Claudia am 25. März 2017 — 14 Kommentare

Fotos: alle so schrecklich schön

Seit langem mal wieder interessiere ich mich dafür, vom „Knipsen“ mit der Automatik meiner DigiCam wegzukommen. Mehr Einfluss auf die Bilder nehmen, nicht mehr nur hinterher aus den – meist gar nicht so schlechten – Automatik-JPGs das Beste machen. Das hätte doch was!

Aktuell lese ich Infos über das RAW-Format und sichte in diesem Kontext diverse Bildergalierien engagierter Hobby-Fotografen, die ihr Wissen mit der Welt teilen. Durchweg sehe ich WAHNSINNIG SCHÖNE Bilder! Wie immer, wenn ich mal in die Welt der Foto-Hobbyisten eintauche. Da stimmt wirklich alles, Blickwinkel, Kontrast, Durchzeichnung, Lichtverteilung, Farbstimmung und vieles mehr. Oft ist das Foto künstlerisch aufgepeppt, aber was bedeutet so ein Wort denn heute in der Welt der (heute digitalen) Fotografie? Egal, unzählige – dank Google leicht auffindbare – Fotos in den Weiten des Webs sind weit besser als die, die ich derzeit mittels Automatik und Standard-Bearbeitung zustande bringe.

Extrem perfekt, wunderschön – gerade DAS demotiviert mich. Warum eine Lernkurve ableisten, um im besten Fall dann weitere genauso schöne und perfekte Fotos dazu zu stellen? Zu allen Orten und Gegenständen, die ich bisher ablichtete, existieren gefühlte Zigtausende im Netz! Ich sag nur: neulich der Ätna -und zum Vergleich in der Google-Bildersuche.

Schöne Bilder, überall schöne Bilder – ich bin ja selbst genauso drauf, bemühe mich (statt beim Fotografieren) eben per Software, aus dem Bild etwas „Schönes“ bzw. irgendwie Ästhetisiertes zu machen. Kann oder sollte mensch das lassen? Weil das Schöne / Geschönte doch irgendwann furchtbar langweilt?

Ich weiß es nicht, teile nur grade meine Gedanken….

Diskussion

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14 Kommentare zu „Fotos: alle so schrecklich schön“.

  1. liebe claudia,

    ähnliches denke ich auch oft, wenn ich ein motiv nicht ablichte, weil ich denke, das gab es doch schon 1000x und viel schöner… aber müssen es denn auch postkartenfotos sein? viel wichtiger ist doch DEIN blick, deine ganz individuelle sicht der dinge. dann ist es vielleicht gar nicht das denkmal, sondern der kleine stein daneben oder auch eine seitentür. oder ein bewusst „hässliches“ bild. in dem moment, wo deine persönlichkeit, dein individueller blickwinkel erkennbar wird, wird es dein foto, deine handschrift. und das hat nichts mit technischer perfektion zu tun – die langweilt mich mittlerweile auch.

    lass uns deinen blick auf die welt sehen. (ich mag deine gartenfotos z. b.) :-)

    lg
    limone

  2. @Limone: Schön, dass du mal wieder „vorbei schaust“!
    Ja, stimmt – ich sollte mich von der (nicht nur bei Postkartenmotiven) verbreiteten Perfektion nicht demotivieren lassen! Vielleicht erstmal nicht schauen, wie toll es Andere können, sondern lieber lernen und experimentieren!

  3. genau so. :-)

  4. Da hilft nur üben, üben, und nochmals üben. Mit dem RAW-Format bist du ja schon auf einem guten Weg (bei der Bearbeitung lässt sich doch einiges mehr herausholen). Vielleicht noch als Tipp: immer mal wieder den gleichen Ort fotografieren (sozusagen dein eigener Hot Spot) da lassen sich dann die Sichtweisen auf die einzelnen Motive besser überprüfen.

  5. ich stecke ewig viel Zeit ins Fotografieren und verwendet RAW mit ganz viel Marmeladisieren. Muss man aber nicht. Die Knipsen von heute sind so genial etwas schauen und du hast die tollsten Bilder. RAW ist nur wenn du dich wirklich in die Bildverarbeitung stürzen möchtest. Ich mach das immer wieder und deswegen gleich wieder eine neue Festplatte gekauft,:3TB (4T waren bestellt wurde aber falsch geliefert. Nach dem Geräusch der alten Platte aber ich mich zum Einbau entschlossen.) Wer will schöne Bilder, die sind doch langweilig. Ich will eigene Bilder, das bin ich warum auch nicht. Mit der Einstellung fliege ich aus allen Fotogruppen oder verstreite mich ohne Ende. Am meisten haben mich die Bilder auf der Dokumenta oder ähnlichen Ausstellungen beeindruckt – doch die sind nicht schön.

  6. Durch Bildbearbeitung lässt sich ein mittelmäßiges Foto nicht verbessern. Es ist wie überall: Das Werkzeug (Kamera, Piano, Meißel, …) benötigt jemanden, der es beherrscht. Die Fotografin (der Fotograf) sieht die Technik nur als Hilfsmittel, die eigene Kreativität zum Vorschein zu bringen. Die Technik spielt maximal zu 10 bis 20 % eine Rolle bei gelungenen Aufnahmen. Die restlichen 80 bis 90 % kommen aus der Erfahrung und Arbeitsweise des Fotografen.

    Ich will das kurz verdeutlichen anhand des Ätna-Bilds verglichen mit zwei Bildern aus der verlinkten Bildersuche:

    Beispiel 1: Die Fotografin (der Fotograf) hat zwei wesentliche Faktoren für gelungene Bilder beachtet: Einen guten Standort und den richtigen Zeitpunkt. Da steckte eine Menge Arbeit dahinter. Mit der Einstellung „nebenbei im Urlaub“ wird man mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit ein gutes Foto zustande bringen. Der Standort ist so gewählt, dass nichts Störendes im Vordergrund ist wie im Ausgangsbild die Bäume links unten. Außerdem ist von dort die Komposition interessanter. Zum Zeitpunkt ist wohl nicht viel zu sagen: Die Feuer-Fontäne, die den Dampf zum Leuchten bringt, ist interessanter als der Rauch bei Tageslicht im Ausgangsbild, wo dieser auch tiefer stehende Wolken sein könnten. Ich sehe im zweiten Bild sofort, was vor sich geht, ohne dass Erklärungen erforderlich sind. Der nächste Vorteil des Zeitpunkts ist die Dunkelheit, die das Feuer zum Leuchten bringt. Das ist kein Zufall, die Fotografin weiß das alles vorher genau und ist bemüht, das beste Resultat zu erzielen und alle erforderlichen Unannehmlichkeiten und Kosten auf sich zu nehmen.

    Beispiel 2: Auch hier sind beide angesprochenen Aspekte zu erkennen: Der Standort bezieht einen wesentlich interessanteren Vordergrund mit ein und zur Aufnahmezeit leuchteten die Blüten im Vordergrund, wobei der blaue Himmel mit den weißen Wolken einen interessanten Farbkontrast ergeben.

    Sind die beiden essentiellen Faktoren wohl überlegt – Standort und Zeitpunkt – sowie mehrere weitere, lohnt es sich, die Bilder nachzubearbeiten. Das RAW-Format ist hier vorzuziehen bis auf wenige Ausnahmen. Die Einarbeitung in einen RAW-Konverter wie beispielsweise Adobe Photoshop Lightroom benötigt etliche Zeit, bis man gute Ergebnisse erzielt. Bei so viel Einsatz, den gute Bilder erfordern, würde ich kein Smartphone nutzen, denn dessen Sensor ist viel zu klein, was bei wenig Licht ein hohes Bildrauschen verursacht und eine häufig zu große Schärfentiefe nach sich zieht.

    Es gibt Kamera-Apps, die zusätzlich zum RAW-Format auch JPEGs erzeugen. Damit hat man bis auf den mehrfach erhöhten Speicherplatz beide Vorteile vereint (JPEG: „Out of the box“ akzeptable Ergebnisse, RAW: Belichtungsreserven und Kontrolle bei der Konvertierung in RGB-Bilder).

    Willst du deine Bilder verbessern, ist die Frage nach der Fototechnik nachrangig – sie will auf jeden Fall beherrscht sein, sodass man nicht mehr darüber nachdenken muss. Frage dich vielmehr, wie gute Fotografen arbeiten und übernehme deren Arbeitsweise.

  7. Ich sammle gerade Aufnahmen von verrotteten Gegenständen – das hat eine eigene Ästhetik. Ansonsten sollte man nicht Sujets fotografieren, die schon regelrecht totfotografiert wurden. Was hätte das für einen Sinn?

  8. Danke Euch!

    @Otmar: Was ist „Marmeladisieren?

    „Wer will schöne Bilder, die sind doch langweilig. Ich will eigene Bilder, das bin ich warum auch nicht. Mit der Einstellung fliege ich aus allen Fotogruppen oder verstreite mich ohne Ende.“

    Interessant! Hast du irgendwo Beispiele? Und wieso „fliegst du aus den Gruppen“? Können die nicht verschiedene Einstellungen zum eigenen Tun tolerieren? Dass kritisiert wird, halte ich für normal, aber jemanden raus werfen, der nicht „schön genug“ fotografiert? Gibts das wirklich oder war der Spruch mehr eine Metapher?

    @Elmar: meine ersten Erfahrungen mit der DigiCam Mitte der 90ger haben mich geradezu euphorisiert im Blick auf die Möglichkeiten der Nachbearbeitung und speziell Verfremdung. Bei Gelegenheit eines Netzaktivisten-Treffs in der Schweiz hatte ich nicht mal eigene Fotos gemacht, mir aber welche von Anderen besorgt und mit den Möglichkeiten gespielt. (Steht noch im Archiv, zeitbedingt waren es relativ kleine Formate, die Navi/Website ist auch 90ger: optimiert fpr 800 x 600…:-)). Einige davon gefallen mir noch heute sehr gut, auch wenn sie alle nicht das sind, was engagierte Fotografen als „gute Fotos“ bezeichnen würden!
    Das Ätna-Bild war halt ein „Abschiedsfoto“ am Flughafen – mir war durchaus klar, dass das nix Dolles wird! Diente hier nur als Beispiel für „tot fotografierte Sujets“ – wobei mir in der Stimmung, in der ich da war, eigentlich alle Motive als irgendwie „totfotografiert“ vorkamen.

    Über das RAW-Format
    lese ich gerade nach – interessant! Meine grade gebraucht gekaufte kleine Kompakte (mit einem guten Leica-Objektiv) kann das, auch das gleichzeitige Abspeichern RAW + JPG. Mir ist beim Lesen aber auch klar geworden, dass das ein Format für die Ausnahme ist, das geplante Bild, das richtig toll werden soll – weniger für den Alltag. Denn nicht nur der Speicherplatz in der Cam/auf der Karte ist damit schnell voll, auch das Abspeichern auf Festplatte und das Bearbeiten mit Photoshop (der zumindest das RAW-Format einiger Bilder, die mir beruflich zur Bearbeitung unterkamen, problemlos lesen konnte) fordert das Equipment deutlich mehr. Würde ich damit meine Alltags- und Urlaubsbilder machen, bräuchte ich alsbald mehr / andere Hardware. Aber wer weiß, vielleicht begeistert es mich ja so, dass ich Lust drauf bekomme – mangels fortgeschrittener Fotografierkompetenzen hat mir „Entwickeln per Bildbearbeitung“ ja immer schon Spass gemacht.

    @Gerhard: kann man die Bilder irgendwo sehen?

  9. Ein RAW-Konverter ist nicht dafür gedacht, Bilder zu verfremden wie in den Beispielsaufnahmen. Seine vorrangige Aufgabe ist, aus den Sensor-Rohdaten ein RGB-Bild zu erzeugen. Die Sensordaten sind nur helle und dunkle Pixel. Eine homogen gleichfarbige gleichmäßig helle Fläche ist im RAW-Format ein Schachbrettmuster aus hellen und dunklen grauen Pixeln, hervorgerufen durch die roten, grünen und blauen Farbfilter vor jedem Pixel (vor jedem Pixel entweder Rot, Grün oder Blau). Ein Algorithmus erzeugt daraus eine farbige Fläche im RGB-Format (Ausnahme: Foveon-Sensoren). Während die JPEGs bereits diesen Prozess durchlaufen haben, lässt sich mit dem RAW-Konverter insbesondere der Weißabgleich, Kontrast (Gammakurve) und die Farbwiedergabe nachträglich genau definieren. Aus dem gleichen RAW-Bild lässt sich dann ein JPEG (TIFF) mit satten Farben und eines mit „normaler“ Farbwiedergabe erstellen oder eines bei dem bestimmte Farben geringfügig anders – nach Geschmack gefälliger – ausfallen. Weitere wichtige Aufgaben sind Schärfung und Rauschminderung. Aus dem gleichen Bild lassen sich so Varianten erstellen, beispielsweise mit kräftigen oder blassen Farben oder in Schwarzweiß. Helle Flächen, die in den JPEGs nur noch weiß ohne Details erscheinen, lassen sich im RAW-Konverter oft noch „restaurieren“. Geraderichten von schiefen Horizonten, umkippenden Gebäuden, das Bildformat (Zuschnitt, auch zu Quadratisch oder anderen Seitenverhältnissen) und Korrekturen von Objektivfehlern wie Farbsäumen an den Kanten gehören zu den weiteren „Essentials“ eines RAW-Konverters.

    Sind diese Grundaufgaben erledigt, lassen moderne RAW-Konverter das Bild den Vorstellungen des Fotografen entsprechend anpassen, beispielsweise einen blauen Himmel dunkler erscheinen, Bereiche im Schatten heller und bis zu einem gewissen Maße Korrekturen wie Störendes beseitigen, beispielsweise einen Papierfetzen vor einem antiken Gebäude oder Pickel im Gesicht.

    Für mich reicht ein RAW-Konverter fast immer aus. Selten geht ein Bild weiter an die Bildbearbeitung. Bei anderen Fotografen sieht das anders aus: Anschließend wird das Bild noch in einer Bildbearbeitung mehr oder weniger stark modifiziert und/oder mit anderen Bildern zu einem neuen Bild kombiniert. Hier hat der RAW-Konverter seine Grenzen, auch wenn diese Programme immer mehr Zusatzfeatures erhalten wie HDR-Erstellung aus mehreren unterschiedlich belichteten Bildern und Zusammenfügen von Bildern zu einem Panorama.

  10. Danke für deine Erläuterungen. Nach allem, was du schreibst und auch nach dem, was ich gelesen habe, sind die „RAW-Converter“ eine Art Photoshop light – denn diese Funktionen, die du beschreibst, hat Photoshop ja auch. Jedenfalls konnte ich die RAW-Bilder, die mir mal zufällig untergekommen waren, problemlos bearbeiten. Und extrem „roh“ haben sie auch nicht ausgesehen…
    Aber ich werde ja sehen, wenn ich anfange, damit bewusst zu experimentieren!

  11. Photoshop kann nur RGB- oder CMYK-Bilder bearbeiten. Bei RAW-Bildern öffnet es Camera Raw. Das ist ein RAW-Konverter, der bei Photoshop mitgeliefert wird. Erst nachdem Camera Raw ein RGB-Bild erzeugt hat, kann Photoshop es bearbeiten.

  12. @Elmar: also brauche ich keinen zusätzlichen RAW-Converter?

  13. So lange die Photoshop-Version ausreichend aktuell ist (neu gibt es diese nur noch via Abo) , dass das enthaltene Camera Raw das RAW-Format der Kamera kennt, ist kein extra RAW-Konverter erforderlich. Wobei RAW-Konverter wie Lightroom (hat die selbe „Engine“ wie Camera Raw) den „Workflow“ schon erleichtern.

  14. „kann man die Bilder irgendwo sehen?“
    @Claudia: Sind gerade online :-)

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