Claudia am 10. September 2013 — 8 Kommentare

Dass mal was Gutes in der Weltpolitik passiert…

..ist so selten geworden, dass es richtig verblüfft! Gibt es das, dass ein „Nebensatz“ des amerikanischen Außenministers auf einmal DIE LÖSUNG für die vertrackte Situation in Syrien bringt? Dass die Russen die Idee gleich als eigene übernehmen und eine halbe Stunde später der syrische Minister verlautbart: Aber ja, wir geben gerne mal eben unsere Chemiewaffen unter internationale Kontrolle…

Ich konnte erst fast nicht glauben, dass das wirklich passiert! Und noch immer kommt es mir seltsam vor, dass die rettende Idee zur Vermeidung eines mega-gefährlichen Militärschlags so spontan und beiläufig, jedenfalls unbeabsichtigt zur Welt gekommen sein soll.

Aber egal, ob spontan oder hinter den Kulissen verabredet: ich bin schwer erleichtert! Es sieht nun so aus als könnten alle ohne „Gesichtsverlust“ aus der Gefahrenzone zurück robben. Auch mein in letzter Zeit recht verdüsterter Blick auf die politische Klasse der USA hellt sich etwas auf angesichts der massiven Proteste, der weitreichenden Ablehnung eines Kriegseinsatzes in Syrien.

Gute Nachrichten geben fürs Bloggen nicht viel her. Das ist aber auch das einzige „Haar in der Suppe“, das mir gerade einfällt. :-)

Diskussion

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8 Kommentare zu „Dass mal was Gutes in der Weltpolitik passiert…“.

  1. Doch, doch, für mich geben gute Nachrichten was her!
    Danke!

  2. das ganze hat was vom 1984er- „thema“
    im krieg mit ozeanien, dann die änderung vom
    minilieb dass eurasier die bösen sind
    und winston lernt den grossen bruder
    ganz tief innen zu verstehen und zu lieben.
    wartet im jogginganzug auf der kneipenterasse
    buddelchen mit schnapsration vor sich
    auf den finalen kuss der weltumspannenden macht.

    das ganze ist ein schmierentheater, wobei
    dies womöglich noch ne beleidigung für die
    profis unter den schmierenkomödianten darstellt.

    wohlan, es ist denkbar dass diese massenvernichtungsmittel
    irgendwann mal zu ausgelutscht für kanonenbootpolitik
    sind und difizilere letzt-begündungen für un sanktionierten massenmord an banditenstaaten gefunden werden muessen.

    faszinierend, wie duenn die argumente werden
    wenn wiederholungen einfach nur noch hohl klingende
    phrasendrescherei erzeugt.

    es lebe der weltfrieden und der widerstand
    der unwilligen!

    gruss
    i.m.sz

  3. Ich weiß nicht, ob das gut ist, wenn ein Regime wie jenes, dem der Herr Assad vorsteht, demnächst mit stillschweigender Erlaubnis der Weltöffentlichkeit (soweit sie durch Herrn Obama und Herrn Putin sich vertreten sieht) gegen Teile seiner Bevölkerung militärische Gewalt anwenden kann. Denn das wird, wie es im Moment aussieht, das Resultat dieses theatralischen Getöses der Giganten sein: zwar kein direkter Angriff einer von den USA geführten Koalition der (Mut-)Willigen, aber auch kein entschiedener Druck auf die im Bürgerkrieg weiterhin mordenden Seiten, die Waffen schweigen zu lassen.

    So haben dann also zwei große Mimen der Bühne der Weltpolitik ihre Rollen bravourös gespielt. Der eine als der wutschnaubende Rabauke, der sein Gesicht nicht verliert, obwohl er sich fast ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt hat und dies noch als sein Verdienst verkaufen kann, und der andere als der treue Freund, der sich als Saubermann feiern lassen kann, weil er schlau seinem Verbündeten ein paar dreckige Murmeln aus der Hand nimmt, auf daß dieser mit den anderen Keiten lustig weiter spielt.

    Am schmutzigen Spiel aber hat sich gar nichts geändert. In Syrien ist Krieg, geführt vermutlich von Parteien, die keinem auf der Welt mehr richtig gefallen und geheuer sind. Leider hat das alte Wort ‚Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin‘ hier eine sehr schreckliche Bedeutung gewonnen, denn aus dem Krieg, den zu beenden es vorher doch einmal galt, war plötzlich eine die Welt in Atem haltende Krise der Weltmacht USA und ihres Präsidenten geworden, deren (vorläufiges) Ende zu bejubeln vermutlich sehr schön darüber hinweg trösten kann, daß der nunmehr so angenehm klein und unbedeutend gewordene Krieg weit hinter der Türkei – einfach weiter gehen wird…

  4. Hi Susanne,

    na klar, die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien werden nun nicht beendet – nur die Chemie-Waffen kommen weg, wenn alles klappt (was ja noch gar nicht in trockenen Tüchern ist).

    Aber was wäre die Alternative? Fändest du es wirklich sinnvoll und aussichtsreich, wenn „der Westen“ in Syrien einmaschieren würde, um das Assad-Regime abzusetzen? Nach all den Erfahrungen in Afghanistan und Irak? Und mit welcher Perspektive? Wenn die Diktatoren weg sind, geht der Kampf zwischen Sunniten und Schiiten, AlKaida und Moslembruderschaft sowie den „weltlichen“, angeblich Demokratie- und Moderne-Wünschenden weiter….

    Und ja: einen „angenehm klein und unbedeutend gewordenen Krieg weit hinter der Türkei“ finde ich weit weniger Angst-einflößend als ein Flächenbrand-riskierendes (Iran! Israel…) militärisches Eingreifen der USA in Kontroverse mit Russland, das dort auch eine Militärbasis hat.

  5. @Claudia

    Also, ein Flächenbrand ist dort unten ohnehin bereits im Gange, mindestens quer durch Nord-Afrika, über Ägypten, Israel und die Palästinensergebiete hin bis zum Irak und Syrien, und ihn empfinde ich als weitaus heftiger Angst- und Wut-einflößend als das Gehabe von Weltmächten wie Rußland oder der Vereinigten Staaten. Letzteres ist ein zum großen Teil kalkulierbares Spiel von Eliten, die sehr viel zu verlieren haben, weswegen sie das Spielfeld nicht mutwillig umkippen werden, während im Ersteren sehr viele Gruppen mitmischen, die erst noch solche Eliten werden wollen und denen, falls ihnen der Griff nach den Fleischtrögen nicht gelingt, womöglich alles egal ist (was chemische, bakteriologische wie nukleare Mittel einschließt).

    Und ja, es gäbe schon erheblich mehr Alternativen als die Option ‚Einmarschieren+Systemwechsel‘ oder den Erhalt des ’status quo‘. Eine Elite wie die, für welche der Herr Assad steht, hat immer Besitztümer, Unterstützer und Familien, wohnt in Häusern (die etwa von international anerkannten Stars der Architekturszene entworfen wurden), hockt auf ihrem immensen Landbesitz und reist mit Luxuslimousinen und diversen Fluggeräten durch die Gegend. Alles ebenso angreifbare Ziele wie jene, welche ihre Armeen und Polizisten laufend vernichten. Dazu kommen ihre enormen Gelder, die im internationalen Finanzsystem ‚geparkt‘ sind oder dort ‚arbeiten‘ und so dem Zugriff einer Regierung eines großen Staates wie der USA durchaus zugänglich sind (siehe das Einknicken der Schweizer Banken).

    Diesen ‚Besitzstand‘ ernsthaft und glaubwürdig zu bedrohen, zwänge jede Elite früher oder später in die Knie, die nicht für Gott|Allah|Jehova oder wie immer sie ihn nennen kämpft, sondern um die Mehrung und den Erhalt eben dieser Besitztümer.

    Seltsamerweise aber werden fast immer nur die Besitztümer sowie Leib und Leben der Untertanen bedroht und zerstört, also etwas, das deren Eliten ohnehin ziemlich am Arsch vorbei geht, solange es noch genug andere Untertanen gibt, von denen sie nehmen können, und im übrigen ihre gehorteten Schätze nicht angetastet werden.

    Als letzter Punkt: glaubst Du ernsthaft, daß in einem Land von der Größe Syriens internationale Kontrollen von Chemiewaffen effektiv durchgeführt werden können, falls das jeweilige Regime andere Interessen hegt? Daraus entsteht nur ein neuer Sandkasten, in dem medial wirksam lauthals um Förmchen und Schüppchen gestritten werden kann.

    Für mich ist die grundlegende Frage, ob nicht die Destabilisierung der gesamten Region (also der auf Öl sitzenden Staaten) mindestens für die großen ‚global players‘ (i.e. China, Rußland, USA) der billige Preis einer (wenn auch nur vorübergehenden) Stabilisierung eines maroden, aber scheinbar alternativlosen Systems einer nach wie vor von der Petrochemie dominierten und auf den Raubbau an natürlichen Ressourcen dieses Planeten setzenden, materiellen (Re-)Produktion und einer mehr und mehr allein auf immer neuen Finanzprodukten basierenden Mehrwertproduktion ist.

    Wäre dem so, hätte keine der nicht direkt am Bürgerkrieg in Syrien (und anderswo) beteiligten Parteien ernstlich Interesse an einer Beendigung dieser Konflikte und die Leute dort könnten sich noch sehr lange gegenseitig totschießen (auch wenn sie dafür keine Chemiewaffen mehr einsetzten).

  6. Ans Angreifen der Besitztümer hab ich auch schon gedacht – aber versuchen „die Rebellen“ das denn nicht? Und: macht man das per „Luftschlag“, dann ist das ja genau der Übergriff, der jetzt zum Glück vermieden wird.
    Was da mittels Gelder einfrieren möglich wäre, kann ich nicht beurteilen, würde es aber begrüßen. Für mich sieht es aktuell nicht so aus, als würde Assad ein JetSet-Leben weiter führen…

    Was die „Destabilisierung der Region“ angeht: ist das wirklich im Interesse des Westens? Man unterstützt doch SaudiArabien, gerade WEIL da immerhin eine gewisse Stabilität herrscht (so übel ich diese Art Stabilität auch finde…). Wie soll in einem zunehmenden Chaos die Öl-Lieferung gesichert sein?

  7. Ich habe keinen blassen Schimmer, was die (verschiedenen) Rebellen-Gruppen in Syrien aktuell alles angreifen können und welche Bereiche des Lebens die Regierungsseite besonders schützt. Die Geschichte zeigt jedoch, daß bis kurz vor dem endgültigen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung eines ‚totalitären‘ Typus für den Lebensbereich der Eliten kaum das ausbricht, was in den Horrorszenarien des Bürgertums als ‚Chaos & Anarchie‘ herum schwirrt, nämlich marodierende Horden, die den Leuten die Möbel aus dem Wohnzimmer stehlen, die Autos anzünden, Frauen und Kinder verschleppen und Bankschalter plündern.

    Insbesondere funktionieren anscheinend Verwaltung, Transport, Produktion sowie Versorgung der staatstragenden Eliten mit einigem Luxus noch recht lange, wie etwa das Beispiel des 2.Weltkriegs lehrt, als auf dem Kerngebiet des deutschen Reiches erst einmal fast alles an materieller Infrastruktur kaputt gebombt und zerschossen werden mußte, bevor dann in den letzten Monaten oder vielleicht sogar nur Wochen insbesondere durch Ausfälle der Kapazitäten der Reichsbahn (die beinahe bis zum Schluß nahezu fahrplanmäßig fuhr, wie ich einmal las, und zumindest noch sehr viele Transporte zwischen den nach und nach aufgegebenen Lagern erfolgreich organisieren konnte) die Versorgung von Wehrmacht und staatlichem Repressionsapparat mit notwendigem Material zusammen brach, was mit entscheidend war, das Kriegsende rasch herbei zu führen.

    Auch zeigt sich am Beispiel Afrikas, daß parallele chaotische Zustände (vom Bürgerkrieg bis hin zum Genozid) die Ausbeutung der Bodenschätze samt Abtransport durch internationale Konzerne keineswegs erschweren oder gar unmöglich machen, sondern dank der Kooperation mit lokalen Eliten alles ganz prima (für die Konzerne und die jeweiligen einheimischen Partner, wohlgemerkt) klappt. Wer Zynismen mag, könnte versucht sein, sich deswegen an das Wort von der ‚Anarchie der Produktionsweise‘ erinnert zu fühlen.

    Dazu, wie Herr Assad leben könnte, siehe diesen Artikel aus theguardian. Vielleicht nicht internationaler Jet-Set, aber auch nicht gerade Rixdorf Hinterhaus, 3.Stock.

  8. Danke für den Link. Erste Assoziation zum Assad-Gebäude: ein oberirdischer BUNKER!

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