Claudia am 20. Dezember 2022 —

Höchst persönlich: Datenhaltung und Sicherheitsbedürnis auf dem Smartphone (und Ihr?)

Der letzte Diary-Eintrag „Was mach‘ ich mit dem Smartphone? [Und Ihr?]“ hat etliche Mitlesende dazu inspiriert, detailliert Auskunft über ihre jeweilige Smartphone- bzw. Handy-Nutzung zu geben. Herzlichen Dank dafür! Die Antworten finde ich sehr interessant! Ein Vergleich der Funktions- und App-Nutzungen zeigt recht unterschiedliche Verhaltensweisen, die man grob (!) in drei Kategorien fassen könnte:

  • Verweigerung: Gar kein Handy, nur ein „klassisches“ Handy ohne Smart-Funktionen, sowie sehr eingeschränkte Nutzungen bei Ablehnung bestimmter Anbieter (z.B. Google) – wer sich so verhält, verweigert alle bzw. die allermeisten Möglichkeiten, die ein aktuelles Smartphone bietet.
  • Moderate Nutzung:  Hier stehen funktionale Smartphone-Nutzungen im Vordergrund, alles, was aus persönlicher Sicht zu „sensible“ Daten speichern und/oder übertragen könnte (z.B. Banking, Shopping, Passwort-Manager etc.), bleibt außen vor. Damit ergibt sich ein relativ breites Spektrum unterschiedlicher Nutzungen!
  • Heavy Use:  Alles, was als praktisch, sinnvoll, interessant und unterhaltend erscheint, wird auch genutzt. Keine Vorbehalte, auch nicht gegenüber Shopping und Banking-Apps plus Passwortmanager auf demselben Gerät.

Diese drei Kategorien dienen vor allem der Kommunikation, die Realität ist oft nicht so trennscharf. Wohl aber entsprechen sie vermutlich den Selbsteinschätzungen, die die jeweils Befragten bei einer Multiple-Choice-Umfrage angeben würden. Ich selbst würde mich zu den „Moderaten“ zählen, obwohl es eine Banking-App gibt und ich mich von Google tracken lasse. Denn immerhin nutze ich keinen Passwort-Manager auf dem Smartphone und die „Banking App“ ist lediglich eine Best-Sign-App, keine „richtige“ Banking-App, mit der man alles machen kann.

Welche Hintergründe gibt es für das unterschiedliche Nutzungsverhalten?

Die jeweiligen Motive hinter den unterschiedlichen Nutzungen sind vermutlich „gemischt“ und zudem über die Zeit veränderlich. Von mir selbst ausgehend, sehe ich folgende Gründe fürs eigene Verhalten bezüglich der Daten auf dem Smartphone:

  • Sicherheitsinteressen:  Die Vorstellung, dass jemand wichtige Daten über das Gerät abgreifen und damit Schindluder treiben könnte, ist mir ein Graus. Dabei fürchte ich lediglich echte finanzielle oder materielle Schäden. Dass diverse Algorithmen Daten sammeln und mir womöglich passende Werbung zeigen, fällt NICHT darunter. Das ist mir egal. Durch ausuferndes „Ins Netz schreiben“ kann man sowieso immer schon viel über mich wissen – Fakt ist, dass das kaum jemanden interessiert. Zu meiner gefühlten Sicherheit trägt bei, dass ich mich tracken lasse und die Datenspur mit dem Liebsten teile. (Witzigerweise ist diese oft recht „unscharf“).
  • Bequemlichkeit: Anfänglich glaubte ich, das Mailen per Smartphone aus Sicherheitsinteressen zu meiden. Mittlerweile sind meine Mails so langweilig, dass sie alle Welt lesen dürfte. Aktiv mailen (und bloggen) läuft bei mir dennoch nur am PC, weil mir der Screen des Phones einfach zu winzig ist, aber Twittern geht manchmal. Mit Daten für kostenlose Dienste zu zahlen, erscheint mir ganz allgemein als sinnvoller Tausch, denn ich möchte weder auf viele nützlichen Dienste (insbesondere die vielen Google-Apps, Map/Route, Translate) verzichten, noch könnte/wollte ich mit Geld bezahlen. Die Fotos vom Smartphone gleich drahtlos hoch zu Google-Fotos – für mich kein Problem, die sind dort weit besser anzusehen und zu verwalten als mit den Foto-Datenbankprogrammen, die ich früher auf dem PC hatte. Immerhin lade ich die „Originale“ noch auf den PC, weil sie die originale Auflösung haben.
  • Politische Gründe:  Ja, die Gorilla-App hab‘ ich gelöscht, als die Fahrrad-Kurriere um bessere Arbeitsbedingungen kämpften – ABER Flink und Getir,  sind drauf geblieben (bekommen seitdem aber immer 2 Euro Trinkgeld). Facebook war mir nie sympathisch genug, um seine alles-gern-übergreifende App zu laden, zudem hat sich FB mir gegenüber ausgesprochen ätzend verhalten. Und Whatsapp kam runter, als Zuckerberg es kaufte – ist mir aber mangels erheblicher Nutzung auch leicht gefallen!
  • Technisches Verständnis: Ganz wesentlich für die persönliche Einschätzung, wie sicher oder unsicher Daten auf dem Smartphone sind bzw. sein können ist das technische Verständnis. Vom PC weiß ich sehr viel, habe eine Vorstellung von seinen Komponenten und deren Zusammenwirken, weiß um die vielen Möglichkeiten, wie man hier zum Opfer werden kann und wie man das (weitgehend) vermeidet. Nicht ansatzweise so viel Verständnis hab‘ ich vom Smartphone, weiß immer noch nicht, wann eine App wirklich „ausgeschaltet / beendet“ ist und unterlasse lieber Versuche, Textteile oder URLs von einer App in die andere kopieren zu wollen. Dem entsprechend weiß ich auch nicht, wie genau man mich auf dem Smartphone betrügen und abzocken könnte und bin extrem misstrauisch, weil ich nicht immer sehe, woher (von welcher App, auf welchem Weg) eine Nachricht genau kommt. Lieber nichts machen als irgend etwas, wozu mich irgendwer auffordert…

So, das war Teil 2 der öffentlichen Selbstbeobachtung in Sachen Smartphone. Wer mag, ist herzlich eingeladen, auch etwas dazu zu schreiben! Was sind Eure Beweggründe, es genau so und nicht anders zu machen? Und: Hat sich das seit dem ersten Handy/Smartphone geändert?

Diskussion

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2 Kommentare zu „Höchst persönlich: Datenhaltung und Sicherheitsbedürnis auf dem Smartphone (und Ihr?)“.

  1. Auch am Pc, hat man verschiedene Accounts und auch da werden Daten gesammelt.
    Wenn ich das alles nicht will, sollte ich auch keinen PC nutzen.

  2. @Biene: naja, man kann sich aber durchaus schützen, z.B. sich über Gefahren informieren und umsichtig verhalten!