Claudia am 06. Juni 2001 — Kommentare deaktiviert für Sich umbringen?

Sich umbringen?

Wer mal ernsthaft darüber nachdenkt, was wohl – denkt man die jetzigen Verhältnisse einfach weiter – in der letzten Phase des Lebens an Unerträglichem auf uns zukommt, landet schnell beim Gedanken an den „rettenden Schnellzug“, den Sprung aus dem Fenster oder anderen Möglichkeiten, sich dem drohenden Elend durch vorzeitiges Ableben zu entziehen. Speziell für meine Generation ist das ein erstaunlicher Fatalismus, sind wir doch mit dem Gedanken sozialisiert, alles verändern zu können, was uns nicht paßt. Weiter → (Sich umbringen?)

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Claudia am 03. Juni 2001 — Kommentare deaktiviert für Abschied von Mecklenburg

Abschied von Mecklenburg

Die letzen Wochen auf dem Land verbringe ich in einem seltsamen Zwischenzustand. Noch nicht in Berlin, aber auch nicht mehr richtig hier, haben die Tage etwas träumerisch-irreales. Auf Spaziergängen fange ich Bilder und Stimmungen ein, gestern zum Beispiel auf dem Weg nach Lützow, danach dann im Wald hinter dem Schloß, der sich in diesen Frühsommertagen märchenhaft entfaltet.
Wer mag, kann mal eben mitgehen:

Abschied von Mecklenburg – ein Spaziergang (aber Achtung, die Bilder haben eine gewisse Ladezeit, ich wollte sie einfach GROSS haben…)

in Mecklenburg

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Claudia am 31. Mai 2001 — Kommentare deaktiviert für Das Netz LEBT und WÄCHST!

Das Netz LEBT und WÄCHST!

Zum 4. InternetBreakfastForum traf man sich im Berliner Kempinsky zum Thema: Welche Dienste und Unternehmen haben Zukunft? Eine spannende Frage, die mich auch oft bewegt. Schade also, dass ich (noch) nicht hingehen konnte, dachte ich mir so, doch immerhin gab es gleich hinterher einen Ergebnisbericht. In dem steht wieder mal nur das drin, was derzeit geradezu litaneienhaft wiedergekäut wird, nämlich die tausendfach wiederholte Beschwörung: Weiter → (Das Netz LEBT und WÄCHST!)

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Claudia am 28. Mai 2001 — Kommentare deaktiviert für Friedrichshain – gebongt!

Friedrichshain – gebongt!

Der Mietvertrag ist da! Es hat wirklich geklappt! Zwar war ich mir eigentlich sicher, dass wir die Wohnung bekommen, doch wollte ich nicht allzu sehr dran glauben, ohne den Vertrag in Händen zu haben. Es ist eine 84 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung gleich beim Boxhagener Platz in Friedrichshain (hier noch eine eher „amtliche“ Kurzbeschreibung). Die beiden Zimmer sind gleich groß, nach vorne raus und mit je einem eigenen Eingang zum Balkon, klasse! Sogar mit großer Wohnküche, nicht ganz so riesig wie hier im Schloß, aber doch größer als alles, was ich in Berlin bisher an Altbau-Küchen so zu Gesicht bekam. Weiter → (Friedrichshain – gebongt!)

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Claudia am 25. Mai 2001 — Kommentare deaktiviert für Vom Nichtstun

Vom Nichtstun

Während der mediengenerierte Meinungsmainstream sich in den letzten Wochen den Kopf über ein „Recht auf Faulheit“ zerbricht, wird mir nach einem halben Jahr unproduktivem Herumhängen klar, wie wichtig, richtig und unverzichtbar echtes Nichtstun ist. Weiter → (Vom Nichtstun)

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Claudia am 21. Mai 2001 — Kommentare deaktiviert für Ein Hauch von Freiheit

Ein Hauch von Freiheit

Im Rückblick erfindet ein jeder die eigene Vergangenheit täglich neu – ich weiß nicht mehr, wer das gesagt hat, doch zweifellos hat er recht. Jede Veränderung im Jetzt zeigt die Vergangenheit in anderem Licht, man merkt es allerdings nur anhand großer Brüche, nach Krisen, bei kleinen und großen Katastrophen. Jetzt zum Beispiel kann ich langsam erkennen, wie meine innere und äußere Stagnation des letzten halben Jahres zustande kam, ja, ich nenne das erst jetzt „Stagnation“ oder auch Krise, denn es verabschiedet sich gerade in Lichtgeschwindigkeit und gerät so überhaupt erst in den Blick. Weiter → (Ein Hauch von Freiheit)

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Claudia am 20. Mai 2001 — Kommentare deaktiviert für Welt gestalten

Welt gestalten

Immer wieder fragen mich Leute angesichts des anstehenden Umzugs von Gottesgabe nach Berlin, warum ich denn „das Grüne“ verlassen und ins Häusermeer zurückkehren will. Nicht etwa an den Stadtrand, nicht in den Speckgürtel, sondern „in the mid of the muds“, wie es mein Lebensgefährte in Erinnerung der Hunde-verschissenen Berliner Gehwege so treffend ausdrückt.

Ich liebe das Grün (typisch Stadtmensch!). Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich die Mai-seelige Biomasse spriessen, als gälte es, bis zum Herbst das Schloß mal richtig zu überwuchern. Der Geruch der feuchten Erde hängt in der Luft, vermischt mit dem Blütenduft der Äpfel, Kirschen, Linden und Kastanien. Die endlosen Weiten der mecklenburgischen Felder zeigen sich derzeit in gelb: blühender Raps, wohin man schaut. Wunderschön, jederzeit vom PC weggehen zu können, ein paar Schritte zu machen und im Grünen oder Gelben zu stehen.

Dass ich hier weggehe, ist kein Ergebnis rationaler Überlegungen. Natürlich könnte ich jetzt so tun als ob und eine Art Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen, die zeigt, dass sich „unterm Strich“ die Waagschale auf die Seite der Stadt senkt. Von der Realität wäre das weit entfernt, die immer eine Vielfalt von Ereignissen ist, die mich auf allen Ebenen beeinflussen und letztlich in eine bestimmte Richtung schieben, ziehen, mitreissen. Gegen solche Strömungen will ich nicht mehr anschwimmen, im Gegenteil, ich will sie frühzeitig kommen spüren und mitgehen. Zwei ganze Jahre in einem winzigen Dorf, in einem recht leeren Land, das insgesamt nur 1,7 Millionen Einwohner hat – das ist eine lange Zeit.

Lang genug um vieles zu erleben, was mensch sich nicht vor Augen führt in seiner Sehnsucht nach dem Grün, nach Natur, nach Tieren, Pflanzen, Erde und unmittelbar hereinbrechenden Wettern. An manchen Tagen stinkt die Landschaft zum Beispiel gottserbärmlich, die Bauern verteilen Unmengen Gülle und Klärschlamm auf den Feldern, man kann dem Gestank nach Scheiße und Dreck dann nirgends entkommen! Die Felder selbst, obwohl schön anzusehen, haben doch etwas Brachiales. Jeder Quadratmeter wird genutzt, kein Weg, kein Hain, kein Randstreifen bleibt verschont, wo nicht eine übergeordnete Institution mit ausreichend Fördergeldern und Vorschriften dafür sorgt. Und das geschieht nur punktuell, dort, wo man Touristen anlocken will, die nun mal laufen oder Rad fahren wollen.

Daß für die Raubvögel die quadratkilometergroßen Felder mit 1,60-Meter hohem Doppelnull-Raps tote Gegenden sind, weil es unmöglich ist, auf deren Boden zu sehen, ist den Landmenschen hier egal. Oder daß es vielleicht schön wäre, auf direktem Fußweg ins nächste Dorf gehen zu können, anstatt dem weiten Umweg der Autostraße nachlaufen oder unerlaubter Weise über den Acker stolpern zu müssen – kein Gedanke! Was nicht angeordnet und bezahlt wid, kommt nicht vor. Ehemals vorhandene Wege, noch von Kastanien gesäumt, sind verschwunden, der Platz für optimale agrarische Nutzung gewonnen. Man muß dankbar sein, dass sie wenigstens hier und da die Bäume nicht gefällt haben!

Was mich so belebt, wenn ich in die Stadt komme, ist zum Beispiel der überall sichtbare Wille zur Gestaltung. Die Menschen wollen sich ausdrücken, sie gestalten und kreieren deshalb weit mehr als das, was der jeweilige Job erfordert. Gestaltung ist ein Stück Selbstverwirklichung – für Städter ein Lebenselexier. Ob Hinterhofbegrünung oder Fassadengraffiti, öffentliche Raumplanung und Architekturwettbewerbe oder die Buntheit der Outfits und Kneipeninterieurs, die Vielfalt der Veranstaltungen und Events – jenseits aller kommerziellen Aspekte zeigt sich darin auch eine Liebe zum Dasein im Bemühen, etwas schöner zu machen, als es von selber schon ist.

Das vermisse ich hier. Auf dem Land würde es bedeuten, das Land wirklich zu gestalten, nicht nur zu nutzen. Den Versuch, die Gegend für Menschen – Wanderer, Radfahrer – artgerecht anzulegen und auch den Gewächsen und Tieren Raum zu lassen (viele sind ja in die Stadt eingewandert, da das Land ihnen zu wenig bietet). Natürlich braucht alles derartige dann letztlich auch Strukturen, Vorschriften, Fördermittel – aber was mich traurig stimmt, ist die Anmutung, dass es den Bauern hier einfach kein Anliegen ist. Im Gegenteil, überall, wo ein wenig Naturschutz und Landschaftspflege stattfinden soll, ist erstmal Kampf angesagt. Wäre es anders, würde man hier und da etwas sehen, was vom „Willen zur Gestaltung“ spricht, kleine eigene Intitaitiven. Zum Besipiel gibt es mitten in den großen Feldern feuchte, agrarisch nicht nutzbare Löcher, manchmal mit einem kleinen Teich, gelgentlich von Bäumen umstanden – nie sah ich, dass so ein Spontan-Biotop auch nur ein wenig gepflegt würde, vielleicht begehbar gemacht durch einen Trampelpfad und befreit vom Müll, den manche dort versenken. Nichts!

Dauerhaft auf dem Land leben könnte ich nur als Bäurin, die sich mit diesen Dingen aktiv auseinander setzt und selber etwas tut, anstatt nur zu klagen und zu fordern. Letzteres funktioniert schon gar nicht, wenn man von aussen kommt, aus der fernen Metropole, dazu noch als Wessi in den Osten. Und eine Bäurin werde ich in diesem Leben nicht mehr.

Also geh‘ ich zurück. In die Stadt, wo das Virtuelle den Großteil des Realen ausmacht, wo die Sachen nicht einfach Sachen, sondern Träger von Bedeutung sind. Dort sind meine Aktionsfelder, dort treffe ich Mitspieler und Gegner, dort passen meine Fähigkeiten hin, die hier nur mühsam durch ein 1024 x 800 Pixel-Fenster transportierbar sind.

In Friedrichshain gibt es deutlich mehr Bäume als in meinem alten Kiez in Kreuzberg. Immerhin. Weiter → (Welt gestalten)

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Claudia am 19. Mai 2001 — Kommentare deaktiviert für Mal wieder: Materie

Mal wieder: Materie

Zu wissen, dass das Leben auf Schloß Gottesgabe bald zu Ende ist, ohne noch zu wissen, was genau danach kommt, ergibt einen seltsamen Zustand zwischen hier und dort, ein Unterwegs-Sein ohne Bewegung, gelegentlich begleitet von recht wechselhaften Gefühlen: Freude auf das Neue, aber auch Horror vor dem ganzen Aufwand und manchmal einfach Angst vor dem Ungewissen.

Diese Gefühle beachte ich möglichst nicht weiter, schließlich sind das alles nur Gedanken. Sie haben nichts mit der konkreten Situation zu tun, in der einfach ein Augenblick dem anderen folgt. Wenn ich bei diesen Augenblicken bleibe, gibt es keine Probleme, nur verschiedene Anforderungen, die weder besonders erfreulich noch irgendwie erschreckend wären.

Halt, nicht ganz! Erfreulich finde ich die Notwendigkeit, mich wieder mal von allerlei „Zeug“ zu trennen. Die Vorstellung, alles, was hier herumsteht, nach Berlin zu transferieren, ist so abschreckend, dass ich am liebsten nur mit einer Tasche und ein paar Aktenordnern (die wird man ja nicht los!) ganz neu anfangen würde. Eigentlich besitze ich schon jetzt nicht viel, ein paar Bücherregale (Typ Billy, Presspan, schwer!), ein altes Sofa, das Bett (Bio, breit, schwer), ein dummerweise hier angeschafftes Vollholz-Sideboard (auch schwer), einen metallenen Aktencontainer, einen kleinen Tisch, diverse kleine Teppiche, Lampen, ein Hängeregal, einen guten Bürostuhl – und natürlich das PC-Equipment. Schon der Tisch, auf dem der PC steht, ist ein Leihmöbel wie auch die kleinen Korbsessel: das stand hier alles in den Kellern herum und drüben im „Sozialtrakt“ der alten Schweinzuchtanlage fand sich ein leichter Holzschrank, den ich eigentlich richtig restaurieren wollte, jetzt lass ich ihn da, dem Holzbock zum Fraß, der sich sowieso schon daran gütlich tut.

Ich träume von mobilen Möbeln, die eine Person mit einem PKW an einem Nachmittag umziehen kann! Denn je mehr Stoff ich von einem Ort zum anderen bewegen muß, desto belasteter ist die Wohnungssuche: Je höher der erforderliche Aufwand, desto optimaler muß die künftige Bleibe sein. Man kann dann ja nicht so einfach wieder weg, wenn sich vielleicht nach ein paar Monaten zeigt, dass es der falsche Ort ist.

In meiner ersten eigenen Wohnung fand ich das Sammeln, Horten und Anhäufen möglichst vieler toller Dinge noch ganz normal. Mein Samstags-Sport war der Besuch von Flohmärkten, immer auf der Jagd nach hübschen Gegenständen. Erst Berlin, wo ich binnen weniger Jahre sieben Mal im selben Kiez umgezogen bin, belehrte mich eines Besseren. Die Umzugsfeste (10 Freunde schleppen einen Tag lang, drei Treppen runter, vier Treppen rauf, danach wird gefeiert) verloren schon bald ihren Reiz. Als erstes trennte ich mich von allen Büchern, die ich sowieso nie mehr lesen würde. Und wenn man mal mit dem sich-von-den-Dingen-trennen anfängt, macht es richtig Spaß, Ballast abwerfen tut einfach gut. Einige meiner Stationen waren besetzte Häuser, wo es sowieso obsolet schien, sich fest zu etablieren, schließlich konnte man jederzeit rausfliegen. Sowas prägt. Und wenn ich es recht bedenke, ist es doch eigentlich der Grundzustand im Leben: Jederzeit kann Schluß sein, wozu sich also so tief in die Materie einschreiben?

Einmal kam ich mit dieser minimalistischen Linie ins Zweifeln. Eine gute Freundin wollte ihren Mann verlassen. Die beiden hatten ein gemeinsames Haus am Rande Berlins, das deshalb verkauft werden mußte. Während einiger Monate machten sie jedoch die Trennung rückgängig und kauften zusammen ein neues Haus. Mehrere Wochen lang waren sie mit DEM UMZUG beschäftigt und ich konnte zum ersten Mal genau sehen, was alles da ist, wenn man nie etwas wegwirft – weil eben Platz genug ist, das alles irgendwo wegzustauen. Natürlich sagte ich mir: Sei froh, dass dich sowas niemals trifft! Aber irgendwo meldete sich auch der Gedanken: Die haben es doch zu was gebracht! Da kann man richtig sehen, wofür sie gearbeitet haben, überall stehen WERTE herum, gute teure Dinge, die zwei kinderlose Verdiener sich im Lauf der Zeit locker anschaffen können – und ich?

Zum Glück ist die Irritation folgenlos geblieben. Wie man sich in diesen Dingen verhält, läßt sich sowieso nicht „machen“, es geschieht einfach, entlang am eigenen Temperament. Ich bin schlicht zu faul und zu textorientiert, um viel Wert auf die materielle Umgebung zu legen, und das ist Vorteil und Nachteil zugleich.

Im Moment freu ich mich aber über den Vorteil, schließlich ist ein Umzug in Sicht.

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