Claudia am 05. Januar 2003 — 1 Kommentar

Beobachtung: der hundertprozentige Flop

Gestern war ich auf der Post, ein Paket aufgeben. Die Filiale ist in einer überdachten Passage, Läden, Restaurants und ein Hotel bilden eines dieser recht auswechselbaren „Essembles“, in denen man heute Stadt erleben soll. In der Mitte des Platzes, um den sich alles ordnet, führt eine Treppe ins Untergeschoß, vermutlich zu den Tiefgaragen. Mensche liefen eilig hin und her – und auf einmal sah ich mehrere große Kuverts auf den Boden fallen. Die Passanten gingen einfach weiter, niemand schien es zu bemerken. „Hallo“, rief ich laut einer Frau hinterher, die gerade auf die Treppe zusteuerte, „haben Sie diese Umschläge verloren?“ Mir schien, sie war die nächste, die dafür in Frage kam. Die Frau schaute mich ganz kurz an, dann guckte sie auf den Boden und ging weiter – wie ein Roboter! Ich dachte mir noch nichts weiter, sondern rief noch einmal lauter und bestimmter, denn offensichtlich hatte sie nicht gemerkt, dass sie GEMEINT war. Noch einmal ein irritierter Blick, ganz so, als hätte sie etwas Schlimmes verbrochen, sie errötete heftig, senkte wieder den Kopf, beschleunigte die Schritte und verschwand im Untergeschoß.

Ich war perplex! Wieder einmal hatte ich erlebt, was mich jedes Mal ein bißchen verstört: Jemanden spontan ANGESPROCHEN, und derjenige schafft es nicht, darauf in einer „normalen“ Art und Weise zu reagieren. Sie hätte doch bloß den Kopf schütteln brauchen! Vielleicht mit einem Anflug von Lächeln, aber darauf will ich ja gar nicht bestehen. Dass die Menschen notorisch schlecht gelaunt mit Leidensmienen durchs Leben gehen, wundert mich nicht mehr, es gehört hierzulande einfach zum guten bzw. schlechten Ton. (=Alles Leben ist Leiden, und wer lächelt und zum Anderen freundlich ist, ist gewiss ein Heuchler oder nicht ausreichend informiert.) Nein, das meine ich jetzt nicht, sondern diese echten Ausraster, die mir das Gefühl geben, da drüben sei eigentlich gar kein Mensch, sondern etwas irgendwie Grusliges.

Schwitzen, aber schweigen

Ich erinnere mich mit Schrecken an den Wintertag, an dem ich in einen U-Bahn-Wagen einstieg, aus dem mir so extreme Hitze entgegen schlug, dass ich fast rückwärts wieder rausgesprungen wäre. Statt dessen sagte ich laut zu den vielen Menschen, die vor mir dicht an dicht in den Gängen standen, der nächste nur eine halbe Armlänge von mir weg: „Himmel, ist das heiß hier! Ist die Heizung kaputt?“. Einige schauten kurz in meine Richtung und dann zu Boden, es blieb still. Noch einmal legte ich nach, fragte: „Was ist los, merkt Ihr denn nichts ??“ – ein bißchen lauter und erstaunter jetzt, schließlich war ich von den vielleicht 40 Grad Raumtemperatur einigermaßen irritiert. Aber wieder keine Reaktion, sie standen wie eine Wand aus Schweigen und einigen war für Augenblicke anzusehen, dass es sie verstörte, sie irgendwie „betreten“ machte, als hätten sie Grund zur Angst oder würden sich schämen. Dann erstarrten die Gesichter wieder, jeder schaute am anderen vorbei, irgendwo in die Ferne oder an eine Wand.

Ja, was haben die denn alle, um Himmels willen??? Sie reagieren wie das Publikum im Theater, wenn die Schauspieler versuchen, ohne Vorwarnung jemanden in die Handlung einzubeziehen. Oder wie Gäste auf einer Party, wenn ein Spiel beginnt, zu dem JEDER etwas beitragen muss. Manche wirken so verstört, als wären sie eben noch gemütlich im Kino gesessen und hätten erst beim Blick in die Mündung einer Pistole plötzlich begriffen: DIES IST WIRKLICHKEIT!

Eine Art Stupor ist das. Kein irgendwie geartetes Fehlverhalten, sondern der AUSFALL von Verhalten überhaupt – und dann die Gefühle, die dem folgen: Scham, Angst, peinlich-berührt-sein, und schließlich das „militante“ Wegsehen. Man möchte vergessen, dass „so etwas“ jemals passiert ist, wünscht sich weit weg, an einen neuen Anfang, mindestens.

Und selbst genauso…

Oh ja, ich hab es auch an mir selber schon erlebt, zumindest ganz ähnlich: spät Abends am Boxhagener Platz, ich laufe den breiten Gehweg entlang zwischen dem Gebüsch, das den Innenraum des Platzes begrenzt und der Baumreihe zur Straße hin. Es ist menschenleer, mir entgegen kommt ein Mann mit einer Bierflasche in der Hand. Wird er mich anpöbeln? Mir die Handtasche abnehmen? Mich anbetteln und vollabern? Es ist so düster, ich gehe schnellen Schrittes auf ihn zu – und als er dann vor mir stehen bleibt und den Mund aufmacht, hebe ich schon die Hand zu einer abwehrenden Bewegung, schüttle den Kopf, will ihn einfach nur aus der Welt haben, ganz egal, wer er ist und was er will. Er sagt seinen Spruch auf, eher schüchtern, will mich um einen Euro anschnorren mit einer wenig originellen Geschichte – doch ich sage nichts, reagiere nicht, gehe einfach weiter, bin irgendwie peinlich berührt, weil ich spüre, dass mein Verhalten verrückter ist als seines. Ein sozialer Flop, aber volle Kanne!

Programm „Sozialverhalten“ abgestürzt

Gemeinsam ist diesen Erlebnissen neben dem menschlichen Versagen in einer konkreten Situation das Unvermögen, bzw. der Unwille, daran noch irgend etwas zu ändern, es sozusagen zu „heilen“. Man könnte sich ja entspannen und – aus dem Stupor bzw. der Verweigerung erwachend – ein normaleres Verhalten anknüpfen, etwas Verbindliches sagen, lächeln, einen Witz machen, winken – was auch immer. Aber genau DAS geschieht nicht, und das ist das eigentlich gruslige: Wir gehen hier nicht menschlich mit anderen Menschen um, indem wir ihnen als Person begegnen und die Folgen unserer Handlungen oder Nichthandlungen verantwortlich auf uns nehmen – sondern wir handeln, als wären wir Teil eines Programms: einmal „abgestürzt“, gibt es kein Weiterkommen mehr, allein ein Neustart hilft. Wenn die Gesichter in Ignoranz erstarren, ist das die innere „Cancel-Taste“ bzw. der Blue Screen: Mit DEM bzw. in DIESER Situation hab ich’s verpatzt, Mist – die nächste bitte!

Sich wegzappen aus einer Situation – das ist es, was hier versucht wird. Der Andere, an den man aneckt, bzw. der einem auf irgend eine unberechenbare Weise plötzlich nahe tritt, wird als Gegenüber negiert. Warum?

Nicht aus Feindseligkeit, vermute ich, sondern aus Erschrecken darüber, dass im jeweiligen Augenblick der innere Film ganz plötzlich unterbrochen wird, das übliche Vor-sich-hingrübeln, wünschen, lästern, planen, urteilen, interpretieren, fürchten und begehren. Ihhhh, da ist ja noch eine Welt „da draußen“, oh Gott, die will ja was von mir – nix wie weg hier!

Es geschieht einfach so, ist nicht etwa böse Absicht. Und deshalb auch nicht durch gute Vorsätze zu ändern. (Wie übrigens das meiste Versagen und sogar die meisten übergriffe auf andere Personen!) Ich beschreibe diese verstörenden Verhaltensausfälle denn auch nicht in der Hoffnung, die eigene Moral zu bessern oder bei anderen ein schlechtes Gewissen zu erzeugen – sondern einfach, weil ich diese Erlebnisse bemerkenswert finde. Interessanter jedenfalls als Geschichten von Außerirdischen, die jemanden entführt und untersucht haben sollen – das wär nämlich vergleichsweise menschlich!

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Claudia am 03. Januar 2003 — Kommentare deaktiviert für Gutes Neues!

Gutes Neues!

Ein bißchen spät, der Neujahrseintrag, aber mir war einfach nicht nach Diary in diesen stillen Tagen und Nächten, die so sehr zum nachdenklichen Nichts-Tun einladen. Und Nachdenken ist eigentlich auch schon zu viel gesagt, ich meine so ein inneres Verharren, schlichtes Aussetzen, das bloße Dasein genießen – es war jedenfalls schön!

Anders als in den letzten Jahren kommt jetzt allerdings kein Alltag zurück: mein liebster Freund ist dabei, auszuziehen und ich hole gerade Kostenvoranschläge für meinen Umzug in der letzten Januarwoche ein. (Braucht jemand zwei Bäderliegen? Ein fast unbenutztes Keyboard? Einen Jahrgang Internet World?) Am 15. gibt’s den Mietvertrag und Ende Januar werde ich umgezogen sein. Himmel, was für eine Veränderung! Zwar geht’s nur einen halben Kilometer weiter, über meine geliebte Modersohnbrücke mit dem tollen Weitblick auf die Skyline Berlins hinüber ins Rudolfkiez unterhalb der Oberbaum-City. Da es jedoch meine erste „Single-Wohnung“ seit zwölf Jahren sein wird, ist es doch eine große Umstellung – nicht mal einen Fernseher werde ich zu Anfang haben, mal gucken, vielleicht schaff‘ ich ja gar nicht erst einen an.

Hab ich Vorsätze? Fürs neue Jahr oder überhaupt? Ich wünsche mir, nicht so schnell von neuen Routinen verschluckt zu werden, das ist das einzige. Indem alles Gewohnte und lang Bekannte sich in letzter Zeit von mir verabschiedete, kommt ein anderes Lebensgefühl auf, das – wenn ich mich ihm zuwende – weit wunderbarer ist als alles, was mich „üblicherweise“ durch den Alltag begleitet. Der nächste Tag, die nächste Stunde, der nächste Augenblick kann das „ganz Andere“ bringen – es ist nichts Konkretes, einfach ein Gefühl, das mir sehr gut gefällt – es IST schon das Ganz Andere! Und doch werde ich vermutlich bald bemerken, dass ich wieder eine Reihe „verläßlicher Routinen“ einübe, die mich durch die Tage tragen, weil es einfach bequemer ist, sich nicht ständig mit dem „alles-ist-möglich“ zu konfrontieren. Mal sehen, vielleicht gelingt es ja, den Freiraum der „gefühlten Unsicherheit“ zumindest zu erweitern.

Und die Krise? Das soziale Netz? Der Standort? Ich kann alles in allem einfach nicht begreifen, dass hierzulande bei einem – verglichen mit vielen anderen Weltgegenden – geradezu obszönen Reichtum die Laune derart im Keller ist, und zwar nicht erst seit der „Krise“. Die Weinerlichkeit, das Selbstmitleid, das Gejammere, die ständigen Schuldzuweisungen an Andere, diese Mut- und Ideenlosigkeit – man hat allen Grund, ein Misantrop zu sein! Allerdings: seit kurzem macht es mir keinen Spaß mehr, und da ich bei meinem „Blick auf die Welt“ immer von mir ausgehe, hoffe ich, dass es nicht nur mir so geht. Zeiten der Veränderung sind doch auch sehr spannende Zeiten – und vielleicht ist der Konsumismus ja doch nicht das letzte Wort zur Frage nach dem richtigen Leben gewesen?

Mir scheint, heut‘ will mich die Muse nicht richtig liebevoll küssen, ich wende mich also besser dem zu, was anliegt: Steuer 2001, oh je! Knietief steh ich im Papierkram, noch zwei, drei Stunden vielleicht. Wie ich das hasse und deshalb immer wieder vor mir her schiebe, schrecklich!!!

Ich wünsch Euch ein wunderbares 2003 und freu‘ mich über gelegentliche „Besuche“ an dieser Stelle. Ach ja, ein interessanter Spruch ist mir in einem Mail-Footer begegnet: „flexible Weisheit wird genutzt, unflexible zur Schau gestellt…“ – es lohnt, darüber ein wenig zu meditieren.

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Claudia am 25. Dezember 2002 — Kommentare deaktiviert für Vom Mausarm – ein Leiden mit Sinn

Vom Mausarm – ein Leiden mit Sinn

Nach vier einschlägigen Texten ist es also wirklich Weihnachten geworden – jetzt aber will mir nichts „Weihnachtliches“ mehr in die Tasten fließen. Macht nichts, denk ich mir, wer jetzt durchs kühle Web surft, anstatt zuhause in Lichterglanz, Süßigkeiten und Geflügel zu versacken, sucht vermutlich sowieso nicht nach „mehr vom gleichen“. ;-)

Hey, das war ein Scherz! Ich MAG Weihnachten und meine Entenbrust mit Schwäbischen Breitband-Nudeln an Wintergemüse war großartig. Draußen ist es unendlich still, als hielte die Welt den Atem an, die Straßen sind leer und es gibt jede Menge Parkplätze, wo man sonst zwanzig Minuten um den Block kreisen muss. Die Studies sind daheim bei ihren Eltern, andere sind abgeflogen in den Süden, Berlin Friedrichshain wirkt ziemlich öd, erst recht, wenn weder Schnee noch Sonnenschein von den unzähligen Hundehaufen ablenken, die die Gehsteige zieren. Wie schön, ich zieh ja bald ein Stück weiter, in eine etwas Hunde-ärmere Gegend!

Auf der Suche nach Inspirationen hab ich gerade in der Vergangenheit „geblättert“ und den Beitrag vom 26. Dezember 2001 gelesen: „Weihnachten, ein Opferfest“. Wie seltsam! Zwar ist die Beschreibung des ausgestorbenen Stadtteils fast wörtlich identisch, doch ansonsten ist es ein Artikel, wie ich ihn jetzt ganz bestimmt nicht mehr schreiben würde. Was für eine deprimierende Stimmung: verhaltene Verbitterung, Klage und Anklage, weise Entsagung, unterschwellig agressiv, und dann doch wieder dieser in Melancholie auslaufende Sound gepflegter, um Haltung bemühter Hoffnungslosigkeit: „Tote Götter plastern unsern Weg“ – ach je! Dabei ist das gar kein schlechter Spruch, kommt nur drauf an, wie man ihn ausspricht – eher klagend oder als Erfolgsmeldung. Ich finde, Götter, die sich von Menschen zu Tode bringen lassen, sind doch nicht wirklich der Rede wert, oder?

Mit links

Seit über zehn Tagen liegt übrigens meine PC-Maus nun schon links von mir – und ich kann alles machen! Da ich extreme Rechtshänderin bin, bzw. war, ist das ein kleines Wunder. Eines von der Art, die einfach kommen MüSSEN, denn mit rechts verschärfte ich ständig meinen „Mausarm“ und konnte zeitweise nur noch unter großen Schmerzen arbeiten. Wenn ich nun schon auf letztes Jahr zurück blicke, fällt gleich auch der Beitrag Vom Elend des Sitzens ins Auge: dieses Leiden ist lang schon im Anmarsch, und die Idee, mit der Hand zu schreiben und hinterher abzutippen, war nicht wirklich ernst gemeint.

Es ist ein Leiden, das ich nicht einfach aussitzen kann, denn wie sich zeigt, wird es mit der Zeit schlimmer und nicht etwa besser. Trotz Yoga und Fitness-Training, trotz Entspannung in der Sauna und deutlicher Reduzierung der Arbeitszeit (ich sitz nicht mehr 12 bis 16 Stunden am Gerät!) ergreift mich dieses Konglomerat aus Symptomen, die sich um die Arbeit am PC entwickeln, immer heftiger. Falsches Sitzen, zu langes Sitzen – es hört sich einfach an, aber es zu verändern, ist eine sehr komplexe Bemühung, die auf mehreren Ebenen ansetzen muss: beim Gerät, bei den Möbeln, bei den Bewegungsabläufen, bei den Arbeitsrythmen, der Abfolge von Arbeitszeiten und Pausen, von Minipausen und größeren Pausen, bei der Einübung genau passender Dehn- und Entspannungsübungen – es ist fast eine Wissenschaft und ich muss alles selber erforschen. Zwar gibt es Erfahrungen, Tipps und Therapien – aber wie immer sind es zu viele, zu widersprüchliche auch, und jeder muss seinen Weg in die ganz persönliche Ergonomie letztlich doch selber ausexperimentieren.

Und darauf freue ich mich! Schon jetzt mach ich interessante Erfahrungen, denn nie nie nie hätt‘ ich gedacht, MIT LINKS arbeiten zu können! Das ist mir erst aufgefallen, als ich an einem anderen PC wieder auf Maus rechts umsteigen musste – die plötzliche Irritation, das Gefühl des etwas unbequem Ungewohnten machte mir klar: Das Umsteigen hat ja funktioniert! Und das bedeutet wiederum: Selbst drastische Veränderungen sind möglich, nicht nur in jungen Jahren.

Im Rahmen meiner Recherchen in dieser Sache bin ich auch auf ein Wundermöbel gestoßen: den Sitz-Stehtisch, automatisch per Knopfdruck höhenverstellbar. Fährt samt schwerem Monitor zu Stehhöhe `rauf, wo ich weiter arbeiten könnte, bis ich mich müde fühle und wieder sitzen will. Einfach toll! Gerade erforsche ich, wieviele Modelle welcher Hersteller es gibt – ich will nicht bloß so einen Tisch für mich und ganz allein gesunden, sondern verspüre Lust, ein Webprojekt in diesem Themenbereich zu machen, schließlich sind viele I-Worker krank vom falschen Sitzen oder gerade dabei, es zu werden.

Wer weiß, wohin mich die Auseinandersetzung mit diesem Leiden noch bringen wird. Falsch fände ich es, einfach sitzen zu bleiben und mir einzureden, der Widerstand gegen den Schmerz sei das eigentliche Problem. Ich leiste keinerlei Widerstand, betäube mich nicht, lenke mich nicht ab sondern wende mich der Sache zu, beobachte, forsche und nehme alles sehr ernst. Mein Suchen und mein Handeln hat Tiefe und ich fühle den Sinn. Das Leiden gibt mir Orientierung und dient als Schlüssel zu neuen Erfahrungen. Doch nicht, indem ich da sitze und JA, AMEN dazu sage, sondern indem ich Kraft und Sorgfalt darauf richte, es zu verändern

Ich führe das mal so genau aus, weil ich in den letzten Jahren mit dieser Unterscheidung echte Probleme hatte. Voller Angst, wieder in den alten Macherwahn und das zwanghafte Weltverbessern zu verfallen, an dem ich Mitte dreißig so drastisch gescheitert war, hatte ich eigentlich seither gegenüber jedem Tun, jedem Wollen, jedem Begehren und jedem Veränderungswunsch vor allem Bedenken, Einwände, Ja-Abers. Ein gebranntes Kind lernt eben nicht nur dazu, sondern scheut auch das Feuer.
 
Als Feuer-Luft-Temperament geht’s mir allerdings auf Dauer nicht gut, wenn ich mich allzu lange dem Leben verweigere und nur lamentierend auf dem Zaun sitze. Kann schon sein, dass ich mir immer wieder mal die Finger verbrenne oder gegen eine Wand laufe – na und? Ebenso wahrscheinlich ist, dass ich interessante Möglichkeiten zu wunderbaren Wirklichkeiten mache. Und wenn ich – anders als früher – vor allem das tue, was mir nicht erst im Erfolg, sondern im Tun selber Freude macht, kann sowieso nichts schief gehen.

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr…“ – ach ja ?
Im November hab‘ ich mit der Suche angefangen, Anfang Dezember meine Wunschwohnung gefunden und im Januar ziehe ich um!

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Claudia am 20. Dezember 2002 — Kommentare deaktiviert für Weihnachten IV: Durch die Wüste zu den Sternen

Weihnachten IV: Durch die Wüste zu den Sternen

Draußen dröhnt ein Preßlufthammer. Wieder reissen Arbeiter das Pflaster auf, das gerade mal ein paar Wochen seit der letzten Baustelle hinter sich gebracht hat. Zwar nehme ich den Lärm wahr, wenn ich einen Eindruck meiner Umwelt aufschreiben will, doch im Grunde berührt er mich nicht. Seit der Rückkehr aus Mecklenburg im Mai 2001, dem Land der großen Stille und Weite, ist diese Veränderung erstaunlich stabil: Lärm geht einfach durch mich hindurch, da ist nichts mehr, dass sich dagegen sträubt und sagt: Was für eine rücksichtlose Schweinerei! Wie soll ich da bloß arbeiten?

Die eingetretene Veränderung hab‘ ich nicht „gemacht“, beabsichtigt, gewünscht oder gar herbei geübt. Es war auf einmal so, ohne dass ich es auch nur bemerkte. üblicherweise nimmt das Bewußtsein die Abwesenheit eines Ärgers ja gerade NICHT wahr. Erst duch die Beschwerden meines Lebensgefährten ist mir dann aufgefallen: wo ist eigentlich MEIN „Leiden am Lärm“ hin gekommen?

Und hier ist sie nun, die Wegscheide: Soll ich jetzt etwa danach SUCHEN? Soll ich „in mich gehen“ bis ich das verlorene Leiden wieder finde? Soll ich in die hinterletzten Winkel meiner Psyche schauen, ob nicht vielleicht eine bloße VERDRÄNGUNG vorliegt oder ob ich mir das nur EINBILDE? Ob also mein Eindruck des Nicht-vom-Lärm-Betroffen-Seins vielleicht nur Illusion, Selbstbetrug und Heuchelei ist???

Habe ich nicht die Pflicht zu solcher Suche, wenn mir Wahrheit etwas bedeutet? Jahrzehntelang dachte ich so, suchte also ständig nach Unter- und Hintergründen und fand auch immer genug: unter der Oberfläche des alltäglichen So-Seins (meines, deines, unser aller…) liegt eine unerschöpfliche Mine, man kann bis in alle Ewigkeit Gold und Scheiße finden, alles Gefundene mit Staunen betrachten, es gar ausstellen – und dann?

Wer solche Erkundungen niemals angestellt hat, ist gut beraten, bei der näheren Untersuchung eines Leids nicht nur im Äußeren nach den Ursachen zu forschen, keine Frage! Diese Denkweise kann sich allerdings – auf Dauer gestellt – verselbständigen: das beobachtenden Hinterfragen wird zum Selbstzweck und raubt die Kraft und den Willen zum Handeln in der Welt. Sie wird grau und wüstenhaft, ihre Blumen verdorren, ihre Düfte verschwinden und verlieren alle Lockungen, ihre ureigenen Schönheiten verkommen zu weniger als Nichts, zur bloßen Spiegelung eines Ich, das nichts mehr außer sich selbst für wahr und betrachtenswert hält: verliebt in sein Elend weint Narziss seine Tränen am Rand des Brunnens der Wirklichkeit, spiegelt sich darin und seufzt: All das bin ICH!

Wer zur Welt und zu sich selbst immer schon eine negative Einstellung pflegt, wird kein Problem damit haben, in dieser Lebenshaltung bis zum Ende aller Tage zu verharren. Schließlich ist die Welt voller Schrecken und Ungerechtigkeit, ist Fressen und Gefressen werden, ist Kampfzone, vor der uns auch der Sozialstaat nicht mehr wirklich retten kann, wie wir derzeit zur Kenntnis nehmen müssen. Was stünde dem Geistesmenschen besser an als ein Leben im Modus der Klage und Anklage?

Hier müssen wir jeder für sich die je eigene Antwort finden und entscheiden, ob wir unser Glück oder unser Elend schmieden wollen – und damit letztlich auch das „der Welt“. Persönlich ziehe ich das Erstere vor, denn ich habe etwas bemerkt, das ich nicht mehr ignorieren kann: Ich FINDE de Wahrheit nicht nur vor, ich SCHAFFE sie auch! Je leerer ich bin, desto besser sehe ich: schon die geringste Erwartung eines bestimmten innerpsychischen Fakts kann diesen Fakt von der bisher nur gedachten Möglichkeit in die folgenreiche Wirklichkeit katapultieren. (Ein Phänomen, das nicht nur erkannt werden, sondern – es liegt auf der Hand! – auch ANGEWENDET werden kann.)

Wohlgemerkt, ich sage nicht, dass ich die Wirklichkeit NUR schaffe und dass es gar nichts zu finden gäbe! Nach meiner Erfahrung gibt es beides, aber in einem von mir letztlich nicht vollständig analysierbaren Geflecht – wer kann schon sagen, wo „ich“ endet und „Welt“ anfängt??? Im Grunde ist alles Teil der Oberfläche des einen Seins – um es mal ein bißchen mystisch auszuzdrücken. Wie weit „meine“ Wirkungen reichen, kann ich nur von Fall zu Fall ausprobieren – nicht ein für alle Mal erforschen, in Gesetze fassen und mich dann darauf verlassen.

Genau das werde ich jetzt bewußter tun! Nichts macht tatsächlich mehr Freude, als sich ganz in etwas hinein zu geben, von Augenblick zu Augenblick den Impulsen zu folgen und dann zu sehen, was kommt, was ES GIBT. Lass die Füße entscheiden, wohin du gehst, sagt ein alter Weisheitsspruch – in diesem Sinne ist auch der Geist nichts anderes als Fuß: ist er in Erwartung einer Katastrophe, wird sich alles zur Ver-wirklichung der Katastrophe verdichten, ist er in Angst, werden immer neue Monster sich zeigen. Gibt er sich dem Haß und dem Ressentiment hin, werden „die Anderen“ immer feindlich wirken und niemals Freunde sein. Erwartet er jedoch das Glück, das Wunderbare, das Abenteuerliche, und ist voller Freude und Zuversicht, dann können auch die hellen Seiten zur Wirkung kommen, indem sie von der Möglichkeit in die Wirklichkeit umschlagen.

Grübeln und Herumrechten, Bedenken tragen und ohne Ende Motive hinterfragen, mit vorgestanzten Wirkungen rechnen und Absicherungen gegen alle denkbaren Unwägbarkeiten anstreben – all das ist der Grauschleier über dem Leben, ist die selbst gebaute Käfiglandschaft, in der wir (ich, du und alle, die das allzu gern so machen!) dann jammernd auf nicht allzu hohen Stangen sitzen und die Krätze kriegen.

Anstatt zu sehen, dass die Tore immer offen stehen und zu fliegen.

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Claudia am 18. Dezember 2002 — Kommentare deaktiviert für Weihnachten III: Vom Weihnachts-Irresein

Weihnachten III: Vom Weihnachts-Irresein

„All‘ überall auf den Seelenspitzen sehe ich blinkende Bomben sitzen, und
innen, aus dem Herzenstor, schaut‘ mit großen Augen die Neurose
hervor…“

Diesen „Weihnachtsreim“ schrieb mir ein Freund, der als Arzt mit vielen Menschen regelmäßig in Kontakt kommt. In diesen allzu heiligen Tagen spitzen sich offenbar die Dinge zu: was lang ertragen wurde, wird jetzt unaushaltbar; das bisher locker Weggesteckte tötet den letzten Nerv. Der kleine Ärger wächst sich zum Großkonflikt aus, die Beziehung kriselt, der Lehrer entläßt entnervt die unbelehrbaren Schüler – der Mitmensch ist alles in allem eine richtige Katastrophe. Zwar sind viele damit beschäftigt, Geschenke einzukaufen, doch die Gedanken an „die Anderen“ werden nicht freundlicher, im Gegenteil. Und die Festtage selbst – so erzählen zumindest immer wieder die Polizeiberichte – beinhalten Dramen und ausagierte Feindseligkeiten, die den Rest des Jahres an Häufigkeit und Intensität deutlich übertreffen.

Was ist nur los an Weihnachten, dem „Fest der Liebe“? Vielleicht – ich spekuliere mal wild drauf los – ist es der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit, der in diesen Tagen nicht mehr tolerierbare Ausmaße annimmt. Einerseits Friede, Freude, Lebkuchenduft und Lichterglanz, das Beschwören einer Harmonie, die auch mitten im vervielfältigten Konsumgeschehen Ziel bewußter oder unbewußter Wünsche ist; andrerseits der Blick auf die Realität, die in diesem Vergleich weit dunkler wirkt als üblicherweise: Niemand liebt. NIEMAND!

Was wir üblicherweise Liebe nennen ist ein ausgesprochen bedingtes und daher flüchtiges Erleben: Solange du meine Erwartungen zu einem gewissen Prozentsatz (der nach eigener Tagesform schwanken kann) bedienst, liebe ich dich – sobald das aufhört, erkenne ich Dich als Fremden: Himmel, was habe ich eigentlich mit dir zu tun? Und je nachdem, wie abrupt sich solche Bewußtwerdungen ereignen, umso unbehauster und verweifelter, einsamer und verlassener mag man sich dabei fühlen: ent-täuscht! Und dann?

Werden die persönlichen Welten aus Selbstbetrug und krampfhaft aufrecht erhaltenen Illusionen in Frage gestellt, reagieren viele äußerst feindselig, Wut, Ärger und Agressionen aller Art suchen ein Ventil – und in der Weihnachtszeit explodiert so mancher ganz unvermittelt, von dem man derartiges gar nicht erwartet hätte – nicht jetzt, nicht so!

Nun, das ist das „Weihnachtsirresein“ – und keiner ist davor sicher. Es ist kein wirkliches „Irre sein“ im Sinne von „ver-rückt“- im Gegenteil, es entsteht duch das Hereinbrechen des Lichts, in diesem Fall des Lichts der Erkenntnis über das, was ist. Wir sehen: aha, ich liebe nicht! Aha, auch der Andere liebt mich nicht, er schätzt es nur, wenn ich dies oder jenes ´rüber reiche: Streicheleinheiten, Vergnügen, Schutz, Anerkennung, Ermunterung, Dankbarkeit und so manches, das ich mir offensichtlich alleine nicht verschaffen kann.

Geschäftsbeziehungen sind von allen Beziehungen die ehrlichsten, denn sie formulieren üblicherweise einen Vertrag über Geben und Nehmen, über die Bedingungen des Miteinander, die sonst so gern verborgen bleiben. Je unausgesprochener und unbewusster diese „Bedingungen“, desto größer das Konfliktpotenzial, wenn das Licht darauf fällt, wenn sichtbar wird, dass sie nicht bzw. nur unbefriedigend erfüllt werden: zwischen Lebenspartnern, unter Freunden, in Familien, bei Kollegen, im Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler und selbst zwischen Autor und Publikum – wer schreibt schon gern für die Schublade?

Im christlichen Kontext des Weihnachtsfestes steht der kommende (lat: „ad-venit“) Jesus Christus für das In-die-Welt-Kommen einer bedingunglosen Liebe, einer Liebe, die nicht tauscht und berechnet: genau der Liebe eben, zu der wir nicht fähig und gewöhnlich auch nicht willens sind.

Diese große Erzählung ist von wunderbarer Symbolkraft! Jeder kann sich davon ergreifen lassen, zumindest in diesem potenziell Gemeinschaft-stiftenden Moment der Sehnsucht: Wir erkennen einander als Unzufriedene, als Sehnende nach einer Liebe, die außerhalb unseres allzu menschlichen Vermögens liegt.

Dazu muss ich nicht mal Christ sein. Religionen sind ja ganz allgemein Tröstungssysteme, Therapeutika gegen die Unbehaustheit des Menschen in einem unfassbaren Universum. Wer es schafft, die eine oder andere religiöse Tröstung zu verinnerlichen, ist im Grunde zu beneiden – wir anderen dürfen hoffen, dass der Preis nicht zu hoch ist, dass nicht gleich das Fanatische die Oberhand gewinnt, um die gewonnenen Gewißheiten gegen „Ungläubige“ durchzusetzen. „Innere Sicherheit“ der einen kann Krieg gegen die Anderen bedeuten, wie wir wissen.

Was ist aber jenseits religiöser Geisteswelten, die ja nicht mehr für alle begehbar sind, zu alledem zu sagen? Gibt es auch ohne Jesus Christus, ohne Buddha, Dharma und Sangha einen aufrechten Gang? Ein Dasein, das nicht auf Illusionen baut, aber doch auch den Bezug zu jener unbedingten Liebe – und sei sie noch so unnerreichbar – nicht einfach negiert?

Tja, jetzt steht sie da, diese Frage! Ich kann bis zu ihr vordringen, sie aber nicht beantworten. Sowieso bestünde eine Antwort nicht aus Worten, sondern das je eigene Leben von Augenblick zu Augenblick ist die Antwort – oder ein Versagen. Immerhin erkenne ich immer besser, dass ich die Antwort nicht üBERNEHMEN kann: nicht aus Büchern und auch nicht von lieben Freunden und Lehrern. Sie geben zwar Hinweise, machen mit ihren je eigenen Antworten VORSCHLÄGE – aber all diese Vorschläge, und seien sie noch so intelligent, großartig, gar eingebunden in große Traditionen, werden als „übernommene“ immer auch relativiert, nämlich durch das konkrete Leben ihrer Verbreiter, soweit es auch in seinen Abgründen und Verfehlungen sichtbar wird.

Von Lehre und Leben

Lothar Reschke hat unter dem Titel „Heilige“ hierzu einen interessanten Beitrag verfasst – aus der Sicht desjenigen, der die „Heiligkeit“ als eine Art Bringschuld verspürt: wer sich lebenslang mit sich selber auseinander setzt und hier und da auch von anderen als Lehrender wahrgenommen wird – hat so einer nicht die Pflicht, im Alltag mehr als nur „politisch korrekt“ zu agieren? Sprich: immer lächelnd, alles verstehend, unangreifbar, über den Dingen schwebend ??? Sich also niemals über den Lärm des Nachbarn aufregen, niemals streiten und aus der Haut fahren? Immer hübsch gelassen bleiben???

Natürlich nicht. Wie Lothar das Ganze beschreibt, wird das Absurde gut spürbar, das in der Erwartung der „Heiligkeit“ liegt. Ganz erschöpft ist das Thema damit allerdings nicht: die angeführten Beispiele sind duchweg so, dass man sie unter „gerechter Zorn“ bzw. berechtigter Ärger subsumieren könnte – wie aber würde es sich bei echten Verfehlungen darstellen? Zum Beispiel beim Guru, der seine Schülerinnen sexuell ausbeutet? Oder beim Therapeuten, der Authentizität im Hier & Jetzt lehrt, aber die Trennung von seiner ahnungslosen Frau lang im voraus plant? Und was ist von „Lebensberatern“ zu halten, die bei eigenen Konflikten erstmal die Kommunikation abbrechen und sich in den Schmollwinkel zurück ziehen?
Können sie alle trotzdem Lehrer und Helfer sein?

Und ich frage weiter: Warum sollte ich eigentlich den kompromisslosen Ansichten eines Menschen folgen, mit dessen Leben in dieser Welt ich auf keinen Fall tauschen wollen würde? Kann denn ein katholischer Priester aus seinem Zölibat heraus Ratschläge bezüglich erotischer Vertrickungen geben? Ist liebendes Mitgefühl von jemandem zu lernen, dem andere Menschen in ihrer Beschränktheit so spürbar auf die Nerven gehen? Kann ich mein Leben besser ordnen mit Hilfe der Tipps eines Ratschlagenden, dessen Dasein an dieser oder jener Stelle ein Chaos ist?

Nein! Ganz spontan sage ich dazu nein. Aber stimmt das, auf’s Ganze gesehen? Man muss vorab unterscheiden, was mit „Lernen“ gemeint ist: Ich kann natürlich durch einen Choleriker, der laufend aufbraust und mich anschreit, Gelassenheit erlernen, genauso wie ich in südlichen Ländern lerne, mit sehr viel weniger Wasser auszukommen. Ich lerne hier DURCH eine Person oder ein Phänomen, also durch Lebenserfahrung, durch Praxis. Auf diese Weise kann ich von allem übel und jedem Schurken sehr viel lernen – und doch bleibt er ein Schurke!

Etwas Anderes ist das übende Erlernen einer Lehre, einer überlieferten oder neu propagierten Weisheit oder das übernehmen einer Theorie oder Weltanschauung: HIER ist das Spielfeld der oben gestellten Fragen nach dem Verhältnis von Lehre und Leben. Kann ich jemandem folgen, der selber nicht verwirklicht, was er lehrt?

Ja und nein! Es kann genauso lange funktionieren, soweit meine EIGENE MOTIVATION trägt. Schließlich spricht nichts dagegen, dass einer in einem bestimmten begrenzten Bereich ein guter Lehrender sein kann, auch wenn er nicht alle Erwartungen, die ich (!) mit der Lehre verknüpfen mag, im eigenen Dasein verwirklicht. Diese je eigene Motivation speist sich aus zwei Quellen: aus Erleben und aus Glauben bzw. Hoffen. Um überhaupt etwas verändern zu wollen, muss es mir spürbar schlecht gehen. Ich greife zu einer Lehre, einer übung, einer anderen Praxis, Lebens- oder auch nur Denkweise, um mich bzw. meine Lage zu verbessern. Unzufriedenheit und Leiden können hier ganz subtile Formen annehmen, doch bilden sie IMMER den Motivationhintergrund. Der zweite Punkt ist die Einsicht, das Denken und Auf-die-neue-Praxis-Hoffen, gespeist durch Worte, Texte und Vorbilder (!), evtl. die Kraft einer Gruppe, allesamt eher virtuelle Aspekte, die solange tragen sollen, bis sich spürbare Ergebnisse in der Lebenswelt manifestieren.

Je nach persönlichem Temperament und kulturellem Kontext sind wir hier mehr oder weniger Warte-bereit: Christen warten seit über 2000 Jahren auf die Wiederkunft Christi, Jehovas Zeugen warten insbesondere auf das Gericht und die Rettung der 144000, Buddhisten werden eingestimmt auf unzählige Leben, die bis zum Erreichen des Nirvana oder gar der Erleuchtung aller fühlenden Wesen noch durchzuhalten sind – während ich das schreibe fällt mir auf, dass Religionen sich offensichtlich darum bemühen, unseren Erwartungshorizont ins schier Unnerreichbare zu verschieben. Warum eigentlich?

Wäre es nicht besser, wir vertrauten dem eigenen Urteil? Ich probiere etwas eine Zeit lang aus – entweder es tut mir gut und bringt mich weiter oder eben nicht. Je nachdem, wie es sich damit verhält, verwerfe ich es wieder und gehe weiter, oder baue es ganz oder in Teilen für immer in mein Leben ein. Ich könnte auch experimentieren, eigene Varianten erforschen, vielleicht selber lehren, oder ich mache kein weiteres Aufhebens, sondern sehe zu, dass MEIN Nutzen durch Tun & Handeln in dieser Welt auch zum Nutzen anderer wird. Und entdecke vielleicht über kurz oder lang wieder eine andere Art Leid, das mich motiviert, wieder nach etwas Ausschau zu halten, zu suchen – das Leben ist Bewegung, kein Verharren in Stille. Ich beschwer mich da nicht.

Der Vorbildcharakter eines Lehrers ist also alles in allem hilfreicher Aspekt, keine notwendige Bedingung. Ein Vorbild benötige ich nur, solange ich nicht selber spüre, wie gut „die Sache selbst“ ist, ein Zustand, in dem wir so kurz wie möglich verweilen sollten. Glauben und Hoffen kann Erleben nicht wirklich ersetzen – mittlerweile haben das sogar die Börsianer gemerkt und das läßt für diese Welt hoffen.

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Claudia am 14. Dezember 2002 — Kommentare deaktiviert für Weihnachtsstimmung ?

Weihnachtsstimmung ?

Ein paar Tage ohne Diary verbracht, dafür umso aktiver das Webwriting-Magazin angeschoben. In den nächsten Tagen wird sich da einiges tun. Das Log auf Seite 1 scheint zu gefallen und ich bekomme viele positive Mails. Dass ein Leser auf den Nielsen-Artikel auch gleich mit einer Virus-Attacke reagiert hat, gehört wohl dazu: Manchen fehlen eben die Worte, ihre andere Meinung anders auszudrücken.

Aber genug davon. Es ist Mitte Dezember, noch zwei Wochen bis zum dunkelsten Tag des Jahres. Trotz Weihnachtsbeleuchtung, die auch hier im Dorf Gottesgabe Volkssport ist, will eine weihnachtliche Atmosphäre nicht aufkommen. Die warmen Stürme, der Matsch, der alle unversiegelten Oberflächen zu Gummistiefelfallen macht, die orkanartigen Böen, die hier im Schloßwald ein beeindruckendes Dröhnen hören lassen: Weihnachtsstimmung ist das nicht gerade.

Was aber wäre denn Weihnachtsstimmung? Ich erinnere mich daran, wie es mir als Kind schon ab zehn zunehmend PEINLICH wurde, wenn der Event namens „Bescherung“ auf die Jahr für Jahr gleiche Weise zelebriert wurde. Fast bin ich vor Scham in den Boden versunken, wenn wir drei Kinder am sogenannt heiligen Abend mit einem Glöckchen zu Konservenklängen von „Ihr Kinderlein kommet“ ins geschmückte Weihnachtszimmer mit brennendem Lichterbaum geklingelt wurden. Wie in der Auslage eines Warenhauses hatten meine Eltern die Geschenke arrangiert:

Bescherung, altes Foto

Alles war natürlich schon ausgepackt, denn allzu viel Verpackungsmüll verträgt sich nicht mit echten Wachskerzen am Baum. Trotzdem standen hinter dem Baum noch zwei Eimer mit Wasser, man weiss ja nie!

Auch wir Kinder hatten erstmal „staunend davor“ zu stehen. Denn erst mußte das Lied zu Ende gesungen sein, bevor es uns erlaubt war, „jubelnd“ auf die Geschenke zu stürzen. Erlaubt? Ich jubelte schon, ehe ich überhaupt alles gesehen hatte, denn ich wollte dieses „Kinderjubeln“ schleunigst hinter mich bringen, das meine Eltern offenbar so sehnlichst erwarteten. Was mir an der ganzen Sache so peinlich war und von Jahr zu Jahr immer peinlicher wurde, konnte ich gar nicht sagen. Man hätte Weihnachten jedenfalls ersatzlos streichen können, ich wäre erleichtert gewesen. Doch so gab ich zur Zufriedenheit meiner ahnungslosen Eltern das „jubelnde Kind“, Jahr für Jahr wieder, bis mir der Geist des Protestes von 1968 endlich eine Sprache gab, um meinem Unmut Ausdruck zu verleihen: konsumorientierter stockspießiger Scheiß! Alles Lüge!

Damit war erstmal Schluß mit Weihnachten und ähnlichen „hohlen“ Ereignissen, denen ich mich fortan zu verweigern suchte. Wenn das absolut nicht ging (jetzt zeigte sich der Zwangscharakter der Sache: ich MUSSTE mitmachen!), dann stand ich allenfalls mäkelnd dabei und verdarb den anderen wenigstens erfolgreich die Stimmung. Mit jeder Geste schwitzte ich meine Kritik aus, dass nämlich weder Kerzenduft noch Lichterglanz, weder die gefüllte Riesenpute noch die Zwangsbeschallung mit Weihnachtsliedern darüber wegtäuschen könne, was in unserer Familie IN WAHRHEIT Sache war: blanker Hass und Machtkämpfe Tag für Tag, halt so ein ganz normales Familienleben.

Seither ist viel Zeit vergangen, so richtig warm bin ich mit Weihnachten nie geworden, zumindest nicht in seinem mehr denn je dominanten Shopping-Event-Charakter. Das eigentliche Anliegen solcher Feste kann ich heute verstehen und gutheißen. Sie sollen nicht etwa eine üblicherweise schlimme zwischenmenschliche Realität für einen Tag oder für Stunden einfach nur verbergen, mit Glitzerkram und Hulligully zuschütten. Sondern sie sind als Ausdruck eines Konsenses gemeint, der in Worten lauten könnte: Ja, wir wissen, dass wir alle Egoisten sind und DER ANDERE uns normalerweise nicht viel bedeutet. Dieses Fest ist Ausdruck unserer Unzufriedenheit mit diesem Zustand: Wir leben mal für ein paar Stunden, wie wir es „eigentlich“ gerne hätten, wenn…. tja, wenn wir nicht solche Bestien wären, wie wir es nun mal sind.

Gerade von dieser weihnachtlichen Wahrheit spüre ich allerdings wenig im Bewußtsein meiner Mitmenschen. Die meisten glauben von sich, sie seien ganz wunderbare Typen, stets bereit zu helfen und über alles zu reden, immer auf der Seite des GUTEN, Wahren und Schönen. Und wenn ausnahmsweise mal nicht, dann sind Andere oder „die Umstände“ schuld. Diesen Glauben möchte kaum jemand erschüttert sehen und ein erfolgreich inszeniertes Weihnachten mit maximalem Warenumschlag gehört eben einfach zum Leistungsspektrum erfolgreicher Individuen.

Der Bericht hier wäre unvollständig, ohne anzufügen, dass ich „trotz alledem“ auf Weihnachten konditioniert bin. Ich mußte feststellen, dass ich glitzernden Baumschmuck, den Duft angesengter Tannennadeln, jubelnde Familien und die großen Fressen zu Weihnachten irgendwie mag. Die sinnlichen Einzelheiten des Weihnachtsszirkus‘ sind tief in mich eingeschrieben, in die Schicht, die nicht diskutiert, sondern nur fühlt und reagiert. Und DARÜBER reg‘ ich mich heute nicht mehr auf, sondern genieße es, soweit das im Überangebot der dreimonatigen Kommerzweihnachten überhaupt noch möglich ist.

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Claudia am 07. Dezember 2002 — Kommentare deaktiviert für Weihnachtszeit II: Geben wir’s weiter?

Weihnachtszeit II: Geben wir’s weiter?

Ob sie denn nur eine übriggebliebene Unverbesserliche sei, fragt Marianne in derselben Mail, in der sie mich auf die Aktion *„Gib es weiter“ aufmerksam macht. Offensichtlich haben wenige Stunden gereicht – die Website ist seit dem 4. Dezember online – um die verschiedensten freundlichen und unfreundlichen Kritiker herauszufordern: Das geht nicht, weil…, das kann doch nicht klappen, das ist doch total naiv! Deutschland im Stimmungstief ist nicht so easy in adventliche Nächstenliebe oder gar Weltverbesserungslust zu versetzen!

Worum geht’s? Ich surfe hin und lese:

Das Gib-es-weiter-Prinzip:

Du tust etwas für einen Menschen. Wenn möglich, einen großen Gefallen. Es sollte etwas sein, was diese Person alleine ohne Hilfe nicht bewältigen kann. Anstatt eine Gegenleistung oder Dank zu erwarten, erlegst du ihr auf, dass sie es an 3 andere Menschen weitergeben soll.

War da nicht mal so ein amerikanischer Film, in dem alle ständig gestrahlt und liebevoll gelächelt haben? Die Erinnerung an den Trailer untermalt den Ansturm meiner ganz persönlichen Niedermach-Gedanken: Das geht doch nicht! Das ist doch unendlich naiv! Wer will denn wissen, was für einen Anderen ein „großer Gefalle“ ist? Vielleicht reißt ihn ja genau die Wunscherfüllung, die ich ihm ermögliche, vollends in den Abgrund? Helfen ist doch nicht SO einfach, ja, praktisch ganz unmöglich…. und überhaupt: Tu ich nicht auch ohne Aktion etwas „für einen Menschen“? Bin ich nicht die Hilfsbereitschaft in Person? Soll ich denn jetzt auf die Straße rausgehen und rufen: Hallo, braucht jemand was???

Ich guck eine Zeit lang diesem inneren Theater zu und meine Sympathie für die Aktion steigt. Was solche Widerstände auf den Plan ruft, trifft auf jeden Fall ins Schwarze. Anstatt mit eigenen Argumenten über Sinn und Unsinn einer solchen Initiative zu streiten und so nur den graubraunen Sumpf der üblichen Scheiße einmal gut umzurühren, könnte man einfach der Empfehlung folgen und sehen, was passiert. Gewiß würde man etwas Neues erleben, denn etwas „Unmögliches“ wäre auf einmal möglich geworden – jenseits aller zweifelhaften Ideen vom Helfen-Wollen-Können-Sollen ist es DAS, worauf es ankommt!

Wer ist „man“? Die Widerstände wirken bis in die Wortwahl hinein: werde ICH denn der Empfehlung folgen? Oder möchte ich nur dem geneigten Surfer Ratschläge geben, deren Verwirklichung ich doch lieber bei Anderen beobachte als sie selber auszuprobieren?

Mal sehen, ehrlicherweise lasse ich das offen. Es kommt drauf an, wer bzw. was für eine Aktivität sich mir als Gelegenheit anbietet, „es weiter zu geben“. Dass da etwas kommen wird, ist gewiß, wenn ich mich für die Idee öffne – und zumindest dafür hat mir Mariannes Inititative den Anstoß gegeben.

übrigens: nicht nur, weil es weihnachtet, unterstütze ich diese Idee. Ich würde gerne für viel MEHR Initiativen, Ideen, konkrete Projekte und ungewöhnliche Vorgehensweisen den roten Teppich ausrollen, wenn sie nur EINES leisten: einen Kontrapunkt in dieses Jammertal Deutschland setzen, in dem zur Zeit alle in kollektiver Untergangslust an den Ästen sägen, auf denen sie sitzen und ihr je eigenes entrüstetes „So nicht!“ in die Welt hinaus rufen. Ich kann es nicht mehr hören: Wie hier jeder versucht, sich und die je eigene Interessengruppe mit großer Geste als das lange schon gemolkene Opfer darzustellen! Oder gar immer noch mehr rauszuholen, egal, ob die öffentlichen Haushalte den Bach runter gehen und dann eben noch ein bißchen mehr gestrichen und entlassen werden muss. Hauptsache, die Bediensteten mit den vergleichsweise sicheren Jobs bekommen ein paar Euro mehr – all das lässt eigentlich keine Weihnachtslaune aufkommen, im Gegenteil.

Wie kommt man aber von einem Bewusstsein, das immer nur die einstmals errungenen Besitzstände verteidigt, zu einem Denken & Fühlen, das immer zuerst fragt: Was kann ich beitragen? Was kann ich noch abgeben? Wie kann ich Neues schaffen, damit mehr zum Verteilen da ist? Was kann ich dazu tun, damit diese miese Stimmung sich bessert? Denn aus den Stimmungen entstehen die Gedanken, aus den Gedanken die Pläne und Vorhaben, und schließlich folgen die entsprechenden Handlungen.

Wer hier kreativ ist, tut uns allen einen Gefallen. Wer dazu Ideen hat und gar selber ein paar Finger rührt, gehört mit Orden bekränzt und mit Lob überhäuft . Und wenn DU, geneigte Leserin und lieber Leser, dich heute oder in den nächsten Tagen von einem lieben Mitmenschen oder einfach vom Leben beschenkt fühlst, dann behalt es nicht für dich, sondern gib es weiter!

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Claudia am 04. Dezember 2002 — Kommentare deaktiviert für Weihnachtszeit

Weihnachtszeit

Es schmerzt mich fast körperlich, dass mein Schreiben so begrenzt ist. Ich sage „mein“ Schreiben, um nicht den Gedanken aufkommen zu lassen, ich wolle mich hinter einer Allgemeinheit oder hinter einer Art Naturgesetz verstecken. Und doch ist es vielleicht so ein Gesetz: zumindest als Prosa läßt sich immer nur Negatives ausdrücken, mehr noch, man liest auch nur gern, wenn der kalte Hauch des Schreckens, des Leidens, der Endlichkeit oder der Gefahr zumindest andeutungsweise duch die Sätze weht. Ein bißchen Tod und Sterben muß schon sein, zumindest ein paar „ordentliche Probleme“, der Autor möge doch bitte durch die Höllen gehen und erzählen, wie es war und wie er wieder heraus gekommen ist. Die Landschaften aus Langeweile und ÖÖdnis hätten wir gern kurzweilig beschrieben und zur Mittagspause serviert, damit wir wissen, wie schlimm es sein kann und wie gut wir es doch haben – vergleichsweise.

Nahezu zwanghaft gerate ich schreibend immer wieder in dieses Fahrwassser des Negativen, selbst bei den sachlichsten Gegenständen darf die Würze nicht fehlen, die das Ganze interessant und für Andere konsumierbar macht: ein bißchen Häme hier, ein wenig Spott da – selbst im Geist großzügigster Gelassenheit läßt sich immer noch sagen, dass das, was Andere zu diesem Gegenstand gedacht, gesagt, geschrieben haben, doch ein ziemlicher Schrott ist! Wenn nicht im eigenen Elend gerührt wird (was auch den Leser anrührt), muß halt der Andere dran glauben, dann ist eben ein bißchen Krieg angesagt!

Gibt es eine Alternative? Wenn ich mich wehre, wenn ich dem verrückten Impuls, dem Schönen durch Ausmalen des Häßlichen zu dienen, widerstehe, werde ich langweilig oder verstumme gleich ganz. Auch selber lesend bin ich kaum in der Lage, über die ersten Sätze eines „positiven“ Textes hinaus zu kommen: Gott, wie naiv! Es scheint unvermeidlich zu sein, einem Schreibenden die Sicht aufs Ganze als Pflicht aufzuerlegen – und wenn er sich dann heraus nimmt, der Welt zu applaudieren, und sei es nur bezüglich eines kleinen Insekts, das immerhin einige Millionen Jahre erfolgreich hinter sich gebracht hat, dann kann man ihn schon nicht mehr ganz ernst nehmen.

Bis hierhin ist gerade mal an der Oberfläche gekratzt. Aber will ich denn überhaupt tiefer? Ich wüßte nicht, wie ich das tun könnte, ohne in die beschriebenen Fahrwasser zu geraten. Gedichte schreiben, ja, das wäre eine Möglichkeit, oder malen, singen – alles Abschiede von der mir so vertrauten Form der Kommunikation, in der ich immer noch ausharre, die ich weiter betreibe, selbst wenn ihre Grenzen lange erreicht sind. Ich tue so, als wollte ich mit Anderen reden – aber in Wahrheit ist das schon lange nicht mehr der Fall. Was gäbe es denn auch zu sagen? Immer klarer steht mir vor Augen, dass es exakt drei Sätze sind, die wir endlos variieren können, mit mehr oder weniger Vergnügen:

1. Die Welt ist schlecht, das Leben furchtbar.
2. Die Welt ist wunderbar, das Leben ist schön.
3. Es ist, wie es ist.

Über alles, was damit gemeint ist, spannt sich natürlich noch ein ganzer Kosmos aus Psychismen, aus übergflüssigen Problemen erregungssüchtiger Egos, (klar, ich spreche von mir!) die beim Blick in die aufgehende Sonne nicht zur Sonne werden können, sondern sagen müssen: guck mal, was für ein toller Sonnenaufgang! Für dieses Leiden an der Großhirnrinde gibt es kein Heilmittel außer der Ausbildung der Fähigkeit, sie auf Standby zu schalten und nur im Bedarfsfall zu aktivieren – genau das übe ich aber nicht ein, indem ich darüber schreibe.

Immerhin muß ich mir nicht mehr vormachen, ich würde schreibend etwas „klären“, um hinterher daraus Nutzen zu ziehen. Es gibt da kein Um-Zu mehr, insofern bin ich mir schreibend selber voraus. Vielleicht ist das mit ein Grund, dass die Buchstaben immer wieder ihren Weg finden.

Jetzt geh ich mal ein paar Schritte um die Häuser. Zur Zeit kann ich nicht lange vor dem PC sitzen, der Körper sendet deutliche Signale. Sowieso warte ich darauf, dass mich die Muse küßt: die letzte Website, die in diesem Jahr für eine Kundin zu gestalten ist, muß das Licht der Welt erblicken. Und wie immer, kann ich es nicht auf die Stunde genau zwingen, spazierengehen ist dann besser, als auf eine weiße Fläche schauen.

Mir gefällt die Weihnachtszeit, endlich! Früher konnte ich das gar nicht wahrnehmen, so sehr war ich im Sumpf der Konsumkritik gefangen, in diesem nichts übrig lassenden „Das.ist-doch-nur“, das sich für den Gipfel der Erkenntnis hält, aber mit dem Leben dafür bezahlt. Jetzt freu ich mich an den Lichterketten, die in den Zeiten der Krise in Berlin offenbar besonders hell strahlen, hab mir beim ÖÖko-Stand einen „besonderen“ Adventskranz gekauft (irgendwo muss das „besonders“ ja hin…) und jetzt geh ich in den Supermarkt und kauf ein paar Lebkuchen. Manchmal sind sogar die Menschen in der Adventszeit fröhlich und freundlich – da mach‘ ich ein bißchen mit.

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