Claudia am 06. Dezember 2010 — 0 Kommentare

Winter, Kälte, Schnee – Entschleunigung ?

Seit es so kalt ist und massiv geschneit hat, bestimmt in Berlin das „S-Bahn-Chaos“ die Nachrichten. Züge fallen aus, kommen verspätet, Weichen frieren ein, Türen klemmen. Schnee und Eis sind wie Sand im Getriebe der allgemeinen Hektik, was jedoch nur zu weiteren Aufregungen führt. Klar, wer mag schon stundenlang auf einem Bahnhof rumstehen oder sich in allzu volle Wagen zwängen?

In den Medien wurde das alles in einer Art kolportiert, als wäre so ein Winter eine ordentliche Katastrophe, zumindest eine Art Ausnahmezustand. Es gab sogar „Brennpunkte“ zur Lage nach der Tagesschau!

Doch egal, welches Wetter gerade zur allgemeinen Erregung beiträgt: Samstag für Samstag meldet die Abendschau die Erfolge von der Shopping-Front. Das ist offenbar DAS WICHTIGSTE an so einem Advent. Wieviel gekauft wird trotz Chaos, Kälte und Krise, ob die Händler zufrieden sind, ob Erwartungen übertroffen oder zumindest erfüllt wurden – und dann noch ein paar strahlende Kunden vors Mikrofon geholt, die erzählen, was sie grade Tolles eingekauft haben. Jeden Samstag wieder – und am „heiligen Abend“ dann der Endpurt. Die Last-Minute-Käufer und was sie kurz vor Ladenschluss noch abbekommen haben… alle Jahre wieder.

Manchmal wünsch ich mir noch viel mehr Schnee. So hoch, dass niemand mehr aus dem Haus gehen mag, der nicht wirklich muss. Eingeschneite Autos, stehende Bahnen – was wär das doch für eine weihnachtliche Stimmung! Eine wirklich stille Nacht.

Na, das ist jetzt nur so eine Träumerei, eine winterliche Stimmungsschwankung – natürlich will ich niemandem so eine Zwangsentschleunigung wirklich zumuten! Die wenigsten wüssten das zu schätzen. Dabei zeigten die Tage des S-Bahn-Chaos doch immerhin: die Welt fällt nicht gleich ein, wenn jede Menge Leute mal ein paar Stunden später zur Arbeit erscheinen. Ist das nicht zumindest ein schöner Anlass, mal über die Wichtigkeit dieser Hetze nachzusinnen, die an vielen Stellen der Arbeitswelt herrscht?

Warum brauchen wir immer alles „am liebsten vorgestern“? Morgen ist auch noch ein Tag. Oder zweifelt der heutige Mensch etwa daran?

Ich werde zum Jahresende hin gerne langsamer. Sitze im Warmen und freue mich, dass es sowas Tolles wie HEIZUNG gibt! Geh ich mal raus, schaue ich gerne auf unberührte Schneedecken. Das beruhigt so angenehm, bzw. lässt überhaupt erst richtig bemerken, wie unruhig ich normalerweise bin.

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