Claudia am 28. Februar 2007 — 5 Kommentare

Krank

Vor ein paar Tagen dachte ich noch, ich sei immun gegen den grassierenden Infekt, der meine Nächsten und auch viele Ferneren in diesen Wochen mal eben aufs Krankenlager streckte. Falsch! Nun hat es mich auch erwischt: Matschbirne, Fieber, Schnupfen – das Übliche und daher kaum erwähnenswert. Wäre es nicht das erste Mal seit weiß-nicht-wieviel Jahren, dass ich mich tatsächlich ins Bett lege und nicht arbeite, jetzt gar schon den zweiten Tag!

Wie seltsam, solange im Bett liegen zu bleiben. Kein Buch, in das ich mich versenken könnte, keine Zeitung, keine Lust zu gar nichts. So zappe ich durch die Kanäle und erlebe das mediale Deutschland: Kinderbetreuungsdebatte, Koch-Shows, Zoo-Shows, Gerichtssendungen, Frauentausch, Talksshows – um Himmels Willen, wie muss jemand drauf sein, der all das dauernd guckt und nicht nur bei Fieber? Weiter → (Krank)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 17. Februar 2007 — Kommentare deaktiviert für Melanie Delfft: Mein Lied

Melanie Delfft: Mein Lied

“Analyse eines Lebens – fast ein Roman” – der Untertitel zu Melanies Buch wirkt harmlos, zurückhaltend, sehr bescheiden, und enthält keinerlei WARNUNG vor dem schockierenden Inhalt dieser Berichte aus dem realen Leben. Als ich um die Jahrtausendwende noch in Mecklenburg wohnte, hatten wir übers Netz zueinander Kontakt gefunden. Sie schickte mir verstörende Texte, die so ganz anders waren als das, was ich selbst als “persönliches Schreiben” in meinen rücksichtsvollen Diary-Artikeln zelebrierte: ich verschone den konkreten Menschen, auch dann, wenn ich in besonders miesanthropischer Stimmung bin.

Anders Melanie in ihren sezierenden Betrachtungen, die auch vor dem Allernächsten nicht halt machen. Da heißt es zum Beispiel:

“Ich habe schon lange nicht mit meinem Mann gesprochen. Wenn er nicht schläft, sitzt er auf dem Sofa und sieht fern. Er geht zivilisierten Beschäftigungen wie sich waschen, Zähne putzen, rasieren, sich saubere Sachen anziehen nicht mehr nach. Er trinkt Rotwein, schläft, steht auf, schüttet sein Glas wieder voll, nimmt Pillen zum Weiterschlafen, schläft wieder, schlürft ins Klo, holt sich ein anderes volles Glas, schläft wieder, liest ein wenig Zeitung, holt ein neues Glas Rotwein, schläft wieder, steht gegen fünf nachmittags auf, setzt sich auf die Couch, sieht fern, trinkt Rotwein. Er bewegt sich tagaus, tagein nur im engen Triangel von Bett, Sofa und Toilette und riecht mit der Zeit so stark, daß ich am liebsten mit dem Taschentuch vor der Nase ins Wohnzimmer ginge.”

Von solchen Passagen, mit denen Melanie nicht spart, war ich regelrecht geplättet und fragte mich: Warum tut sie sich das an?? WER ist diese Frau? Wie kann sie so leben und so schreiben???

Die Oldenburgische Volkszeitung schrieb dazu:

“Die Autorin versteht es trefflich, ihr Leserpublikum tief in ihre eigene Geschichte hinein zu ziehen, Empathie zu erzeugen. Mit wachsender Faszination folgen wir ihrem Lebensweg, der sie nach Paris und Kalifornien und nach einem Zwischenspiel in München wieder nach Paris führt, mit Erschütterung und Bewunderung folgen wir ihr in das Leben neben ihrem dahin siechenden Mann und fragen, wieso sie nicht einfach fort geht, ehe wir erkennen, dass die erniedrigende Existenz mit dem vom Alkohol zerstörten Mann ein Teil des Befreiungsprozesses ist, den sich diese starke Frau verordnet hat”.

Anhand der Texte, damals noch Stückwerk, konnte ich die positiven Aspekte einer Selbstbefreiung noch nicht erkennen. Ich stellte mir die Autorin als unglückliche, leidende, in nicht nachvollziehbaren Zwängen gehaltene Frau vor, die sich nicht einmal den Ausdruck ihres Leidens gestattet. Denn alles, was sie da an verstörenden, demütigenden Details aus ihrem Leben berichtete, kam seltsam emotionslos daher, so als stünde sie neben sich und berichtete über jemand anderen. Manchmal blitzt eine Art trockener Humor durch, doch kann das auch meine Projektion sein. Die Emotionen entstehen jedenfalls erst im Leser, die Erzählerin klagt nicht und schimpft nicht – es hat mich tief beeindruckt!

Als sie mich dann bei Gelegenheit einer Deutschlandreise aufsuchte, staunte ich einmal mehr. Elegant, heiter, zeitlos schön, sehr gebildet, jedoch gar nicht eingebildet, stand eine Wahl-Pariserin vor mir, die vom Kind meiner Nachbarn spontan als “die Dame” bezeichnet wurde. Und ja, das war sie, ich hätte mich nur nicht getraut, es zu benennen! Neben ihr kam ich mir verlottert vor, doch störte das unser Miteinander nicht. Ich bewundere Frauen mit Stil, die davon kein Aufhebens machen!

In den Plauderstunden, die wir dann in der weiten Mecklenburger Landschaft miteinander verbrachten, erkannte ich, dass sie auch “von Angesicht zu Angesicht” kein Leiden zeigen würde – zumindest nicht das große Lebensleid, das ich aus ihren Texten kannte. Einmal mehr hab’ ich begriffen, dass es Menschen gibt, die es verstehen, aus ihren tiefen Gefühlen und prägenden Erfahrungen wahre Literatur entstehen zu lassen – und das bedeutet, sie eben nicht auf die plumpe Art zu Tage treten zu lassen und so zu “verbrauchen”.

Ich freue mich, dass aus den Texten ein Buch geworden ist und mehr noch, dass Melanie (sie heißt nicht wirklich so!) meinem Rat gefolgt ist, eine Website dazu zu veröffentlichen. Es ist eine Website “im alten Stil”, kein Schnickschnack, nur das Wesentliche: der Text.

meinlied
Analyse eines Lebens – fast ein Roman.
390 Seiten, 19,80 Euro.

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 08. Februar 2007 — 7 Kommentare

Die Suche nach der Leidenschaft

Morgens fange ich nicht gleich mit dem Arbeiten an. Ich schau mal in die Emails, surfe auf diese oder jene Website, besuche ein Forum, gucke auf den letzten Diary-Eintrag – tja, auf was warte ich, was suche ich in diesen militant Sinn-freien Aktivitäten?

Es steht ja schon im Titel: ich suche die Leidenschaft, das Aufblitzen eines heftigen Interesses, das mich ergreifen und zum Einstieg in den Tag begeistern soll. In den ersten Jahren des Webs war dieses Erleben leicht zu haben, denn alles war neu und das Neue ist an sich schon reizvoll, ob man das nun blöd findet oder nicht. Irgendwann wird jedoch alles zur Routine, zum allzu Bekannten, das aus sich heraus keinen großen Reiz mehr ausübt. Wie ich feststellte, gilt das sogar für soziale Prozesse, die ich immer sehr spannend fand. Auch sie haben ihre üblichen Verläufe, Menschen bringen sich ein, setzen sich auseinander und wieder zusammen, einige scheiden aus, andere steigen zu Meinungsführern auf, Gruppen zerfallen und bilden sich neu – nun ja… Weiter → (Die Suche nach der Leidenschaft)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 06. Februar 2007 — 12 Kommentare

Die Wahrheit vom gefühlten ICH

Nach acht Jahren Schreiben im Digital Diary zum ersten mal ein „Gesamtinhaltsverzeichnis“ vor Augen zu haben, mutet mich nun doch seltsam an. Ohne Aufwand kann ich mal eben nachsehen, was im Februar 2005 oder 1999 mein Thema war. Es ist, als schaute ich in eine neue Art Spiegel und fragte mich: bin ich das? Hat sich was verändert?? Und dann staune ich, dass sich so wenig verändert hat. Es wirkt, als wäre ich mit dieser Art zu schreiben geboren, ich sehe keine großen Unterschiede und finde das ein wenig erschreckend! Der Mensch muss sich doch verändern, entwickeln, wachsen – hab‘ ich da ein Defizit??

Eine blöde Frage, ich weiß! Dieses Diary war nie als Entwicklungsbericht gemeint, obwohl sporadische Versuche der Selbstverbesserung durchaus vorkommen. Ich wollte immer nur schreiben, was sich schreiben will: ohne Oberthema, ohne Absicht, ohne Ziel. Nun merke ich, wie viel unbewusste Formung und Absicht in diesem Schreiben doch enthalten ist und kann darüber nachsinnen, was das bedeutet. Weiter → (Die Wahrheit vom gefühlten ICH)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 05. Februar 2007 — 2 Kommentare

Das GANZE Digital Diary

Was für eine Arbeit! Gestern hat es mich gepackt und binnen fünf Stunden hatte ich, was ich lange für „nicht so wichtig“ hielt: ein Gesamtinhaltsverzeichnis ALLER Diary-Beiträge seit dem Start Anfang 1999!

Auch jetzt kommt es mir noch ziemlich eitel vor, an der Stelle Arbeit zu investieren. Ich schaue ja sonst nie zurück, lese keine alten Artikel und pflege keine „erotische Beziehung“ zu vergangenen Werken. Allerdings hat es mich zunehmend gestört, dass die Texte kaum mehr auffindbar waren: hier mal ein Jahresverzeichnis, dann wieder keines, alle zwei, drei Jahre eine Veränderung der Darstellungstechnik und Systematik – ein Verhau! Ich hab‘ überlegt, alles bis 2005 ‚raus zu nehmen und nur das zu belassen, was seit 2006 von WordPress verwaltet wird. Hach, aber das bring‘ ich nicht über mich! All die Links, die dann ins Leere laufen – eine Sünde am Netz! Weiter → (Das GANZE Digital Diary)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 02. Februar 2007 — 3 Kommentare

Meine Entrüstung hat jetzt ein Blog

Ausnahmsweise mal ein kurzer Eintrag – nämlich zum Thema „Kurzbloggen“. Ihr wisst schon, diese kurzen Texthäppchen, garniert mit allerlei Links, um die seit Jahren ein Hype abgeht, als hätte man das Web neu erfunden. Das meiste davon finde ich recht öde, denn ich will MEHR als „eine Info“ oder irgend einen Link nach irgendwo.

Trotzdem hab‘ ich es auch mal probiert, hoffend, dass sich die Lust beim Tun einstellt. Aber das war ein Schlag ins Wasser, zumindest bei CYBERABAD, ein Gruppenblog ohne Thema, aus dem ich mich bald wieder abseilte. Irgendwas Gemeinsames muss schon sein, warum soll ich sonst da mitschreiben? Ich hab‘ es dann auch nicht vermisst!

Jetzt aber hat mich ein lieber alter Freund zu einem neuen Blog verführt: fuchsig – Blitzblog der Entrüstung. Jaaaa, darauf hab‘ ich Lust! Weil ich HIER nämlich immer so erbaulich bin: kein Artikel mit ausschließlich negativer Tendenz, niemals bloßes Geläster, keine Beschimpfungen und Beschwerden, nirgends Brandreden, Klagen, Anklagen, Wutanfälle – schließlich will ich die Welt und mich selbst verbessern und nicht stimmungsmäßig ‚runter ziehen!

Doch ab jetzt werd‘ ich auch mal fuchsig – aber immer nur GANZ KURZ!

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 17. Januar 2007 — 16 Kommentare

Leben in der Altenrepublik: 2030 kommt bestimmt!

Der Blick in die Zukunft des eigenen Alters ist ein Thema, das bei jedem Satz, der mir dazu in den Sinn kommt, gleich Dimensionen annimmt, die mich im Schreiben behindern. 1000 Aspekte fallen mir dazu ein und jede Aussage erscheint sofort problematisch. Eigentlich wollte ich ja titeln

„Überleben in der Altenrepublik“ –

konnte es dann aber doch nicht so hinschreiben. Denn: bloßes Überleben reicht doch nicht – ich wäre schön blöd, mich in der Vorausschau gleich so zu beschränken! Und dann gleich der nächste irritierende Gedanke: Man muss auch gehen können, wenn es an der Zeit ist. Uralt werden um jeden Preis kann doch nicht oberster Wert sein…

Tja – schwierig! Wo anfangen??? Ein möglicher und jedenfalls sehr zeitgemäßer Titel wäre auch

„Die Altenrepublik und ICH“

denn anders als bei anderen brisanten Polit-Themen (Klimakatastrophe, Globalisierung, Arbeitslosigkeit) stellt sich die Frage mit großer Sicherheit ganz persönlich. Nur ein früher Tod oder ein ausreichendes Vermögen könnte mich retten, doch das eine kann ich nicht wünschen, über das andere verfüge ich nicht.

Lange schon weiß ich, dass ich weit weniger als den Sozialhilfesatz an Rente bekommen werde, wenn alles so weiter geht wie derzeit. Ich werde also maximal „grundversorgt“ sein, was immer das 2030 bedeuten mag, das Jahr, in dem ich 76 werde. Weiter → (Leben in der Altenrepublik: 2030 kommt bestimmt!)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 10. Januar 2007 — 7 Kommentare

Arbeit als Sucht und Abenteuer: Was zu tun bleibt

Wenn ich in den stillen Tagen zwischen den Jahren darüber nach sinne, was ich im neuen Jahr gerne anders hätte als im letzten, fällt mir regelmäßig nicht viel ein. Von meinen im letzten Beitrag aufgelisteten Wünschen ist nur der erste ein Herzenswunsch, der Rest kommt aus dem Verstand, der natürlich immer etwas „Sinnvolles“ ergrübelt, sobald man auf den Knopf des Problemlöserbewusstseins drückt.

Es scheint, als wäre ich vollständig zufrieden mit den Dingen, wie sie sind, doch das ist ein Irrtum. Es ist eher eine Art geistige Trägheit: ich klebe an den Tagesaufgaben und schaue gerade mal ein paar Wochen voraus, die locker mit laufenden Aufträgen gefüllt sind. Ja, ich hänge sogar ein wenig nach, empfinde also den Druck, mehr, schneller und effektiver zu arbeiten – und weiter denke ich erst gar nicht. Erst mal das Wichtigste abwickeln… und dann?

Die Suche nach dem nächsten Kick

Es gibt kein „dann“, wenn ich es nicht organisiere. Mir dämmert, dass ich tatsächlich so was Verrücktes tun sollte wie „Freizeit planen“! Die Experimente mit einem besseren Selbstmanagement im letzten Jahr waren nur teilweise effektiv: der „Wochenplan“ hat mich zwar oberflächlich gesehen von der niemals endenden ToDo-Liste befreit, doch saß ich deshalb nicht etwa weniger Zeit vor dem Monitor. Es gibt ja Dinge, die nicht auf dem Plan stehen und die immer dann nach Befassung schreien, wenn ich offiziell „fertig“ bin. Um ihnen zu entgehen, schiebe ich dann oft die letzten Arbeiten am Tag- oder Wochenwerk vor mir her und trödle herum – das Unbewusste verschafft sich so „Freizeit“, denn mit dem Zustand des „fertig seins“ könnte ich ja gar nichts anfangen. Was für eine beschämende und einigermaßen verstörende Erkenntnis!! Weiter → (Arbeit als Sucht und Abenteuer: Was zu tun bleibt)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Neuere Einträge — Ältere Einträge