der Sonne abhängig – „aber es kann doch nicht sein, daß alle irren, die sich vor dem Klimawandel fürchten!“ Nun, die Menschen laufen dauernd der „neuen Sau“ nach, die durchs Dorf getrieben wird. Ozonloch ( Fluorkohlen-
    wasserstoff ist schwerer als Luft), Waldsterben ( Deutschland hat den größten und gesündesten Waldbestand Europas ), Vogelgrippe ( Hühnerpest gab es schon auf dem Bauernhof meiner Oma in meiner Kindheit ), Schweinegrippe ( harmlos ), aber jetzt !!! – es kommt die Ziegengrippe, davor habe ich unheimlich Schiss – Weihnachten fällt aus.

    Schauen wir ab Beginn des Kambriums auf ca. 550 Mio. Jahre Erdgeschichte zurück, dann beginnt die Gattung Homo ihr Unwesen im sog. Holozän – grob die letzten 10.000 Jahre – sozusagen in der letzten Sekunde der Zeitspanne.

    Wir (homo sapiens) haben erdgeschichtlich bisher in einer der längsten kälteren Perioden mit leicht ansteigenden Temperaturen gelebt. ( Quelle: http://www.dasgelbeforum.de.org/30434/
    messages/369939.htm ). Warum aufregen.
    .
    In diesem Sinne wünsche ich Frohe Weihnachten und ein Gesundes Jahr 2010.

    Hanskarl

  4. … na, wenigstens weiss ich jetzt, was ich im Kindergarten, der mir damals aus gesundheitlichen Gruenden verwehrt war, verpasst habe.

  5. Ja Hanskarl, man sollte CO2 und Umweltschutz begrifflich entkoppeln.
    Lug & Trug im Großen – unsinnig im Kleinen.

    Wie skurril ist es denn? Heute Nachmittag vervielfachte sich z.Bsp. meine CO2-Produktion für knapp 90 Minuten auf das fünffache: Ausdauerlaufen, mit freiem Abatmen in die Natur. Frei auch von verwirrenden Gedanken. Allerdings weiß ich nicht, ob es sich dabei um „angereichertes“ CO2 handelte … ;-) Und wenn ich Wege zu Fuß erledige, anstatt mit dem PKW, dann mag ich das nicht in Zertifikate „umrechnen“.

    Meinen Umweltschutz bemesse ich anders.
    Matthias

    P.S.: aktuelle Meldung: „Komplettversagen politischer Führung“

  6. Linealgeist – wißt ihr, was das ist?

    In seiner naiven, weil sich nicht versteckenden Form ist es das ‚Sowas-hatt-es-doch-noch-nie-gegeben‘ und das ‚wo-kämen-wir-bloß-hin-wenn-es-das-gäbe‘.

    In seiner feiner ausdifferenzierten, weil vorzeigbareren Form ist es die verschämte Beschränkung jeder Prognose auf das Paradigma des Linearen (f(x) = a + bx), weil nur bei Beschränkung der Prognosefunktion, welche eben jene Daten generieren soll, die mit möglichen Beobachtungen Hypothesen-widerlegend (meistens aber im Versagensfalle fälschlicherweise bestätigend) in Konflikt geraten könnten, auf einfache Funktionen (wie etwa die linearen) die üblichen Tests (Stichwort: Signifikanz) aus der Stochastik methodisch überhaupt einen Sinn machen (das Geheimnis ist, daß sich jede gegebene Datenkonstellation durch eine hinreichend komplizierte Datenproduktionsfunktion beliebig genau annähern läßt, so daß dann leider keine stochastischen Anpassungskriterien, die Annahmen scheitern ließen, mehr greifen).

    Inhaltlich wirkt sich das so aus, wie es Hanskarl in seinem Kommentar sehr prototypisch schreibt: „Wir (homo sapiens) haben erdgeschichtlich bisher in einer der längsten kälteren Perioden mit leicht ansteigenden Temperaturen gelebt. .. Warum aufregen.„. Was übersetzt ja nichts anderes besagt als: was es noch nie gab, wird es wohl auch niemals geben! Und immer schön 3 x auf Holz geklopft!

    Und der Rückgriff auf kleine Zahlen wie 0,038% klingt sicherlich recht beruhigend, aber ich möchte nicht einmal eine Konzentration von 0,000038% an Plutonium in meiner Atemluft haben. Mit Zahlen ohne eine sie jeweils kausal einordnende Theorie zu argumentieren ist nicht minder abenteuerlich wie blauäugig mit der Gewißtheit zu kommen, die Großmutter würde nie sterben, weil sie das bisher ja noch niemals getan habe.

    Claudia, dein Optimismus hingegen begeistert mich, auch wenn mir schon ein paar Beispiele einfielen, daß Kongresse sich über die unter ihnen danach leidenden Völker her machten wie eine Bande apokalypstischer Reiter. Etwa der Wiener Kongress, oder die Verhandlungen nach World War I, und ihre je (entsetzlichen) Folgen.

    Ich sehe in diesem Klimagipfel von Kopenhagen nur ein Positivum: die Habealles haben in den Habenichtsen für einmal keine willfährigen Duckmäuser (gegen ein lächerliches Bachschisch) gefunden. Die grinsenden Nutznießer sind für alle Welt recht einfach zu identifizieren, und auch die gierigen Gernegroße trumpften für jedermann deutlich sichtbar auf. Mag sein, das ist eine Chance, ich weiß leider im Moment nur nicht, wofür.

    Für einen handlungs-initiierenden Enthüllungs-Journalismus? Für einen weltweiten Aufschrei der Betroffenen? Für spitzfindige Kommentare oder eine weitere, mein Innerstes aufwühlende Bestätigung dafür, ‚on the road to nowhere‘ zu sein?

    CO2-Emissionen zu minimieren ist sicherlich eine Frage der persönlichen Moral. Ich achte jede, die das tut, ihn auch. Und ich hege keine Bewunderung für Menschen, die ihre Welt (Haus, Büro, Auto und Jagdhütte) mit Klimaanlagen pflastern und Ski-Pisten und 24°-Whirl-Pools mega-geil finden. Aber sie tragen material wohl tatsächlich nur in einem verschwindenden Ausmaß direkt zu möglichen Veränderungen dieser Welt bei. Tagebau, Massenproduktion und Verkehr schlagen da ganz anders zu Buche. Und sie alle sind scheinbar jeweils ein sine-qua-non der Art zu leben, die uns allen (sogar den verhungernden Kindern in Zentralafrika) die dringend benötigten Lebensmittel zuteilt.

    Gäbe es Alternativen? In den saturierten (Mittel-)schichten der entwickelten Staaten wohl nicht. Unter anderem zeigt es mir auch die Diskussion hier, daß man dort beim Monopoly nicht mal das Licht auszumachen bereit ist. Die Gewinnerwartung als Steuerungsparameter versagt leider gerade dort, wo es staatliche Gewinnstützung im Versagensfalle gibt (analog der Theorie, daß Arbeitslosenunterstützung die Arbeitslosigkeit wegen fehlenden Anreizen, sie zu vermeiden, fördere). Es scheint mir, als würden die aktuellen Krisenbewältigungsmechanismen die Chancen zu einer längerfristigen Krisenvermeidung verringern. Eine fatale Situation, befürchte ich. Eine Art Gefangenen-Dilemma, weil jeder Ausweg einen Standpunkt jenseits der möglichen Horizonte der Handelnden verlangte.

    China wird seinen Weg gehen und sich durch noch so viele Menschen auf noch so offenen Plätzen himmlischen Friedens nicht aufhalten lassen. Die USA wird für jede Detailfrage geschickte Anwälte mit hinreichend stichhaltigen Argumenten finden, um sich nicht nennenswert bewegen zu müssen. Europa wird weiterhin hoffen, daß alles nicht so schlimm kommen wird, wie es irgendwelche Menschen ohne wahre Bildung, rechten Anstand und korrekte Kleidung es lauthals auf der Straße, igittigitt, hinaus posaunen. Und die Armen dieser Welt werden, wie immer, herum geschubst – zumeist just dorthin, wo die Reichen sie gerade sehr gut gebrauchen können, damit sie selbst reich und die anderen weiterhin arm bleiben.

    Yes, we can, sagt uns Mr. Obama, und in den gut geheizten Stuben weltweit wird es den Menschen warm ums Herz, sehen sie diesen braven Schwarzen so hellen Mutes daher kommen. We can destroy, we can kill, we can forfeit, übersetzen manche das. Ever we could! We got the men, we got the ships, we got the force! Sagte ein anderer, nicht so dünner und nicht so schwarzer Mann zu einer anderen Zeit. Es fragt sich nur immer, wofür wer welche Truppen und Schiffe und (Streit-)Kräfte mobilisieren kann und welche Perspektiven das eröffnete. Für’s Klima kämpfen – wen mobilisierte das die nächsten 50 Jahre?

    Ich sehe nur eine einzige Chance für ein Andauern jener Formen menschlichen Zusammenlebens, die mir gefallen (was sie, nebenbei bemerkt, nicht zu den einzig sinnvollen und erstrebenswerten macht): Daß in den Zeit- und Wahrnehmungsraum der Gewinnerwartungskalküle hinreichend vieler hinreichend großer Kapitalien Parameter der physikalischen Konstanz in einem traditionellen, mir lieben Wertebereich Einzug hielten. Wenn Profit auch ohne die Welt, so wie ich sie liebe, den über zukünftige Profitchancen Befindenden möglich zu sein schiene, würde meine Welt nicht überdauern. Da aber diese Befindenden ja auch Menschen sind wie ich, wie alle, sehe ich schon eine Chance genau darin. Leider ist diese Chance keine, die sich tapfere und aufrechte Menschen erhobenen Hauptes erkämpfen können. Sie ist krämerisch und subaltern. Sie setzt auf stille Hoffnung und nicht auf laute Macht. Mag sein, ein Grund, warum sie zum Scheitern verurteilt ist in einer Welt der Kämpfer und Gewinner. Aber ein Blick in die Geschichte sollte ein wenig beruhigen. Zu oft hat sich ein scheinbar schwacher Gott als eine äußerst feste Wehr und Waffen erwiesen.

    Heute hat es hier -10°. Also schreibe ich in einem (nicht gerade figurbetonenden) Pullover und dicken Wollstrumpfhosen (und das bei meinen hübschen Beinen!) sowie Filzmatten unter den Fenstern und der Tür. Nachher werde ich mich in die Küche setzen, weil dort gekocht wird und auch meine Körperwärme zur Raumtemperatur beitragen wird. Und der Weißwein steht in der Diele, das bekommt ihm gut, woraufhin er uns allen sehr gut bekommenm wird. Und, als Letztes, ein Tipp für alle ein klein wenig Verliebten: Sex makes hot – and sells! Ich meine, ‚fuck for fridge‘ wäre doch auch mal ein netter Slogan.

  7. „… meine Körperwärme zur Raumtemperatur beitragen wird.“

    Liebe Susanne,

    so sympathisch der Gedanke auch ist, bzgl. der CO2-Bilanz bedeutet er leider ein Nullsummenspiel.
    Siehe Energieerhaltungssatz. (Mit Küche – oder auch dem Planeten – als einem abgeschlossenen System.)

    Gilt selbst in der schlußendlich nahegelegten Form und auch für Selbstverliebte. ;-)

    Gruß
    Matthias

    P.S.: Gegen eine rein inhaltliche Differenzierung habe ich nichts, aber wieso „übersetzt“ Du Hanskarl seinen Kommentar, er schreibt doch ein verständliches Deutsch? Und in der Interpretation sehe ich etwas anderes.

  8. @Hanskarl selbst wenn ich von deinen Zahlen ausgehe (ich hab schon höhere gesehen), wäre das eine Steigerung des CO2-Anteils an der Luft um 26%. Das finde ich schon nicht wenig.
    @Matthias
    >>“… meine Körperwärme zur Raumtemperatur beitragen wird.”<so sympathisch der Gedanke auch ist, bzgl. der CO2-Bilanz bedeutet er leider ein Nullsummenspiel.<

    Susannes Körperwärme ist natürlich eine alternative Energiequelle, denn das CO2 das sie ausstößt, hat sie ja vorher in Form von Pflanzen/Pflanzenfressern aufgenommen. Die beziehen ihre Energie von außerhalb der von dir beschriebenen Systeme (Küche, Planet)

    @Susanne
    sorry, ich hab dich ein bisschen technisiert

    Zum Thema Klimawandel kann ich leider nicht viel beitragen, ich habe einfach zu wenig Fakten, um die eine oder andere Seite zu unterstützen. Nur die totalen Klimawandelleugner sind bei mir unten durch, denn das Abschmelzen von Gletschern in 2 gänzlich verschiedenen Weltgegenden habe ich mit eigenen Augen beobachten können.
    Geblieben ist für mich die Erkenntnis, dass wir unsere fossilen Rohstoffe nicht für so etwas profanes wie Verbrennung nutzen sollten.

    Liebe Grüße Matt

  9. @Matt
    Unglaublich! Dann würde Susanne alternatives CO2 mit Hilfe einer Energie von außerhalb in die Ökosphäre einschleußen – das klingt böse ;-).

    Vorschläge
    – auf Nahrung verzichten
    – Körperumsatz runterschrauben
    – mehr frieren, weniger bewegen (auch nicht zittern!)

    – notfalls, sich (heimlich) einen Döner besorgen

    :-)

  10. Werte @Susanne, um etwas gegen die Erderwärmung zu tun, werde ich im nächsten Sommer die Tür unseres Kühlschrankes des öfteren offen stehen lassen ;-)

    Und bitte sage jetzt nicht, das ist zuwenig! Wenn das jeder macht …

    Übrigens, ich habe u. a. Thermodynamik studiert und mich meine halbes Leben lang mit Klimatechnik befaßt – ich glaube sagen zu können, ich weiß um was es geht.

    Gruß Hanskarl

  11. @Hanskarl

    Das mit der offenen Kühlschranktür funktioniert aber nur ordentlich, wenn du die Temperaturregelung auch ganz aufgedreht hast und die Küchentür weit offen stehen läßt…

    Im Übrigen: das Problem ist ja nicht, daß die das Klima studiert Habenden alle unisono versichern, der Klimawandel wäre nichts Hausgemachtes, während diese alberne Milchmädchenbehauptung nur von uns albernen Milchmädchen stammte. Zu jeder x-beliebigen Behauptung lassen sich nun einmal leider x-beliebig viele Experten fürs Pro- und ebenso viele fürs Kontra-Töpfchen kaufen. Ich schau sie mir dann gerne alle an und glaube dem, der mir am ehrlichsten aussieht. Oder am nettesten. Oder am größten. Oder..

  12. Wir sind in Unordnung und bewegen uns davon weg. Wir werden alle sterben. Die Sonne scheint. Der Mensch oxydiert vor sich hin. Einen besonderen Sinn gibt es nicht.

    Gruß
    Matthias

    Aktuelle Meldung: „Merkel und Obama preisen Minimal-Konsens“

    P.S.:
    Von der Zumutung, ein Mensch zu sein

    (Auszug)
    Es hilft ja nichts: Es ist und bleibt eine Zumutung, ein Mensch zu sein. Allem Schön-Reden zum Trotz ist es eine krasse Erfahrung, sich in diesem Leben vorzufinden: ohne zu wissen, woher wir kommen, wohin wir gehen und wozu das alles stattfindet. Als Gipfel der Stress-Erfahrung ist dann auch noch der Weg in die Ignoranz des Genießens verschlossen: wir wissen, dass wir sterben werden, dass also aller Genuss ein Ende haben wird und all unser Streben nach einem guten Leben letztlich scheitern wird.

    http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2007/05/26/von-der-zumutung-ein-mensch-zu-sein/

  13. Werte Susanne, sicher erinnerst Du Dich an Deine Schulzeit – es gibt nun mal Schüler die was lernen und solche, die nie was lernen ;-).

    Wenn Du möchtest, befasse Dich mal mit den Größenordnungen der Energieflüsse im Wechselspiel Erde-Sonne-Weltall. Die Menschen bilden sich ein, so viel zu vermögen. Alle Atombomben ein einer Stelle gezündet wurden zwar die Erde verwüsten, sie aber nicht aus ihrer Umlaufbahn bewegen können. Die Sonne schleudert Tag für Tag Energie des mehrtausendfachen einer Wasserstoffbombe hinaus ins Weltall ( und auch gegen die Erde ) und dies seit Jahrmillionen. Was hat dagegen die kleine Menschheit aufzubieten – darauf wollte ich mit dem Begriff „Thermodynamik“ hinweisen.

    Gruß Hanskarl

  14. @Hanskarl. Zustimmung.

    Der Mensch verschmutzt und verbraucht seine Umwelt, er kann beim Weltklima sogar das Zünglein an der Waage sein. Nur vermag er mit dieser Erkenntnis nichts rechtes anzufangen. Was ich erlebe ist Arroganz, gepaart mit Einfältigkeit und Chauvinismus. Wie schlecht hätte es denn bei der Konferenz noch laufen müssen, um den politisch Hauptverantwortlichen die Einsicht in ein Scheitern zu entlocken? Das war nicht der Weg, nicht mal die Richtung.

    Gruß

  15. @Hanskarl

    In meiner Schulzeit hat mir einmal jemand von den Magellanschen Wolken vorgeschwärmt. Kleine, unbedeutende Galaxien am Rande unserer wunderbaren und heimatlichen Milchstraße. Weiter weg dann käme der Andromedanebel, groß und mysteriös, wie ein schwerblütiger Spiegel unseres eigenen Daseins, so sagte er mir damals.

    Ich gebe zu, das hat mich schwer beeindruckt. Sollte es ja auch. Vor allem allerdings, weil der gute Junge es einfach nicht schaffte, die kurze Distanz von unserer Schule bis vor mein Elternhaus einmal genau dann pünktlich zu überbrücken, wenn ich es dringend gebraucht hätte.

    Ich bewundere seither alle, die ihren Blick auf das große Ganze heften. Aber ich halte sie leider immer für ein klein wenig unehrlich. Das Ganze dient mir zu oft dazu, die Details zu vertuschen. Und in denen steckt bekanntlich der Teufel. Also die diesseitige Welt mit ihren bunten Bauklötzen und den netten Momenten und all dem, was aus einem simplen Dasein ein Leben machen kann.

    P.S. Deine Idee mit dem Kühlschrank hat noch eine andere Macke: ohne Strom ist dabei nichts los! Und der kommt aus der Steckdose, zu der Drähte führen, die unter Spannung sich erwärmen, wie Hochspannungsleitungen und Glühfäden auch. Es beschleicht mich also rein gefühlsmäßig der Verdacht, es hier mit einem Nullsummenspiel zu tun zu haben. Eine Spielart, die bekanntlich immer nach hinten los geht, wie Hütchenspiele oder Pokern. Ich denke, ich werde den Kühlschrank also gar nicht mehr öffnen. Ihn sozusagen ’schrödingern‘. Das fügt außerdem noch etwas Quantenmechanisches zur Diskusssion hinzu! Ist das nicht toll?

    @Matthias

    Wie kommst du auf die Idee, die politisch Verantwortlichen würden eine Veranstaltung wie die Kopenhagener Konferenz als Scheitern sehen? Soweit ich es sehe, hat jede beteiligte Partei ihre Schäfchen recht gut nach Hause gebracht. Diese Konferenz war für alle ein voller Erfolg!

    Und das meine ich gar nicht zynisch!

    Ich halte die bloße Absichtserklärung durchaus für einen Erfolg. Einmal ist damit das Ziel als solches etabliert. Zum anderen sind die verschiedenen Fronten klar gestellt worden. Und es ist ein griffiges Politik-Item für alle Welt bestärkt und bestätigt worden, das nationalstaatliches Handeln in den nächsten Jahren beurteilen (für Medien wie für Bürger) helfen wird.

    Was mehr sollte eine solche Konferenz denn schaffen? Fabriken schließen, Patente freistellen, Nutznießer verarmen und Emotionen leugnen?

    Ich kann doch von einem Esel nicht erwarten, daß er fliegen lernt! Nur, daß er vielleicht eines Tages die Rampe in ein Flugzeug hinauf trabt, das kann ich erhoffen. Und die vielen Esel haben, murrend und mit ihren je eigenen Hufen lauthals scharrend, doch einiges geschluckt. Sie bilden keinen harmonischen Chor und werden das sicher auch niemals, aber sie trampeln alle auf dem gleichen Boden herum und sagen alle auf ihre Weise, daß es genau so sei.

    Das, denke ich, ist schon ein beachtlicher Erfolg!

  16. „Nicht die Politiker, sondern die Bürger verändern die Welt“

    James Surowiecki wagt mit seinem Buch „Die Weisheit der Vielen“ die These: Die Menge entscheidet in der Regel intelligenter und effizienter als der klügste Einzelne in ihren Reihen. Vorausgesetzt allerdings, jeder Einzelne denkt und handelt unabhängig, die Gruppe ist groß und vielfältig und sie kann darauf vertrauen, dass ihre Meinung wirklich zählt.

    Diese Voraussetzungen sind leider noch nicht hergestellt.
    Viele Menschen sind abhängig davon, sich von Politikern (und „Experten“) die Welt erklären zu lassen, Vielfalt fällt Intoleranz zum Opfer und viele glauben, Meinungen müssten unnbedingt gleich gemacht werden und in Kompromisse münden. Schlechte Karten also für intelligente und effiziente Entscheidungen.

    Die Masse als Entscheidungsträger wird immer wieder diffamiert. Der „hirnlosen Masse“ kann nicht vertraut werden (Obwohl sie doch aus lauter Individuen besteht, die sich jeweils für besser und schlauer halten, als ihren Nachbarn. :)). Deswegen darf an der Führer-Strategie weiser Expertenschaft natürlich nicht gezweifelt werden. Der Linealgeist (s.o.) sagt, daß man immer die ganz tollen weisen Führer braucht, um der „breiten Masse“ das Glück zu bringen. Wo wären wir nur, ohne das seelige Prinzip von Herrschaft und Gefolgschaft? Leider kann das niemand mehr sagen, weil es seit langem nichts anderes gab.

    Vielleicht ist Intelligenz etwas ganz anderes, als Homo Sapiens, der Vernunftbegabte, sehen kann. Ein Schwarm Vögel oder Fische beispielsweise zeigt interessante Leistungen ganz ohne Befehlsgewalt und Denkelite. Tausende von Individuen bewegen sich in perfekter Formation und Harmonie, die jeden (bei Bedarf) mitnimmt und keinen ausgrenzt. Wie das geht? Jeder schwimmt bzw. fliegt selbst, folgt dabei ein paar einfachen und einsichtigen Regeln und orientiert sich an seinem Nächsten. Das könnte ein Weg sein. An das Führerprinzip glaube ich längst nicht mehr. Ich habe keine Führer, es gibt keine Politiker, es gibt nur Leute, die sich irrtümlich dafür halten.

  17. O.k. Susanne, Deine Ansicht sei Dir unbenommen. Ich bitte Dich jedoch genauer zu lesen: Mitnichten kam ich auf die von Dir unterstellte Aussage, die politisch Verantwortlichen würden eine Veranstaltung wie die Kopenhagener Konferenz als Scheitern sehen. Wie kommst Du darauf? Desweiteren zu Deiner permanent überzogenen Polemik, da mach ich Dir mal einen Vorschlag: Versuch doch mal mit Argumenten statt mit Unterstellungen zu überzeugen. Kurz und knapp. Dann rette ich mit Dir die Welt ;-)

    Zum Thema Klimakonferenz-Desaster Kopenhagen. Selbst gehöre ich zu der nicht so ganz kleinen Gruppe von Menschen (incl. der Threaderstellerin), die einen (zumindest beachtlichen) Erfolg anders definieren. Ein Desaster ist kein Erfolg! Das nach Hause bringen partikulärer Interessen und das so beliebte sekundäre Schönreden (s.a. Luftschlag von Kundus), ist es für mich auch nicht!

    Für mich ist es ein Mißerfolg, weil das im Vorfeld von den politischen Verantwortlichen selbst gestellte Ziel nicht erreicht wurde. Sag mal was dazu, entkräfte die Aussage.

    Gruß
    Matthias

  18. So, ich verabschiede mich jetzt in die Weihnachtszeit. Der Baum ist geschmückt, seine warmen Lichter spiegeln sich in Kinderaugen.

    Ausserdem hat der 1. FC Köln vor der Winterpause einen 3:0-Sieg gegen Nürnberg erreicht, ein klarer Erfolg. Leider nur, hielt ich auf Nürnberg …

    Und wie sagte doch Einstein: Seit die Mathematiker über die Relativitätstheorie hergefallen sind, verstehe ich sie selbst nicht mehr.

  19. Ooops

  20. Hallo Ihr Lieben,

    es freut mich und stimmt ausgesprochen menschenfreundlich, dass die unter dem letzten Beitrag trotz Kontroversen so erstaunlich angenehm verlaufene Diskussion sich hier im gleichen Geiste fortsetzt.

    Da ich mir gelegentlich anschaue, was anderswo für ätzende „Flamewars“ rund um dieses Thema ausgetragen werden, weiß ich Eure Zurückhaltung und die bei aller Meinungsverschiedenheit doch respektvolle und argumentative Umgangsweise sehr zu schätzen – danke dafür!

    Warum ich dem Treibhaus-Modell anhänge, hab‘ ich ja in der vorigen Diskussion schon erläutert – und hier im Thread schließe ich mich bezüglich der totalen „Wandelleugner“ Matt an, denn auch ich stand schon an Stellen, wo vor Jahrzehnten noch Gletscher war, der jetzt aber 300 Meter weiter hinten erst anfängt.

    Aber davon abgesehen: ich finde, man braucht sich gar nicht über die CO2-Theorie streiten. Es ist doch auf jeden Fall so, dass unsere technische Welt derzeit von nicht erneuerbaren Energien abhängt – und das ist schlecht, denn sie werden in nicht allzu ferner Zukunft zu Ende gehen. Zudem verursachen sie extremen Dreck und Schäden in der Umwelt – beim Fördern, beim Verbrennen, beim Verbrauchen/Vermüllen. Der Plastik-Feinsand am Boden der Tiefsee ist nur ein Beispiel: die wahnsinnig interessanten Tiere dort verrecken dran!

    CO2 ist, wie ich finde, immerhin ein recht guter Vergleichsmaßstab für die Bewertung vieler Dinge in Bezug auf die durch sie verursachte Umweltverschmutzung. Da kann man ansetzen und sieht gleich große Einsparpotenziale – und zwar noch BEVOR die echte Askese anfängt, die die meisten von uns ja doch überfordert (alle Achtung, Susanne! Bei Kälte könnte/wollte ich nicht schreiben…).

    Susanne schrieb im Rahmen ihrer toll geschriebenen Rundumschau über unsere ressourcenfressende Lebensweise:

    „Gäbe es Alternativen? In den saturierten (Mittel-)schichten der entwickelten Staaten wohl nicht.“

    Ich denke: vor allem DA! Denn gerade diese Saturiertheit bedeutet, dass viel da ist, was abzuspecken wäre, ohne dass wirkliche Not gefühlt würde.

    Gleichzeitig leiden viele Menschen halbbewusst an einer gewissen Langeweile, die mit dem Leben im Standby-Modus verbunden ist: damit meine ich ein Leben, das jenseits des Konsums keine Wünsche mehr kennt außer der Erhaltung des Status Quo. Ein Leben, in dem es im besten Fall (!) um nichts geht, außer es sich möglichst bequem zu machen und gegenüber den Anderen ein bisschen zu glänzen. Veränderung erscheint uns heute nur noch als sehr wahrscheinliche Verschlechterung, die es zu vermeiden gilt, nicht etwa als Paradies bzw. Utopia, das man aus ganzem Herzen ersehnen könnte. Was für ein kleinkariertes, zur Depression neigendes Dasein (womit ein fasziniert-Sein von Life-as-we-know-it-sprengenden Katastrophenszenarios einher geht, ebenso das mediale Starren auf reale Katastrophen anderswo).

    Ich will das gar nicht groß verurteilen, denn allermeist lebe ich selbst in diesem egozentrischen, nur „halbwachen“ Zustand. Und im Umgang mit mir selbst hab ich mir freundschaftlichere Formen als das Verurteilen, Beschimpfen und Verachten angewöhnt: ich zeige Verständnis, probiere aber immer mal wieder, mich mit neuen Anreizen auszutricksen, bzw. neu zu motivieren.

    Nun, worauf kann man bauen? Woran lässt sich anknüpfen in der Psyche des „letzten Menschen“, der angenervt in die Welt blinzelt, wenn sich irgendwas – vermutlich ja zum Schlechteren – verändert? Gar die eigene Beteiligung heraus fordert?

    Hier zum Beispiel: Es macht wirklich Freude, etwas ZU BEWIRKEN, was tatsächlich über die eigene Person hinaus sinnvoll und nützlich ist. Dieses Erleben kennen nicht nur ein paar Öko-Heilige und sonstige heraus ragende Helden, es ist im Gegenteil eigentlich jedem Menschen eigen – vermutlich war es einer der wichtigen Faktoren, dass wir diese Welt so erfolgreich bevölkern konnten.

    also: existenzielle Langeweile + Chance zu sinnvollem, wirkungsmächtigen Tun + fette Speckschicht mit großen Einsparpotenzialen – hey, Susanne, hallo alle: DA GEHT DOCH WAS! Und gar nicht mal wenig!

  21. @Matthias: hab‘ eine schöne Weihnachtsauszeit! (Dass übrigens Hertha den letzten Platz unverdrossen hält, finde ich einer „Hauptstadt“ angemessen! Sowas beruhigt doch… )

  22. Uwe schrieb in Sachen „Weisheit der Vielen“:

    Viele Menschen sind abhängig davon, sich von Politikern (und “Experten”) die Welt erklären zu lassen…

    Auch wenn ich dir an der Oberfläche, der Ebene des ersten Draufblicks, zustimme: In der technisch-wissenschaftlichen Zivilisation bleibt uns keine andere Wahl, als EXPERTEN heran zu ziehen – es ist UNMÖGLICH, sich selber in alles einzuarbeiten, was zur Debatte steht. Wir können nur noch wählen, welchen Experten wir MEHR vertrauen als anderen. Das aber immerhin! (und das Netz, in dem Menschen zunehmend Spuren hinterlassen, macht das einfacher denn je)

    Politiker wollen gewählt werden, sind also gar nicht mal so ein Problem. Unsere repräsentative Demokratie ist schon flexibler und interaktiver geworden in den letzten 10, 15 Jahren, wenn auch das „alte System“ noch Kraft hat.
    Ist es nicht bemerkenswert, dass das „Konjunkturbeschleunigungsgesetz“ zum Zeitpunkt, als es verabschiedet wurde, nur noch DESHALB durchgewunken wurde, weil das für die EHRE der neuen Koalition offenbar sein muss? Kaum noch ein Vernünftiger will das ja noch so… Und das „Zugangserschwernisgesetz“ wurde erstmal ausgesetzt…

    Uwe schrieb weiter:

    „Vielfalt fällt Intoleranz zum Opfer und viele glauben, Meinungen müssten unbedingt gleich gemacht werden und in Kompromisse münden. Schlechte Karten also für intelligente und effiziente Entscheidungen.“

    Hm… ich gestehe, dass ich zum Beispiel bei der Beurteilung Chinas in Sachen Umweltschutz/Co2 schon mal denke: die haben ja immerhin NOCH Diktatur, können also manches sehr viel schneller umsetzen als wir westliche Demokratien.

    Du kommst allerdings mit deiner Einlassung von der „Weisheit der Vielen“ her, also frag ich: inwiefern ist es für die Vielen falsch, Kompromisse zu suchen? Sollen die einen über die Interessen der Anderen einfach so hinweg regieren können?
    Und: nur UNGLEICHE Meinungen verlangen nach dem Kompromiss!

    „Die Masse als Entscheidungsträger wird immer wieder diffamiert. Der “hirnlosen Masse” kann nicht vertraut werden (Obwohl sie doch aus lauter Individuen besteht, die sich jeweils für besser und schlauer halten, als ihren Nachbarn. :)). Deswegen darf an der Führer-Strategie weiser Expertenschaft natürlich nicht gezweifelt werden.“

    Es kommt nicht darauf an, ob irgendwer „da oben“ irgend einer Masse mehr oder weniger vertraut, diese diskriminiert oder glorifiziert. Sondern auf die einzelnen Individuen: was lässt man sich gefallen? Wo beginnt der Widerstand, die innere Emigration, die offene Revolte, das persönliche Engagement für Alternativen?

    Drei Freunde dazu bewegen, ihren Stromlieferanten zu wechseln (weg von den Konzernen, die hierzulande weiter an ihren Schmutzschleudern hängen, hin zu den innovativen, öko-radikalen Stadtwerken), ist in Sachen Umwelt/Klima wirkungsvoller als 10 schöne Blogdiskussionen, bei denen man sich im besten Sinn gut unterhalten hat. (Sowas könnte man jedoch als Aktionsform über Blogs vermitteln, denn „in Gemeinschaft“ macht das sinnvolle Tun erst richtig Freude.)

    „Ein Schwarm Vögel oder Fische beispielsweise zeigt interessante Leistungen ganz ohne Befehlsgewalt und Denkelite. Tausende von Individuen bewegen sich in perfekter Formation und Harmonie, die jeden (bei Bedarf) mitnimmt und keinen ausgrenzt. Wie das geht? Jeder schwimmt bzw. fliegt selbst, folgt dabei ein paar einfachen und einsichtigen Regeln und orientiert sich an seinem Nächsten.“

    An WELCHEM Nächsten sollen wir uns aber orientieren? Politiker und Experten kommen immerhin in halbwegs transparenten Verfahren an ihre Positionen – wenn ich mich aber einfach am Nachbarn orientiere, fahre ich nicht unbedingt besser! (Ich ziehe es sogar vor, meine direkten Nachbarn gar nicht erst zu kennen – wie viele Großstädter.)

    Das könnte ein Weg sein. An das Führerprinzip glaube ich längst nicht mehr.

    Ich auch nicht. Das war sogar mit ein Grund für die Überschrift des Artikels: falsches Format!
    Der TopDown-Ansatz funktioniert nicht mehr, das hat die Klimakonferenz überdeutlich gemacht. Das Hoffen auf die Staatsoberhäupter ist unsinnig, gerade WEIL sie Staatsoberhäupter sind und ihre Macht ihrem Staat verpflichtet ist – und nicht der Welt, dem Klima, dem Ganzen. (und die Bevölkerungen der Staaten würden ihnen die Hölle heiß machen, wäre das nicht so!)

    Aber mehr als das: die Komplexität ist zu groß geworden, als dass man sie durch logisch-rationale Befehle von oben steuern könnte.

    Das ist interessanterweise eine Erkenntnis, die Softwareprogrammierer schon vor 30 Jahren hatten, als ihre Großprogramme einfach nicht mehr überschaubar wurden und zunehmend Fehler produzierten. Und sie LERNTEN tatsächlich, die bisher dominierende Art der Programmierung (TopDown in voraus geplanten, abzuarbeitenden wenn-dann-Algorithmen) durch objekt-orientierte Programmierung zu ersetzen (ein Programm kann etwas genau Beschriebenes und tauscht Input/Output-Daten mit der Umwelt über definierte Schnittstellen aus – je nach Bedarf kann man so „alles Mögliche“ zusammen stricken und zur Wirkung bringen. Es braucht keine „Übersicht“ und keinen Gesamtplan mehr, sondern nur klar definierte Vernetzungsweisen).

    Vielleicht kann man von dieser neuen Software-Technik etwas fürs selbst organisierte Wirkungsvoller-Handeln des „Schwarms“ lernen? Ich weiß es nicht, wundere mich aber, das das kaum ein Theoretiker mal aufgegriffen hat.

    Aber Theorie ist nicht das Entscheidende, sondern die Möglichkeit, vom „Standby-Modus“ ins Engagement zu wechseln, die existenzielle Dimension an sich heran zu lassen bzw. eine andere Motivation für neuartigen persönlichen Einsatz zu finden. Wenn das gelingt, reisst man locker drei Freunde mit – und die wieder jeder drei andere – und schon bald ist da ein verdammt wirkungsmächtiger Schwarm!

  23. Liebe Claudia, vielen Dank für das sehr gut geschriebene Essay! Mir haben auch die kontroversen Diskussionen in den Kommentaren gut gefallen, da sie einen interessanten Querschnitt über die derzeit herrschenden Meinungen bilden – vom kompletten Leugnen und Ignorieren bis hin zur Endzeitprognose.

    Ich teile Deine Meinung, dass sehr wohl wir, die „saturierten (Mittel-)schichten der entwickelten Staaten“ etwas tun können – viel eher, als die sog. „Entwicklungsländer“. Sie sind jahrzehntelang die Leidtragenden unseres Wohlstandes gewesen und wollen jetzt endlich einen Stück vom Kuchen abbekommen.

    Aus meiner Sicht ist genau das das Ergebnis von Kopenhagen: bildlich gesprochen sagen die Industrieländer jetzt: „Wir müssen etwas tun. Wir kaufen jetzt nur noch ökologische Kühlschränke, auch wenn sie das doppelte kosten. Das schreiben wir fest. Und das gilt auch für Euch Entwicklugnsländer, einverstanden?“

    Und die Entwicklungsländer sagen: „Moment mal, ihr hatte all den Luxus schon die letzten 30 Jahre und jetzt habt ihr soviel Geld, dass ihr Euch sogar den Luxus von Öko-Kühlschränke leisten könnt! Wir wollen jetzt auch mal Kühlschränke haben, aber wir sind gerade mal so weit, dass wir uns die Normalen leisten zu können – und das wollt ihr uns verbieten? Nö… da machen wir nicht mit.“

    Ich teile weiterhin die Meinung, dass die Zahlen, die bzgl. CO2-Ausstoß oder Grad der Erderwärmung genannt werden nur selektive Indikatoren sein können. Kein logisch denkender Mensch kann, wenn er nicht mit völligen Scheuklappen durch die Welt geht, glauben, dass der Raubbau, den der Mensch in den letzten 50 Jahren an der Erde getrieben hat, global ohne Folgen bleiben wird. Die Überfischung der Meere, die Unmengen an Müll, die täglich produziert werden, die Emmissionen durch tausende Flüge täglich weltweit und Milliarden an gefahrenen Kilometern, die Zerstörung der Urwälder usw.usf.

    Letzteres habe ich zum Anlass einen Artikel zu schreiben, der auf viele der hier genannten Themen eingeht und auch einige anschauliche Grafiken beinhaltet. Wenn Interesse besteht:

    Wir können entscheiden

    Viele Grüße
    Gunther

  24. @Claudia

    Anscheinend teilen wir beide also die Ablehnung eines TopDown-Prinzips, wonach einige Führer, geleitet durch „Expertenwissen“, den (kleinsten) gemeinsamen Nenner suchen, nach dem sich dann ALLE richten sollen. Aber vielleicht auch nicht, denn die Konsequenzen sind weitreichend und Deine Fragen und Einwendungen deuten darauf hin, daß Du gedanklich dem TopDown-Prinzip verhaftet bist.

    „Es braucht keine “Übersicht” und keinen Gesamtplan mehr, sondern nur klar definierte Vernetzungsweisen).“ und das ist der Kern.
    Also ist es in Abwesenheit eines TopDown-Prinzips gar nicht notwendig, einen Experten seines Vertrauens auszuwählen, weil man selbst der Experte ist. Ein jeder befasst sich eben mit dem, was er kann, was ihn interessiert und was ihm liegt und tut das, was im Rahmen seiner Möglichkeiten und seiner Einsichtsfähigkeit liegt. Natürlich ist es „unmöglich, sich in alles einzuarbeiten“ aber das ist in einem BottomUp-System kein Fehler sondern gewollt und normal. Die Zivilisation war schon immer technisch-wissenschaftlich genug, daß eigentlich niemand über ALLES genau Bescheid wissen konnte aber wozu sollte er das auch? Wieso stellst Du diesen Anspruch?

    Politiker, die gewählt werden wollen, sind Bestandteil eines TopDown-Prinzips mit der Ausübung von Macht von wenigen über viele. In einem vernetzten BottomUp-Prinzip gibt es keine „Politiker“. Die Macht und die Intelligenz entsteht durch das System und nicht in vorgeblich ausgewählten und ausgezeichneten Köpfen einzelner.

    „Hm… ich gestehe, dass ich zum Beispiel bei der Beurteilung Chinas in Sachen Umweltschutz/Co2 schon mal denke: die haben ja immerhin NOCH Diktatur, können also manches sehr viel schneller umsetzen als wir westliche Demokratien.“

    Dieses Geständnis zeigt, daß der Gedanke, etwas „zweifellos und eindeutig Gutes und Richtiges“ (was es aber nicht gibt!) von oben nach unten, mit Gewalt oder Überredung oder Manipulation durchzusetzen, das alte TopDown-Prinzip eben, Dir doch näher liegt, als das Vertrauen in eine systemimmanente Intelligenz, die sich zeigt, wenn bedingungslose Toleranz und Gewaltlosigkeit herrscht.

    „Inwiefern ist es für die Vielen falsch, Kompromisse zu suchen?“
    Weil das eine bewegungsunfähige Gleichmacherei ergibt, die individuelle Speziallösungen negiert.

    „Sollen die einen über die Interessen der Anderen einfach so hinweg regieren können?“
    Nein. Niemand soll regieren. Regieren gibt es nicht. Jeder soll über möglichst große Selbstbestimmung verfügen.

    „Und: nur UNGLEICHE Meinungen verlangen nach dem Kompromiss!“
    Exakt. Es findet sich das zusammen, was WIRKLICH zusammengehört. Es wird nicht das zwangsweise verwurschtet, was nach der Vorstellung eines Einzelnen oder auch einer Mehrheit zusammengehören SOLL.

    Ich höre Deine Begeisterung, wenn Du über ein Tun in Gemeinschaft redest und ich teile diese Begeisterung. Aber Du kannst Gemeinsamkeit nicht verordnen. Sie ist entweder freiwillig und gewaltlos oder sie existiert nicht.

    „An WELCHEM Nächsten sollen wir uns aber orientieren?“
    An denen, die wir lieben und mögen, mit denen wir mal dieses und mal jenes zusammen tun wollen.
    Dieser Begriff ist sicher nicht lokal oder geografisch gemeint sondern seelisch. Es geht also nicht um Nachbarn sondern um „Brüder und Schwestern im Geiste“.

    „Politiker und Experten kommen immerhin in halbwegs transparenten Verfahren an ihre Positionen“
    Nein, in einem glasklar transparenten Verfahren. Politiker und Experten werden GEKAUFT.

    „… die Komplexität ist zu groß geworden, als dass man sie durch logisch-rationale Befehle von oben steuern könnte.“
    Nein, Claudia, anders herum: Der Versuch, große Menschenmengen durch logisch-rationale Befehle von oben zu steuern, erzeugt eine unbeherrschbare Komplexität!

    Mir ist klar, ich rede von einer Sozialutopie, für die keine Beweise existieren, außer daß es in der Natur so funktioniert, aber ich sehe keine andere Wahl, als meine Hoffnung auf eine systemimanente Intelligenz zu setzen, die sich dann entfaltet, wenn sich viele einzelne Individuen möglichst frei und autonom entfalten können. Das Prinzip der Herrschaft ist für mich passe.

  25. @Uwe: na, immerhin gibst du den sozialutopischen Charakter deiner mir ja im Grunde sehr sympathischen Ausführungen zu! :-)

    Mit REGIEREN meine ich einfach das Gestalten von Angelegenheiten, die nicht bloß einzelne betreffen (res publicae) – man kann sich da die verschiedensten mehr oder weniger demokratischen Formen vorstellen, doch ist ihnen ja gemeinsam, dass am Ende eine bindende Entscheidung stehen muss. Oder siehst du das etwa auch anders?

    „Es findet sich das zusammen, was WIRKLICH zusammengehört. Es wird nicht das zwangsweise verwurschtet, was nach der Vorstellung eines Einzelnen oder auch einer Mehrheit zusammengehören SOLL.“

    Das geht nur bei einer sehr begrenzten Zahl von Themen – z.B. mit wem man ein Unternehmen gründet, seine Hobbys ausübt, sein Blog vernetzt, zusammen wohnt, etc.

    Nicht aber da, wo die Zusammengehörigkeit ja bereits gegeben ist und DESHALB eine Form der Entscheidungsfindung bei unterschiedlichen Interessen passieren muss. Das beginnt schon bei Hausgemeinschaften (Nachtruhe, Müllmanagement etc.) geht über die Nutzung öffentlichen Straßenlands, die Versorgung von Arbeitslosen, Alten, Kranken hin zu Steuern, Umweltnutzung, Außenbeziehungen, Zivil- und Strafrecht etc.

    „Politiker, die gewählt werden wollen, sind Bestandteil eines TopDown-Prinzips mit der Ausübung von Macht von wenigen über viele. In einem vernetzten BottomUp-Prinzip gibt es keine “Politiker”. Die Macht und die Intelligenz entsteht durch das System und nicht in vorgeblich ausgewählten und ausgezeichneten Köpfen einzelner.“

    Hast du eigentlich jemals ausprobiert, was du hier forderst? „Macht und Intelligenz“ entsteht doch auch im aktuellen System nicht im Politiker, sondern Macht wird als funktionale Macht für begrenzte Zeiträume VERLIEHEN und darf nur in klar definiertem Rahmen (Gesetze) ausgeübt werden. Im übrigen hat das Volk die Freiheit, auch Idioten in Funktionen zu wählen – man kann das z.B. immer wieder an rechten Parteien sehen, deren Fraktionen alsbald völlig zerstritten zerbrechen, wenn sie irgendwo gewählt werden.

    Es hört sich schöne an und wäre ja toll, wenns funktionieren würde. Doch hab‘ ich in jüngeren Jahren wirklich ausgiebig „Basisdemokratie“ ausprobiert – und schon das war letztlich nur in kleinen Bereichen machbar (weil: die Welt wartet nicht, bis die Basis sich endlich mal herrschaftsfrei entschieden hat). Naja, und wenn man genau hinsieht, nicht mal im kleinen Bereich der „WG“ oder Hausgemeinschaft: letztlich blieb dies und jenes an demjenigen kleben, der den Vertrag (!) hatte….

    Noch zu den Experten: Schon bei der Frage, was ich als Quelle hier im Blog verlinke/empfehle und was nicht, muss ich die „Zusammengehörigkeit“ durch meine Einschätzung der Expertise des zu Verlinkenden treffen. Jemanden, der nur wortgewaltig irgendwas kritisiert, wird mir als Info-Quelle (!) weniger relevant erscheinen als einer, der sich lange mit der Sache auseinandergesetzt hat und evtl. berufliche Erfahrung hat. Experten sind überall und in der technisch-wissenschaftlichen, extrem arbeitsteiligen Welt völlig unverzichtbar – ich weiß ja nicht mal, wie meine Heizung funktioniert und muss den „Experten“ rufen, wenn mal was nicht funzt. Mich wundert, dass jemand das ernsthaft anzweifelt! Kompetenz erlangt man nicht durch mal eben drauf gucken oder so aus dem Bauch, sondern durch jahrelanges Studium und praktische Erfahrung mit einer Sache – und dann ist man EXPERTE.

    Würde man z.B. versuchen, das Gesundheitssystem einfach durch die formulierten Wünsche (wollen wir/wollen wir nicht) der Bürger zusammen zu setzen, käme dabei rein logisch-funktional schon nichts Machbares heraus: es würden maximale Leistungen bei minimaler Gegenleistung gefordert. Und die Ärzte wollen maximalen Lohn, die Pharma-Industrie maximale Preise… wie sollte sich da „zusammen finden, was zusammen gehört“?

    Na, wie gesagt: ich hätt ja gerne, dass es so ginge, wie du meinst… aber DIE NATUR ist mir eben auch kein tolles Vorbild. Dort herrscht Fressen & gefressen-werden und die dominierende Art verdrängt die anderen. Man könnte glatt sagen, „Mensch“ dürften wir uns erst dann nennen, wenn wir wirklich darüber hinaus sind! Wenn wir also von Wilden in der Wildnis zu verantwortungsbewussten Gärtnern des Planeten geworden sind…

  26. @Claudia:
    Natürlich gebe ich den sozialutopischen Charakter zu. :-)
    Alles andere wäre doch mit einem wirklichen BottomUp-Prinzip, in dem sich einzelnes ohne Kenntnis des „großen Planes“ zu einem Ganzen findet, unvereinbar.
    Und auch Forderungen wären damit unvereinbar und deshalb fordere ich selbstverständlich von niemandem irgendetwas.
    Ich lehne lediglich jede Führung ab, führe niemanden, binde niemanden und versuche dabei ich selbst zu sein.
    Ich mache das seit 4 Jahren und fühle mich großartig. Es ist die beste Zeit meines Lebens, und es macht Spaß, es ausprobieren!
    Seither findet zu mir, was passt und es entfernt sich alles, was nicht passt. Ich mag Veränderungen.

    „Mit REGIEREN meine ich einfach das Gestalten von Angelegenheiten, die nicht bloß einzelne betreffen (res publicae) – man kann sich da die verschiedensten mehr oder weniger demokratischen Formen vorstellen, doch ist ihnen ja gemeinsam, dass am Ende eine bindende Entscheidung stehen muss. Oder siehst du das etwa auch anders?“

    Ja, ich sehe das anders. Jede „bindende Entscheidung“ ist Teil eines TopDown-Prinzips, das dadurch gekennzeichnet ist, dem Individuum nahezulegen, die Freiheit seiner Wahl einer „gemeinsamen Sache“ unterzuordnen. Dieses Prinzip übersieht, daß eine Sache schon bald keine „gemeinsame“ mehr ist, wenn sich einzelne ungehört fühlen.

    Demokratie ist lediglich ein modifiziertes Herrschaftssystem aber es ist nach wie vor gewalttätig und hat mit freier Entfaltung wenig zu tun, weil Minderheiten und defacto auch wirtschaftlich Schwache untergebuttert werden. Der einzige Unterschied zur Diktatur oder zur Gruppen-Diktatur (Sozialismus) ist eine graduelle Reduzierung der bindenden Gewalt und der, daß die bindende TopDown-Doktrin nicht mehr einem einzelnen gehört und auch nicht einer kleinen Oberschicht-Clique sondern niemandem mehr so richtig. Im Falle der Doktrin des Marktes und des Wachstums gerät sie darum außer Kontrolle. ;-)

    In einem wahren BottomUp-System kann es keine bindende Doktrin geben, weil jeder einzelne individuell ist und sich in jeder Sekunde seines Daseins so entscheiden darf und auch soll, wie er, und nur er, es für opportun hält, eben ohne sich an einem erzwungenen Ganzen zu orientieren.

    „Das geht nur bei einer sehr begrenzten Zahl von Themen – z.B. mit wem man ein Unternehmen gründet, seine Hobbys ausübt, sein Blog vernetzt, zusammen wohnt, etc.“
    Ja, genau. Und wo es nicht geht, da soll es auch nicht gehen :-)

    „Nicht aber da, wo die Zusammengehörigkeit ja bereits gegeben ist und DESHALB eine Form der Entscheidungsfindung bei unterschiedlichen Interessen passieren muss.“
    Es gibt keine „gegebene“ Zusammengehörigkeit (Wer sollte diese Zusammengehörigkeit „geben“ in einem BottomUp-System?), es gibt nur gefühlte Zusammengehörigkeit. Eine Gemeinschaft, die nicht freiwillig und aus inneren Gründen funktioniert, die funktioniert auf Dauer sowieso nicht. Und für die Dauer des Funktionierens ist der Preis des Druckes von außen, mentales und später körperliches Unwohlsein, Aggression etc. Alles, was uns nicht so gut gefällt und dann in endlosen Elegien bejammern.

    „Das beginnt schon bei Hausgemeinschaften (Nachtruhe, Müllmanagement etc.) geht über die Nutzung öffentlichen Straßenlands, die Versorgung von Arbeitslosen, Alten, Kranken hin zu Steuern, Umweltnutzung, Außenbeziehungen, Zivil- und Strafrecht etc.“
    Ja, Claudia, einiges davon würde es sicher so nicht geben, wäre unser derzeitiger Status Quo nicht die Folge eines TopDown-Ansatzes.
    Frage mich bitte nicht, was es stattdessen gäbe, wenn …. Woher soll ich das wissen?

    „Es hört sich schöne an und wäre ja toll, wenns funktionieren würde.“
    Für mich funktioniert es. Meine Beziehungen sind harmonisch, meine Kinder entwickeln sich gut und ich fühle mich wohl.
    Allerdings weiß ich, wie meine Heizung funktioniert und brauche keine “Experten”, keinen Arzt und nichtmal einen Friseur ;-

    DIE NATUR ist mir ein Vorbild. Gefressen wird dort nicht mehr, als es zum satt sein braucht und keine Art außer dem Menschen dominiert derart, daß eine andere Art völlig verdrängt wird.
    Unendliche Gier und Inbesitznahme und die gnadenlose Ausrottung jeder Konkurrenz ist ein Produkt von ANGST. Angst ist das Gegenteil von Liebe und ist die Kraft, die das TopDown-Prinzip antreibt.

    Der Mensch als verantwortungsbewusster Gärtner des Planeten ist für mich undenkbar. Ich bin Teil dieses Organismus, ohne Kenntnis des großen Ganzen und nicht der Gärtner, der dieses wunderbare System auf seinen persönlichen Horizont zurechtstutzen will.

  27. Liebe Alle, da jetzt CO2 (wovon ich rein gar nichts verstehe) etwas aussen vor ist, und eher eigentliche Fragen im Raum stehen, würde ich gerne noch etwas abstrakter beobachten, also das Beobachten beobachten, was ich als theoria bezeichne. Wenn ich – und ich tue es – durch einen system-theoretischen Ansatz beobachtet, was ich beobachte, dann muss ich mir (wenn nicht zuerst, so doch) auch über meine Theorie Gedanken machen. Mir ist dabei bewusst, dass ich damit über mich und meine Verstrickungen spreche, dass also andere Menschen ganz gut ganz ohne Theorie auskommen, also sozusagen mit dem gesunden Menschenverstand gesund bleiben.
    Durch meine Theorie (ich nenne sie Systemtheorie, was aber oft mehr Verwechslungen als Klärungen produziert) erkenne ich, dass es mir um Utopien geht. Dabei geht es gerade NICHT darum, was der Fall ist, sondern darum, was ich gerne hätte – aber es geht nicht um ein bedingungsloses Wünschen, sondern darum, was ich mir ernsthaft wünsche, weil ich es als utopisch erstrebenswert erkenne. In der Utopie stelle ich mir also weder das Schlaraffenland noch einen Jungbrunnen vor, sondern die Aufhebung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die ich jetzt beobachte.

    Es geht MIR darum, was ich durch welche Unterscheidungen beobachte, aber niemals darum, liebe Claudia, was „BEREITS GEGEBEN IST“. Mir ist nur „gegeben“, was ich für wahr nehme. „Nachtruhe und Müllmanagement“ sind für mich genau wie „Nutzung öffentlichen Straßenlands, die Versorgung von Arbeitslosen, Alten, Kranken“ usw Ausdruck einer bestimmten Hinsicht. Diese Vorstellungen (alte, kranke Arbeitslose) repräsentieren für mich gesellschaftliche Verhältnisse, die in meiner Utopie gerade aufgehoben werden.
    Es geht mir deshalb darum zu hören, welche Utopien andere Menschen haben. Was davon scheint mir auch erstrebenswert, was davon kann ich noch nicht nachvollziehen? Nur was davon realistisch und möglich ist, das interessiert mich nicht. Mich interessiert die Utopie.

    Die Natur gibt mir kein Vorbild und keinen Hinweis, aber nicht weil MAN dort „Fressen und Gefressenwerden“ hinsehen kann, sondern weil es mir gerade darum geht, die Natur überhaupt erst so zu sehen, dass ich meine Utopie sehen kann. CO2 beispielsweise habe ich in der Natur noch nie gesehen. Ich kenne CO2 – wie übrigens auch „Experten“ – nur aus Medien, die so in meiner Utopie nicht vorkommen.

    Wenn meine Heizung nicht funktioniert, rufe ich keinen Experten, sondern den Heizungsinstallateur. Für die Sache aber, die mir wirklich wichtig ist, für Utopien kann ich mir Experten nicht einmal vorstellen. Ich erkenne da nur „Experten“, die mir vorrechnen, was ihrer Meinung nach alles nicht geht.

    Also, lass uns Utopien konstruieren! Lass uns darüber nachdenken, was wir ernsthaft gerne hätten.
    Herzlich Rolf

  28. “Ich lehne lediglich jede Führung ab, führe niemanden, binde niemanden und versuche dabei ich selbst zu sein. Ich mache das seit 4 Jahren und fühle mich großartig. Es ist die beste Zeit meines Lebens, und es macht Spaß, es ausprobieren! Seither findet zu mir, was passt und es entfernt sich alles, was nicht passt. Ich mag Veränderungen.“

    “DIE NATUR ist mir ein Vorbild. Gefressen wird dort nicht mehr, als es zum satt sein braucht und keine Art außer dem Menschen dominiert derart, daß eine andere Art völlig verdrängt wird.“

    “Nur was davon realistisch und möglich ist, das interessiert mich nicht. Mich interessiert die Utopie.“

    “Die Natur gibt mir kein Vorbild und keinen Hinweis, aber nicht weil MAN dort “Fressen und Gefressenwerden” hinsehen kann, sondern weil es mir gerade darum geht, die Natur überhaupt erst so zu sehen, dass ich meine Utopie sehen kann. „

    Auch auf die Gefaht hin, hier als abgrundtief böse, extrem kleinlich und widerlich gemein zu erscheinen – die oben angeführten Zitate lassen mich doch ein wenig erschauern!

    Weil: sie sind mir Anzeichen eines autoritären und vermeidenen Eigentlichkeitsdenken. Eine Aussage, die sehr gut begründet werden sollte, wenn sie nicht billiger Schnellschuß oder gemeine Unterstellung in einer Diskusssion bleiben soll. Nun denn! Ich will das versuchen, zumal ich glaube, daß solche Aussagen wie die oben zitierten oft eher gedankenlos getroffen werden und nicht immer exakt das zeigen, was die sie Treffenden tatsächlich denken.

    Ad ‚Führung‘: zu behaupten, jede Führung abzulehnen, ist einem Kinde angemessen, dem Freiheit des Spielens zugebilligt wird. Der erwachsene, weil tätige und produktive Mensch sollte solches hinter sich gelassen haben, oder die Gemeinschaft marginalisierte ihn irgendwann. Ich habe keine Lust, dieses ausführlicher darzustellen, verweise nur auf eine meines Erachtens jedem Menschen mögliche, gedankliche Rekonstruktion etwa der Erfordernisse an Führung, die ein synchrones Jagdhandeln einer Gruppe mit sich brächte. Oder auf das, was der Arbeitsprozeß im Alltag seinen Beteiligten an Unterordnung abverlangt.

    Ad ‚ Verdrängen einer Art‘: Aussterben, oft also eben genau das ‚Verdrängen einer Art‘, ist existentieller Teil u.a. der Darwinschen Lehre der Evolution. Das ’survival of the fittest‘ wäre ein albernes Sonntagsschul-Spielchen, stürben dabei nicht ganze Arten auch tatsächlich aus, wären sie denn ‚un-fit‘!

    Ad ‚Utopie versus Realität‘: die Gedankenspiele der ausreichend Behüteten über das je Mögliche und Unmögliche sind sicherlich zumeist recht spannend. Wie alle Spielchen, die jemand zuläßt, wenn die Wölfe ausgesperrt und die Speisekammer gut gefüllt ist. Sich aber mit diesem Horizont des warmen Kaminzimmers zu begnügen, wäre in meinen Augen bestenfalls nur kindisch.

    Ad: ‚Utopien in der Natur sehen‘: Natur ist ein durch und durch gesellschaftlich geformter Begriff. Es gäbe gar keine Natur, sähe sie nicht ein gesellschaftlich, weil mit anderen kommunizierendes Ens an. Wir formen uns Natur als ein Gegenteiliges zu unserem Wesen, welches gesellschaftlich ist. Und genau hier beginnt ein sehr Böses zu greifen: unser Wunsch nach Natur, einem jenseits von jeweils mühsam herzustellender Gemeinsamkeit unzweifelhaft Begründendem, ist uns scheinbar eingeboren, aber auch immer Problem. Das Ego will absolut sein und weiß sich doch, dummerweise, stets als nur Gesetztes. Ich bin ein Ich, weil ich das in einem Schwall der Du’s und Ihr’s bin, niemals allein aus mir heraus. Aber mein Ich ist meine Otte. Mein Shangri-la! Mein Rückzug, bin ich verletzt. Es ist jenseits allen Räsonnierens meine letzte Wehr und Waffen!

    Und das, so sehe ich es, ist das wesentlich problematische solchen Denkens, nämlich des Wunsches danach, daß mein Ich immer schon in einer Gemeinschaft aufgehoben wäre, die jenseits aller ‚künstlichen‘ Gesellschaft, aller ‚faulen‘ Kompromisse, aller ‚alltäglichen‘ Fehlerhaftigkeit sich ‚rein‘ und ‚erhaben‘ befände. Der Wunsch nach einem solchen Heil, einem immer und ewig Wahren, welches, habe ich nur ungehindert und ungeschmälert meinen ‚gerechten‘ Teil daran, mich endlich und über jedes Tagesgeschäft mich erhebend ‚wahrhaftig‘ machte, ist in meine Augen nur eines – das Böse!

    Finale Heilserwartung, innere Glückseligkeit und endzeitliche Erfüllung, so gut sie alle klingen, nehmen leider nur zu schnell und nur zu gerne den Klang von Stiefeln und Gewehren an. Der Rekurs auf das Eigentliche ist stets auch die Gefahr, das Uneigentliche als das Unwerte zu sehen. Er verschmiert, was er vorgeblich meidet, weil er leugnet, daß das Verschmierte jemals leiden könnte darunter, verschmiert zu werden, da es ja das Un-Eigentliche ist. Und seine Gestalt ist gerne die der gnadenlosen Reinheit der einzig wahren Flamme, die, im Nachhinein besehen, vielleicht viel zu viel gleich mit verbrannte.

    Und genau das macht mich schaudern!

    Ich habe in einem früheren Kommentar versucht, das zu formulieren. Wir alle sind Wesen, die voller Vertrauen in die Welt kommen, denn ohne das wären wir ‚falsche‘ Kinder. Aber unser Vertrauen dauert nicht an. Welt ist uns nicht Nest, sondern Gefahr, und das lehrt uns denken, weil zweifeln. Unser Zweifel an der Welt macht uns erwachsen, nicht unser Glauben an sie. Leider aber immer nur als Dilemma. Denn der Zweifel läßt sich niemals beruhigen, wie auch der Wunsch nach dem Glauben niemals innehält.

    Naturwissenschaft ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür. Sie kommt alert daher, exakt und genau gerechnet und immer präzise. Aber sie schleppt mit sich ein grundlegendes Problem, weil sie ihre Exaktheit mit einer tief in sich verborgenen Annahme erkauft, die nichts weniger als exakt ist (Stichwort: Stetigkeit) und die sie niemals wird aus eigener Kraft ‚begründen‘ können – außer mit dem dünnen Hinweis darauf daß, träfe man diese Annahme nicht, gleich gar nichts gewiß sei. Was also durchaus sein könnte! Doch drohen wir zu ertrinken, greifen wir nach jedem Strohhalm, woraus immer auch er sei. Also vielleicht auch dem Nebel der ‚exakten‘ Wissenschaften, den diese rund um ihre Erbsünde so emsig erzeugen!

    Handeln unter Unsicherheit, unter nur je angenommener Sicherheit, gehört zum Wesen gesellschaftlichen Handelns (eine reichlich mutige Behauptung für einen Text, der ja gerade Behauptungen über ein ‚Wesen‘ giftig ankratzen möchte, zugegeben). Fast alles, was Menschen je getan haben, taten sie, ohne auch nur annähernd zu wissen, was sie damit alles heraufbeschwören würden. Wir werden uns langsam dieser Ungenauigkeiten unseres Daeins bewußt. Ehrliche Geister beachten fürsorglich das Dezisionistische ihrer mutigen Kausalmodelle, ihrer prallen Falsifikations-Annahmen, ihrer ausufernden Inter- wie Extrapolationen. Ihre etwas einfacher gestrickten Apologeten vermeiden solches Denken, was es – und seine Angebrachtheit – aber nicht aus der Welt schafft.

    Konkret: niemand hat ‚das‘ Modell des Klimas bei der Hand. Mir scheint, daß wir gut daran täten anzunehmen, daß die exponential ansteigenden, physikalischen Emissionen menschlicher Tätigkeit dem Klima Schübe einer neuen, bisher noch unbekannten Bewegung gäben. Und daß es nicht allzu dumm wäre, Mengenbegrenzungen für alle Stoffe, von denen wir nicht genau wissen, was sie im ‚Klimahaushalt‘ alles anrichten können, einzuhalten. Mir scheint es hingegen sehr klug zu sein, sich still und leise zu verhalten, betrete ich ungewisses Neuland. Und nicht großspurig die Klappe aufzureißen und ‚her mit dem Klavier‘ zu grölen. Das kann sicherlich diskutiert werden. Egal!

    Zuvor aber wäre ich lieber ‚dezent‘. Ich ordne ‚Vorsicht‘ – rein von meinen Gefühlen her – irgendwo in der Nähe von ‚Klugheit‘ ein. Obwohl ich natürlich auch unvorsichtig zubeißen kann. Und nach allem, was ich über das berühmte ‚Raumschiff‘ Erde und seine Interdependenzen glaube – sic! glaube, nicht weiß! – wären mir menschliche Aktivitäten lieber, die eher das Vorfindliche zart belassen als es voreilig und mutwillig zu zerstören.

    Nur als Beispiel: wer hätte noch nie erlebt, wie abgründig daneben du liegen kannst, wenn du einen anderen Menschen nur als das nimmst, was du dir über ihn oder sie alles so zusammen gereimt hast – und dann auf einmal und sehr schmerzhaft eines Besseren, und vielleicht für dich sehr viel Schlechteren, belehrt wirst? Das sollten doch schon viele von uns erlebt haben, oder gar nicht?

    Unsicher und zornig
    Susanne

  29. @Susanne
    Nein, nicht abgrundtief böse, extrem kleinlich und widerlich gemein erscheinst Du mir sondern ehrlich bemüht und leidenschaftlich denkend und schreibend. Ein wenig vielleicht der eigenen Perspektive verhaftet und deren Relativität nicht gewahr werdend.

    Ich glaube dir gerne, daß Du Dir Führungslosigkeit nur kindlich denken kannst, besteht doch das Erwachsenwerden in der Denkprogrammierung unserer Kultur darin, sich Autoritäten und Pflichten unterzuordnen. Doch eine Notwendigkeit ist das nicht, es ist nur eine Möglichkeit von vielen, die ich rein subjektiv als kontraktiv und behindernd empfinde. Es mag Menschen geben, die gerne geführt werden und andere, die gerne führen. Ich habe mir im Verlaufe der Zeit (bin 46) beides abgeschafft, weil ich es einfach nicht mochte. Du magst das Verurteilen aber das bringt Dich nicht weiter, während ich mich durchaus so fühle, als hätte mich meine „kindliche Verweigerungshaltung“ weitergebracht. :)

    Mit Darwin´s Theorie möchte ich mich nicht aufhalten. Sie scheint mir durchaus plausibler, als religiöse Modelle aber die Wahrheit wird mir ewig unbekannt bleiben. Es scheint mir die Meinung unbestritten, es hätte vor dem massenhaften Auftreten industrialisierter Menschen VIELE Arten gegeben und seither hätte ihre Zahl drastisch abgenommen. Das spräche doch dafür, daß in einer Welt ex Homo Sapiens (etwas unscharf „Natur“ genannt, weil Homo Sapiens natürlich auch Natur ist), Artenvielfalt sich entwickeln würde, also nicht Ausrottung von Arten durch eine Art. Allerdings ist das Werden und Vergehen von Arten für mich ebenso wenig erfassbar und kontrollierbar, wie mein eigenes Werden und Vergehen.

    Die Utopie war eigentlich Rolf´s Thema, dazu möchte ich jetzt nichts sagen, außer daß ich seinen Ansatz gut nachvollziehen kann. Die „Realität“ ist etwas sehr subjektives und sie folgt dem Denken. Warum, Susanne, erscheinen Dir Gedanken von Menschen, deren Speisekammern gefüllt sind, weniger real, als die von Leuten, die leiden. Macht Leiden Menschen wertvoller oder wichtiger? Sind Nichtleidende bedeutungslos?

    Interessant finde ich, daß es für Dich „das Böse“ ist, sich (in einer(höheren)Gemeinschaft) aufgehoben und geborgen zu fühlen. Das verstehe ich nicht.

    Ich habe übrigens schon erlebt, wie abgründig ich daneben liegen kann, wenn ich einen anderen Menschen nur als das nehme, was ich mir über ihn oder sie alles so zusammen gereimt habe – Meine Konsequenz war es, damit aufzuhören, mir etwas zusammen zu reimen und jede Gegenwart so zu nehmen, wie sie mir begegnet und versuche, mich nicht von Erwartungen an die Zukunft oder von Frust über die Vergangenheit leiten zu lassen. :)

  30. Hallo UWE,

    volle Zustimmung – die Argumentation gefällt mir.

    Frohe Weihnachten allen und ein Jahr 2010 in Gesundheit
    ( und speziell Dir, Claudia, darüber hinaus, danke für die Mühen des BLOG ) .

    Gruß Hanskarl

  31. Hallo Uwe,
    „Ich habe übrigens schon erlebt, wie abgründig ich daneben liegen kann, wenn ich einen anderen Menschen nur als das nehme, was ich mir über ihn oder sie alles so zusammen gereimt habe“.
    Nun, irgendetwas zusammenreimen muß man sich immer. Das hast Du ja auch in Richtung Susanne getan, indem Du ihr Eigenschaften zustellst und andere abziehst.

    Gruß
    Gerhard

  32. Hallo Gerhard,

    ja, da sagte ich fälschlich, daß ich mir nichts zusammenreimte. :) Doch, das tu ich. Die Welt, Du und Susanne und ich selbst, alles sind Vorstellungen in mir. Von mir geschriebene Worte werden individuell verschiedene Vorstellungen in jedem Leser erzeugen. Mit der Betrachtung all dieser Vorstellungen kann man viel Spaß haben. ;)

    Es ging, so meinte ich zumindest, in Susannes Text, “ … wer hätte noch nie erlebt, wie abgründig daneben du liegen kannst, wenn du einen anderen Menschen nur als das nimmst, was du dir über ihn oder sie alles so zusammen gereimt hast …“, um die Wirkung, die solche Vorstellungen entfalten können. In diesem Zusammenhang wollte ich zum Ausdruck bringen, daß ich mich im Bewußtsein des subjektiven Charakters meiner Vorstellungen bemühe, mich ein wenig von ihnen zu emanzipieren, was aber nicht ganz leicht ist, denn was bleibt einem dann noch? ;)

    Ich wünsche Euch allen eine schöne und zufriedene Zeit, geweiht oder ungeweiht!

  33. Ein versöhnliches Wort zum schluß, schön.

Was sagst Du dazu?

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