Claudia am 14. März 2004 — 0 Kommentare

Frühlingserwachen – erst mal allein

Was für eine unangenehme Jahreszeit! Immer schon ist mir diese Phase ein Graus: nicht mehr Winter, aber noch nicht Frühling. Gelegentlich spürt man einen Hauch des Kommenden, fast nur ein Versprechen – und dann zieht sich das doch noch etliche Wochen hin. Es gibt da einen deutlichen Unterschied zwischen dem Norden Deutschlands und den südlicheren Gefilden, in denen ich aufgewachsen bin. Vielleicht erlebe ich es deshalb so genervt, weil ich „eigentlich“ der Meinung bin, Frühling solle im März beginnen. Und gleich richtig!

Die Jahreszeit als Grund für allerlei Missbefindlichkeiten anzusehen, ist dem Seelenfrieden dienlich. Ich muss dann nicht groß grübeln: Was ist nur mit mir los? Was könnte ich dagegen tun? Sondern ich gehe davon aus, dass es sowieso vorüber gehen wird, ganz von selbst.

Und doch: ganz reicht mir das zur Zeit nicht. Zwar sind die im letzten Beitrag erwähnten „Sitzprobleme“ derzeit im ertragbaren Rahmen, ich kann meine Arbeit machen, ohne dabei sehr zu leiden. Aber insgesamt ist irgendwie der Wurm drin. Die Harmonie zwischen den einzelnen Arbeiten (Webdesign, Schreibkurse), meinen sonstigen Aktivitäten (Diary, Mailinglisten, privates Schreiben, Coachingrunde Berlin) und allem, was ich diesseits des Monitors tue bzw. tun könnte und sollte, ist deutlich gestört. Der Berg an unerledigtem Papierkram spricht Bände – selten hab ich mich solange diesem Reich der Notwendigkeit verweigert. Na, zum Glück nicht ganz, ein bisschen geht’s schon voran. Aber der „grüne Bereich“, in dem ich mich wohl und up-to-date fühle, ist noch ein ganzes Stück weit weg.

Die Gesundheitstipps, die ich zum Thema „zuviel Sitzen und die Folgen“ erhielt, sind durchweg gut und bedenkenswert. Einiges werde ich vielleicht ausprobieren, danke jedenfalls allen herzlich, die dazu etwas geschrieben haben, im Forum oder privat.

Tatsache ist, dass es (leider!) kein „Wissensproblem“ ist, wenn ich über eine längere Zeit so „disharmonisch“ herum lungere und mich mit allerlei Defiziten und Zipperlein herum schlage, nicht richtig in die Gänge komme, zerstreut und unkonzentriert bin, von diesem zu jenem hüpfe, anstatt die Dinge richtig, freudig und vollständig zu erledigen und sie dann hinter mir zu lassen. Es ist eine Art Motivationsloch, eine Leere an der Stelle der Psyche, von der ich üblicherweise meine Kraft und mein Engagement beziehe. Ich bin nicht be-geistert, bzw. immer nur viel zu kurz und sprunghaft, sondern der Geist ist unruhig und zersplittert.

Was tun? Ich weiß, dass ich im Grunde nichts tun kann. Jedenfalls nicht auf dieselbe Weise, wie man ein äußeres Problem üblicherweise löst: Da tropft der Wasserhahn, also muss eine neue Dichtung rein. Das funktioniert hier nicht, denn „ich selber“ bin kein durchschaubares und zur Gänze überblickbares System, dem nur irgendwo ein Teil oder ein Schmiermittel fehlt. Ich glaube nicht dran, dass diese oder jene konkrete Veränderung wirklich hilft, ich weiß ja nicht einmal, was „helfen“ hier eigentlich bedeuten könnte. Aber – das weiß ich sicher – es wird den Zeitpunkt geben, an dem ich feststelle: es ist vorbei!

In Bewegung kommen

Wenn es kein konkretes „Tun“ gibt, das sich anbietet, um einen missliebigen Zustand zu verändern, dann liegt es nahe, zumindest etwas zu lassen: Mal alles, was „herein kommt“ auf ein Minimum herunter fahren und so der gesamten Leiblichkeit (Körper + Psyche + Geist) die Chance geben, aus sich heraus mittels der dann weitgehend ungestörten Lebenskraft ins Lot zu kommen.

Es passt, dass der Schreibimpulse-Kurs „Frühlingserwachen: Fasten, Schreiben und in Bewegung kommen“ nicht zustande gekommen ist. Es gab zu wenige Anmeldungen und einige weitere Interessenten wollten zwar die Themen (Gesundheit, Schönheit, Fitness…), aber nicht selber fasten. Also hab ich den erst mal abgesetzt und darüber nachgedacht, wie ich ihn umkonzeptionieren könnte: Fasten nur als Möglichkeit, aber nicht als „Gruppenzwang“ – oder vielleicht auch ganz ohne Bezug zum Fasten.

Dieser Kurs war einfach nur „eine gute Idee zum Thema Frühling“ gewesen. Dass er nicht zustande kam, zeigt mir, dass die immer angestrebte „Einheit von Leben und Arbeiten“ nun tatsächlich weit gediehen ist: Womit ich selber noch Probleme habe, womit ich aktuell selber kämpfe, das kann ich nicht allen Ernstes als Kurs anbieten! Natürlich wäre es möglich, das einfach im selben Stil wie die anderen Kurse „durchzuziehen“, vermutlich würde kein Teilnehmer merken, dass mein persönliches Sein in Bezug auf die Kursthemen gerade selber im Argen liegt. Schließlich hab ich schon gefastet und mich mit all diesen Themen des öfteren auseinander gesetzt. Und doch: es genügt nicht!

Dass der Kurs nicht zustande kam, liegt oberflächlich gesehen ja z.B. daran, dass ich ihn nicht so beworben habe, wie es hätte sein müssen, um genug neue Interessenten für dieses Thema zu finden. Warum wohl nicht??? Weil ich mir selbst nicht klar und sicher war, was ich da will, was ich da suche und was ich geben kann. (Und ob ich wirklich FASTEN will…) Völlig anders als in den anderen Kursen, in deren Themen ich schwimme wie ein fröhlicher Fisch im Wasser. Transfer 2004, das Philosophieren und Visionieren zum Jahreswechsel, war so genau „meins“, dass ich den Kurs gleich fürs nächste Jahr auf die Website setzte und sogar schon Anmeldungen habe. Auch „Kommunikation im Internet – Webdiarys und mehr“ werde ich wieder ansetzen – es ist ein Thema, in dem ich weiß, was ich tue und was ich vermitteln will. Kann es auf tausenderlei Weise variieren – kein Problem!

„Fasten, schreiben und in Bewegung kommen“ muss ich aber wohl erst mal selber. Nur für mich. Und JETZT hab ich auch Lust dazu. Alles weglassen, was belastet, was ablenkt und durcheinander bringt: das Essen, das Rauchen, jegliche geistigen Getränke und andere Genussgifte – allenfalls Tee werde ich gelegentlich trinken, falls ich das Gefühl bekomme, allzu sehr in meditative Trance zu fallen. Und natürlich mich bewegen! Wobei es nicht darum geht, einfach ein Programm durchzuziehen, das ich mir immer mal wieder verordne und es dann doch nur kurz durchhalte, sondern auf die Suche nach der FREUDE in der Bewegung zu gehen. Das braucht Fantasie und Konzentration – und dafür ist dann auch Zeit und Energie da, die ich sonst mit Essen, dessen Einkaufen und Zubereiten verbringe.

Und ich werde darüber schreiben, hier im Diary. Täglich, oder zumindest jeden zweiten Tag.

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