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Claudia am 23. April 2015

Feuer-Luft-Typen: Ihr Weg in den Burnout

Sie arbeitet viel, viel zu viel, und das schon lange. Doch die Arbeit macht ihr Freude: In ihrer Position hat sie großen Gestaltungsspielraum, kann eigene Ideen umsetzen, weitgehend selbständig arbeiten. Aber es ist ZUVIEL, der tägliche Stress hinterlässt Spuren, sie spürt es körperlich, auf vielerlei Weise. Und sie weiß: das geht nicht ewig so! Eigentlich schon gar nicht mehr…

So kommt es dazu, dass sie sich tatsächlich darum bemüht, Arbeit wegzudelegieren oder auf andere Weise abzubauen. Wenn sie dann ein Projekt abgeben oder eine Mitarbeiterin gewinnen konnte, sich also – endlich! – ein wenig entlastet fühlt von der vielen Arbeit, die die Umsetzung ihrer Ideen regelmäßig mit sich bringt – ja, was macht sie dann?

Man sollte denken, sie würde nun – endlich mal! – ein wenig mehr Zeit abseits von Plänen und Zielen verbringen, die Stunden der Muße genießen, entspannen, spazieren gehen, lesen, einfach nichts tun. Aber weit gefehlt! Sobald der Stresslevel nicht mehr grenzwertig ist, sich also ein gewisser Gestaltungsspielraum auftut, kommt ihr (mindestens) eine neue Idee! Eine richtig gute Idee für ein tolles Projekt, das die Welt dringend braucht, eine begeisternde Idee! Ein Gedanke jagt den anderen, die Ideen-Maschine geht in hoher Geschwindigkeit ins Konzeptionieren und Planen über: wow, da gibt es ja so viele Möglichkeiten, was man da alles machen könnte…

Feuer, Luft

Schon wenig später hat sie die ersten Schritte unternommen, ihre Begeisterung macht es leicht, steckt auch Andere an. Widerstände bei den Kräften des Beharrens überwindet sie leichtfüßig – wer will sich schon damit hervortun, eine richtig gute Sache auszubremsen? Das Projekt nimmt Gestalt an, wächst und gedeiht, wird bewundert und belobigt, ist ein voller Erfolg. Und soll nun “auf Dauer gestellt”, weiter geführt werden, na klar! Aber von wem? Von ihr natürlich, es ist ja ihr Projekt, ihr Baby, nur sie hat den vollen Überblick, die Erfahrung, die Kontakte.

Und ein neues Arbeitsfeld an der Backe, zusätzlich zu allem, was sowieso weiter läuft.

Das ist der Weg in den Burnout, den speziell “Feuer-Luft-Typen” (im Sinne der alten Elemente-Lehre antreten). Menschen mit Ideen, kreativ und engagiert in der Umsetzung, begeisterungfähig und mit ihren jeweiligen Vorhaben voll identifiziert. Geht es dann aber darum, aus dem Erfolg Routine zu machen, bzw. diese Routine selbst weiter “abzuarbeiten”, erlischt die Begeisterung wie das Feuer, dem der Brennstoff ausgeht. Die Ideenmaschine (Geist, das luftige Element) will sich längst an etwas Neuem versuchen und darf nicht – ein unbefriedigender Zustand, auf Dauer nicht aushaltbar. Lieber etwas Neues ZUSÄTZLICH als ewig nurmehr diese Routine!

Claudia am 9. April 2015

Über Hass und Unmenschlichkeit im Netz

So alt ist der Artikel von Sascha Lobo auf SPON ja noch nicht, sondern von gestern, 16.45 Uhr – und doch ist er aus RIVVA schon wieder rausgefallen! Trotz der verschiedenen Reaktionen auf Blogs, die ich gerne noch weiter “verfolgen” würde. Da mir diese Übersicht jetzt fehlt, versuche ich, die Beiträge wieder zu finden und hier zu listen:

Sollte sich noch mehr zum Thema finden, verlinke ich das gerne (sofern es kein Hass-Pamphlet ist).

Claudia am 6. April 2015

Noch Handschrift lernen?

Der folgende Tweet wurde 226 mal retweetet und 428 mal “gefavt”. Heißt: Ziemlich viele stimmen zu:

“Schüler schreiben immer schlechter mit der Hand. Außerdem können nur noch wenige nen Kutschen-Wagen fahren oder mit 2 Steinen Feuer machen.”
Boris T. Kaiser (@DerBrainfucker)

Was meint Ihr? Ist der Verlust der Handschrift hinnehmbar, gar eine lange fällige Modernisierung im Kontext gewandelter Mediennutzung? Oder ein weiterer Schritt in die totale Abhängigkeit von technischem Gerät?

Meine eigene Handschrift kann ich schon lange kaum mehr lesen. Klar, ich schreibe ja fast nie mit der Hand. Höchstens mal ein paar Worte auf Zettel oder Flipboard.

Dennoch ist mir bei der Aussicht unwohl, Menschen könnten sich im Notfall nicht mehr über physische Zettel verständigen. Weil sie nur noch Buchstaben eintippen, aber nicht mehr selber schreiben können.

Claudia am 5. April 2015

Ostern, Eier, Hasen, Frühling

Um die Jahrtausendwende hatte ich Berlin für zwei Jahre verlassen. Bzw. eigentlich “für immer”, ich wusste ja noch nicht, dass mir das Leben auf dem Land schon bald ziemlich langweilig werden würde. Im “Schloss Gottesgabe”, einem modernisierten Gutshaus in Mecklenburg, aus dem man schöne Mietwohnungen gemacht hatte, genoss ich es erstmal sehr, vom Computer weg und raus auf die große Schlosswiese treten zu können, umgeben von großen alten Bäumen. Ein Garten, Hühner, das Wäldchen, noch eine Wiese, verfallende Schweineställe, dahinter endlose Weiten, riesige Äcker, der weite Horizont.

Hühner

Rund um Ostern lief ich mal durch so eine naturbelassene Wiese. Zum Glück schaute ich nach unten, um zu sehen, was schon blühte – das bewahrte mich davor, ein Vogelnest mit mehreren Eiern zu zertreten. Bodenbrüter, vielleicht eine Feldlerche? Als ich weiter ging, sprang vor mir ein Hase auf und machte sich eilig davon. Ein richtiger Hase mit langen Ohren, kein Kaninchen, wie man sie auch in Berliner Grünanlagen und Friedhöfen gelegentlich trifft.

AHA! Plötzlich war mir unmittelbar klar, woher das rituelle Befeiern von Eiern und Hasen zu Ostern kommt. Die Eier durfte man um diese Zeit grade noch sammeln, denn die Vögel würden dann neue legen. Und Hasen wurden beim Sammeln eben aufgestört. Für Kinder mochte es so aussehen, als gehörten die Eier zu den Hasen. Vielleicht wurden die Hasen aber auch willkommener Braten nach der Fastenzeit – historisch die Zeit, wenn die Wintervorräte zu Ende gingen und man die Vorräte strecken musste, um bis zur ersten Ernte auszukommen. (Geniale Idee eigentlich, diese Not zu freiwilligem, spirituell begründeten Fasten umzudeuten.)

Ich wünsche Euch frohe Ostern!

Lust auf umgekehrte Eier?

Außen gelb, innen weiß – Japaner revolutioniert das Frühstücksei

Einen lieben Ostergruß auch an Menachem, der als Einziger aus meiner Blogroll was zu Ostern geschrieben hat.

Claudia am 2. April 2015

10 Minuten staatliches Mega-Unrecht – äußerst unterhaltsam vorgetragen

Qualitätsjournalismus findet immerhin noch statt: im Kabarett. Schaut Euch mal diesen, nur 10-minütigen Ausschnitt aus der Sendung “Die Anstalt” an! Ihr werdet Euch garantiert nicht langweilen, zudem bringt dieser Ausschnitt eine Info-Dichte mit, die man sich sonst zum Thema mühsam zusammen klauben müsste – ab Minute 40:40.

anstalt

Wie Politiker es fertig bringen, dieses Unrecht nicht anzuerkennen, sondern sich weiterhin auf “ist doch juristisch erledigt” zurück zu ziehen, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Wer noch nicht “politikverdrossen” ist, kann es spätestens bei diesem Thema werden!

Wie kann man das alles nur so stehen lassen? Wie abgebrüht muss man sein, wie überheblich und ignorant gegenüber jeglichem Gerechtigkeitsempfinden, um sich hierbei auf juristische Tricksereien zurück zu ziehen? Sie trauen sich, sich mieser zu verhalten als einst die Nazis (siehe Video!) und finden gar nichts dabei. Sie zählen offenbar darauf, dass die Bevölkerung die Dinge genauso sieht, dafür hat schließlich das von oben voran getriebene Griechenland-Bashing ausgiebigst gesorgt.

Angeblich sind wir ja ein Rechtsstaat. Unser Recht kennt immerhin den Begriff der Sittenwidrigkeit, wobei die “gute Sitte” definiert ist als dem “Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden” entsprechend. Wie sich der deutsche Staat in dieser Sache verhält, empfinde ich als extrem sittenwidrig – aber anscheinend ist das rechtens. Zum Kotzen!

***

Claudia am 28. März 2015

Die Suche nach den Schuldigen: Hier habt Ihr sie!

Der Copilot, der den Airbus an der Bergwand zerschellen ließ, ist ja nun tot. Er kann nicht mehr bestraft werden, also sucht man krampfhaft nach weiteren Schuldigen. Was sich da abspielt, empfinde ich als kollektives Rachebedürnis: Irgend jemand muss doch verantwortlich sein für das Schreckliche, schier Unfassbare – und den bzw. die will man auch “hängen” sehen.

Und so scannt der mediale Radar alle und alles, was in Betracht kommt, potenziell Mitschuld zu tragen. Als da sind:

  • Natürlich zuerst das persönliche Umfeld – ärgerlich, dass man da (noch?) nicht richtig rankommt (Beziehungsprobleme? Leichen im Keller?)
  • Der Arbeitgeber – hätte Germanwings nicht aufgrund des “SIC” in der Personalakte reagieren müssen?
  • Die USA mit ihrem Anti-Terror-Sicherheitswahn, die uns dieses Türverriegelungs-Regime aufgewungen haben.
  • Die Regierung und die Luftfahrtbehörden, weil sie die 2-Personen-Regel von den USA nicht mit übernommen haben.
  • Die Ärzte, die den Täter krank geschrieben haben, aber nichts taten, um ihn vorm Fliegen abzuhalten.
  • Die Kollegen, die ihn als “Tomaten-Andi” verspotteten und so gewiss zu seinen psychischen Problemen beitrugen.
  • Die Billigfliegerei – klar, dass da ein Druck herrscht, der jeden geneigt macht, sich in den Abgrund zu stürzen.
  • Der Islam (jetzt wirds verschwörungstheoretisch)… “unabhängige Wahrheitsblogs” meinen, der Copilot sei vermutlich Konvertit gewesen.
  • Alle Airlines, weil sie wissen, dass technisch bedingt “giftige Luft” in die Cockpits geleitet wird, sie aber nichts dagegen unternehmen.
  • Airbus – auch die müssen fürchten, dass die Wahrheit ans Licht kommt!
  • Hacker, die von außen die Kontrolle über die Bordelektronik übernommen haben…
  • Kampfjets: hey, da wurden fünf Kampfjets in der Nähe gesichtet – ist das nicht SEHR verdächtig? Wird da was vertuscht?
  • Die Banken, wer sonst? (“Würde mich nicht wundern, wenn auf der Passagierliste Personen stehen, die den Bankstern im Wege stehen”).
  • Angela Merkel – die ist IMMER schuld!

Ich verzichte mal auf Verlinkungen. Was alle Vermutungen – die noch halbwegs nahe liegenden als auch die abstrusen – gemeinsam haben: Die Unfähigkeit, das Geschehen als das hinzunehmen, was es ist: eine menschliche Katastrophe, die 150 Menschen das Leben gekostet hat. Nicht nur Piloten haben in ihrer Berufsausübung Macht über Leben und Tod, auch Bahnfahrer, Busfahrer, Schiffskapitäne und viele andere. Wenn man dazu noch bedenkt, welche Schäden die Betreiber unserer technischen Infrastruktur anrichten könnten, wenn sie wollten, müsste man glatt in Panik geraten angesichts der ständig drohenden Gefahren.

Jeder könnte depressiv sein oder unter einer Psychose leiden, dies aber gekonnt verbergen. Auch psychologische Tests können dies nicht mit Sicherheit feststellen, wenn es ein Proband darauf anlegt (wofür es ja Gründe gibt, wenn die Berufsausübung am Ergebnis hängt).

Menschen sind letztlich unberechenbar, das Leben ist und bleibt gefährdet und unsicher.
Nehmen wir das doch einfach mal hin! Der tröstliche Hölderlin-Spruch “in der Gefahr wächst das Rettende auch” gilt nämlich auch umgekehrt “Mitten im Rettenden wächst auch die Gefahr” – siehe Cockpit-Türsicherung.
Je mehr wir sichern, desto mehr gefährden wir auf andere, neue Art.