Claudia am 06. Februar 2023 —

Nachlese Corona: Was war richtig übel? Und was war gut?

CoronavirusDeutschlandfunk brachte heute in der Sendung „Kontrovers“ eine Rückschau auf die Corona-Maßnahmen – mit entsprechend kontroverser Publikumsbeteiligung. Aufhänger war der Spruch des damaligen Gesundheitsminister Spahn: „Wir werden uns viel zu verzeihen haben“.

Ich selbst habe Corona ohne Schäden überstanden: Kein Corona, dank Maske auch keine Erkältungen mehr. Meine Aufträge sind nicht weggebrochen und im Homebüro arbeite ich sowieso seit Jahren. Zudem waren die „Maßnahmen“ in Berlin nie so streng wie z.B. in Bayern, wo man während des Lockdowns wirklich nicht raus durfte, nicht mal zum Single-Spaziergang.

Grundsätzlich gehörte ich in den allgemeinen Debatten und Empörungswellen zum Team Vorsicht – was mir zugegeben leicht gefallen ist, denn für mich hat sich ja praktisch nichts geändert. Wäre ich zur Corona-Zeit jung gewesen, hätte das wohl anders ausgesehen und vermutlich wäre ich bei den „heimlichen Partys“ in den Berliner Parks dabei gewesen.

Ganz klar abgelehnt habe ich zu jeder Zeit „Corona-Leugner“ und war einigermaßen entsetzt darüber, wie viele sich auf irgendwelche Wald-und-Wiesen-„Experten“ beriefen, die das Blaue vom Himmel herunter logen, aber durchaus ihre Gefolgschaften fanden. Aber: Nicht alle Skeptiker/innen waren oder sind immer gleich „rechts“, „rechtsradikal“ oder „Nazi“. Die sogenannten „Debatten“ gerieten allzu oft zum absolut unterirdischen Schlagabtausch.

Mein Mitgefühl hatten alle, deren Leben sich durch die Maßnahmen auf den Kopf stellten: Vor allem Eltern und Kinder bei Schul- und Kita-Schließungen, Home-Büro in engen Wohnungen – da wurde viel zu wenig geholfen!

Was extrem schlimm war

Ganz menschenunwürdig und absolut unverhältnismäßig fand und finde ich die Maßnahmen in Heimen und Krankenhäusern, die unter dem Motto „Vulnerable schützen“ ergriffen wurden! Besuchsverbote, Isolierung / Einsperrung in die Zimmer – und extra schrecklich: das einsame Sterben in den Krankenhäusern, weil Verwandte und Freunde nicht mehr kommen durften. Was für ein Wahnsinn! Das hätte man – zumindest ab dem Zeitpunkt, als zugegeben wurde, dass Masken schützen – anders organisieren müssen. Und vor allem die Selbstbestimmung der Betroffenen achten: Wenn mir meine sozialen Kontakte wichtiger sind als das Ansteckungsrisiko und diese das genauso sehen, dann ist das unter allen Umständen zu akzeptieren! Was hilft mir als Heimbewohnerin in der letzten Lebensphase oder gar als Sterbende im Krankenhaus denn der Schutz vor Corona? Da will ich selbst entscheiden, ob es mir darauf noch ankommt!

Was gut war

Sehr toll fand ich die verschiedenen Formen der Solidarität, die anfänglich das Verhalten vieler bestimmten. Für Ältere Einkäufe erledigen, Balkonkonzerte, Auftritte vor Pflegeheimen – sogar ich (noch durchaus fit) wurde von Nachbarinnen gefragt, ob ich Hilfe benötige. Auch die musikalische Aufarbeitung des Geschehens durch viele Kreative hat mir sehr gefallen, ich setzte einiges ins Diary und versammelte noch viel mehr in einer Corona-Song-Playlist.

Und heute?

Seit 2.Februar ist die Maskenpflicht bundesweit entfallen. Im ÖPNV Berlins wurde das sowieso fast garnicht kontrolliert, weshalb es zu jeder Zeit einen mal mehr mal weniger hohen Anteil Mitfahrender ohne Maske gab. Heute sieht man nurmehr wenige mit Maske, ich bin dabei, denn wo viele Menschen sind, will ich mich auch weiterhin nicht anstecken. So ein Leben OHNE zwei Erkältungen pro Jahr ist einfach zu angenehm, um es aufzugeben. Aber ob Maske oder ohne: Beide Verhaltensweisen verstehe ich, nicht aber, dass es noch immer „Maske unterm Kinn“ gibt – gestern in der U-Bahn gesehen!

Diskussion

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6 Kommentare zu „Nachlese Corona: Was war richtig übel? Und was war gut?“.

  1. Immerhin, Angela Merkel hatte die Corona-Krise ja als die größte Herausforderung seit dem 2. Weltkrieg bezeichnet. Das ist ja schon eine Hausnummer. Ebenfalls wie du, hat es mich praktisch in meinem Rentnerlebensrhythmus kaum beeinträchtigt. Mental hat es mich allerdings stark mitgenommen und die Wunden sind noch offen.

    Das waren hier schon ganz, ganz schwere und schlimme Zeiten für Millionen Menschen, deren Belastungsgrenzen oft überschritten wurde, von den vielen Toten, Schwer- und Schwerstkranken mal ganz abgesehen. Die Gräben dabei und der Umgang miteinander, die sich dabei in der Gesellschaft aufgetan haben, haben mich erschüttert und gezeigt, wie fragil der Zusammenhalt einer Gesellschaft ist, wenn die Realität nackt vor einem steht und die Angst Seelen frisst.

    Einerseits habe ich in dieser Zeit viel verstanden, vieles aber verstehe ich bis heute nicht, was wahrscheinlich an meinem fehlendem Einfühlvermögen liegt. Ich denke aber, das geht nicht nur mir alleine so.

  2. @Menachem: in der Rückschau sieht auch vieles seltsam aus, jedenfalls anders als mitten drin im Erleben. Was mich im Nachhinein wundert, ist die Diskrepanz zwischen der anfänglichen Solidarität (bei sehr großer Zustimmung zu allen Maßnahmen, da war die Politik der öffentlichen Meinung ja zeitweise weit hinterher) und den folgenden Zerwürfnissen. Zu wenig Hilfe für in ihrem Berufsleben heftig Betroffene ist sicher eine der Wurzeln, aber bei weitem nicht alles.

    Mir kommt es auch so vor (subjektive Meinung aufgrund Social Media-Konsum), dass es erst seit diesen Zerwürfnissen so viele gibt, die sich nicht scheuen, krass egoistische Meinungen öffentlich zum Besten zu geben: Ich und meine „Freiheit“ zuerst, Gemeinwohl ist mir egal.

    Was mich auch wundert: Dass sich die „Normalität“ so schnell wieder herstellt (z.B. Kölner Karneval letztes Jahr). Ich werde nie wieder völlig unbesorgt in einer Menschenmenge stehen – sondern Maske tragen, wenns sich nicht vermeiden lässt, vor allem aber solche Situationen vermeiden. Aber das ist sicher auch eine Frage des Alters und der Risikobereitschaft mit Blick auf die eigene Gesundheit.

  3. Die Leute sind m.E. sehr unterschiedlich mit Corona umgegangen.
    Einige haben sich kaum darum geschert, andere erst nach längerer Zeit (klammheimlich) Abschied von Vorsichtsmaßnahmen genommen und andere waren vorsichtig bis zuletzt.
    Ich selbst bekam bisher noch nicht Corona, weil ich zu den Vorsichtigen zählte.
    Meine Kontakte sind sehr geschrumpft, sie erholen sich aber gerade. Da merke ich, daß mir Kontakte doch sehr gefehlt hatten, weil sie mich auf eine bestimmte Weise lebendig machten.
    Zwar habe ich durch meine Hobbys (Bloggen/Keramik/Insektenfotografie ect) viel Ausgleich für diesen Verlust gehabt, sodaß ich ihn eigentlich nicht spürte, aber jetzt spüre ich ihn.
    So viel mehr liese sich sagen, aber damit erstmal Schluß.

  4. Dass Engelbert trotz booster am 20.12 noch an Covid 19 erkrankte, war das Schlimmste. Festgestellt wurde die Infektion erst am 27.12. im Urban, in dem er wegen Vorhofflimmern am 26. gelandet war. Ich bin davongekommen und habe mich auch bei ihm nicht angesteckt. Mich hat Covid eine seit 1970 bestehende Freundschaft gekostet. Ihre Töchter hatten an der ersten Anti-Corona-Demo teilgenommen. Ich hatte nur gesagt, dass ich mich eines Kommentars enthalte. Die ganze Pandemie hat mich seelisch ziemlich belastet, obwohl uns Münchener Verhältnisse erspart blieben. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine kommen die Erinnerungen an die Zeit von 39 bis 45 wieder hoch. Eine Schulkameradin – einen Häuserblock weiter – starb im Luftschutzkeller. Und heute ist der 13.2. 1945 standen wir auf einer Brücke über der Hörsel und sahen den feuerroten Nachthimmel, als Dresden brannte.
    Nila

  5. @Nila: danke für deinen berührenden Kommentar! Engelbert ist mittlerweile hoffentlich wieder gesund? Was für ein Glück, dass du dich nicht angesteckt hast! Das mit der Freundin ist auch ätzend, schlimm, wenn solche Menschen abdriften. Deine Erinnerungen – grade hab ich die ungemein eindrucksvolle Doku „Berlin 1945 – Tagebuch einer Großstadt“ gesehen, bestend aus Zeugnissen von Menschen, die dabei waren, nicht im nachhinein, sondern von damals, während dieses Jahrs des Kriegsendes. Geht mir immer noch nach, obwohl ich schon viele „normale“ Dokus über das „1000-jährige Reich“ und sein Ende gesehen habe.

  6. @ Claudia
    Danke für deine Nachricht zum Valentinstag. Den haben wir mittags im Bett gefeiert mit selbst nachgezogener Orchidee am Fenster. Ohne Rosen mit Pestiziden. Engelberts Gedächtnis ist wieder besser – außer in Routinedingen. Er hat sogar gestern bei der fast aussichtslosen Parkplatzsuche am Urban gegen einen dicken Mercedes gewonnen. Er bekommt Tabletten und hat erst im Mai wieder einen Termin. Der Schatten über unserer Partnerschaft ist also fast verschwunden. Derzeit droht keine Demenz.