Claudia am 11. November 2025 — 6 Kommentare

Warum KI beim politischen Bloggen helfen kann – vielleicht sogar muss

Meine gefühlte Schreibblockade kommt nicht von ungefähr: Die Themen, die mich häufig umtreiben (z.B. die Geschehnisse in den USA, an den Märkten, sowie Geopolitik, Handelskrieg, Wirtschaft & Arbeit…) sind recht komplex. Bei all den Zusammenhängen komme ich gedanklich vom Hölzchen aufs Stöckchen, aber selbst WENN mir etwas konkret genug vorkommt, um darüber zu bloggen, bremst mich der Gedanke aus: Wie viel von den Fakten und Vorgängen, auf die ich mich beziehe, kann ich als bekannt voraussetzen? Was muss ich erst noch zusammenfassend berichten?

Deine + meine ≠ unsere Welt

Wir leben in einer total zersplitterten Medienwelt: News-Aggregatoren, sog. Leit- und Alternativmedien, politische Blogs, Youtube-Kanäle, Mediatheken, Radio & TV mit ihren Sendungen, Podcasts und Videos, Influencer zu jedem Thema und jeder Richtung – und das ist noch immer nicht alles!  Ich kann einfach nicht davon ausgehen, dass auch nur zwei meiner Stammleser/innen den gleichen „Blick in die Welt“ praktizieren wie ich. Das hat natürlich Folgen für die Ansprüche, die ich an eigene Blogtexte habe: Ich möchte verstanden und nicht missinterpretiert werden, also müsste ich oft „weit ausholen“, um eine gemeinsame (Fakten-)Basis zumindest wahrscheinlicher zu machen. Das würde dann wiederum leicht die Textlängen überschreiten, die noch gern gelesen werden – und es dürfte grade nicht „persönlich“ sein, wenn es mir doch um die Info-Basis geht.

Kurz das Wesentliche zusammenfassen: Das kann eine KI sehr gut! Kürzer und prägnanter, als ich es könnte, denn ich würde ausufern, um bloß keinen Aspekt zu vergessen, der im jeweiligen Kontext noch wichtig sein könnte. Es wundert also nicht, dass Blogger KI nutzen – es gibt nur noch keinen Konsens, WIE so eine „Kollaboration“ am besten umzusetzen ist.

Borist Stumpf erkennt KI-Nutzungen in immer mehr Blogs und kritisiert die Ergebnisse so:

„Leider beobachte und erkenne ich inzwischen auch in einigen Blogs die Verwendung von LLMs bei der Erzeugung von Blogbeiträgen – man kann das wirklich heraus-lesen, und vor allem dann besonders leicht, wenn man die Autoren aus der früheren KI-losen Zeit kennt.

Solchen Artikeln geht die persönliche Note flöten, sie lesen sich alle irgendwie wie sachdienliche Berichte zum Thema, denen meist noch eine klare (dann allerdings KI-freie) Bewertung respektive Meinungsäußerung nachgeschoben wird. Diese »Bruchstelle« sieht man dann recht leicht.

Am Ende geht dann den Blogs selbst der persönliche Charakter verloren, es bleiben sonderbar leere redaktionelle Seiten übrig, auf denen Autoren zu Themen berichten.“
(Quelle, letzter Absatz: „Das eigentliche Problem ist“)

Auf den Punkt! Und eben weil ich nicht ellenlang wie ein Nachrichtenmedium klingen will, blogge ich dann lieber garnicht – auch kein guter Zustand! Hilfsweise zitiere ich hier und da Perplexity ganz offiziell, stelle Frage und Antwort dar – oder verlinke auch mal ganze Dialoge. Aber noch gibt es keine Routine für den Bedarf „kurze Zusammenfassung“ in einem blog-kompatiblem Stil.

Du sollst belegen können!

Ein weiteres Motiv für die Nutzug von KI fürs Bloggen ist das Auffinden zitierfähiger Quellen. Früher gab es noch nicht diesen Anspruch, jeden Halbsatz irgendwie BELEGEN zu können bzw. zu sollen, aber mittlerweile ist der „Link zur Quelle“ Standard. Meinungen sollte man begründen können, will man ernst genommen werden. Die Fakten und Ereignisse, aus der sich Meinung erst entwickelt, sollten keine bloßen, „unbelegbaren“ Behauptungen sein. Für ein komplexeres Thema Quellen zu finden, die meinen Ansprüchen genügen, aber auch für die – vermuteten – Mitlesenden passen, macht allerdings richtig Arbeit. (Deshalb muss Journalimus bezahlt werden, ich blogge hier aber nur  :-).

Perplexity schafft zum Glück jegliche Recherche zügig, wenn ich im Prompt sehr klare Anweisungen gebe. Wenn ich z.B. aus einem 35-minütigem US-Video etwas erfahre, über das ich bloggen möchte, dann weiß ich: Niemand will als Blogbesucher erst ein Video anschauen, um einem Blogartikel inhaltlich folgen zu können.  Auch versteht nicht jede/r gut Englisch, schon garnicht so manch‘ schnellen US-Slang. Also lasse ich die KI nach Artikeln zum Thema suchen, wenn möglich nach deutschsprachigen, und verlinke sie als Belege. Das hat auch Vorteile für die Quellen, denn ich schaue mir die Artikel zuvor an, sie bekommen also Abrufe und vielleicht sogar einen Link.

Fazit: Es wird noch ein wenig dauern, bis die Fähigkeiten der diversen KIs zufriedenstellend „verdaut“ sind, idealerweise so, dass die Freude am Bloggen und Blogs lesen erhalten bleibt. Blogs sollten nicht zu „sonderbar leeren redaktionellen Seiten“ werden, sondern ganz im Gegenteil zum Kommentieren und Diskutieren anregen – zumindest wünsche ich mir das als eine, die gerne politisch bloggt.

Auch zum Thema (grade erst entdeckt!):

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6 Kommentare zu „Warum KI beim politischen Bloggen helfen kann – vielleicht sogar muss“.

  1. Muss und kann man komplexe politische Vorgänge/Nachrichten so in einem Blog verständliche, umfassend und real/tatsächlich darstellen, wenn man selber
    nur eine Bloggerin ist? Ich glaube, das geht nur in Ansätzen.

    Oder man müsste tatsächlich Wissenschaftlerin (gelernter Journalist u. ähnliches) sein, die sich an wissenschaftliche Standards halten … ;-)

    Ich glaube, man kann immer nur einen kleinen Ausschnitt wiedergeben.

    Auch die KI sind durch ihr Futter was sie bekommen oder ihrem Programmierer politisch eingefärbt, u.a. siehe Grok. Deshalb halte ich das auch für schwierig.
    Davon abgesehen, wie lange sollte denn dann ein Blogartikel sein müssen, den man mal eben online lesen will und kann ;-)

    Politik ist doch getränkt durch Meinungen, Lebensweisheiten, Geschichte etc. Bei den vielen heutigen Fake-News, sehr schwierig mit dem Nachweis und mega aufwändig.

    Hilfreich ist es sicherlich, wenn eine Bloggerin sich grundsätzlich kurz und prägnant mitteilen kann.

  2. @Su Mu: danke für deinen Kommentar!

    „Politik ist doch getränkt durch Meinungen, Lebensweisheiten, Geschichte etc. Bei den vielen heutigen Fake-News, sehr schwierig mit dem Nachweis und mega aufwändig.“

    – ja, hab ich als Grund für die Bezahlung (Journalismus) erwähnt, das können/wollen Blogger in der Regel nicht leisten. Aber dennoch sollte der Hintergrund einer Meinung vermittelt werden, möglichst so, dass es auch gelesen wird und nicht ausufert! Ich sage „sollte“ und meine den eigenen Anspruch, keineswegs will ich allen Bloggenden etwas vorschreiben.

    Während ich den obigen Artikel schrieb, bin ich gedanklich meiner persönlichen Lösung näher gekommen: Wie auch bisher werde ich, wo es mir nötig erscheint, die verwendete KI angeben und erkennbar zitieren. Ich nutze KI experimentell und auch im Arbeitsumfeld seit ChatGPT erschienen ist. Alsbald bin ich auf Perplexity umgewechselt wegen der sehr viel besseren Darstellung der Quellen. Auch vertraue ich der Entwicklerfirma Antropic mehr, weil sie von Kritikern an OpenAI (ChatGpt) gegründet wurde. Grok kommt mir nicht in die Tüte – und bisher habe ich bei Perplexity (und auch bei der Google-KI Gemini) keinen „Bias“ festgestellt. Das liegt aber auch am Prompt, das wirklich offen formuliert werden muss.

    Hier ein Beispiel aus meinem Gartenblog: sichtbare KI-Zitate, Verlinkung des KI-Gesprächs, Linkliebe für die Urheber.

  3. Ich lese tatsächlich die Blogs weniger, wo ich vermehrt KI finde. Irgendwie habe ich da ein ungutes Gefühl – die Zusammenfassung von Boris Stumpf trifft es gut.
    Allerdings kämpfe ich auch vermehrt mit Fachausdrücken und Abkürzungen: alleine hier grade LLMs, Bias, Prompt… Häh?
    Meistens bin ich auch dann weg, wenn ich am dritten Wort bin, dessen Bedeutung ich erst mal nachschlagen müßte.
    Die Angabe von Quellen finde ich allerdings gut – manche verlassen sich aber auf die KI allein – und so liest es sich dann auch.

  4. Ich erkenne und nehme das ebenso wahr wie es Boris formuliert. Von KI begleitete Texterstellungen fehlt etwas, besonders, wenn man den Autor aus der Vor-KI-Zeit kennt. Weshalb ich auch mal ganz frisch von der Leber behaupten würde, dass dein vorliegender Beitrag, – wenn überhaupt,- nur minimal von KI redigiert wurde.

    Schön, dass du auch schreibst, was du möchtest. „Verstanden“ werden. Das mag dir im ersten Moment als Selbstverständlichkeit vorkommen, ist es für mich aber nicht mehr. Unter diesem Aspekt lesen sich deine Beiträge neu und anders. „Verstanden“ werde ich mittlerweile von der KI sehr gut. Sie destilliert die Antworten dahingehend, wie ich es gerne lesen würde. Reicht mir. Mehr muss nicht.

    Allerdings, – Missverständnisse triggern und sind für mich wie die Flamme, die einen Beitrag erst ins Feuer setzen. Neue und andere Gedanken kommen dabei auf und erweitern meinen ursprünglichen Gedankenraum. Besonders, wenn sie auch noch provokativ sind. Das ist im ersten Moment nicht immer schön, aber fruchtbar.

    So sind sie halt, die unterschiedlichen Impulse, die Blogger zum Schreiben bewegen. Gut, das deins dabei mal wieder zum Ausruck kommen konnte. Hatte ich so garnicht mehr auf dem Schirm.

  5. @Holly: Danke für die Erinnerung, bin da ganz bei dir: Was die Abkürzungen angeht, vermeide ich sie in eigenen Artikeln oder verlinke zumindest eine Erklärung. In Kommentaren achte ich weniger drauf, hab es jetzt aber bei „Bias“ und „Prompt“ nachgeholt. Bei wörtlichen Zitaten (wie jenem von Boris, der von LLMs sprach) scheue ich mich, etwas hinein zu verlinken, das im Original nicht vorkommt. Es sei hiermit nachgeholt!

    @Menachem: danke für deinen Kommentar – und ja, mein Artikel ist nicht „von KI redigiert“, ich wüsste garnicht, wozu das dienen sollte! Bisher hab ich KI-Beiträge als solche gekennzeichnet, bzw. gleich die ganze Frage-Antwort-Passage abgebildet (oder mittels der Teilen-Funktion von Perplexity verlinkt). Immer haben diese Beiträge einen Recherche-Hintergrund – oder sie sollen beispielhaft zeigen, wie eine KI sich verhält, so zu experimentellen Zwecken, z.B. hier und hier.

    Zum „verstanden werden“: Das bezog sich auf menschliche Leser, nicht auf die KI. Die versteht mich besser oder schlechter, je nachdem, wie klar das Prompt und der Kontext ist. Bei Blogtexten sind mir allein die Menschen wichtig, die KIs „dürfen“ mitlesen, von „verstehen“ kann hier sowieso keine Rede sein.
    „Verstanden werden“ wollen meine ich nicht im Sinne von „unkritisierbar schreiben“. Andere Sichtweisen zu meinen Meinungen regen zu Debatten an, das finde ich gut. Ich möchte nur klar vermitteln, worauf ich mich beziehe – damit die Basis meiner Meinungsbildung im jeweiligen Punkt klar ist.

  6. Sehe ich ähnlich wie Du. Die digitale Welt wird mit immer mehr seelenlosem Müll geflutet, den irgendeine KI mal eben ruckzuck ausgespuckt hat.
    Auch ich schreibe gerne Beiträge mit (gesellschafts)politischem Inhalt. Während ich schreibe, merke ich dann aber, dass ich zu viel schreibe, zu langatmig werde und denke, dass das, was ich da gerade schreibe, von 100.000 anderen Menschen auf ähnliche Art schon geschrieben wurde. Dann verlässt mich schnell die Motivation. Besonders dann, wenn ich mir die Frage stelle: „Liest das überhaupt jemand?“

    Ich habe gerade eine Mini-Serie begonnen, die sich mit dem Gift in unseren Köpfen beschäftigt, aber ich fange schon an zu splitten, weil sich niemand riesige Artikel durchlesen will. Aber hey, ich gebe nicht auf!

    Ps.: Salvatore Princi habe ich seit ca. einer Woche auch für mich entdeckt.

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