Claudia am 22. Januar 2020 —

KI, Big Data und unser Alltag

Über die Bedeutung der sogenannten „künstlichen Intelligenz“ und zunehmender BigData-Anwendungen hat sich ein Kommentargespräch ergeben, das in einem neuen Blogpost besser aufgehoben ist als unter einem Artikel über Poetry Slam aus 2014.

Werden die vielen prognostizierten Veränderungen rund um „KI“ und BigData unseren Alltag berühren? Dazu schrieb Günther:

Wenn wir all dem Glauben schenken, was da alles an digitalen Anwendungen versprochen und vorausgesagt wird, ist die Zukunft wirklich bis zum kleinsten Ding vernetzt und produziert in Echtzeit Unmengen an Daten, die mittels mächtiger Analysetools und Algorithmen unsere Welt immer „smarter“ machen –
nur: ich werde mit dem Alter zunehmend vorsichtiger und skeptischer, was diverse (ernst gemeinte) Tech-/Science-Visionen vor allem aus dem Silicon Valley anbelangt.
Ein anderes Beispiel: Ich kann mich noch gut daran erinnern, was in den 1980/90er beim Thema „Künstliche Intelligenz (KI)“ alles vorausgesagt wurde, was in wenigen Jahrzehnten – aus damaliger Sicht – möglich sein werde: von selbstdenkender Software bis zu autonomen Robotern. Jetzt haben wir 2020 und es dauert (angeblich) wieder nur mehr wenige Jahrzehnte, bis die „starke KI“ ihren Durchbruch feiern wird – und alle möglichen damit in Zusammenhang stehenden Schreckensszenarien (unterstützt durch diverser perfekt animierter Hollywood-Filmen) tauchen seit vielen Jahren am Horizont auf.

Ich zweifle das alles sehr an, weil es an der alltäglichen Lebenswirklichkeit der allermeisten Menschen (mit „natürlicher Intelligenz“, die man noch kaum versteht) vorbeigeht.

Ist das tatsächlich so?

Die Skepsis bezüglich „starker KI“ teile ich, wenn damit selbst denkenden, „autonome“ und kreative Roboter oder Programme gemeint sind. (für mich sind das unbewusste feuchte Männerträume, die auch mal einen „Menschen“ erschaffen wollen). Aber die Möglichkeiten von BigData sind immens und bei weitem noch nicht ausgereizt.

Gestern hörte ich (auf dem Laufband…) dieses Interview mit dem Historiker Juval Harari, der zur Zukunft der Menschheit bzw. deren „Ende“ recht viel zu sagen hat – ohne deshalb Apologet der Technik zu sein. Er zeigt Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten auf, wie sich mensch in etwas Neues verwandeln könnte oder verwandeln wird, je nachdem.

Juvel Harari - Historiker

Es lohnt sich, dran zu bleiben. Er stellt interessante Fragen zur möglichen KI-Entwicklung. Und ist auch ein interessanter Mensch, der vegan lebt und täglich meditiert.

Du schreibst:

„Ich zweifle das alles sehr an, weil es an der alltäglichen Lebenswirklichkeit der allermeisten Menschen (mit „natürlicher Intelligenz“, die man noch kaum versteht) vorbeigeht.“

Genau diese „alltägliche Wirklichkeit“ ist jedoch die Basis, von der aus sich BigData entwickelt und seine Benefits ausspielt. Wie wir reisen, einkaufen, uns informieren – das hat sich schon recht stark verändert. Grade ändert sich auch das Bemühen vieler, „gesünder zu leben“ auf eine datengestützte Weise, an die wir früher nicht im Traum gedacht hätten!

Bei alledem schau ich auf Andere ebenso wie auf mich: Ich bin ja grundsätzlich keine Gegnerin aktueller BigData-Bequemlichkeiten, sondern nutze sie. Möchte mir jedoch die Möglichkeit, selbst etwas Anderes als das Vorgeschlagene zu wählen, auf jeden Fall erhalten. Und ich sehe zu, dass ich informationstechnisch quer zu allen „Bubbles“ etwas mitbekomme (auch das ist z.B. dank der „Hashtags“ in sozialen Medien leicht möglich).

Datenschutz ist für mich auch kein Selbstzweck: ich überlege, was es mir bringt, jemandem meine Daten zu überlassen und wäge das Risiko ab, das evtl. damit verbunden ist. Wenn das „Risiko“ allein darin besteht, dass mir „passende Werbung“ gezeigt wird, dann hab ich damit nicht wirklich ein Problem! Schließlich hab ich mich früher über das Gießkannenprinzip aufgeregt, das ganze Berge von Printwerbung in die Briefkästen spülte.
Gegen Missbrauch muss m.E. der Gesetzgeber in Bewegung gesetzt werden. Appelle zur Nichtnutzung an das Individuum sind insgesamt wenig erfolgreich, wenn die Nutzungsvorteile erheblich sind.

Im Medizinbereich will ich MEHR BigData – und zwar für alle, nicht nur für Ärzte und Besserverdiener. Mein Augenarzt will 237,- Euro für Untersuchungen, die meinen Befund auf diesen Level heben, was natürlich nur nützt, wenn man es jährlich macht, um Veränderungen festzustellen. Für mich ist das viel Geld und ich überlege noch…

Gerne hätte ich (anonymisierte) öffentliche Datenbanken mit Krankheits- und Therapie-Erfolgen, die man selbst durchsuchen kann.
Dann wäre man vielleicht nicht mehr so schlecht dran wie Betroffene des „(pseudo-)allergischen Schnupfens“ (siehe die dortige Kommentarstrecke!), sondern könnte sehen, was wem wann bei welchen Symtomen wie geholfen hat.

Es gäbe noch viele Beispiele, doch grade ruft mich die Arbeit.  Ich kann mir jedenfalls noch vielerlei Anwendungen vorstellen, wie die datengetriebene Wirtschaft auf unseren Alltag einwirken wird – natürlich individuell verschieden, keine Frage.

***

Update:

Für alle, die keine Kommentare lesen, ergänze ich hier mal den Artikel mit einer Empfehlung von Gerhard, nämlich einer vierteiligen

Dokuserie über Big Data im Gesundheitswesen:
Mein Körper, meine Daten

Spannend und aufschlussreich. Eine gute Info-Grundlage zur Diskussion.

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Diskussion

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26 Kommentare zu „KI, Big Data und unser Alltag“.

  1. Claudia, Du schreibst:
    „Im Medizinbereich will ich MEHR BigData“.
    Zu diesem Thema hatte ich Dir vor einiger Zeit einen Kommentar mit Link zu einem kritischen WDR5-Bericht geschrieben.

    https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-tiefenblick/mein-koerper-meine-daten/audio-mein-koerper-meine-daten—-wirtschaft-100.html

    Den kannst Du dir, in 4 Teilen auch, auf dem Laufband anhören. Bin gespannt, wass Du dazu sagst.

  2. @Gerhard: mach ich, fange heut‘ abend damit an, wenn ich es wieder ins Fitness-Center schaffe – was sogar wahrscheinlich ist. :-)
    (Auf das in dem Kontext oft erscheinende Thema „Krankenversicherung“ bezog sich übrigens mein kleiner Schlenker zum Missbrauch/Gesetzgeber).

  3. @Claudia:

    Gestern hörte ich (auf dem Laufband…) dieses Interview mit dem Historiker Juval Harari, der zur Zukunft der Menschheit bzw. deren „Ende“ recht viel zu sagen hat – ohne deshalb Apologet der Technik zu sein. Er zeigt Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten auf, wie sich mensch in etwas Neues verwandeln könnte oder verwandeln wird, je nachdem.

    Ich habe seine spannenden Bücher „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ und „Homo Deus“ gelesen und war begeistert von seinen originellen und schlüssigen Gedanken, die er darin in einem historischen Kontext beschreibt.
    Auch dein verlinktes Interview kenne ich schon – ich mag diese Schweizer Interviewserie sehr.

    Es lohnt sich, dran zu bleiben. Er stellt interessante Fragen zur möglichen KI-Entwicklung. Und ist auch ein interessanter Mensch, der vegan lebt und täglich meditiert.

    Ja, er ist ein sehr interessanter Mensch – und der weltweite Erfolg seiner Bücher erlaubt ihm jetzt, unabhängig zu forschen und zu schreiben. Ich bin schon neugierig, was von ihm noch kommt – er ist ja mit seinen 44 Jahren noch relativ jung.

    […]die Möglichkeiten von BigData sind immens und bei weitem noch nicht ausgereizt.

    Da hast du sicher recht. Die Frage ist aber, wie „wir“ (die durchschnittlichen IT-Anwender) das im Alltag merken werden und ob wir wirklich jede neue Möglichkeit nutzen sollten, die sich uns anbietet.
    Als Suchmaschine verwende ich z.B. schon lange startpage.com, die diskrete Alternative zu Google. Sie verwendet technisch zwar Google als Suchmaschine im Hintergrund, befreit die Suche aber von allen Trackern und Logdateien. Anwender erhalten also die gleichen Suchergebnisse wie bei Google, es werden aber keine Daten von ihnen abgesaugt und weiterverarbeitet.

    Genau diese „alltägliche Wirklichkeit“ ist jedoch die Basis, von der aus sich BigData entwickelt und seine Benefits ausspielt. Wie wir reisen, einkaufen, uns informieren – das hat sich schon recht stark verändert.

    Ich bin mir gerade nicht sicher, ob diese Veränderungen bei der Informationssuche, beim Reisen und Einkaufen wirklich schon DIE großen BigData-Anwendungen sind, die sich am Horizont abzeichnen – aber diese Bereiche haben sich zugegeben in den letzten zehn Jahren sehr stark verändert. Ich buche meine Reisen schon seit Jahren online, suche meine Bücher bei Amazon (lese dort Rezensionen und lasse mich auch gerne vom Amazon-Algorithmus „beraten“), bestelle und kaufe sie aber dann, wenn möglich, bei einem Buchhändler lokal vor Ort.
    Und was die rasche Informationssuche ganz allgemein anbelangt, ist das Web seit vielen Jahren unschlagbar: z.B. Produkte und Firmen aller Art recherchieren, Öffnungszeiten, Hintergrundinformationen und Bewertungen in ein paar Klicks und in wenigen Minuten nachlesen. Darauf möchte ich nicht mehr verzichten. Nur Einkaufen mag ich lieber noch ganz real vor Ort.

    Datenschutz ist für mich auch kein Selbstzweck: ich überlege, was es mir bringt, jemandem meine Daten zu überlassen und wäge das Risiko ab, das evtl. damit verbunden ist. Wenn das „Risiko“ allein darin besteht, dass mir „passende Werbung“ gezeigt wird, dann hab ich damit nicht wirklich ein Problem!

    Bei Google habe ich allerdings ein Problem, was Datenschutz anbelangt. Ich möchte diese „Datenkrake“ nicht unbedingt füttern. Es gibt dazu Alternativen (siehe startpage.com)!

    Im Medizinbereich will ich MEHR BigData – und zwar für alle, nicht nur für Ärzte und Besserverdiener. … Gerne hätte ich (anonymisierte) öffentliche Datenbanken mit Krankheits- und Therapie-Erfolgen, die man selbst durchsuchen kann.

    Solange diese im Web durchsuchbaren Datenbanken wirklich anonymisiert sind, habe ich damit kein Problem. Mit personenbezogenen Krankheitsdaten sollte man m.E. aber vorsichtig umgehen. Solche Informationen sind sehr sensibel und gehören höchstmöglich vor jedem unerlaubten Zugriff geschützt.

    Ich kann mir jedenfalls noch vielerlei Anwendungen vorstellen, wie die datengetriebene Wirtschaft auf unseren Alltag einwirken wird – natürlich individuell verschieden, keine Frage.

    Vorstellen kann ich mir solche Anwendungen auch, was aber nicht heißt, dass ich diese auch nutzen will. Z.B. auf ein voll vernetztes „smartes“ Haus, das mit dem Smartphone (von der Jalousie bis zur Kaffeemaschine) gesteuert werden kann, möchte ich lieber verzichten, auch wenn es heute schon möglich ist.
    Im Zweifel ist mir etwas weniger Technik lieber als etwas mehr Komfort. Aber das ist, wie schon erwähnt, eher altersbedingt zu sehen – ich bin in meiner Kindheit noch ganz analog (mit Musikkassetten und so ;-) aufgewachsen und außerdem ist mir meine Privatsphäre sehr wichtig. Und die ist nur möglich, wenn eben nicht alles mit allem digital vernetzt ist und mit dem Internet verbunden ist.

  4. @Günther: danker für die ausführliche Einlassung!
    Startpage habe ich auch unter den „sonstigen Suchmaschinen“ und nutze es dann, wenn ich nicht möchte, dass das Gesuchte meinen „Profilen“ zugeordnet wird.
    Ansonsten gerne Google, denn ja, ich „mag“ Google. Hab sie von Anfang an erlebt, wie sie die Suche revolutioniert und Yahoo/Altavista aus dem Feld geschlagen haben. Einfach genial! Und all die Dienste, die danach gekommen sind – wow! Vieles davon supernützlich und kostenlos, oft sogar werbefrei wie etwa News, Maps/Routenplaner, Fotos… und der SAGENHAFTE Übersetzer, der es mir erlaubt, mit Menschen aus Polen und Tschechin in deren Sprache zu kommunizieren, wow!
    Mich ärgert immer ein wenig, wenn Google bloß als „Datenkrake“ gebasht wird. Möchte nicht wissen, wie die alle reagieren würden, wenn auf einmal vor allen Google-Diensten eine Paywall wäre!!!
    Entweder zahlt man mit Geld oder mit Werbung gucken/Daten dafür hergeben – mir ist Letzteres lieber, weil ich mir Ersteres gar nicht leisten könnte. Nicht für all die Dienste, die ich nutze!

    Zudem ist es gar nicht so, dass Google „mich besser kennt“ als ich mich selbst. Man kann nachsehen, was Google zu wissen glaubt – und wenn ich das mache, finde ich echt lustige Ergebnisse! Für „American Football“, „Fahrzeugkauf“ und „Metal(Music)“ interessiere ich mich jedenfalls nicht die Bohne – und das sind nur Beispiele.
    Mittlerweile find ich diese Fails nicht mal mehr gut (weil sie zeigen, wie fehlerhaft Google arbeitet), sondern fühle mich motiviert, zu korrigieren. Passt doch, wenn sie mir „passende Werbung“ zeigen und nicht irgendwas über Autos… :-)
    Allerdings surfe ich nicht eingeloggt (weder bei Google noch sonstwo) und lasse beim Schließen des Browsers alle Cookies löschen. Deshalb erreicht mich die personalisierte Werbung im Web meist nicht.

    Ein SmartHome brauche ich eher nicht, dazu hab ich zu wenig „steuerbedürftige“ Geräte. Wenn es auch schön wäre, statt der Fernbedienung nur zu rufen… :-)
    Für „altersbedingt“ halte ich die jeweiligen Präferenzen eher nicht – ich kannte z.B. als Kind noch Tonbandgeräte, nicht nur Kassetten!

  5. @Claudia:

    … ich „mag“ Google. Hab sie von Anfang an erlebt, wie sie die Suche revolutioniert und Yahoo/Altavista aus dem Feld geschlagen haben. Einfach genial!

    Das nennst du genial? Im Ernst? Ich nenne das „nur“ Marktwirtschaft. Google hat zur richtigen Zeit ein zugegeben besseres Produkt entwickelt, die Konkurrenten aus dem Markt geworfen und ist seit dem ein riesiger marktbeherrschender Konzern geworden.
    Genau das wird (m.E. zu recht) kritisiert, weil es andere kleinere Marktteilnehmer zunehmend schwerer haben, auf vielen Gebieten mit Google auf fairer Basis zu konkurrieren.

    Und all die Dienste, die danach gekommen sind – wow! Vieles davon supernützlich und kostenlos, oft sogar werbefrei wie etwa News, Maps/Routenplaner, Fotos… und der SAGENHAFTE Übersetzer

    Hier passt das Wort „Datenkrake“ ja wunderbar: Es laufen viel zu viele Daten ganz unterschiedlicher Art bei Google zusammen!
    Warum müssen diese vielen Dienste unbedingt nur von einem Anbieter stammen?
    Das wirft man Google heute vor. Eben dass sie ihre Marktmacht missbrauchen und ihre Arme in immer weitere Gebiete ausstrecken, weil sie sich quer finanzieren können. Sie müssen mit dem Routenplaner, dem Übersetzer oder der Fotos-Anwendung kein Geld verdienen, weil sie es mit der „unerschöpflichen Geldquelle“ Suchmaschine tun. Andere Marktteilnehmer mit den vielleicht besseren Ideen und Produkten können das nicht. Das ist marktverzerrend und unfair. Von den Datenschutzproblemen, die mit dieser konzentrierten Datenmacht einhergehen, will ich gar nicht schreiben.

    Mich ärgert immer ein wenig, wenn Google bloß als „Datenkrake“ gebasht wird. Möchte nicht wissen, wie die alle reagieren würden, wenn auf einmal vor allen Google-Diensten eine Paywall wäre!!!
    Entweder zahlt man mit Geld oder mit Werbung gucken/Daten dafür hergeben – mir ist Letzteres lieber, weil ich mir Ersteres gar nicht leisten könnte. Nicht für all die Dienste, die ich nutze!

    Das ist m.E. nicht der Punkt der Kritik an Google. Viele sinnvolle und geniale Anwendungen im Web und als App auf dem Smartphone sind kostenlos für den User. Er zahlt in der Regel mit seinen Daten oder nimmt Werbung in Kauf.
    Bei Google wird die Marktmacht und die daraus resultierende Querfinanzierung (siehe oben) sowie die immense Datenkonzentration m.E. zu recht kritisiert.
    Ich „mag“ Google nicht (mehr). Ich habe einen gewissen Respekt vor den Gründern, aber als dominierender Konzern ist mir Google sehr suspekt.
    Ich „mag“ heute mehr kooperative (nicht-gewinnorientierte) Projekte wie z.B. Wikipedia oder OpenSource-Anwendungen (z.B. openstreetmap.org, openoffice.org u.a.).

    PS: auch zum Google-Übersetzer gibt es Alternativen: z.B. deepl.com (ein Tool, das es erst seit 2017 gibt!) für sehr lange Texte

  6. Günther:

    Solange diese im Web durchsuchbaren Datenbanken wirklich anonymisiert sind, habe ich damit kein Problem. Mit personenbezogenen Krankheitsdaten sollte man m.E. aber vorsichtig umgehen. Solche Informationen sind sehr sensibel und gehören höchstmöglich vor jedem unerlaubten Zugriff geschützt.

    In der WDR5-Sendereihe, oben erwähnt, wird erklärt, wieviel Geld abschöpfbar wäre und ist durch Datensammlungen.
    Es gibt mittlerweile zig unterschiedliche KI-Anwendungen, die „in diesem Raum“ schon gegründet sind und vermutlich recht bald als unentbehrlich gelten dürften.
    @Claudia:

    und der SAGENHAFTE Übersetzer, der es mir erlaubt, mit Menschen aus Polen und Tschechin in deren Sprache zu kommunizieren, wow!

    Ich nutze den Übersetzer auch, aber der ist nur im Maßen hilfreich.
    Ich kenne einen Deutschen, dessen Texte von einem Stamm englischsprachiger gelesen werden und denen der Übersetzer da wenig helfen kann.
    Mach mal folgendes: Übersetze von Deutsch in eine andere Sprache und diesen fremden Text dann zurück in Deutsch.

  7. Habe vorhin Teil 1 bis 3 der Sendung gehört. Und bin beeindruckt, was da schon alles möglich ist! Das konnte auch der Sprecher nicht verhindern, der sich alle Mühe gab, an allem das potenziell Schlechte und womöglich irgendwie Gefährliche zu sehen!

    Dabei merkt er nicht mal, wenn er richtige Klöpper verzapft! Ich glaub es war am Ende von Teil 2, als er berichtete, dass eine KI namens „Watson“, die bei der Krebsdiagnose und Therapie helfen sollte, von der Klinik „gekündigt“ wurde. Der Grund sei gewesen, dass die Daten, mit der die KI gespeist worgen war, an der sie ihre Diagnosen „gelernt“ hat, sich auf SCHWERE Krebsfälle bezogen hätten. Bei all den leichteren Fällen, die die Großteil der Klinik ausmachten, war das nicht hilfreich.
    Und – dieses nun bewertend – schließt der Sprecher allen Ernstes den Satz an, es sei nun mal nicht alles mit „immer mehr Daten“ zu lösen! Dabei ist doch gerade DIESE Geschichte ein gutes Beispiel dafür gewesen, dass es mit MEHR DATEN, nämlich zu all den leichteren Fällen, vermutlich genauso gut hätte laufen können wie bei der Erkennung der schweren Fälle!

    Es kam auch gut raus in der Sendung, wie unglaublich ausbremsend unsere Datenschutzbestimmungen sind. Und dabei werden die Patienten gar nicht gefragt, bzw. es wird gar nicht versucht, ihre – nach unseren Gesetzen erforderliche – Zustimmung zur Datenverwendung zu bekommen. Dabei – das sagte sogar der Sprecher! – wären viele vermutlich einverstanden, die Daten ihrer Krankheiten und Behandlungen zur Forschung inkl. Fütterung von BigData-Anwendungen frei zu geben! (Ja, ich bin für Jens Spahn Initiative!)

    Diese ganze Überwachungsparanoia geht mir mehr und mehr auf die Nerven. Ich sag mal: lieber überwacht als vorzeitig tot! Und dass sich das Gesundheitssystem grundlegend ändern muss, sollte eigentlich allen klar sein. Und zwar genau so, wie in Teil 2 beschrieben: Hin zur Prävention, zur Hilfe beim gesunden Leben! Sonst wird es unfinanzierbar.
    In der jetzt noch aktuellen Medizin-Tradition wird man doch nicht gesund alt, sondern wird durch Jahrzehnte mehr schlecht als recht mit zig Tabletten, Therapien und OPs am Leben erhalten, nachdem man lebenslänglich alles dafür getan hat, sich ins metabolische Syndrom zu futtern, zu saufen, zu rauchen und ansonsten gern sitzen zu bleiben.
    Die heute Jungen machen es schon anders – sie wissen, dass sie selbst für ihre Gesundheit (vor-)sorgen müssen, treiben mehr Sport und nutzen eben auch schon vermehrt diese „smarten“ Hilfen. Das mag uns seltsam vorkommen, aber ich denke mittlerweile, sie haben recht!

    @Gerhard: was ist schlecht daran, Geld zu verdienen? Auch viel Geld? Wenn die Lösungen und Produkte dann auch wirklich nützlich sind, ist es doch ok! Teil 3 der Sendung handelt von den ökonomischen Interessen – und ja, ich stimme mit dem Fazit dieses Arztes überein, der sagt: klar, wenn die KI-Systeme als effektive Hilfen genutzt werden, dann super! Aber sie sollten nicht alleine entscheiden, sondern Ärzte sollten die letzte Entscheidung fällen.

    Finde ich auch, bzw. werfe noch ein: der „informierte Patient“ möchte vielleicht auch noch ein Wörtchen mitreden – aber daran denkt in der ganzen Debatte um all das (siehe E-Patientenakte!) kaum jemand. Daher finde ich glatt Gefallen an der Idee, mehr Geld in Patientenvertretungen fließen zu lassen, die dann überall mitreden dürfen. Von denen man dann vielleicht auch endlich mal was hören würde in den öffentlichen Debatten.

    Und nochmal zum Ökonomischen: Wenn es hier so weiter geht mit der grundsätzlich eher ablehnenden Haltung gegen alles und jedes, dann wird der darauf folgende wirtschaftliche Niedergang sogar mich noch treffen! Indem nämlich dann die Grundsicherung (die ich irgendwann beanspruchen werde müssen, wenn ich nicht mehr arbeiten kann) noch zusammen gestrichen wird, weil man sich soviel Sozialstaat auch leisten können muss!

  8. @Gerhard:
    Danke für den Link zu der sehr interessanten WDR5-Sendereihe. Der Inhalt passt ja perfekt zu diesem Beitrag von Claudia und dem bisher Gesagten!
    Ich habe eine WDR5-Webseite gefunden, wo man auch zu jedem Serienteil den dazugehörigen Volltext im PDF-Format downloaden kann (für alle, die lieber einen Inhalt lesen bzw. überfliegen oder daraus zitieren wollen).

    Alle folgende (speziell formatierten) Zitate beziehen sich auf diese PDF-Dateien.

    Im Sommer 2015 hat Google „Alphabet“ gegründet, den Mutterkonzern für riesige Datenmengen. Unter seinem Dach existieren verschiedene selbstständige Unternehmen, eines davon widmet sich allein der Medizinforschung. Sein Name: „Verily“, der englische Name für „wahrhaftig“. Verily soll das Ziel umsetzen, das Google schon im Jahr 2013 verkündet hat: eine Revolution der Medizin innerhalb des nächsten Jahrzehnts.

    Verily beschäftigt inzwischen fast 1000 Wissenschaftler. Die Stars großer Universitäten und Forschungsinstitute gehen gern dorthin oder zu den medizinischen Instituten anderer Datenriesen. Denn dort haben sie Zugang zu unermesslich vielen Daten, zu den besten KI-Systemen und Geld spielt keine Rolle.


    „Verily Life Sciences generierte im Januar 2019 1 Mrd. $ an Finanzierung“
    (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Verily)

    „Mit einem Umsatz von 137 Milliarden US-Dollar, bei einem Gewinn von 30,7 Mrd. USD und einem Marktwert von 863,2 Mrd. USD,[4] steht Alphabet Inc. laut den Forbes Global 2000 auf Platz 17 der weltgrößten Unternehmen (Stand: 4. November 2019[5]).“
    (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Alphabet_Inc.)

    Googles Verily hat seit April 2017 in Zusammenarbeit mit einigen Universitäten begonnen, zehntausend Menschen kontinuierlich zu vermessen. Sammelt genetische, molekulare und psychologische Daten von Personen, um herauszufinden, was den perfekten gesunden Menschen ausmacht.

    Hmm, der „perfekte gesunde Mensch“?? Wer bei diesen Zielen eines privatwirtschaftlichen Unternehmens kein mulmiges Gefühl bekommt, ist entweder ein naiver Technikgläubiger oder großer Aktionär bei Alphabet Inc.

    Der Gesundheitssektor ist natürlich ein Riesenwirtschaftsfaktor. Man will Geld damit verdienen und ein anderes Wort für Geld verdienen heißt Kapitalismus. Also mit was wird Geld verdient? Mit Daten, mit den Rohdaten oder mit daraus abgeleiteten neuer Information oder mit der Überwachung. Es gibt also hier verschiedene Begriffe für diese neue Form des Kapitalismus: Datenkapitalismus, Informationskapitalismus oder Überwachungskapitalismus.

    Das ist einer der Gründe, warum ich eher skeptisch bei diesen derzeitigen Hype-Themen „KI“ und „Big data“ bin. Es geht dabei um viel zu viel Geld und ich werde misstrauisch, wenn Konzerne von „Revolution der Medizin“ oder „Bekämpfung von Krankheiten“ oder „Vorsorge des perfekten gesunden Menschen“ reden.

    @Claudia:
    Du hast vom „informierten Patienten“ gesprochen – da bin ich prinzipiell bei dir. Einen informierten aufgeklärten Menschen braucht es grundsätzlich in möglichst jedem Bereich, aber gerade in der Medizin ist das sehr schwer zu verwirklichen. Ein Arzt braucht nicht umsonst sehr viele Jahre an (theoretischer und praktischer) Ausbildung, um auf Patienten losgelassen werden zu können. Ein gewisses Grundvertrauen in die Kompetenz und Erfahrung eines Arztes ist da schon notwendig und nicht mit ein paar Klicks in einer kostenlosen (KI-)Datenbank zu ersetzen. Solche Datenbanken (sollte es sie je geben) wären für Ärzte eine sinnvolle Unterstützung und Hilfe, aber entscheiden sollte der Arzt, wie du auch geschrieben hast.

  9. @Claudia: Der angebliche Lapsus war in Folge 3 und nicht in Folge 2.
    Im zugehörigen PDF kannst Du nachlesen, was wirklich gesagt wurde.
    Zudem folgt da:

    Allerdings sind Gegenbeispiele auch nur Beispiele und es ist nicht zu leugnen, dass auch erfolgreiche Projekte von Datenverarbeitung Künstlicher Intelligenzen existieren.

    Und dann von Dir:

    Wenn es hier so weiter geht mit der grundsätzlich eher ablehnenden Haltung gegen alles und jedes,

    Ich wüsste nicht, daß ich eine solche Haltung hege.
    Ich erwähnte diese Sendung, weil ich sie vor einem knappen Jahr verfolgte und sie zum Thema passt. Also mein Beitrag zur Debatte, die Du angestossen hattest. Nichts weiter.

    @Günther:
    Du schreibst:

    Das ist einer der Gründe, warum ich eher skeptisch bei diesen derzeitigen Hype-Themen „KI“ und „Big data“ bin. Es geht dabei um viel zu viel Geld und ich werde misstrauisch, wenn Konzerne von „Revolution der Medizin“ oder „Bekämpfung von Krankheiten“ oder „Vorsorge des perfekten gesunden Menschen“ reden.

    Dieser Einschätzung stimme ich zu. Es geht um Geld und ob diese Möglichkeit des Geldgenerierens wirklich ein deutliches und klares Plus für Patienten schafft, quasi aus sich heraus, ist im einzelnen wohl noch ungeklärt.
    Aufhalten lässt sich das Ganze sowieso nicht. Man wird sehen, was es bringt.

    Der mündige Patient:
    Schön wärs. Ich bin sicher nicht jemand, der zum Arzt geht und es im Prinzip fast so gut weiß wie er. Ob es andere sind?
    Man überlässt sich weitestgehend dem Arzt und vertraut seiner Erfahrung und seinen Informationen. Ich möchte mich da nicht in Konkurrenz sehen und Zeit und Energie reinstecken, um ihm allzeit und in jedem Fall auf Schulterhöhe zu begegnen. Da wären wir echt überfordert. Denn es gibt zig, zig Felder des Alltagslebens und „des großen Geschehens weltweit“, wo wir gerne auch Experten sein wollten. Am Schluß bräuchten wir einen 300 h Tag und wären trotzdem der Sache nicht gewachsen.

  10. @Günther:
    nochmal zu Google: der Anfangsauftritt war m.E. schon genial. Auf das Ranking per Verlinkung muss man erst mal kommen, die immense Arbeit nicht scheuen, den Algo programmieren können – in einem Umfeld, in dem einfache Listing-Portale absolut „state of the art“ waren. (Hier mal die Google-Entwicklung seit Start). Google als Firma wurde erst 1998 gegründet, als die ersten Investoren kamen und die beiden mit Geld bewarfen. Es war ein studentisches Projekt (Stanford) und bekam dann auch recht zügig Geld von draußen.

    Ich weiß nicht, was unsere Unis damals so entwickelten, etwas Vergleichbaren war jedenfalls nicht dabei. Und selbst wenn: es hätte keine Leute gegeben, die das dann weiter finanzieren, auf die Gefahr hin, dass es vielleicht nicht klappt.

    Ich war ja seit 1995 im Web, baute 96 die erste Seite – und erlebte mit, wie desinteressiert die Allermeisten an diesem „exotischen Zeugs Internet“ so waren. Wer „drin“ war und mitwirkte, war begeistert – ansonsten herrschte die übliche kennene-wir-nicht/brauchen-wir-nicht-Haltung. Es hat sogar Jahre gedauert, bis endlich Informatiker/Softwarementwickler Anwendungen fürs Web bauten – das HTML und dann PHP/Javascript war ihnen zu schlicht, zu popelig. Klar, dass es heute noch hierzulande nur sehr wenige Theme-Entwickler für WordPress gibt – nur so als Beispiel.

    Mein damaliger Arbeitgeber hat sich nicht für meinen Vorschlag interessiert, die verschiedenen Büros mit Email zu vernetzen. Ich sah keine Möglichkeit, da perspektivisch „was mit Internet“ zu machen und stieg bei der nächsten Kürzung aus.

    Zum Google Wachstum: Man kann einem erfolgeichen Unternehmen kaum vorwerfen, dass es Chancen zu wachsen wahrnimmt, Wachstum ist dem System inhärent. Hierzulande waren Querfinanzierungen übrigens lange hoch angesehen: Mit A richtig Geld verdienen, um B überhaupt ins Werk setzen zu können – es gab sogar massive Beschwerden, als sich im Neoliberalismus die Kultur dahin änderte, dass alles und jedes sein eigenes Profit-Center sein muss, das sich rechnet.

    Aber ja, ich sehe das Problem, dass es Google-Konkurrenten nicht leicht haben. Beim kostenlosen WordPress (das CMS, auf dem auch meine Blogs laufen) regt sich seltsamerweise kaum jemand auf, obwohl der Marktanteil gigantisch ist.
    Es ist auch m.E. nicht wünschbar, dass eine zweite Infrastruktur wie die von Google aufgebaut wird! Das wäre energietechnischer Wahnsinn – und: wer braucht denn sowas? Es gibt ja die Suchmaschinen-Alternativen, die Google sogar sponsert, indem sie das Verarbeiten der Suchergebnisse zulassen.

    Wenn Google so nicht erwünscht ist, muss man es regulatorisch entflechten. Wenn man dabei aber die Grundfinanzierung durch Adwords/Adsense per Suchmaschine verunmöglicht, könnten all die sonstigen Dienste nicht mehr kostenlos zur Verfügung stehen. Ich weiß jetzt nicht, wie vielen Weltbewohnern das gefallen würde – inkl. Unternehmen und sogar Behörden.

    Es ist nicht optimal, wie es ist – aber die Alternativen erscheinen noch schlechter…

    @Gerhard: ich hab nicht DICH gemeint, sondern erst diesen Sprecher und dann die Gesellschaft im Allgemeinen bzw. mehrheitlich.

    Zum Gesundheitsthema:

    „ich werde misstrauisch, wenn Konzerne von „Revolution der Medizin“ oder „Bekämpfung von Krankheiten“ oder „Vorsorge des perfekten gesunden Menschen“ reden.“

    Wenn es staatliche Institutionen täten, fände man das doch weit schlimmer, oder? Private haben immerhin den Vorteil, dass sie Käufer, Anwender, Abnehmer benötigen – und dass sie ihre Produkte in den Himmel loben und ihre „Unternehmesziele“ in den schönsten Farben malen, wundert nun auch nicht. (Übrigens auch hier: im WDR-Special wurde berichtet, dass Google etwas einstampft, wenn es nicht funktioniert – wie diese gefloppte Vorhersage zur Ausbreitung von Epidemien.)
    Die Produkte müssen sich doch in der Praxis bewähren. Tun sie das nicht, verschwinden sie wieder, trotz aller Beweihräucherungen.
    Was mich nach dem Info-Schub dank der Sendung nun noch extra ärgert: dass ich noch ein Schweinegeld für die Datenerhebung und den Abgleich mit BigData rund um den Status meines Sehnervs zahlen soll. Der Arzt scheint gar nicht auf die Idee zu kommen, das Thema Datenweitergabe irgendwie auch nur anzusprechen!

    Soweit für jetzt, bin ein bisschen im Arbeitsstress und das Thema ist ja riesig!
    Freue mich übrigens, dass es auch mal etwas kontrovers zugeht, das find ich inspirierend und es regt an, sich vertieft mit der Materie zu befassen!

  11. @Claudia:
    ich beziehe mich auf
    I

    ch war ja seit 1995 im Web, baute 96 die erste Seite – und erlebte mit, wie desinteressiert die Allermeisten an diesem „exotischen Zeugs Internet“ so waren. Wer „drin“ war und mitwirkte, war begeistert – ansonsten herrschte die übliche kennene-wir-nicht/brauchen-wir-nicht-Haltung.

    Wieso war man begeistert? Weil es etwas Neues war? Weil man glaubte, daß es Kommunikation an sich revolutionieren könnte?!
    Dieses „begeistert“ steht erstmal für sich. Was war es?

    Das Gespräch aller mit allen, dass Du reflexhaft oft zitiert/verwendet hast, steht wie ein Dom nutzlos auf weiter Prärie. Keiner tritt da ein, jeder bringt sich aber ein, jeder hat andere Motive. Im Grunde der Turmbau zu Babel. Tausend Sprachen.

    Bei Dir ist überschaubar, wer mitdiskutiert. Hier sind keine, die über Picasso und Schwebfliegen, aber vielleicht übers Abnehmen, zum 73ten Mal, übers alternative Dampfen oder Fliegen ohne schlechtes Gewissen diskutieren.
    Jedenfalls überschaubar und absehbar.
    Stehe ich mit meinem Nachbarn am Zaun, diskutieren wir auch diese Dinge, offline leider zwar, also nicht wortabgewogen. Aber was ist schon abgewogen und eindeutig?
    Es wird eine Erhebung geben, daß man online mehr aneinander vorbeiredet als offline. Und offline redet man i.d.R. schon VIEL aneinander vorbei. Das wissen wir aus dem Alltag. Es ist auch dort schon oft megafrustrierend.
    Was also tun?

  12. @Gerhard:

    Aufhalten lässt sich das Ganze sowieso nicht.[…]
    Denn es gibt zig, zig Felder des Alltagslebens und „des großen Geschehens weltweit“, wo wir gerne auch Experten sein wollten. Am Schluß bräuchten wir einen 300 h Tag und wären trotzdem der Sache nicht gewachsen.

    Auch wenn ich glaube zu wissen, wie du es meinst und ich dir da zustimme, aber mit dieser eher resignativen Haltung dürfte man sich ja mit fast nichts beschäftigen, was interessant und spannend ist.
    Es gibt für fast alles Experten, die mehr wissen als man selbst – und doch ist es m.E. wichtig, dass man sich über vieles Gedanken macht, was in der Gesellschaft vor sich geht. Manchmal verändert sich dann doch etwas, wenn viele kritisch bzw. unzufrieden sind und die Zeit reif ist für eine Veränderung in einem bestimmten Bereich…

  13. @Claudia:

    Ich weiß nicht, was unsere Unis damals so entwickelten, etwas Vergleichbaren war jedenfalls nicht dabei. Und selbst wenn: es hätte keine Leute gegeben, die das dann weiter finanzieren, auf die Gefahr hin, dass es vielleicht nicht klappt.

    Ja, die Finanzierung mit Risikokapital ist außerhalb der USA oft das Problem. Ich glaube, dass es auch hierzulande (und in vielen anderen Ländern) genügend geniale und kreative Köpfe gibt, die innovative Ideen haben und umsetzen können (z.B. Linux). Nur bei der Finanzierung, Vermarktung und beim Wachstum scheitern dann sehr viele.
    Aus meinen Uni-Erfahrungen in den späten 1980er Jahren weiß ich, dass es genügend hochspannende Projekte in den Bereichen Multimedia und Internet gab. Auch in den frühen 1990er Jahren lagen die Ideen quasi „in der Luft“. Ich kann das einwenig beurteilen, weil ich zu der Zeit sehr intensiv in diesen Bereichen recherchierend, forschend, konzipierend und auch beruflich tätig war.

    Ich war ja seit 1995 im Web…

    Meinen ersten Apple Macintosh mit schon damals (!) grafischer Benutzeroberfläche (Microsoft Windows kam ja erst ein paar Jahre später) und Sound-Fähigkeiten kaufte ich mir im Jahr 1989. Mit Einwahlmodem war ich im Onlinedienst BTX und mit dem Internet (damals noch ohne WWW) verbunden und konnte von zuhause E-Mails versenden und das Usenet benutzen. Das Web benutzte ich dann – genauso begeistert und enthusiastisch wie du Claudia – ab 1994 … :-)
    Diese Anfangszeit des grafischen und interaktiven Internets war schon etwas Besonderes und jeder, der damals dabei war, spürte das wahrscheinlich ähnlich. Kaum zu glauben, dass das, was heute so selbstverständlich erscheint, erst knapp 30 Jahre her ist.

    Zum Google Wachstum: Man kann einem erfolgreichen Unternehmen kaum vorwerfen, dass es Chancen zu wachsen wahrnimmt, Wachstum ist dem System inhärent.

    Da hast du (leider) recht.

    Wenn Google so nicht erwünscht ist, muss man es regulatorisch entflechten.

    Was nur in den USA passieren kann – also eher nicht :-/

    Es ist nicht optimal, wie es ist – aber die Alternativen erscheinen noch schlechter…

    Die Alternative kann nur sein, dass der einzelne Anwender sich bewusst für oder eben gegen Google (… Facebook, Amazon & Co….) entscheidet. Auch Anwender bzw. Konsumenten haben (eine nicht zu unterschätzende) Macht – hoffe ich zumindest…

  14. Günther, meine Haltung ist nicht resignativ, sondern eher realistisch. Klar kann man sich über alles unterhalten, soll man auch, aber sich gewiss sein, das man nur immer Teilaspekte auf dem Schirm hat.

  15. @Gerhard:
    Einverstanden. Eine realistische Haltung ist es m.E. auch, wenn sich jeder bei gesellschaftlichen Diskussionen irgendwie einbringt, natürlich nur soweit er kann und will. Das können offline- oder online-Gespräche sein, je nach Gelegenheit, Zeit und Lust. Aus diesen Gesprächen und Diskussionen entwickelt und schärft sich die eigene Position/Ansicht/Meinung am besten. Wer kein interaktives Korrektiv hat, tut sich m.E. schwerer, möglichst viele verschiedene Aspekte zu einem Thema zu berücksichtigen und abzuwägen.

    In der WDR5-Sendereihe, die du verlinkt hast, heißt es:

    Was soll erlaubt sein und was nicht? Eine gesellschaftliche Diskussion darüber ist nötig und die Entscheidung eilt. Denn Big Data im Gesundheitssystem wird nicht erst kommen, sondern ist bereits da.

    Und wenn das stimmt, dann müsste jeder Bürger (mit-)entscheiden können, was erlaubt sein soll und was nicht bzw. inwieweit er da überhaupt mitmacht oder nicht.

    PS (Offtopic): Dieses wichtige und problematische Thema KI & Big Data (im Gesundheitsbereich) erinnert mich sehr an die mögliche bzw. seitens der Banken und Wirtschaft gewünschte Abschaffung des Bargeldes. Auch da gibt es in der Bevölkerung m.E. naive Befürworter, Gleichgültige und kritische Gegner (wie zB mich), die eine Gefahr von Grundrechten (Freiheit, Privatsphäre) am Horizont kommen sehen.

  16. @Günther:

    Wer kein interaktives Korrektiv hat, tut sich m.E. schwerer, möglichst viele verschiedene Aspekte zu einem Thema zu berücksichtigen und abzuwägen.

    Leben ist komplex.
    Wissenschaft ist auch komplex, da versucht man seit langem, die Ergebnisse zu kommunizieren. Was wohl ein stetes Ringen um die beste Methode ist.
    Gesellschaftliche Phänomene, Politik, Geschichte: Da kann man auch nur reinriechen. Die wirklichen Wirkfaktoren, kann man die kennen? Ich rede nicht von Verschwörung, sondern von einer Innensicht, an die man nicht rankommen kann.
    Es gibt Leute, die sich viel mehr mit Politik und Geschichte befassen. Die sicher einen deutlichen Vorsprung vor mir haben. Aber so ist es nun mal.
    Meine Kapazitäten sind begrenzt, ich befasse mich mit einigen wenigen Dingen intensiver, das andere ist fast wie ein Nebel, durch den einige Lichter reichen, mal schwächer, mal stärker. So wie im Weltall, wo ein Stern nah erscheint und denoch viele 1000 Lichtjahre weg ist.

    Und noch etwas: Nicht umsonst gibt es immer wieder neue Bücher über geschichtliche Ereignisse der letzten Jahrhunderte, eben weil man Themen nie als abgeschlossen bezeichnen kann.

  17. wow, viel Text – und ich immer noch verschüttet vom Arbeitsberg! :-)

    @gerhard:

    „Wieso war man begeistert? Weil es etwas Neues war? Weil man glaubte, daß es Kommunikation an sich revolutionieren könnte?!“

    „Weil es etwas Neues war“ kann man immer sagen, so abstrakt ist diese Beschreibung. Aber nur, wenn es neu und toll ist, ist man auch begeistert! Und ja, das waren wir, die vergleichsweise kleine „Netzgemeinde“ von Mitte der 90ger. Jede Webseite sah anders aus, optisch und technisch – es war abenteuerlich und ästhetisch gab es viele viele Highlights.

    Die Kommunikation fand allerdings noch per Email statt, war also deutlich langsamer, sorgfältiger, intensiver – Beiträge und Antworten mussten „händisch“ auf die Webseite gesetzt werden. Sogar „Foren“ brauchten ihre Zeit, bis sie im Grunde jeder aufsetzen konnte. (Bis dahin musste man selbst basteln – siehe hier beispielhaft eine kritischen Diskussion des „Cyberspace“ aus dieser Zeit.)

    Eine Alternative waren die „Mailinglisten“, in denen Gruppen diskutierten – allerdings waren auch sie viel kleiner, die Mehrheit der Leute kannte einander von den Webseiten her, die fast jede/r Mitwirkende führte (hier Beschreibungen der „Stars“ von damals – heute würde man „Influencer“ sagen). Die „Liste Webkultur“ mit ihrer familiären Atmosphäre hatte in der Spitze nicht mal 150 Mitglieder.

    Und ja, es war begeisternd, „potenziell“ mit jedem Netz-Teilnehmer in Kontakt treten zu können. Ich „traf“ Leute, die ich in meinem Offline-Leben nie und nimmer getroffen hätte! Künstler, Philosophen, Professoren der Geisteswissenschaften, kreative Projekte-Macher, politisch Aktive – es entstand so auch manche lange Freundschaft.

    Die Erfahrungen waren in der Regel positiv, denn alle waren nett zueinander, zumindest die „Homepage-Szene“. (In der älteren und anonymeren Welt der Usenet-Gruppen tobte immerhin schon öfter der „Flamewar“ – nicht meine Welt, das Web war es ja, das alles änderte.) Wer auffällig provozierte, bekam allerdings schon damals auch „Hass-Mails“, wie etwa die „Emanzen-Seite“, die im Stars-Artikel u.a. beschrieben wird. Wichtig auch: Es waren noch kaum kommerziell Interessierte im Web, nix mit Shopping, Werbung, Tracking, etc.

    Soweit der kurze Rückblick zum Thema „was war toll am drin sein?“ – später mehr.

  18. @Claudia: Ich merke immer mehr, wie sich hier häufig zu lesende Sätze durch mehr an Material dazu anders darstellen. Schlagwortartige Sätze bekommen so ein deutlicheres Gesicht. Danke daher die Erläuterung zu „Großes Gespräch aller mit allen“.

  19. @Günther: ein Nachtrag zur Urzeit: im BTX war ich ab 1994 auch! (Es gab da irgendwann auch eine Möglichkeit, IRC-Chat zu schauen…) Wollte sogar „Seiten erstellen“ und hab mir die dafür nötigen Anträge und Materialien senden lassen. Das war ein 8cm dicker Ordner – mal durchgesehen und den Gedanken aufgegeben! Typisch deutsch/konzernmäßig/umständlich/teuer halt…
    Später dann im Web mal kurz in Selfhtml geschaut und die erste Seite gebaut… in 3 Stunden war sie fertig, ohne Vorkenntnisse.

  20. @Gerhard:

    Leben ist komplex.[…]
    Meine Kapazitäten sind begrenzt, ich befasse mich mit einigen wenigen Dingen intensiver, das andere ist fast wie ein Nebel, durch den einige Lichter reichen, mal schwächer, mal stärker.

    So geht es doch allen! Es will aber m.E. nicht jeder wahrhaben.
    Vor allem Politiker(innen) müssen leider so tun, als hätten sie den großen Durchblick und alles im Griff, weil sie sonst angeblich die Bevölkerung verunsichern und nicht gewählt werden würden.
    Ich wünsche mir Politiker(innen), die bescheiden, aber doch klug und ehrlich von sich sagen, dass sie sehr wenig wissen können, sich aber redlich darum bemühen, unter Einbeziehung unterschiedlicher Expertenmeinungen bestmögliche Entscheidungen für die Bevölkerung treffen zu können und dass ihnen bewusst ist, dass sie fehlbar seien und sich irren können.
    Warum gibt es solche Politiker(innen) nicht?

  21. Claudia
    @Günther: ein Nachtrag zur Urzeit: im BTX war ich ab 1994 auch! (Es gab da irgendwann auch eine Möglichkeit, IRC-Chat zu schauen…) Wollte sogar „Seiten erstellen“ und hab mir die dafür nötigen Anträge und Materialien senden lassen.

    hallo da draussen, hallo Welt.
    BTX war auch so meine Einstiegszeit, ursprünglich der gesparte Weg offline zur
    Bank.

    was geht denn da noch“ bei BTX?
    teletext zum Fernsehen!
    FOREN!!!
    mitschreibdinger, bei denen man zuhause so ähnlich wie beim Telefonieren nur eben schriftlich über gott und die Welt „reden“ konnte.
    Schach online spielen, (kein Blitz eher Fernschach:))

    USENET. boah.
    eine minute online kostete 6 Pfennig, klingt wenig ist auf dauer aber ruinoes.

    Die phänomenale Geschwindigkeit mit 14.400 (?)modem war so gewaltig, dass man in den „Foren“ beim Schreiben die Einzelnen Buchstaben
    zeitversetzt ins Formular einfliegen sehen konnte
    also man konnte förmlich mit buchstaben einen Zeichentrickfilm basteln UND noch eine Message senden:).

    Die eigentlichen bewegten Bilder entstanden dann im Kopf des
    Betrachters, für richtige Bilder wäre die Datenratte schlicht hoffnungslos überfordert gewesen, eine „email mit Bildanhang“ konnte schon mal ne halbe Stunde Downloadzeit (=30×6= 1,80 DM) oder länger dauern; darum waren Anhänge verpönt und galten (unangekündigt) als grobe Unhöflichkeit.

    heute kann sich das kaum noch einer vorstellen, auch die damalige „Begeisterung“ war vermutlich anders gelagert als eine heutige Anteilnahme
    am „weltweiten Gespräch“ früher auch „W elt W eites W arten“ gescholten;
    , die Begeisterung, die Sucht nach dem Gefiepe der Transmitter zum
    „reinkommen“ tiefer sitzend als heute in unseren schnellvergessenden
    KurzzeitVergnuegungen.

    damals verstand nahezu jeder „onliner“ was mit Paranoia gemeint war, („SIE sind hinter dir her„)
    kaum einer entging dem Verdacht anrüchige Dinge zu „hacken“
    Wau Holland ein sehr heller Kopf im Sternstaub der Bits und Bites;

    es war, genau betrachtet, irgendwie familieaerer aber auch
    differenzierterer Umgang mit neuer Technik (neuen Möglichkeiten <– jeder kann Sender sein et all und die 5 minuten von Warhole.

    heute flitzen Gigatonnen von Terrabites ungebremst quer über den Globus,
    man ärgert sich ja schon wenn mal ein Video auf U-Tube "hängt oder ruckelt.

    was schreib ich..
    ja, die Begeisterung war vorhanden, sonst hätte sich niemand die
    unvermeidlichen Probleme freiwillig in seiner Freizeit angetan.
    :)

    gruss vonner rems
    ingo

  22. Kann also gut sein, dass wir uns im BTX schon begegnet sind, z.B. auf Eden oder Atlantis… :-)

  23. jop.
    dann kennst du auch noch melody
    und ihre zwilligsschwester?
    :)
    ja, eden sagt mir noch was atlantis
    eher weniger dafür mehr „wildzeitung,
    „schreiben“, Gedichte“, und das grosse „treffpunkt“
    mit uz als mod? (ulli zeller? der moderator..
    oder der unvergleichliche
    jakobinian? :)

    dort lernte ich was paranoia ist:)
    foxy war auch n guter,
    und der ton war au aber herzlich:))

    oops ,
    gerate ins schwafeln,
    gruss vonner rems
    innichtmehrtomderwalgo

  24. Danke für den faszinierenden Artikel.
    Könnten Sie Ihre Meinung über die jüngsten Proteste und den Kohleausstieg äußern?
    Ich habe darüber hier gelesen.
    Es interessiert mich sehr, wohin das führt.
    Ich danke Ihnen im Voraus
    LG

  25. https://www.youtube.com/watch?v=gAGwEONk81Q

    man (In) kann zu herrn bömi stehen wie man (In) will,
    manchmal gibt es auch sternstunden in denen nur noch satiremittel
    vor verhaftung schuetzen.

    wir haben lange schon lebenslängliches scoring, darueber ist
    leider hier im Artikel kommigespräch noch garnicht geredet worden.

    im verlinkten video ist im kapitel „SCHUFAK“ einiges
    interessantes erwähnt von einem der weiss wie weit man
    nicht gehen sollte.

    :)

    grussvonnerrems
    invertraueniemalskonzernengo

  26. @Ingo: werd ich mir ansehen! Von der Schufa hab ich mir letztes Jahr die gespeicherten Daten über mich senden lassen. War so mittelinteressant… hatte aber auch in allem, was rund um Schufa interessiert, ein eher langweiliges Leben.