Claudia am 19. Oktober 2022 — 8 Kommentare

Blödsinnige Über-Interpretationen zum Scholz-Entscheid

Was da alles aufgefahren wird zwecks Deutung des „Machtworts“ von Scholz: Ampel am Ende, Klatsche für die Grünen, vorletztes Mittel, dann Vertrauensfrage, Merkel hat das nie gemacht, bla bla blubb!

Dabei war doch wirklich sonnenklar: Habeck und Lindner KÖNNEN sich nicht einigen in der Frage der AKW-Restlaufzeiten. Nicht nach diesem grünen Parteitag, nicht nach den letzten Wahlniederlagen der FDP. Aus grüner Sicht war Habecks Vorschlag bereits ein Entgegenkommen, den er keinesfalls eigendynamisch hätte verwässern dürfen. Und Lindner spürte den ebenso heftigen Zwang, nun „mehr FDP“ in der Ampel sichtbar werden zu lassen: unmöglich, den grünen Plan mitzutragen.

Zum Glück zu dritt!

Beide Minister waren – eigentlich überdeutlich für alle Mitdenkenden! – unrettbar und nachvollziehbar nicht einigungsfähig. Was musste also geschehen? Na klar, Scholz musste entscheiden. Hat er dann auch gemacht, nachdem er in einem 3er-Treffen die Lage ausgelotet hatte. Es folgte der Scholz-Entscheid mit Richtlinienkompetenz. Ja was denn sonst?

Ich kann mir gut vorstellen, wie erleichtert die beiden Fachminister waren! Vielleicht haben sie das auch an Tag 1 ganz nett miteinander abgesprochen. Wenn zwei sich streiten, kann man doch froh sein, einen Dritten in der Regierung zu haben – it’s not a Bug, it’s a Feature!

Diskussion

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8 Kommentare zu „Blödsinnige Über-Interpretationen zum Scholz-Entscheid“.

  1. Der eigentliche Gag an der Sache ist das Sinnlose dieses verlängerten Betriebs. Die theoretisch noch möglichen Strommengen sind reine Augenwischerei und helfen bei einem Stromausfall oder für das Abfangen von Lastspitzen so oder so nicht, weil diese höchsten noch ein paar Tagesstrommengen der Erneuerbaren entsprechen. Dieser „Kompromiß“ ist ein reines Politikum und ich halte es wieder einmal nicht für nur Zufall, dass die Themen Blackout und Bevorraten gerade jetzt so präsent waren in den Medien. Angst macht dumm.

    Eine zugegeben etwas holprige Aussage des des BUND Freiburg dazu – etwa ab Minute 5 der Sendung und noch ein Kommentar in der Berliner Morgenpost.

    Reststrommengen im Juli 2022

    Die gesamte Seite zum Thema beim zuständigen Bundesamt.

    Man könnte es auch als reine Verarsche bezeichnen, Machtwort eines Scholz hin oder her. Aber lieber schwadroniert man über die vermeintliche kriselnde Koalition statt über den Sinn dieser Luftnummer.

  2. Ich bin voll deiner Meinung, Claudia. Aber die Pressefritzen hätten und diese seltsame „Opposition“ glaubt ja, sie hätte die unbedingte und vorrangige Aufgabe, diese Regierung abzuräumen, statt in dieser schwersten Krise unseres Landes nach WK 2 mitzutun und dabei zu helfen, die Dinge halbwegs gut fürs Land zu regeln. Von der AfD erwartet man nichts anderes als blinde Opposition, von der Linken und der CDU hatte ich mehr erwartet. Wie naiv ich immer noch bin.

    Zum Einsatz der drei Kernkraftwerke liest man Aussagen, die sich so krass voneinander unterscheiden, dass es auf der Hand liegt, dass die Diskussionen nie aufhören. Ich mute mir kein Urteil zu. Aber überzeugt bin ich weder von der einen, noch von der anderen Meinung. Es ist einfach zu kompliziert für Menschen, die diese technischen Zusammenhänge nicht übersehen. Wenn das andere auch mal einsehen würden.

    Ich habe mir gestern diese Veranstaltung von Tichy (YouTube) angesehen. Wer damit fertig ist, hat Fragen. Natürlich Fragen, die mir keiner wirklich schlüssig beantworten kann. Vielleicht eine Frage des politischen Glaubens und weniger des faktenbasierten Wissens? Auf letztes beharren die Grünen ja ständig. Dabei liefern sie auch nicht nur Überzeugendes. Im Gegenteil. Nie war die Unsicherheit größer, ob uns (unserer Volkswirtschaft) die Energiewende nicht ein nachhaltiges Ende bereitet. Fast könnte man denken, dies wäre das Ziel von FFF und SFF und den Grünen natürlich. Bei der Tichy Veranstaltung fiel mir übrigens ganz besonders auf, dass dort nur ältere Leute anwesend waren (nicht nur auf dem Podium). Einige der Anwesenden sprechen den Jungen übrigens Kompetenz und Kompromissbereitschaft ab. Da werden Quaschning und Kempfert als grüne Agitateure hingestellt und manchmal frage ich mich, ob deren Kritiker nicht recht haben könnten. Kempfert schafft es jedenfalls, in dem auch nur sekundenlangen Statement ihre Forderung nach einem schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien unterzubringen. Und Quaschning? Nun, sein Podcast, den er gemeinsam mit seiner Frau macht, überzeugt mich bisher nicht.

    Wenn vom grünen Wasserstoff fabuliert wird und gleichzeitig Wissenschaftler (von der anderen Seite?) die im Vergleich zu den Erwartungen niedrige Ausbeute (Heise z.B.) bis 2038 (sic?) beschreiben, so fragen sich doch viele Leute, welche Luftnummern dazu benutzt werden, uns hinter die Fichte zu führen. Woher kommt wohl die Motivation für so viel Agitation?

    Wir schaffen die Energiewende nicht, weil der wirtschaftliche Niedergang unser Land in eine unvergleichlich schwere Krise stürzen wird. Dass die Energiewende in erheblichem Maße hierzu beiträgt, wird den Grünen nie verziehen werden. Die Ziele von FFF und anderen wären damit obsolet. Die Menschen haben sich diese Erde nicht Untertan gemacht, sie haben sie zerstört.

  3. @Thomas: volle Zustimmung! Danke für die Links – ich hab das alles auch schon recht detailliert mitbekommen. Der ganze Streit war sowas von überflüssig… (selbst hätte ich schon gleich recht gelassen den Streckbetrieb für alle 3 durchgewunken, darauf kommts nun auch nicht mehr an!).

    @Horst: Wie bitte?

    „Wir schaffen die Energiewende nicht, weil der wirtschaftliche Niedergang unser Land in eine unvergleichlich schwere Krise stürzen wird. Dass die Energiewende in erheblichem Maße hierzu beiträgt, wird den Grünen nie verziehen werden.“

    Das ist doch eine völlig verquere Logik, lies es doch nochmal! Du guckst zuviel Tichy, hab ich das Gefühl! ;-) Als wäre es die seit Jahrzehnten eher ausgebremste Energiewende, die an unseren jetzigen Energieproblemen schuld ist – und NICHT das Sich-Verlassen auf russisches Gas mit dem nun eingetretenen Risiko, dass das einfach nicht mehr kommt!

    Quaschning und Kempfert kenne ich nicht, merke mir Namen nur schlecht, aber was um Himmels Willen ist denn gegen den beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren einzuwenden? Es ist doch gerade unser Pech, dass das nicht schon lange lange geschehen ist. Ärgerlich ist, dass selbst jetzt, mit einer Regierung, die das will, die elend langen Verwaltungsprozesse noch nicht wesentlich verändert sind (Habeck hat da ja ein Gesetz zur Beschleunigung gemacht, aber wer weiß, wann das wirkt!). Im übrigen wird ja überall Gas zusammen gekauft, Kohle wieder ans Netz genommen, Sparkampagnen gefahren, Netze optimiert u.v.m.

    Die ganze Hetze gegen die Grünen und alle, die ihnen zugerechnet werden, ist aus meiner Sicht die höchst alarmierte und verärgerte Reaktion der CDU und ihrer Klientel (heftig unterstützt von Springer…), die nun mal Macht verloren haben – und die sich berechtigte Sorgen machen, dass ihr Versagen so offenkundig ist, dass ihnen niemand mehr glaubt. (Hinzu kommen die Rechtspopulisten und Rechtsradikalen, die auf Unmut und Angst ihr Süppchen kochen).

    Keine Sache des Glaubens ist nämlich, was ich eingangs sagte: Ausgebremste Erneuerbare, Abhängigmachen von Russland – in den Punkten haben Grüne einfach recht gehabt, lange schon. Und die anderen haben den Kopf in den Sand gesteckt (wir beide übrigens auch, näml. bzgl. NS2, du erinnerst dich?)

    Zum Glück verstärkt die Krise / der drohende Mangel nun auch alle Aktivitäten, um die Dinge zu wenden. Z.B. war DEZENTRALISIERUNG der Energiegewinnung bisher ein unerwünschtes Konzept (zum Nutzen der Großen), aber jetzt tut sich eine Menge und Hürden werden abgebaut! Viele Hauseigentümer schaffen Solaranlagen und Wärmepumpen an, kleine Unternehmen machen sich Gedanken, wie sie alternativ Energie gewinnen können, die Solaranlagenbauer sind zugeschüttet mit Aufträgen – und ja, diese Energie vom Dach kann man auch speichern. Biogasanlagen aus Abfällen bei Biobauern hab ich auch schon gesehen – und natürlich jede Menge Sparmaßnahmen, die den Energieverbrauch senken.

    Ohne Energiewende würden wir im Übrigen die allernötigste Anpassungsleistung an die laufende Klimakatastrophe verweigern – ist das etwa wünschenswert? Dass deren Beschleunigung uns durch Putins Krieg praktisch aufgezwungen wird, ist nicht Schuld der Grünen, die das Ganze seit über 30 Jahren gerne gemächlicher, aber stetig und effektiv hätten haben wollen. Wäre das so gelaufen, stünden wir heute anders da.

  4. Wenn sonst nix is :-)

  5. Meines Erachtens konnte das endgültige Abschalten der AKW ohne „Schaden“ für die Wirtschaft längst erledigt sein. Damit wäre auch die unsinnige Diskussion darüber beendet.

    Bei diesen ganzen Rechnungen wird stets ausgeblendet, dass der Abbau der AKW und das Lagern des atomaren Mülls weitere Unsummen verschlingt und diese nicht zwingend von den Betreibern getragen werden. Weiter wird ausgeblendet, was gesellschaftlich auf uns zu kommt, wenn eine dieser Kraftwerksruinen tatsächlich in den letzten Tagen ihres Betriebs einen Störfall bis hin zum GAU verursacht. Da ist jeder Atommeiler einer zuviel. Und wer derzeit energiewirtschaftlich in der EU die größten Probleme hat, ist ausgerechnet das Atomstromland Nr.1 Frankreich.

    Aus meiner Sicht dient dieses Verlängern der Laufzeit nur dazu, einen weiteren Fuß in der Tür des tatsächlichen, dauerhaften Weiterbetriebs zu lassen und genau diese gepuschten Diskussionen darüber erwarte ich so ab etwa Februar.

    Frau Kemfert halte ich für eine der klugen Frauen unserer Zeit überhaupt und in ihrem Ressort für absolut beschlagen. Die quatscht jedenfalls im Gegensatz zur Atomlobby kein Blech.

    Im Gegensatz dazu ist ebenfalls aus meiner bescheidenen Sicht eine zwar ebenfalls fachlich beschlagene Veronika Wendland beim Thema AKW auf dem Holzweg, weil sie eben die oben genannten Probleme ausblendet und Atomstrom noch zu einer „grünen Energie“ verhebt. Das die Dinger neben den rein technischen Risiken des Betriebs Flüsse aufheizen mit allen schädlichen Folgen für die Natur und mit ihren Hinterlassenschaften die Umwelt versauen, ist eben nicht „grün“. Da ist sie trotz angeblich fehlender Verbindungenen zur Atomlobby voll auf deren Linie.

    Einen Tichy habe ich mir nicht gegeben. Das ist wie „mit Rechten reden“ und fällt aus. Der ist so, wie er ist, und hat für mich keine Wirtschaftskompetenz, sondern nur eine darunter gelegte Agenda. Genau wie die Anti-Euro-AfD der Anfangszeit befeuert er die Themen „Deutschland über alles“, Goldanlagen und was weiß ich, Hauptsache es ist nicht linksgrün-versiffter Mainstream. National eloquiertes Gefasel ist das halt unter Verkennen der Tatsache, das in einer globalen Welt so etwas nicht mehr funktioniert.

  6. @Gerhard: mich nervt diese Heuchelei, dieses ständige Genöhle über alles, was die Regierung macht – unter völliger Ignoranz gegenüber den Tatsachen, die man in 16 Jahren geschaffen hat!

    @Thomas: danke, bin damit rundum einverstanden – und auch danke für die vertiefenden Links!

  7. Es ist nicht schwer, die Zukunft unseres Landes schwarzzumalen. Zu viele Schwarzseher (typisch deutsch) haben sich am Lagerfeuer versammelt. Wie viel Anteil „die vierte Gewalt“ an der Sicht hat, die sich im Lande breitmacht, wird sich kaum herausfinden lassen. Aber nach Ansicht der allwissenden links-grünen Twitterblase spielt das ja auch keine Rolle. Interessant übrigens, dass Prechts und Welzers Buch in der Bestsellerliste ganz vorn dabei ist.

    Die von dir, Claudia, zitierte Textstelle bzw. Aussage ist meine politische Prognose. Sie entspricht nicht meinen Überzeugungen. Eigenartig, dass ich das erklären muss! Du kannst spaßeshalber einmal zählen, wie viele negative Beiträge ich über Tichys Ansichten bzw. seinen Blog geschrieben habe. Dabei ist es so, dass nicht einmal mehr alle überhaupt vorhanden sind. Sie sind meinen diversen Löschaktionen zum Opfer gefallen. Zudem halte ich es schon seit Längerem für falsch, dass “wir” uns gegenseitig nicht mehr zuhören wollen. In immer mehr Debatten wird im Gegenteil dafür plädiert, bestimmte Menschen wegen ihrer Ansichten nicht mehr im ÖRR zu dulden. Ich bin dabei, wenn es darum geht, Meinungen zu attackieren, wenn man sie für falsch hält. Das muss “man” aushalten – ich übrigens auch. Davon bin ich überzeugt, obwohl ich mich manchmal nicht ganz im Griff habe. Menschen, die schnell beleidigt sind, sind dafür Gott sei Dank oft nicht nachtragend.

    Abweichende (auch extreme) Meinungen und ihre Protagonisten zur Gänze aus dem Diskurs zu verbannen, ist undemokratisch und falsch. Wenn unsere Demokratie das nicht mehr aushält, ist sie keine mehr. So sehe ich das.

    Meine Meinung dazu habe ich auch deshalb geändert, weil ich zur Einsicht gelangt bin, dass 2015 ff das öffentliche Klima für wichtige Diskussionsfelder vergiftet hat. Ich fühle mich als Gutmensch dafür mitverantwortlich. Die Dinge gären schon wieder und die Politik (Linke und Grüne) tun so, als ob man das Thema wieder aussitzen oder darum herumreden könnte. Wir spielen den Menschenfeinden, wie ich die Idioten von der AfD und ihre Anhänger trotz allem immer noch nenne, in die Hände. Aus Feigheit und mangelnder Konfliktbereitschaft.

    Wenn es zum Äußersten kommen sollte und die Wirtschaft in eine bisher nicht gekannte Rezession rutscht, mit den damit zu erwartenden Auswirkungen, wird in der Öffentlichkeit selbstredend die Schuldfrage gestellt werden. Die Finger werden vor allem auf die Grünen zeigen. Meine Einschätzung ist, dass das schon im Gange ist. Und zwar nicht nur seitens der AfD oder der unfähigen größeren Oppositionspartei. Zurück zur Sache.

    Ob die Diskussion über den zeitlich befristeten Weiterbetrieb der AKWs politisch klug und vertretbar war – aus Sicht der Grünen? Nein, war sie aus meiner Sicht zu keiner Zeit! Habeck hätte den Weiterbetrieb in seiner Partei vertreten können und nicht all denen Vorschub leisten müssen, die die Grünen für unverantwortliche Ideologen halten. Er ist den anderen Weg gegangen und gab damit allen Gegnern Wasser auf ihre Mühlen. Das Thema hätte längst und ohne viel Tamtam abgeräumt werden können. Eine politische Dummheit sondergleichen, die den Gegnern (Politik, Wirtschaft und Gesellschaft) in die Hände spielte.

    Wenn ich es richtig sehe, ist der Ausbau der erneuerbaren schlecht vorangekommen im ersten Jahr der Ampel. Und das vor einem Hintergrund, der anderes hätte erwarten lassen. Es ist nicht ausreichend, immer wieder die sechzehn Merkel-Jahre ins Feld zu führen, um die Verzögerungen zu erklären.

    Schließlich weiß doch jeder, welche Widerstände es in der Bevölkerung gab und weiterhin gibt, wenn es insbesondere um den Ausbau der Windkraft geht. Die Zahl der Klagen liefert ein beredetes Zeugnis. Wie glaubwürdig sind Aussagen von Bundesregierung und Greenpeace, dass diese Klagen zum Teil weit entfernter Verbände aus dem Lager der Gegner der Energiewende kommen? 23 % aller Klagen kommen laut TAZ von Verbänden. NABU hatte bis Sommer 2019 45 Klagen gegen Windkraftanlagen eingereicht. Woher kommen die ganzen anderen Klagen, die immer noch in großer Anzahl eingereicht werden? Mir ist die Gemengelage zu undurchsichtig, um ein klares Bild zu zeichnen.

    Umweltverbände wie der Nabu sind beileibe nicht die einzigen, die wegen des Artenschutzes gegen Windkraft klagen. Der Grund spielt bei mehr als 230 Klagen eine Rolle, ergab die Umfrage. Vor Gericht ziehen auch Einzelpersonen (36 Prozent der Klagen) sowie Bürgerinitiativen (14 Prozent) und betroffene Gemeinden (zwölf Prozent). Link folgen – von 2019
    Windkraft sieht sich rechtlich blockiert – klimareporter°

    Das Klagerecht soll eingeschränkt werden. Wie weit die Regierung damit gekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. In diesem Jahr haben die Maßnahmen wohl kaum etwas bewirkt, glaubt man den Medien, die über die geringen Fortschritte berichten.

    Wenn “nur” 23 % aller Klagen gegen Windkraftanlagen von Verbänden, 36 % von Einzelpersonen, 14 % von Einzelpersonen und 12 % von Gemeinden kommen, ist die Differenz zum Gesamtaufkommen von Klagen nicht unerheblich. Wichtiger noch ist vermutlich die Gesamtanzahl der Klagen und ob die Maßnahmen der Regierung gegen diesen Wahnsinn auch wirken. Sind die Verschwörungstheorien, die man im Kontext der Klagen gegen Windkraft zu hören bekommt, nicht ein wenig dünn?

    Wie auch immer. Windkraft macht nach Recherchen von Ulrike Herrmann (taz) gerade einmal 4,x % vom Gesamtenergiebedarf Deutschlands aus. Solar macht noch einmal was von 2,0 % aus. Wer kann sich unter diesen Voraussetzungen eigentlich vorstellen, dass Kempfert und Quaschning recht hätten bzw. wie sähe unser Land aus, wenn dereinst der nötige Stand von erneuerbaren Energien erreicht wäre und wann kann das tatsächlich der Fall sein? Dazu kommt, dass die glorreiche Zukunft von grünem Wasserstoff wohl etwas hakt. 2030 könnte, so Heise, 1 % des weltweiten Energiebedarfs mit grünem Wasserstoff gedeckt werden.

    Es steckt (mir) zu viel Ungewissheit in den Gewissheiten, die uns von Grünen und ihren Zuarbeitern wie Kempert, Quaschning und den zahlreichen SFF – Aktivisten offeriert werden. Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass die Transformation funktioniert. Das liegt am wachsenden Widerstand gegen die Veränderungen, mit denen die (in Deutschland) dominierende ältere Bürgerschaft unseres Landes naturgemäß am wenigsten klarkommt. Die “Ansprache” der Jungen ist da wohl eher nicht hilfreich.

    Schon gar nicht funktioniert diese, wenn wir tatsächlich massive Wohlstandsverluste hinnehmen müssen. Wer bewahrt uns davor, den immer militanteren Forderungen von FFF und nahestehenden Organisationen ausgesetzt zu sein? Druck erzeugt Gegendruck. Das ist ein alter Hut, der aber leider immer noch passt. Die Bevölkerungsstruktur (demografische Entwicklung) lässt wenig Spielraum, an den Erfolg der nötigen Transformationsprozesse zu glauben.

    Es ist schwierig, die komplexen Zusammenhänge halbwegs zu verarbeiten und eine eigene Interpretation bzw. eigene Gedanken hierzu zu formulieren.

    Es mag sein, dass mich die Beschäftigung mit den Argumenten der „anderen Seite“ verändert hat. Ich sehe nicht, dass die Vorschläge (von links und rechts) mehr sind, als ideologisch geprägte Besserwisserei, die obendrein von mächtigen Lobbygruppen bestimmt sind. Dabei sollte es um den richtigen Weg aus der schwersten Krise gehen, die ich während meines Lebens bewusst erlebt habe. Und dabei stehen wir erst am Beginn ihrer Auswirkungen.

    Es tut mir leid, wenn ich wieder viel zu lang und verschwurbelt geworden bin.

  8. Danke Horst! Freue mich über die Klarstellungen – und „verschwurbelt“ schreibst du nicht, nur ausufernd! :-) Ich picke mal Stickworte raus und sag was dazu:

    Tichy: den hab ich innerlich „ausgeschieden“ aus der Debatte, seit ich einst dort mehrfach (widersprechend) kommentiert habe und diese Kommentare NIE erschienen sind! Ich halte Tichy, Reitschuster und manche andere im übrigen für Leute, die ihr persönliches Erfolgssüppchen zu Lasten der Findung konstruktiver Lösungen auf demokratischen Wegen kochen – Brandstrifter, Spalter, Hetzer, Schreibtischtäter…

    3 AKWs: Wegen mir hätte man die sofort in den „Streckbetrieb“ bis Frühjahr 2023 durchwinken können – das sag ich als grüne Sympi, die immer schon fürs Abschalten war! Das AKW-Desaster in Frankreich (Risse, zu wenig Kühlwasser etc.) sollte eigentlich allen zeigen, dass hier nicht die energetische Zukunft liegt!

    Windkraftanlagen: Ich stecke da nicht so drin im Thema, dass ich aktuell sagen könnte, warum es noch immer nicht zügiger voran geht. Im 1.Jahr der Ampel hier schon viel zu erwarten, erscheint mir angesichts des üblichen Schneckentempos auch etwas überzogen. Gesetzestechnisch wurden ja Dinge auf den Weg geschickt – aber bis die wirken, das dauert wohl! Ein schönes, zugegeben „Totschlagsargument“ gegen die vielen aus Naturschutzgründen Widerständigen: Wesentlich mehr Tiere / Arten kamen und kommen durch Straßen, immer weiter gehende Versiegelung/Bauten, sowie die industriell betriebene Landwirtschaft um – das hat diese Gesellschaft hingenommen, aber bei Windkraft, die uns aus Abhängigkeiten befreien kann, soll jetzt Schluss sein?

    Deine / Hermanns Zahlen zum Energiebedarf wundern mich. Beim Umweltbundesamt sieht das nämlich sehr viel besser aus:

    Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch

    Ein immer größerer Anteil des Bruttoendenergieverbrauchs wird in Deutschland durch erneuerbare Energien gedeckt. Ziel der Bundesregierung war es, den Anteil bis zum Jahr 2020 auf 18 % und bis zum Jahr 2030 auf 30 % zu steigern …. Der Zielwert von 18 % wurde im Jahr 2020 mit einem Anteil von 19,3 % deutlich übertroffen. Im Jahr 2021 stieg der Anteil gegenüber dem Vorjahr auf 19,7 % erneut an. „

    Die Widerstände von Seiten einzelner Bürger sortiere ich unter „St.Floriansprinzip“ ein. Das darf m.E. nicht die ganze Sache blockieren!

    Wenn eine mittlerweile aus mehreren guten, gesicherten, nachvollziebaren Gründen (Klima, Unabhängigkeit) total angesagte Energiewende ständig nicht voran kommt, dann sehe ich DARIN eine Gefahr für die Demokratie. Schließlich ist die Ampel ganz normal an die Macht gekommen und sollte ihr Programm auch umsetzen können. (Hinter Energiewende steht ja auch FDP, wenn sie auch gelegentlich noch AKWs dabei haben wollen).

    Ganz allgemein: Runter vom Wachstum, weniger Ressourcenverbrauch, höhere Energiekosten – und ja: auch runter mit dem Konsum (= Wohlstandsverluste), weg mit vielen überflüssigen Dingen, deren Produktion, Verpackung, Lieferung und Marketing jede Menge Energie und Rohstoffe verschlingt: Ist das alles nicht genau das, was wir seit langem freiwillig hätten veranstalten sollen? (und die verbleibende Arbeit umverteilen?) Stimmt es etwa nicht, dass „das Klima nicht verhandelt“?

    Mir kommt es manchmal vor, als bestünde die ältere Bevölkerung darauf, das Festbankett auf der Titanic auf keinen Fall beenden zu wollen und in die Boote zu steigen… Damit sympathisiere ich nicht, auch wenn ich viele Ängste nachvollziehen kann.

    Ich denke auch, SIE sind nicht das wirkliche Problem, sie hätten gar nicht diesen Einfluss, würden ihr Widerstand nicht benutzt von den deutlich Bessergestellten hierzulande, die um ihren Reichtum fürchten, der auf dem Status Quo basiert. Denn klar ist ja : Wenn kein Wachstum mehr, muss umverteilt werden: von oben nach unten.

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