Claudia am 28. August 2013 — 24 Kommentare

Syrien: Und wieder WOLLEN sie den Krieg

Kennen wir das nicht schon zur Genüge aus dem Irak-Krieg? Vorwürfe und „Beweise“ der Geheimdienste für Saddams Massenvernichtungswaffen hatten sich hinterher als glatte Lüge heraus gestellt. In Syrien gibt es nach wie vor keine belastbaren Belege dafür, dass das Assad-Regime für den Giftgas-Einsatz verantwortlich ist – ja, es gibt sogar gute Gründe, das zu bezweifeln. Denn wer würde so etwas genau dann machen, wenn internationale Inspektoren zur Prüfung solcher Vorwürfe eintreffen? Und in einem Zentrums-nahen Gebiet, wo auch eigene Kämpfer betroffen sein könnten? In einer Situation, in der die Rebellen sowieso kaum mehr Aussicht auf einen Sieg gehabt haben sollen?

Ja, ja, im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst und niemand weiß genau, wer für welche Schandtat letztlich verantwortlich ist. Ich kann das erst recht nicht wissen, allein mit Blick auf die Medien, die Blogs, all die Unterstellungen, Entlarvungen, Behauptungen und Spekulationen. Ich sah Videos, auf denen Entführungsopfer der Rebellen offenbar umgebracht und später als Opfer Assads vorgezeigt wurden (das UNTERE Video hier). Ich lese von US-Geheimdiensten, die Beweise für den Einsatz gesammelt hätten, doch von WEM der ausging, bleibt unklar. „Irgendwer“ beschießt gar die Inspektoren, die so nicht einmal den Tatort besichtigen können.

Immer rein ins Pulverfass…

Doch trotz alledem läuft die Kriegstreiberei auf vollen Touren: Rote Linie überschritten, „ernste Antwort“, Verantwortung des Westens – Großbritannien und Frankreich stehen auch gleich begeistert Seit an Seit, um ihre „besondere Verbundenheit“ bzw. eigenständige Kampfkraft und Größe unter Beweis zu stellen. Man plant „chirurgische Schläge“ und spricht von einem Nur-2-Tage-Krieg, ungeachtet der Tatsache, dass Russland zu Assad steht, Iran und China vor dem Einsatz warnen. Wie mich das alles ANKOTZT!!! Aber auch ängstigt, verdammt nochmal….

Und Deutschland? Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), hält ein militärisches Vorgehen des Westens gegen Syrien auch ohne ein Mandat des UNO-Sicherheitsrats für legitim (Handelsblatt). Ganz ebenso Niebel (FDP), der „politische Unterstützung“ ankündigt, eine aktive deutsche Beteiligung aber ausschließt. Na klar, mitten im Wahlkampf darf es keine Partei wagen, entgegen der übergroßen Mehrheit der Bürger, die keinen Militärschlag wollen, auch noch selber Soldaten zu schicken! Die stehen im übrigen ja schon an der türkisch-syrischen Grenze und verteidigen dort den NATO-Partner Türkei.

Wenn es Staaten so richtig dreckig geht, zettelt man immer schon gerne einen Krieg an. Die USA nähern sich wieder mal ihrer Pleite, die angebliche Besserung auf dem Arbeitsmarkt steht auf tönernen Füßen, die Verschuldung steigt ins Unermessliche und trotz der Geldflut per Notenbank steigen die Zinsen auf US-Staatsanleihen, wogegen die Industrieproduktion noch nicht einmal das Vorkrisen-Niveau erreicht hat.

So ein Krieg in der Ferne ist da wieder mal genau das Richtige, um von all dem Elend abzulenken und die Menschen auf den üblichen US-Patriotismus einzuschwören. Dass es auch bei uns, insbesondere bei den Großmedien Stimmen gibt, die allen Ernstes anprangern, dass sich Deutschland trotz genug eigener Kampfkräfte „wegduckt“, bzw. die „beschränkte Solidarität“ bedauern, ekelt mich regelrecht an. Dass ausgerechnet DIE ZEIT hier besonders auffällt, finde ich geradezu schockierend!

Zum Glück bekommen diese Kriegstreiber in den Kommentaren ganz schön Gegenwind. Bleibt zu hoffen, dass sie auch weiterhin keinen Erfolg damit haben, hierzulande eine „Eingreifstimmung“ zu erzeugen!

Diskussion

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24 Kommentare zu „Syrien: Und wieder WOLLEN sie den Krieg“.

  1. Ich bin völlig deiner Meinung, Claudia, habs bei FB ja auch schon entsprechend angeprangert.
    Hast du dies schon gesehen?
    http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/diskussionen/731801
    Da kommen u.a. von Michael Lüders auch die (guten!) Argumente gegen eine Täterschaft Assads!

  2. Bomben auf Länder, Tyrannen zu „strafen“? Nein. Aber: Darf ich im KZ auf das Ausland hoffen? Es braucht Beweise. Wenn sie vorhanden wären, was tun? Niemand hat USA und GB zur Weltpolizei berufen. Wer täte es? Gewalt ist „keine Lösung“, aber in der Not nicht zu Hilfe eilen? Zwischen Staaten stellen sich diese Fragen nicht pur, es ist komplexer. Da kommt Verdacht auf, da sind Folgen, Risiken. Wäre ich Kanzler, ich entschiede gegen den Krieg, weil, wie du schreibst, die Mehrheit der Bürger sie ablehnt. Und ich ekle mich, wie du es tust, vor der Stimmungsmache. Aber es ist, wenn man denn weiß, keine Entscheidung möglich, die ohne Tränen bliebe.

  3. Es gäbe vielleicht doch ECHTE Alternativen, dafür müssten sich aber die USA ganz anders bewegen:

    Syrien: Friedenspolitik als Alternative zu Kriegsterror

  4. „Die USA nähern sich wieder mal ihrer Pleite, die angebliche Besserung auf dem Arbeitsmarkt steht auf tönernen Füßen, die Verschuldung steigt ins Unermessliche und trotz der Geldflut per Notenbank steigen die Zinsen auf US-Staatsanleihen, wogegen die Industrieproduktion noch nicht einmal das Vorkrisen-Niveau erreicht hat.“

    Bisher ist noch jedes Imperium an sich selbst erstickt. Die USA erinnern mich an das römische Reich, dass ja auch vor allem an den Verpflichtungen außerhalb der eigenen Grenzen zu Grunde gegangen ist. Genau so empfinde ich das auch mit den USA.

    Btw.: Der kommende Syrien-Krieg ist auf Platz 1 und 2 aller Nachrichtenkanäle. Die Geheimdienstschnüffelei ist dagegen kein Thema mehr. Vielleicht erklärt das auch den seltsam Plan, nur zwei Tage lang Krieg führen zu wollen?

  5. Den Verdacht, dass die momantanen Kriegspläne den Schnüffel-Skandal in den Hintergrund schieben sollen, hatte ich auch schon, Olaf.

  6. Naja, allenfalls unterstelle ich, dass diese Verdrängung den Akteuren als „Kollateralnutzen“ gut passt – dass sie aber der GRUND für die Aktion sein soll, scheint mir übertrieben.

    Wir können halt nur spekulieren..
    Hier neuer guter Artikel mit einem weiteren Blick:

    Syrien: Und ihr denkt, es geht um einen Diktator

  7. Den Link hab ich eben doch auch schon gepostet, Claudia. ;-)

  8. @Ulrike: ah, von dir hatte ich den.. :-)) Sorry! Ich hab heut soviel aus unzähligen Quellen gelesen – bin ganz durcheinander!!

    Im Moment sieht es ja laut TV-News ein klein bisschen so aus, als gäbe es doch ein Nachdenken… zumindest etwas Verzögerung, viele stellen die Sinnfrage, auch in den USA. Die Mehrheit der Amerikaner sei NICHT für einen Militärschlag – verdammt, warum richten sich die Politiker nicht nach den Völkern, die sie angeblich vertreten!

  9. Klar ist alles nur Spekulation. Woher sollen wir kleinen Lichter auch wissen, was die großen Funzeln wollen?

    Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns – und vor allem den Syrern – die Hucke vollgelogen wird recht hoch. Alles andere wäre naiv.

    Ich glaube (Achtung Verschwörungstheorie!) das hinter den ganzen Ausschnüffeleien vor allem eine Strategie steht, nämlich die Menschen gläsern zu machen. Weil sich das eigene Handeln so furchtbar gut verstecken lässt, wenn alle anderen durchsichtig sind.

    Das ist so groß, so bedeutend, so voll an Machpotential, dass so „ein bisschen Krieg“ ein „Preis“ ist, den die jetzt Mächtigen akzeptieren – zumal es ja die Machtlosen sind, die bezahlen.

  10. @ulrike

    mir kam ja schon das kalte kotzen, als ich dieses „interview“ mit lüders im heute journal sah: warum zum teufel interviewen die einen, wenn sie nicht einen stratz daran interessiert sind, was er zu sagen hat??

    @claudia

    was wir sehr wohl wissen, ist, daß türkische grenzer ein paar leute im juni beim grenzübergang nach syrien mit chemischen waffen erwischten … sie gehörten der „opposition“ an …

    http://www.linkezeitung.de/index.php?option=com_content&view=article&id=16070:syrische-oppositionskaempfer-mit-chemiewaffen-verhaftet&catid=183&Itemid=214

    für mich ist das die typische kleine-jungs-spielen-schwanzlängenvergleich-nummer: die republikaner, allen voran mcCain sticheln: „du traust dich ja bloß nicht, mcFly!“, obama ist so blöde eine „rote linie“ zu ziehen und kommt nicht mehr raus aus dem ding, die engländer stecken gerade so knietief in problemen wie die franzosen …

    und was macht man seit jahrtausenden, wenn man von den eigenen problemen ablenken will: genau, man bombardiert irgendso ein „kamelreitervolk“.

    zu blöd: hier wirft jemand sehenden auges ein streichholz in einen benzintank, um mal nachzugucken, ob noch sprit drin ist, egal was der eigene oberkommandierende zu sagen hat

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-07/syrien-usa-angriff-dempsey-szenarien-kosten

    es ist aber im grunde egal, was wer sagt: diese domestizierten halbaffen, die uns regieren, lernen nicht dazu, die sehen, was sie in libyen angerichtet haben, genauer: was die „rebellen“ dort nachher mit den waffen in timbuktu angerichtet haben … und kapieren es einfach nicht.

    das ist übrigens einer der gründe, warum ich „männer scheisse“ finde, also die art, die nie erwachsen wird und sich noch heute wie neandertaler benehmen …

    obwohl, wenn die regentin könnte, wie sie wollte … die hatte ja ne menge überzeugungsarbeit zu leisten, als wir damals partout nicht in den irak wollten.

    http://deutschlandnervt.blogspot.de/2005/09/nachgetreten.html

  11. Ob tatsächlich einer der in diesen Konflikt einbezogenen Entscheidungsträger ‚den Krieg will‘, bezweifele ich. Dagegen kann ich mir durchaus vorstellen, daß vorübergehende Kampfhandlungen durch bisher noch nicht direkt Beteiligte in Erwägung gezogen werden, von einem Mitspieler allein schon, um sein Gesicht zu wahren (USA), von anderen, weil sie immer gerne martialisch auftreten, um bedeutender zu erscheinen, als sie sind (UK und France), und vermutlich sind sogar Russland und China hinter der Hand bereit, solche begrenzten Einsätze widerwillig, aber letztlich zahnlos hinzunehmen, denn glücklich sind die mit ihrem ‚Verbündeten‘ sicherlich nicht.

    Viel übler kommt mir vor, welche Gefahren die andere Seite mit sich bringt, denn der ganze Konflikt sieht mir doch danach aus, daß hier ein blutrünstiges, verbrecherisches Regime von blutrünstigen, verbrecherischen Gruppierungen attackiert wird und alle einander für blutrünstige, verbrecherische Terrorbanden halten (inklusive des Regimes) und sich gegenseitig, wo sie nur können, das Wasser abgraben und die Kehlen durchschneiden möchten. Während zwischen allen Fronten dummerweise eine Bevölkerung hockt, die vermutlich selbst nicht mehr weiß, wo hinten und vorne ist.

    Am übelsten aber erscheint mir der Verdacht, daß dieser Zustand im Grunde allen großen Spielern gar nicht so sehr gegen den Strich geht.

    Destabilisierung ist eine mächtige und recht kostenarme Strategie, um seine eigenen Interessen ungestört verfolgen zu können, und falls tatsächlich langfristige Überlegungen hinter dem Handeln der großen Staaten stecken sollten (was ich nicht genau weiß, ebenso gut können kurzfristige Ziele wie Wahlsiege und Profite solchen auf Dauer angelegten Plänen immer wieder in die Quere kommen), dann spielt der politisch-ökonomische Zustand der gesamten Region eher eine Rolle als der eines einzelnen Landes – und da sehe ich für stabile, sich ökonomisch positiv entwickelnde Staatsformen dort eher schwarz. Zumindest die USA werden niemals dulden, daß jene Länder, die auf dem Öl sitzen, zu einer eigenständigen Entwicklung Zeit und Gelegenheit bekommen, und auch China kann wenig daran gelegen sein, ihre Einkäufe an Rohstoffen aus der Region mutwillig zu verteuern, indem den Anbietern die Rollen gleichgewichtiger Partner ermöglicht wird.

    Meine Vermutung geht in die Richtung, daß die großen Zuschauer der Wirren des arabischen Frühlings all das Chaos dort gar nicht ungern sehen, um für die Restlaufzeit, in der sie alle für ihre Reproduktion noch auf Petrochemie setzen müssen, ihre Versorgung mit dem Rohöl aus der Region nach dem Muster der Ausbeutung Afrikas organisieren zu können – und das heißt nichts anderes als die Zerschlagung stabiler staatlicher Strukturen, wo sie vorhanden sind, die Behinderung solcher Strukturen, wo sie entstehen könnten, die Förderung von Zersplitterung und regionalen sowie ethnischen Konflikten und die hinter all dem Rauch und Donner von Bürgerkriegen und Revolutionen und Genoziden angenehm still vor sich gehende Ausbeutung des Bodens mit Hilfe regionaler, oft fast mafiöser Strukturen als Subunternehmer der wirklich großen global players.

    Daß sich die Öffentlichkeit hierzulande so leicht vor diesen Karren spannen läßt, ist ein weiteres Kapitel dieses Dramas. Mir scheint das Bild der arabischen Welt in der veröffentlichten Meinung in der Regel kaum von Sachkenntnis, sondern eher schon von pensionierten Selbstdarstellern getrübt zu sein, die Arafat noch von gemeinsamen Touren im Hubschrauber kennen, und man vermeidet geflissentlich, außer ‚Islamisten, die jedem an die Gurgel wollen, der modern (d.h.so wie wir mit iPhone und Eigentumswohnung) ist‘ und ‚Russen, die ihre Kriegsschiffe überall auf der Welt (so wie die USA und das UK) stationieren wollen‘ und ‚Generäle, die sich (wie unser ehemaliger Bundespräsident das Geld für den Urlaub) die Dollars aus Amerika nur so in den Hintern schieben lassen‘, irgendwelche anderen Täter oder Motive herauszufinden und zu benennen – was etwa so differenziert ist wie zu behaupten, die USA wären in der Hand der Klerikalen, die jedem an die Gurgel wollten, der gods own country andersfarbig als weiß und seine Ideale andersgläubig als schwarz anstreichen möchte, während Obama wie ein Roland auf fast verlorenem Posten die Fackel der Freiheit verteidige und die Republikaner im Hinterzimmer ihre Einnahmen aus der Schutzgelderpressung zählen).

    Vielleicht wird die aktuelle Eskalation um Syrien in den nächsten Tagen darauf hinaus laufen, daß es ein sich langsam aufbauendes Wechselbad von Drohungen mit militärischen Szenarien gibt, die am Ende in begrenzten, kurzen Schlägen aus der Luft und aus dem Wasser kulminieren und ohne dauerhaftes Eingreifen mit Bodentruppen auskommen – was ‚bloß‘ zu hunderten oder tausenden von Toten in Syrien führen dürfte. Dann sind alle anderen (außer den Syrern) fein raus: Obama hat wie ein pubertierender Angeber auf dem Schulhof sein Gesicht gewahrt, Cameron und Hollande haben wie angetrunkene Wirtshausschläger ihre Muskeln zeigen dürfen, Putin hat wie ein Bär mit der Kraft seiner bloßen Arme verhindert, daß sein Verbündeter von seinem Widersacher schmählich besiegt wird, und China hat erneut bewiesen, wie besonnen es bleiben kann, wenn die anderen einander die Hüte zerbeulen.

    Und ansonsten geht es in der arabischen Welt, im Nahen Osten und überhaupt sicher bald weiter wie bisher und dann naht ja außerdem schon die nächste Weltmeisterschaft und Apple wird ein neues iPhad auf den Markt werfen und …

  12. Susanne, wenn es hier einen „Gefällt mir“-Button gäbe, hätte ich ihn zu deinem tollen Beitrag angeklickt!

  13. @Susanne: Schließe mich Ulrike an, großartiger Beitrag!! Ich hoffe, dass du in der Tendenz recht hast, dass es selbst im Angriffsfall keine extremen Eskalationen geben wird…

    Obama ist Opfer seiner Rednerkunst, die so oft beeindruckt, der aber selten Taten folgen (was nicht immer an ihm liegt, sondern an den Machtverhältnissen). Er hat offenbar geglaubt, es reiche, von einer „roten Linie“ zu SPRECHEN.

    Mich regt insbesondere die Kriegs-hetzerische Schreibe in diversen Großmedien auf. Dass eine Umfrage ergeben hat, dass die große Mehrheit der Amerikaner den Krieg NICHT will, wird dagegen nicht gemeldet (ok, ich überschaue auch nicht alles…).

    @alle:
    Was den Gefällt-mir-Button angeht: Den von FB hier einzusetzen, widerspricht meinem Verständnis von Datenschutz – deshalb die „2-Klick-Lösung“ unter den Artikeln. Auf Kommentare bezieht sich das eh nicht, aber vermutlich gibt es da ein Plugin, mit dem man sowas nachrüsten kann – Blog-intern.

    Dann könnten Nur-Mitlesende auch Meinung äußern ohne schreiben zu müssen. Andrerseits bringt es ein „Wettbewerbs-Element“ ins Gespräch, das ich nicht unbedingt gut finde.

    Und Ihr?

  14. @Claudia

    Ich habe den Eindruck, daß es hier Kommentierenden mehr um das Gespräch miteinander geht als darum, Lorbeerkränze einzuheimsen, auch wenn es mir wie jedem anderen Menschen gefällt, gefällt es anderen, was ich mir aus den Fingern sauge. Solche ‚buttons‘ ignoriere ich jedoch eh, weil ich twitter, facebook und google+ nicht aktiv nutze, und mir mutete es reichlich seltsam an, wenn etwa unter einem Beitrag aka ‚Die Welt steht nicht vor dem, sondern kippt gerade über den Rand des Abrundes‘ dutzende ‚I like it like that‘ responses zu finden wären…

  15. susanne,

    irgendein weiser hat mal gesagt: „this is the end of the world … as we knew it … and i feel fine“.

    netanjahu läuft halt die zeit weg, also macht er alle anderen verrückt. wenn er nicht jetzt langsam mal die gelegenheit bekommt, so richtig draufzuhauen, wird das nie was mit dem iran.

    es ist erbärmlich.

  16. @hardy

    Ich verstehe Deinen Kommentar so, daß Du annimmst, die israelische Regierung (Netanjahu) wäre begierig darauf, den Iran anzugreifen (Womit eigentlich? Mit Langstreckenflugzeugen und -raketen, über die sie ohne Hilfe der USA gar nicht verfügt?).

    Das halte ich für ziemlich abenteuerlich vermutet!

    Nicht nur, weil jede Partei dabei nur verlieren kann, die überhaupt noch etwas zu verlieren hat. Vielmehr sind meiner Ansicht nach die Verhältnisse im Nahen Osten ziemlich genau jene, die sich eine israelische Regierung, so sie nicht vom Paradies auf Erden träumt, nur wünschen kann: eine knüppelharte Wagenburg im eigenen Ländle und marodierende Banden, die wild aufeinander eindreschen, jenseits des Zaunes.

    Warum da mit den teuren, eigenen Bomben um sich werfen und den bösen Buh-Mann für die Welt abgeben?

    Das erledigen die anderen doch schon viel besser selbst und für ganz umsonst – und man kann sogar mit hämischen Grinsen auf sie zeigen: seht alle her, die kriegen doch nie was gebacken!

  17. susanne,

    [..]ziemlich abenteuerlich

    ach was, es ist nur die summe dessen, was wir da seit jahrzehnten beobachten, ich persönlich halte bibi für einen ausgemachten verbrecher und will gar nicht wissen, was der so alles treibt. daß er letztes jahr – spitz auf knopf – versucht hat, obama in einen krieg mit dem iran zu drängeln, ihm die gesamte likud-lobby auf dn hals gehetzt hat und den republikanischen präsidentschaftskandidaten als hebel versucht hat, anzusetzen, das kannsta uch du nicht vergessen haben.

    und natürlich will bibi lieber heute als morgen krieg, egal gegen wen. wenn er ne gelegenheit bekommt, seine finger in syrien reinzustecken, stecken wir im übelsten morast, den wir uns vorstellen können.

    apropos vorstellen: ich bin gegen die israelischen atombomben, weil ich mir immer vorstelle, daß die mal in _unsere_ richtung abgefeuert werden.

    „abenteuerlich“?

    ach nein, nur nüchtern und immer die perspektive der israelischen friedensbewegung im auge, die hier ja gerne als „antisemitisch“ verstanden wird so wie klugen menschen wie frau hecht-galinski mit ihrer kritik gerne das ettiket „jüdischer selbsthass“ aufgedrückt wird.

    antisemtismus ist nun aber nicht, wenn man die politik eines verbrechers ein verbrechen nennt.

  18. @Susanne: die Bewertungsplugins wären dann eher so mit „Daumen hoch-“ und „Daumen-runter“-Icons, oder es werden 1 bis 5 Sternchen angeklickt… Ob das im Einzelfall „stimmt genau!“, „richtig so“ oder „gut gesagt!“ heißt, weiß man natürlich nie.
    (Wenn unter den Links zu meinen gelegenlichen Brandreden über das Elend der Welt auf Facebook dann drunter steht: „Anna, Martin und 5 anderen gefällt das“ wirkt das schon ein wenig seltsam – aber man gewöhnt sich dran!)

    @Hardy: Wer ist „Bibi“? Ist das eine Art „Kosename“ für Netanjahu? Ich glaub auch nicht, dass die Israelis hier zu den Agressoren gehören, die haben mit dem Chaos in Ägypten schon genug um die Ohren. Zudem ist es Iran, der aktuell für den Kriegsfall schon vorab mit Angriffen auf Israel droht, nicht umgekehrt. Die Israelis kaufen Gasmasken und stellen mehr Abwehrsysteme auf.

    Und ja, deine Spekulationen über mögliche israelische Bombenangriffe auf uns halte ich für mehr als abenteuerlich. Denn wie sagte doch Merkel einst vor der Knesset: die Sicherheit Israels gehört zur Deutschen Staatsräson. Und ohne die in DE gekauften U-Boote wären sie nicht „zweitschlagsfähig“. Solche Freunde bombt man nicht weg!

    Ist aber ein anderes Thema. Vielleicht schreib ich dazu auch mal einen Artikel – oder du?

  19. claudia,

    „abenteuerlich“ …

    ich bin seit ca 30 jahren programmierer. für mich ist es alltag, mir immer alles vorstellen zu können, keine bewertungen zu treffen sondern gedanken zu ende zu denken. vieles, was uns heute unwahrscheinlich oder aberwitzig erscheint … ist morgen „normal“.

    ih kann auch ganz gut zwischen „den“ israelis und ihrer regierung unterscheiden: mir tun die israelis leid. zunächst die, die verstehen, von welchen verbrechern sie seit jahrzehnten belogen werden … also die, die lieber heute als morgen frieden mit den palästinensern machen würden … und erst dann die, die immer noch nicht verstanden haben, welche verbrecher sie sich da selbst gewählt haben.

    israel hat sich unglücklicherweise eine bevölkerungsschicht finanziert, die sich in radikalsten ideen verstiegen haben … und diese nicht einmal als angehörige der armee verteidigen mussten (bislang). wir wissen nicht, wie freundlich die uns gesinnt sein werden, wenn sie israel steuern.

    wir dürfen die vergangenheit nicht mit der gegenwart verwechseln. und schon gar nicht mit der zukunft. atomwaffn, in wessen händen auch immer, sind grundsätzlich von übel und die israelis müssen ihre herausrücken und vernichten.

    wir deutsche müssen auch mal langsam verstehen, daß zwischen philo- und antisemitismus kaum unterschiede bestehen, beides geht von falschen voraussetzungen aus.

    ich weiss, daß es viele deadheads in israel gibt, viele kluge menschen, auch die, die die israelische geschichte und ihre verbrechen aufarbeiten, mir ist schlomo sand geläufig und sympathisiere streckenweise sogar mit israelischen ultraorthodoxen und ihrer spiritualität.

    aber bibi (yep, das ist sein „kosename“) ist nun mal ein zynischer verbrecher, der eindeutig das chaos will, weil er denkt, er könne damit endlich alle probleme lösen.

    nicht verstehend, daß wenn er eines „gelöst“ hat, er auch wieder vier neue erzeugt … engstirnig, kleinkariert und sich selbst übrschätzend.

    einen artikel zu diesem thema würde ich übrigens nie schreiben, dazu habe ich es einfach zu oft kommentiert: es gb ein israel, das ich geliebt habe.

    das endete an dem tag, an dem israels militär die scheinwerfer aufstellte, damit das da stattfinden konnte

    https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Sabra_und_Schatila

    der herr, so es ihn zu meiner überraschung doch geben sollte, hat sinn für humor genug, den verbecher, der dafür die verantwortung trägt, bis heute .. fast ein jahrzehnt nach seinem schlaganfall … immer noch am leben zu halten.

  20. gerade bei fefe entdeckt

    http://blog.fefe.de/?ts=ace10e25

    „counterintelligence operations are strategically focused against [the] priority targets of China, Russia, Iran, Cuba and Israel.”

    scheint, als sei ich nicht der einzige, der auf „abenteuerliche“ ideen kommt, die NSA kann das offensichtlich auch …

  21. @hardy

    Die Politik eines Verbrechers ‚Verbrechen‘ zu nennen, ist sehr zufriedenstellend – für den eigenen Gefühlshaushalt.

    Als Beitrag dazu, sich die Vorgänge in der Welt halbwegs systematisch zu erklären, hilft es allerdings herzlich wenig. Wenn ich einem Menschen, der eine Treppe hinauf steigt, die Eigenschaft, ein ‚Treppenhinaufsteiger‘ zu sein, als Erklärung für sein Handeln unterschiebe, habe ich so gut wie gar nichts erklärt. Wichtiger wäre es, sich anzuschauen, was er glaubte, daß es ihn oben erwarte, oder wovor er unten davon laufen zu müssen glaubte.

    Ich kenne den Herrn Netanjahu nicht und weiß nichts über seine privaten Motive – aber ich kenne seine Position und kann mir in etwa ausrechnen, welche Ziele und welche Tabus er besitzt und über welche Mittel er verfügen dürfte, um die einen zu verfolgen, ohne die anderen zu verletzen.

    Sollte ihn, wie Du annimmst, tatsächlich ein mysteriöser Verbrecher-Instinkt um- oder ein Verbrecher-Gen antreiben, liege ich mit meiner Sichtweise natürlich absolut falsch. Falls er aber einigermaßen rational handelt, kann ich mir seine Handlungen eventuell auf rationale Weise modellieren und damit für mich einsichtig und sogar ein klein wenig vorhersehbar machen.

    Und ich sehe die Wahrung der Lebensinteressen des eigenen Staates und seiner Bevölkerung durchaus als ein vorrangiges Ziel der Handlungsweise eines israelischen Regierungschefs, neben dem Interesse an einer Absicherung der ihn stützenden Eliten vor Verlusten an Macht, Einkommen und Status, versteht sich. Recht simpel ist das so, weil genau das die zentralen Eckpfeiler für den Handlungsspielraum jeder Person bilden dürfte, die an verantwortlicher Position eines Staates steht.

    Für Israel bedeutet das in meinen Augen, sich mit dem Iran durchaus als einer existentiellen Bedrohung und nicht als nettem Nachbarn auseinanderzusetzen, alles andere wäre grobe Fahrlässigkeit. Und die Idee, Bedrohungen durch brachiale Mittel erst zu beseitigen, bevor man sie sich genauer anschaut, ist sicherlich nicht auf dem Mist des Herrn Netanjahu gewachsen, sondern so alt wie die Geschichte von Kain und Abel. Wäre ich Regierungschefin Israels, wäre ich vielleicht ebenfalls geneigt, den in die Steinzeit zurück gebombten Iran als Nachbarn einem mit Atomwaffen und moderner Technik ausgerüsteten vorzuziehen.

    In meinen Augen kann eine Regierung niemals moralisch handeln, oder präziser gesagt: zu dem Handeln jeder Regierung gibt es mindestens eine individuelle Moral, nach der dieses Handeln als ‚verbrecherisch‘ zu gelten hat.

    Die Empörung etwa, die mich überkommt, wenn ich an Israels Versuche denke, alle seine Nachbarn in Armut und Chaos zu halten und insbesondere jeden Ansatz einer Konsolidierung der Palästinenser mit Eifer im Keim zu ersticken, hege ich als Einzelne, die keinerlei Verantwortung für die Millionen in Israel lebenden Menschen trägt, und sie hat in mir Platz neben der Empörung, die ich verspüre, wenn ich höre, daß jemand wahllos Raketen auf Zivilisten in Israel abfeuert – ein Gefühl, das ich ebenfalls als Einzelne pflege, welche dem Elend von Flüchtlingslagern und einer auf Jahrzehnte zementierten Chancenlosigkeit eines ganzen Volkes jederzeit den Rücken zuwenden kann.

    Btw: die Kriterien der NSA, falls sie einem in den Kram passen, als Argument für eigene Auffassungen anzuführen, geht für mich gar nicht, das finde ich ebeh und igittigitt und überhaupt total daneben, so!

  22. @Susanne: ich kann dir sehr gut folgen, denn diese Sicht der Dinge hat sich auch bei mir länger schon eingeschlichen. Man kann einfach nicht mehr umhin, ALLE Seiten zu verstehen, die ja jeweils nachvollziehbare Interessen verfolgen, von denen wir – wenn wir ehrlich sind – nicht ernsthaft behaupten können, gänzlich frei zu sein.

    Was mich staunen lässt: dass du schon als deutlich Jüngere diesen (leider auch lähmenden!) mehrdimensionalen Empörungshintergrund erlebst. Die Erkenntnis, dass es kein klares GUT und BÖSE gibt, und wir sowieso immer auf beiden Seiten dabei sind, kann man in der Regel erst im vorgerückteren Alter zulassen- :-)

    Und damit komme ich zu Hardys „Verbrecher-Anwurf“, mit dem ich sehr stark sympathisiere, obwohl ich diese Form der Empörungs-Vermittlung selbst nicht präferiere. Denn: gerade DU müsstest wissen, dass auch das Wort (heute „Mem“) Macht hat! Dass Maßstäbe individueller Moral auf Handlungen staatlicher Funktionsträger nicht wirklich passen, es also im Grunde unfair ist, ihnen damit zu kommen, bedeutet nicht, dass es nicht gute Gründe gäbe, dies Moral (=“die guten Sitten“) dennoch so lautstark wie möglich auf staatliches Handeln anzuwenden

    Wie anders sollte man sonst etwas verändern können? Mit Waffen? Nicht im Ernst.. Und wenn morgen Revolution wäre, würde uns das terminlich auch grad gar nicht passen.

    Also bleibt die Rede, das Argument, die Polemik, der Shitstorm – und bei und mittels alledem der Kampf um die Definitionsmacht.

    An dieser Front haben wir dank „Neuland“ heute ein viel besseres Standing als noch vor wenigen Jahren. Das per Netz „bearbeitete“ Interesse an den BEWEISEN für Assads Verantwortung für den Giftgas-Anschlag erbringt z.B. heute weit vielfältigere Infos von Seiten aller Beteiligten als noch zu Zeiten der „Gatekeaper“.

    Aber was machen wir (ich) daraus? Handlungsunfähig, weil nicht mehr im Stande, einen ordenlichen Hass gegen ein Individuum oder eine Gruppe aufzubauen… ratlos angesichts der Vielschichtigkeit der Probleme: jede vermeintliche „Lösung“ brächte Leid für viele. Und immer finden es alle (auch ich) am wichtigsten, selber so wenig Verluste wie möglich erleben zu müssen. Ich meine ECHTE Wohlstandsverluste, nicht nur mal eben freiwilliges Downsizing in Verfolgung des neuen Werts „Simplify your life“.

    In diesen alternativlosen Matschbirnen-Zeiten finde ich es dann eher toll, wenn ein etwa Gleichaltriger noch (wieder?) richtig kantig und ohne Relativierungen einen Verbrecher einen „Verbrecher“ nennen kann.

    Vermutlich würden da etliche Israelis auf „like“ klicken…

  23. ich halte mich mal kurz, eben erst nach hause gekommen und noch viel vor heute nacht …

    bibi netanjahu galt schon lange bevor er auch nur in die nähe eines amtes kam, als hallodri. jeder politiker in israel, der etwas auf sich hielt, hat es tunlichst vermieden, sich mit ihm gemein zu machen. ein blender, ein gockel, ein charakter- und überzeugungsloser mensch. so sieht man ihn seit ca 20 jahren …

    jetzt sitzt er im obersten amt, ich halte seine motive für eigensüchtig und verblendet, er ist jemand, dessen zynismus israel weit weg von dem gebracht hat, wohin ihn der für mich letzte relevante israelische ministerpräsident geführt hatte … bevor ihn ein israeli erschoss.

    bibi will krieg. ganz einfach. er will und braucht ihn. und er wird israel vernichten. wenn er selbst das nicht schafft, dann die frucht seiner koalitionen mit jedem vernagelten vollidition, der die tracht polnischer adliger aus dem 19. jahrhundert für „jüdische tradition“ hält.

    da drüben, da leben „meine leute“, peaceniks, junge menschen mit träumen. ich will nicht, daß dieser verbrecher sie in den untergang zieht.

    [..] NSA

    schon okay ;-)

    ich habe breit gegrinst, nicht triumphierend, sondern weil ich über die distanz „gesehen“ habe, daß da ein glöckchen klingelte.

    wenn du dir jetzt noch eine kopie des filmes „defamation“ besorgst und in gemütsruhe guckst, wirst du wahrscheinlich sogar schallend lachen: ein junger israeli macht sich auf den weg, herauszufinden, was „antisemitismus“ ist.

    wir leben hier in einer seltsamen zone voller (berechtgter!) tabus, mit denen wir es gerne übertreiben und mein „raketen“-nummer ist so ein kleiner schocker, mit dem ich zuerst einmal verwirrung säen will. einen moment, in dem man frei denken kann.

    das ist schwer in einem land, wo kritik an israel – selbst von sie von juden vorgetragen wird – als antisemtismus verstanden wird und auch eine von aharon appelfeldt inspirierte weisheit

    http://hinterwaldwelt.blogspot.com/2013/01/sisyphos-0-caveat-erste-schritte_869.html

    gerne auf der zeit als quasi antisemitisch zensiert wird.

    ich habe übrigens auch deine reply an susanne gelesen und nehme beides als eine antwort, auf die ich viel zu sagen hätte, aber …

    naja, der earl grey ist fertig und ich komme jetzt erst mal bei mir an.

    ps: der wirklich relevante beitrag zum hören

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/08/29/drk_20130829_2234_d72d0841.mp3

    england weigert sich, diesem schulhofschläger in einen krieg zu folgen …

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