Claudia am 01. Juli 2011 — 17 Kommentare

Die morgendliche Sehnsucht nach Revolte

Sicher habt Ihr es auch lange schon gemerkt: egal, wie problematisch, gemeinschädlich, undemokratisch, Macht- und Geld-gierig sich die Aktivitäten gewisser Kreise darstellen, sie machen einfach immer so weiter!

Da kann ohne Ende protestiert, demonstriert, konferiert, entlarvt und gefordert werden, was das Zeug hält: sie machen trotzdem weiter, verfolgen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ihre Ziele, als gehöre ihnen die Welt. Und wir alle, einschließlich sämtlicher Politiker/innen, die die Dinge ändern wollen, werden behandelt wie blöde Plapperer, die von nichts eine Ahnung und von daher auch nichts mitzubestimmen haben.

Wer?

  • Fangen wir klein an: DIE BAHN zum Beispiel. Da baut man einfach mal eben Stuttgart 21 weiter und ignoriert weite Teile der Schlichtung. Die Bürger werden sich schon wieder beruhigen, wenn sie vor vollendeten Tatsachen stehen und die GRÜNEN in der Regierung können die Bagger ja auch nicht direkt stoppen.
  • Dann die STRONMKONZERNE: die bereiten eine gemeinsame Klage gegen den Atomausstieg 2022 vor (!) – mit dem Argument, die früher mal vereinbarten Restlaufzeigen seien ihr „Eigentum“. Was darauf hinaus liefe, dass die Regierung bzw. die Steuerzahler zweistellige Milliardenbeträge als „Schadensersatz“ zahlen müssten… ich könnte kotzen!
  • Dann natürlich DIE BANKEN und die gesamte Finanzszene: Wie sie die von Bürgern und Politikern geforderte Beteiligung der Privaten an der Griechenlandrettung zum symbolischen Feigenblatt herunter verhandelt haben, berichtet die Süddeutsche im Artikel „In der Geiselhaft der Finanzmärkte“ . Und die TAZ berichtet in „Bürger wollen Durchblick“, wie Abgeordnete allüberall von der Bankenlobby unter Druck gesetzt werden, um Regelungen zu vermeiden. Am Ende haftet immer der Steuerzahler – so einfach ist das!
  • Zu guter Letzt dürfen DIE VERLAGE hier nicht fehlen, die entgegen aller Vernunft immer weiter wühlen, um ihre einstige Vormachtsposition auch im Internet durchzusetzen. Stichwort „Leistungsschutzrecht“, „Rundfunkänderungsstaatsvertrag“, und und und….

So, da fehlen natürlich noch eine ganze Reihe laufender Mega-Sauereien, aber den Drang zur Vollständigkeit verspüre ich gerade nicht. Auch so schon muss ich an den alten Spruch denken: Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht – wobei der „Brunnen“ unser aller brave Zahlungs- und Arbeitswilligkeit ist, wie auch die bereitwillige Ignoranz, mit der wir über vieles hinweg sehen, um unsere Ruhe zu haben. Um „Party zu machen“ oder gemütlich zu gärtnern, anstatt raus zu gehen und Straßen und Plätze zu besetzen, wie es andere Völker machen.

Es geht uns halt mehrheitlich noch zu gut. Wie lange wohl noch?

Diskussion

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17 Kommentare zu „Die morgendliche Sehnsucht nach Revolte“.

  1. Wie wär´s mit: Die Bahn, die Stromkonzerne, die Banken, die Verlage und den Staat, seine Wohltaten, seine Forderungen und seine Schulden links, wahlweise auch rechts, liegen oder hängen lassen und das eigene Ding machen?

  2. @Uwe: das mache ich ja schon ständig – und fühle mich dabei auch (noch) kaum behindert. Ich sag ja: uns gehts noch zu gut für die Revolte.

  3. @Claudia: Ja, so ist es wohl. Vielleicht wird´s ja garkeine Knall-Peng-Revolte sondern eher so ein Dahinbröseln, wie es mit der Mauer war? :)

  4. Wer weiß… aber schau doch mal das Video, das ich heute gepostet habe! Tut irgendwie gut, der gesprochene Text!

  5. http://www.miprox.de/Schuldenuhr.html

    pro Sekunde gehen in etwa 4.439 Euro (durch Neuverschuldung
    bzw. Zins und Zinseszins) flöten.

    Stand aktuell (Verschuldung BRD)
    1.940.473.759.800 Euro
    billion.milliarde.million.tausend
    wobei die letzten sechs zahlen sich so schnell ändern
    dass es keinerlei sinn macht dort ins Detail zu gehen.

    mir ist angesichts dessen
    ALLES, aber auch wirklich alles andere, was unsere allerliebsten Polisvertreter in Berlin und anderswo
    absondern völlig a.a.v.

    Die haben keine Chance glaubwürdig irgendetwas zu tun
    was mir die Überzeugung zurückgeben könnte, dieser Staat
    habe eine Chance auf dauer zu einem ausgeglichenen Finanzhaushalt und damit zu einer handlungsfähigen Gesellschaftsform zu kommen.

    Neben dieser Grundlast der Staatsverschuldung kommen noch derart viele hochpreisige Schweinereien hinzu, dass es für mich persoenlich absolut uninteressant ist wer nun wen mit wem gegen wen beim regieren, wahlkämpfen, bestechen, betrügen, belügen, hintergehen, umstürzen, umdrehen, uminterpretieren, umbringen, abzocken oder einer sonstigen politischen tätigkeit unterstützt oder mehr als den umständen entsprechend fördert oder gefährdet.

    soviel von mir zur Polis.
    zu den Konzernen im allgemeinen: sauber. macht weiter so, die leute lassen sich zu gerne an der langen kette mit ring durch die nase im Kreis zur schlachtbank führen.

    zu den energiekonzernen im besonderen:
    BOAH! reife leistung.
    lasst euch die entwicklung, erforschung und technisierung der kernkraft SCHENKEN! ,- verdient eine zeitlang eine schweinekohle damit und nu, wo es eng wird holt ihr die
    Rechtsanwaltsratten aus den löchern und verdient ein zweites mal eure dumm und dämlichkeit zu den ganzen geschenkten Gäulen hinzu.

    und die kilowattstunde wurde noch nie auch nur einen halben cent billiger ganz im gegenteil.

    pfui teufel, nicht mal feuer und flamme wärt ihr mirs wert
    mit euch -freiwillig- geschäfte zu machen.

    die noch nicht mal angefangene liste meiner lieblingsthemen
    hinsichtlich Bürgerverarsche und Monopolabzocke ist wie gesschrieben noch nicht mal angefangen und schon reichts mir auch wieder.

    und es gibt keinen ort der zuflucht heisst, das ist der Witz an der ganzen geschichte.

    *jubel*
    ich beginne den grossen bruder zu lieben, nu kanns nicht mehr lange dauern bis zum gnadenschuss.

  6. http://draketo.de/proj/schuldenuhr-vermoegensuhr/

    aso, nur, um nicht allzu einseitig uneinsichtig zu sein,
    selbstverständlcih gehts „uns“ richtig gut,
    die paar staatsschulden könnten locker von ein paar privatsponsoren in einem rutsch erlegt werden, so die denn
    wollen würden wollen.

    aber dann wär der unterschied, der „Wichtige“ soziale unterschied zwischen kann was und habenix für ein paar momente nicht mehr klar erkennbar und damit kein anreiz mehr
    mehr zu raffen als andere:)

  7. Danke Ingo! Sprichst mir aus der Seele, auch wenn ich lange nicht so eloquent schimpfen kann! :-)

    „mir ist angesichts dessen
    ALLES, aber auch wirklich alles andere, was unsere allerliebsten Polisvertreter in Berlin und anderswo
    absondern völlig a.a.v.“

    Das sehe ich nicht so. Staatsverschuldung und Haushaltskonsolidierung ist halt EIN Thema, das es lange lange schon gibt. Man könnte auch auf dem Standpunkt stehen: nur zu mit der Verschuldung, zahlen wir eh nie zurück – und verfrühstücken doch per Haushalt die angelegten Gelder. (Dass DE „systemisch“ ist, ist wohl klar…)

    Was ist denn das Interesse der Nicht-Reichen und Armen? Etwa Haushaltskonsolidierung? Eher nicht, sondern die Ausweitung des Sozialetats, der Mittelstandsförderungen und und und…

    WEN interessiert denn, dass der Staat verschuldet ist, wenns um die eigene Kohle geht?

    Ich weiß es wirklich nicht. Und natürlich zahlen wir dauernd auch zurück, heute 12, übermorgen schon 15% des Haushalts. Es wird trotz boomender Wirtschaft MEHR und nicht weniger.

    Aber: WEN kümmert das eigentlich? Ich habe nicht den Eindruck, dass es für viele ein TopThema ist! Leider!

  8. Vielleicht ist es sehr passend, wenn sich Handeln, Denken und Empfinden in die diskreten Kästchen der Events (Super-Events, Top-Events, Mega-Events…) pressen läßt und pressen lassen will. Mag sein, alles, was nicht in 30 Sekunden oder 160 Zeichen ‚an den Mann‘ gebracht werden kann, ist so gut wie nicht existent. Und zu jedem Mehr gibt es ein Noch-Mehr, das von einem Abermals-Mehr übertroffen wird. So formt sich interpretierte Realität nach dem Bilde des einzig noch zählenden Erfolgs: 10% – 15% – 20% – 25% – … ad infinitum!

    Und was sollte je diese Folge abschließen oder gar umkehren? Solche Fragen sind verpönt, weil sie nicht einfach zu stellen und schon gar nicht zu beantworten sind. Bestimmte Fragen sind überhaupt ganz einfach – weg!

    Ein kleines Beispiel: ich frage mich seit Mitte März, wann in einem seriösen Medium die mir so einfach erscheinende und mich bewegende Frage gestellt wird, wie stabil und widerstandsfähig ein Bauwerk in einer Erdbebenregion nach einem heftigen Erdbeben plus anschließendem Tsunami plus einer Stahlbeton demolierenden Wasserstoffexplosion noch beim nächsten Erdbeben sein kann. Ein einst akribisch und mühsam errichteter Bunker, dessen vornehmste Aufgabe aus seinem Namen folgt, nämlich ein sicheres Containment für etwas zu sein, das besser nie dieses stabile Gelaß verlassen sollte?

    Diese Frage wird nicht gestellt, diese Überlegung kommt gar nicht vor. Zumindest lese oder höre ich es nicht. Dabei kann jeder Mensch sich an seinen zehn Fingern ausrechnen, daß auch Beton unter Bealstungen mürbe werden kann und daß niemand mit ein paar dutzend alten Männern in Plastikkitteln, unter dauernder Strahlenbelastung und innerhalb weniger Monate ein erdbebensicheres, grundsolides Bauwerk errichten kann, nachdem ein paar tausend Menschen mit schweren Maschinen und vergleichsweise idealen Arbeitsbedingungen und nahezu unendlich viel Zeit das ebenfalls nicht richtig hingekriegt haben.

    Wie kommt es, daß diese so einfache Überlegung nicht öffentlich angestellt wird? Bin ich zu dumm, um den Grund woanders zu sehen als darin, daß niemand sie anstellen will oder darf? Vielleicht, ich bin weder Atomphysikerin noch bei einem Sender oder einer Zeitung angestellt. Ich lasse einen Wagen, der einen schweren Unfall hatte, welcher seine Karosserie verzogen hat, verschrotten, statt ihn weiter mit 130 oder mehr über die Autobahn zu prügeln und dabei nur einen freundlichen Mechaniker auf den Rücksitz zu platzieren, der die Polsterung neu spannt. Weil ich annehme, daß der Wagen das schlichtweg nicht mehr aushalten und mich sowie andere Menschen gefährden wird. Und die meisten Menschen, die ich kenne, handeln nicht anders – auf ihren Wagen oder ihr Haus oder ihren Gartenzaun bezogen. Aber für ein Bauwerk wie ein Atomkraftwerk gelten vermutlich andere Regeln und Gesetze. Hier dürfen gewissen Gedanken aus dem alltäglichen Erfahrungsschatz einfach nicht gedacht werden, und man (abkürzend gesagt) hält sich daran, selbst oft jene, die sich selbst als kritisch sehen.

    Ich denke, das liegt zum Teil auch daran, daß das Event ‚Fukushima‘ ausgelutscht ist. Niemand, kein privat verunsicherter Medienzar, kein ehrenwerter Talkmaster, keine quotensüchtige Moderatorin einer Expertenrunde und keine mit Stimmenschwund kämpfenden Politiker werden es neu beleben können. Das muß dann schon die Natur übernehmen, und ich fürchte beinahe, da in Japan auch heftige Erdbeben fast zum Alltag gehören, wird sie das womöglich in den nächsten Monaten auch tun.

    Wir dagegen wenden uns dem nächsten aktuellen Top-Event zu – Schulden, Sport, Revolten, Sex, Gewitter, Wahlen, Hochzeiten, Ipv6-Adressraumerweiterungen, Plagiateure, Viren, Sex, Vulkane, Sport, Krieg, Wetter, Sport, Revolten, Wahlen, 3-D-TV, Schulden, Sport, Skandalen, Drogen, Sport, Verbrechen, Sex, Wahlen usw. usf.

    Das ist wie Zahnschmerzen mit Kopfschmerzen und die mit Gelenkschmerzen und die mit Bauchschmerzen und die endlich wieder mit Zahnschmerzen zuzuschütten. Es klappt. Jeder kann das versuchen. Man muß es immer nur ein wenig steigern, 10% – 15% – 20% – 25% – 30% ….

  9. Hi Susanne, danke, dass du dich an unseren abgründigen Überlegungen so ausführlich beteiligst!

    Die Frage nach der Stabilität eines havarierten AKWs wird deshalb nicht gestellt, weil die Antwort jedem klar ist. Und es ist ja nicht so, dass so ein AKW „restauriert“ und weiter betrieben werden sollte bzw. könnte. Deshalb stimmt dein Vergleich mit dem weiter fahren eines kaputten Autos nicht!

    Man kann also nur über Konsequenzen nachdenken – und das wurde ja tatsächlich getan. Und sogar entschieden. Man mag über die Details herum rechten, doch was sollte man mehr als den AUSSTIEG fordern?

    Etwa die Abschaffung des Wachstums, weil auch andere Energieträger problematisch sind? Das scheint nicht in unserer Macht zu liegen, bzw. gebiert totalitäre Staatsformen, in denen wir wahrlich nicht leben wollen – dann doch lieber etwas mehr Risiko…. Sicherheit ist eben für die meisten NICHT der oberste Wert.

    Übrigens: mein derzeitiger Top-Event ist Google+ …

  10. „Und es ist ja nicht so, dass so ein AKW ‚restauriert‘ und weiter betrieben werden sollte bzw. könnte.“ schreibst Du. Exakt das ist aber der Punkt: Ein AKW muß weiter betrieben werden, d.h. es muß ein funkionierender, geschlossener Kühlkreislauf (intakte Leitungssysteme und Pumpen und Filteranlagen usw.) und ein funktionierendes Containment (kein Austritt von Gasen und Stoffen an die Umwelt) weiter betrieben werden, ob drinnen nun die Brennstäbe ordentlich in ihren Halterungen hängen und Wasser erhitzen sowie in Badewannen in gekachelten Räumen vor sich hin gekühlt werden oder als ständig re-kritisch werden könnender Brei im Keller herum liegen oder aus dem dritten Stock auf die Straße zu fallen drohen. Die Rede vom Ausstieg (jetzt oder binnen ein paar Jahren) ist eine ebenso kindische Illusion wie die Rede vom zu vernachlässigenden Restrisiko. Ebensowenig kannst du aus einem abstürzenden Flugzeug aussteigen, um dich den unangenehmen Konsequenzen der harten Landung zu entziehen.

    Die Nukleartechnologie (wie jede ‚Großtechnologie‘, die ja stets unendlich viel mehr sind als nur erweiterte Laborexperimente von Weißkitteln und deren spannendeste Momente meistens nur zum kleineren Teil ‚technologisch‘ sind) legt eben nicht nur politische, soziale und technische Denkverbote auf, sondern sie ist ein lastendes materielles und immaterielles Erbe, ein teuflischer Huckup: einmal auf dem Rücken der sie benutzenden Gesellschaften festgekrallt, werden diese sie nie (nie jetzt als Näherung für einen Zeitraum, der ein Vielfaches der üblichen Lebensdauer von Gesellschaften bezeichnet) wieder los!

    Ich kenne nun natürlich auch nicht den Königsweg zu einer Welt ohne Probleme. Ich denke jedoch, daß niemand (in persona oder als Assoziation) ihn finden wird, der sich von den zu lösenden Problemen den Rahmen möglicher Strategien ihrer Lösung dikiteren läßt. Dazu gibt es zu viele dieser scheinbar naturnotwendigen Dichotomien (Freiheit – Stabilität, Reichtum – Planung, Leistung – Sicherheit usw.), die ein Gestrüpp an Unmöglichkeiten simulieren, aus dem dann am Ende auch computergestützte Weltkomplettansichten (egal, ob sie nun von Google oder einem anderen Wahrheitsministerium stammen) nicht mehr heraus helfen, sondern höchstens noch eine Weile Spaß machen können.

    So! ;-)

  11. Ach SO meintest du das! Das AKW ist nicht einfach auszuschalten, auch wenn man es nicht weiter nutzt – klar!

    Mir fällt im Moment auch nicht mehr ein als mich dem „noch eine Weile Spass haben“ zu widmen, wie es wohl viele tun.

    Kann mir eine Zukunft vorstellen, in der die technische Zivilisation weitgehend den Bach runter gegangen ist und niemand mehr weiß, was es mit den „verwunschenen Gebieten“ auf sich hat – nur dass man krank wird, wenn man sich dort aufhält und früh stirbt, wird wohl in Erinnerung bleiben.

    Falls noch jemand da ist, der sich erinnern kann.

  12. Nun, „nicht einfach auszuschalten“ klingt aber sehr optimistisch. Für mein Gefühl liegen da mehrere Tonnen Material für ’schmutzige Bomben‘ (deren Gemeinheit nicht im Explodieren liegt) auf wackeligen Tischen herum, und ein paar Leiharbeiter unter Anleitungen einiger weniger Spezialisten legen Schläuche, um sie mit Wasser zu besprühen, das man vielleicht mehrfach benutzen kann, und andere basteln an einem Zelt darüber, und alles, aber auch alles muß noch lange reibungslos so klappen. Irgendwann kommt aber das nächste Erdbeben und rüttelt kräftig an der ganzen Chose. Fall es das zu heftig tut, war die ganze Anstrengung umsonst und der Mist liegt unter freiem Himmel – sozusagen die outdoor Variante der friedlichen Nutzung der Kernenergie und ein sicherlich sehr interessantes Feldexperiment.

    Genau darüber (was wird dagegen getan, wie stehen die Chancen, welche Möglichkeiten gibt es überhaupt) würde ich gerne mehr erfahren, und das bitte laufend! Allein schon, um mich in der Illusion zu wiegen, jemand Externes schaue den Tepco-Leuten genau auf die Finger. Denn falls alle weg gucken, machen die das, was solche Konzerne am besten können – Geld.

    Deine düstere Vision erscheint mir allerdings – leider – langsam ebenfalls die wahrscheinlichste zu sein. Ich hoffe nur, es dauert noch etwas länger als meine Restlaufzeit und die aller Menschen, an denen mir etwas liegt. Und niemand entwickelt eine Methode, Fernsehen direkt in mein Gehirn zu übertragen. Wenigstens meine schlechte Laune darüber möchte ich gerne behalten!

  13. @Susanne: selten wird eine Frage so schnell von der Realität beantwortet!

    SPIEGEL, 10.7.2011:
    Fukushima: Schweres Erdbeben erschüttert Japan

    Trotz Stärke 7.x diesmal offenbar keine neuen Schäden an den AKW. Wobei da ja kaum etwas schlimmer werden kann, wenn eh schon in drei von vier Reaktoren die Brennstäbe geschmolzen sind. Und anfänglich war die Kühlung ja auch nicht durchweg stabil.

  14. „…offenbar keine neuen Schäden an den AKW.“

    Was ist schon „offenbar“? Die Schäden sind nicht offenbar, die Strahlung nicht und die Folgen der Strahlung auch nicht. Alles ist ganz und gar „geschlossenbar“ und sollte mal irgendwas offenbar werden, dann sind halt die Zusammenhänge nicht offenbar.

  15. Ja, es ist erstaunlich, wie flink die Wirklichkeit heuer doch ist!

    Aber ich vertraue fest darauf, daß die Menschen spätestens im Jahr 2025 über alle Mittel verfügen werden, alles wieder gut zu machen, bis 2050 dann, um alles noch besser zu machen, gegen 2100 sicherlich, alles paradiesisch werden zu lassen, etwa 2125 kommt dann Paradise reloaded und endlich 2150 der directors cut. Man nennt ihn auch Allah oder Gott oder Jahwe …

    Immerhin erfreut mich die blitzschnell (getroffene und kommunizierte) Diagnose ‚alles in bester Butter‘ Tepcos. Man hätte sich solch rasche Sicherheit des Urteils auch woanders und wannanders gewünscht!

  16. So eine feine Diagnose verbessert zwar nicht die Faktenlage aber sie hebt die Stimmung. Wäre ich Tepco, würde ich es auch so machen. ;)

  17. Ich würde es anders machen. Ich würde offen legen, was meines Wissens nach passiert, ich würde sagen, was ich nicht kann und andeuten, was ich kann. Ich würde betteln und flehen und jammern und berichten. Und ich denke, nur so würde Glaubhaftigkeit sein, und Gemeinsamkeit werden, und Hilfe und Trost.

    Doch ich bin nur ein Mensch, und Tepco ist ein Ungeheuer, und Menschen sind fehlbar und schwach, aber Monster niemals.

    Die Geister wurden gerufen, und nun werden wir niemals sie je wieder los. Schade, an sich, die Welt wäre schön, doch leider, sie ist nur das Opfer und wir sind der Dieb!

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