Claudia am 16. April 2020 —

Vom Bogenschießen (mal was Anderes!)

Mit zunehmendem Alter denke ich öfter darüber nach: Was würde ich bedauern, wenn ich jetzt sterben würde? Was habe ich in diesem Leben versäumt, das ich gerne noch getan hätte? Lange ist mir nichts eingefallen, doch kürzlich – ein paar Wochen vor Corona – dann doch etwas: Ich möchte unbedingt mal Bogenschießen ausprobieren!

Bogenschießen

Wohl gemerkt: Ausprobieren. Ich habe nicht vor, mir ein neues Hobby zuzulegen und das Bogenschießen dauerhaft als Freizeitsport zu etablieren. Ich will es einfach mal erleben, jetzt im vorgerückten Alter, bevor es physisch nicht mehr geht.

Warum? Es ist ein unerfüllter Kindheitswunsch. In meiner Kinderbande spielten wir oft „Cowboy und Indianer“. Als Cowboy hatte man eine Pistole, bestehend aus einem Stock, an dessen einem Ende mehrere hölzerne Wäscheklammern als Griff dienten. Irgendwann waren es dann auch mal „richtige“ Spielzeugpistolen, die man mit „Zündplättchen“ laden konnte, so dass es auch richtig knallte. Als Indianer hatten wir Pfeil und Bogen, natürlich selbst gemacht: aus Stöcken und einem so labbrigen Gummiband, dass die Pfeile nie gerade und auch nicht weit flogen. Wir konnten uns damit gegenseitig beschießen, ohne dass es auch nur weh tat.

Irgendwie unbefriedigend! Als dann der Neckermannkatalog kam und wir Kinder Weihnachtswünsche äußern durften, versteifte ich mich auf einen Kinderbogen – ein Gerät mit Pfeilen, an deren Ende Gummistopfen angebracht waren, die beim Schießen auf eine glatte Fläche dort kleben bleiben sollten. Wow, war ich begeistert, war hingerissen von der Perfektion des Bogens, so im Vergleich zu den miesen Bögen aus irgendwelchen Stecken. Dazu die Aussicht, ein Ziel wirklich zu treffen, an dem der Pfeil kleben bleiben würde!

Tja, Wünschen ist das eine, Bekommen das andere. Meine Eltern waren von meinem Wunsch nicht überzeugt. Nicht „wegen bösem Kriegsspielzeug“, sondern aus Angst, ich würde damit überall in der Wohnung unkontrolliert herum schießen. Ich war todunglücklich! Eine lange und intensive Sehnsucht wurde nicht erfüllt. Frust hoch zehn!

Später dachte ich nicht mehr ans Bogenschießen. Meine Interessen gingen in völlig andere Richtungen – und Sport war eher Mord, wobei ich Bogenschießen gar nicht „unter Sport“ eingeordnet hätte. Es war einfach raus aus meiner Welt.

Zen und Bogenschießen

Bogenschütze

Mit einer Ausnahme: als ich begann, mich für Weisheitsbücher aller Traditionen zu interessieren, ist mir auch Herrigels „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ aufgefallen. Vermutlich habe ich das Buch nie gelesen, jedenfalls erinnere ich mich nicht daran. Es gehörte jedoch zu den „angesehenen Büchern“, ebenso wie „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten“. Als junge „Suchende“ fand ich die Idee, das Bogenschießen als meditative Praxis auszuüben, zwar toll, aber doch sehr entlegen. Ich las viel über Zen, hatte aber schon Mühe genug, eine normale Sitzmeditation durchzustehen, geschweige denn, dass ich dabei noch einen Bogen halten wollte! :-)

Vom Verständnis war ich weit entfernt, obwohl ich schrecklich gerne „dem Weg des Zen“ oder irgend einem anderen, viel versprechenden Lebensweg abseits vom Üblichen gefolgt wäre. Erst mit 37 traf ich meinen Yoga-Lehrer, der meditativen Yoga im Geist des Zen lehrte. Und ich begann, zu verstehen. Eine Sache, die eben nicht mit dem Kopf alleine gelingt, so sehr man sich auch denkerisch engagiert.

Ohne je einen richtigen Bogen in der Hand gehabt zu haben, meine ich heute zu wissen, was dieser Stil ist:  eine Übung, bei der die Konzentration nicht auf dem Ziel, auf Wettbewerb und Besser-werden-wollen ruht, sondern auf dem Gewahrsein dessen, was ist: Die genaue Bewegung und Haltung, die Empfindungen im Körper, Spannung, wo sie sein muss, loslassen, wo sie überflüssig ist. Das Atmen in Übereinstimmung mit der Bewegung, die Konzentration, die die Gefühle verebben lässt – wie sich die Wellen beruhigen, nachdem man einen Stein ins Wasser geworfen hat. Und die Leere, die sich einstellt, wenn der Gedankenstrom zur Ruhe kommt – und im Moment der totalen Stille geht der Pfeil ab.

Bogenschütze

Einfach mal ausprobieren

Wenn ich heute daran denke, das Bogenschießen auszuprobieren, bin ich nicht auf einen bestimmten Stil festgelegt. Ich möchte gerne „einmal quer durch“ ausprobieren, es gibt ja ganz verschiedene Bogenarten mit unterschiedlicher Technik. Gerne versuche ich den meditativen Stil, würde aber auch effektivere Recurvebögen ausprobieren wollen –  und ja: mal ein Ziel treffen!

Ich hatte schon nach Schnupperworkshops gesucht, vielleicht an einem Samstag in kleiner Gruppe für nicht allzu viel Geld. Doch dann kam Corona und wirklich nah war ich an der Umsetzung der Idee noch nicht gewesen.

Heute mittag schrieb dann Robin auf Twitter – den Bezug hab‘ ich nicht mitbekommen:

Bitte bezeichnet Bogenschießen nicht als Reichensport, das mag anderswo so sein, aber in Deutschland sind da nur Nerds und Waldschrate vertreten, bleibt doch mal realistisch ey .
Ist übrigens auch nicht wirklich teuer, wenn man das Equipement mal hat, wobei es dort natürlich nach oben hin keine Grenzen gibt, aber man MUSS nicht viele hundert Euro dafür ausgeben (hab ich auch nicht). Ist auch ein riesiger Unterschied, ob man Blank, Recurve oder Compound schießt, aber wem erzähl ich das -.-

Ich fragte sie, ob sie nicht mal drüber bloggen könnte, darauf sie:

„Das hab‘ ich seit acht Jahren vor!“

Vielleicht mag sie ja jetzt? Ich würde gerne von den Erfahrungen anderer lesen, die mit dieser Idee Ernst gemacht haben. (Nerds und Waldschrate klingt schon mal sympathisch)

Vielleicht schaffe ich es in diesem Leben ja noch, einen Bogen in die Hand zu bekommen. Corona zeigt, dass nicht „immer alles“ zur Verfügung steht, um einen altem Kinderwunsch zu erfüllen. Erinnert mich daran, dass ich die schönen Dinge besser nicht auf den St.Nimmerleinstag verschiebe, ich könnte sie sonst ganz verpassen.

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Diskussion

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34 Kommentare zu „Vom Bogenschießen (mal was Anderes!)“.

  1. Ich mußte jetzt lachen – ich kam mal in die Verlegenheit, auf einem Volksritt vom Pferd aus Bogen zu schießen. Auf drei Zielscheiben, die vor einem Hang standen. Den Hang hab ich dann getroffen… Vom Pferd aus fand ich es auch deshalb schwierig, weil das Pferd, selbst wenn es ruhig steht, schon durch ruhiges Atmen eine gewisse Bewegung hat, die den ungeübten Schützen schon wackeln läßt. Von Bogensehnen, die einem auf die Nase hauen, will ich garnicht anfangen. Mit einem Revolver oder einer Pistole hätte ich mehr Glück gehabt.

  2. also, sprach zarathustra:
    lasst uns mit der erde bowling spielen,
    die bahn ist gebaut und alle neune
    sind gerade.

  3. Der Eintrag gestern kam etwas ungeplant, weil ich sozusagen grade noch auf der Seite „rumhing“ und mich beim Thema Bogenschießen bei der Reitveranstaltung sah.
    Aber zum Thema Dinge, die man noch nicht getan hat oder auch unerfüllte Träume mußte ich feststellen, daß es da bei mir nichts gibt. Nicht, weil ich so glücklich wäre – eher im Gegenteil, denn ich habe Depressionen und 10 Jahre in mies bezahlter Zeitarbeit ohne Perspektiven hat offensichtlich Spuren hinterlassen. Da träumt man wohl nicht mehr. Dazu ist der vierbeinige Freund inzwischen auch verstorben, was ebenfalls tiefe Wunden hinterließ. Als ich also so in mich reinhorchte, war da erstmal… Leere. Sollte eigentlich nicht so sein.

  4. @Claudia:

    Ich würde gerne von den Erfahrungen anderer lesen, die mit dieser Idee Ernst gemacht haben. (Nerds und Waldschrate klingt schon mal sympathisch)

    Wahrscheinlich bin ich auch ein Nerd, ein „Sonderling“, wobei ich hoffe, nicht all zu große soziale Defizite zu haben – immerhin habe ich Familie, ein paar gute Freunde und komme mit den meisten Menschen in meinem Alltag relativ gut aus – und in einer sozialen Isolation (Kloster, Elfenbeinturm o.ä.) lebe ich auch nicht. Aber ja, ein LSD-(Lesen-Schreiben-Denken)süchtiger Computer- bzw. Internet-Junkie bin ich bestimmt ;-)

    Mit Bogenschießen habe ich leider keine Erfahrungen, aber ein paar eigene Gedanken zu mystischen Naturphilosophien, Zen, Meditationsübungen und die Geisteshaltung, die ich dahinter vermute, kann ich schon schreiben.

    Beim Lesen deines verlinkten Artikels über Eugen Herrigels Zen und das Bogenschießen bin ich auf das Wort Eskapismus gestoßen. Den Begriff habe ich dann nachgelesen und finde mich da mit meiner Ansicht bestätigt.

    „Eskapismus, auch Realitätsflucht, Wirklichkeitsflucht oder Weltflucht, bezeichnet die Flucht aus oder vor der realen Welt und das Meiden derselben mit ihren Anforderungen zugunsten einer Scheinwirklichkeit, d. h. imaginären oder möglichen besseren Wirklichkeit. […]
    Eskapismus wird als eine Fluchthaltung oder Ausbruchshaltung, als bewusste oder unbewusste Verweigerung gesellschaftlicher Zielsetzungen und Handlungsvorstellungen verstanden.“

    … ein wirklich sehr lesenswerter Artikel, wie ich finde. Aber es führt jetzt zu weit, näher darauf einzugehen.

    Als junge „Suchende“ fand ich die Idee, das Bogenschießen als meditative Praxis auszuüben, zwar toll, aber doch sehr entlegen. Ich las viel über Zen, hatte aber schon Mühe genug, eine normale Sitzmeditation durchzustehen, geschweige denn, dass ich dabei noch einen Bogen halten wollte! :-)

    Als junger „Suchender“ habe ich auch z.B. Siddharta von Hermann Hesse gelesen, etwas später dann „Gödel, Escher, Bach“ von Douglas R. Hofstadter, die „Bibel“ für damalige Nerds, wo ich das erste Mal mit Zen-Kōans in Berührung kam. Aber anstatt zu meditieren, habe ich versucht, diese Kōans rational zu verstehen. Das funktioniert natürlich nicht :)
    Was ich aber wahrscheinlich bei der Beschäftigung damit gelernt habe, ist keine „Erleuchtung“ (was immer das sein soll – jeder stellt sich darunter wahrscheinlich was anderes vor), sondern eine Art „Metakognition“, die Fähigkeit, aus Denkschleifen „herauszuspringen“ und sich „von außen“ wahrzunehmen und zu erkennen.

    „Metakognitionen umfassen zum einen das Wissen und zum anderen auch die Kontrolle (Überwachung und Selbstregulierung) über die eigenen Kognitionen. Anschaulich könnte man sagen sie sind das Denken über das eigene Denken bzw. das Wissen über das eigene Wissen.“


    So ähnlich habe ich auch die Bücher von Hermann Hesse damals verstanden und verinnerlicht. Das einzige, was im Leben wohl wirklich zählt, ist Selbsterkenntnis. Das ist – das weiß ich mittlerweile aus eigener Erfahrung – ein langer, mühsamer und oft steiniger Weg, der bei jedem anders verläuft. Auf diesem Weg ist jedes „Hilfsmittel“ recht (Lesen, Meditieren oder was auch immer). Und man weiß wahrscheinlich bis zum Ende nie, ob man es geschafft hat oder nicht. Diese Ungewissheit muss man erst einmal lernen auszuhalten.

    In dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel über Eskapismus findet sich am Ende ein Zitat von Robert Walser (amerikanische Musikwissenschaftler):

    „Rebellion und Eskapismus sind immer Bewegungen von etwas fort, auf etwas anderes hin.“

    Ich bin wahrscheinlich eher der Rebell, obwohl ich gelegentlich auch von dieser überwältigenden Realität bzw. Wirklichkeit flüchten muss und zur Entspannung in „andere Welten“ abtauche, z.B. Musik höre oder mir einen Film anschaue. Meditieren schaffe ich in meinem Leben nicht mehr, fürchte ich.

    Vielleicht schaffe ich es in diesem Leben ja noch, einen Bogen in die Hand zu bekommen.
    Corona zeigt, dass nicht „immer alles“ zur Verfügung steht, um einen altem Kinderwunsch zu erfüllen. Erinnert mich daran, dass ich die schönen Dinge besser nicht auf den St.Nimmerleinstag verschiebe, ich könnte sie sonst ganz verpassen.

    Mach es einfach – vielleicht bringt es dich weiter. Ich würde es dir wünschen!

  5. @Holly: auf einem Weihnachtsmarkt hab ich das auch mal gesehen: Bogenschießen auf 3 Meter entfernte riesige Ziele – es war einfach lächerlich!

    Dass du an Depressionen leidest, tut mir leid. Wirst du denn behandelt? Ich weiß als Laie immer nicht: kommt die Depression vom unbefriedigenden Lebensalltag oder ist dieser die Folge der Depression? Was denkst du?

    Ich bin z.B. nie in einem Job geblieben, den ich nicht ok fand. Lieber hab ich in jüngeren Jahren mal ne Runde „arbeitslos“ hingelegt, dabei auch eine gute Weiterbildung in eine interessante Richtung gemacht. Auch mit Hartz4 ist das heute grundsätzlich möglich – ich habe Freunde, die z.B. ALG2-Empfängern bei der Entwicklung einer Selbständigkeit helfen. Auch Umschulungen werden immer mal wieder angeboten.

    @Irgendwer: Bowling statt Bogenschießen? Nicht wirklich ontopic, aber wenigstens kurz! :-)

  6. @Günther: die von dir zitierten Bücher hab ich auch verschlungen – und noch eine ganze Menge mehr. Irgendwie habe ich den Eindruck, zu Ende gelesen zu haben – jedenfalls, was Weisheitsbücher angeht.

    „Eskapismus“ ist eine interessante Bewertung, die immer dann vorgenommen wird, wenn ein Interesse, eine Handlung, eine Beschäftigung nicht das ist, was sich der Bewerter als angesagte Haltung eines „normalen Bürgers“ vorstellt.

    Indem ich jetzt z.B. über Bogenschießen schreibe, mache ich mich in diesem Sinne des „Eskapismus“ schuldig, weil ich die weitere Debatte über Details der „Krise“ für den Moment verweigere. Dabei kehre ich nur selbst zu meinem „normalen Leben“ zurück, das nun mal die Beschäftigung mit vielerlei Themen beinhaltet. Das lasse ich mir nicht nehmen, sondern praktiziere meine eigene „Lockerung“. :-)

    Rebellin war ich auch, sehr sehr lange sogar, so etwa von 12 bis 37. Hab das auch gelebt, in den 80gern Häuser besetzt, mich im Mieterkampf engagiert, Stadtteilpolitk gemacht – und also keine „normale Karriere“ in irgend einem Beruf. Hab‘ ich aber nie bedauert! Das Berliner Kiez, dass wir damals vor der Kahlschlagsanierung „gerettet“ haben, ist heute das schönste und meistbegehrteste Kiez in Berlin. Es hat sich also gelohnt – zwar nicht für mich, finanziell und rententechnisch, aber egal, es war eine tolle Zeit!

    „Metakognition“ – den Begriff kannte ich noch nicht, er passt aber auch für das, was man im Yoga lernen kann. Ich sage „kann“, weil Yoga auch als ganz normale Gymnastik und Sport betrieben wird, dann ist es natürlich nichts mit der Selbsterkenntnis und der Metakognition!

  7. @Claudia:

    Irgendwie habe ich den Eindruck, zu Ende gelesen zu haben – jedenfalls, was Weisheitsbücher angeht.

    Hmm, ich kann nicht wissen, welche Weisheitsbücher du eigentlich meinst – Hesse gehört ja für mich eher zur Literatur, die man als junger Mensch gerne liest. Wobei „Der Steppenwolf“ von ihm hat mich erst viel später sehr gefesselt und geprägt. „Das Glasperlenspiel“ (sein Spätwerk) habe ich mir vorgenommen, irgendwann noch zu lesen.

    Wenn du unter Weisheitsbücher sog. esoterische Bücher meinst, in denen „Gurus“ und „Lebenskünstler“ ihre Philosophie beschreiben, dann verstehe ich deine Aussage, sie „zu Ende gelesen zu haben“. Irgendwann ist wahrscheinlich der Punkt erreicht, wo man drauf kommt, dass selber-denken und selber-philosophieren viel spannender ist als sich etwas („Lebenssinn“, „Lebensglück“, „Weisheit“ usw.) „vor-denken“ zu lassen.

    Um den Bereich Esoterik mache ich in Buchhandlungen immer einen großen Bogen (weiß der Teufel warum :). Mich haben immer literarische, philosophische und (populär-)wissenschaftliche Bücher angezogen – und die kann man m.E. nie „zu Ende lesen“.
    Den Philosophen Vilém Flusser haben wir sicher beide vor vielen Jahren zur gleichen Zeit gelesen, das weiß ich :) – und er gehört m.E. eher nicht zu den „Weisheits“-Philosophen.

    „Eskapismus“ ist eine interessante Bewertung, die immer dann vorgenommen wird, wenn ein Interesse, eine Handlung, eine Beschäftigung nicht das ist, was sich der Bewerter als angesagte Haltung eines „normalen Bürgers“ vorstellt.

    So habe ich das zwar nicht gemeint, weil ich nichts bewertet habe und schon gar nicht weiß, was sich ein „normaler Bürger“ vorstellt, aber wenn du das so siehst, okay. Vielleicht verstehe ich dich da auch falsch.

    Was ich beobachte (aber nicht bewerte!), ist, dass sehr viele Menschen (vor allem im sog. Westen) vor einer (scheinbar?) beängstigenden, monströsen und aus den Fugen geratenen Realität bzw. undurchschaubaren Wirklichkeit flüchten, indem sie sich (fast) pausenlos mit allem möglichen Dingen ablenken und zerstreuen.
    Viele tun ständig etwas, nur um sich nicht zu langweilen und in eine innere (negative) Leere zu kippen. Vor der kaum veränderbaren Realität haben die meisten schon kapituliert.

    Aber es gibt auch sehr vielversprechende und positive Strategien dagegen: z.B. die sog. „Achtsamkeits-Philosophie“ – ich habe sie erst vor kurzem in Youtube-Videos von Gerd Scobel kennengelernt.

    Indem ich jetzt z.B. über Bogenschießen schreibe, mache ich mich in diesem Sinne des „Eskapismus“ schuldig, weil ich die weitere Debatte über Details der „Krise“ für den Moment verweigere.

    Zum Glück! Ich könnte im Moment nämlich auch nicht mehr über Details der „Krise“ schreiben. Die Luft ist da zur Zeit draußen bei mir. Ich verfolge sie nur mehr so nebenbei. Sie tritt also nur in den Hintergrund – wir beide verdrängen sie ja nicht. Also hat das mit Eskapismus m.E. gar nichts zu tun.

    Dabei kehre ich nur selbst zu meinem „normalen Leben“ zurück, das nun mal die Beschäftigung mit vielerlei Themen beinhaltet. Das lasse ich mir nicht nehmen, sondern praktiziere meine eigene „Lockerung“. :-)

    Ich wollte dich da in keiner Weise kritisieren, sondern bin echt froh, dass du zur „Lockerung“ das Thema gewechselt hast :)

    Rebellin war ich auch, sehr sehr lange sogar, so etwa von 12 bis 37 […].

    Bei mir hört die (innere) Rebellion gegen das meiner Ansicht nach längst überholte und nicht mehr passende Weltbild des letzten Jahrhunderts offensichtlich niemals auf – ich versuche nach wie vor, mit dieser hochdynamischen und hochkomplexen (äußeren) Welt so gut es geht klar zu kommen. Ein Ende meines Lernprozesses ist nicht in Sicht…

  8. @Günther: ich habe nicht DICH so verstanden, dass DU MIR „Eskapismus“ unterstellst oder sogar vorwirfst – ich habe einfach in eigenen Worten den Begriff kommentiert/krisiert, der in deinem Zitat aus dem Artikel zum Zen-Buch (durchaus „bewertend“) definiert wurde.
    Mir fällt durch dieses Missverständnis auf, wie dünnhäutig manche grade zu sein scheinen, auch du. ;-)

    Mit Weisheitsbüchern meine ich ziemlich viele, alle erdenklichen spirituellen Traditionen: Buddhismus in Spielarten, moderne Versionen, Sufis, indische Weise, deren moderne Versionen, durchaus auch Shree Raynees (der sehr interessant über Nietzsche, ZEN u. vieles mehr geschrieben/geredet hat), aber auch Ken Wilber, Ram Dass, Graf Dürckheim, div. Yogis, Willigis Jäger, dazu Psychologie beginnend bei Freud/Jung bis zur „humanistischen Psychologie“, transpersonalen Psychologie, auch Parapsychologie (auf der Suche nach Erklärung gewisser Phänomene), Psychotherapie und Selbsterfahrungslehren, Philosóphie von Sokrates bis zu den Postmodernen – Regale um Regale voll. Das letzte wirklich berührende Buch war dann 2010: Tiere essen.

    Seit einiger Zeit schaue ich nurmehr auf Bildschirme – und versuche gelegentlich, den Einstieg in Hörbücher und Podcasts zu finden.

    Die Zeit „nach 37“ meinte nur den Ausstieg aus dem aktiven Aktivistenstand, nicht, dass ich seitdem mit allem einverstanden wäre, bei weitem nicht! :-) Aber ich schaue jetzt mehr aufs Ganze, zu dem „ich selbst“ eben auch gehöre – und dabei spielt die Überlegung, womit ich meine Lebenszeit sinnvoll verbringe mittlerweile eine größere Rolle. Ständig im Ich-hadere-mit-der-Welt-Modus zu sein, ist für mich durch. Dann lieber mal „Bogenschießen“… :-)

  9. @Claudia:

    Mir fällt durch dieses Missverständnis auf, wie dünnhäutig manche grade zu sein scheinen, auch du. ;-)

    Naja, dünnhäutig bin ich nicht nur jetzt gerade, sondern schon mein ganzes Leben lang :)
    Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, mache das beste daraus und sehe auch die Vorteile dieser Eigenschaft – ändern kann ich so etwas eh nicht.

    Mit Weisheitsbüchern meine ich ziemlich viele, alle erdenklichen spirituellen Traditionen: […] – Regale um Regale voll.

    Wow, dann kannst du ja beim Denken und Schreiben auf einen riesigen Fundus an „Weisheitsgedanken“ und überlieferten Erkenntnissen zurückgreifen. Jetzt wundert mich deine Gelassenheit nicht mehr :)

    Die Zeit „nach 37“ meinte nur den Ausstieg aus dem aktiven Aktivistenstand, nicht, dass ich seitdem mit allem einverstanden wäre, bei weitem nicht! :-)

    Eine vertiefende (leider offtopic-)Frage habe ich an dieser Stelle an dich:
    In den letzten Wochen ist mir bei all der rationalen und irrationalen Kritik an der Regierung von allen möglichen Seiten folgendes klar geworden:

    Politische bzw. staatliche Institutionen bestehen zwar aus einzelnen Menschen, aber auch von Menschen gemachten, historisch gewachsenen und mittlerweile verhärteten Strukturen, Regeln und Mechanismen.
    Diese staatlichen Institutionen haben ein Eigenleben, das vor allem auf Bestandserhaltung ausgerichtet ist (sie wollen also in erster Linie überleben).

    Menschen können sich zwar (manchmal schnell, sogar in Sprüngen) ändern, aber die wesentliche Frage lautet für mich:
    Wie können solche Strukturen, Regeln und Mechanismen geändert werden?
    Das kann ja nur von innen mit einer Schritt-für-Schritt-Strategie (in einer Art „Stückwerkstechnik“) geschehen.

    Wie kann ich sie als einzelner Bürger von außen verändern? Gar nicht!
    Also nützt es nichts, mich aufzuregen, wütend oder empört zu sein.
    Das Einzige, was beruhigt, ist, diese Zusammenhänge so gut wie möglich zu verstehen und/oder sie (freundlich :) zu ignorieren. Mehr geht m.E. nicht.

    Siehst du das auch so ähnlich oder eventuell ganz anders?

    Aber ich schaue jetzt mehr aufs Ganze, zu dem „ich selbst“ eben auch gehöre –

    Ja, das kann ich gut nachvollziehen – mir geht es da ähnlich.

    und dabei spielt die Überlegung, womit ich meine Lebenszeit sinnvoll verbringe mittlerweile eine größere Rolle. Ständig im Ich-hadere-mit-der-Welt-Modus zu sein, ist für mich durch. Dann lieber mal „Bogenschießen“… :-)

    Ich hadere nicht mit der Welt, glaub mir – ich will nur (philosophisch) einigermaßen klar kommen mit ihr :)

  10. @Claudia:
    Die Zielscheiben waren nicht so groß und waren von professionellen Bogenschützen ausgeliehen. ;o)
    Die Depressionen habe ich schon lange – der große schwarze Hund folgt mir seit den 70ern. Die ständig wechselnden Jobs sind wohl nicht die Ursache, aber daß es von der permanenten Unsicherheit in Zeitarbeit nicht grade besser wird, ist klar. Und sich mit der Arbeitsagentur befassen müssen, hebt die Stimmung auch nicht. Und nein, die Jobs waren nicht alle schlecht, bei vielen wäre ich gerne geblieben. Nachdem 2012 noch ein Burn-Out dazukam, nehme ich die Arbeit als das, was sie ist: ein Job, keine Berufung.
    Ende der 70er ist mein Vater sehr jung ums Leben gekommen, das ist vielleicht der Auslöser. Spätere – allerdings vierbeinige – Todesfälle haben mich dann noch weiter runtergerissen. 2016 ist mein Pferd verstorben, zwar sehr alt, aber irgendwie doch zu früh. Über 20 Jahre begleitete es mich und war in meiner bescheidenen Job-Situation (die auch irgendwann etliche Freundschaften gekillt hat) nicht nur ein Kostenfaktor, sondern hauptsächlich ein Grund, überhaupt noch morgens aufzustehen und weiterzumachen.
    Momentan komme ich ohne Medikamente zurecht. Ich reite auch wieder und bin an Yoga hängengeblieben. Dunkelheit gibt es aber immer wieder mal.

  11. Tja, ich hätte in meinem Leben gerne das Klavierspiel gelernt. Auf dem Harmonium meiner Oma konnte ich immerhin schon Kinderlieder im Vorschulalter klimpern.

    Aber, als ich die Wahl hatte, da nahm ich dummerweise die Gitarre, nur um einer doofen ***** zu imponieren. Selbst Schuld also.

    Und nun habe ich mir eine digitale Klimperkiste ins Haus geholt und bin begeistert von diesem Yamaha-Teil. Also mache ich jetzt mal den Autodidakten und arbeite mich mit einer Anleitung für Kinder in das Thema ein.

    Noten lesen kann ich ja und wünsche dir viel Erfolg beim Treffen ins Schwarze.

  12. @Günther:
    Ja, die „Dünnhäutigkeit“ ist auch Sensibilität, klar! Aber beim Lesen von Texten ist es gut, aufzupassen, dass man nicht allzu´viel oder womöglich das Falsche hinein interpretiert bzw. projiziert. Ist nicht immer leicht, ich weiß! Es fehlen halt die ganzen nonverbalen Botschaften, die f2f immer mit rüber kommen.

    Schmunzeln musste ich bei deinem Statement:

    „Wow, dann kannst du ja beim Denken und Schreiben auf einen riesigen Fundus an „Weisheitsgedanken“ und überlieferten Erkenntnissen zurückgreifen. Jetzt wundert mich deine Gelassenheit nicht mehr :)“

    Leider stimmt das so nicht. Würde es stimmen, wäre ich schon mit 20 sehr sehr weise gewesen, denn in jungen Jahren war mein „lesendes Suchen“ ganz besonders intensiv. Später dann immer so phasenweise.
    Gebracht haben wir die Weisheitsbücher und Traditionen intellektuellen Genuss und ein wenig Hoffnung – mehr nicht! Deshalb kann man auch das Wunder erleben, richtig gute Bücher dieser Art alle 10 Jahre wieder lesen zu können – und plötzlich weiß man, was die gemeint haben! Weil man sich verändert und einschlägige Erfahrungen gemacht hat, auch ist plötzlich erkennbar, wie falsch frühere Interpretationen waren…

    Das Leben selbst ist der größte Lehrer – evtl. gilt das auch für Institutionen und das Verändern von „Strukturen, Regeln und Mechanismen“.

    Entweder engagierte Menschen bohren lange Zeit dicke Bretter – als Interne, Interessenvertreter oder Politiker.
    Oder es kommt ein Ereignis, das die Notwendigkeit mit sich bringt, endlich anders zu handeln und das zu tun, was vielleicht schon lange sinnvoll erschien, aber…
    Ich denke z.B., dass Corona den Schulen einen gewaltigen Schub in Sachen Online-Lernen und Lehren gegeben hat. Sie machen das unterschiedlich gut, einige sehr gut unter Zuhilfename verschiedenster Tools, andere senden nur Aufgaben per Email. Das wird künftig sicher alles verglichen, da sind Erwartungshaltungen und Ansprüche entstanden – da wird so viel geändert werden wie es ohne Corona noch Jahre gedauert hätte.

    @Holly: Schön, dass du wieder reitest und Yoga machst! Beides sind ja Aktivitäten, die aus „Dunkelheiten“ sehr gut heraus führen. Wenn man sich erstmal aufgerafft hat…

    @Emannzer: den punktierten (*****) Frauenhass lass bitte raus aus diesem Blog! Ich bereue keine meiner Jugendlieben und auch nicht, dass ich den Jungs gefallen wollte.
    So eine digitale Klimperkiste, mit der man X Instrumentensounds (und noch ganz andere) produzieren kann, hatte ich in den 90gern auch mal. Leider hab ich schnell gemerkt, dass ich damit nicht viel anfangen kann, ohne bereits ein Instrument RICHTIG spielen zu können. Das bisschen Gitarre von früher hat da wenig geholfen.

  13. @Claudia:

    Ja, die „Dünnhäutigkeit“ ist auch Sensibilität, klar! Aber beim Lesen von Texten ist es gut, aufzupassen, dass man nicht allzu´viel oder womöglich das Falsche hinein interpretiert bzw. projiziert. Ist nicht immer leicht, ich weiß!

    Hmm, interpretieren wir nicht immer einen Text, den wir lesen, auf ganz subjektive Art und Weise? Verstehen wir wirklich manche Texte (ich meine jetzt eher „tiefere“ mehrdeutige Texte und keine „oberflächlichen“ eindeutige Fakten-News) in allen möglichen Bedeutungen?

    Ich denke, dass wir mit einer bestimmten Erwartungshaltung an einen (mehrdeutigen) Text herangehen und nur das selektiv interpretieren können, was wir schon zu wissen glauben. Bei Fakten-News geht das einfacher. Die nehmen wir einfach zur Kenntnis und fertig. So einfach funktioniert das m.E. bei „weisen“, literarischen und philosophischen Texten nicht.

    …in jungen Jahren war mein „lesendes Suchen“ ganz besonders intensiv. Später dann immer so phasenweise.

    Mich würde ja jetzt brennend interessieren, was du bei deinem „lesenden Suchen“ gefunden hast. Mit ist aber völlig klar, dass du das hier nicht in wenigen Sätzen beschreiben kannst. Dazu müsste man wahrscheinlich deine gesamtes Diary durchlesen und versuchen, es zu interpretieren… :)

    Gebracht haben mir die Weisheitsbücher und Traditionen intellektuellen Genuss und ein wenig Hoffnung – mehr nicht! Deshalb kann man auch das Wunder erleben, richtig gute Bücher dieser Art alle 10 Jahre wieder lesen zu können – und plötzlich weiß man, was die gemeint haben!

    Ja, dieses Phänomen bzw. Wunder kenne ich aus eigener Erfahrung gut – wobei ich mir nie sicher bin, ob ich wirklich weiß, was manche dieser Bücher gemeint haben könnten (siehe obige Fragen).

    Weil man sich verändert und einschlägige Erfahrungen gemacht hat, auch ist plötzlich erkennbar, wie falsch frühere Interpretationen waren…

    Ja, auch da gebe ich dir recht, obwohl ich bei dem Wort „falsch“ auch vorsichtig wäre. Wir interpretieren so, wie es uns zu einem bestimmten Zeitpunkt der eigenen Entwicklung möglich ist – und das ist m.E. „richtig“, weil gar nicht anders möglich.
    Im Nachhinein mag das als „falsch“ erkennbar sein, aber eben erst im Rückblick. Aber auch dieser Rückblick kann sich etwas später wieder als „falsch“ erweisen – usw. usf.
    Wirkliche Sicherheit bekommen wir, wie so oft, auch da leider nicht.

    Das Leben selbst ist der größte Lehrer

    Das stimmt sicher wohl bei jedem Menschen – auch bei solchen, die sich keinem „intellektuellen Genuss“ in Form von Bücherlesen hingeben können oder wollen.

    …engagierte Menschen bohren lange Zeit dicke Bretter …

    Diese bekannte Phrase heißt ja, sich mit einem langwierigen Problem beschäftigen bzw. eine komplizierte Aufgabe zu lösen, die Geduld erfordert, oder so ähnlich.
    Hier schließt sich m.E. der Kreis und wir sind wieder bei der weisen und uralten Aufforderung „Erkenne dich selbst!“ angelangt – und das ist zweifellos ein sehr „dickes Brett“ für jeden von uns :)

  14. @Günther:

    „Mich würde ja jetzt brennend interessieren, was du bei deinem „lesenden Suchen“ gefunden hast. Mit ist aber völlig klar, dass du das hier nicht in wenigen Sätzen beschreiben kannst. Dazu müsste man wahrscheinlich deine gesamtes Diary durchlesen und versuchen, es zu interpretieren… :)“

    Damit hast du mich inspiriert, eine „Linkliste fürs Wesentliche“ zu erstellen – Diary-Beiträge rund um die „Ergebnisse der Suche“ aus ca. 20 Jahren. Die Inhalte aus den „Weisheitsbüchern“ kommen vor, doch immer bezogen auf das Erleben – es ist also viel Autobiografisches dabei.

    Die Seite ist noch nicht „offiziell“ mit dem Diary verbunden, mal sehen. ob ich das überhaupt mache. Ich hoffe, mit dem einen oder anderen Artikel dein Interesse zu treffen, das mich wirklich freut.

  15. @Claudia:

    Damit hast du mich inspiriert, eine „Linkliste fürs Wesentliche“ zu erstellen

    Zum zweiten Mal sage ich Wow (!), ich kann gar nicht aufhören zu lesen – so viele (auch für mich) wesentliche Gedanken in authentische und schöne Worte gefasst! Ich bin gerade sehr empfänglich für solche Inhalte – warum auch immer.

    Ich hoffe, mit dem einen oder anderen Artikel dein Interesse zu treffen, das mich wirklich freut.

    Danke :)

  16. @Claudia:
    Ich habe das Gefühl, dass ich in den letzten Tagen bzw. Wochen ungeplant/unabsichtlich/unbewusst ein „Upgrade“ meines mentalen Zustandes gemacht habe, um mich möglichst gut an die sich rasch verändernden Umweltsituation wegen der Corona-Pandemie anpassen zu können. Vielleicht erleben viele, nicht nur ich, gerade eine Zeit der Läuterung – einer „Reinigung“ ihrer Psyche (gefällt mir besser als das Wort „Seele“).

    Während meines (fast) täglichen Mittagsschlafs habe ich vor ein paar Tagen folgendes geträumt:
    Ich sollte meinen „geistigen Vater“, den Philosophen Sir Karl R. Popper, den ich schon während meiner Schulzeit intensiv gelesen habe, „ermorden“ (im Sinne des bekannten Ausspruchs „Triffst du Buddha, töte ihn!“ :)

    Warum?
    Weil Popper mit seiner Theorie des Kritischen Rationalismus m.E. nur von einem idealisierten rational denkenden („Über“-)Menschen in der exakten „harten“ (Natur-)Wissenschaft (wie z.B. der Physik) ausging, den es, wenn überhaupt, nur ganz selten gibt. Dort ist Kritik sicher wichtig, sinnvoll und erwünscht, um die beste Theorie (im Sinne der objektiven Wahrheitsfindung) zu finden.
    Aber in der übrigen Welt der ganz normalen Menschen und vor allem im Alltag (also fast überall) ist Kritik meist unangenehm, unerwünscht, überflüssig und m.E. (das habe ich in den letzten Wochen erst erkannt) mit sehr viel Vorsicht anzuwenden – bzw. wenn möglich, ganz zu vermeiden. Da gibt es andere bessere (psychologische) Tipps und Regeln, die viel wichtiger sind.

    Außerdem bezweifle ich sehr stark, dass Popper seine Wissenschaftstheorie und seine Philosophie in seinem eigenen (Alltags-)Leben anwenden hat können – aber das kann ich natürlich nicht wissen, sondern nur vermuten.
    Er war sicher ein sehr wichtiger Philosoph (zu seiner Zeit) und ein sehr bescheidener Mensch – lebte aber in einem elitären Elfenbeinturm und war in vielerlei Hinsicht „weltfremd“ und naiv. Das ist mir jetzt klar geworden.

    Ich erinnere mich auch an ein Interview mit ihm, wo er (mit einem gutmütigen, aber leicht überlegenen Schmunzeln) gemeint hat, dass jeder Mensch ein Philosoph sei, aber diese Theorien taugen nicht viel. Auch wenn er mit dieser Aussage wahrscheinlich (objektiv) recht hat, kann es nicht darum gehen, sich über andere zu erheben und „von oben herab“ andere zu belächeln. Bei wirklich wesentlichen Lebensfragen tappen alle irgendwie im Dunkeln und versuchen ihr bestes – das ist m.E. erst einmal zu respektieren und nicht zu kritisieren.

    Ach ja, am 18. April vor 65 Jahren starb der Physiker Albert Einstein (auch ein übermenschlich großes Vorbild aus meiner Studienzeit :), der wohl bekannteste, brillanteste und genialste Wissenschaftler der Welt. Vielleicht sollte ich – nur für mich – auch dieses öffentlich geprägte und präsentierte Bild einwenig zurecht rücken.
    Wie war Einstein privat als Mensch im Alltag? Wie hat er sich seinen Mitmenschen gegenüber verhalten? Wie sah er die Weltprobleme zu seiner Zeit? Hat er die unglaubliche Komplexität der (Alltags-)Welt erkannt und versucht zu verstehen? Was war seine Lebensphilosophie abseits der Physik? Was hilft die Relativitätstheorie den allermeisten Menschen in ihrem Alltag? Fragen über Fragen…

    Meine Antwort auf die ultimative Letztfrage ist „42“ :)
    Zur Entstehung der Zahl schrieb der Autor Douglas Adams in einem Usenet-Beitrag 1993 auf die Frage, warum die Antwort „42“ sei:

    „Die Antwort darauf ist ganz einfach. Es war ein Scherz. Es musste eine Zahl sein, eine gewöhnliche, kleine Zahl, und ich habe diese gewählt. Binäre Darstellungen, Basis 13, tibetische Mönche sind allesamt Unsinn. Ich saß an meinem Schreibtisch, starrte in den Garten und dachte, „42 passt“. Ich habe es getippt. Ende der Geschichte.“


    Er schrieb auch folgenden weisen Satz:

    “Genügt es denn nicht, dass ein Garten schön ist, ohne dass man unbedingt glauben muss, dass Feen darin hausen?”

    :)

    Die Zahl „42“ hilft zwar im Alltag auch nicht weiter, aber der Gedanke daran bringt m.E. eine gewisse heitere gelassene Leichtigkeit in die ganze Problematik. Das hilft im allermeisten Fall – zumindest mir.

    PS: @Claudia, zu deinen vielen Gedanken deiner Lebensphilosophie fällt mir auch noch sehr viel ein – vielleicht ergibt sich da oder dort einmal die Gelegenheit, darüber zu reden…

  17. @Günther: ein Upgrade des mentalen Zustands bzw. der philosophischen Grundlagen ist immer eine große Sache – eigentlich toll, dass dich die Krise dazu motiviert hat!

    Ich freue mich, dass ein Artikel zum „Bogenschießen“ so philosophische Weiterungen angestoßen hat. Das führt zu den Wurzeln dieses Blogs zurück, dass seinen Untertitel „Vom Sinn des Lebens zum Buchstabenglück“ noch im Logo trägt.

    Die zeitlosen Sinn- und Suche-Artikel kannst du gerne unterhalb der Beiträge kommentieren. Im Lauf der vielen Jahre hat die Technik des Blogs mehrfach gewechselt, deshalb sind viele Artikel ohne Kommentare, die früher einmal in einem nicht mehr existierenden Forum diskutiert wurden.
    Kannst mir aber gerne auch persönlich mailen!

  18. wenn man beschliesst den tand vom restlich übriggebliebenen
    zerfetzen gewand seiner überzeugungen zu trennen und erkennt was übrigbleibt war die mülltrennung der von den grünen eingeführten neuen materialwirtschaft vermutlich erfolgreicher als es sich diese wendehälse
    jemals zu erträumen gehofft hatten.
    mir jedenfalls gefällt meine entwicklung in meinen balkongedanken,
    klavierspielen kann ich nicht, etwas gitarre, elektrisch mashallröhrenverstärkt
    geht so und bogenschiessen ist für mich grade unerschwinglich aber ein reizvoller gedanke. allein die ruhe vor dem schuss ist faszinierend. einswerden mit dem ziel.die augen schliessen. atmen. visualisieren vor dem inneren kopfkino wie die pfeilspitze das ziel im innersten kern durchdringen wird; den verstand ausschalten, das gefühl einer einswerdung mit der welt, mit dem maximal angespannten bogen über die sehne, die auflage durch den
    vollkommen ruhig aufliegenden pfeil; vor zur spitze und von dort in luftlinie
    mitten ins ziel. die innere vollkommene stille.
    und dann: loslassen!
    so stelle ich mit entspannung vor:)

    KenFM am Set: Gespräch mit Prof. Dr. Sucharit Bhakdi zu Covid-19
    831.112 Aufrufe•19.04.2020
    51.141 1145 9.695 Kommentare
    stand: 22.4.2020 23:50Uhr
    wir sollten uns, überall auf der noch bewohnbaren welt, ueberlegen, wem wir unsere verantwortung für unser ueberleben
    auf diesem planeten übertragen oder besser: abgeben wollen. und ob wir das wirklich wollen.
    die verantwortung für die eingeleiteten corona massnahmen in dem land in dem ich zur zeit überlebe
    tragen hier leute die von der materie selbst offensichtlich keine ahnung haben.
    dafür haben sie experten angeheuert. nichts dagegen.
    aber diese experten sind anscheinend auch nur käufliche halbgebildete die die interessen
    der hinter ihnen finanzierenden organisationen vertreten und keineswegs „im auftrag der wissenschaft“
    versuchen nach kräften die fragen der bundesregierung bspw. umfassend und treu der regeln der Wissenschaft
    zu klären.
    dieses system ist nicht weiter zu ertragen.
    die ergebnisse und beschluesse zu denen die politischen verantwortungsträger beeinflusst werden
    sind für einen einfachen tischler unerträglich.
    mir reichts langsam.
    ich fordere hiermit die bundesregierung unmissverständlich auf
    entweder die corona krise, die in wahrheit eine weitere „grippewelle“ darstellt und ihr ende gefunden hat,
    sofort in jedweder hinsicht sofort zu beenden oder aber zurückzutreten (alle, die versagende, nicht stattfindende opposition eingeschlossen)
    und den weg für neuwahlen sofort freizumachen.
    in dieser frage gibt es keinerlei grautöne mehr.
    entweder wir alle unterwerfen uns einer neuen Präsidialdiktatur der ungebremsten Gier einiger weniger
    oder aber wir kehren wieder zu einem leben zurück das in detailfragen wie umweltschutz, medizin, ernährung
    und sozialverträglichem arbeitsalltag vermutlich neu geregelt werden muss.
    und dieser rücktritt sollte umgehend erfolgen
    noch bevor die gesamte realwirtschaft nicht mehr zu retten ist
    , die sozialen verhältnisse unter den menschen
    endgültig zerrüttet sind, und 7 milliarden einzelschicksale auf diesem globus in die knechtschaft
    von macht interessen unbekannter groesse geraten (oder vermutlich bereits sind.)

  19. wir stellen die falschen Fragen
    wir sind zu blöde
    wir sollten uns alle ändern.
    die richtigen fragen an die richtigen leute stellen
    Antworten erhalten die uns etwas nützen und uns helfen die dinge die geschehen
    1. zu verstehen und
    2. für uns persönlich so zu andern dass wir wieder mit dem ursprünglichen konzept des lebens hier auf diesem globus annähernd übereinstimmen.

    wir sollten alle wieder versuchen zu verstehen dass der mensch als wesen
    sich mit diesem planeten voller anderer lebewesen in einem langen prozess
    evolutionärer entwicklungen und mutationen (Anpassungen) zu einem bestens funktionierenden gesamtorganismus emporentwickelt hat.
    dann werden wir erkennen dass die derzeitigen öffentlich diskutierten Fragen und antworten nicht uns menschen sondern nur einigen wenigen interessengruppen mit völlig niederen, unsinnigen interessen dienlich sind.
    wir sollten uns aus dem status einer batterie für die maschinerie der GIER
    wieder zu menschen, die eins mit ihrer umwelt sind umfunktionieren.
    damit ist alles getan was getan werden muss.
    der rest wird durch das leben selbst auf natürliche art und weise geregelt.

    inundnuwiederauffecouchgo

  20. @günther:

    einstein:
    eine kleine annecktode:
    einstein war ein genie aber auch
    eins mit merkwürdigen umgangsformen.
    er konnte beispielsweise einem Besucher mit der rechten
    hand den besuchsgruss schuetteln
    und mit der linken gleichzeitig seinen penis in ein
    reagenzglas haltend ueberschuessigen urin abschlagen.
    er blieb trotzdem ein genie.

    inlächelnundfröhlichbleibengo

  21. @ingo:

    […]wir sollten uns, überall auf der noch bewohnbaren welt, ueberlegen, wem wir unsere verantwortung für unser ueberleben auf diesem planeten übertragen oder besser: abgeben wollen. und ob wir das wirklich wollen.

    Hmm, du denkst wirklich, es gäbe jemanden, der die alleinige Verantwortung für unser Überleben auf diesem Planenten hat oder haben kann?
    Ich denke das nicht. Das ist m.E. viel zu einfach und kurz gedacht – und verkennt die reale Situation auf diesem Planenten komplett.

    DIe politische Landschaft auf diesem Planeten ist doch (zum Glück, wie ich finde) sehr kleinteilig und dezentral organisiert, d.h. es gibt fast 200 Länder, die mehrheitlich demokratisch organisiert sind, aber mir ist klar, es gibt auch andere (m.E. viel schlechtere) Regierungsformen in anderen (großen) Ländern, wie z.B. China, Russland, Nordkorea u.a.

    Du lebst in einer friedlichen Demokratie, genauso wie ich. Sei doch zufrieden damit! Was willst du mehr?

    Ob unser hochzivilisiertes und hochtechnologisches Leben für den Planenten mittel- bis langfristig so zu erhalten ist, dass es zum Überleben reicht, darüber kann und soll natürlich spekuliert werden. In schlechten Momenten sehe ich die Zukunft dunkelschwarz, in guten Momenten hellweiß – wissen und vorhersehen kann das keiner von uns.

    dieses system ist nicht weiter zu ertragen.
    […]
    mir reichts langsam.
    […]
    und dieser rücktritt sollte umgehend erfolgen
    noch bevor […] die sozialen verhältnisse unter den menschen endgültig zerrüttet sind,

    Und was denkst du, passiert nach einem Rücktritt?
    Kommen dann die „edlen, hilfsbereiten und guten“ Menschen plötzlich alle hervor, lassen sich wählen und lenken das Land in einer traumwandlerischen Sicherheit zur Zufriedenheit aller BürgerInnen?
    Echt? Das denkst du?

    Ich denke das nicht. Das widerspricht meinen Lebenserfahrungen komplett.
    Es drängen m.E. vor allem Menschen an Macht- und Führungspositionen, die nicht unbedingt – wie soll ich es nur ausdrücken? – zu den idealen Vorbildern der Menschheit gehören.
    Das macht aber nichts. Nicht jeder ist geeignet dafür.
    Ich könnte z.B. nie eine höhere Management- oder Politikerposition einnehmen und bin froh, dass das andere machen (können).
    Wichtig ist, das solche Positionen nicht missbraucht werden können. Dazu bedarf es Kontrollinstanzen auf jeder Ebene usw. …ich schweife ab… das wird (mir) langweilig.
    Kurz gesagt: wir leben (zum Glück) in einer funktionierende Demokratie, wo es diese Kontrollinstanzen in vielfältiger Weise gibt. Da sind sehr viele kompetente Menschen beteiligt, die es wahrscheinlich sehr ernst und gut meinen – natürlich nicht alle, aber es gibt eben keine „perfektes“ System.

    und 7 milliarden einzelschicksale
    auf diesem globus in die knechtschaft
    von macht interessen unbekannter groesse geraten
    (oder vermutlich bereits sind.)

    Ich habe für dich ein Zitat, über das man lange und intensiv nachdenken kann:

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“
    Hanlon’s Razor
    Quelle

    wir stellen die falschen Fragen
    wir sind zu blöde

    Hmm, ja, vielleicht hast du recht – aber es hindert dich ja keiner, die richtigen Fragen zu stellen und zu versuchen, sie dann (realistisch) zu beantworten – es muss ja nicht gleich DIE Antwort für 7 Milliarden Einzelschicksale sein. So eine Antwort gibt es nämlich m.E. leider gar nicht.
    Außer vielleicht „42“, aber die hilft dem Planten auch nicht weiter :)

  22. […] schon im Artikel über das Bogenschießen angemerkt, freut es mich, zu den Wurzeln meines persönlichen Bloggens zurück zu kehren, das Mitte […]

  23. @günter:

    @ingo:
    […]wir sollten uns, überall auf der noch bewohnbaren welt, ueberlegen, wem wir unsere verantwortung für unser ueberleben auf diesem planeten übertragen oder besser: abgeben wollen. und ob wir das wirklich wollen.

    Hmm, du denkst wirklich, es gäbe jemanden, der die alleinige Verantwortung für unser Überleben auf diesem Planenten hat oder haben kann? Ich denke das nicht. Das ist m.E. viel zu einfach und kurz gedacht – und verkennt die reale Situation auf diesem Planenten komplett.

    nicht ganz richtig formuliert:
    wir sollten uns,vor anstehenden Wahlen, überall auf der noch bewohnbaren welt, ueberlegen, wem wir unsere verantwortung für unser ueberleben auf diesem planeten übertragen oder besser: abgeben wollen. und ob wir das wirklich wollen.
    ————
    du wirst mir nicht unterstellen können, dass ich mir eine weltdiktatur
    von einigen wenigen zentralen Thronen auf diesem globus, strategisch verteilt
    wünsche. wenn doch, hast du mich ganz einfach überhaupt nicht verstanden.
    und das ist gut und richtig so, wie du bereits andern orts erwähntest.
    freiheit ist für mich nicht nur ein wort sondern eine lebenseinstellung.
    aber eben: das ist nur meine meinung, schriftlich geäussert.
    wie das leben auf diesem planeten politisch organisiert werden sollte dazu haben sich schon zigmillionen weitaus kompetentere personen als meine wenigkeit geäussert.
    derzeit ist es so, dass mit bomben, ferngesteuerten drohnen, influenzertätigkeiten der geheimdienste und…. ach was solls:
    die erkenntnisse politischer art die zur zeit sicht und wirksam sind
    übersteigen mein fassungsvermögen. und letztendlich muss es mir egal sein.
    sollte ich mein eigenes bewusstsein so weiterbehalten wollen und das tun was zu meinem persoenlichen überleben notwendig ist.

    was geschieht, wenn jens spahn und konsorten nicht freiwillig von allen ihren ämtern sofort und ohne irgendwas als „sorry“ zu entäussern zurücktreten?

    wir werden alle sterben!
    tod durch sterben oder durch nichtstrebennachmitlaeufertum
    odder wegen verhungerns mangels lebensmittel
    oder wegen klopapiermangel
    oder starker husten, schnupfen heiserkeit zwischen herbst und märz im folgejahr,
    tod durch verkehrsunfall,
    nackt in der badewanne vom blitz beim scheissen getroffen werden
    ein hochhaus zerfällt zu asbesthaltigem giftstaub, hüllt dich ein und nimmt dich mit in eine welt der microorganismen, erzählt dir dinge über natur, evolution und entwickliungsgeschichte der arten und schlaegt dir dann mit einem dicken brett solange vor die stirn bis du den balken in deinem inneren auge endlich erkennst.
    dann aber hast du so eine beule auf der denkerstirn dass dir sowiso hören und sehen total vergangen ist und du willst nur noch hinter einer maske versteckt an eine heile welt, die es niemals gegeben hat glauben.

    mehr?
    na gut, fangen wir mal mit adam und eva an

    inmediasresgo

  24. @ingo:

    du wirst mir nicht unterstellen können, dass ich mir eine weltdiktatur
    von einigen wenigen zentralen Thronen auf diesem globus, strategisch verteilt wünsche.

    Nein, das unterstelle ich dir nicht.

    freiheit ist für mich nicht nur ein wort sondern eine lebenseinstellung.

    Ja, glaub mir: das ist es auch für mich.
    Ich sehe mich u.a. als friedlicher „Anarchist“ und „Freigeist“, der in einer Demokratie leben kann – das funktioniert (schon sehr lange) ausgezeichnet.

    aber eben: das ist nur meine meinung, schriftlich geäussert.
    wie das leben auf diesem planeten politisch organisiert werden sollte dazu haben sich schon zigmillionen weitaus kompetentere personen als meine wenigkeit geäussert.

    Ja, vermutlich, aber mit welchem (vorläufigen) Ergebnis?
    Demokratie ist zwar verbesserungsfähig (im Detail), aber sonst ganz okay, oder?

    derzeit ist es so, dass mit bomben, ferngesteuerten drohnen, influenzertätigkeiten der geheimdienste und…. ach was solls:

    Ja, die (politische) Welt – auch in sog. Demokratien und vor allem im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – ist verrückt, irrational, teilweise schon kriminell und im Grunde sehr tragisch.
    Nur, was sollen oder können wir dagegen schon ausrichten?
    Dagegen anschreiben? Nein, bringt nichts.
    Dagegen auf der Straße protestieren? Ja, eh wichtig, bringt aber auch nichts. Das müssten schon sehr sehr viele Menschen gleichzeitig tun…
    Und sonst? Auf ein Wunder hoffen? Vielleicht Beten? Nein, alles zwecklos, fürchte ich.
    Wir können wählen, aber eben nur bei uns. Mehr Möglichkeiten sehe ich nicht.

    wir werden alle sterben!
    tod durch sterben oder durch nichtstrebennachmitlaeufertum
    odder wegen verhungerns mangels lebensmittel
    oder wegen klopapiermangel
    oder starker husten, schnupfen heiserkeit zwischen herbst und märz im folgejahr,
    tod durch verkehrsunfall,
    nackt in der badewanne vom blitz beim scheissen getroffen werden
    ein hochhaus zerfällt zu asbesthaltigem giftstaub, hüllt dich ein und nimmt dich mit in eine welt der microorganismen,

    Hmm, ja – wir werden alle sterben. Vielleicht heute, vielleicht morgen oder irgendwann – an was auch immer, aber ganz sicher, das steht fest.
    Und? Problem damit? Angst vielleicht davor?
    Da gibt es leider keine Lösung, soweit ich weiß.

    Ich hatte Ende 2018 eine notwendige Operation – mit Vollnarkose und so -, mir wurde die Gallenblase entfernt. Keine besonders riskante Operation, wurde mir vorher versichert, obwohl sie bei mir dann doch viel länger gedauert hat als geplant, weil Komplikationen aufgetreten sind.
    Am Ende war aber zum Glück alles gut.
    In den Tagen und Stunden davor wurde mir wirklich bewusst, dass das Leben endlich ist.
    Mein Vater wurde, als er so alt war wie ich jetzt, ebenfalls an der Gallenblase operiert – nur er hatte Pech. Es wurde während der Operation festgestellt, dass er auch ein bösartiges Karzinom an der Bauspeicheldrüse hatte und nur einige Monate später – nach zwei weiteren Operationen an der Leber – starb er daran. Es gab keine Rettung für ihn.
    Das hat mich damals ziemlich erschüttert, ich war erst 22 Jahre und hatte kaum wirkliche Gespräche mit meinem Vater geführt. Das finde ich, rückblickend gesehen, sehr schade – ich hätte viele Fragen gehabt…

    erzählt dir dinge über natur, evolution und entwickliungsgeschichte der arten und schlaegt dir dann mit einem dicken brett solange vor die stirn bis du den balken in deinem inneren auge endlich erkennst.

    Der „dicke Balken“ vor meinem inneren Augen ist in letzter Zeit sehr löchrig geworden. Ich bin gerade dabei, an verschiedenen Stellen nachzubohren und sehr neugierig, was mich dann erwartet.

    dann aber hast du so eine beule auf der denkerstirn dass dir sowiso hören und sehen total vergangen ist und du willst nur noch hinter einer maske versteckt an eine heile welt, die es niemals gegeben hat glauben.
    Du unterstellst mir jetzt nicht etwa, dass ich an eine „heile Welt“ glaube, oder?

    mehr?
    na gut, fangen wir mal mit adam und eva an

    Okay, fang du an – ein Beitrag hier darf aber nur so 5.000 Zeichen haben. Das wird eng :)

  25. hörenswert,
    ein kumpel von mir, begnadeter snookerspieler,
    bandleader, musiker, chemiker.
    selbstdenker.
    schlicht: ein guter mensch:)
    h.ö.r.e.n.s.w.e.r..t.!
    https://youtu.be/L-ezW43Ii4s

    inmusikundsogo

  26. @Günther

    Okay, fang du an – ein Beitrag hier darf aber nur so 5.000 Zeichen haben. Das wird eng :)

    :)
    nö, claudia hat mich gezuecht.. ah ermahnt.
    ich will hier nicht rausgeschmissen werden:)
    ———-
    nur eins:

    Es gab keine Rettung für ihn.
    Das hat mich damals ziemlich erschüttert, ich war erst 22 Jahre und hatte kaum wirkliche Gespräche mit meinem Vater geführt. Das finde ich, rückblickend gesehen, sehr schade – ich hätte viele Fragen gehabt…

    zur zeit kämpft ein guter Bekannter von mir mit dem letzten rest leben das er in sich hat mit dem unmittelbaren tod.

    angefangen hat es vor ca. 3 monaten als er sich (dem aussehen nach kerngesund, klar bei verstand, fit und geistig rege, beruflich systemadministrator für ne kleine erfinderfirma) aber eben beim arzt
    gewesen, herzrhytmusstörung oder sowas:
    Arzt: 3x Bypass, routine-op, dann ist alles wieder ok.
    kurti stimmte zu, liess sich operieren.
    1 Tag später in künstlichem koma.
    3 Tage intensiv, zeitweise setzten alle körperfunktionen aus.
    die chirurgen kämpften mit allem was sie hatten. und holten ihn zurück.
    gedächtnisverlust, keine sprache, nur röcheln.
    intensiv + Reha; verlegung in spezialklinik mit hubschrauber;
    erneute op.
    er kam zu bewusstsein, erinnerte sich wer er war,
    erste krakeleien mit der hand möglich.
    zusehends besserung. wurde klar im kopf.
    körperlich abgemagert bis auf die knochen.
    Rückfall, erneut intensivstation.
    Ärtzte geben ihn auf. er und seine frau willigen PV
    ein. wird nach hause überführt (um dort zu sterben.)
    zur zeit betreut von einem Arzt der ihn mit morphium
    „betäubt“. seine frau hat bereits alle notwenigen massnahmen
    mit beerdigungsinstitut vereinbart, sollte es soweit sein.

    Kurti ist für mich eine direkte frage was das leben tatsächlich ausmacht.
    er hat den klinik-weiterversorgungsaufenthalt abgelehnt und „aufgegeben“
    Aber noch lebt er. zuhause.

    ich wünsche ihm eine rekonvaleszens und dann ein langes erfülltes leben.
    was anderes hat er einfach nicht verdient wenn ich „gerechtigkeit“ beurteilen sollte.
    (meine mutter hatten die ärzte auch schon mal aufgegeben
    aber ich nicht. und sie selbst erst recht nicht. das war vor zig jahren wie es mir scheint. manche dinge sind nicht vorhersehbar. manchmal entscheidet eben „das Leben“ anders wie wir uns das wünschen oder vorstellen)
    das nenne ich „macht des zufalls“, „42“ oder wie auch immer du das
    nennen würdest.
    und es macht mut, weiterzumachen, bedingungslos weiterzumachen.
    es wird kommen wie es kommt. nicht viral sondern tag für tag in regelmaessiger reihenfolge. so wie seit 100.000 Jahren schon.
    leben halt.
    leben findet immer einen weg.
    und sei es der tod.

    gruss
    aus dem remstal
    inwirwerdenallesterbengo

  27. @ingo:

    […]schlicht: ein guter mensch:)
    h.ö.r.e.n.s.w.e.r..t.!

    Dieses Musikvideo von meinem Lieblingsmusiker Moby höre und sehe ich seit Wochen fast jeden Tag beim Einschlafen (wird dir vielleicht nicht so gefallen, weil eher „Mainstream“, aber dieses Video berührt mich einfach und holt mich jeden Tag auf den Boden der Realität zurück):

    Ein gewisser Bryan Crasta hat vor 3 Jahren folgenden Kommentar zu diesem Musikvideo hinterlassen (er ist eigentlich in Englisch verfasst – ich habe ihn mit dem Google-Übersetzer auf Deutsch übersetzen lassen):

    „Das Video wurde in Haridwar gedreht, einer Stadt, die im Grunde genommen ein großer Einäscherungsplatz ist – alte, verlassene und arme Menschen wenden sich wegen ihres Todes an diesen Ort, weil sie so arm sind, dass sie sich ihre eigene Einäscherung nicht leisten können und ja, sie haben niemanden in dieser Welt, die ihre Beerdigung durchführen wird, keine Trauernden, niemand wird sich an sie erinnern, weil niemand sie kennt. Also wenden sich diese armen alten Leute hierher – sie betteln oder machen kleine Arbeit um Essen und wenn sie sterben, wenn sie Glück haben, werden sie in einer Massenverbrennung eingeäschert, die von den Behörden durchgeführt wird, sonst bleiben sie einfach im Fluss Ganga, wo ihre Körper verrotten. Die Menschen wenden sich diesem Ort zu, denn der Fluss Ganga fließt durch diese Stadt, wie der Jordan für Christen. Also sterben sie glücklich an diesem Ort – weil sie glauben, zu Gott zu gehen – sie sterben glücklich mit der Hoffnung, dass das nächste Leben ohne Leiden und Armut sein wird.

    Leiden und Armut – was mich zur Bedeutung des Liedes bringt, das Lied spricht von einem alten Mann, der weiß, dass er noch heute sterben wird. Er hat sein ganzes Leben lang gearbeitet, um zu überleben, ein Leben voller harter Arbeit, Sorgen und Sorgen Leiden, das ihn verändert hat (sowohl physisch als auch emotional). Sein Herz hat nur die dunkle Seite der Welt gesehen und an diesem letzten Tag hat er Zeit, sich keine Sorgen mehr zu machen. Er sieht das Licht und die Farbe der Welt und versteht, dass es trotz seines Lebens in Armut viele kleine Momente gab Glückseligkeit. Endlich schätzt er das Leben und atmet mit seinem letzten Atemzug all die Dunkelheit aus, die gierige Menschen auf der Welt ihm entgegengeworfen haben.
    Und am letzten Tag
    Als alle seine Arbeiten erledigt waren
    Er hat gerade erst die Sonne entdeckt
    Am letzten Tag“

  28. Brahms war mal ein musiker von format, ja.
    heute rennen im internetten raum soviele
    schall und rauch namen rum da kann man
    sich angewoehnen selbst namenlos ist es angenehmer
    als mit alten werten befrachtet irgendwo aufzukreuzen

    @Jo Brahms
    hat geäussert : die sollen einfach weggehen. und meinte damit die
    derzeitige Regierung der Bundesrepublik deutschland.

    was mich zu folgendem Kommentar verleitete, den ich unter dem
    pseudonym „ingo“ veröffentlichte:
    ———————–
    in einem rechtsverfassten, demokratisch gewählten staat brauchen sich die wähler dieses systems nach der wahl für die dauerder aktuellen regierungsperiode normalerweise überhaupt nicht um die regierung zu kümmern, da sie diese tätigkeit“arbeiten zum wohl des volkes“ mit ihrem eid sogar noch bekräftigt haben. die wähler und nichtwähler, aber mitbewohner des betreffenden staatsgebietes können sich aufgrund der zuvor abgegebenen wahlversprechen voll und ganz darauf verlassen
    dass sie ihre zeit mit anderen dingen nutzvoll erleben oder zubringen können.

    sobald die wähler der ansicht sind, dass sie sich um die art und weise der regierenden irgendwie besorgt sein sollten, schon zu diesem zeitpunkt hat die regierung schwerwiegende interessensverletzungen begangen und sollte (aber wirklich erst dann, nicht vorher)
    vom Wählervolk genauestens hinterfragt werden.

    wenn dies geschehen ist sollte es dem wählervolk freigestellt sein, ihre interessen von anderen, kompetenteren perönlichkeiten wahrnehmen zu lassen.

    um diesen komplexen prozess durchführbar zu machen, haben wir unter anderem auch ein grundgesetz, eine zivile strafprozessordnung, ein sozialgesetzbuch,ein bundesverfassungsgericht, oberste richter und unzählige staatssekretäre und ministerien über alle länder verteilt,
    für die alle auf grundlage der FDGO die gleichen rechte und pflichten gelten.

    ….. so wars früher mal, ganz grob.
    dachte ich.
    das hat mir gereicht, alles ok. kann man unterschreiben und zur tagesordnung übergehen.
    dann sind die grünen im kosovo eingefallen, 10.000 ferngelenkte cruise missiles (der gesamte Munitionsbestand der auf den befreundeten kriegsschiffen der Natobündnisfallpartnernstaaten lagernden munitionsbunker) in der ersten nacht.

    dann war für mich der damm gebrochen, das vorschussvertrauen vernichtet.
    ich wollte damals, das ist nun wirklich schon ziemlich lange her.
    eine neuregelung der wahlversprechenden.

    heute diese zitterpartie Corona“ ist für mich eine nichtswürdige Verunstaltung jeglicher wahlversprechen
    seit abraham lincolns amtseinführung.

    was also solls.
    es ist wie es ist.
    einmal im hintern der NAtO, Der WHO, Des RKI, der 500 lobbyverbände vornehmlich der Pharmazeutischen industrie,

    da kommen die nicht mehr so einfach raus.
    versteh ich.

    passt mir trotzdem nicht.
    ich wuensche den sofortigen Rücktritt von Herrn Jens Spahn
    und dies als Auslösemoment von all den anderen VERSAGERN
    in Berlin und anderswo.

    danke.
    indaswolltichnochloswerdengo

  29. –joBrahms:
    Das Regieren ist keine Teilaufgabe, die man nach der Wahl jemandem überläßt, sondern es geht um Herrschaft, also die Ausübung von Macht. Der entsprechenden monopolisierten Gewalt ist jeder Bürger zu jedem Zeitpunkt unterworfen. Die Bürger müssen ihre Zeit damit zubringen, das vom Staat oktroyierte Kreditgeld in Wert zu setzen (Spekulieren auf Profit, Arbeiten für den Profit, Warenkauf für profitable Preise usw.) Auch wenn der Bürger sich einbildet, nur „sein Ding“ zu machen, betreibt er immer zugleich das „Ding des Staates“ (z.b. er setzt Geld in Wert). Daraus gibt es kein Entkommen. Durch Gesetz, Geld und Eigentum ist der freiheitsliebende Bürger vollständig als Basis staatlicher Macht eingespannt.
    ———————
    ja. uneingeschränkt ja.
    warum auch nicht? ich wurde 1956 in diese verhältnisse hineingebohrt. ah.. hineingeboren
    und bin damit aufgewahchsen. während meiner langhaarigen adoleszens habe ich mir das recht
    den Dienst mit der waffe, den kriegsdienst, zu verweigern sehr mühsam und unter harten
    entbehrungen erkämpft. und in der darauffolgenden zeit dabei als Beamter auf lebenszeit (Bundesbahn Mittlerer nichttechnischer Dienst Aspirant –BAss.za–empfängernummer:75778;
    die faszination Eisenbahn von innen mit begeisterung durchlebt.
    allerdings diesen zustand geistiger umnachtung nach drei Jahren umgehend gekündigt da meine damalige
    Frisur nicht mit der Uniform in einklang zu bringen waren (Herr Schulz, Bahnhofsvorsteher Bahnhof Waiblingen
    verlangte von mir mir die haare auf den Dienstmützengerechten Zustand anzupassen), eine forderung die auch
    unter dem Einfluss von psylobinotischen Hilfsmitteln für mich nicht zu erfüllen war.
    ——————————————

    ich wusste mein ganzes berufleben ueber, dass rund 85% meines gesamten
    Umsatzes an geldwerten mitteln in irgendeienr art und weise dem „staat“
    zukommen. im grunde, da ich keinerlei ersparnisse habe, sind es hundert prozent aller meiner einnahmen, die, sollte man in jahressummen rechnen,
    bei jährlich schwankend 100-140.000 Euro (DM) insgesamt eine summe von.. ah moment, also in etwa grob geschätzt 25-30 Millionen DM ausmachen.
    ————–
    damit war ich einverstanden. soilange sie mich in ruhe mein ding, mein hobby als Beruf mit allen dazugehörigen möglichkeiten (Strassen, Behörden,Kindergärten,Schulen,Krankenversorgung,Verwaltung..weiss der teufel was noch alles) machen lassen.
    durch die Mehrwertsteuer von zur zeit 19% für den endverbraucher kommt zusätzlich zu den zu versteuernden Einkommen eben auch noch der staatstragende anteil der privaten ausgaben (aller ausgaben, also auch kaugummi, mineralölsteuer, Luftholsteuer) dazu.
    ————–
    das habe ich aktzeptiert. die gegenleistung: in frieden alt werden können wurde mehr schlecht als recht erbracht.
    ————-
    nun ist es allerdings so dass ich nicht damit einverstanden bin dass zum beispiel auf dem Rosa Luxemburg Platz
    in Berlin dieser (auch von mir mitfinanzierte) Staatsapparat die unverschämtheit besitzt mir zu sagen dass ich dort nichts zu suchen habe.
    und dies mit polizeigewalt (auch von mir mitfinanziert) in einer skandalösen ausübung von gewaltmissbrauch gegen abhängige einfach so durchzieht.
    —————————–
    damit bin ich überhaupt nicht einverstanden.
    NEIN!
    dafür habe ich nicht bezahlt!
    nein, dafür habe ich nicht ein leben lang
    diese unverschämten Raubzuege meiner privaten erarbeiteten geldmittel klaglos mitangesehen und zugelassen.
    NEIN!
    ——————————–
    ich verlange den sofortigen Rücktritt dieser Bande von nichtsnutzigen, schamlosen Verbrechern an meinem entgegengebrachten käuflich erworbenen Vertrauen. Dieser Preis ist mir zu hoch, ich werde ihn nicht weiter bezahlen.
    ——————————
    wie du das hälst ist mir im grunde
    nicht so wichtig.ich bin nur einer von sehr vielen, habe noch ein zwei jahre berufsleben vor mir.
    wir sollten uns alle überlegen mit was wir einverstanden sind und wo wir nein sagen sollten.

  30. „inirgendwannfliegichhierrausgo“

    Du merkst es selbst. Und dies ist die letzte Warnung: du bist WEITAB vom Thema Bogenschießen und auch das „Weiterungsthema“, das die ZEN-Philosophie zum Ausgang nahm, geht dir am A…. vorbei.

    Schon die pure Höflichkeit sollte eigentlich gebieten, nicht ständig lange Texte aneinander zu reihen, wenn niemand mehr antwortet (sic!). Aber du merkst gar nichts, bzw. es ist dir egal.

    Ich hab das mal wieder viel zu lange laufen lassen, weil ich die kleine Hoffnung hatte, dass du mal selbst merkst, wie deplatziert deine „Schimpftiraden auf alles“ hier sind. Da mag der eine oder andere Aspekt dabei sein, der – im richtigen Kontext – durchaus mal diskutiert werden kann, aber in dieser Massivität und Beliebigkeit unter Artikeln, die EXTRA dazu gedacht waren, „mal was anderes“ zu besprechen, empfinde ich schon als ziemlich unverschämt.

    Geh doch demonstrieren – aber bitte nicht hier!

    Es nervt mich, so deutlich werden zu müssen, aber es muss sein, denn die angenehme Gesprächsatmosphäre mit sachlicher Debatte, die fürs Diary eigentlich typisch ist, zerstörst du so sehr effektiv.

  31. @ingo:

    […]NEIN!
    ——————————–
    ich verlange den sofortigen Rücktritt dieser Bande von nichtsnutzigen, schamlosen Verbrechern an meinem entgegengebrachten käuflich erworbenen Vertrauen. Dieser Preis ist mir zu hoch, ich werde ihn nicht weiter bezahlen.
    ——————————

    Für dich ist es wahrscheinlich schon zu spät bzw. es macht für dich wahrscheinlich keinen Sinn mehr, aber es gab bzw. gibt immer Möglichkeiten des „Aussteigens“ oder „Auswanderns“ aus dieser Gesellschaft, wenn man mit dem Angebot nicht zufrieden ist, keine Möglichkeiten der Verbesserung sieht und das wirklich will. Es muss ja nicht gleich ein Kloster sein. Da gibt es viele andere Möglichkeiten…

    Henry David Thoreau als früher Prophet des zivilen Ungehorsams gegen den Staat hat sich z.B. sehr radikal (auf Zeit) zurückgezogen:

    „Unter Emersons Einfluss entwickelte Thoreau reformerische Ideen. Am 4. Juli 1845, dem Unabhängigkeitstag, bezog Thoreau eine selbsterbaute Blockhütte (Walden Hut) bei Concord am Walden-See, auf einem Grundstück Emersons. Hier lebte er etwa zwei Jahre zwar allein und selbständig, aber nicht abgeschieden. In seinem Werk Walden. Or Life in the Woods (deutsch: Walden. Oder das Leben in den Wäldern) beschrieb er sein einfaches Leben am See und dessen Natur, aber er integrierte auch Themen wie Wirtschaft und Gesellschaft. Das Experiment „Walden“ machte Thoreau klar, dass sechs Wochen Lohnarbeit im Jahr ausreichend sind, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Die verbleibende Zeit konnte er nutzen, um zu lesen, zu schreiben, nachzudenken und die Natur zu erkunden.“

    wie du das hälst ist mir im grunde nicht so wichtig.

    Das glaube ich dir zwar nicht ganz, aber ich hatte so und so nicht vor, hier mein (ganzes) Leben stark verkürzt auszubreiten.
    Nur so viel: Ich habe es rückblickend gesehen (ungeplant und unbeabsichtigt) so ähnlich wie Thoreau gemacht, hatte bei wesentlichen Dingen sehr viel Glück in meinem Leben, bei weniger wesentlichen Dingen nicht so viel bzw. gar keinen Erfolg. „Einfach“ war und ist es nach wie vor auch für mich nicht – ganz im Gegenteil, aber wie gesagt, führt das hier viel zu weit…

  32. ich wollte, ich könnte die bilder mit wörtern beschreiben
    die in mir sich erinnerten an träume längst vergangner mythen
    da sind die hände an den armen und dieser ewig kreis um schönheit
    blutrot perlt es, blutrot inmitten dieser zauberhaften feen stirn
    da sind diese menschen, sie sind eins sie singen sitzten tanzen mit den händen
    und ich erinner mich an unter wasser mitten im schwarm,
    all diese einzelnen gedanken im gleichtakt in der schwarmbewegung,

    alles im fluss und doch ein traum

    ich träume von vergänglichkeit
    ein ozean schwillt durch Felsenbogen
    weisse gischt, gebrochene kraft, unendliche bewegung.
    und fromme flammen stiller gebete
    steigen mit den kerzgeflammten gerüchen auf,
    eine mönch erfüllt von lächelndem wissen
    spielt im feuer der gedanken.

    friede sei im feuer und am wasser, friede in der luft
    die kleinsten lichter sind die schönsten, flackern
    und verbreiten ihren trauten glanz-
    und wieder dieser schwarm der hände, körper in ekstase
    still wie ein sanfter traum vom glück.

    ein massai springt auf der stelle,
    löst sich aus erdenschwere
    fliegt hinauf, hinab für seine brüder,
    und ihr friede leuchtet in den augen

    ein fischer in der abendsonne
    ein handgewirktes netz
    ein boot und tiefrot gefärbtes sonnenlicht

    all überall musik, klänge aus der ewigkeit,
    und ja, aufgehen in dir, man möchte du sein.
    und ja es ist ein traum
    vergangner tage wo gestern noch heut war
    und morgen ein traum

    RAINER MARIA RILKE – ICH WILL DU SEIN
    https://youtu.be/prBUD9xXmgg

  33. Ich schließe jetzt diesen Thread.

  34. […] stattfinden, voraus gesetzt, die Corona-Beschränkungen lassen es dann zu, was ich stark hoffe. Wie schon berichtet ist es ein alter Kindheitstraum, das mal auszuprobieren. Damals war’s mir verboten, jetzt […]