Claudia am 21. August 2012 — 17 Kommentare

Wer bin ich? Nichts bestimmtes…

Dass die Frage „Wer bin ich?“ neben dem Woher-Wohin-Wozu die wesentliche Frage sei, konnte ich lange nicht verstehen. Jedenfalls nicht in jenem tieferen Sinn, der über die Alltagsantwort „ich bin Claudia Klinger, Webworkerin, wohnhaft in Berlin“ und Ähnliches hinaus geht.

Wenn ich derzeit der Frage wiederbegegne, wie gerade in den Kommentaren eines Artikels auf „Rosalies Midlife Crisis“, dann sag‘ ich aus heutiger Sicht: Mit meinem Unverständnis lag ich ziemlich richtig, es ist der Wahrheit näher als sämtliche möglichen Einzelergebnisse noch so ernsthafter Introspektion.

Das Selbst als Zwiebel

Mein früherer, vom ZEN inspirierter Yogalehrer hatte allerdings noch mehr zu bieten als bloß den Verweis auf die alte Frage. Er verwendete das Bild der Zwiebel: Mit der Frage „Wer bin ich?“ schäle ich die Zwiebel. Jede Antwort ist eine neue Schale, die nach einiger Zeit ebenfalls abgeschält wird, da keine Antwort auf Dauer DIE Antwort ist. Und sollten wir einmal alle Zwiebelschichten entfernt haben – was bleibt? Nichts!

Heißt das, dass es kein Individuum, keine Persönlichkeit gibt? Oh nein, ganz im Gegenteil, je entspannter ich dieses „Nichts, das ich bin“ zur Kenntnis nehme, desto gelassener kann ich mich dem aktuellen So-Sein hingeben. Mir ist klar, wie ich geworden bin, was ich heute bin, und dass mein willentlicher Anteil daran weit geringer ist, als man gemeinhin meint. Zwar kann ich oft tun, was ich will, doch was ich wollen soll, entzieht sich meiner Macht.

So geht es gerade auch Rosalie und vielen anderen, die in ihren Blogs über eingeschlafene Langzeit-Ehen und Beziehungen berichten. Man war eine Bilderbuchfamilie, hat sich gemeinsam etwas aufgebaut, doch irgendwann, meist so ab Mitte 40, erweist sich das Erreichte als nicht mehr genug. Die Kinder sind aus dem Haus oder in einem Alter, in dem sie nicht mehr die gesamte Energie binden – und auf einmal verspüren die Menschen ein Defizit: Soll das jetzt alles gewesen sein? Wer bin ich, abgesehen von der Familie und allem, was als „Nest“ rund um diese erarbeitet wurde?

Sich finden, entdecken, neu erfinden?

Das Internet wirkt oft als Katalysator, der die Brisanz der Frage machtvoll steigert. Per Netzkommunikation mit Fremden kann man sich selbst „ganz neu“ erleben und erfinden, kann wieder Frau bzw. Mann sein, begehren und begehrt werden, anstatt nurmehr funktionierender Familienmensch und „Partner“ zu sein. Neue Welten scheinen sich aufzutun, ungelebtes Leben ruft schier unabweisbar nach Erfüllung – und wer sich in dieser Situation die alte Frage stellt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Antwort bekommen: Ich bin nicht die, die ich zu sein glaubte, sondern viel MEHR! Oder auch: Ich bin die Raupe, die sich für lange Zeit verpuppt hatte und zum Schmetterling erwachen will, bin die Schlange, die die alte Haut abwirft und nun frisch und neu und unglaublich intensiv fühlend durch den Abenteuer-Dschungel gleitet.

Eine andere Bloggerin, deren Adresse ich leider vergessen habe, erzählt, wie so ein Erleben bei ihr weiter ging. Sie hatte sich unter großen Schmerzen für alle Beteiligten aus den alten Bezügen befreit und mit einem neuen, im Netz kennen gelernten und heiß begehrten Mann zusammen getan. Die beiden reizten das „Abenteuerliche“ voll aus, widmeten sich exzessiv allen bisher nur erträumten erotischen Spielarten, um nach einigen Jahren dann doch genau wieder da zu landen, woher sie gekommen waren: In einer Beziehung, aus deren Eingefahrenheit man sich gerne wieder befreien möchte – und wieder öffnete sich ein Tal der Tränen.

Im Fluss des Lebens

Was folgt nun daraus? Meine persönlichen Schlüsse aus ähnlichen Erfahrungen (zum Glück ohne Ehe/Kinder/Hausbau etc.) beantworten die Wer-bin-ich-Frage nun so: Ich bin nichts Bestimmtes, sondern ein dynamischer, mit allem-was-ist vernetzter und interagierender Prozess. Das „Nichts“ im nicht vorhandenen Kern der Zwiebel ist nicht Leere, sondern Repräsentation des Ganzen, der Gesamtheit aller menschenmöglichen Erfahrungen und Erlebensweisen. Sobald ich an etwas Bestimmtem lange festhalte und mein Leben danach ausrichte, ergeben sich zwangsläufig „Mängel“ an anderer Stelle. Die werden allerdings erst als solche gefühlt, wenn die Identifikation mit dem Bestehenden abnimmt, die einst empfundene Erfüllung im Geflecht öde werdender Gewohnheiten und Routinen versandet.

„Ich“ bin also immer sowohl die „Neue“ als auch die „Alte“: schlage ich mich engagiert auf die Seite von Freiheit und Abenteuer, werde ich selber es sein, die alsbald – unbewusst oder bewusst – an der Stabilisierung und Vergemütlichung der neuen Verhältnisse arbeitet. Um dann irgendwann wieder im Gehäuse erstarrter Gewohnheiten Ausschau nach dem „ganz Anderen“ zu halten.

Und in keiner dieser Situationen kann ich irgend etwas ändern, sondern würde immer nur genau die Lehren, Workshops, Selbstfindungskonzepte und Ratschläge annehmen, die meine aktuelle Getriebenheit unterstützen.

Wir sind eben nichts Statisches, nichts Wesentliches, sondern Ereignisse, die aus dem Vollen schöpfen. Da ist niemand, der sich gegen den Fluss des Lebens stellen könnte. Allenfalls kann man den ganzen Fluss in den Blick nehmen, anstatt sich mit einigen Wirbeln und Strömungen zu identifizieren – etwas, das mir allerdings auch erst „postmenopausal“ geglückt ist. :-)

Diskussion

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17 Kommentare zu „Wer bin ich? Nichts bestimmtes…“.

  1. …ob wohl die Vergemütlichung vor oder nach dem Getriebensein kommt…aktuelle Getriebenheit mit der Sehnsucht nach???
    Ich hatte das volle Familienprogramm. Nun noch den (gleichen) Mann, aber ein neues Leben. Nichts Statisches. Das Getriebensein schnurrt ungemütlich im Hintergrund. Oder auch das Wissen, irgendwann das unbekannte „Ziel“ zu erreichen…
    Gruß von Sonja

  2. diese…deine worte….haben mich sehr zum nachdenken angeregt:

    „““Ich” bin also immer sowohl die “Neue” als auch die “Alte”: schlage ich mich engagiert auf die Seite von Freiheit und Abenteuer, werde ich selber es sein, die alsbald – unbewusst oder bewusst – an der Stabilisierung und Vergemütlichung der neuen Verhältnisse arbeitet. Um dann irgendwann wieder im Gehäuse erstarrter Gewohnheiten Ausschau nach dem “ganz Anderen” zu halten.““

    von der seite hatte ich es noch nicht betrachtet….
    (die bloggerin deren adresse du vergessen hast ;-))

  3. Herrlicher Beitrag, dem ich mich nur aus tiefstem Herzen anschließen kann!

  4. Hallo Claudia!

    Bin mal wieder hier. Just gestern kam bei mir selbst (*mal wieder*) diese Frage auf, wer ich eigentlich bin? Wenn überhaupt, dann sind es meine Entscheidungen, die mich ausmachen. Doch die Antwort aus Deinem Beitrag trifft es tiefer: nothing special.

    Mit besten Grüßen in den Abend

    PS: Es gibt einen schönen Titel von Sivert Hoyem:
    „Return to nothing special“

    Hat zwar nicht unmittelbar mit dem Thema zu tun, aber klingt gut (finde ich), und das ist ja auch nicht wenig :-)

    Oh it’s hard to make a promise
    When we’re both young and old
    Can’t say if your investment
    Will be repaid in gold

    http://www.youtube.com/watch?v=mETPWi2s63g

  5. @Clauida, ich habe nur wenig verstanden. Aber auch das kann ich als angenehm aufnehmen. Es bleibt für mich ein wenig geheimnisvoll, welche Bilder und Gefühle sich hinter deinen Worten befinden. Aber das ist für mich dann so, als würde ich ein spanisches Lied hören. Dann kann ich sagen, schön, gefällt mir, gefällt mir sogar sehr gut – auch wenn ich nur wenig verstehe.

    Doch, da sie in deinem Text genannt wurden, möchte ich noch zu zwei Sätzen aus meinem Verstehen etwas anmerken:

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich im schälen der Zwiebel selbst die letzten Schalen entfernen wollte. Lieber eine Illusion von mir, als mir den Kern unter der letzten Schale von mir selbst ansehen zu müssen.

    Und ich musste noch einmal darüber nachdenken, ob wir uns wirklich „finden“ oder „erfinden“ können, zumal ich bisher oft der Meinung war, wir könnten uns immer wieder selbst „neu erfinden.“

    Mit deinem Text bin ich nunmehr der Meinung, wir können uns nur selbst „finden“. Wir können „nichts erfinden“ und unserem Wesen zu eigen machen, was uns fremd ist.

    Insofern können wir mit dem Häuten der Zwiebel immer mehr zu uns selbst finden. Aber bis zum Kern der Dinge sich zu entblättern – ich weiß nicht. Ob das dann noch ein schöner Anblick ist?

  6. Herzlichen Dank für Eure Resonanzen zu diesem Thema! Freut mich, dass sowas „Besinnliches“ nicht als „voll daneben“ ankommt… :-)

    @Menachem: was hast du NICHT verstanden? War ich zu unklar? Ich meinte nichts anderes als: wenn ich irgend etwas, womit ich „mich“ identifiziere, genauer anschaue, bemerke ich doch regelmäßig die Gewordenheit, die Abhängigkeit von Einflüssen und historischen Zufälligkeiten – das ist nichts, das ich „eigentlich“ unabhängig von allem und allen anderen bin.
    Und: Wenn es keinen „Kern“ gibt, gibts auch keinen Anblick, weder einen schönen noch unschönen. Es gibt nur das Potenzial, die Möglichkeiten des Werdens…

  7. Liebe Claudia,

    Selten hat mich ein Beitrag von Dir stärker angesprochen als dieser hier. Zwei Absätze, welche ich als Kernaussagen wahrgenommen habe, muß ich zitieren. Sie sind wunderbar verständlich formuliert, als wären sie einem Advaita Buch für Anfänger ;-)) entsprungen.

    „Ich bin nichts Bestimmtes, sondern ein dynamischer, mit allem-was-ist vernetzter und interagierender Prozess. Das “Nichts” im nicht vorhandenen Kern der Zwiebel ist nicht Leere, sondern Repräsentation des Ganzen, der Gesamtheit aller menschenmöglichen Erfahrungen und Erlebensweisen. Sobald ich an etwas Bestimmtem lange festhalte und mein Leben danach ausrichte, ergeben sich zwangsläufig “Mängel” an anderer Stelle. Die werden allerdings erst als solche gefühlt, wenn die Identifikation mit dem Bestehenden abnimmt, die einst empfundene Erfüllung im Geflecht öde werdender Gewohnheiten und Routinen versandet.“

    und

    „Wir sind eben nichts Statisches, nichts Wesentliches, sondern Ereignisse, die aus dem Vollen schöpfen. Da ist niemand, der sich gegen den Fluss des Lebens stellen könnte. Allenfalls kann man den ganzen Fluss in den Blick nehmen, anstatt sich mit einigen Wirbeln und Strömungen zu identifizieren – etwas, das mir allerdings auch erst “postmenopausal” geglückt ist. :-)“

    Das ist auch meine Erfahrung der letzten Jahre. Widerstand gegen „Das was ist“ und Identifikation, mit ganz gleich was es ist. Ausgenommen Identifikation mit reiner Präsenz, die das Leben und die Lebewesen als Selbstläufer, quasi als erscheinende und wieder verschwindende Phänomene begreift.

    Ja, und „postmenopausal“ ist eine schöne Wortkreation. Sie steht wohl für eine Zeit, in der die Lebens- und Überlebenskämpfe entweder abgeschlossen sind oder der Mensch den Kampf als solchen in Frage gestellt hat.

    Kampf und Widerstand verbunden mit Identifikation erzeugen unnötigen Schmerz.

    Danke Dir und
    beste Grüße nach Berlin

    Hermann

  8. @Claudia, den „Kern“ gibt es sicherlich. Du bist mit einer Seele und Anlagen geboren, auf der Welt-Oberfläche erschienen. Das bist Du.
    So meine Sicht.
    Daß dieser Kern im Zusammenklang mit der Erziehung, der Umwelt und den Einflüssen ein Gesicht nach aussen bekommt und daß dieses Gesicht allzeit (in Grenzen) wandelbar wäre, ist unbestritten.

  9. Ich verstehe jetzt besser, @Claudia, was du mitteilen wolltest. Ich danke dir dafür.

    Mit meinem Kommentar wollte ich eigentlich aber auch sagen, was in einem Zitat auf Rosalie`s Seite jetzt über Freundschaft gesagt wurde – nur, ich konnte es nicht so gut ausdrücken:

    „Ein Freund versteht dich, weil er Dich mag. Ein Freund mag Dich aber auch dann, wenn er Dich nicht versteht…“
    (Jochen Mariss)

  10. Liebe Claudia

    Ich habe Deinen Text nun zum dritten oder vierten Mal gelesen und in der Zwischenzeit darüber nachgedacht und jedes mal wenn ich ihn wieder lese, tun sich neue Gedankenwege auf. Das ist wirklich eine geniale Abhandlung, die Dir da gelungen ist.

    Die Metapher mit der Zwiebel gefällt mir. Mit jeder Schicht, die abfällt, gewinnt man neue Erkenntnisse und entwickelt sich weiter. Und am Schluss sehe ich einen leuchtenden Kern… Übrig bleibt – wenn es denn gelingt und wenn man Glück hat – ein gelassener, glücklicher, in sich ruhender Mensch, der auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken kann und sich selbst gefunden hat. So in etwa stelle ich mir das vor.

    Und weil irgendwo in uns allen wohl der Drang steckt, sich weiterzuentwickeln, tun sich Lebenskrisen auf, wenn man das Gefühl hat, in Stagnation zu verharren. Weil man instinktiv weiss oder hofft, dass es noch etwas zu entdecken gibt. Dass das noch nicht alles gewesen sein kann und es auf Dauer nicht erfüllend ist, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Und weil man sich selbst noch nicht gefunden hat. Und dann steckt man mitten drin, in der Midlife Crisis.

    Die äussersten Schichten der Zwiebel lassen sich relativ leicht abstreifen. Das beginnt wohl schon in der Jugend. Aber je näher man zum Kern vorrückt, desto harziger lässt sich die Zwiebel schälen… Jede Schicht ist ein hartes Stück Arbeit und vermutlich schaffen es nicht alle Menschen, zum Kern vorzudringen und resignieren irgendwann.

    Ich werde das Thema in einem meiner nächsten Posts aufgreifen. Danke für diese Inspiration!

    Liebe Grüsse,
    Rosalie

  11. Rosalie, habe Deine Blogadresse in meiner Blogroll zugefügt, weil mir – was ich da sehe und lese – gefällt.
    Zu dem, was Du hier eben geschrieben hast:
    ….ja näher man zum Kern vorrückt,….
    Was IST der Kern???
    Gruß von Sonja

  12. Einen ‚Kern‘ sehe ich nicht notwendig als Teil des Bildes der Zwiebel. Aber er ist durchaus vorstellbar, etwa falls eine in sich unendliche Zwiebel gemeint ist, dann könnte ‚Kern‘ so etwas wie den Limes einer unendlichen, aber konvergierenden Folge meinen (so wie die Zahl ‚Null‘ den Limes der Folge ‚1/N‘ mit ins unendliche wachsendem N darstellt – nie erreicht, aber beliebig anzunähern).

    Das Bild der Zwiebel hakt hier etwas, hat aber ein Detail, das oft übersehen oder vernachlässigt wird – den Prozeß des nie rastenden Schälens, der einen Handelnden erzwingt. Die Zwiebel – also ich – muß das nicht notwendig, kann es aber sein.

    Damit muß ich mich nicht unbedingt als Nichts (das, was nach dem letzten Schälen übrig bleiben könnte) sehen und um meinen Kern (das, was momentan gegen das Abschälen als Bleibendes behauptet wird) bangen – ich darf mich dann als Prozeß sehen, ein sich in unendlich wandelnden Schalen, Oberflächen entfaltendes (was immer damit auch jemand verbinden mag) Dasein, in dem Bleiben (die Schale) und Werden (das Abstreifen derselben) eine Hochzeit eingehen.

    Ein Kern, so wie ihn oben Gerhard sehen möchte (Seele und Anlagen) benötigt das Bild nicht, und derjenige, der es als Bild seiner selbst akzeptiert, müßte solche Kernelemente willentlich dazu tun, sie machten dann aber das Bild (unnötig) kompliziert.

    Daß im Laufe des Prozesses sich die Schichten leichter abstreifen lassen, wie Rosalie oben sagt, liegt, glaube ich, daran, daß wir (so wir die Abstreifenden sind) des Schälens immer müder werden und/oder unsere jeweiligen Schichten immer mehr lieben, so daß unsere Anstrengungen erlahmen. Es liegt nicht daran, daß wir uns einem Kern näherten, der Widerstand leistet.

    Einen Mangel hat das Bild der Zwiebel (neben dem Vorteil, aus der Lebenswelt nahezu aller Menschen gegriffen zu sein) – es ist ein endliches Ding mit Innen und Außen, deswegen denkt jeder sofort daran, daß es irgendwann ja einmal gut sein sollte mit dem Schälen.

    Ich stelle mir das Ganze lieber als einen um eine unendliche Gerade herum gewickelten Korridor mit durch Türen getrennten Abteilungen vor, wo nach jeder Tür eine neue Abteilung auf mich wartet. Zumindest hat dieses leider nicht sofort an Dinge, die wir anfassen können, erinnernde Bild den Vorteil, daß ich mir nicht die peinliche Frage stellen muß:

    Was ist mit mir, wäre die letzte Tür geöffnet und ich fände mich in einem Raum ohne Türen wieder?

    (Die bei der Zwiebel sofort auftaucht als: Was kommt nach der innersten Schale – eine bereits vor der Zwiebel da seiende ‚Seele‘, also der ‚Kern‘, oder eben nur heiße Luft, ein Nichts?)

    LG Susanne
    (und danke für die Anregungen aus Text und Kommentaren)

  13. Danke für Deine Einbringung, Susanne.
    Ich habe mit dem Bild Zwiebel seit einiger Zeit meine Not, denn es ist ein schon häufig gebrauchtes Bild und sagt mir daher kaum mehr etwas.
    Zu meiner Kurzanmerkung: Einen bestehenden Kern in einer Zwiebel, ganz unten und klein, das meinte ich so nicht. Ich denke, wir sind unverwechselbar, jeder ein eigener „Stoff“. In meiner Vorstellung existiert so etwas wie ein „Wesenskern“ – der allerdings, das meine ich, zu definieren wäre. Ich hatte ihn etwas salopp mit Seele umschrieben.

    Dein Bild der unendlichen Gerade mit Türfolgen hat den Vorteil, daß ich nicht unbedingt etwas abstreife, hinter mir lasse wie ein abgelegtes Kleidungsstück. Ich mache auch nicht unbedingt einen „Fortschritt“, etwas was das Zwiebelbild so aufdrängt. Der Begriff „Fortschritt“ ist in spirituellen Kreisen ohnehin verpönnt. Wer an seinen spir. Fortschritt glaubt, ist in einem Ego gefangen, der diese Etikettierung braucht.

    Unlängst sties ich auf ein „Stufenbild des Menschen“, in Jahrzehntenschritten. In diesem alten Bild wird ganz selbstverständlich auch von einem Verlust für den Alten gesprochen: Die Kinder lachen über den schliesslich Neunzigjährigen, er wird zum Spott, weil er all das Gelernte vergessen hat.
    Ich für mich sehe nicht die Schalen und das Schälen – zwar häufe ich Erfahrungen auf, sehe Dinge „anders“ als vor anderen Jahren, aber ich lasse nicht „Zentnergewichte“ hinter mir.

    Zu gutem Schluß: Wenn der letzte Raum in Deinem Bild keine Türe hat, gehe ich einfach zurück – ich werde das Vorhergehende mit neuen Augen sehen können.

  14. Danke Euch für die meditativen Beiträge! Susanne kommt mit dem „unendlichen schälen“ der praktischen Realität (im Bild der Zwiebel) nahe: schließlich findet immer wieder Identifikation mit irgend etwas statt – und sei es mit der „weisen Alten“, die sich ängstigt, zum Gespött zu werden (->Gerhards Stufenbild).

    Ob man mit einem „Kern“ sympatisiert oder sich besser mit dem „Nichts“ arrangiert, ist gewiss Sache individueller Neigung. Ich bevorzuge (meistens) das Nichts, denn wo Nichts ist, kann auch nichts sterben/verloren gehen – weil da nie ein „Wesen“ war, wie etwa eine Seele o.ä.

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  16. Wenn ich so zurueckblicke aufdie vergangenen 15 Jahre, dann stelle ich mit Stolz fest, dass ich mich veraendert habe: ich kenne mich viel besser als vor 15 Jahren, weiss mehr was ich will und was ich nicht will, was ich kann und was ich (noch) nicht kann etc. Von der anderen Seite jedoch, sicher wenn ich mit Freundinnen von frueher rede, komm ich immer oefter dahinter, dass ich noch immer die alte Anna bin :-)

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