Claudia am 22. Januar 2019 — 38 Kommentare

Was einsam macht

Heute bei Angelika Wende gefunden:

„Einsam macht
Gedanken und Gefühle nicht teilen zu können.
Einsam macht
Ohne Empfänger zu sein
Der verstehend und inspirierend antwortet.“

Ich beziehe das auf die verschwindende Kommentarkultur. Dass kaum mehr kommentiert wird, mindert meine Motivation zu bloggen. Irgendwelche „Likes“ in sogenannt „sozialen“ Medien sind nicht wirklich ein Ersatz für „verstehende und inspirierende Antworten“, die einst unter Blogartikeln nicht selten waren.

Der Hang zur Bequemlichkeit ist eine der Wurzeln dieser Entwicklung. Was verständlich ist angesichts der Verkomplizierung der Blogkommentarfunktionen in unzähligen Blogs. Anmelden, Googles Captchas mit Ampeln und Autos abarbeiten (oft in viel zu kleinen Fenstern), bei Diensten wie Disqus Kommentare zusammen führen lassen, eingeschränkte oder abgeschaffte Möglichkeiten, anonym oder als „Name und URL“ zu posten – all das muss ja verlieren gegen die Einfachheit eines Tweets oder Facebook-Kommentars. Hinzu kommt, dass moderne „Themes“ (die Optik der Blogs) Kommentare eher verstecken als zeigen, sofern sie überhaupt noch möglich sind. Und eine Benachrichtigung, was mit dem abgeschickten Kommentar nun passiert ist, kommt auch nur noch selten vor.

Klar, dass da kaum noch jemand Lust hat zum Kommentieren.

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
38 Kommentare zu „Was einsam macht“.

  1. Mir gehts so, daß ich am Händi, wo ich mittlerweile hauptsächlich online lese, unbewußt viel weniger kommentiere als früher am Rechner.
    Es ist halt unbequemer. Wenn ich am Händi kommentiere, dann muß es mir wirklich in den Fingern jucken…
    Ist für mich kein Frage, daß Likes eine Alternative wären, weil ich die Dienste nicht nutze.

  2. Dann will ich das doch mal kommentieren. ;-)

    Nach meiner Erfahrung sind die Hürden nicht größer geworden; Kommentieren — auch anonym — scheint mir bei den allerallermeisten Plattformen mindestens so einfach zu sein wie sich zu schneuzen. Eine Ausnahme ist fürwahr blogspot.com. Deren Betreiber scheinen es geradezu darauf anzulegen, daß möglichst niemand kommentiert. Ich habe allerdings den Verdacht, daß das nicht für Google-Kunden mit entsprechender Hardwareausstattung gilt. Wahrscheinlich will blogspot (also Google), daß man gefälligst mit dem Smartphone kommentiert (und sich dabei hübsch nackich macht), und ich vermute, daß das auf diesem Wege viel einfacher geht.

    Trotzdem teile ich Ihre Beobachtung, daß immer weniger kommentiert wird. Ich habe dazu drei Vermutungen. Erstens: Immer mehr Blogs teilen sich immer weniger Leser. Als ich 2005 mit dem Bloggen anfing, dürfte es vielleicht ein zehntel der Blogs gegeben haben, die sich heute im Netz tummeln. Entsprechend konzentrierte sich die Aufmerksamkeit, auch lokal auf kleinen Plattformen, während sie heute stark verteilt ist. Zweitens: Aufmerksamkeit kumuliert sich. Es gibt Blogs, da haben die Einträge regelmäßig Kommentare im dreistelligen Bereich. Ich nehme an, daß solche Blogs die ohnehin breit verteilte Aufmerksamkeit an sich saugen und die Landschaft dominieren. Ob deren Kommentarzahlen in den letzten Jahren auch gesunken sind, weiß ich nicht.
    Drittens gibt es so etwas wie Ermüdung. Als ich anfing, Blogs zu lesen und auch selber als Blogger aktiv wurde, gab es da diesen unwiderstehlichen Drang, überall seinen Senf dazuzugeben. Inzwischen ist mir bewußt, daß der Senf nicht mehr scharf ist. Öfter in den letzten Jahren wurde mir, als ich schon auf den Kommentarknopf klicken wollte, bewußt, Mensch, denselben Senf hast du doch schon so oft abgesondert. Willst du nicht lieber spazierengehen oder einen Kaffee trinken, das macht doch viel mehr Spaß, und außerdem hat niemand auf die hundertste Wiederholung deiner Meinung gewartet. Man wird, mit anderen Worten, meinungsmüde.

  3. @megatherium: da hast du wohl recht, ans Handy hab ich gar nicht gedacht, weil ich damit nicht lese bzw. allenfalls mal kurze News.

    @solminore: danke für die umfangreiche Einlassung zum leidigen Thema! „Meinungsmüde“ ist ein schönes Wort, das mich ebenfalls anspricht. Ich denke auch oft: Sooo wichtig ist das nun nicht, auch noch meine Meinung zum Besten zu geben, so originell ist die nicht!

    Zu den Hürden beim Kommentieren, habe heute 7 Blogs kommentiert, davon einige mit Google Captcha, meist im Minifenster, so dass man die anzuklickende Gallery auch noch scrollen muss, die meisten ohne jede Nachricht darüber, was mit dem Kommentar ist, nur eines (individuell programmiert) mit einer beispielhaft guten Anzeige des Kommentars und der Bemerkung darüber, dass er sich in Moderation befindet. Und eines (ebenfalls individuell programmiert) zeigte meinen Kommentar sogar sofort an – wow, dass es das noch gibt!

    Mich wundert, dass engagierte Blogger/innen, die es ja noch gibt, sich einfach so mit dem nervigen Blogspot abfinden!
    Bei Blogs mit dreistelligen Kommentaren schreibe ich nichts, weil ich davon ausgehe, dass die Blogger/innen sowieso kaum mitlesen und erst recht nicht antworten.
    Dein Blog hätte ich gerne in meine Blogbibliotheken aufgenommen, aber leider zeigt es den Feed nicht an, sondern bietet ihn zum Download an, was ja sinnlos ist.

  4. Kommentiert wird auf meinem Blog nachwievor.
    Und auch ich kommentiere gerne. Nur nicht dort, wo ich annehmen muß, daß meine Kommentare nicht mehr gelesen werden. Da erspare ich mir die Mühe, egal wie philosophisch anspruchsvoll oder politisch informiert der jeweilige Blogbetreiber ist.
    Sehr schade finde ich es, wenn man von jemand bekanntem einen kontroversen Kommentar bekommt, den man beantwortet, evtl. richtigstellt und derjenige gar nicht mehr zurückkommt. Das passiert immer wieder.

    Kommentieren kostet Zeit, gerade wenn man 80+ Blogs im Reader hat. Da kann es schon mal passieren, daß man ein Like setzt, um anzuzeigen: Ich war hier! Habe es zur Kenntnis genommen. Immerhin das – man zeigt also, daß man das Schaffen des anderen verfolgt.

    Daß Du, liebe Claudia, kaum mehr blogst, im Gegensatz zu vor 4 Jahren, das finde ich sehr schade. Es war immer insptrierend und interessant. Und auch damals kommentiertest Du schon ohne Rücksicht darauf, ob jemand zurückkommt. Jetzt scheint Dir das aber nicht mehr egal zu sein.

  5. […] über Was einsam macht — Digital Diary – Claudia Klinger […]

  6. Hi Gerhard,
    habe den festen Vorsatz, wieder mehr zu bloggen! Es ist aber auch eine Suche nach einem anderen Selbstausdruck als durch das Kommentieren politischer Ereignisse, was ja hier ein wenig überhand genokmmen hat, so im Vergleich zu früher. Du zeigst Fotos und kreative Keramik, die sind als Kommentier-Anreiz irgendwie besser als ein womöglich längerer Artikel, da man da ganz frei ist in den eigenen Assoziationen und auch ganz kurze Statements nie falsch wirken.
    Was das „zurück kommen“ angeht, werde ich wohl wieder ein Plugin einbinden – da hab ich aus übertriebener Rücksichts auf DSVGO zuweit abgespeckt. Aber zwingen kann man ja niemanden… :-)
    Gegen Likes hab ich nichts, nur sind sie halt kein Ersatz. Auf Twitter erlebe ich übrigens immer wieder, dass das „weiter melden“ von etwas mir Wichtigem (heraus ragende Artikel, Hintergründe, Analysen etc.) kaum geliked wird – dann aber irgend eine belanglose Äußerung über irgend einen Pipifax plötzlich mehrfach.
    Sei versichert, dass ich deine Kommentare immer lese (und mich unabhängig vom Inhalt drüber freue), auch wenn ich mal nicht die Zeit finden sollte, zu antworten!

  7. Ich wiederum hatte das kleine Gedicht nicht vorrangig mit Online-Dingen in Verbindung gebracht, sondern mit der Resonanzlosigkeit, mit der man im Rest des Daseins zurechtkommen muß. Aus Mangel an Alternativen, z.B. einem interessanten Leben mit interessanten Partnern und Freunden, nutzt der einsame Mensch wie ich das, was er hat, überstrapaziert es und wundert sich, warum die anderen mit ihren vielfältigen Aktivitäten nicht dergleichen tun und einen scheinbar links liegen lassen. Und dann leidet man am fehlenden Feedback auf Tweets, WhatsApps usw.
    Als ich 2001 anfing zu bloggen, kommentierte ich auch viel bei anderen. Nur ist es tatsächlich so, daß ich irgendwann den Eindruck hatte, alles mehrfach gesagt zu haben und mich zu wiederholen. Das Gefühl des Hamsterrades, der Sättigung oder des Fertigseins.

  8. @Markus: schreib mir doch mal (gerne PN/Mail), was es ist, das du überstrapazierst! (Twitter kann es nicht sein, das hab ich grade nachgeschaut, du twitterst nahezu gar nicht.:-))
    Wie ist es denn mit Resonanz in deinem Berufsalltag? Da gehts doch eigentlich gar nicht ohne, oder? Glückwunsch übrigens zu den 162 Wochen!

  9. Diese Unlust zu kommentieren bemerke ich auch und kann sie seit dem Rückzug unserer Blogs hinter eine Portalseite mit Anmeldung sogar mit Zahlen belegen, weil ich jetzt genau weiss, wie viele Leser unsere Blogs haben:

    Angemeldet haben sich bisher 45 Menschen, darunter neben denen, die immer bei uns in den Kommentare auftauchen (6 Menschen) auch eine Reihe alte Bekannte (9 Menschen), die entweder selbst Blogs betreiben oder betrieben haben – und früher auch mehr oder weniger regelmässig kommentiert haben.
    Dazu die (für mich überraschend) grosse Zahl der mir bisher unbekannt gebliebenen „stillen Leser“, die nur konsumieren und wohl noch nie einen Kommentar abgegeben haben.

    Und ich denke, das dürfte ähnlich wohl auch bei andere Blogs aussehen.

    Wenn ich ein paar Jahre zurück denke, dann fand ich unter fast jedem Beitrag Kommentare im zweistelligen Bereich, es wurde diskutiert, auch über verschiedene Blogs hinweg , es tobte das Leben.

    Ganz anders jetzt, seit ich vor gut zwei Jahren wieder angefangen habe regelmässig zu bloggen, weil mir FB mit seiner oberflächlichen Likerei zum Hals heraus hing.

    Meist kann ich froh sein, wenn ein, zwei Leute auf mein Geschreibsel reagieren, obwohl es immer noch die selben Themen sind, die regelmässig in meinem Blog auftauchen und – gemessen an den Zugriffszahlen genau so viele Menschen bei mir lesen wie damals.

    Inzwischen habe ich mich deshalb fast damit abgefunden, „nur“ für mich zu schreiben…

  10. @Herr Momo: danke für deine Erfahrungen!

    Mal grade auf dein Blog geschaut, zu dem ich mich gestern angemeldet hatte: der gesamte Text eines Artikels steht auf der Startseite und darunter noch über 10 weitere Volltexte. So stößt man als Lesende gar nicht erst auf eine Kommentarfunktion, da diese erst sichtbar wird, wenn man den Artikel einzeln aufruft – wofür es jedenfalls auf der Startseite keinen Grund gibt.

    Klar, davon lassen sich Stammkommentierer nicht abhalten, aber andere denken nicht lange nach und kommen evtl. gar nicht auf die Idee, da zu kommentieren. Da die Blogartikel nun nicht mehr herum gereicht / gefunden werden sollen, wird das relevanter sein als ohne Zugangshürden!

    Insgesamt stimme ich deiner Beobachtung natürlich zu, es ist nicht zu übersehen, dass viel weniger kommentiert wird als noch vor ein paar Jahren!
    „Nervige Technik“, „Meinungsmüdigkeit“, „zu viele Blogs/weniger Leser“ – und natürlich die Zeit, die Menschen bei den sozialen Medien verbringen anstatt auf Blogs. Ich bin grade ziemlich Twitter- und News-abstinent und merke, dass die Blogs und das Kommentieren dadurch sehr viel näher liegen.

  11. Liebe Claudia, danke für diese Frage! Ich finde das auch beklagenswert. Inzwischen bist du eigentlich die einzige Leserin, die bei mir noch kommentiert. Das hat aber auch mit der Schrumpfung meiner Reichweite zu tun, seitdem ich weniger Zeit habe. Was sind meine Gründ, für weniger kommentieren?

    1. Weniger Zeit online und mehr offline (ein Glück!) – dadurch muss ich mich stark auf weniger Online-Lektüre konzentrieren und schränke bewusst mein Engagement online ein.
    2. „Meinungsmüde“ (sehr schönes Wort) – und das hat viel damit zu tun, dass man immer sehr schnell mit Menschen aneinander gerät, die die Weisheit mit Löffeln gefressen hat oder sowieso überall nur eine Verschwörung vermuten. Menschen mit Meinungen gibt es ohnehin zu viele, da muss ich mich nicht einreihen.

    Wie du weißt, bin ich ja auch einer, der treu am „nervigen Blogspot“ festhält. Warum: Weil es für den Blogger selbst gar nicht nervig ist, sondern eine schöne offene Plattform, mit der man unkompliziert recht individuell arbeiten kann.

    Übrigens habe ich auch immer noch anonymes und Name/URL Kommentieren aktiviert und das funktioniert auch. Bei mir gibt es auch keine Moderation, Kommentare erscheinen sofort (etwas, das bei dir für mich oft nicht der Fall ist, ich kopiere vor dem „Absenden“ immer meinen Text, weil der Kommentar oftmals einfach nur verschwindet, um dann ganz unverhofft beim x-ten Reload wieder aufzutauchen). Also – dass es technisch komplizierter geworden ist, glaube ich nicht.

  12. Moin

    => https://p-adler.de/wenn-ich-bloggen-will-dann-blogge-ich/

    Gleiches gilt bei mir zum kommentieren – zudem hier bereits (fast) alles zum Thema erwähnt wurde.

  13. @Claudia, du schriebst:
    „Du zeigst Fotos und kreative Keramik, die sind als Kommentier-Anreiz irgendwie besser als ein womöglich längerer Artikel, da man da ganz frei ist in den eigenen Assoziationen und auch ganz kurze Statements nie falsch wirken.“

    Ich schreibe ganz ganz selten längere Artikel – kaum mehr einer mag sie lesen (denn man hat womöglich 80+ Blogs „am Ärmel“. Darauf nehme ich Rücksicht.
    Ich schreibe über mein Leben – das sind meine Hobbys vornehmlich.
    In Philosophie, Wissenschaft, Spiritualität, Politik habe ich manchmal nur sporadisches Wissen. Das heißt NICHT, daß mich diese Bereiche nicht interessieren, z. Teil sehr sogar.
    Über Musik und Schach, was mich sehr interessiert, schreibe ich sehr sehr selten – Musik ist z.b. so individuell, daß es kaum Konsens geben kann. Also lasse ich es.

    @Gilbert: Ich hatte bei Dir oft kommentiert, das weißt Du. Im Dialog sein über Philosophisches finde ich recht spannend. Wie sonst kann man da weiterkommen? Man muß sich an den Themen gemeinsam reiben.

  14. @Gilbert: Was? Hier verschwinden Kommentare? Danke, dass du es gesagt hast, dem muss ich mal nachgehen, hab ich noch nie gehört oder bemerkt. Danke auch dir für deine Gedanken zum Thema Bloggen – ich lass mich ja nicht abhalten, bei dir zu kommentieren! :-)

    @Gerhard: hoffe, es war ok, deinen Namen nachzutragen – hab ich nur gewagt, weil ja aus deinem Text hervor geht, dass du es bist! „Über Musik und Schach“ ist Bloggen schwer/unmöglich? Na, das nehme ich gleich mal mit als Schreibimpuls! Die Idee, „um die Leser zu schonen“ nix zu schreiben, ist mir fremd, den finde ich sogar glatt ein wenig seltsam, denn: Es MUSS ja niemand lesen, das macht ja ständig die übergroße Mehrheit aller „potenziellen“ Leser vor!

  15. Hatte ich meinen Namen vergessen?
    Danke, daß Du ihn nachgetragen hast, Claudia!

    Claudia, ich schreibe, um Leute zu erreichen.
    Mit Themen, die per se wenige oder kaum jemand interessieren, kann ich es nicht. Würde ich Thema auf Thema präsentieren, das ziemlich breit am üblichen Interesse vorbeigeht, dann würde ich „irritieren“.
    Ab und an streue ich aber etwas ein, etwa über meine psychische Grundbefindlichkeit oder Altlasten aus der Kindheit. Manches davon habe ich länger schon in der Schublade.

  16. Mancher Kommentar erschien FRÜHER nicht sofort bei Dir, Claudia. Zuletzt konnte ich das nicht mehr feststellen! Das wolllte ich jetzt noch mal nachreichen.

  17. Danke für das Thema. Der Frust darüber, dass immer weniger kommentiert wird, beschäftigt mich schon lange. Richtig müsste ich schreiben, hat mich beschäftigt. Ich habe schon Blogs mit sehr vielen Artikeln einfach in die Tonne geklopft, weil es mir zu blöd wurde. Soviel Meinung und sowenig Resonanz darauf, das fand ich einfach unfair. :-) Dabei ahne ich natürlich, woran das mangelnde Interesse liegen könnte.

    Das Internet ist voll von guten Texten zu allen Themen. Das Gegenteil ist auch der Fall, aber dem sind wir alle ausgesetzt. Vor langer Zeit hat mal einer sinngemäß gesagt, dass alle Worte und alle Sätze schon gesagt wären. Da hilft nur noch Karl Valentin (sic?): „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“. Mit solchem Bewusstsein kann man eigentlich gar nicht mehr bloggen! Es wäre schlicht bekloppt. Dazu noch die elenden sozialen Netzwerke, die uns Bloggern von Beginn an das Wasser abgegraben haben.

    Ich bin gut darin, mich negativ zu verstärken. Das führt zu vorschnellen Aktionen wie dem Abschalten der kompletten Kommentarfunktion, einschließlich aller nötigen Plugins… :-) Was man an Performance gewinnt, verliert man womöglich an LeserInnen.

    Nett ist es nicht, wenn mir jemand (wegen meiner Themenwahl) unter die Nase reibt, dass das ja ohnehin fast keiner mehr lesen möchte. Aber natürlich ist es wahr. Es gibt so viel schönere Texte zu allen möglichen Themen unseres Lebens. Und ich muss mir ausgerechnet Politik aussuchen. Selber Schuld. Mir ist schon klar, dass es viele BloggerInnen trifft, die echt tolle Beiträge schreiben und sich auch weniger mit streitigen Themen befassen. Denen passiert das auch. Soviel zu meiner kleinen Theorie.

    Jedenfalls habe ich meinen Kommentarbereich (wie es sich für mich gehört) schon wieder geöffnet und eine Hürde (du sprachst davon) abgestellt. Es steht also vereinzelten Kommentaren nichts mehr im Weg. Du, liebe Claudia, bist besonders herzlich willkommen.

  18. @Horst: na, das freut mich aber und ich werde das gerne tun! Hab bei dir ja öfter kommentiert und es bedauert, dass du das abgeschaltet hast.
    Dass „schon alles gesagt ist“ sehe ich nicht als Grund, nicht zu bloggen. Es geht ja nicht nur um den Inhalt alleine, sondern auch darum, wie viele sich wie äußern – insbesondere bei kontroversen politischen Themen!

    Zur letzten Nominierung und Kürung „goldener Blogger“ hat Thomas Knüwer bedauert, dass der politische Sektor „unterbelichtet“ sei.

    Eigentlich wollte ich dazu mal was schreiben, politische Blogs aufzählen und Vermutungen anstellen, warum das so ist. Vielleicht komme ich noch mal dazu, vielleicht hast ja du Lust dazu? Ich schätze mal, es sind nicht unbedingt zu wenige, sondern es ist auch der Unwille der Juroren, Blogs zur Kenntnis zu nehmen, die nicht ihre Meinungen vertreten (etwa kämpferische Geschlechterblogs).

  19. Alles was Du in deinem Artikel schreibst und was hier in den Kommentaren erscheint beobachte ich schon lange in meinen Blogs. Was mich sehr oft erstaunt sind die Leser*innen, die nie Kommentare hinterlassen, von denen ich aber dann auf einmal eine E-Mail bekommen, dass sie regelmäßig bei mir lesen und Freude an meinem Geschreibsel haben. Da frage ich mich denn, wieso schreiben sie nicht in der Kommentarfunktion. Also es ist nicht so, dass ich mich nicht über die E-Mails freue, aber es ist ja nichts intimes, was in diesen Mails steht, könnte ja auch jeder lesen. Ich glaube viel hat es, abgesehen von den aufgebauten Sicherheitshürden, die es zu überwinden geht, damit, dass viele anonym bleiben wollen. Sie wollen unerkannt lesen.
    Komischerweise habe ich oft überlegt meinen Facebookaccount einzustampfen und wenn es ginge, nur eine Seite zu betrteiben, dann würde ich es auch tun, aber darüber nicht mehr zu bloggen … neee. Der Gedanke streifte höchstens mal kurz.

  20. Hallo Claudia, nein – letztlich verschwinden die Kommentare nicht. Nur nach dem Klicken auf „Absenden“ verschwindet der Kommentar erst einmal und man wundert sich. Manchmal musste ich dann Shift+F5 machen, damit mein Kommentar dann auch erschien. Vielleicht was mit Cache oder so.

    Hallo Gerhard – ich weiß, dass du immer gut und gern kommentiert hast. Du fehlst da! Was hält dich ab? Liest du gar nicht mehr bei Geist und Gegenwart oder liest du noch, kommentierst nicht mehr? Either way… kein Urteil dazu meinerseits, interessiert mich nur.

  21. […] weiß ich nicht wirklich, ob sie mit ihren Blogs glücklich sind. Aus der Zahl der (rückläufigen) Kommentare allein lassen sich diesbezüglich keine Rückschlüsse ziehen. Ich weiß, dass es LeserInnen gibt, […]

  22. @Gilbert: Meine Kommentare bekamen keine Antwort mehr.
    Immerhin lese ich die (längeren) Texte und denke mir meinen Teil und antworte dann, nach Möglichkeit sinnvoll.
    Das war der Grund, wieso ich mich zurückzog.

  23. @Gerhard: sorry, auch ich finde nicht immer Zeit, auf alle Kommentare zu antworten. Manche Kommentare sind auch so, dass es dazu eigentlich nichts weiter zu sagen gibt, bzw. allerhöchstens: „danke für deinen Kommentar“ – aber ich setze eigentlich voraus, dass reines Ritual hier nicht gefordert ist. Dass zumindest Stammleser wissen, dass ich mich über Kommentare immer freue – über alle, die keine Trollkommentare oder Hetze sind, klar. Aber das kommt hier sowieso höchst selten vor…

  24. @Claudia, niemand muß auf jeden Kommentar antworten, claro. Auch ist kein „Ritual“ nötig.
    Doch wenn ich mir angesichts einer Unzahl Blogs, auf denen ich kommentiere, WIRKLICH die Zeit nehme, einen umfangreichen Text a) zu lesen b) mir Gedanken zu machen und c) einen hoffentlich sinnvollen Kommentar zu schreiben, dann bitte ich wenigstens um ein Kennzeichen, daß mein Text gelesen wurde. (Daß Du die Kommentare auf deine Einträge liest, ist mir eigentlich klar).
    Es gibt ja auch Leute, die schreiben: „Im Grunde veröffentliche ich meine Texte nur für mich selbst“.

  25. Bei mir ist nie viel kommentiert worden. Aber ich schliesse mich den Rückmeldungen hier zu den stillen Lesern an: Ich mache immer wieder die überraschende Entdeckung, dass es viel mehr Menschen gibt, die mich lesen UND „kennen“ – weil ich plötzlich mal im Alltag auf mein Bloggen angesprochen werde. Das berührt dann doppelt.
    Und auch nicht falsch: Zuerst schreibt man immer auch für sich selber. Das kann man als Blogger getrost feststellen – im Gegensatz zum Journalisten.

    Unser Schreiben ist nicht deswegen unbedeutend, weil es nur stille Resonanzen erzeugt. Die gibt es bestimmt immer. Und auch das immer und zuerst bei den Schreibenden selber. Schreiben schärft die eigenen Gedanken, lässt einen mit sich selber in Dialog treten. Damit sitzt der erste Gewinner vor den Tasten.

  26. @Thinkabout: „Zuerst schreibt man immer auch für sich selber“.
    Ja sicherlich. Das differiert in seiner Bedeutung aber von dem Satz „Ich schreibe für mich selbst“. Wenn dem also dermassen ist, also wenn jemand einen Zettelkasten für sich selber anlegt, ein Memory, eine Schreibübung, ein gedankliches Feilen, dann kann man das auch in einer Klade erledigen.

  27. @Gerhard – Es kann Dir doch egal sein, ob ich dafür eine Kladde verwende oder ein Blog? Jeder Leser ist eingeladen, die Kladde zu öffnen und zu stöbern, oder eben auch nicht. Wir sollten alle glücklich sein, dass wir als Schreibende die gleiche Freiheit haben wie die Leser: Uns treibt keine Redaktion, kein Verlag an, keine Wirtschaftlichkeitsberechnung droht mit Schliessung.
    Und wenn wir beklagen, dass wir weniger Leser, oder weniger Kommentierende haben, so hilft umgekehrt vielleicht der Gedanke, welch inhaltlich und menschlich reiche Bekanntschaften, ja Freundschaften aus dem eigenen Bloggen entstanden sind?
    Ganz ehrlich: Das für mich Schönste nach mehr als 14 Jahren bloggen sind die Menschen, die ich kennen gelernt habe. Daraus sind Freundschaften entstanden. Ja, dafür muss man sich einbringen, menschlich greifbar werden – aber Kommentare sind nur ein Mittel dafür. Tatsächlich ist es auch und gerade bei mir so, dass ich mehr Rückmeldung per Mail erhalte – es gibt nun mal immer noch Menschen, welche die ganze Öffentlichkeit nicht brauchen, sie eher befremdend finden, auch wenn ich selber mir wünsche, die schönen Gedanken würde dann nicht nur ich lesen.

    Damit die obigen Worte nicht so abgeklärt wirken, wie sie gar nicht sein wollen, noch dies: Menschen und BloggerInnen wie Claudia haben mir geholfen, dabei zu bleiben. Sie haben den Kontakt zu mir nie abgebrochen, auch wenn ich Schreibpause hatte. Claudia gehört zu den Menschen im Netz, welche kontrovers mit sehr vielen Gesprächspartnern unterschiedlichster Meinung diskutieren können und dabei stets Respekt wahren. Das Engagement für unsere Welt und die Lebensqualität und Lebenskunst ist immer und überall spürbar. Und aus Stille hat sie nie einen Vorwurf gemacht, sondern allenfalls Ihr Bedauern geäussert. Darum ist es sehr passend, dass Du, Claudia, diese Frage auch aufgeworfen hast, und darum sollst Du wissen, was Du mit Deiner Präsenz im Netz auch auslöst und welche Energien das bei Mitlesern und Bloggern freisetzt.

  28. @Thinkabout: wie schön, dass du hier mal wieder kommentierst – und gleich so lang und wertschätzend! Bin ganz gerührt und weiß gar nicht, was sagen…. außer danke, danke, danke!!!

  29. @Claudia – Das war mal höchste Zeit. Und entsprechend gern ist es geschehen.

  30. Einsamkeit ist kein Phänomen mehr, inzwischen gilt sie als Diagnose einer neuen Volkskrankheit. Im Zeitalter der Massenkommunikation erscheint dies als anachronistisch. Bedenkt man jedoch, dass Aufmerksamkeit zur Ware geworden ist – wie der börsengetriebene Neo-Liberalismus ja alles zur Ware degradiert, alles käuflich zu machen sucht -, wird klar, dass sie ihre empathischen Anteile verloren hat. Aufmerksamkeit ist ihres sozialen Charakters beraubt und führt diesbezüglich nur noch ein marginalisiertes Dasein. (Siehe dazu hier )

    Dementsprechend hat sich die »Kommentarkultur« verändert. Nicht Qualität ist mehr das auszeichnende Kriterium, sondern Quantität. Es gilt, in einer gegebenen Zeiteinheit möglichst viele Nutzer auf sich aufmerksam zu machen. Diesem Paradigmenwechsel entsprechen auch die Geräte, mit denen er realisiert wird. Das 5-Zoll-Gefängnis eines Smartphone-Displays lässt weder das Verfassen noch das Lesen langer Texte zu. Es ist dafür schlicht nicht gemacht. Was aber nicht geübt wird, wird nicht mehr gekonnt und geht verloren.

    Der Blog ist die freieste Form der schriftlichen Kommunikation. Freiheit setzt Eigenverantwortung, Kompetenz, Initiative und Gestaltungswillen bzw. -fähigkeit voraus. Demgegenüber geben die sozialen Netzwerke einen Rahmen vor, der unserem Handeln und damit unserem Denken Grenzen setzt. Diese Grenzen werden entweder staatlicherseits definiert oder durch »Ethikabteilungen« der Netzwerkbetreiber, deren Entscheidungskriterien selten wirklich offengelegt werden. Die Gleichsetzung von sozialer Interaktion und sozialem Netzwerk bewirkt einen Trugschluss: Praktizierte Meinungsfreiheit und soziale Netzwerke haben nur bedingt etwas gemeinsam. Der Klick auf den Like-Button hat nichts mit freier Meinungsäußerung oder gar mit Reflexion zu tun. Zumal es eben auch keinen Dislike-Button gibt. Wo »positives Denken« zur Doktrin wird, herrscht keine Freiheit. All dies sind in ihrer Gesamtheit eine freie Kommentarkultur begrenzende Faktoren.

    (Siehe dazu auch

  31. […] diesem Gedicht von Angelika Wende leitet Claudia Klinger auf ihrem Blog »Digital Diary« einen Beitrag zur Kommentarkultur im Internet, insbesondere bei Blogs […]

  32. Hallo KT, hab Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Dein Lob des Bloggens gefällt mir natürlich sehr! :-) Deinen Analysen stimme ich zu, doch bleibt ja zum Glück immer eine Restmenge von Widerständigen, die sich nicht vollständig im schnellen KlickiBunti auflösen wollen – es gar nicht könnten, denn dazu müssten die Ansprüche erst ein ganzes Stück gesenkt werden.

    Einsamkeit scheint ein wachsendes Thema der Zeit zu sein. Morgen eine Doku in 3SAT und danach Scobel zum Thema. Wenn ich dazu komme, schau ich da rein.
    Persönlich fühle ich mich nicht einsam, obwohl ich die meiste Zeit alleine bin. Das liegt nur zum Teil an meinen Möglichkeiten, mich online an irgend etwas zu beteiligen und auch „digitale Beziehungen“ mit Menschen zu leben – sondern ganz klassisch an meinen Nahbeziehungen zu meinem Liebsten (mit dem ich nicht wohne, aber gärtnere) und zwei lieben alten Freunden. Kein großer „Puffer“ also zwischen mir und echter Einsamkeit.

    Mich wundert, dass nicht mehr Plattform-gestützte Aktivitäten gegen Einsamkeit gestartet werden. Allein mit dem Angebot, Nachbarschaften zu vernetzen (nebenan.de) scheint es nicht getan zu sein. Und die vielen Plattformen, die sich der Beziehungs- und Erotik-Anbahnung verschrieben haben, sind ja nun auch nur ein relativ schmalspuriges Mittel für sehr spezifische Interessen. Klassische Zweierbeziehungen scheinen heute sowieso eher Teil des Problems als der Lösung in Sachen Einsamkeit zu sein, sonst würde es nicht so viele Sendungen geben, die sich mit der wachsenden Ablehnung solcher Beziehungen befassen.
    Und sowieso: ein einziger Mitmensch reicht im Grunde nicht, denn was ist, wenn der weg ist?

    Das Thema hat viele Facetten und wird uns noch länger begleiten, denke ich.
    Und jetzt folge ich mal deinem Link…

  33. @KT Brandstetter – Danke für Deine Gedanken und die Analyse heutiger Online-Kommunikationsplattformen. Meiner Meinung nach ist die Bezeichnung „Social Media“ und vor allem die deutsche Bezeichnung „soziale Medien“ das Idiom einer grossen Selbstlüge, der sich so Viele hingeben. Würde man die Interaktionen auf den „sozialen Medien“ darauf untersuchen, wie viel davon wirklich einem Dialog gewidmet ist, wäre das Ergebnis extrem ernüchternd.
    Es bleibt in jeder Art (durchaus auch im Sinn von Kunst hier zu lesen) von Kommunikation immer unsere eigene „Verantwortung“, ob wir wirklich Austausch wollen – und damit auch Einlassung.
    Und @Claudias Gedanken in der Antwort an Dich machen mich auch nachdenklich. Tatsächlich gibt es wohl gar nicht genügend mögliche „Beziehungen“, welche Einsamkeit verhindern können, wenn sie tief in uns selbst gefühlt wird. Und es ist gut möglich, dass gerade die virtuellen Portale dies auf besonders umrührende Weise offenlegen können.

  34. Ja, in der Tat, Einsamkeit ist nicht darüber zu definieren, ob man in einer Partnerschaft lebt oder nicht. In einem meiner Liedtexte aus dem Jahr 2007 habe ich formuliert: »(…) nach langer Einsamkeit zu zweit (…)«. Es ist autobiografisch und meint meine im Jahr davor zerbrochene, langjährige Ehe. (Wer’s anhören will – hier.) Nach der Trennung war ich tatsächlich weniger einsam, weil ich frei war, mich anderen Menschen zuwenden zu können.

  35. Ich befürchte die Ursache der mangelnden Resonanz in den liegt an der erfolgreichen Kaperung des Netzes durch die rechte Szene. Irgendwann habe ich einfach keine Lust mehr etwas zu sagen. Große Verbreitung hat es nie gehabt (in diesem Hinterhof). Aber ich habe mir Wunder was davon erwartet. Ich selber bin dann mehr in die Fotografie abgerutscht als ob ich nichts zu sagen hätte. Wenn ich aber beobachte das manche Freunde plötzlich AFD-nah werden was soll ich dann noch sagen? Ich dachte wir könnten die Welt ändern und die Welt hat sich geändert doch ganz anders als erwartet. Einsam bin ich trotzdem nicht denn es gibt noch viele liebe Freunde wie Thinkabout oder Claudia.

  36. Hallo Ottmar,
    schön, dich mal wieder zu lesen!
    Den rechten Krakelern ist es zu verdanken, dass viele nicht mehr in bestimmten Medien schreiben wollen („Spirale des Schweigens“), aber in Blogs, wo derlei eigentlich nie vorgekommen ist, kann das keine Erklärung für Kommentarabstinenz sein.
    „Wenn ich aber beobachte das manche Freunde plötzlich AFD-nah werden was soll ich dann noch sagen?“
    Das passiert ja fast nie so allgemein, sondern immer sind es bestimmte Themen, die man dann erschreckt als „AFD-nah“ wahrnimmt. Und mit diesen Themen kann man sich ja durchaus auseinander setzen – und wenn Nerver kommentieren, auch mal zeitweise schlißen.
    Aber natürlich macht das keinen so großen Spass mehr wie das Netz Mitte der 90ger, als noch alle nett zueinander waren…

  37. […] weiß ich nicht wirklich, ob sie mit ihren Blogs glücklich sind. Aus der Zahl der (rückläufigen) Kommentare allein lassen sich diesbezüglich keine Rückschlüsse ziehen. Ich weiß, dass es LeserInnen […]

Was sagst Du dazu?

*) Wenn du keine Mailadresse angeben willst, lass das Feld frei. Es wäre aber nett, eine anzugeben, weil ich gelegentlich auch mal nicht öffentlich antworte. IP-Adressen werden nicht gespeichert. Was mit Daten auf diesem Blog passiert, erfährst du in der Datenschutzerklärung.