Claudia am 14. August 2002 — 0 Kommentare

Das Wasser – ein Feind ?

Es ist etwas anderes, jemandem zuzuhören, der „mitten im Wasser steht“, als nur im Fernsehen mit dem üblichen Katastrophen-Interesse die Sondersendungen anzugucken: Wow, und das bei uns! Nein, das Internet machts möglich, Freunde und Bekannte berichten von den steigenden Fluten, von voll gelaufenen Kellern und von der furchtbar gedrückten Stimmung der letzten Tagen. Gefühle der Ohnmacht, des ausgeliefert-Seins, immer mehr Opferbewußtsein – und dann die oft unausgesprochene, aber dennoch drängende Frage nach dem „Warum?“.

Die „große Bedrückung“ ist etwas, das mich innerlich herausfordert. Komischerweise wüsste ich gerne, wie ich angesichts so einer Sache reagieren würde. Ganz gewiss würde ich nicht „warum?“ fragen, ich wundere mich richtig über diese Frage! Es ist doch klar, warum: Die Klimaforscher haben das lange schon so oder so ähnlich angesagt. auch die mit der Theorie von den „natürlichen Schwankungen“ ändern an den Tatsachen nichts. Und wenn jetzt alle (völlig verständlich!) ihre Ventilatoren und Gebläse anwerfen, um das Feuchte so schnell wie möglich zu trocknen, wird erneut die Folge mit „Mehr von der Ursache“ bekämpft. Dass man nun mal nicht anders handeln kann, gemahnt an das Tragische im Leben, das schon seit den Griechen zu großen Kunstwerken motiviert.
Oder ist es ein anderes „Warum?“ – eine philosophische Sinn-Frage? Dann ist für mich klar, dass ich den Sinn selber geben muß: Das Wasser in seiner GEWALT hat das Potential, mir alles zu nehmen, was ich in meinen Besitz gebracht habe: Gegenstände, Verdienste, Wirkungsmächtigkeiten verschiedenster art. Was bin ich, jenseits von alledem? WER bin ich – zur Not in einer Turnhalle, nur mit dem Besitz, den ich als Klamotte am Leibe trage?

Würde ich über die materiellen Verluste klagen? Angst empfinden, weil ich jetzt meine Auftragstermine nicht einhalten kann, kein Geld mehr habe und nicht weiß, was kommt?
Ich weiß es nicht, habe aber in einer hinteren Ecke des Bewußtseins doch noch ein Selbstbild, dass das von sich nicht glaubt, nicht in der Tiefe! Fast bin ich neidisch auf diejenigen, die Gelegenheit haben, die Wirklichkeit zu erfahren (und dabei sich selbst) – obwohl es vermessen ist, so zu denken. In der Erfahrung sieht alles anders aus, als wenn man im Trockenen sitzt und philosophiert.

Die Freude am Mitmensch

Was aber immer wieder beeindruckend ist und zur Faszination einer Katastrophe gehört: auf einmal nehmen die Menschen einander wieder wahr, rennen nicht mehr völlig dicht eigenen Zielen, Plänen und Pflichten nach, sondern arbeiten zusammen, helfen einander! Die „Welle der Hilfsbereitschaft“ ist für mein Empfinden nicht nur dem augenblick der Katastrophe geschuldet, sondern auch der tiefen Unzufriedenheit mit dem, was unsere „Normalität“ ausmacht. Dieses ignorant-effektive aneinander-vorbei-Funktionieren wie Rädchen in einer großen Maschine – (noch dazu eine, die immer weniger Leute zum Weiterlaufen braucht.)

In den letzten Tagen lange Nachrichten geguckt: all die Berichte über die Zerstörungen, das ungeahnte ausmaß, fast ganz Sachsen ist betroffen, große Teile von Bayern, heut‘ Nacht noch die zweite Flutwelle aus Prag… dann die Spendenkonten, alle 10 Minuten eingeblendet, die ankündigungen der Hilfsmaßnahmen – der Städte, der Länder, des Bundes, ja, Europa wird angezapft!
Und ein komischer Gedanke schleicht sich ein: könnte DaS nicht die Wende sein? Die Rettung aus der Krise? Das Ende der „Kaufzurückhaltung?“ Wird nicht all das, was jetzt kaputt geht oder überschwenmmt wird, so schnell wie möglich geputzt, ausgeräumt, renoviert, repariert, neu gekauft und neu gebaut?

Vom privaten Keller bis zur öffentlichen Infrastruktur ist jede Menge auf breiter Fläche dahin – werden nicht alle, die irgend etwas handwerken und bauen können, die nächste Zeit voll beschäftigt sein? Ja, sogar arbeitslose dazu nehmen, weil so viel zu tun ist? Irgend jemand wird ja bezahlen: Ersparnisse, staatliche Hilfen, neue Verschuldungen, Spendengelder –
aus dem Schlamm und unter den Dreckmassen hervor kommt wie Phönix aus der asche der Kreislauf aus Geld, Waren und Dienstleistungen wieder in Gang???
Könnte es nicht so sein????

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