Claudia am 16. Juli 2021 —

Projekt Mensch: Unvollständig!

Was ist es, das uns Menschen von (anderen) Tieren unterscheidet? Ein besseres Gedächtnis, das Voraussicht ermöglicht, logisch-rationales Denken, das uns Schlüsse ziehen lässt und somit Wissenschaft und Technik hervor bringt. Dazu Kunst und Kultur, die wir an die Nachkommen weiter geben können. Sogar eine gewisse Selbsterkenntnis ist uns mittlerweile möglich, von Sigmund Freuds Erforschung des Irrationalen bis zu den bildgebenden Verfahren der Hirnforschung: Wir wissen viel über das Wesen Mensch! Wir können sogar vernünftig sein und im Bewusstsein handeln, dass kühle Logik nicht alles ist. Wir kennen „emotionale Intelligenz“ und haben neben dem Kopf auch ein Herz – manchmal.

Mensch SymbolgrafikLeider ist Wissen und Können nicht alles, mensch muss auch wollen! Und da liegt der Hund begraben: wir wollen vieles einfach nicht, was sowohl intelligent als auch vernünftig wäre!

Ich gärtnere nun schon 15 Jahre in einem „naturnahen“ Stil. Da bleibt nicht aus, dass allzu romantische Vorstellungen über das Leben der Tiere und Pflanzen komplett verschwinden. Das sogenannte „ökologische Gleichgewicht“ gibt es nicht. Alles ist in ständiger Veränderung und wenn man nicht eingreift, setzen sich besonders gut angepasste Arten zu Lasten aller anderen durch: die werden verdrängt oder gefressen, je nachdem.

Da kommt mal eben ein „fremdes“ Ameisenvolk vorbei, überfällt den Bau kleinerer Ameisen, klaut deren Larven und entführt sie. Viele Fluginsekten legen ihre Eier gerne in Raupen, die sich nicht wehren können. Die werden dann von den sich entwickelnden Larven aufgefressen. Obst und Gemüse haben es schwer gegen all die Vögel, Insekten, Pilze und Milben, die ihnen zu schaffen machen – das gilt im Grunde für alle Pflanzen, die nicht draußen „von selber“ wachsen.

Jede Art im Tier und Pflanzenreich ist bestrebt, sich zu vermehren und auszudehnen, mehr Raum einzunehmen und andere zu verdrängen – was sie dabei anrichten, ist ihnen egal! Sie fressen, was ihnen mundet, auch wenns das letzte Kraut einer Art ist. Sie kennen nur ihren eigenen Vorteil, im Hier & Jetzt und manchmal (bei einigen Tieren) auch noch im Winter. Die Welt, soweit sie sie auf ihre Art wahrnehmen, ist Ort der Futter- und Partnersuche, aber auch gefährlich, denn „Fressen & Gefressen Werden“ ist das Gesetz der Natur. Manche haben auch einfach mal Spaß, sie singen und spielen, wenn die Hauptinteressen aktuell befriedigt sind.

Und wir? Wir sind kein bisschen anders! Trotz unserer Intelligenz, unserer Fähigkeit zur Vorausschau, unserer Kompetenz, tolle Lösungen für technische Probleme zu finden.

Wir sind drauf und dran, den Planeten in weiten Teilen unbewohnbar zu machen – nicht gleich morgen und nicht ganz, aber binnen überschaubarer Zeiten. Wir vernichten die Basis, von der wir leben, holzen immer mehr Wälder ab, errichten immer mehr neue Gebäude, Gewerbegebiete, Parkplätze und Verkehrswege – und wir versiegeln immer mehr Boden, der so seine lebendigen und schützenden Funktionen verliert. (Grade auch vor meiner Haustür: Platzerneuerung mit Asphaltierung der bisher unversiegelten Wege, Verkleinerug der Wiese, Beton, wohin man schaut).

„Ungefähr ein Drittel der gesamten Landober-fläche wird laut Welternährungsorganisation (FAO) in irgendeiner Form für die Tierhaltung genutzt. Ebenso ist laut FAO fast ein Drittel des Arten- und Lebensraumschwunds auf die Tierhaltung zurückzuführen (hab ich hier ABGESCHRIEBEN!).

Ich erspare es Euch und mir, die faulen Argumente, Ausreden, Verzögerungstaktiken und dummen Sprüche zu zitieren, die das effektive und rechtzeitige Handeln gegen den Klima-Kollaps, seine Ursachen und Begleiterscheinungen verhindern. Jetzt im Wahlkampf kommt das alles besonders massig auf den Tisch: Klimaschutz muss bezahlbar bleiben, unser Wohlstand darf nicht angekratzt werden, der Benzinpreis darf nicht steigen, und und und – jetzt hab ich ja doch angefangen, stopp!

Es hilft auch nicht, das „wir“ zu hinterfragen, um sich selbst schön auszunehmen und nur ANDERE verantwortlich zu machen. Die Reichen, die Politiker/innen, die Beamten, das eine Prozent (oder die zehn, je nachdem) – die könnten natürlich eine Menge anders machen, aber ohne die breite Masse, die weder viel Geld noch Macht hat, geht es eben auch nicht.

Was ist das „Projekt Mensch“? Sind wir nicht immer schon Menschen? Kommt drauf an, wie das definiert wird! Wenn das Menschliche in der Fähigkeit gesehen wird, Ursachen und Wirkungen zu erkennen und dem entsprechend zu handeln, dann haben wir erst die Hälfte des Wegs hinter uns. Wir erkennen, handeln aber nicht entsprechend. Weil es unbequem ist, weil es unseren Wohlstand ankratzt, weil wir die unzähligen Optionen vorziehen, die viel mehr Lust versprechen als ein vernünftiges Verhalten, das weit in die Zukunft schaut.

Menschwerdung? Unvollständig!

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Diskussion

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3 Kommentare zu „Projekt Mensch: Unvollständig!“.

  1. „Wir sind drauf und dran, den Planeten in weiten Teilen unbewohnbar zu machen – nicht gleich morgen und nicht ganz, aber binnen überschaubarer Zeiten.“
    Bereits in den Anfängen der 80er Jahren hat man vor Szenarien gewarnt, wie wir sie jetzt haben – aber da wurden die Mahner als Spinner abgetan. Meiner Ansicht ist der Zug schon lange abgefahren, da sehen wir nicht mal mehr die Rücklichter. Ich weiß, warum ich keine Kinder in diese Welt gesetzt habe…
    Und dann entblödet man sich nicht, zu fragen, ob das nun möglicherweise – eventuell – vielleicht – der Klimawandel ist – hallo? Der ist bereits seit Jahrzehnten im Gang! Der fängt nicht jetzt an.
    Nein, der Mensch ist nicht intelligent – er HÄLT sich nur dafür. Und das wird nicht reichen.

  2. Sehr guter, interessanter und nachdenkenswerter Beitrag.

  3. „Und wir? Wir sind kein bisschen anders!“
    Doch wir sind ganz anders Allein Dein Beitrag zeigt das doch.