Claudia am 17. August 2015 — 10 Kommentare

Flucht: Zum Beispiel Syrien

Es gibt Texte, die ich einfach festhalten will. Einen solchen fand ich auf „Erase and Rewind“ und darf ihn mit Erlaubnis der Bloggerin Zoë hier abbilden. Er wurde von jemandem geschrieben, der die üblichen Anwürfe gegen Flüchtlinge nicht unbeantwortet lassen wollte. All diese herzlosen Tiraden voller Neid und Missgunst, die den Flüchtlingen unterstellen, sie kämen nur her, um sich zu bereichern („die haben ja sogar alle Handys!“), gierige Wirtschaftsflüchtlinge allesamt.

Zoë schreibt in ihrem Vorwort:

„Ich deute an, dass der Verfasser aus biografischen Gründen sehr genau weiß, worüber er schreibt, wenn er über die Verhältisse in Syrien berichtet. Wenn er soweit ist, sich öffentlich in die Diskussion zu stürzen, wird er sicherlich etwas dazu sagen. Aber es geht gar nicht darum, wie er persönlich involviert ist. Und es geht gar nicht nur um Syrien. Ich möchte, wenn ich diesen Text nun einstelle, betonen, dass die beschriebenen Verhältnisse in Syrien nur exemplarisch sind. Ähnlich oder anders furchtbar sieht es in den anderen Ländern aus, aus denen Flüchtlinge kommen.“

Entstanden ist der Text auf Facebook – und hier ist er nun:

Flucht

Sehr geehrter Herr XXX:

Leider kenne ich Sie nicht persönlich, so dass ich mich befleißigt sehen muß, ihre Fragen hinsichtlich der Flüchtlingssituation hier per Facebook ein wenig zu erhellen, sofern dies möglich sei. Dieses Medium ist mehr ein Dialog, als Textform, allerdings mit dem Nach- bzw. Vorteil behaftet, je nach dem, dass das Gesagte nicht schon am nächsten Tag verblasst, sondern stehen und nachlesbar bleibt. Also gut:

1 – Der Status Quo, der casus bellum

In sämtlichen vom IS besetzten Regionen, ob im Irak, in Syrien, Libyen etc. ist die Situation so entsetzlich grausam, dass die wenigen Überlebenden, welche ihre Angehörigen verloren, einfach a) zu sehr mit dem eigenen Überleben beschäftigt sind und b) so abgestumpft und c) so hoffnungslos, dass die wirklichen Wehklagen gar keinen Einzug in unsere Medien finden. Wer allerdings vom tatsächlichen Wirkungsgrad der Abschlachtungsorgien des IS nicht so wirklich überzeugt ist, kann über Beirut, Amman oder Antalya gerne in diese Regionen einreisen und sich ein Bild machen. Ein One Way Ticket ist dabei anzuraten, denn dass herkömmliche Mitteleuropäer im Bürgerkrieg verschleppt, ermordet oder als Kanonefutter eingesetzt werden, ist nicht auszuschließen. Den Rest erledigen mörderische 40 bis 50 Grad Hitze, massiver Wassermangel, Nahrungsmangel und Epidemien. Aber gehen wir davon aus, dass der normale Mitteleuropäer das überlebt, weil er noch selbst Armeedienst geleistet hat, über topographische, sprachliche und medizinische Kenntnisse verfügt: Das, was er / sie dort sieht, wird so wenig begreiflich und erklärbar sein, dass einem im wahrsten Sinne die Worte fehlen. Schweigen. Trauma. Unfallopfer auf deutschen Autobahnen, nicht zu reden von Mißbrauchsopfern sprechen teils bis zum Lebensende nicht vom erlebten Leid, trotz Traumatherapeuten, Ärzten, Psychologen etc. pp., welche Hilfe leisten.

2 – Das Thema WLAN, Smartphone etc.

Es ist richtig, dass nicht jeder in einer Kriegsregion sofort Zugang zu Elektrizität und technischem Zubehör hat. Aber viele eben doch. Dort, wo Militär ist, ist immer auch Strom. Liegt in der Natur der Sache. Es gibt einfach auch mehr Waffen als Brot. Liegt auch in der Natur des Krieges. Sprich, es ist tatsächlich einfacher, ein Smartphone aufzuladen, selbst an der Batterie eines ausgebrannten Jeeps, als Trinkwasser zu besorgen. (Das ist dann im ausgebrannte Jeep schnell weg.) Wo die WLANS herkommen? Aus der ersten Welt. Alleine vor den Küsten Togos, Somalias, Ghanas und Libyens liegt soviel angestrandeter, von mafiösen Mülltransportern aus Europa billig verklappter Elektroschrott, dass in der Tat jeder Einwohner ein Handy hat, aber eben keine Flasche Wasser. Das führte bereits zu Hilfsprogrammen der UNO und des UNHCR und der UNESCO, statt Geld in den Ausbau von Elektrizitätsnetzen eher in die Lieferung von Batterien, kleine Solaranlagen und Stromspeichern zu geben, weil weltweit mehr Menschen Zugang zu Internet und Smartphones haben als eben zu Frischwasser, Nahrungsquellen, Ackerböden oder Verkehrswegen, ob in Bolivien, Surinam, Uganda, Algerien, Syrien, Pakistan etc. pp. Kurz: Wir werden auf diesem Planeten irgendwann verhungern, aber davon gibt es dann wenigstens schöne letzte Aufnahmen. Paradox? Grotesk, aber so ist es leider. Ergo nutzen die Menschen Internet und Smartphone, um auf ihr Leid aufmerksam zu machen.

3 – Das Nachholen von Familienmitgliedern

Ist ungefähr so wenig ein natürliches Bedürfnis wie Atmen oder Essen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten auf waghalsiger Flucht Ihre Familienmitglieder zurücklassen: Wen würden Sie im Krieg lassen? Ihre Mutter? Den Sohn? Die Schwester? Dann doch eher die Cousine oder den Neffen? Wer kann überhaupt fliehen? Wer ist krank? Wer alt? Wer entscheidet, wer selektiert wird? (Das etwas negativ konnotierte Wort „selektieren“ passt in seinem immanenten Zynismus perfekt.) Kann ich jemandem in die Augen schauen und ihm sagen: Deine Tochter darf rein, aber dein Sohn bleibt da? Grausame Entscheidungen. Die werden gerade minütlich getroffen.

4 – Topographie, Geographie, Densität, Meteorologie und Demoskopie alleine Syriens seit 1988:

Aus zwei Gründen möchte ich neben vielen weiteren Staaten, die von Krieg und Wut zerstört sind, Syrien als Fallbeispiel heraus heben: Zum Einen, weil ich gerade von diesem Land etwas mehr Kenntnis besitze, zum Anderen, weil die Syrer gerade 2015 eine neue und gleichzeitig die größte Flüchtlingsmenge für Deutschland bedeuten.
Syrien ist als Staat ehemals so groß gewesen wie etwa das Gebiet der ehemaligen DDR plus Hessen. Flächenmäßig also kein Zwergstaat, aber auch keine Riesennation.
Im Unterschied zu Deutschland besteht das o. g. Gebiet aber zu 75% aus Wüste. Lediglich an der Mittelmeerküste, den Gebirgsregionen davor und dem Euphrattal existieren mehr oder weniger gute Trinkwasserquellen. Auf das Gebiet der ehemaligen DDR plus Hessen übertragen würde sich das etwa so lesen: Die Menschen siedeln an einem Streifen zwischen Wismar und Rügen. In Berlin. Im Thüringer Wald und an der Werra. Dazwischen Leere.

Die ehemalige DDR und Hessen hatten 1988 zusammen circa 19 Millionen Einwohner. Vielleicht Zwanzig. Im selben Jahr hatte Syrien 10 Millionen Einwohner. Mehr ging aufgrund der Klima- und Ackerlage nicht. In den syrischen Wüsten herrschen tagsüber monatelang im Sommer weit über 45 Grad. In Deutschland ächzen die Menschen, weil es heuer endlich mal einen normalen Sommer gibt – obwohl Wasser, Bars, Klimaanlagen, Schwimmbäder etc. doch relativ gehäuft vorkommen.

1990 drangen zunächst weitere Flüchtlinge aus den palästinensischen Krisenherden, Kurden und ab 1991 aufgrund des ersten Golfkriegs im Irak circa 1 Million (!) neue Flüchtlinge nach Syrien. Die syrische Verfassung weist per se keine Flüchtlinge zurück und half trotz eigener Versorgungsprobleme den Neuankömmlingen.
Mitte der neunziger Jahre flohen vor den ersten Terrorwellen in Algerien erst einige hunderttausend Algerier, dann aufgrund der Sanktionen gegen den Irak circa 1 Million Iraker nach Syrien.
Seit dem zweiten Irakkrieg durch die USA flohen im völlig verwüsteten Irak weitere 3 Millionen (!) Iraker nach Syrien.

Im Jahre 2008 gab es demnach in Syrien knapp 17 Millionen Einwohner. Das Land ist aber seither nicht gewachsen und die Wüste hat sich aufgrund klimatischer Veränderungen und dem Bau des Euphrat–Staudamms auf türkischer Seite, welche demnach die Wassermenge gezielt drosseln kann, nicht vergrünt, sondern ist noch gewachsen.
Etwa 11 Millionen Syrern standen dann 6 Millionen nichtsyrische Flüchtlinge auf einem Küstenstreifen von Wismar nach Rügen, dem Thüringer Wald und dem Werratal gegenüber. Die Reaktion Syriens: Häuser bauen, um die Immobilienpreise nicht noch weiter steigen zu lassen. Vereinfachte Integrationsverfahren für schnellere Staatsbürgerschaft, neue Stadtviertel bauen. Und: Der Strom an Flüchtlingen nach Europa wurde gestoppt, denn in Syrien fanden die Flüchtlinge Heimat, vielleicht mehr schlecht als recht, vielleicht in einer Diktatur, aber immer noch besser, als im kriegszerstörten Herkunftsland.

Zum Vergleich: Wir sprechen im wasserreichen Deutschland bei derzeit 80.000 Flüchtlingen in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern von „Engpässen“.
Nun, die Engpässe sind ein Thema, denn dass Syrien als Flüchtlinge aufnehmendes Land nun völlig zerstört ist, bedeutet, dass nicht nur die 11 Millionen Syrer eine neue Heimat finden müssen, sondern auch die schon geflohenen 6 Millionen „Altflüchtlinge“. Was das für Mensche bedeuten muß, die also schon seit teils 25 Jahren auf der Flucht sind, kann sich keiner ausmalen, der ähnliches nicht erlebt hat.

5 – Zum Thema Heimat verlassen und warum alle nach Europa wollen

Von „Wollen“ kann in der Regel keine Rede sein, sondern eher von „Müssen“:

Der Irak, Syrien, Algerien, Libyen und der Libanon hatten vor der Zerstörung durch den Krieg einst die bestausgebildeten Menschen in der orientalischen Welt, Ägypten mit eingerechnet: Namhafte Wissenschaftler, Ingenieure, Ärzte, IT-Experten und weitere Fachkräfte haben an den Universitäten Bagdads, Kairos, Damaskus, Algiers, Latakyas etc. pp. abgeschlossen, ausgebildet und ihr Wissen in die Welt getragen. Kooperationen mit europäischen, mit deutschen Universitäten entstanden. Die so erzeugten Netzwerke haben Handelsaufträge mit einem Volumen in dreistelliger Milliardenhöhe in den letzten 30 Jahren generiert, wovon gerade deutsche Industrie und Wissenschaft, Handel und Finanzbranche sehr profitiert haben. Alleine syrische Spitzenkräfte, die jahrzehntelang zwischen Deutschland und Syrien navigierten, haben in Deutschland bedeutende Werke oder Güter geschaffen, die kaum einer kennt und die doch so wichtig sind:

Die deutsche Neumayer III Forschungsstation in der Antarktis wurde von einem Deutsch-Syrer konzipiert und gebaut. Das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ war jahrelang mit einem technischen Leiter aus Syrien betraut. Mit Verlaub, ein Ingenieur aus einem Wüstenstaat hilft deutschen Wissenschaftlern, ein Forschungslabor in der Antarktis aufzubauen. Ein Hammer. Aber das nur am Rande. Ebenso bauten diese Forscher Messinstrumente in der Flugtechnik, die zur Bodenspektralanalyse beitragen, Sanierungen von alten Villen und Schlössern in der sächsischen Schweiz wie in Brandenburg durch deutsch-syrische Ingenieure, in der Herzkatheterforschung, aber auch in der IT für die Telekom und die Deutsche Bahn fanden und finden Sie Spuren von ehemals syrischen, heute deutschen Spitzenkräften, die mit ihrem Werk und Wirken nicht nur vielen Menschen hierzulande zu mehr Gesundheit, Sicherheit und Wohlstand, sondern auch zu Kulturwahrung und Nachhaltigkeit verhalfen. Und genau diese Menschen versuchen nun auch, anderen Syrern (so wie eben auch Libyer, Algerier, Iraker, Ägypter) zu helfen, zu informieren. Eben übers Internet. Wie sonst? Mit einer Schubkarre?
Doch das ist nur Schmuck am Nachthemd. Viel wichtiger ist bei der Frage, ob man die Heimat verlässt, folgende Tatsache:

Syrien, der Irak, Ägypten, Israel und Jordanien bilden zusammen mit dem Iran, Indien, Ostafrika und China die ältesten Kulturen der Menschheit auf diesem Planeten. Bleiben wir bei Syrien, als bereits eingeführtes Beispiel: Syrische Christen, Alawiten, Juden, Jesiden, Aramäer, Drusen etc. waren stolz auf ihre biblische Heimat, die auch in unseren Kirchen Einzug hält. Doch in der Bibel ist kein Wort von Magdeburg, Kiel oder Frankfurt. Aber von Petra, Jerusalem, Nazareth, Damaskus, Smyrna, Sidon, Hebron usw. Syrische Architekten halfen beim Bau der Pyramiden in Ägypten. Phönizische Seefahrer aus Syrien und dem Libanon, später Karthager kartographierten die alte Welt von Irland bis Indonesien schon 7 Jahrhunderte, bevor die ersten römischen Soldaten in Germanien eintrafen. Noch später kamen alleine aus Syrien 7 römische Kaiser. Die ersten Universitäten wurden hier gebaut und so weiter und so fort. Und im 20. Jahrhundert waren die Syrer stolz, eine für orientalische Verhältnisse recht moderne Gesellschaft aufzubauen, die laizistisch geprägt den Staat über die Religion stellte, freie Ausübung der Konfessionen aber auch Gleichstellung der Frau, unverschleiert und berufsfördernd, lebte und schützte. Die Erdverbundenheit der Syrer ist in der orientalischen Welt berühmt: Der einzige Grund, warum dieser kleine Landfetzen überhaupt noch Widerstand gegen den IS hält, ist, weil sich die Überlebenden tatsächlich eher in den Kampf gegen den IS werfen, als ihre Heimat zu verlassen. Keiner will irgendwo Bittsteller werden, jemandem auf der Tasche liegen, oder alles aufgeben. Und dort schon gar nicht. Nur: Nach vier Jahren Krieg sind die Menschen tot, krank, zermürbt, ausgebrannt, sie können nicht mehr. Die, die sich nicht apathisch oder alt oder krank vom IS enthaupten lassen, versuchen, nun doch zu fliehen. Warum? Weil die alte Heimat restlos und unwiederbringlich zerstört und verloren ist. So wie Ostpreußen 1945. Die Heimat ist weg. Die wenigen Soldaten ähnlich wie in Deutschland mittlerweile unter 19 oder über 45 Jahre alt. Aber klar, die gehen einfach mal so weg. Sicher.

6 – Warum nach Deutschland?

Nun, zunächst einmal wieder ein Blick auf die Landkarte: Der IS sickert massiv durch die Landesgrenzen mit der Türkei, dem Irak, Jordanien nach Syrien. Die weiteren Grenzen bildet Syrien mit Israel und Libanon. Einzig der Libanon ist, militärisch betrachtet, kein Feindesland. Und das Mittelmeer bleibt. Also geht die Flucht nach Westen, nicht nach Osten. Deutsche Flüchtlinge aus Masuren, Schlesien oder Preußen flüchteten auch nicht nach Moskau. Das dürfte doch verständlich sein.

Konkreter noch, warum Deutschland?

Zunächst sprechen aufgrund der o. g. Netzwerke und Verbindungen ohnehin viele Syrer Deutsch, Englisch oder Französisch. Aber Deutsch gilt und galt als Sprache der Wissenschaft, Technik und Bildung und Philosophie. Mit Deutschland verbindet Syrien Handel seit der Römerzeit, sogar davor. Handelswege führten seit Rom von Damaskus und Aleppo über die Adria, den Brenner und Prag bis nach Nürnberg, Dresden, Hamburg und Stralsund. Bernstein wurde bereits 1000 v. Chr. von Rügen über den Brenner nach Damaskus und von dort nach Ägypten transportiert. Wir sprechen hier also von 3000 Jahre alten Handelsbeziehungen. Wohlstand. Entwicklung. Aufgrund der alten Handelsbeziehungen werden die Syrer in der arabischen Welt auch „die Bayern“ genannt. Seit jeher blicken Syrer nach Deutschland, noch bevor es eigentlich ein Deutschland, wohl aber schon seit Jahrtausenden ein Syrien gab. Die Frage müsste also eher lauten: Wohin sonst, wenn nicht nach Deutschland? Nach Saudi-Arabien sicherlich nicht! Da wäre ein Kopfschuss einfacher! Die wenigsten Deutschen wissen, dass die Syrer sie seit jeher als Freunde betrachten. Wegen ihrer Kultur, Musik, Literatur.
Angesichts der aktuellen Antipathien, ja Aggressionen, die syrische Flüchtlinge hierzulande teils erfahren müssen, scheint dies nun, wo Syrien nicht mehr liefern kann, ja bitten muß, eine eher einseitige Freundschaft gewesen zu sein. Gut, dass die Mehrheit offenkundig anders denkt, auch ohne die historischen Dimensionen im Einzelnen zu kennen.

7 – Das Thema Facebook und Überwachungen

Glauben Sie mir, wenn Sie über die Straße laufen und ein Heckenschütze Ihrer Tochter in den Rücken schießt oder Ihre fußlahmen Eltern enthauptet, ist das, was Assad denkt, wenn Sie was auf Facebook posten, Ihr geringstes Problem.
In der Hoffnung, Ihre Fragen mit ein paar wenigen, in der Gänze ihrer Komplexität nicht ausreichenden Daten beantwortet zu haben, die mir etwas Schlaf und Zeit raubten, wünsche ich Ihnen alles Gute und verabschiede mich.

/Zitat________

Diskussion

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10 Kommentare zu „Flucht: Zum Beispiel Syrien“.

  1. Das, was er/sie dort sieht, wird so wenig begreiflich und erklärbar sein, dass einem im wahrsten Sinne die Worte fehlen.

    Es liegt in der Natur des Menschen vernünftig zu denken und unvernünftig zu handeln. Gilt das nicht insbesonders für Politiker, die doch eigentlich „führen“ sollten?

    Ergo nutzen die Menschen Internet und Smartphone, um auf ihr Leid aufmerksam zu machen.

    Mich würde es, wenn ich in der Lage wäre, in den Wahnsinn treiben, wenn ich keine Möglichkeit hätte, Kontakt mit meinen Angehörigen zu haben. Welchen Menschen nicht?

    Stellen Sie sich vor, Sie müssten auf waghalsiger Flucht Ihre Familienmitglieder zurücklassen: Wen würden Sie im Krieg lassen?

    Die Frage stellt sich in dem Moment nicht, wenn es um das eigene, nackte Leben geht. Das hat hat nichts mit „Feigheit“, oder damit zu tun, „für das eigene Land zu kämpfen“, wie in mehreren Beiträgen bei FB zu lesen ist, denn:
    1. sind die Menschen an Waffen ausgebildet?
    2. können diese vielleicht gar nicht mangels Kraft kämpfen?
    3. würde nicht der Gewalt weiter Vorschub geleistet werden?

    4 – Topographie, Geographie, Densität…

    waren es bisher nicht zumeist westliche Staaten, die aus verschiedensten Gründen, vorrangig der Reccourcen und Macht wegen, dort „ihre Interessen meinten durchsetzen zu müssen“? Und ist es nicht ein „lukrativer“ Waffenmarkt, auf den die Quittung nun sukzessive erfolgt?

    5 – Zum Thema Heimat verlassen… und 6 – Warum nach Deutschland?

    „Also geht die Flucht nach Westen, nicht nach Osten. Deutsche Flüchtlinge aus Masuren“ erklärt doch eigentlich alles, oder?
    Anders, hypothetetisch: ginge es in Deutschland so zu, wie derzeit in Syrien, würde sicher Deutsche nach Mazedonien des Wetters wegen abhauen, ganz sicher, oder…?

    […]was Assad denkt, wenn Sie was auf Facebook posten, Ihr geringstes Problem.

    Assad ist wie viele andere Despoten ein Schlächter – warum der Westen da wohl nicht eingreift?

    Hat nicht der Westen im allgemeinen dort (Naher Osten, etliche andere Staaten) ein Pulverfass gelegt, und Feuer an die Lunte gelegt?
    Wenn das so sein sollte, hat nicht dann auch der Westen die Verpflichtung, zumindest humanitär einzugreifen/zu helfen?
    Wenn Gelder für Waffen vorhanden sind, warum nicht in der Höhe, um Menschen zu helfen?

  2. Siehe dazu auch: Flüchtlinge: Der inszenierte Notstand von Marei Pelzer (in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 9/2015)

  3. Danke, Susanne – und sorry wg. der späten Reaktion! (Auf deinen letzten tollen langen Kommentar hatte ich ein längeres Re geschrieben, das mir dann leider ins Nirvana versackt ist…),
    Seit diesem letzten Eintrag hier – bzw. länger schon, denn der war ja auch Textübernahme statt was Eigenes – fühl ich mich unfähig, zu den krassen Ereignissen etwas zu schreiben. Bin regelrecht entsetzt über das, was abgeht. All dieser Hass… was ist nur mit den Leuten los? Mir fehlen einfach die Worte…

    Immerhin hab ich ein Twitter-Widget rechts eingebunden, damit man wenigstens was zum Lesen findet. Tweeten schaff‘ ich ja noch.

  4. Kein Problem, wir schreiben hier ja wohl alle nicht um die Wette!

    Jene Sprachlosigkeit (besser: Sprech-Müdigkeit) aber, die auch ich gerade selbst verspüre, ist vielleicht ein Stück stummes (oder stumm machendes) Nachdenken über die Frage, ob allzu wohlfeile Quasselbuden womöglich nicht nur dazu angetan sind, Energie freizusetzen, sondern sie zugleich binden – an einem eventuell falschen, so angenehm freizügig zugeteilten Ort.

    Mich zumindest überkommt beim Lesen im Internet seit einiger Zeit leider immer häufiger ein schwer zu verscheuchender Abscheu, der sich an den verschiedenen Hass-Tiraden dort entzündet und dummerweise auch auf verständigere Beiträge auszustrahlen scheint, und ich wünsche mir dann einen Zustand oder genauer einen Platz herbei, an dem ich gemächlich meine Finger mit Einband und Seiten spielen lassen kann, während meine Augen zwischen den Bildern und Buchstaben herum wanden und sich dann immer wieder auf einem weiten, soliden Horizont ausruhen können.

    M.a.W: ich genieße die Vorzüge des Profils ‚Lautlos‘ meines Telefons und gönne dem strapazierten Akku meines Laptops lange Erholungspausen, während ich weit, weit von allen hochfrequenten Funkwellen lieber auf langsam geschwungen Bodenwellen surfe und entspannt dem melodiösen Zwitschern von kleinen statt den aufgeregten tweets von schrägen Vögeln lausche.

    Aber Mitte Oktober werde ich bestimmt mal wieder nachschauen, was das dann sicherlich überkochende Netz denn nun zu Griechenland zu sagen hat, und im November forschen, welche Enthüllungen es über die Ukraine weiß, um im Dezember mich wieder der arabischen Revolution zu widmen, bis der Januar Neues über Palästina und Israel bringt, das im Februar von der nächsten geplatzen Blase des globalen Finanzmarktes abgelöst wird, die schon im März wieder von …

  5. …Hochwassern und Überschwemmungen abgelöst wird, Politiker/innen in Gummistiefeln hierzulande oder Reporter in Hubschraubern über Wasserlandschaften in Weitweitweg kreisend, den zu Rettenden auf den einzig noch sichtbaren Dächern vielleicht ermunternd zuwinkend…. ach, den Klimagipfel im November haben wir glatt verpasst!
    Globales Bewusstsein sagte das NewAge voraus: ein Quantensprung für die Menschheit – wie das jetzt gekommen ist, haben sie nicht vorher gesehen: von außen, nicht von innen.

  6. Jugend heute: Apokalypse als Utopie – grade gefunden:

  7. schön, euch zu lesen, wennauch eher selten…danke claudia, danke susanne!
    ihr schreibt alle viel weniger wie es scheint. der tummelplatz „digidiary“ ist anscheinend keiner mehr, es ruckelt und zuckelt.
    das video übrigens mit der untergangsfreude scheint mir kein neues phänomen zu sein.
    übrigens das mit den quasselbuden von susanne, das wirft mich auf mich zurück, der es zunehmend schwerer findet, überhaut etwas zu sagen, was nicht nur blosse befindlichkeit ist. ich kann wenig verallgemeinern, weiss zu wenig, hab keine daten zur hand, sodass ich lieber die klappe halte. anstatt irgendetwas zu behaupten oder zu vermuten, was vielleicht allgemeinplatz sein könnte, lasse ich es lieber.
    wenn susanne schreibt, sie blättert jetzt lieber in einem buch, als im netz zu surfen, kann ich vieles dahinter und damit vermuten, über sie und überhaupt. eines ist aber sicher: sie blättert ab jetzt häufiger in büchern als im netz. punkt.

  8. Ich denke, Gerhard, alles hat seine Zeit. Und wenn Susanne sich jetzt anderer Dinge widmen möchte als denen, die derzeit das Netz überschwemmen, dann gönne ich ihr das und freu `mich für sie. Und das meine ich aufrichtig und in keinster Weise sarkastisch. Ich wünschte, ich könnte es auch.

    Aber ich spüre das erste mal in meinem Leben Angst. Angst, die aus der gesellschaftlichen Stimmung hier erwächst. Den blog „Perlen aus Freital“ habe ich vor einigen Stunden zu lesen begonnen. Und ich finde die Idee großartig. Aber ich überlege und zögere, ob ich diesen blog auf meiner Seite als „Leseempfehlung“ einstellen kann, denn:

    obwohl ich hier in Leipzig in einem schönen und ruhigen Eckchen wohne, indem ich mich auch sehr wohl fühle, fällt mir in den letzten Jahren eine Grundagressivität auf, neben einem mir nicht kompatiblen Gedankengut, das ich bisher so nicht kannte.

    Und als Klarnamenblogger bin ich nahezu über einen „Klick“ im Internet gefunden. Und das, was ich „Perlen aus Freital“ zu lesen bekomme, macht mich unheimlich wütend, aber bisher noch nicht: mutig

  9. Ihr Lieben,

    “ ihr schreibt alle viel weniger wie es scheint. der tummelplatz „digidiary“ ist anscheinend keiner mehr, es ruckelt und zuckelt.“

    Es gibt immer mal solche Phasen. Manchmal schweigt man lieber, anstatt sich von den Ereignissen hinreissen zu lassen, den emotionalen Impulsen hinterher zu schreiben…

    Momentan empfinde ich es jedenfalls als sehr tröstlich und motiviertend, dass ich mich nur mal überwinden muss und einen kurzen Gruß posten – und schon melden sich meine Stammleser/innen! Das spricht doch keineswegs für den sanften Tod des Digital Diarys!!!

    Ja, die Angst als Klarnamenbloggerin, die Menachem anspricht, hat auch mich schon angewandelt… soweit ist es schon gekommen. Hätt‘ ich echt nicht gedacht.

    Bis bald!

  10. Jeden Abend dieselben Bilder, arme Menschheit und alles nur wegen Religions-fanatischer Männer (und vielleicht auch Frauen). Zeit, Religion endlich abzuschaffen….

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