Claudia am 12. März 2009 —

Und Psychologen stehen bereit

Eigentlich will ich gar nicht schreiben, denn damit werde ich zum Teil der medialen Verarbeitungsmaschine, die „Amok-Läufe“ gierig aufsaugt wie Manna, das vom Himmel fällt. Doch Schweigen geht auch nicht, denn die Überschrift des letzten Beitrags („Magazin für Lebenslust“) wirkt angesichts der Ereignisse höhnisch und ignorant, ich kann’s gar nicht ansehen!

Erst ab dem späten Nachmittag hatte ich gestern mitbekommen, was die Stunde in Winnenden geschlagen hatte. Ich verfolgte die Berichte, die Nachrichtensendungen, die „Specials“ und abends dann die Sendung „Hart aber fair“, in der sich die üblichen Experten zur Sache und möglichen Ursachen äußerten. Anders als sonst zeigte der Sender (weil es ja schon entsprechend spät war) so manche Gewaltszene aus Computerspielen, dazu das „Amok-Video“ eines Rappers und verherrlichende Videos über die Täter der Vergangenheit: Erfurt, Columbine….

Es gruselte mich immer mehr. Die mediale Verarbeitung und der Amoklauf erschienen mir so überdeutlich als zusammengehörig: die Zelebration des Ausnahmezustands auf allen Kanälen, die schnellen und „angemessenen“ Reaktionen der Politiker (Merkel, Köhler, Europaparlament), all die Interviews mit Beteiligten, Zuschauern und Funktionsträgern, die ihre Fassungslosigkeit dem Mikrofon anvertrauten – und immer wieder das Unverständnis, die vielen Fragen, dieses „ich verstehe die Welt nicht mehr!“, das viele da äußerten – mein Gott, ich fühlte mich plötzlich als Alien, denn solche Fragen kamen mir gar nicht in den Sinn!

Mir erschien im Gegenteil recht klar, was da abgegangen war: wieder einmal ein „unauffälliger Jugendlicher“, der die Demütigungen, die er im Leben erfuhr, in sich hinein fraß und in Hass verwandelte. Bis er zu einer tickenden Bombe geworden war und anhand der „Vorbilder“ aus dem Internet seinen spektakulären Abgang als Rache-Akt an der Welt plante – und durchführte. Genau wie er es sich vermutlich ausgerechnet hat, wird er als „dunkler Held“ in die Geschichte der Amokläufe der letzten 15 Jahre eingehen. Andere Jugendliche werden ihn posthum verehren als einen, der Nägel mit Köpfen gemacht hat. Nicht im Leben, aber doch im Tod hat er so geschafft, was ihm sonst nicht gelungen ist: JEMAND sein, den man bemerkt, über den man nicht hinwegsehen kann, einer, der nicht mehr Opfer, sondern Täter ist, der die Welt bewegt und mediale Unsterblichkeit erlangt.

Gruslig fand ich auch das mittlerweile offenbar zur Katastrophennormalität gehörende Verweisen auf die Psychologen, die „bereit stehen“, sich um die Betroffenen zu kümmern. Ja, das ist gewiss gut gemeint und nützt vermutlich auch dem einen oder anderen – und doch: ist es nicht seltsam, in was für einer „therapeutischen Gesellschaft“ wir uns bereits befinden? Es wird von den Institutionen verlangt, „die Menschen in ihrer Betroffenheit nicht alleine zu lassen“, also stellt man ihnen Psychologen und Seelsorger „aus allen Bundesländern“ zur Seite. Und die Reporter ergehen sich in Spekulationen, wie groß die Traumatisierungen nun sein werden und wie lange so etwas andauern kann – irgendwie könnte ich kotzen!

***
Dazu gibts einen „ähnlichen Artikel“ vom 28.4.2002:
Amoklauf in Erfurt – der Tunnelblick verengt sich

Diesem Blog per E-Mail folgen…

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
22 Kommentare zu „Und Psychologen stehen bereit“.

  1. absolut klare und zutreffende analyse. dem ist nichts hinzuzufügen.

  2. Ganz guter Artikel, bis auf den letzten Absatz, da bin ich anderer Meinung!

    Denn wo ist das Problem mit den Psychologen? Die sind doch wichtig und werden meistens zu spät- nämlich hinterher- eingesetzt.

    Also, was genau kritisierst du an den Psychologen? Die scheinheilige Mentalität? Die Über-Fürsorge? Oder das Offenlegen der Privatsphäre und der Gefühle?

  3. mich erinnert es an Hunde und Hundeverhalten: wenn ein Hund die Aufmerksamkeit seines Menschen nicht mit seinem positiven lieben Wesen, seiner Treue, seiner Bereitschaft mit dem Menschen zu leben und zu arbeiten erringen kann, versucht er es mit negativem Verhalten, zerstört Sachen, arbeitet nicht mehr mit, stellt sich quer, Hauptsache sein Mensch reagiert und nimmt ihn wahr, auch wenn er dafür geschimpft oder bestraft wird. Viele dieser Kinder und Jugendlichen haben sehr sehr viel an materiellen Dingen im Überfluss, aber oft nicht die Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich tatsächlich auf sie einzulassen, ihnen zuzuhören, MIT ihnen zu leben und zu arbeiten. Wir verweigern ihnen positive Aufmerksamkeit, also versuchen sie es auf diese Weise. Und wie dein Eindruck von der Medienpräsenz in solchen Fällen ja auch sehr deutlich zeigt: es funktioniert, leider.

  4. Noch maximal 10 Tage, dann ist der Betroffenheitsrummel vorbei. Dann zieht die Meute weiter.
    In jüngster Vergangneheit haben die Politiker ja viel von der Bedeutung des Bildungssystems gesprochen. Dazu gheört nicht nur, dass die Schüler Fachwissen erwerben. Getan wurde trotz viel gerede nicht viel. Es fehlen 20.000 Lehrer in Deutschland. Das die jetzt fehlen, konnte man leicht voraus berechnen. Trotzdem wurde nichts unternommen – bis auf den Vorschlag von Frau Schavan, diese durch Fachkräfte aus der Wirtschaft zu ersetzen. In der Schule sind Pädagogen gefragt; nur Fachkraft reicht da nicht.

  5. @Inga:  es irritiert mich einfach, dass normale menschliche Reaktionen wie Trauer und Entsetzen, Betroffenheit und Angst nun „staatlich behandelt“ werden, indem man „Psychologen aus allen Bundesländern“ schickt. Was sollen die denn da eigentlich machen? Kann denn niemand mehr mit solchen Gefühlen selber umgehen?  Hat denn niemand mehr Freunde, Verwandte und Bekannte, mit denen man sich austauschen und trauern kann? Muss das alles öffentlich organisiert werden?
    Und wie OFT gestern in den Medien die Psychologen erwähnt wurden! Dieser Macherwahn, der darin zum Ausdruck kommt, ist das Gruslige: als gäbe es für alles gleich ein passendes Pflaster bzw. als bestünde da gar eine Bringschuld von Seiten des Staats! Und auch die vielen FRAGEN, die angeblich beantwortet werden müssen: man tut so, als wäre so etwas zu verhindern gewesen, wenn man nur genau heraus findet, an welcher Stelle welcher Schuldige versagt hat. Diese Art Aktivismus will vormachen, man habe ja EIGENTLICH alles im Griff und der Vorfall sei die absolute Ausnahme. Dabei ist der „Amoklauf“ längst eine OPTION im Kopf verzweifelter Jugendlicher, eine mögliche ROLLE, die aus der Rolle des Opfers heraus führt (es gab Zeiten und Phasen, da war eher der demonstrative Selbstmord die Option, ebenfalls „romantisiert“).

  6. Beim Einsatz der vielzitierten Psychologen kommt es ganz auf das Wie an, deshalb möchte ich mich da mit einem Urteil zurückhalten. Ich verstehe aber das Gefühl, was Claudia dabei beschleicht, recht gut. Es ist diese Reparier-Mentalität: momentan sind alle funktionsunfähig, daher wird eingegriffen. Aber der normale Wahnsinn wird nicht infrage gestellt. Noch immer gibt es keinen Lebenskunde-Unterricht, in dem der Umgang mit eigenen Gefühlen Thema ist, Möglichkeiten besprochen werden, wie man mit Trauer, mit Demütigung, mit Streit etc. umgehen kann .. als wichtiger wird der ganze Geschichtsmist betrachtet, welcher Herrscher wann herrschte etc. (daraus hat offenkundig noch nie jemand was gelernt!) und natürlich Religionskunde, damit man weiß, was ein Abendmahl ist. Heilige Dreifaltigkeit! Und dann dieses naive Geschwätz, der Junge sei so unauffällig gewesen und hätte sich nie geäußert – erstens ist das schon ein erheblicher Grund zur Sorge und zweitens ist es gelogen. Es wird schon noch einiges an die Oberfläche kommen – von wegen keiner hätte damit rechnen können …
    Danke, Claudia, für deine Weigerung, diese Betroffenheitsshow mitzumachen!

  7. Albert Krölls: Kritik der Psychologie
    13.80 Euro
    Diese Therapien üben uns in Einpassung ein, sie verdecken die wirklichen Probleme der Mitwelt, der Gesellschaft.
    Psychologie als opium des Volkes

  8. wie sich jetzt herausstellte, hat der bereits wg. depressionen in behandlung befindliche junge in der nacht vor der tat offenbar im chat alles angekündigt, einschließlich ortsangabe – leider glaubten seine zwei chatpartner ihm nicht. :-(

    link dazu: (gmx video)
    http://video.gmx.net/watch/6110418/Amoklauf_im_Internet_angekuendigt

  9. Hallo Claudia,  Zustimmung!
    Und dann sagt doch so eine junge Schnepfe in die Fernseh-Kamera: „ich hatte einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen“.
    Gruß Hanskarl
     
     
     
     

  10. Ich könnte mir vorstellen, dass die Psychologen selbst nicht damit glücklich sind, hier als Reparaturbrigade antreten zu dürfen. Nach dem, was bisher zu hören und zu lesen war, war der Junge eben nicht unauffällig.
    Er war vielleicht nur nicht so lästig, wie andere Schüler mit mehr Lautstärke. Vom Prahlen mit Waffen, allerdings „nur“ SoftAir und wenig Kontakt zu Mitschülern wird ja geschrieben. Ein psycholigisch geschulter Blick oder das Herz eines Lehrers, der Zeit und Muße hat, sich auf seine Schüler einzulassen, hätte wahrscheinlich schon vorher Anlaß gegeben, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Und wer guten Kontakt hat, hat auch eine größere Chance zu erfahren, was einen Menschen bewegt und Einfluß zu nehmen oder Hilfe anzubieten.

  11. Auf der Linie des Rufes nach den Psychologen ist dann noch das Geschwätz vom Adrenalin, das da durch den Körper des Jungen gerauscht sei, die Frage nach den Auslösern, usw. – da bricht der Mechanismus des Denkens und die Technokratie voll durch. Und nur dieses Denken wird noch an der Schule gelehrt, das das dauernd kontrollieren, steuern, überwachen, tracken, sich durch tausend Rattenfallen absichern und alles im Griff haben will; das auch die Psyche nicht anders als mechanistisch denken kann und will. Depression? Klaro, ein Incident. Root cause ermitteln, procedures implementieren, Schulungen einrichten, z.b. in Lebenskunde, am besten mit obligatorischem Zerifikat.
    Allein das man sich permanent als Maschine behandeln lassen muss, ist tausendmal Grund für einen Amoklauf. Man sich dagegen nur schadlos halten, wenn man den Spieß umkehrt, und die Maschinisten selbst nach dem Maschinenprinzip behandelt. Den meisten macht das heute kein Problem, das ist schon ganz in Fleisch und Blut übergegeangen und bildet einen eigenen, sich selbst völlig selbstverständlichen Lebenstil. Aber die träumerischen, ruhigen, insichgekehrten, schüchternen, nicht so ganz realitätsgerechten Einzelgänger kriegen es halt nicht hin – die können das am Ende nur auf eine einzige Art, denn die werden in dieser Welt wirklich voll und ganz auf Null gebracht. Früher sind die ins Kloster gegangen und er haben irgendwo eine ruhige Kugel in irgendeinem subalternen Amt geschoben, von irgendeinem gütigen Onkel hingemauschelt, viele sind sicher auch einfach nur verhungert; das gibt es heute nicht mehr, und durch das permanente Assessment schlüpft auch keiner mehr durch.
    Dieses Maschinendenken ist übrigens dasselbe, was vom „Geschichtsmist“ salbadert, alles Vormoderne als bloßen Wechsel von  Tyrannen ansieht, die Religion nicht mehr versteht (natürlich auch den Unterricht entsprechend gestaltet) und sich selbst für maitre et possesseur nicht nur der Natur, sondern auch der Geschichte und der Kultur hält. Und des Lebens, das man nach state of the art ordentlich zu managen hat, damit herauskommt, was herauskommen soll, jedes Training bringt uns weiter; und wir erlösen uns natürlich selbst, yes we can. Es nützt nicht die Fächer anders zu nennen, wenn die Denke dieselbe ist.

  12. Zustimmung und Widerspruch zugleich.
    Ja, der mediale Rummel war extrem. Das Beste wäre, wenn man die Leute vor Ort in Ruhe lassen würde. Ich war auf dem Trauergottesdienst am Mittwoch abend, auf dem Weg dorthin wegelagerten die Kamerateams und versuchten, Jugendliche für Statements zu bekommen – alle, die ich mitbekommen habe, lehnten ab. In der Kirche machten die Fotografen trotz gegenteiliger Aufforderung teilweise Bilder, vor der Kirche gab es Wortgefechte zwischen Trauernden und Journalisten, die einfach draufhielten. Ein paar haben sie ja dann gefunden, die allen möglichen Schrott in die Kameras gebrabbelt haben. Beispielsweise die Arbeitskollegin meiner Mutter, die in die Kamera meinte, ihre Tochter sitze daheim und heule. Ja, und warum ist sie dann nicht bei ihr, sondern gibt Interviews auf der Strasse?
    Nein, ich glaube nicht dass es ein Fehler ist, wenn Psychologen bereit stehen. Die ganze Stadt, die Region steht unter Schock – Winnenden, Weiler zum Stein, das ist schwäbische Idylle. Ein bisschen piefig, aber im Grunde sind die großen Probleme der Welt woanders zu hause. Viele fühlen sich wie nach der Vertreibung aus dem Paradies. Was sollte man sonst machen? Jeder kennt jemanden, der Opfer dieser Tat war.
    Die einfachen Erklärungen greifen jedenfalls nicht. Reiches Elternhaus, durchschnittlicher Schüler, im Verein aktiv – nix da mit sozialer Desintegration. Wir wissen einfach noch nicht, was sonst noch die Gründe waren. Da ist es besser zum jetzigen Moment einfach die Klappe zu halten. So mache ich es jedenfalls. Manche meinen, ich solle Erklärungen liefern, als Politiker, als Ortskundiger, als Vorstand des wichtigsten Jugendverbandes im Kreis. Geht aber nicht, weil ichs momentan nicht erklären kann. Vielleicht die Entsolidarisierung unserer Gesellschaft? Zu viel Gewalt? Killerspiele? Ein verschrobenes Männlichkeitsbild? Wer weiss. Pure Spekulationen. Was passieren kann haben wir heute abend gesehen: Blamiert hat sich jetzt der baden-württembergische Innenminister, der ein gefaktes Chatprotokoll für bare Münze genommen hat. Lieber abwarten, was die Polizei tatsächlich herausbekommt.
    Ich glaube übrigens, dass diejenigen, die den Todesschützen zum Helden stilisieren, in der krassen Minderheit sind.


  13. Meist stehe ich ja auch dem Outsourcen von Probleme an Spezialisten eher skeptisch gegenüber. Aber wenn es eine Situation gibt, in der Psychologen gerechtfertigt sind, dann hier. Ich weiß nicht, ob Claudia oder eine-r der Kommentatoren schon jemals in einer Situation auf Leben und Tod waren, ich hoffe sie waren es nicht. Leider mussten meine Familie und ich eine Grenzsituation erleben (Wohnungsbrand). Obwohl wir viel wundervolle Unterstutzung von Freunden und Nachbarn hatten, war es sehr beruhigend die Adresse eines guten Kinderpsychologen in der Tasche zu haben. Viele Menschen, die es zwar gut meinen, wissen nicht wie sie mit „Opfern“ umgehen sollen und verhalten sich ganz unangebracht.
    Was diese Kinder, Lehrer und Eltern erleben ist doch etwas ganz anderes als „normale“ Trauer, wenn z.B. ein Familienmitglied stirbt. Mit schwerer Traumaerfahrung hat man sein Leben lang zu tun. Die Erfahrung unserer Familie war zwar lapidar im Vergleich zu dem, was andere Menschen auf der Welt durchmachen müssen und objektiv betrachtet sind wir auch gut damit fertig geworden, aber die Auswirkungen sind doch oft ganz anders als man sich das so vorstellt.
    Die Seele kann Schaden nehmen, genauso wie der Körper. Ich finde ehrlich gesagt, diese „Verdammung“ der Psychologen etwas eigenartig.  

  14. @13 danke für den hinweis, habe gerade auch auf GMX news gelesen, dass es eine falschmeldung war („ermittlungspanne“) – also: tat wurde NICHt vorher im internet angekündigt.

  15. @ottilie: ich glaube, claudia (und auch ich) will nicht das wirken der psychologen an sich verdammen (sie schrieb ja schon, dass das im einzelfall durchaus helfen kann), sondern eher die vollkaskomentalität einer gesellschaft, die zu denken scheint „wir stationieren mal eben eine kompanie psychologen, dann wird alles wieder gut.“

    viel bedenklicher (und darauf bezog ich mich eigentlich) finde ich aber die mediale aufbauschung des themas, die mögliche nachahmer erst recht ermutigt, sich auf diesem weg ein (wenn auch unrühmliches) denkmal zu schaffen, weil sie keinen anderen weg sehen, wahrgenommen zu werden in der aufmerksamkeitsgesellschaft.

  16. „Ich glaube übrigens, dass diejenigen, die den Todesschützen zum Helden stilisieren, in der krassen Minderheit sind.“

    Ein kurze Suche bei YouTube bringt Ergebnisse, die mich echt nicht kalt lassen – was für TEXTE! Z.B. die hier:

    ResistantX Counterstrike Amoklauf

    Riddow – Amoklauf

    Ich mag gar nicht weiter gucken…

  17. Danke für den Text, Claudia!
    Ich kann dieses „Was geht nur in dem Jungen vor? Wie können wir das nur vestehen?“ auch nicht mehr hören. Haben die Leute nie gehasst?
    Die Stigmatisierung und moralische Kriminalisierung normaler menschlicher Gefühle ist das erste Glied in der Kette, die schließlich zum Amoklauf führt.
    Gruß
    Ralf

  18. Hi Zusammen
    für mich auffällig: Überschaubare lokale Katastrophen mit 10 – 100 Toten (Amok-Lauf, Flugzeugabsturz, Brände…) finden ein ungehueres mediales Echo, wie beschrieben, Sendezeit ohne Ende ist dafür da. Ich denke, unsere Gesellschaft braucht diese Mini-Kicks, denen sie überproportional viel Aufmerksamkeit widmet, damit sie die eigentlichen Tragödien, die sich tagtäglich, totgeschwiegen abspielen, deren Opfer auch nicht so offensichtlich zu zählen sind, nicht wahrnehmen muß. Analog zu den Menschen, die sich mit was auch immer (Bidschirm, Aktivität im Äußeren… ) zukleistern, um nicht zum stillen Nachdenken über sich zu kommen. Wo ist denn Sendezeit für die den einzelnen Menschen, die Familie, die Gesellschaft zersetzenden Phänomene? Überbordender gepredigter Materialismus, geförderte Egomanie, Geringschätzung sozialer Berufe/Aktivitäten, Glorifizierung von Leitbildern die Leid bringen und vor allem die mit allen Mitteln und in allen Lebensbereichen geschürte ANGST, die die Menschen paralysiert und sich nur um sich selber kreisen und nach Außen schlagen läßt. Welche TV-Sendung baut den Menschen denn auf, erzählt etwas über die geistige Natur des Menschen (damit ist nicht materielle Wissensvermittlung gemeint), wer kann denn noch spontan sagen, welcher Sender wann eine Kultursendung ausstrahlt? Und so wird Pflegepersonal weiter ausgebeutet, stirbt es sich menschenunwürdig in Altenheimen, hungert das Schulkind weil die Eltern selber lebensunfähig sind; viele schleichende Tode werden da zu Lebzeiten gestorben. Soviel am Freitag den 13.    

  19. […] Diejenigen, die ab und zu ein Auge auf junge Männer werfen sollten, weil sie nämlich ihre Väter oder deren Lehrer sind, sind offline. Sie haben keine Ahnung von dem WeltWeitNetzDingsBums da draußen und von Counterstrike und Ego Shooter und Second Live, Chat, Twitter und Blogs und wollen davon auch gar keine Ahnung haben. Tischtennis- und Schützenverein müssen ausreichen, denn mehr gibt die Vorstellungskraft für sinnvolle Freizeitbeschäftigung nicht her […]

  20. analyse oder bericht. ich finde es ganz schlimm, was diesen menschen passiert ist. die menschen tun mir einfach nur leid.