Claudia am 06. Februar 2013 — 7 Kommentare

Gruslig: Ein Tag ohne Internet

Vorgestern mittag hatte es angefangen: Plötzlich konnte ich nurmehr Google und Twitter aufrufen und nutzen, nicht aber alle anderen Webseiten. Es gab nur weiße Seiten, zwar mit deren Titel, jedoch ohne Inhalt. Nicht mal ein „timeout“ zeigte an, dass da versucht worden wäre, etwas zu laden.

Ich probierte das Übliche, was ja oft hilft: alle Programme aus, PC runter fahren, neu starten, dasselbe mit dem Router, doch nichts verbesserte sich. Nette Menschen auf GooglePlus rätselten mit mir herum, was dieser seltsame Fehler bedeuten könnte und gaben mir allerlei Tipps. Aber ist es nicht jenseits sämtlicher üblichen Fehlerursachen, dass EINIGE GROSSE SEITEN erreichbar und sogar nutzbar sind, während sonst gar nichts mehr geht? Ich dachte doch, wir hätten (noch) Netzneutralität – was ich erlebte, war wie ein Vorgeschmack auf die Möglichkeiten, wenn dem mal nicht mehr so ist. Vorfahrt für die BigPlayer, der Rest kann warten…

Aber das war es natürlich nicht. Spät abends beendete ich den Technik-Talk mit Dank für die Tipps, setzte diese aber noch nicht um. Das war gut so, denn gestern morgen kam dann nicht einmal mehr eine DSL-Verbindung zustande. Gar kein Netz mehr, auch nicht mehr auf dem Tablet, das am Vortag per WLAN noch funktioniert hatte.

Das Installationsprogramm des Routers konnte ich aufrufen, es kannte auch meine Zugangsdaten, nur gab es halt kein DSL mehr. Bei Studium des Handbuchs stieß ich dann auf eine kostenfreie Telekom-Service-Nummer, die ich auch gleich nutzte. Nach längerem Dialog mit einem Automaten kam ich endlich zu einer Mitarbeiterin, die mich noch einmal alles abfragte, was der Automat eben auch hatte wissen wollen. Ich wunderte mich laut darüber, doch sie meinte, das alles „sehe sie nicht“. (Verstehe einer die Konzerne!)

Nun, ich war erfreut, dass sie eine Störung in der Vermittlungsstelle feststellte und mir zusagte, binnen 24 Stunden wäre das behoben, sie werde einen Techniker ‚raus schicken. Der rief mich dann wenige Stunden später an: Es sei keine Vermittlungsstörung, er könne vorbei kommen, das werde dann aber kostenpflichtig.

Wie ein Fisch auf dem Trockenen

Mir war das jetzt egal, ohne Netz bin ich komplett aufgeschmissen: kann nicht arbeiten, nicht surfen, nicht mailen, mir keine Infos über mögliche Fehler holen – ich fühlte mich heftigst zurück geworfen auf meine physische Existenz mit ihrer minimalen Reichweite! Wie haben wir nur früher ohne Netz gelebt! Kaum mehr vorstellbar…

Den Rest mache ich kurz: es lag doch am Router und zum Glück hatte ich noch einen anderen da. Eigentlich hätte ich mich ärgern sollen, nicht selbst darauf gekommen zu sein – aber ich war einfach nur froh, wieder online zu sein!! Um die 100,- Euro wird mich der Techiker-Besuch kosten – nun ja, das bringt mich nicht um.

Glücklich surfte ich gestern abend im Netz, es fühlte sich sogar schneller an als vor dem Router-Wechsel (=gleiches Modell). Doch heute morgen dann: „Es ist kein Netzwerk-Kabel angeschlossen“ meldete mir Windows. VERDAMMT NOCHMAL!!! Die Kabel hatte ich doch ebenfalls durch neue erstetzt, alles schien in Ordnung! Zum Glück schaffte es das Netzverbindungs-Prüftool von Windows, die Verbindung wieder herzustellen, sonst könnte ich jetzt hier nicht schreiben.

Der ganze Ärger ist auch der Grund, dass ich derzeit nicht viel disktieren und kommentieren kann. Ich muss noch Windows neu installieren, irgendwas scheint da in den Tiefen lange schon nicht mehr ok zu sein. Das wird nochmal Stunden dauern.

Immer noch würde mich interessieren, wie die erste Fehlervariante (Teil-Konnektivität) überhaupt möglich war – aber das werde ich wohl nie wissen, wie so vieles nicht, was da „unter der Haube“ vor sich geht und seltsame Fehler produziert.

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
7 Kommentare zu „Gruslig: Ein Tag ohne Internet“.

  1. […] und Geräten begeben. Gestern hab’ ich das mal wieder schmerzlich bemerkt, als auf einmal “mein Internet kaputt” war. Abgeschnitten von allem, was meine Arbeit, meine Versorgung, meine Ökonomie und den […]

  2. Hallo Claudia,

    du hast nicht zufällig Kaspersky als Virenscanner? Der hat nämlich nach seinem Update am Montag/Dienstag die Windows-Rechner lahm gelegt und genau das von dir beschriebene Verhalten hergestellt! Ein neuerliches Update verhilft aber Abhilfe, da Kaspersky den Fehler sehr schnell behoben hat. Zumindest waren die betroffenen Rechner aber endlich sicher vor Viren, wenn auch nur kurzfristig! ;-)

    Edit: Hier noch ein Artikel dazu bei heise.de:

    http://www.heise.de/security/meldung/Kaspersky-Update-legt-XP-Rechner-lahm-1799114.html

    Viele Grüße aus Augsburg

    einen ruhigen und streßfreien Tag wünsche ich dir

    Mike, TmoWizard

  3. @TmoWizard: Danke! Das war es wohl – eine Riesensauerei! Statt „Schutz“ wird man vom Netz abgeklemmt -naja, SICHER ist das dann schon!

  4. Vor einigen Tagen war ich 2 freie Tage lang offline. Seit mehrere Wochen häuften sich die Schweren Ausnahmefehler, die zu Systemabstürzen führen, denen zufolge der PC nicht mehr bzw. nicht lange nutzbar war – bis zum nächsten Absturz. Und dann plötzlich – trotz Windows-Neuinstallation – Sense, Aus, Stille. Da sitzt man plötzlich da, und, als Nachtmensch, ringsum nur Ruhe, keine Reize mehr. Man ist angewiesen auf sich und spürt, wie langsam auf einmal die zeit verrinnt, während sie sonst am Rechner unmerklich verfliegt. In zwei langen Nächten ein dickes Buch gelesen. Am interessantesten war das intensive Zeiterleben und das Angewiesensein auf sich selbst.

    Ich wollte einen neuen PC kaufen, kam aber durch den Hinweis eines Kollegen auf die Idee, den PC innen abzusaugen. Et voila. Nie hätte ich gedacht, daß bloßer Staub die Ursache sein könnte. Seit gestern hänge ich also wieder im Netz und trauere ein bißchen den kontemplativen zwei Nächten hinterher. ;-)

  5. Hi Markus, danke für deine Geschichte! Bei dir steht offenbar kein TV als Alternative… :-)

    Aussaugen? Sollte ich auch mal machen… wie hast du das denn gemacht? Besondere Düse oder so?

  6. Ohne Internet.. kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wirklich gruselig. Ich arbeite auch von zu Hause aus und als ich einmal eine Stoerung im Router hatte, bin ich fast durchgedreht…

    Das mit dem Aussaugen ist übrigens einfach: einfach den Staubsauger an die Öffnung des Ventilators halten. Da sammelt sich eine Menge an.

  7. @Claudia Wie Sabine schon schrieb, einfach die Düse an die PC-Teile halten.

    Man vergißt, wenn man wieder online ist, die Erfahrung der Kontemplation und des Nichtabgelenktsein der Offline-Phase zu schnell und kann sie kaum reproduzieren, weil der Sog des Netzes zu gewohnt ist, zu schwer zu durchbrechen. Netzaskese will wie jede Askese gelernt und geübt sein.

Was sagst Du dazu?

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht