Claudia am 18. Januar 2020 — 8 Kommentare

Online-Einkauf: Vom Elend zu großer Verpackungen

Da ich es nun schon getwittert hab, kann ich’s ja auch hier mal berichten: Die Art, wie Online-Händler ihre Waren verpacken schreit oft zum Himmel! Schreit „Verschwendung!!! Mutwillige Zerstörung! Null Wertschätzung, volle Ignoranz!!!“

Der Anlass meines Berichts ist ein Artikel auf Golem.de: „Amazon: Zu große Verpackungen im Onlinehandel bringen mehr Gewinn„, in dem es heißt:

„Der Grund für überdimensionierte Kartons im Onlinehandel ist das Gewinnstreben. Wenn der Verpacker zu lange Zeit habe, sich zu überlegen, welche Größe er nehme, sei das teurer als die größte Schachtel, sagt ein Kartonagenhersteller.“

Dass Golem schon im Titel AMAZON benennt, ist unberechtigt und allein der Tatsache geschuldet, dass hierzulande schrecklich gerne AMAZON zum bösen Buben erklärt wird, während kaum Kritik an anderen Versendern geübt wird. Dabei hat Amazon immerhin 30 verschiedene Kartongrößen im Angebot, während z.B. Conrad Electronics nur sechs Größen verwendet!

Auf mich macht das Jammern des einheimischen Online-Handels immerhin Eindruck. Also bemühe ich mich ab und an, andere Händler zu „fördern“, indem ich bei ihnen und NICHT bei Amazon bestelle, obwohl ich da Prime-Mitglied bin.

Aber was soll ich sagen? Häufig ist der Einkauf bei diesen „Alternativen“ deutlich frustreicher als der bei Amazon. Und in Sachen Verpackung passieren Dinge, die glaubt man kaum!

Zweimal dasselbe Versagen!

Das hier ist zum Beispiel ein Paket von der Böttcher AG:

In der Vorweihnachtszeit war ich auf die Idee gekommen, mir einen Handmixer zuzulegen, um mir die Welt des Backens zu erschließen. Nach Studium vieler Kommentare entschied ich mich für ein BOSCH-Modell, das einen ganz guten Ruf hatte. Zudem hat BOSCH Hausgeräte schon Preise für guten Kundenservice bekommen, was mich ebenfalls für diese Marke eingenommen hat.

Aber leider: Das Teil kam in einem viel zu großen Paket, noch dazu ohne das ansonsten übliche Dämmmaterial! Der Mixer schleudert so während des Versands ständig hin und her und stößt an die Paketwände – kein Wunder, dass er sich gar nicht erst einschalten ließ! Nur wenn man das Teil umdrehte (Rührbesen nach oben) ruckelte es kurz. Ich spürte, dass sich innerhalb der Verschalung etwas Großes gelockert hatte und nun hin und her schleuderte.

Per Email hab ich das der Böttcher AG berichtet und das Paket zurück gesendet. In meiner Mail kam ich ausdrücklich auf die Paketgröße und die fehlende Dämmung zu sprechen – aber hey, das interessiert doch einen Versender nicht! Auch die zweite Lieferung kam im gleichen zu großen Paket, wieder ohne Dämmung – und auch wieder kaputt!

Dieses Mal waren die Schneebesen irgendwie verbogen bzw. fanden nicht richtig in die Führung: sie eierten und waren viel zu locker. Ich sendete den Mixer erneut zurück. Dieses Mal forderte ich mein Geld zurück und verweigerte den angebotenen „erneuten Austausch“. Ich musste explizit auf meine Rechte hinweisen, bevor ich den Kaufpreis zurück erstattet bekam.

Mit diesem Verlauf war natürlich auch mein Vertrauen in die BOSCH-Haushaltsgeräte geschwunden, denn letztlich bleibt unklar, welchen Anteil die viermal so große Verpackung und die fehlende Dämmung an den Defekten hatte. Wäre ich Bosch, würde ich Testkäufe machen und Händler nicht mehr beliefern, die die Waren nicht ordentlich versenden!

Mittlerweile ist Weihnachten vorbei, die Idee, öfter mal was zu backen, hab‘ ich aufgegeben. Pfannkuchenteig und Soßen rühre ich mit dem mechanischen Schneebesen – ist auch besser so! Spart Strom, spart Ressourcen und ist schier unkaputtbar!

Transportschäden sind keine Einzelfälle

Hat man bei kleinen Dingen noch gute Chancen, die Dinge auch unbeschädigt zu bekommen, sieht es bei Möbeln anders aus! Als ich mir im Sommer einen Tisch aus massivem Kiefernholz senden ließ, kam die Erstsendung „wegen Totalschadens“ gar nicht erst an. Der zweite Sendeversuch bescherte mir ein Paket mit einem kleinen Loch, das ich zunächst nicht bemerkte. Der Lieferant war auch viel zu sehr in Eile und gleich wieder weg. Es war unmöglich, in seiner Anwesenheit die aufwändig verklebte Kartonverpackung zu entfernen und den Tisch auf Schäden zu prüfen.

Als ich dazu schließlich kam, stellte ich ein Schlagloch / eine frische Delle auf der Tischplatte fest und dazu noch einen Kratzer – zwei deutliche Transportschäden. Das Holz ist wohl einfach zu weich für die rüde Behandlung, die die Speditionen den Waren angedeihen lassen.

Neu verpacken und versenden erschien unmöglich! Ich habe kein Auto und die Verpackung war sowieso nicht wiederverwendbar. Also sendete ich Fotos der Schäden und bot an, gegen einen Preisnachlass den Tisch zu behalten, was dann auch akzeptiert wurde. Eine Tischdecke verdeckt die kleinen Macken, naja, nicht toll, aber nachhaltiger als die Rücksendung.

Einen solchen Tisch zu diesem Preis hätte ich hier „offline“ übrigens nirgendwo gefunden – und sowieso nicht transportieren können.

Diskussion

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8 Kommentare zu „Online-Einkauf: Vom Elend zu großer Verpackungen“.

  1. hallo grosse:)
    ja, in der tat, wir befinden uns in einer art „dauerhaft“
    mit lebenslänglich verurteilt.

    ich kann nicht gut kochen und backen, aber pfannkuchen
    krieg ich gebacken. den Teig dazu rühr ich mit einem Mixer,
    (Vorwerk) an. Diesen Mixer hat sich meine mittlerweile
    84 winter GEZählthabende Mitbewohnerin im frischverheirateten Alter
    von blütenzarten 24 Wintern direkt beim Handelsvertreter
    ohne Verpackung zuhause nach eingehender Beratung
    und Einweisung durch selbigen erstanden und mit bargeld
    (damals noch D-Mark und Deutsche Pfennige) direkt ohne
    paypal und sonstige Ueberwachungsstaatliche Einrichtungen
    bezahlt.

    Also seit ca. 60 Wintern funktioniert dieses kleine Wunderrührwerk
    tadellos und die mit Isolierband geflicke Zuleitungsschnur
    war anfangs vermutlich nicht transportbeschädigt sondern ist
    im rührenden verlauf irgendwann mal durch unsachgemässe
    Nutzereinwirkung beeinträchtigt worden.

    wenn ichs mir so genau überlege, sind die selbstbeweglichen
    Zewibeiner antropogener Bauart auf diesem Planeten
    tatsächlich dauerhaft also selber und ständig geradezu verpflichtet
    den regeln gemäss mit den Ihnen anvertrauten Dingen umzugehen.
    „den Regeln gemäss“ ist allerdings ein weites Feld mit welchem sich
    meine Wenigkeit nur mit sehr spitzen Fingern zu nähern mag.

    ich habe gelernt, dass Regelübertretungen (bewusst oder unbewusst, freiwillig oder unter Zwang(sneurosenleidend) alternativlos das mindestens doppelte an Kosten verursachen wie sie kurzfristig einbringen.

    eine regel im 21.Jahrhundert könnte lauten:
    kauf nicht verpackte gegenstände und/oder lieferungen und leistungen
    die man erst nach dem Auspacken als unpassend bezeichnen muss
    …?

    wie auch immer:
    ein Mixer ist n tolles instrument, die eier mehl und milch zucker, apfelstücke und dererlei werden so tadellos in gleichmässige Konsistenz
    gebracht dass man im sitzen ins heulen ausbrechen könnte.

    kurzgruss vonner rems
    inundandischeuersolltetatsächlichzurücktretengo

  2. Warum nur kaufst du einen Handmixer im Netz statt im Laden? Die gibt es ja wirklich überall… Und einen Tisch bekam ich auch frei Haus geliefert, im Fachhandel ausgesucht und wurde 2 Tage später gebracht. Dessen Verpackung nahmen die Männer wieder mit!
    Warum online kaufen, wenn es offline geht?

  3. @Ingo: ja, die alten Geräte haben noch ewig gehalten! Dass sie aber schon kaputt ankommen, ist nochmal was Neues! Schöne Erzählung übrigens!

    @Roswitha: ja, hab ich mir gedacht, dass mich jemand gleich aufs Offline-Kaufen verweist! Einen solchen Tisch, der in der Qualität in etwa dem entspricht, den er ersetzen sollte (IKEA 70ger, abgerundete Ränder, Vollholz) war nicht leicht zu finden. Der „Fachhandel“ vor Ort – das sind auch große Möbelhäuser, deren Lieferung oft ein Vielfaches kostet (z.B. 35,-, 40,-) – ich hätte so einen Tisch zum erschwinglichen Preis hier nicht bekommen, wenn überhaupt!
    Beim Mixer hast du recht, da war ich einfach faul und hatte keine Lust auf eine Suche, die mich mit den Wegen einen halben Tag gekostet hätte.

  4. @Claudia, einen halben Tag unterwegs, um einen Mixer zu kaufen?
    Unlängst erledigte ich zu Fuß 4 Dinge in 1h 45 min. Hatte mein Auto auswärts geparkt und lief die 800 – 1000 m bis zur 1. Station.
    Zwei Dinge waren mir wichtig: Beim Hörgeräteakustiker und beim Fotohändler(wo ich offline eine Pocketkamera gekauft hatte) vorbeizukommen.
    Da ich keine Wartezeiten dabei hatte, konnte ich noch ein besonderes Biobrot kaufen und beim Buchhändler meines Vertrauens 2 Bücher bestellen, die ich demnächst zu Fuß abhole.
    Auf dem Weg zum Auto ein Gespräch (Nr. 5) mit Politikern, die gerade ein Fotoshooting auf der Brücke machten.
    Beim Auto pünktlich zurück…Parkgebühr 70 cent.

  5. Glückwunsch zum zügigen Einkauf! :-) Bei mir wächst sich das regelmäßig deutlich länger aus.
    Hinzu kommt: Geräte kaufe ich gerne nach ausgiebiger Recherche (Erfahrungen, Bewertungen….) – und wenn ich dann rumlaufe, finde ich garantiert nicht das, was ich mir ausgesucht hattte.
    Nun, die allerbeste Lösung hab ich ja jetzt: gar keinen Mixer! :-)

  6. In der Bewertung stand nichts von der Verpackung. Sollte aber!

    Den Fotoapparat kaufte meine Frau beim hiesigen Fotohändler. War danach 2 x zur Recherche bei ihm, hat prima geholfen, um die Features zu verstehen. Zumal sich auch eine Schutzfolie löste: Kostenfrei bekomme ich eine 2te.
    Online kaufe ich nur noch wenig. Was nutzt mir das Reklamieren? Da hast Du deutlich Zeit reingesteckt. Mehr als mit einem Gang zum örtlichen Händler.
    Und welchen ökologischen Ruf diese Versandspezialisten haben, ist ja m.E. bekannt.

  7. @Gerhard: jede/r machts halt, wie es am besten zum eigenen Alltag passt. Und in meinen passen Suchbewegungen offline halt nicht so gut, denn ich gehe morgens an den PC und habe regelmäßig gefühlte 1000 TóDos auf der Liste. Würde für Lieferung auch mehr zahlen (gebe IMMER Trinkgeld) und Innovationen mitmachen, wie etwa zentrale Belieferungen von Packstationen oder E-Mobile / Lastradbelieferung vorziehen. Aber darauf ganz verzichten eher nicht. Dafür komme ich ganz ohne Auto aus.

  8. Ich war am Donnerstag für 2h 10 Minuten unterwegs, 8 Sachen erledigt und die 9te Sache, nämlich das Laufband, konnte ich so streichen :-)

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