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Claudia am 05. Mai 2019 — 9 Kommentare

Kapitalimus ist geil, aber….

Immer wenn ich eine Packung Salatmix öffne, bewundere ich die Leistungen des Systems, das mir diesen „Schlaraffenland-Moment“ ermöglicht:

  • Verschiedene Blattsalate in unterschiedlichen Farben und Formen, oft auch mit Mangold, Baby-Spinat und den jungen Blättchen roter Beete.
  • Das sieht nicht nur hübsch aus und versorgt mich mit vielerlei Vitalstoffen, sondern ist auch noch „gewaschen und verzehrfertig“, so dass die Zubereitung eine Sache von Minuten ist.
  • Die anfänglich noch übel riechende Schutzatmosphäre in diesen Packungen ist mittlerweile geruchlos – ein Zeichen, dass „das System“ ungemein schnell auf Kritik reagieren kann, die die Freude am Produkt mindern könnte.

Als Single-Haushault könnte ich mir die Salat-Vielfalt der Packungen niemals selbst herstellen. Ich müsste Salate in Mengen kaufen, die den Bedarf weit überschreiten, was finanziell und abfalltechnisch unsinnig wäre. Das System beschert mir also einen Luxus, der nicht mal teuer ist – was will man mehr?

Ist Marktwirtschaft gleich Kapitalismus?

Wer nun meint, das kreative Salatmix sei doch ein Produkt der Marktwirtschaft, die nicht zwingend auch Kapitalismus bedeuten müsse, begibt sich auf den Weg politischer Spekulation (nix dagegen!), die vom Stadium der Durchsetzung und des Ausprobierens zumindest noch weit entfernt ist. Bisher hatten und haben wir Marktwirtschaft immer nur im Kapitalismus:

  • zunächst als soziale Marktwirtschaft im „Rheinischen Kapitalismus“
  • und heute als „radikalisierten“ Markt im Finanzkapitalismus, der auf dem „neoliberal“ genannten Denken basiert, das seit mehr als 30 Jahren die einstigen Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft erfolgreich zerfrisst.

Das Gewinnstreben gehört zur Marktwirtschaft, das Profitstreben (=Streben nach Kapitalrendite) zum Kapitalismus. Da Kapital zur Erzeugung von Gütern zwingend gebraucht wird, wundert es nicht, dass beide Begriffe oft als Synonyme gebraucht werden, auch wenn das streng genommen nicht stimmt.

Wir brauchen mehr als guten Salatmix!

In die Theoriegebäude will ich jetzt aber gar nicht einsteigen, sondern die Praxis betrachten, die eben nicht nur Vielfalt in Sachen Salate beschert, sondern auch jede Menge Schäden im Dienste des Gewinn- und Profitstrebens anrichtet:

  • Investiert wird da, wo die Gewinnchancen am Größten scheinen, nicht dort, wo es sinnvoll wäre: Da „entdeckt“ z.B. der Milliardärssohn Benjamin Kahn die Rummelsburger Buch in Berlin als tollen Standort für sein Unternehmen „Coral World International (CWI). Trotz des vielfältigen Widerstands vieler Anwohner gab die BVV Lichtenberg mit den Stimmen von SPD und DIE LINKE dem Vorhaben, einen Wasserpark mit Korallenriffen zu errichten, per B-Plan grünes Licht. Soviel Investorengeld wiegt halt schwerer als die Infrastrukturbedürfnisse der Bürger. Dass es in Berlin mittlerweile auch viel Unmut über immer mehr Tourismus gibt – geschenkt! Dass es aufgrund anhaltender Trockenheit künftig an Wasser mangeln könnte – ach, wer denkt denn an sowas! In Brandenburg oder Mecklenburg wäre so eine Attraktion immerhin ein Segen – aber dahin geht der Investor nicht, weil sich das Kapital dort deutlich langsamer vermehren würde.
  • Im Kleinen findet Ähnliches statt: da hat ein indisches Restaurant großen Erfolg, prompt machen im selben Stadtteil 30 weitere auf. Alsbald haben die Leute genug von den vielen „Indern“ und 25 machen pleite. Ihre Restaurants übernehmen andere (vegan, rohköstlich, Thais..), Einrichtung und Ausstattung kommt raus, alles wird neu gemacht. Und wieder und wieder und wieder, in immer kürzeren Abständen. Was für eine Verschwendung, während andere Bezirke leer ausgehen!
  • Ressourcenverschleuderung ist auf vielen Ebenen Kennzeichen kapitalistischer Produktion: Immer kürzere Produktzylen mit geringerer Haltbarkeit, Abschaffung der Reparierbarkeit und die strukturell „normale“ Missachtung jeglicher Nachhaltigkeit (gegen die auch das beliebte „Greenwashing“ nicht hilft). Gegen ein Produkt, das am Markt Erfolg hat, stehen viele andere, die floppen, für die also alle eingesetzten Ressourcen umsonst waren.
  • Vermüllung und Verschmutzung der Umwelt hier und weltweit – Massentierhalter verseuchen mit überflüssiger Gülle das Grundwasser und gefährden mit ihrem Antibiotika-Einsatz die Gesundheit von uns allen. Der viele Müll, der in den „entwickelten“ Gesellschaften anfällt, wird in arme Länger exportiert und versifft dort die Landschaft. Die Meere sind voller Plastik, weil die Produzenten die Verantwortung für das Verpackungs- und Verbrauchsmaterial leicht auf andere abwälzen können. In die Preisgestaltung geht das Beseitigen der Schäden durch Müll jedenfalls nicht ein, das wird exportiert bzw. sozialisiert.
  • Extreme Mietpreissteigerungen gefährden den sozialen Frieden: Nicht mehr nur Geringverdiener, sondern auch durchschnittliche „Normalverdiener“ können die extrem steigenden Mieten in vielen Städten nicht mehr bezahlen. Hier sieht man gut, wie gerade das Funktionieren des Marktes (hohe Nachfrage = steigende Preise) sozial unerwünschte Folgen zeitigt. Wenn nurmehr Reiche in den Städten leben können, geht die Gesellschaft den Bach runter und die begründete Wut und Unzufriedenheit wird sich politisch auswirken – nicht immer auf allgemein wünschenswerte Weise.
  • Leistung lohnt sich nicht,  obwohl die Vertreter des „freien Marktes“ das ständig behaupten. Die am meisten schuften (Lieferdienste, Pflegekräfte, Küchenhilfen und Gastronomie-Personal) verdienen am wenigsten, immer weniger in Vollzeit sozialversicherungspflichtig Beschäftigte können wegen zu niedriger Löhne mit einer Rente oberhalb der Grundsicherung rechnen. Warum der Lohn der Lieferanten wohl nicht steigt, obwohl die Nachfrage boomt? Auf einem funktionierenden Markt wäre das doch zu erwarten – ich nenne das also Marktversagen!
  • Der Privatisierungswahn macht die Gesellschaft kaputt: Es gibt immer weniger Orte, an denen man sich trifft, ohne (oft hohen) Eintritt zu bezahlen oder konsumieren zu müssen. Der öffentliche Raum schrumpft und geht ins „Hausrecht“ kommerzieller Betreiber über. Doch von den 69 Shopping Malls in Berlin stehen viele schon wieder weitgehend leer – aber was solls, es werden weiterhin neue Malls geplant, während der Bedarf an nicht durchkommerzialisierten Einrichtungen (Kitas, Schulen, Werkstätten, Ateliers, freie Kunst & Kultur) immer weniger gedeckt wird.
  • Verarmung: Das einstige Versprechen der sozialen Marktwirtschaft „Wohlstand für alle“ ist gebrochen, heute gilt statt dessen „Stütze für viele“, nämlich für immer mehr Menschen, die Hartz4 oder Grundsicherung beantragen müssen.

Wenn also in einem solchen Umfeld ein JUSO-Vorsitzender mal wieder die Systemfrage stellt, ist das – eigentlich – kein Grund zum Hyperventilieren, sondern sehr verständlich. Die Frage ist doch eher: Warum erst jetzt? Nils Minkbar bringt im SPIEGEL („Das Tabu, das er bricht„) die Dinge auf den Punkt, indem er der „entfesselten Herrschaft des Kapitals seit dem Fall der Mauer“ zu Recht bescheinigt, sie sei

„…nicht besonders kompatibel mit dem Ziel einer lebenswerten Umwelt, einem verträglichen Klima und schließlich unseren eigenen Werten. Das spricht längst nicht gegen einen tüchtigen Markt, der für viele Annehmlichkeiten sorgt und etwa auch Meinungsvielfalt garantiert, denn auch die Freiheit der Presse, auch dieser Publikation, ist Akteur und Produkt des Marktes. Aber diese sinnvolle Einrichtung ist zum Herd einer Ideologie mit fanatischen Zügen geworden. Die Maximierung der Leistung, die Optimierung des Einzelnen und die Verherrlichung reicher Menschen sind zur modernen Ideologie geworden, die zu einer völlig verzerrten Wahrnehmung dessen führt, was bei uns eigentlich los ist.“

So kann es nicht weiter gehen, bzw. es wird ganz FURCHTBAR, wenn es so weiter geht. Und jene, die schon das Nachdenken über Alternativen mit einem Shitstorm begrüßen, zählen zu jenen 1 bis 10%, die derzeit Kasse machen zu Lasten der vielen, die kaum mehr über die Runden kommen. Oder stehen zumindest in ihren Diensten bei gesicherten, gut dotierten Einkommen, vertreten also trotz aller Kollaeralschäden den Schutz von Kapital und Eigentum, um ihre Stellungen nicht zu verlieren.

Also ja, Kapitalismus ist geil, ABER auch sehr sehr schädlich. Wie man ihn neu eingrenzt, muss diskutiert und dann umgesetzt werden. Und zwar eher zügig als auf die lange Bank geschoben.

Diskussion

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9 Kommentare zu „Kapitalimus ist geil, aber….“.

  1. Ich wundere mich beim Thema bezahlbarer Wohnraum und steigende Mieten. Für wen bauen oder sanieren die Unternehmen die teuren Wohnungen? Wer wird darin wohnen? Gibt es so viele Reiche, die sich das leisten können? Bei anderen Lebensbereichen wie Lebensmittel oder Abonnements oder Konsum an sich gibt es die Möglichkeit des Sparens, beim Wohnen aber zählt nur die Frage: Ja oder nein. Für wen also planen die?

    Dagegen bewundere ich Initiativen für genossenschaftliches Wohnen, die sich gegen Gentrifizierung und Mietwucher richten. Für mich liebäugele ich mit dem Modell Clusterwohnen.

  2. Danke lieber Markus, dass du diesen Rundumschlag-Artikel kommentierst! :-) Ich bin schon fast gewöhnt (und gelegentlich auch gefrustet), dass die Beiträge, die mir persönlich wichtig sind, selten irgend eine Resonanz erfahren.
    Das Cluster-Modell finde ich toll – genau sowas hab ich mir auch immer als „Zukunft des alternativen Wohnens“ vorgestellt. Schön, dass es Menschen gibt, die das auch umsetzen. Wenn du es dir leisten kannst, da irgendwo mitzumachen, ergreife die Chance!

    Ansonsten: In London kann kein Normalverdiener mehr wohnen – es geht also, nur für Reiche zu planen! Zur Not kommen sie aus aller Welt und haben halt ’ne Wohnung und nicht nur „einen Koffer in Berlin“.

  3. Eben weil ich wollte, daß deine Mühe und das Anliegen mit dem Langtext gewürdigt wird, weil ich weiß, wie Nichtresonanz einen düpieren kann, rang ich mir eine kleine Reaktion ab, obzwar ich bei politischen Themen eigentlich nur rezipieren und selbst wenig bis nichts Substanzielles beitragen kann außer vielleicht einem „Klar, so ist es!“. Immerhin verfolge ich täglich politische und gesellschaftliche Sendungen wie die arte-Journale, Tagesthemen und im Radio die Podcasts „Deutschlandfunk – der Tag“, „Studio 9 – der Tag mit…“, „medi@sres“ und „Update“ und viele andere Formate wie Weltspiegel, auslandsjournale und vor allem Deutschlandfunk-Beiträge wie Hintergrund, Presseschauen und Interviews.

    Die Lächerlichkeit oder Unbeholfenheit, mit der professionelle Politiker auf die Klimaproteste von Fridays for Future reagieren, zeigen mir die Kluft und Verfahrenheit des politischen Systems an sich. Wie Christian Lindner behauptet hat, er kenne das Mietproblem in Berlin, weil er sich in einem bestimmten Viertel keine Wohnung leisten könne! Und die Kühnertschen Visionen kamen AFAIK als herausgekitzeltes Statement, d.h. er wurde gezielt nach seinen Vorstellungen gefragt. Und warum dann nicht provokant träumen! Einerseits bin ich über die Gärungen in der Gesellschaft froh, über den Zündstoff, der zu Reaktionen und Debatten führt. Andererseits will der Pessimist in mir nicht weichen und sieht traditionell schwarz. Unter den Soziologen suche ich dann Interviews mit Harald Welzer, der mit seinen optimistischen Thesen in letzter Zeit meiner Grunddeprimiertheit entgegen wirkt.

    Das Mietproblem könnte genügend Sprengkraft mitbringen, daß sich tatsächlich etwas ändert. Denn wenn es ans Eingemachte geht, an die Substanz der eigenen Existenz, hört die Ignoranz und die Toleranz des Gegebenen vielleicht auf, kehrt sich Duldung um. Prinzipiell ist die Mehrheit träge bzw. inkonsequent. Über 80% hätten nichts gegen Organspenden, aber nur über 30% haben einen Spendeausweis. Sicher haben überwiegend alle etwas gegen Umweltverschmutzung, aber über 70% sind gegen eine CO2-Steuer. Unbestritten möchte jeder Arbeitnehmer stabile Rechte und regelmäßig Lohnerhöhungen, die Gewerkschaften verloren in den letzten 20 Jahren aber die Hälfte der Mitglieder.

  4. Gerade in meinem geliebten DLF-Audioarchiv gefunden: Wochendjournal (mp3) zum Thema „Berliner Bürger im Kampf gegen Immobilienkonzerne“.

  5. Das mit den immer weniger freien öffentlichen Orten fällt mir auch auf, seit Jahren. Ich kann mich mit meinen Sprachpartnern auch eigentlich nur noch in der Bibliothek treffen. Zuvor hatten wir uns immer bei einer bekannten Kaffeekette getroffen, bei der man seinen Namen seinen Namen nennen muss. Da kann man zwar auch stundenlang sitzen, aber bei drei bis vier Terminen pro Woche geht das schon ins Geld, denn der Kaffee dort ist so teuer wie die preiswerteste 500g-Packung im Supermarkt, und die hält dahingegen vielleicht ein bis zwei Monate (und zu süß, und und und)
    Also Bibliothek. Da ist mir irgendwann aufgefallen, dass in der Bibliothek nicht nur Schüler lernen (gerade wieder muss wohl Abitur sein, weil ich jetzt immer wieder Mathe-Lerngruppen sehe), sondern vor allem im Winter Leute stundenlang in den Sitzgruppen bleiben, nichts lesen, einfach nur sitzen. Bis ich einen davon mal auf der Straße wiedertraf: ein Obdachloser also. Die Menschen nutzen die Bibliothek als warmen Raum, als letzten Ort, an dem man, wenn man nicht alkoholisiert ist oder anderweitig auffällt, stundenlang sitzen kann. Ich find das zwar gut, aber irgendwie macht es mich traurig, dass es eben nur so geht. Welche anderen Räume gibt es noch im öffentlichen Raum? Bänke? Abgeschafft, oder allzuoft so gestaltet, dass man darauf nicht liegen kann. Mülleimer, aus den Fußgängerzonen verschwunden, alles auf „geh in den Laden oder verschwinde“ getrimmt. Ein „Stadtbummel“: gibt’s doch gar nicht. Klar, es gibt noch Parks, in denen man sitzen kann, aber da wiederum sind dann gleich wieder alle und alle haben Ellenbogen, jeder will für sich das Maximum, es gibt auch keine Rücksicht mehr. Jeder will alles, jetzt, nur für sich, das Optimum aber bitte. Und der Rest der Leute hat ja nicht zu stören, sonst.

    Seit ich praktisch rund um die Uhr arbeite (Lehrer haben ja so viel Zeit – ja, zum Vorbereiten und sich mit Papierkram auseinandersetzen) muss ich mir Ruhezeiten schaffen.
    Zuletzt wunderte mich mal, dass alle Welt am Sonntagnachmittag zu arbeiten schien: ich bekam eine Zusage für einen Zahnarzttermin, ein anderer Kollege vereinbarte ein Treffen, Kollegen baten um Korrektur irgendwelcher Blätter etc.: alles am Sonntagnachmittag. Treffen wir uns nicht morgen früh? Können wir nicht den Sonntag noch frei halten? Nein, irgendwie ist immer action. Es gibt keine Ruhe mehr. Auch das wird uns irgendwann auf die Füße fallen.

    Auf Sicherheiten, Garantien gebe ich ehrlich nichts mehr. Ich versuche mit vielem gar nicht erst anzufangen, dann muss ich auch nicht drauf verzichten. Ich werde schief angekuckt, wenn ich sage, mit wie viel Euro ich pro Monat für Essen auskomme (es liegt noch unter dem Hartz-IV-Satz dafür). Glaubt mir keiner. Aber mehr als eine Scheibe Käse passt doch nicht aufs Brot. Wenn ich mir erst irgendwelchen Luxus angewöhne, komme ich nicht mehr weg davon. Also verweigern.

    Ach, ich hoffe, es ist nicht zu sehr durcheinander.

  6. Danke Markus! Ja, ich sehe das auch so, dass das Mietenproblem eine gewaltige „Bewegungskraft“ entfaltet. Deshalb auch die extremen Reaktionen auf Kevin K., weil sowas Tabu-Brechendes ja jetzt mehr „Resonanz“ in der Bevölkerung hat!

    @Holger: Du bist Lehrer und kasteist dich esstechnisch mehr als ein Hartz4er? Ist das nicht übertrieben`? Ich dachte, Lehrer hätten noch ein ganz gutes Auskommen – und sind in vielen Bundesländern ja auch noch Beamte.
    Das mit der Sonntagnachmittagsarbeit würde ich verweigern – wolkig „familiäre Gründe“ angeben, falls es sein muss. Dass das immer mehr „Schule macht“, liegt eben auch dran, dass Leute das mitmachen. Einen Arzttermin Sonntags? Davon hab ich noch nie gehört – eher ist mein Eindruck, dass sie wochentags immer weniger Sprechstunde haben.
    Das mit dem öffentlichen Raum ist wirklich katastrophal! Hier in Berlin gibt es noch einige wenige Aufenthalts-Cafes mit Imbiss, die irgendwie „sozial“ verfasst sind, also keine kommerziellen Projekte. Aber ein Tropfen auf den heißen Stein!

  7. In Berichten über Bibliotheken in Dänemark (?) wurde der Ort als öffentlicher Raum ausgesprochen gelobt, quasi als lebenswerte Agora.

    Clusterwohnen mit seinem gemeinschaftlich genutzten Flächen könnte ja prima auch als öffentlicher Raum gesehen und genutzt werden, wenn anderer wegbricht.

  8. @Claudia, kasteien würde ich das nicht nennen, eher befreiend wenig essen. Ich kann oft nicht nachvollziehen, warum in Massen in den Kühlschrank gestopft werden muss. (Und Lehrer: ja, bestimmt gibt es viele, die gut verdienen, es gibt aber auch genügend Freiberufler, die lehren, und sich schon im Vorstellungsgespräch anhören durften: „Haben Sie jemanden, der Sie versorgt?“ 8 Jahre Freiberuflichkeit hinterlässt auch psychisch Spuren, auf dass man immer noch weiter Stunden annimmt, obwohl man jetzt angestellt ist und den Stift fallen lassen könnte, wird herrlich gerne ausgenutzt)
    Sonntagsarbeit heißt Korrekturen, das geht nicht anders. Ich hasse es, wen Klausuren und Tests bei Kollegen wochenlang liegen. Da geht auch der Effekt verloren, zu erfahren, welche Leistung man erbracht hat (also die Teilnehmer). Nach 3 Wochen weiß ich nicht mehr, warum ich in diesem Test eine schlechte Note geschrieben habe, ist u.U. das Thema ein ganz anderes. Die Note soll, meines Erachtens, nicht nur den Leistungsstand zeigen sondern auch ermöglichen, daran weiterzuarbeiten. Daher korrigiere ich recht schnell (andere Lehrerkollegen aka „hey Stress“, sind dann aber gerne wie der Igel in Hase und Igel und immer noch ein Bienchen schneller – was auch nervt)

    Und Arzttermin sonntags: Die Krankenschwester hat nur den Termin für irgendwann in der Woche vergeben. Aber vermutlich halt schon am Sonntag in der Praxis gehockt.

  9. @Markus:

    Andererseits will der Pessimist in mir nicht weichen und sieht traditionell schwarz. Unter den Soziologen suche ich dann Interviews mit Harald Welzer, der mit seinen optimistischen Thesen in letzter Zeit meiner Grunddeprimiertheit entgegen wirkt.

    Wie heißt es so schön? „Ein Pessimist ist ein Optimist mit Erfahrung.“

    Sicher haben überwiegend alle etwas gegen Umweltverschmutzung, aber über 70% sind gegen eine CO2-Steuer.

    Vielleicht glaubten die 70 % aus der Befragung, auf die du dich da beziehst, einfach nur nicht, dass eine CO²-Steuer tatsächlich die volkswirtschaftlichen Akteure trifft, die sie treffen soll.

    Unbestritten möchte jeder Arbeitnehmer stabile Rechte und regelmäßig Lohnerhöhungen, die Gewerkschaften verloren in den letzten 20 Jahren aber die Hälfte der Mitglieder.

    Das dürfte in erster Linie daran liegen, dass die Gewerkschaften oftmals dadurch ihre Mitglieder verraten, dass ihre Vertreter im Betrieb gegenüber dem Arbeitgeber eher die Mentalität von Wackeldackeln haben.

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