Claudia am 19. Februar 2021 — 3 Kommentare

Wieder Webseiten basteln? Meine Geschichte vom lebenslangen Lernen

Dieser Bericht handelt von 25 Jahren Erfahrung mit dem Gestalten von Webseiten und Blogs und ist inspiriert von den ersten Schritten im Kennenlernen des „Gutenberg-Projekts“ von WordPress.

1996 hab‘ ich meine erste Webseite gebaut. Das war einfach, denn HTML, die „Sprache des Web“ war noch total simpel. Ein Nachmittag rumspielen genügte und die Seite stand! Ich war so fasziniert, dass ich mit Begeisterung weiter baute, eine Seite nach der anderen, diverse Magazine, Heimseiten, experimentelle „WebArt“. Es war eine tolle Zeit, denn im Web waren nur nette freundliche Menschen, keine Hater, Schwurbler, nur wenige Trolle, die eher in den Mailinglisten und Foren rumtobten. Mit Webseiten konnte man nämlich noch kaum interagieren, für Kommentare schrieben wir E-Mails und setzten das händisch ein!

Alte Webprojekte

1997 macht ich mich als „Webdesignerin“ selbstständig. Das hat sich aus Anfragen ganz locker so ergeben, Werbung musste ich nicht machen, damals nicht und auch später nicht.  Webseiten bauen wurde allerdings schnell komplizierter, obwohl HTML noch immer einfach war.

  • Kreative Köpfe ließen sich „unsichtbare Tabellen“ einfallen, mit denen endlich Spalten und „wildes Positionieren“ der diversen Elemente möglich war. Jede Seite musste einzeln mit allen Bestandteilen gebaut werden, was ziemlich aufwendig war, wenn es nur wieder ein neuer Text sein sollte.
  • Sogenannte „Frames“ kamen auf: dabei bestand eine Seite aus mehreren Fenstern, in die extra Seiten geladen wurden. Das wurde genutzt, um gleich bleibende Elemente auf mehreren Seiten ohne viel Mehrarbeit einzubinden, konnte aber auch missbraucht werden, indem fremde Seiten in eigene „Frames“ geladen wurden. Kleine Teile einer Seite konnten auch mit einer anderen Technik (Server Side Includes / SSL) automatisiert eingebunden werden,  auch mit einer gewissen Lernkurve, aber doch erleichternd.
  • Für Bewegung und Interaktives wurde zunehmend Javascript genutzt. Ich lernte zwar, solche Scripte einzubinden, aber nicht die Sprache selbst.

Dann der große Bruch: Die schon seit einiger Zeit genutzten „Styles“ (css) zur Gestaltung einzelner Elemente lösten das Tabellendesign ab und waren auf einmal auch für die Positionierung der Elemente zuständig. Der Hammer! Es war eine frustrierende Übergangszeit, denn „mit Tabellen konnten wir alles machen“, nicht aber mit den noch unvollkommenen Styles. Es war eine große Zumutung im Stil „Vergiss fast alles, was du kannst und fang von vorne an!“.  Viele sind da abgesprungen, denn das war nun wirklich zu komplex für Hobby-Webworker/innen, die einfach nur Schreiben oder Bilder zeigen wollten. Auch mein Engagement erlahmte: Webdesign war immer nur EIN Standbein, das Schreiben und Publizieren war mir – eigentlich – viel wichtiger.

Und schließlich: Blogs! Eine neue Welt, die das Publizieren im Web viel einfacher und für Neulinge überhaupt erst wieder leistbar machte. Dafür wurde die Seitengestaltung umso komplexer. Ein (WordPress-)Blog besteht aus vielen Dateien, die Optik wird durch das sogenannte „Theme“ bestimmt, ebenfalls eine Anzahl Seiten, jeweils unterschiedliche für Header, Footer, Inhaltsseiten, Archive, Kommentare und und und.Plugins und Widgets mit wiederum eigener Herangehensweise kamen dazu.  Einsteiger mussten nun ziemlich viel lernen, um dem Blog ein individuelles Aussehen zu geben mit Funktionen eigener Wahl.

Es begann die Zeit der „Theme-Entwickler“, die zunächst noch sehr spezifische Designs erstellten, die nur wenig durch die „User/Anwender“ geändert werden könnten. Mittlerweile dominieren jedoch große „Themes“ den Markt, die zu eierlegenden Wollmilchsäuen geworden sind: vielseitig gestaltbar mittels einer extra Administrationsseite (Theme Customizer), zur Not mit einem eigenen „Pagebuilder“.

Und ich? Ich bin aus dem Selber-Coden ausgestiegen, als die Blogs „responsive“ werden mussten, also auf kleinen und großen Bildschirmen (Handy, Tablet, PC) gleichermaßen gut aussehen sollten.Das bedeutet: für fast jedes Element müssen die Anweisungen zur Optik und Positionierung mindesten dreimal geschrieben werden, natürlich immer unterschiedlich, passend zur jeweiligen Bildschirmgröße. Nein Danke! Soweit geht meine Liebe zum Code nun wirklich nicht.

Meine aktuellen Blogs und Kundenseiten habe ich zwar selbst entworfen, doch programmiert / gecodet hat sie ein lieber Freund, der das sehr gut kann. Ich war nicht wirklich traurig über diese Veränderung, obwohl ich den Kontrollverlust durchaus spürte. Aber schließlich ist der Umgang mit Code nicht wirklich das, was mich am Web fasziniert, und auftragstechnisch bin ich sowieso hauptsächlich als Schreiberin („Content-Erstellerin“) unterwegs.

Projekt Gutenberg: Doch wieder mitmachen?

Symbolbild: Blocks

Dass sich das noch einmal ändern können würde, hab‘ ich nicht vermutet. Aber siehe da: Wenn die Dinge zu komplex für gestaltungsfreudige Anwender/innen werden, kommt WordPress mit etwas Neuem daher! Das „Projekt Gutenberg“ bedeutet ein komplett neues Konzept, wie Blogseiten erstellt werden. Nicht mehr mit einem klassischen Text-Editor, sondern mit einem WYSIWYG-Block-Editor. Um diese Blöcke zu gestalten, muss man keinen Code mehr können, sondern klickt sich das Aussehen der Blöcke (Textabsätze, Überschriften, Bilder…) aus Auswahlboxen zusammen!

Aber damit nicht genug: der neue „Hammer“ kommt im Lauf des Jahres: dann wird nämlich der Block-Editor, mit dem man bisher nur den Inhaltsbereich gestalten konnte, zum Pagebuilder (FullSiteEditing, FSE). Es wird keine extra Dateien für Header, Footer und Sidebar mehr geben, alles wird im Block-Editor gestaltet. Die Widgets und viele Plugins werden verschwinden, auch die „Customizer“ zur abweichenden Theme-Gestaltung werden perspektivisch überflüssig.

Für Anwender ist das großartig, für Theme-Entwickler heißt es wieder „Vergiss fast alles, was du kannst und fang von vorne an!“. Kein Wunder, dass die Widerstände groß sind, doch angesichts meiner Erfahrungen denke ich: Nur so geht es wirklich weiter! Nur so hat WordPress eine Zukunft, die auch das Einarbeiten für kreative Neulinge wieder ermöglicht, die nicht vorhaben, das Gestalten zum Beruf zu machen!

Bei mir ist der Groschen gefallen, als ich sah, wie bequem sich „resonsive“ Seitenansichten mit dem Block-Editor gestalten lassen: optisch, ohne Code auch nur sehen zu müssen – und sehr sehr schnell.

Derzeit experimentiere ich ein wenig in einer Testumgebung. Demnächst werde ich dann meine Startseite (die im Grunde nur eine Linkliste, keine richtige „Homepage“ ist), ein wenig modernisieren werden und optisch aufpeppen. Und danach? Mal schauen!

***

Siehe auch:

WordPress-Entwicklung: Gutenberg, Blocks, FSE – Lese- und Lernliste

 

Diskussion

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3 Kommentare zu „Wieder Webseiten basteln? Meine Geschichte vom lebenslangen Lernen“.

  1. Nicht zu vergessen, den 1px.gif transparent. ;-) Ja das war damals eine Aufbruchstimmung wie bei der Goldsuche. Viele kamen aus dem Usenet und machten sich auf, Seiten zu basteln. Das Netz war damals eine große Spielwiese für alles Experimentelle.

    Viele Grüße von einem www-Ureinwohner aus dem Sauerland.
    [seit 1999 im Netz]

  2. […] trauen muss, das vielleicht auch “schwierig” erscheint. Ist es nicht, wenn man nicht alles selber machen will, sonder vorhandene Blogvarianten nutzt, die leicht an die eigenen Bedürfnisse angepasst […]

  3. Ja, 1996 war auch für mich der Anfang – siehe dazu den Link: https://www.stangl-taller.at/paedpsych/INTERNET/DIARY/
    Ja, damals genügte noch ein normaler Texteditor …
    Und eine Spielwiese gab es auch: https://sieb10.stangl-taller.at/SPIELWIESE/
    Ob sich Claudia noch an das erinnert: https://sieb10.stangl-taller.at/SATIRE/COMPUSERVE/default.html
    Übrigens: Mit Gutenberg hab ich auch keine Freude, denn meine aktuellen WP-Installationen sind von mir immer wieder manuell angepasst worden. Derzeit macht mir die Umstellung auf PHP 8 die meisten Probleme, aber da muss man halt durch – laut meinem Provider hab ich noch zwei Jahre Zeit, bis PHP 7.4 abgeschaltet wird.
    Es gibt keinen Stillstand

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