Claudia am 14. April 2011 — 17 Kommentare

Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem – Gunter Dueck auf der re:publica 2011

Eine großartige, humorig-ernsthafte Rede von Gunter Dueck über „das Internet als solches“. Er sagt „garantiert nichts Technisches dazu, denn das ist ja da.“

Dafür spricht er davon, wie wir zu kleinen Maden im System werden und wie alle Berufe verschwinden – naja, fast alle. Trotzdem kein genuines Internet-Bashing, sondern eine Art heitere „Erweckungsrede“, die uns alle motivieren will, uns auf die Erfordernisse einer digitalen Gesellschaft einzulassen und die Bedingungen bewusst zu gestalten. Todernstes Kabarett sozusagen – oder wie würdet Ihr diese Art Vortrag nennen?

Mehr von Dueck gibts auf seiner Homepage „Sinnraum“ auf omnisophie.com.

Mehr Eindrücke von der re:publica hab‘ ich im Webwriting-Magazin gebloggt:

Die Veranstaltungen im Friedrichstadtpalast werden übrigens ins Netz übertragen (der Link rechts oben auf re-publica.de). Nach Ende der „Konferenz“ am Freitag gibts dann auch irgendwann die Videos von den Events aus den beiden Sälen der Kalkscheune.

Diskussion

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17 Kommentare zu „Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem – Gunter Dueck auf der re:publica 2011“.

  1. […] erlaubt, daß die re:publica in diesem jahr so voll sein darf? am frühen nachmittag also staunend etwas über rhetorik erfahren, anschauungmaterial sozusagen, am lebenden subjekt auf der bühne. dabei kam ich zu der […]

  2. Schönes Wiedersehen!
    Gunter Dueck durfte ich auch mal live erleben. Irgendwie hat er damals bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Seinen „Sinnraum“ habe ich danach einige Zeit freqentiert.

  3. „Dafür spricht er davon, wie wir zu kleinen Maden im System
    werden und wie alle Berufe verschwinden – naja, fast alle.
    Trotzdem kein genuines Internet-Bashing, sondern eine Art
    heitere “Erweckungsrede”, die uns alle motivieren will,
    uns auf die Erfordernisse einer digitalen Gesellschaft
    einzulassen und die Bedingungen bewusst zu gestalten.“

    :)
    Ja, genialer Vortrag.

    „Wir brauchen dann nur noch Einstein’s, Planck’s
    EINMAL im Original auf den Universitäten, der Rest der
    Profs ist c/o „makulatur“ -weil schon im Betriebssystem
    vorhanden-“ <– die Originale prüfen nur noch mal und SAGEN
    den Studis wozu sie auf der Welt sind.

    die IT-ler habens schon schwer, sie sind dabei sich selbst
    abzuschaffen, jetzt schon im Vorfeld wird sichtbar, dass die
    Spaltung der "Welt" zwischen "richtiges_Leben_IT"
    und "Richtiges_Leben_RL" tatsächlich kabaretistische
    Formen annimmt die an Humorgehalt kaum zu übertreffen sind.

    Diese Meinung ist von mir:). ich bin immer noch keine
    "IT-persönlichkeit" benutze trotzdem die Annehmlichkeiten des Internets, verdiene meine Brötchen aber in meiner "realen Welt".

    in meiner Werkstatt geht ohne "reales Handanlegen" an Maschine und Handwerkzeug GARNIX, unabhängig davon ob ich meinen Laptop nun in die Schiessbude mitnehme oder zuhause lasse.

    ohne hergestellte reale Waren verkaufe ich nichts aus dem realen Erwerbszweig Handwerk, habe daher zwar erfreulicherweise auch kaum Schulden beim Finanzamt aus dieser Nichttätigkeit, werde über kurz oder lang allerdings auch den "Erwerbsbereich handwerkliche Tätigkeit" mangels nachhaltigem Tauschmittelerwerb eindampfen müssen.

    ich werde den Schritt in die REALWELT 3.0 nicht mehr mitmachen können da Lebenszeit Ressourcenknappheit zum umsetzen dazu droht:).

    das mag bei den IT-lern anders sein, Datenbanken sind geduldig, aber wie ein gewisser herr Ford schon erwähnte:
    AUTOS kaufen keine Autos.

    dies ist keine Kritik an dem Vortrag oder dem Vortragenden.
    es ist nur meine Meinung, meine Kundgebung meiner Stellung
    in meiner realen welt und deren Zusammenhänge.
    mir ist klar, dass ich wenig Erfolg haben werde, sollte ich Wurst beim Frisör kaufen will. Besteht die Welt denn tatsächlich schon zu 80 % aus IT und der Rest der Lebenden ist deren Lakaienbeiwerk?

    oh schöne neue welt wie hast du dich verändert:)

    gruss imsz

  4. Die von Herrn Dueck dem Internet attestierte just-in-time Qualifikation wird den Arbeitsalltag, da hat er meiner Ansicht nach Recht, ähnlich umkrempeln wie die just-in-time Anlieferung. Sie verlagert Kosten von dort, wo sie buchhalterisch eingerechnet werden müssen und Gewinne reduzieren, nach dorthin, wo sie das nicht mehr tun. Nämlich ins nicht mehr betriebsintern zu Betrachtende. Indem vorausgesetzte und vorgefundene Ressourcen (die oft ‚irgendwie gesellschaftlich‘ bereitgestellte Ressourcen sind, etwa Infrastruktur oder eine funktionierende Wissensproduktion) privat verwendet werden, ohne sie via Tausch sich aneignen zu müssen.

    Man kann das feiern, wenn man bereit ist, diese Zusammenhänge und ihre Folgerungen (weil häufig nicht so nett) aus der Betrachtung auszublenden (was jede Bilanz oder Betriebsbewertung tut). Und als Fortschritt bezeichnen, daß das Netz (wie Bevölkerung, Gesundheit, Boden, Wasser und Luft) zum wohlfeilen Rohstoff (modischer ausgedrückt: Betriebssystem) verkommt.

    Ich würde das jedoch schlicht Ausplünderung nennen. Eine Handlungsweise, die dem privaten Gewinnkalkül schon immer inhärent war und in meinen Augen allmählich immer sinfälliger werden sollte – würden die Sinne nicht permanent mit schicken Worten wie Professionelle (statt Kreative oder Manager oder Vordenker) oder Betriebssystem (statt Wissen oder Fertigkeiten oder Natur) zugeschüttet.

    Als Rationalisierungsmaßnahme ist übrigens der Ersatz von an lebendige Personen gebundenen Fertigkeiten durch von jedermann anwendbare Anweisungen keine Neuerung. Das ist in die Idee der Maschinerie bereits eingebaut und etwa auch Basis des sogenannten Qualitätsmanagements. Manche sagen auch Entwertung des Preises der Arbeitskraft dazu. Allerdings sind der Idee auch ihre Konsequenzen nicht zu nehmen.

    Welche keineswegs dadurch begrüßenswerter werden, daß die in der Folge nicht mehr benötigten Personen dank Breitbandzugang zum Internet Pornos, Sport und Spiele in 3-D gucken können. Diese werden dadurch in der Regel, wie es scheint, allerdigs recht wirksam beruhigt. Weswegen wir vielleicht noch erleben werden, daß im Hartz-4 Regelsatz zwar die Kosten einer Internet-Flatrate enthalten sein werden (plus dem notwendigen Netbook), nicht aber die einer (nicht mehr notwendigen) (Aus-)Bildung der Kinder.

  5. SuMuse bringt es wie so oft auf den Punkt. Wohin führt das alles? Wahrscheinlich zuerst mal noch eine ganze Weile in die Irre, deshalb ist es aber so wichtig, dass die Gesellschaft versteht, dass die Ausbildung der Kinder mehr als eine Wissensanhäufung ist.

  6. Wieso kann ich diese smart-blasierten Redner nicht ausstehen?

  7. na „smart-blasiert“ würde ich nicht unterstellen, der vortrag ist in sich echt klasse gemacht und die art vom Vortragenden hebt sich meiner meinung nach gewaltig von den ansonsten üblichen „snobs“ ab. Der Vortrag hat eine in sich geschlossene linie die konsequent verfolgt wird und so wie ers vorträgt ist es (wie claudia schon schrieb) eher „Kabarett“
    er hat eine idee entwickelt die sich verselbständigt „das betriebssystem“ (die grundvoraussetzungen) sind alle schon vorhanden; also ist so vieles was zur zeit in der hauptsache gemacht wird schlichtweg: überflüssig.

    mir gefällt dieser versteckte Humor seiner vortragsart, er lässt die leute selber denken. und : mir kommt es nicht vor als ob er „exKathedera“ kanzelt, sondern einfach versucht sich (seine person) aus dem ganzen geschehen so gut wie möglich herauszuhalten–neutral zu „berichten“.

    gruss imsz

  8. Hallo Ihr Lieben,

    bitte seht es mir nach, dass ich derzeit etwas still bin.

    Die 3 Tage Re:Publica haben mich ziemlich geschlaucht, obwohl sie supertoll waren (Resonanzen dazu hab ich im WWMAG gesammelt.)

    Zur eigenen Nachlese und tiefer gehenden Betrachtungen bin ich noch gar nicht gekommen – muss einerseits die Fehltage nacharbeiten, andrerseits bin ich plötzlich erkältet. Kommt davon, wenn man unter so viele „reale“ Leute geht! :-)

    @Uwe: als „smart-blasiert“ empfinde ich Dueck nun gar nicht… er ist stimmlich einfach kein guter Redner, macht das aber ANDERS mehr als wett – indem er quasi die Defizite kabarettistisch zum Benefit umdreht.

    Zu den Thesen selbst: das ist halt ein schmalspuriges Weiterdenken bestimmter Entwicklungen, die jedoch nicht alles sind. Auch wenn „alles Wissen im Netz ist“ sind arbeitende Menschen nicht überflüssig. Ich baue, entwickle und pflege seit 1996 Webprojekte und beziehe sämtliches damit zusammen hängendes Detailwissen aus dem Netz – und zwar just in time, dann, wenn ich es brauche.

    TROTZDEM kann ein Neu-Einsteiger lange nicht alles das mal eben so machen, was ich mit 15 Jahren Erfahrung machen kann – OBWOHL alles dazu zu Wissende im Web steht. Weil er gar nicht weiß, was er fragen muss und auch nicht weiß, was alles erforderlich ist, was wie miteinander zusammen hängt und auf welchen Ebenen dies oder jenes zu beachten ist.

    Billige Automatisierungen haben krasse Nachteile, das merken die Auftraggeber auf Dauer schon und landen im 2. Anlauf dann doch beim Webdesigner/Berater – da hilft all das Wissen im Netz nichts. Es muss jemand wissen, WAS DAVON wo gebraucht wird.

    Und in vielen anderen Berufen ist es genauso. Eigentlich ja toll, dass „Fakten büffeln“ immer weniger wichtig wird…dafür werden andere Kompetenzen zunehmend gebraucht.

    Insgesamt wäre es auch denkbar, dass allgemein weniger gearbeitet würde – wir sind halt letztlich selber schuld, dass wir keine Revolution machen! :-)

    Hm, die Erkältung…. ich muss mich hinlegen, meine Matschbirne gibt nichts Sinniges mehr her.

  9. Hallo Claudia,
    das Video von Gunter Dueck ist bei YouTube zum Einbetten freigeben.
    Ich hab’s so gemacht -> Weiterleiten -> dann unter dem Link auf Einbetten klicken.

  10. @Lucia: danke! Habs mittlerweile auch gecheckt: Youtube hat den Einbettungscode „verschoben“….

  11. […] besten Vortrag von Gunter Dueck “Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem” gibts im Digital Diary ein Posting mit interessanten […]

  12. Weil er gar nicht weiß, was er fragen muss und auch nicht weiß, was alles erforderlich ist, was wie miteinander zusammen hängt und auf welchen Ebenen dies oder jenes zu beachten ist“ schreibt Claudia. Genau!

    Die Unverzichtbarkeit von Fertigkeit (z.B. Wissen zu haben und es auch dort anwenden zu können, wo Handbücher nicht weiter wissen oder die Formulierung der Suchanfrage bereits die fertige Antwort bräuchte) gründet für mich u.a. darauf, daß das Gerede von ‚Fakten‘ so dumm wie Brot ist.

    Ein Faktum wird nur zu einem Faktum, indem ein verständiges Urteil es zu einem solchen erklärt!

    Ohne Urteilskraft begegneten uns keine Fakten, sondern nur ein endloser Strom von unangenehmen Kollisionen und peinllichen Mißgeschicken. Und die beliebte Rede von einem ‚Faktenwissen‘ (im Gegensatz zur schöpferischen Intelligenz oder Ähnlichem) ist gleich Dummheit hoch Zwei.

    Im Allgemeinen lieben vor allem jene Leute solch geistlos trennendes Reden (Klugheit, Kreativität, Urteilsvermögen hie und plumpe Faktizität da), die sich damit flink ‚über‘ etwas oder jemanden (Anwender, Benutzer, Ausführende usw. – kurz Knechte) erheben wollen (als Erfinder, Denker, Schöpfer, Arrangeure usw. – kurz Herren). Das Bild der Maschine, in welcher der Geist des Erfinders lebe, während ihre Anwender zu Sklaven des Maschine gewordenen Willens werden, stammt wohl daher.

    Wie unendlich viel witziger dagegen das Bild derjenigen, welche die Restlaufzeit der Batterien ihres Laptops verwendet, um im Lichte eines leeren, schier weißen Fensters des Textverarbeitungssystems in der finsteren Diele nach der Ursache dafür zu fahnden, daß die blöden Sicherungen andauernd wieder heraus fliegen.

    Das nenne ich den Triumph der user applied intelligence über die design limitations des operating systems!

  13. –Zitat aus seiner homepage—>
    http://www.omnisophie.com/lit_aufbrechen.php

    Hinter all den vielen kleinen Automatisierungsphänomenen
    in unserem Alltag steht eine große Bewegung, nämlich die
    der vollen Industrialisierung aller Arbeit, nicht nur der
    in der Produktion. Wir werden zunehmend in allen Berufen
    von Computern verdrängt.

    Diese Industrialisierung zieht Arbeitslosigkeit und
    Jobverlustangst mit sich. Wir fühlen den Niedergang.

    Wissen Sie noch, dass zur Zeit meiner Geburt etwa
    die Hälfte der Leute in der Landwirtschaft tätig war?
    Heute schaffen knapp zwei Prozent dieselbe Arbeit
    und klagen noch immer über den Druck des Marktes.

    Über die Jahrzehnte hinweg mussten die Land-,
    dann die Berg-, schließlich die Industriearbeiter
    neue Jobs suchen.

    Dieser Prozess steht nun den Dienstleistungsberufen
    bevor. Und wie in all den anderen Fällen müssen wir fragen:

    „Was geschieht mit all diesen Menschen?“
    Deutschland muss sich neu erfinden und als
    Ganzes einen neuen Job suchen.

    Das will ich nüchtern deutlich machen und mit Ihnen
    im Buch gedanklich auf Suche gehen. Deutschland
    muss ein Land der Nano-, Umwelt-, Medizin-,
    Computer-, Gen- oder Biotechnologie werden.

    Da liegt unsere Zukunft. Wo sonst, bitte?
    Und was muss geschehen, damit wir dort hinkommen?
    Auch klar: Das Volk der Dichter und Denker besinnt
    sich auf seinen Kern und wird zum Hochbildungsland.

    ———–<<<----zitatende<-- ich sehe das irgendwie nicht so richtig als machbar an. es gibt sehr viele dinge die nach wie vor "von Hand" erledigt werden (muessen). sollte ich mich derartig täuschen? was wird aus all den Gewerbetreibenden, überhaupt aus all jenen die irgentwelche produkte im Herstellungsprozess der Warenketten bearbeiten? wie soll das reale Bruttosozialprodukt nur mit "geistiger Schaffenskraft" umgesetzt werden? wieviel der zur zeit "real"-Beschäftigten sind in toto durch "xxx" ersetzbar? da fehlt mir wirklich die Vorstellungskraft. gruss imsz

  14. Stellen wir uns ein Haus vor, ein Anwesen, eine Hacienda, luftig und leicht und warm und hell und wunderschön aufgebaut. Du schaust auf eine Landschaft von Ebenen und Felsen und Wasser und Gras, Bäumen und Büschen und schmalen Wegen dazwischen. Ein paar Menschen laufen dort herum, sie pflegen und hegen und sie kommen am Abend zusammen, zu deiner Tafel, du liebst sie, sie lieben auch dich. Wind weht durch dieses Bild, und die Wände der Zimmer, von Hand roh geweißelt, mit Bildern und Schals und mit Büsten geschmückt, wahrer Kunst, sie umgeben dich weich wie der Leib einer Mutter. Jeder Winkel ist wichtig, jedes Detail handgemacht. Holz wurde beschnitzt, die Ziegel mit Bedacht aufeinander gestapelt, und ein Geruch ist in den Räumen, der froh macht und schön.

    Ja, so leben die Reichen. Sie leben von der Hände Arbeit jener, die nicht sind, wie sie sind. Sie halten sich fern von diesen, sie leiden vielleicht sogar mit diesen, sie vergießen warme Tränen, über das Rohe, das Rauhe, das Harte, das Üble, das Stinkende, dem sie entstammen. Aber Gott bewahre, sie mischen sich nicht.

    Drei Tausend Jahre sind ins Land gegangen, bevor ernsthaft gefragt wurde, wie ein Arbeiter lebte, als seinesgleichen die Pyramiden aufbauten. Wie viele Jahre werden vergehen, bevor jemand sich dafür interessierte, wie die Menschen nur dachten, die die Zukunft ihrer Kinder und Kindeskinder bis ins tausendste Glied hingaben für geile Events, für heißes Vollgas, für glitzernden Glamour und strahlende Spotlights und eine helfende, pushende Linie so gegen Eins und eine echte Blondine im Bett, oder zwei, und die Deadline vom Broker per Handy oder Netz?

    Ich glaube, wir sollten der Tatsache ins Auge sehen, daß diese Wirklichkeit die Mehrheit der Menschen einfach nicht mehr braucht – und daß ein Teil es sich gut gehen läßt, solange es noch irgendwo Regionen auf diesem Globus gibt, in denen das Geld vor den Deppen der Welt gut geschützt und von einigen dieser Deppen bestens bedient leben kann wie Gott in Frankreich.

    Und es wird sich niemals mehr ein Jota daran ändern – nur ob Schalke in der champions league oder Lagerfeld in der Werbung ist, das interessiert. Und ob das Netz stets erreichbar, und der Feeder auch klappt, und es bunt ist, high D, 3 D, und überhaupt toll und echt ganz krass optimal.

    BTW @Claudia: Irgend ein ‚Verbinden mit friendfeed.com‘ macht das Öffnen Deiner Site bei mir manchmal zur Qual. Vielleicht schaust Du einmal nach. Ich mag solche Erscheinungen nicht, weil sie mir suspekt sind.

  15. Was mich an solchen Outputs von ‚events‘ wie dem Convent, der eben diesen Vortrag trug, sehr stört (um nicht zu sagen: bis aufs Blut reizt) ist, wie unwidersprochen (und sogar rundum beklatscht) derartig billige Statements die Runde machen können.

    Das ödet mich am Netz immer mehr an. Es (das Netz, eine immer kindlichere Veranstaltung von am Tropf ihrer Provider wie an Mamas Schürze Hängenden) mutiert in meinen Augen zu einer Bande von selbstverliebt Party Machenden, die aufgeregt zur jeweils neuesten Musik des ach so Modernen und den je angesagtesten Denkvorgaben alerter Vordenker ekstatisch herum zappeln und dieses Gehampele auch noch für das echte Leben halten.

    Während vermutlich ziemlich verzweifelte Menschen ausgerechnet die NATO um Bomben anflehen (was sich dann Politik auf Seiten der Angeflehten schimpft) und fein heimlich (weil irgendwann der Augenmerk sich auf etwas Aktuelleres, wie etwa eine High Society Hochzeit oder das Gewürge einer großen Partei, zu richten hat) ein ganzer Ozean (und vielleicht gleich noch mehr) auf Jahrzehnte (oder länger) kontaminiert wird (was wir demnächst wohl als Kollateralschaden ‚unseres‘ Wohlstandes hinzunehmen haben, da es ‚alternativlos‘ ist).

    Grummelnd und gar nicht guter Laune
    Susanne

  16. @Susanne:

    dass der Kasten mit aktuellen Lesetipps, die ich auf Friendfeed versammle, manchmal das Laden der gesamten Webseite verzögert, hab ich auch gemerkt – und das jetzt zugunsten eines bloßen Verweises dorthin abgeschafft.

    * Gunter Dueck hat nun mal den besten Vortrag der Re:Publica gehalten – „der beste“ im Sinne „steile Thesen + Unterhaltungswert + heraus ragender Vortragsstil“. Das heißt nicht, dass nun alle seine Thesen als die einzig wahre Sicht aufs Netz betrachten – und wer wann wo sich damit inhaltlich auseinandersetzt, kann ich einfach nicht überblicken! Eine Teilwahrheit, wenn auch keine grundstürzend neue, enthält die Rede ja durchaus.

    Dass es viel Wichtigeres gibt als das, womit sich die Menschen gerade vornehmlich beschäftigen (bzw. zu beschäftigen scheinen, weil es die Medien kolportieren), stimmt eigentlich immer. Mich nervt das auch, doch wäre eine Katastrophe, die alle auf EIN THEMA konzentriert, keine schöne Alternative! Und Fukushima hat ja durchaus Mega-Wirkungen gehabt und hat sie weiter: eine „Atomwende“ ist keine Kleinigkeit in DE.

    Persönlich geht mir vor allem das Fehlen einer tieferen/breiteren Auseinandersetzung mit Finanzkrise, Geldpolitik, Europa, Rettungsschirme etc. auf die Nerven!

    Dazu hab‘ ich kürzlich einen ERHELLENDEN und gleichzeitig frustrierenden Artikel gefunden:

    AGENDA – der Frust der Hauptstadtpolitiker.

  17. @Claudia

    Du hast natürlich (hiermit: “ Das heißt nicht, dass nun alle seine Thesen als die einzig wahre Sicht aufs Netz betrachten – und wer wann wo sich damit inhaltlich auseinandersetzt, kann ich einfach nicht überblicken! Eine Teilwahrheit, wenn auch keine grundstürzend neue, enthält die Rede ja durchaus.“) vollkommen Recht. Mein Kommentar war auch mehr ein Wutschnauber, unter anderem nach einer Diskussion mit ein paar Internet-Nerds, bei denen ich am Ende das Gefühl hatte, Kritik an der geliebten Heilsbotschaft des Netzes oder Fragen nach dem ‚cui bono‘ seines ökonomischen Apparates schriebe sich für sie Web 0.0, was sich buchstabierte als Ä-Bäh!

    Und ja, das wirklich wichtige Thema wäre selbstverständlich, wo das große Geld hin geht, weil großes Geld große Macht ist. Jedoch – wer von denen, zu denen es eben nicht hin geht, weiß das schon so genau? Und vor dem kleinen Geld, das ihnen zugeworfen wird, knien so viele zu tief, weshalb sie ihre Augen nicht mehr oben über den Rand hinweg richten können. Ein leidliches Thema, das die Laune verdirbt, in der Tat.

    Daß die ‚Atomwende‘ in Deutschland ausgemacht sei, halte ich übrigens für einen frommen Wunsch.

    Ich sehe vielmehr allenthalben die ‚Auffangbecken‘ aus der Medien- und Politiklandschaft heraus wachsen, in die zu arg kontaminierte Gedanken ‚abgepumpt‘ werden können, um die Frage nach der Kernenergie (wieder) in eine Glaubensfrage zu verwandeln, gegen welche die harte Drohung mit Wohlstandsentzug dann letztlich doch sehr leicht ins Feld geführt werden kann:

    Ethik-Kommission (schon bei dem Wort dreht sich mir die Tastatur um, außerdem sitzen mir in der einfach zu viele Schlipsträger);

    Strombedarfs- und Strompreisprognosen (die eher an die Art erinnern, wie der Preis für einmal head auf dem Straßenstrich festgelegt wird);

    Risikoabschätzungen des jeweiligen egg-heads von der rent-a-scientist Agentur (gewonnen aus Kaffeesatzleserei und Roßtäuscherei und garniert mit Versatzstücken aus dem Namensraum der Stochastik. Noch übler ist das Wortungetüm Rest-Risiko, als ob Risiko nicht der Rest des nicht Kalkulierten zu sein habe, solle es überhaupt eines sein!).

    Die örtliche ‚Krisenbewältigung‘ der Vorgänge um Fukushima Daiichi funktioniert ebenfalls für mich überraschend gut, nachdem ich anfangs dachte, die Herren von Tepco und der japanischen Regierung legten es ernsthaft darauf an, der Kernenergie nicht allein mit Bildern eines explodierenden Kraftwerks das Grab zu schaufeln. Die nur scheinbar planlose und chaotische Form der Informationsabsonderung einer ungeheuren Menge von meist zusammenhanglosen, dumm-technischen Details, die für die meisten Menschen (Journalisten wie Politiker eingeschlossen) gar nicht mehr einzuordnen sind, ist vielleicht am Ende unbebsichtigt doch sehr effektiv, entschärft sie doch die gefühlte Brisanz der Vorgänge sehr geschickt mit der besten aller Waffen der Neuzeit – der Ermüdung der Aufmerksamkeit der Zuschauer.

    Auch die reale Kontamination läßt sich womöglich (und hoffentlich!!!) noch einmal ausreichend lokalisieren, was ich den Menschen in Japan (und allen anderen) von ganzen Herzen wünsche. Auf der anderen Seite gibt das aber ebenso der trügerischen Hoffnung Nahrung, daß es immer irgendwo auf der Welt Refugien geben wird, die mit undurchdringlichen Mauern (aus Geld) gegen jede Kontaminierung (wie gegen so vieles andere) erfolgreich geschützt werden können.

    Ich befürchte fast, die kalmierende Wirkung dieses et hätt noch immer jot jejange erschöpft sich niemals!

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