Claudia am 31. März 2014 — 42 Kommentare

#selbstgeboren – Kommentar einer Kinderlosen

Das Buchprojekt „Selbstgeboren“ der Hebamme Anna Virnich, in dem sie mit vielen Erlebnisberichten für die „natürliche Geburt“ ohne irgendwelche Hilfsmittel oder gar Kaiserschnitt werben will, hat viele Mütter verärgert und verletzt. Kein Wunder, denn mittlerweile wird jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren, beim zweiten Kind sind es sogar bundesweit 70 Prozent. Zur Frage, wie viele Geburten ohne jede Hilfe wie künstlich eingeleitete Wehen, PDA, Kristellern, Dammschnitt oder Saugglocke stattfinden, fand ich erst gar keine Zahlen.

Der Anstieg der Kaiserschnitt-Geburten wird nun länger schon von vielen Seiten massiv kritisiert (Politiker, Frauenärzte, Hebammenverband, EU, WHO, Krankenkassen…). Es wird auf gesundheitliche Gefahren für die so geborenen Kinder hingewiesen, die von vermehrten Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Atmungsstörungen, Asthma, Diabetes bis hin zu schlechterer Gehirnentwicklung reichen sollen. Fast erinnern mich die vielfachen Warnungen an jene, die einst die Folgen der Masturbation als äußerst schädlich für die Gesundheit darstellten.

Nun bin ich keine Expertin, die den Wahrheitsgehalt dieser Warnungen beurteilen könnte, ja ich bin nicht einmal Mutter. Aber gerade deshalb sag ich den Kritikerinnen: Wir können froh sein, dass es überhaupt noch so viele Frauen gibt, die sich eine Geburt antun! Für mich kam das nie in Betracht, egal wieviel hilfreiche Medizin zur Verfügung gestanden hätte.

Der Biologie ausgeliefert: kein wünschenswerter Zustand

Vermutlich lag es an einer nicht gerade harmonischen Herkunftsfamilie, dass ich so etwas wie einen Kinderwunsch nie entwickelte. Wobei das eine rationale Begründung im nachhinein ist, konkret kann ich gar nicht sagen, warum das so war. Familien-gründungs-willige Männer hätte es gegeben. Allerdings erinnere ich mich recht gut an die Panik, die mich überkam, als sich nach dem ersten Sex meine Periode verzögerte. Klar, ich war erst vierzehn, es wäre eine soziale Katastrophe gewesen. Daneben irritierte mich aber allein schon der Gedanke, dass irgendwas „Fremdes“ in mir wachsen sollte – ich kam mir „besetzt und besessen“ vor, potenziell „fremdbestimmt“ von bloßer Biologie. Und wow, war das eine Erleichterung, als sich heraus stellte, dass ich doch nicht schwanger war!

“Die Kraft sich der Urgewalt des Gebärens hinzugeben ist Bestandteil jedes Frau-Seins” – den Leitsatz ihrer Hebammenschule zitiert Anna Virnich in ihrer Reaktion auf die vielstimmige Kritik am Titel ihres Buchprojekts. Ok, ich bin also keine richtige Frau, aber weißt du was, Anna? Ich kann damit leben, gut sogar. Und meine Solidarität gehört den vielen Müttern, die sich trotz der ungemein fordernden, belastenden, mit vierlelei Risiken behafteten Vorgänge, die SCHWANGERSCHAFT und GEBURT nun einmal darstellen, diesem ganzen Geschehen immer noch aussetzen. Und ich kann es 100%ig nachvollziehen, dass frau ANGST hat, den Kontrollverlust fürchtet und alles tut und annimmt, um den „natürlichen“ Verlauf in seiner schmerzlichen Drastik zu mildern – auch wenn das dann am Ende Kaiserschnitt bedeutet.

Meine Mutter hatte diese Möglichkeiten bei meiner Geburt offenbar nicht. Trotz Krankenhausgeburt erlebte sie einen Dammriss. Wie gut, dass das heute wohl nicht mehr vorkommt, man würde schneiden, bevor der Kinderkopf die Mutter „zerreisst“. Ein böser medizinischer Eingriff?

Auf EPHEMERA schreibt Anatol Stefanowitsch, der seine Kinder naturgemäß NICHT selbst geboren hat:

„Wer eine Geburt, wo und welcher Art auch immer, beobachtend miterlebt hat, weiß, wie absolut ausgeliefert die Person mit dem Kind in der Gebärmutter dem Geburtsvorgang ist. Ich durfte es miterleben, und obwohl es dank aller Segnungen der modernen Medizin keine Probleme gab und obwohl es unbeschreiblich bewegend war, dabei zu sein, wenn ein neuer Mensch auf die Welt kommt, habe ich gesehen, wie der Geburtsvorgang selbst, in seiner biologischen Gnadenlosigkeit einen Autonomieverlust bedeutet, von dem ich nicht weiß, ob und wie ich ihn ertragen könnte.“

Genau DAS ist auch mein Punkt: Wer bitte will so etwas noch ertragen? Unser Leitbild ist schon lange nicht mehr unsere „Natur“, sonst gäbe es diese arbeitsteilige Hard-Working-Welt erst gar nicht! Eine Just-in-Time-Gesellschaft, die allüberall auf Kontrolle setzt, wo Spontanität, Gefühle, Emotionen, persönliche Befindlichkeiten oder gar „Lust und Laune“ keine Rolle spielen dürfen, wo alles nach Plan laufen und jedes Risiko versichert sein muss, wo jeglicher Schmerz mit einer Pille weggedrückt wird und Überblick, Distanziertheit, Contenance und „Coolness“ in jeder Lage dem stets funktonierenden Individuum abverlangt werden – eine solche Gesellschaft (=wir alle) hat nicht das Recht, ausgerechnet von jenen, die ihren Fortbestand sichern, nun das GANZ ANDERE, das NATÜRLICHE einzufordern!

Just my 2%!

(Update: ich hatte in einer ersten Fassung den Artikel auf EPHEMERA irrtümlich einer Frau zugeschrieben. Jetzt korrigiert.)

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42 Kommentare zu „#selbstgeboren – Kommentar einer Kinderlosen“.

  1. @Claudia, ich weiß zu diesem Thema nur soviel, daß man dem Geburtsakt psychologisch sehr viel Bedeutung zumisst. Das Stichwort ist hier „Pränatale Psychologie“.
    Wenn etwa der Geburtsakt behindert wird durch Selbststrangulation mit der Nabelschnur, dann kann das Auswirkungen auf das spätere Leben haben, in dem Sinne, daß man sich nicht traut, Schritte und Bewegung zu wagen. Daß man verharrt. Daß Entscheidungen Angst machen.
    Umgekehrt könnte man natürlich argumentieren (ich weiß nicht, ob das getan wird), daß eine Kaiserschnittgeburt es dem Kind viel zu leicht mache – es muß sich nicht selbst hart dafür einsetzen, zur Welt zu kommen, sondern kommt sanft zur Welt. Was bedeutet das nun für die Psyche des heranreifenden Kinds? Möglicherweise doch nichts anderes wie für das Kind, das von einer Frau auf natürliche Weise sehr leicht geboren werden kann.

  2. […] hat Claudia einen sehr lesenswerten Beitrag gepostet. Aus dem Artikel spricht großer Respekt für ALLE Frauen, […]

  3. @Gerhard: mag alles sein – und ja, so wird auch argumentiert.

    Vermutlich ist es für Kinder aber grundsätzlich besser, ÜBERHAUPT auf die Welt zu kommen – egal mit wieviel oder wie wenig medizinischer Hilfe.

    Dafür, dass das wahrlich nicht (mehr) selbstverständlich ist, stehen unzählige kinderlose Frauen wie ich. Und von den Frauen, die heute 40 bis 44 Jahre alt sind, sind 22 Prozent kinderlos. Vor vier Jahren waren es noch 20 Prozent. In Hamburg ist jede Dritte kinderlos (mehr Zahlen auf SPON).

    Anstatt nun allen, die noch Mutter werden wollen, den roten Teppich auszurollen bzw. sie gesellschaftlich auf Händen zu tragen, wird darüber herum gerechtet, wie „natürlich“ eine Geburt sein sollte!

    Wir gehen nicht mehr auf Wanderschaft, sondern steigen ins Flugzeug. Statt körperlich schwer zu arbeiten, kaufen wir bequem per Mausklick und bekommen die Dinge sogar in den dritten Stock getragen. Wir sitzen nicht mehr ums Feuer und lauschen den märchenhaften Berichten jener, die mal aus dem Dorf raus gekommen sind, sondern kommunizieren per Internet mit Menschen aus aller Welt. Im veganen Kochworkshop traf ich Menschen, die nicht wussten, wie man Nudeln kocht oder eine Zwiebel schneidet. Andere bekommen beim Anblick einer Ratte Panikattacken, und wenn ein Kind mal Läuse hat, fällt schier die Welt ein. Junge Menschen fühlen sich unhygienisch, wenn sie sich Achsel- oder Schamhaare nicht restlos abrasieren. Körper sollen nach Zitrone oder sonst einem Parfum duften, aber bittschön nicht nach Körper. Und niemand darf schwitzen, iiiiiiiiiiiiigitttt, dein DEO hat versagt!!

    Aber werdende Mütter sollen NATÜRLICH GEBÄREN!

    Das ist die Projektion eines kollektiven Schuldgefühls auf werdende Mütter, die GANZ NATÜRLICH dem allerheftigsten biologischen Geschehen (abseits vom Sterben) ausgesetzt sind: gewaltvoll, blutig, schwitzend, stöhnend und schreiend… Sie sollen es richten, sollen quasi “büßen” für unsere Entfremdung von der Natur und als Wiedergutmachung die Geburt in möglichst archaischer Weise, gar noch ohne Schmerzmittel vollziehen.

    Dass man sich nicht schämt!

  4. Ja, so kann man es sehen.
    Ich frage mich, auch anhand deines Katalogs an Entfremdungen in unserer Zeit, was eine Kaiserschnitt-Geburt im Verhältnis zu den „unnatürlichen“ Erfahrungen bedeutet, die Neuzugänge auf dieser Erde im Laufe ihres Heranwachsens ausgesetzt werden. Es gibt ja z.B. Angebote, Kleinkinder vor dem Kindergartenalter tagsüber an entspr. Personal abgeben zu können, damit Vater und Mutter sofort und unmittelbar ihrem geilen Karrierekick nachgehen können.

    Die Natur, das stelle ich im übrigen immer wieder fest, hat es schon weise eingerichtet: Der Kinderwunsch vieler Frauen, der offenbar, wenn er vorhanden ist, UNABWEISBAR ist, sorgt für den Fortbestand unserer Rasse.

  5. Unserer GATTUNG – mich schauderts immer leicht, wenn hier und da wie selbstverständlich wieder von „Rasse“ die Rede ist. Aber das nur nebenbei, ich unterstelle dir nichts Böses.

    Wie man an den Zahlen sieht, nimmt der Kinderwunsch offensichtlich ab, zumindest der „unabweisbare“. Ich hab mich manchmal selbst gewundert, dass ich ein solches Gefühl nie hatte. Vermutlich geht das einher mit der zunehmenden Denaturierung und Durchökonomisierung aller Lebensbereiche – und auch Migranten ergeht es da nicht anders. (In der zweiten Generation ist ja schon Schluss mit den vielen Kindern, vor denen der Herr Sarrazin sich so fürchtet.)

    Auch die zunehmende Komplexität spielt eine Rolle: wo ständig viele Dinge bewusst entschieden und gewählt werden müssen, erscheint die Verantwortung für ein Kind immer größer und schwerer zu tragen.

    Der Druck, fortwährend Unternehmer/in seiner selbst zu sein, ist auch nicht von Pappe. Da einfach mal ein paar Jahre auszusetzen und nur fürs Kind da zu sein, wird so zum immer größeren Verzicht und Verlust mit lebenslänglichen Auswirkungen.

    Kinder nach der Geburt einer Amme zu überlassen, ist allerdings keine Erfindung der Moderne, sondern war früher auch in „höheren Kreisen“ üblich, die es sich leisten konnten.

  6. Ich bin da gespalten, wobei für mich an oberster Stelle immer ein: „das muß ja wohl noch die Frau ohne Gewissensbisse selber entscheiden dürfen…“ steht.

    Gleichwohl tendieren manche Kaiserschnittnachfragenden dazu, den Termin und die Uhrzeit penibel aufs Leben ab zu stimmen. Ist Freitag um 16:30 noch frei, weil davor hab ich noch einen Nagelstudiotermin? – Das ist natürlich jetzt ganz ganz tief in die Vorurteilskiste gegriffen, aber zuweilen ist da unten in der Kiste auch was wahres drin. Und dann zucke ich (total unbeteiligter) auch etwas und denke: muß das so sein? Denn eine solche „Planhaltung“ hört ja nach dem Schnitt nicht auf.

  7. @Chräcker:

    „Ist Freitag um 16:30 noch frei, weil davor hab ich noch einen Nagelstudiotermin?“

    Gerade diese bei vielen (auch Männern, kinderlosen Frauen, Funktionären und Funktionärinnen aller Art) zu Tage tretenden Emotionen wenns ans Kaiserschnitt-Bashen geht, hab ich mit meinem obigen Mini-Rant zum Thema „natürlich“ ins Visier genommen! Nix ist bei uns noch „natürlich“ – aber Mütter sollen bittschön so gebären wie unsere Urgroßeltern!

    Mal ehrlich: gäbe es die Möglichkeit, eine Schwangerschaft komplett außerhalb der Frau durchzuführen, wäre die heute übliche Geburt lange schon nurmehr ein Verhalten kleiner, religiös oder sonstwie spirituell/gesundheitsorientierter Minderheiten.

  8. Ich sprach von „manchen“, und nur möglichen Tendenzen und gestand meinen Hang zum Vorurteil dazu noch ein. Da sehe ich im Moment eher, Verzeihung, Dich „emotional bashen“. Aber: an dieser Stelle bin ich wieder raus aus der Unterhaltung.

  9. ich traue mich jetzt mal folgendes zu sagen: als papa von drei nach der leboyer-methode geborenen mädchen wage ich es, darauf hinzuweisen, daß „natürliche geburt“ mal so was wie ein hippie-ideal war und sich das recht herauszunehmen, damit gegen die maschine krankenhaus zu rebellieren, ein akt des sich sträubens gegen die „apparate-medizin“.

    frauen, die das so machen, verdienen meinen respekt mit drei sternchen. frauen, die kaiserschnitt machen, nur meinen respekt ohne sternchen.

    meine „lieblingsgeburt“ ist teil des films „vagabundenkarawane“ (die reise von embryo durch asien). grace yoon bekommt ihr kind da quasi „auf der straße“. wir hielten das mal für eine rückkehr zu etwas „natürlichem“.

    aber da scheinen sich die parameter ja irgendwie – ohne daß ich was davon mitbekommen habe – verändert zu haben und die „empöreria“ hat andere erstrebenswerte ziele.

    früher konnte man andere frauen noch damit beeindrucken, daß man leboyer machte. heute wahrscheinlich nur noch mit einem veganen lifestyle.

    ich fand „früher“ irgendwie „kohärenter“.

    just my 2cent

  10. ach ja, ich lasse dir mal zeit, den schock zu verarbeiten, deinen kommentar noch mal mit ein bißchen distanz zu lesen, ein bißchen an chräckers hinweis zu knabbern.

    dann wäre ich zu dem freundschaftsdienst, dich hier zu kritisieren, bereit ;-)

  11. ach ja, ich trage noch den link bei, der leider in deiner liste da oben fehlt selbstgeboren und weise auf ihre antwort auf den kommentar hin.

    und jetzt suchen wir alle mal nach dem „skandal“.

  12. Lieber Chräcker,

    mich wundert immer wieder mal, dass manche meine Statements hier äußerst persönlich nehmen – dabei bin ich weit entfernt davon! Dass ich dein „eingestandenes Vorurteil“ nochmal aufpickte (ja ja, das bist nicht GANZ du, das hatte ich schon verstanden!!!), geschah in der Hoffnung, dass du oder sonst jemand mal den am Ende meines Textes stehenden Gedanken (kollektive Projektion eines Schuldgefühls) kommentiert, der ja durchaus originell ist, zumindest so in der Diskussion noch nicht formuliert wurde.

    Mein „Minirant“ von weiter oben steht im Kontext der zitierten vielstimmigen Diskussion und will – Susannne könnte das natürlich viel besser! – das Verhältnis zum Thema „natürlich“ ganz allgemein und in einer etwas unterhaltsameren Form aufs Korn nehmen als es eine bloße Sachaussage bzw. dürre Behauptung könnte.

    Lieber Hardy: mich schocken? Wie das denn? Fefes Rumschimpfen kannte ich schon und konnte wenig damit anfangen, hab auch auf Anhieb nicht ergoogeln känn, was SJW ist (schweizerisches Jugendschriftwerk?), hab es also nicht weiter verfolgt. Einen Bezug zu #selbstgeboren sehe ich da nicht, die Diskussion halte ich nicht für marginal oder überflüssig, wenn ich auch als Kinderlose nur beschränkt kommentarberechtigt bin.

    Ja, mir ist durchaus klar, dass „natürliche Geburt“ in den 70gern ein Ideal war und „Protest gegen die Apparatemedizin“. Dass sich daraus aber ein gesellschaftlicher Druck auf werdende Mütter entwickelt hat, finde ich alles andere als gut. Die werden eh schon total verunsichert durch die vielen Dos und Donts, die massenweisen Gesundheits- und Ernährungsratschläge, die ständigen Untersuchungen und vielfältigen Entscheidungen, die heute in einer Schwangerschaft zu treffen sind – und immer ist es die Mutter, na klar, die für alles was passiert, verantwortlich ist. Dazu dann noch die Forderung, möglichst „ohne alles“ zu gebären….

    Viele, die zunächst den Wunsch nach möglichst „natürlich“ teilen, kommen dann in Teufels Küche.
    Lies mal Junas Kommentar zu meiner kleinen Rede, die da u.a. vom eigenen Erleben schreibt:

    „Und ich, die ich dachte: Nein, lieber ohne alles, brüllte gut 40 Minuten vor der Geburt nach “Allem, was Sie haben! JETZT!!!!!!” Selbstverständlich zu spät.“

    Angesichts derart heftiger schmerzvoller Vorgänge, die ich selber lebenslang gemieden habe, kann ich einfach nicht einstimmen ins „Kaiserschnitt-Bashing“, sondern habe ganz im Gegenteil großes Verständnis für jegliche Form der Linderung, die frau hier ergreift bzw. zulässt.

    Rund um „natürlich“ hat sich in den verstädterten, alles andere als natürlich funktionierenden Gesellschaften ein romantischer Mythos entwickelt, der dann im konkreten Kontakt mit dem „Natürlichen“ durchaus in ein Horrorerlebnis umschlagen kann.

    Ich erinnere mich da (Achtung kleine Abschweifung!) an eine Kreuzberger Gesundheitsstadträtin – eine der ersten grün-alternativen, die „wir“ auf einen solchen Posten hoben. Angesichts eines ziemlich versifften innerstädtischen Kinderbauernhofs, auf dem so Schlammlöcher aus Wasser, faulendem Grünzeug und Tier-Exkrementen entstanden waren, an deren Ufern die Kids spielten, sagte sie den selten blöden Satz „Natur ist nicht gefährlich!“ und rechtfertigte damit, hier gar nichts zu unternehmen. Ihre so gezeigte Naivität, verbunden mit kompletter Unwissenheit über die menschliche Kulturgeschichte als Kampf gegen die Natur, hatte schon was Verblüffendes, war damals aber durchaus alternativer Mainstream.

    Auch die Vorstellungen und Erwartungen, wie „Bio-Nahrungsmittel“ zu sein haben, sind oft von keinerlei Kenntnis, gar Erfahrung über die realen Wachstumsbedingungen von Nutzpflanzen angekränkelt. Jeder, der mal versucht hat, „ohne alles“ sein Gemüse zu ziehen (NICHT auf Balkon/Fensterbank!), merkt schnell, was Sache ist: die „Natur“ in Gestalt von Wildkräutern, Insekten und Krankheiten aller Art verleibt es sich ein bzw. überwältigt die ungeschützte und unverteidigte Kulturpflanze schneller als man gucken kann!
    Was jetzt nicht heißt, dass ich im Garten „Chemie spritze“ – aber ich brauch ja auch den Ertrag nicht wirklich, als Hobby kann ich mir „wilde Mischbeete“ mit wenig essbarem Ergebnis ja leisten.

  13. Ach, noch zum Link: der ist der ERSTE, den ich in meinem Artikel gesetzt hatte, gleich im ersten Satz – mal gucken! (Unten kam dann „MEHR zum Thema“) Ein „Skandal“ ist das Ganze für mich nicht, sondern eine offenbar viele berührende, also durchaus nötige Diskussion.

  14. [..] link

    stimmt. ich bin wohl auf die idee gekommen, weil ich den eindruck habe, du hast ihn nicht gelesen.

    oder etwas gelesen, was nicht da stand oder steht. halt in deinem kopf, nachdem du etwas darüber gelesen hast, was sie angeblich schreibt.

    [..] diskussion

    ich halte dss ganze nicht für eine diskussion.

    eher für sowas wie eine horde elefanten, die durch einen porzellanladen rast. irgendwo muss es eine maus geben.

    [..] berührend

    oh, mich macht das wütend.

    einer meiner haupt-topoi ist die „erregungswellenblogosphäre“ der „digitalen bourgeoisie“. für die hat fefe gerade ein griffiges wort geprägt: „empöreria“. ich habe dazu gestern bei mir ein klitzkleines bißchen spontan und ungeordnet laut nachgedacht. ohne einen link zu hier zu setzen und ich setze jetzt auch keinen zu mir, weil ich befürchte, daß rivva mih verlinkt.

    wo fange ich nur an?

    das ist ja ein ziemlich vermintes gelände hier und auch wenn ich die mine sehe, weiß ich nicht, wie ich dir das eine oder andere beibiegen kann, ohne daß sie in die luft fliegt.

    ich probier’s mal so: also, ich bedauere, daß tote menschen nicht mehr für ein paar tage im haus aufgebahrt werden, damit die angehörigen abschied nehmen können.

    wir haben das „outgesourced“. sterben ist ja so was von menschlich und es könnte uns ja selbst treffen. lieber mal verdrängen und den gedanken von uns fernhalten. können wir uns noch gedanken drüber machen, wenn wir tot sind und dann ist es eh egal.

    wie gesagt: ich bedauere das. in meiner kindheit lagen tote menschen in unserem haus herum. meine oma im ehebett. meine coursine im kinderbett.

    funktioniert nicht? na gut. dann vielleicht ein „lob“.

    also, ich – ich bin feige.

    wenn ich blogge, sitzt ein männchen in meinem kopf, das sagt: ooops. lieber nicht. das versteht jeder sofort, wenn er es liest, und das wäre mir unangenehm, wenn jemand verstünde, was da steht.

    du bist ganz schön mutig.

    funktioniert wahrscheinlich auch nicht, also frontal durch die tür: ich glaube, liebe claudia, du verrennst dich.

    was dich treibt, steht ja da oben und das ist es auch, was – korrigiere mich, wenn ich falsch liege – chräcker davon abhält, weiter zu diskutieren.

    einfühlsam. interessant, daß so ein grober klotz wie ich das sofort bemerkt.

    ich versuche mal zu rekapitulieren, was – imho – passiert ist. eine frau, die sich, wenn ich sie lese, nicht so sonderlich gewandt ausdrücken kann (vielleicht ist sie auch bloß erschüttert von der reaktion), plant ein buch über „natürliche geburt“. eine andere frau liest davon und fühlt sich sofort in ihrer „ehre“ gekränkt.

    der rest ist kettenreaktion.

    die empöreria hat was zu tun, jedenfalls für ein paar tage … und zurück bleiben scherben. konfusion. vermeintliche „gewinner“, vermeintliche „verlierer“, welche, die für drei sekunden „wir“ sein durften und sich auf der „richtigen“ seite wähnten. die „Echokammer von Gleichgesinnten“ (*)

    zu blöd: es gibt keine „richtige seite“.

    es gibt nur menschen, die ihr leben gestalten wollen, dingen einen sinn geben, erfahrungen machen. manchmal gemeinsame.

    eine familie gründen. ein kind bekommen. am liebsten eigentlich an dem familiärsten, intimstem ort – zuhause. das geht nicht immer, also im krankenhaus, aber dort bitte, bitte, bitte … intim. wir zwei. du und ich. okay, diese nette hebamme, die wir kennen, die darf auch dabei sein.

    aber sonst niemand. wir wollen etwas tun, was menschen seit es sie gibt tun und … naja, wir sind ein bißchen in unsere heldenhaftigkeit verliebt … wir wollen es so machen, wie menschen das schon immer getan haben: ohne daß ein apparat piept, eine krankenschwester herumwuselt und ein arzt seine eigene unentbehrlichkeit demonstriert und nervt.

    wir wissen: das geht. frauen können das. sie müssen das nicht, wozu auch, soll doch jeder machen, wie er das für richtig hält, aber die, die sich das zutrauen und das dann auch machen, sind für mich heldinnen.

    wobei, hey, ich war dreimal dabei, das erste mal hat sich über zwei tage hinweggezogen, faye lag falsch, aber als es dann so weit war, ging’s schnell. nummer zwei ist geradezu herausgefallen und von no 3 ist auch nichts zu berichten, was dem klagelied, wie grausam, unmenschlich, schmerzlich, verabscheungswürdig, schmutzig, eklig … das alles doch ist um ein paar strophen erweitern könnte.

    nope. es ist natürlich. es geht.

    fantastillarden frauen haben es ohne schaden so gemacht und in dem moment, wo das kind auf ihrem bauch lag, keine sekunde mehr über das davor nachgedacht. nur noch über das jetzt.

    darüber _gemeinsam_ eine erfahrung gemacht zu haben, die ihnen keiner mehr nehmen kann. etwas, was sie ein klitzekleines bißchens stolz macht.

    davon würde diese frau gerne erzählen.

    und was passiert?

    ihr beweist, daß sarrazin recht hat.

    warum ist es nicht auszuhalten, daß jemand anders die dinge anders sieht? warum dieses maßlose, geradezu hysterische gekreische, daß hier „die gesellschaft“ einen zu unmenscklichen akten zwingt, man diese verachtung derer, die einen anderen, in ihren augen natürlicheren weg gewählt haben, sowieso schon mal gar nicht aushält …

    ich kann die verachtung nicht erkennen.

    ich kann überhaupt nichts von dem erkennen, worüber geklagt wird. was ich erkennen kann, ist, daß sich da jemand etwas einbildet, wovon er – warum auch immer – so hineinsteigert, daß am ende ganz offensichtlich nichts mehr zu peinlich ist.

    es gibt in kommentaren eine attitüde, die ich die „wenn ich dich schon mal am apparat habe“-variation nenne: „frau von der leyen, holen sie sofort die panzer aus der ukraine zurück!“ zu blöd, es sind keine dort und, naja, ursula wird’s nicht lesen. auch die verwendung von großbuchstaben und ausrufezeichen gehören unabdingbar zu dieser art erregungszustand.

    man vergisst sich.

    man verliert den überblick und schreibt sätze, wo der satzanfang so krass im widerspruch zum ende oder zum nächsten steht, daß jeder, der den überblick nicht verloren hat, ihn sofort sieht. nur man selbst nicht mehr.

    ich finde es bedauerlich, daß man tote menschen nicht mehr in der wohnung behält. es besteht für mich ein zusammenhang zwischen dieser „früher“ mal selbstverständlichen angewohnheit und dem intimen moment, in dem ich und eine frau und die hebamme ein kind zur welt bringen.

    das gehört zu den erfahrungen, die menschen machen _können_.

    sie müssen nicht. niemand verlangt das von ihnen. nicht mal die autorin des zukünftigen buches. oder „die gesellschaft“.

    mir verrät die geradezu hysterische reaktion auf ihr vorhaben mehr über die, die in diesem aufzug mitlaufen, sich gegenseitig mit horrorstories hochputschen, sich die wissenschaftlichen argumente um die ohren hauen und … das porzellan zertrampeln.

    jedenfalls mehr als über die autorin.

    diesen zusammenhang, liebe claudia, der, der dich ggfl. zu einem homäopathischen medikament greifen läßt, der, der dir gesagt hätte: es ist gut für mein kind, wenn es im matsch herumsaut, das wird es widerstandsfähig machen und … naja, es ist gut für es gewesen, daß es im herausgleiten aus mir eine extradosis impfungen im geburtskanal mitbekommt, hast du vollständig aus den augen verloren.

    es war gut für uns, einen intimen moment für uns zu haben, nicht entrechtet zu werden von einer maschine, der wir verdammt noch mal egal sind.

    da sind, liebe claudia, einige dinge (die mine, tut mir leid), erfahrungen, die du nicht gemacht hast. niemand spricht dir dein frau-sein ab, daß dem so ist, niemand kann dir den kleinen schmerz nehmen, den du vielleicht empfindest, sie nicht gemacht zu haben. deshalb musst du aber nicht so um dich schlagen.

    denn darum geht es nicht: es geht um selbstbestimmung.

    sich etwas zutrauen. bewusst und überlegt erfahrungen zu machen. und nicht darum, wer ich davon belästigt fühlt, daß andere menschen verdammt noch mal das recht haben, selbst zu bestimmen, was sie „berührt“.

    mich drei geburten.

    was mich am meisten erschüttert hat, ich kann dir das nicht ersparen, das war deine vorstellung davon, daß kinder nicht mehr im bauch der mutter heranwachsen müssten.

    ich bitte dich. das bist doch nicht DU!

    jede frau, die 9 monate ein kind mit sich herumträgt, wird verwandelt. sie hat kontakt zu etwas, was in ihr ist und empfindet – denke ich mal – mehr schmerz, sich davon zu trennen, als nur den physischen schmerz der geburt selbst.

    das sind – für mich – heilige dinge, denen ich mit größten respekt begegne. wie der tod. und so wie ich es bedauere, daß tote menschen schnell entsorgt werden, würde ich es bedauern, wenn medizingläubige kleine angsthaberinnen, die sich haben erschrecken lassen und nun kein vertrauen mehr in ihre eigene kraft haben, die „natürliche“ geburt durch die trennung des menschen von einer der wenigen erfahrungen, die er noch mit sich selbst machen kann, einleiten … nur weil sie es nicht ertragen, daß andere stolz auf diese „leistung“ sind????

    ich bitte dich, claudia. das bist nicht du.

    tritt mal zwei schritte zurück und denke den zweiten gedanken.

    und versuch dir mal vorzustellen, du schreibst ein buch über vegetarische ernährung und da draussen beginnt das gekreische, daß mal wieder menschen zu etwas gezwungen werden sollen, worüber sie bitteschön selbst bestimmen möchten.

    #vegetarierterror, #veganertyrannei …

    ich hoffe, ich war nicht zu grausam.

    aber so schief hast du in der zeit, in der ich dich lese, noch nie gelegen, da geht was mit dir durch und ich hoffe, du verzeihst mir meinen – wohl gemeinten – freundschaftsdienst.

    (*) eine kleine boshaftigkeit muss ich mir gönnen.

    zu meiner zeit, gab’s diesen typ (rosa) latzenhosenträger, der in strick- & häkelkurse ging (dieter krebs verkörpert ihn als „martin“ angemessen glänzend). heute beschäftigt sich dieser typus mit ebenso flüchtigem und spielt den wortjakobiner.

    wenn der mich mal lobt, springe ich aus dem fenster …

  15. kleines ps:

    alle drei kamen im selben krankenhaus (dudweiler st. josef, die machten damals schon leboyer), mit dem selben (nicht anwesenden aber bereitstehenden) arzt, mit der selben hebamme zur welt. wir waren ganz unter uns.

    es steht aber jedem frei, das anders zu halten.

    ich möchte bloß nicht tauschen. ich weiss, was sie verpassen, sie wissen es nicht. das ist der einzige unterschied.

  16. Schöne Rede, Hardy.
    „ich bedauere, daß tote menschen nicht mehr für ein paar tage im haus aufgebahrt werden, damit die angehörigen abschied nehmen können“ – mein Bruder hat mich als kleinen Jungen in das zimmer mit der toten tante eingesperrt, keiner hats gemerkt. wunderbar für mich. fett weg.

  17. Nein, mit der Rede, Hardy, das meine ich eher ehrlich. Du hast i.d.R. sehr abgewogene Standpunkte. Ich lese Deine Sachen gerne.

  18. gerhard,

    heute war ich sehr harsch selbst für meine verhältnisse, deshalb brauchte das auch den „rahmen“ des „früher“ mit den toten menschen.

    wir trennen uns zunehmend von den dingen, die uns unangenehm – weil menschlich – sind … und fragen uns dann, warum wir bloß so „entfremdet“ sind. wir verlangen respekt für leistungen, die wir nicht selbst erbracht haben und gönnen sie denen nicht, die den mut aufbringen.

    gestern gab’s übrigens im swr mit der von mir hoch geschätzten petra waldvogel diese sendung: und so beginnt das leben.

    es gibt einen moment, der mich geschockt hat. das ist der von dem mann, der hinter einem vorhang steht vor dem ärzte an seiner frau rumschnippeln. und einen, an dem ich brüllend gelacht habe, der, an dem eine frau, die denkt, sie würde nicht schreien, „schmeiss den italiener raus!“ brüllt.

    so kann man das alles auch sehen.

    man kann sich aber auch auf dem schulhof zusammenrotten und auf eine person einprügeln, die sich nicht mal wehren könnte (traue ich ihr nicht zu), keine person des öffentlich lebens ist und deren einziges „vergehen“ ist, ein wort zu verwenden, daß in frauen einen beißreflex provoziert.

    als ob sich diese frauen selbst oder wir als ihre männer sie darauf reduzieren würden, wie sie ihre kinder auf die welt gebracht haben.

    ich bitte also energisch darum, sich selbst mal zu fragen, woher diese unverhältnismäßigkeit rührt.

    nicht von aussen, würde ich mal vermuten, eher von innen.

    anna ist nur der prügelknabe …

  19. Ich stellte mir neulich eine Gesellschaft vor, die mit dem Problem einer akuten Überbevölkerung zu ringen hatte und es auf eine äußerst natürliche, harmonische und obendrein einvernehmliche Weise, welche das Wesen des Mannes wunderschön zum Ausdruck zu bringen vermochte, gelöst hat.

    Nämlich: jeder Mann, der bereits zwei Kinder gezeugt hatte, entmannte sich selbst während eines mehrtägigen, festlichen Kastrationsrituals und ohne Zuhilfenahme jedweder schmerzlindernder Medikamente oder künstlich operativer Techniken, sondern allein durch die natürlichen Hilfsmittel, die ihm als Mensch mit zwei Händen zu Gebote standen, um nicht diesen Akt männlichen Heldentums und Aufopferungswillens zu verwässern, welcher ihm auf so unvergelichliche Weise erlaubte, seine ihm von der Natur verliehene Würde, seine durch Arbeit und Plage erworbene Tapferkeit, seine Hingabe an die Gemeinschaft und sein sich in Mühen und Schmerzen zugleich bewährendes wie vollendendes, kraftvolles Wesen vor den Augen und im Lichte der Bewunderung und tief empfundenen Zuneigung seiner Nächsten unter Beweis zu stellen.

    Selbstverständlich aber durfte kein Mann gegen seinen Willen dazu gezwungen werden, dieses Ritual zu befolgen, denn die Gesellschaft schätzte den Wert der Selbstbestimmung sehr hoch, welcher besagte, daß jeder Mensch in seinen persönlichen Entscheidungen absolut frei sei – sofern er bereit war, verstand sich, deren sämtliche Konsequenzen erhobenen Hauptes auf sich zu nehmen…

  20. Leider muss ich gleich los und hab im Moment nicht die Zeit, länger zum Gesagten zu schreiben (evtl. später mehr…)

    Deshalb jetzt nur ein Punkt @Hardy: „Empöreria“.

    Angesichts dessen, was du MIR hier alles schreibst:

    „oh, mich macht das wütend.“

    „das ist ja ein ziemlich vermintes gelände hier und auch wenn ich die mine sehe, weiß ich nicht, wie ich dir das eine oder andere beibiegen kann, ohne daß sie in die luft fliegt.“

    „ihr beweist, daß sarrazin recht hat.“

    (womit? Hat der zu Geburtsmethoden was gesagt? Und wer ist „ihr?“)

    „du bist ganz schön mutig. „

    ???

    „da sind, liebe claudia, einige dinge (die mine, tut mir leid), erfahrungen, die du nicht gemacht hast. niemand spricht dir dein frau-sein ab, daß dem so ist, niemand kann dir den kleinen schmerz nehmen, den du vielleicht empfindest, sie nicht gemacht zu haben. deshalb musst du aber nicht so um dich schlagen.“

    „was mich am meisten erschüttert hat, ich kann dir das nicht ersparen….“

    „ich bitte dich, claudia. das bist nicht du. „

    … frag ich dich: WER ist denn nun hier Teil einer „Empöreria?“ Wo bitte „schlage ich um mich?“ Ich staune, was für Emotionen du mir unterstellst! Du sprichst von „Minen“, als gäbe es (wo wenn nicht HIER?) in diesem Kommentarbereich nicht die lange bekannte Tradition gelassenen Austauschs auch über bewegende Themen?

    Meine begrenzte Berechtigung, als Kinderlose zum Thema Geburt viel zu sagen, hab ich mehrfach selbst erwähnt. Dass ich überhaupt darüber schrieb, kommt ja gerade aus dem Verständnis heraus, das ich für Frauen empfinde, die vor dem u.U. doch problematischen und langwierigen Geburtsvorgang Angst haben. (Ein Bedauern über Kinderlosigkeit empfand ich nie).

    Ich blogge gerne Aspekte eines Themas, die sonst niemand bringt – und das war hier eben die seltsame Diskrepanz zwischen einer fast komplett „unnatürlichen“ Lebenswelt und der Forderung (!) an Frauen, möglichst natürlich zu gebären, bis hin zu „ohne Schmerzmittel“. Und natürlich spitze ich die Dinge da auch gerne mal zu – wie etwa mit der Vermutung, dass – wäre es denn möglich – eine Schwangerschaft „außerhalb“ von vielen durchaus gern genommen würde (wie ich mal hörte, hat man daran schon geforscht).

    „und versuch dir mal vorzustellen, du schreibst ein buch über vegetarische ernährung und da draussen beginnt das gekreische, daß mal wieder menschen zu etwas gezwungen werden sollen, worüber sie bitteschön selbst bestimmen möchten.“

    Passiert doch quasi jeden Tag. Regt mich nicht auf, das hake ich einfach ab als Reaktion von Leuten, die zwischen Meinungsäußerung und Gesetzgebung nicht unterscheiden können.

    Kurzum: die AUFREGUNG in diesem Grad, wie sie auch aus deinem Kommentar spricht, ist nicht meine. Sie war es zu keiner Zeit und ist es auch jetzt nicht.

    Aber ich muss wohl durchaus überdenken, worüber ich blogge und wie… etwas kantigere Artikel scheinen ein Problem dasrzustellen, was ich so gar nicht erwartet hätte.

    Später mehr. Unaufgeregte Grüße!

  21. @Susanne, man muß nicht krampfhaft nach Analogien suchen, immer und immerzu. Es geht mir hier im übrigen sehr verbisssen zu. Ist ja meist so bei Genderthemen (sagt man das so richtig?!)

  22. @Gerhard

    So krampfhaft ist das gar nicht, sondern es ist bei mir schon fast ein Reflex geworden, lese ich Aussagen, welche tapfer bis mutig solche Begriffe miteinander verknüpfen wie ‚Frau‘, ‚Natur‘, ‚(Selbst-)Erfahrung‘, ‚(Selbst-)Bestimmung‘ und andere, in ihnen das Wort ‚Frau‘ versuchsweise durch ‚Mann‘ zu ersetzen (mitsamt den daraus sich ergebenen Anpassungen, damit die ganze Sache noch halbwegs einen Sinn ergibt) und dann darauf zu lauschen, wie die Geschichte nun auf einmal in meinen Ohren klingen mag.

  23. Ok, aus Deiner Sicht als Frau muss das wohl so sein. Wenn man Augen und Ohren offen hat und es satt hat mit den Geschlechterzuschreibungen.
    Dennoch gefällt mir das Analogum nicht, nicht so sehr wegen der drastischen Idee, sondern wegen der Zuschreibung zum Geschlecht. Man ist nun mal als Frau oder Mann geboren und kommt da nicht raus!

  24. @Gerhard

    Doch, gerade was Urteile etwa über ‚das Natürliche‘ (sowohl für Frau wie auch Mann) und ihre Konsequenzen für das Miteinander der Geschlechter betrifft, ist es ganz einfach, da heraus zu kommen. Jeder muß sich nur vier simple Regeln vor Augen führen, dann klappt das ganz prima! ;-)

    Regel 1: Die Rede von ’natürlich‘ ergibt – ich bin heftig versucht, ein natürlich hier einzuschieben, verkneife es mir jedoch, obwohl, eigentlich ja nun doch nicht, wie jeder lesen kann, aber egal – nur dort Sinn, wo ich einen Gegensatz zwischen ‚Natur‘ und ‚Nicht-Natur‘ (etwa Gesellschaft) vermute, welcher zur Erhellung eines fraglichen Urteils beitragen kann. Diesen Gegensatz sollte ich mindestens im Hinterkopf parat haben, am besten aber – etwa auf Nachfrage – jederzeit explizieren können. Die Anstrengung des Verstandes, hier so scharf wie möglich zu unterscheiden, und die vielen, oft unlösbaren Probleme, in die ein intellektuell redlicher Mensch bei dem Versuch, ‚Natur‘ aus der (sprachlich, i.e. gesellschaftlich vermittelten) Erscheinungen Flucht zu destillieren, erziehen ganz von selbst zu einer gewissen Demut oder doch wenigstens Vorsicht, was den Gebrauch des Begriffes ‚Natur‘ zum Zwecke der Begründung eines Urteils angeht.

    Regel 2: Vermeidet oder verweigerte jemand hartnäckig genau diese Mühe, den Gebrauch des Begriffes ‚Natur‘ näher zu bezeichnen, und besteht er sogar darauf, daß es reiche, auf Vorstellungen irgendeines vor-gesellschaftlichen Zustandes als Synonym für Natur zu verweisen, um seine Behauptungen als ausreichend begründet und für die Mitmenschen daher zwingend gültig anzusehen, ist davon auszugehen, daß hier der Eifer des Argumentes die Tiefe des Verständnisses zu ersetzen hat. Das mag im Einzelfall löblich, verständlich und möglicherweise verzeihlich sein, dient aber selten der Klärung eines Sachverhaltes und behindert auf jeden Fall erheblich die Möglichkeit eines offenen Disputes, welcher das Interesse am Beharren auf dem vermeintlich Gewissen durch argumentierendes Anzweifeln eventuell im Sinne eines Besseren zu erschüttern vermag.

    Regel 3: Aussagen aka ‚Das kannst Du nicht verstehen, weil Du es nicht selbst erlebt hast oder am eigenen Leib erleben kannst‘ sind nicht nur auf dem Gebiet möglicher Geschlechtsausprägungen und ihren Merkmalen, aber dort besonders folgenreich, wahre Glanzlichter unübertrefflicher Blödigkeit. Jede menschliche Gesellschaft baut auf eben dieser Fähigkeit der Menschen auf, zu verstehen, was sie nicht selbst erlebt haben beziehungsweise erleben müssen oder wollen oder können. Weder Sprache noch Arbeit, weder Kultur noch Denken und kaum eine der vielen Formen des Gemeinschaftslebens wären irgend möglich, müßten alle Menschen alles, was in den Kreis ihres Verständnisses treten soll, selbst erleben. Das Können, sich in den Anderen hinein zu versetzen, seine Empfindungen und Absichten, seine Ängste und Befriedigungen sich vorstellen zu können, so als wären sie die eigenen, ist eine wesentliche Komponente des Klebstoffes, der Menschen zusammen schweißt, um aus ihnen allererst Menschen zu formen.

    Regel 4: Verknüpfe niemals nicht keine magischen Heilserwartungen an das jeweils andere respektive erotisch dich anziehende Geschlecht, welche vom Individuum, dem du sie überstülpst, unabhängig zu gelten scheinen. Das ist ein gefährlicher Quell sowohl vernichtender Enttäuschung als auch würgender Überforderung und oftmals jene Lücke, durch die Ungleichgewicht, Zwang, Macht und Niedertracht sich in etwas einschleichen, dem Freiheit, Gleichheit und Offenheit weitaus besser zu Gesicht stünden.

  25. @Susanne, Ich sehe, dich nervt im Wesentlichen der Begriff „natürlich“.
    Stimmt das so, erstmal? Ich muß das nachfragen, um nicht über etwas zu sprechen, was nicht indentiert war.Der Begriff „Natürlich“, der fiel mir zunächst mal nicht so auf-ich überflog aus Zeitmangel nur den Artikel.. Natürlich ist dieser Begriff „Natürlich“ ganz abgedroschen und inhaltsleer fast wie eine ausgetrocknete Frucht.
    Es stimmt, was @Hardy vorab schon mal darlegte: Der Begriff hatte mal eine zentrale Rolle inne, als wir, @Hardy und ich, jung waren. Er war damals sehr segensreich, denke ich, wenn auch in all seinen Ausprägungen und Ideen z. Teil verschroben und eigensinnig.
    Natürlich war es damals u.a. es langsam angehen zu lassen, sich zu spüren, überhaupt zu spüren und kontemplativ durchs Leben zu gehen. Heute gilt das andere Extrem, der unnatürliche Sekundentakt, der Terror der Zeit und auferlegten Verpflichtungen, nach innen und nach aussen.
    Heutzutage gilt es fast als unnatürlich, ruhig irgendwo zu sitzen und Zeit verstreichen zu lassen, ohne jeglichem Tun. Shocking fast.
    Und, Susanne, trotz aller Regeln kannst Du nicht vermeiden, als Frau angesehen zu werden und Dich in großen Zügen auch als solche zu verhalten. Du lebst Frau! Daß Dir die Gesellschaft etwas überstülpt, was sie Dir natürlicherweise zurechnet, weil Du Frau bist, dem kannst Du Dich nur schwer entziehen. Wehren kannst Du dich natürlich.
    Schön wäre es, nur „Mensch“ zu sein, ohne all diese Attribute (Mann, Frau), das denke ich oft. Vielleicht schafft die Zukunft mögliche Attribute, in die wir zu schlüpfen vermögen ;-). Aber vielleicht ist das da, was ich gerade sagte, ganz einfach unnatürlich. Vollkommen unnatürlich.

  26. @Gerhard

    Der Begriff ‚Natur‘ hat immer eine Rolle gespielt, nicht nur in Deiner Jugend. Fast alle reformatorischen wie revolutionären Bewegungen haben mehr oder weniger darauf zurück gegriffen, gegen das ‚falsch‘ Bestehende ein ‚Richtiges‘ als das ‚Natürliche‘ zu stellen. Sogar die Apologeten des Casinokapitalismus sehen als letztendliche Begründung für die erhoffte, geschichtslose Ewigkeit ihres Schacherspiels die ‚Natur‘ des Menschen in der endlosen Maximierung seines privaten Nutzens. Schließlich ist es eine uralte Gedankenfigur: das Falsche anzuprangern als eine Versündigung gegen ein Natürliches, und so dem Un-Eigentlichen des jeweils Bekämpften den Spiegel seiner Eigentlichkeit, seiner im falschen So-Sein verhöhnten Natur kritisch vorzuhalten. Noch der Linie für Linie in sich hinein ziehende Junkie betrachtet seine Sucht ja nicht als einen zufälligen Besucher from outer space, sondern als seine wahre Natur und summt heimlich das Lied vom Mond über Soho.

    Dagegen hilft nicht, dieses Bild und seine Verlockungen zu leugnen, denn es gewinnt seine Kraft, so nehme ich an, nirgend woanders her als aus einer den Menschen eingeborenen Sehnsucht nach einem Zentrum des Eigentlichen, in dem sie sich aufbewahrt und beruhigt fühlen können. Das einzige, was da hilft, um nicht wie ein Schaf den falschen Propheten hinterher zu laufen, ist sich die Details anzuschauen, mit denen dir ‚Natur‘ jeweils untergejubelt werden soll: also den Pinselstrich penibel genau zu verfolgen, der sie eilig für dich malt, den Goldrahmen und die Leinwand zu prüfen, in die prächtig gekleidet sie daher kommt, und vor allem die vielen versteckten, verlockenden Symbole sich vor Augen zu führen, mit denen das Bild all das vorgaukelt, wonach du dich womöglich sehnst, ohne es richtig zu wissen.

    Um das mal zu konkretisieren: die Rede von der ’natürlichen‘ Geburt erlebe ich sehr oft als ein willkommener Trost für all jene, die ihre Angst vor dem Gebären weder offen zugeben noch mit anderen teilen können oder wollen. Im Vorbild der schnell, leicht und beglückend, weil ’natürlich‘ gebärenden Überfrau können die Verzagenden sich aufgehoben fühlen, und vielleicht hat dieses Bild einer ‚Urmutter‘, gegen deren Kraft und Urgewalt jeder Schmerz, jede Falschheit und jede Kleinlichkeit verschwinden müssen, ja tatsächlich auch eine kalmierende Wirkung und ist nicht nur der falsche Schein für schwache Gemüter, als den ihn wiederum andere ansehen.

    Mein Punkt wäre da aber eher der, den Claudia schon mehrfach angemahnt hat, ohne daß er bereits aufgegriffen worden wäre: Welches seltsame Interesse am ‚Natürlichen‘ wird hier eigentlich den vor der Frage nach der Art des Gebärens stehenden Frauen aufgezwungen, indem ein doch recht heftiger, emotionaler Apparat aus Urteilen und Beschwörungen aufgeboten wird, um ihre persönliche Entscheidung über ein vor allem sie selbst und ihre Körperlichkeit betreffendes Geschehen zu beeinflußen. Die Sprache der Kombattanten hierbei ist für mein Gefühl verräterisch, in dem Sinne, daß sich womöglich ein starkes persönliches Interesse daran, Inseln einer Natürlichkeit in einem Meer des Gekünstelten zu finden, sich hier – wie auf anderen Gebieten auch, etwa bei Fragen des Gemütes und der Gemütlichkeit, des Gefühligen eines Ur-Wissens um Körper und Seele, Kinder und Kräuter und vielem mehr – ein weiteres Mal auf ‚die Frau‘ richtet, so als wäre sie die letzte Instanz, wenn alles andere versagt hat und der Ruf nach ‚Mutter‘ den Unglücklichen allein übrig zu bleiben scheint.

    Wobei ich, kurze Bemerkung am Rande, fürchte, daß es in dieser Republik aktuell ja wohl eher der Ruf nach ‚Mutti‘ sein dürfte…

  27. ihr seid mir nicht böse, wenn ich, was diese diskussion betrifft, „den chräcker mache“ und sage, daß ich im grunde gesagt habe, was aus meiner sicht zu sagen war, so unangenehm und der umstände halber „kryptisch“ das auch gewesen sein mag.

    das war – selbst für meine verhältnisse – hart an der kante, aber der freundlich gemeinte versuch war’s mir wert.

    bei mir zuhause habe ich gestern das geschrieben

    „ich habe mich heute dabei ertappt, daß mich der gedanke antrieb, jemand, der schwächer ist, gegen ‚die rowdies‘ in schutz nehmen zu wollen. und während ich das dachte, bemerkte ich, daß dieser gedanke gerade nicht sonderlich verbreitet ist. ‚in’s wasser schubsen und die klamotten klauen‘ (*) fällt offensichtlich allgemein mittlerweile leichter.“

    (*) sir edward grey über die „huns“, die deutschen im vorfeld von WK 1

  28. Danke Susanne – du hast meine Frage / Irritation verstanden – sie sehr viel besser formuliert und der „Ungemütlichkeit“ Ausdruck gegeben, die ich angesichts des „recht heftigen, emotionalen Apparat aus Urteilen und Beschwörungen“ empfand, der sich als Forderung nach „natürlicher“ Geburt an werdende Mütter richtet.

    Und danke Gerhard, dass du dich nicht gleich vom Acker machst, obwohl du dieses Gespräch als „verbissen“ empfandest!
    Ich hab die Hoffnung, das hat sich jetzt im Zuge Eures nachdenklichen Dialogs ein wenig gelegt.

    Nochmal zum Beginn der Kontroverse: das Buchprojekt einer Hebamme hat meines Erachtes soviel mit #selbstgebären zu tun wie Brüderles nächtlicher Fauxpas mit #aufschrei. Beide Ereinisse sind nur Auslöser, nicht die jeweilige Sache, um die es geht.

    So wenig, wie der zigmal wiederholte Einwand „zieht“, so gar schröcklich sei Brüderles Verhalten nun nicht gewesen, so wenig hilfreich ist der Verweis darauf, dass es hier doch NUR um ein Buchprojekt über „natürliche Geburt“ gehe, das als solches diesselbe Berechtigung habe wie jedes andere Geburtsbuch.

    Bringt nichts, denn die Debatte (oder meinetwegen auch der STREIT) handelt nicht von diesen Menschen und ihrem Tun, sondern vom vielfachem Erleben unzähliger Frauen, sowie vom Leiden an der „herrschenden Meinung“ über diese Phänomene –

    -> im #aufschrei ging es um Sexismus, fehlgelaufenes „Anbaggern“ bis hin zu strafrelevanten Übergriffen in einer Welt, die mehrheitlich meint, das alles sei Schnee von gestern, total übertrieben und Erfindung radikaler Emanzen;

    -> bei #selbstgeboren geht es um die Realitäten des Gebärens, wobei in vormodernen Zeiten sehr viele Mütter gestorben sind (heute: DE 12 pro 100.000, Kenia: 1300) und heutige Frauen sich mit einer biologischen Gewalt konfrontiert sehen, die ansonsten aus unserem Alltag komplett verschwunden ist. Zudem sehen sie sich mit der Forderung, möglichst „natürlich“ zu gebären, konfrontiert, die einen zusätzlichen Stress erzeugt: Nur wer dem entspricht, sammelt „Heldinnenpunkte“ bzw. ist ein gute, richtige Mutter.

    Da derzeit jedes 3. Kind per Kaiserschnitt auf die Welt kommt und es beim zweiten Kind sogar 70% sind, ist es nun wahrlich kein Wunder, dass hier ein Auslöser wie „selbstgebären“ genügt, um jede Menge Reaktionen bzw. Beiträge zum Thema anzustoßen.

    @Hardy: Ich findes es nicht angemessen, die oben gelisteten Artikel und weitere Äußerungen dazu als „Gekreische“ abzutun. Einen Teil davon hab ich gelesen, es sind längere, berührende Schilderungen der Mütter aus dem eigenen Erleben, nachdenklich stimmende Gedanken, Einblicke in verschiedenste Problemlagen – und in großer Mehrheit scheint der Konsens durch: es soll jede Mutter genau SO machen, wie SIE es für sich in der jeweiligen Situation braucht.

    @Susanne: deine „Regel 3“ ist zwar gut begründet, doch gibt es auch eine andere Wahrheit, die etwas für sich hat. Nämlich das indianische Sprichwort, man solle niemanden verurteilen, in dessen Schuhen man nicht eine Zeit lang gegangen sei. Je älter ich werde, desto mehr beherzige ich das – und deshalb bin ich heute nicht mehr (wie in meiner wilden idealistischen Jugendzeit) so schnell dabei, anderen zu sagen, dass sie falsch liegen bzw. wie sie die Dinge richtig machen sollen.

    Als kinderlose Frau sehe ich mich da in derselben Situation wie Männer. Auch mal „dabei gewesen“ zu sein ist nicht dasselbe wie einen neuen Menschen 9 Monate lang im eigenen Körper wachsen und dann durch einen engen Geburtskanal unter heftigen WEHEN hoffentlich unbeschadet das Licht der Welt erblicken zu lassen.
    Ich kann mir das NICHT vorstellen (bzw. es ist in meiner Vorstellung eher ein Horror-Erlebnis…) – und deshalb beteilige ich mich nicht am Urteilen über die „richtige“ Art zu gebären. Sondern bewundere alle, die sich das trauen!

    Zu „natürlich“ und der Strahlkraft dieses Ideals schreibt Susanne:

    „Dagegen hilft nicht, dieses Bild und seine Verlockungen zu leugnen, denn es gewinnt seine Kraft, so nehme ich an, nirgend woanders her als aus einer den Menschen eingeborenen Sehnsucht nach einem Zentrum des Eigentlichen, in dem sie sich aufbewahrt und beruhigt fühlen können.“

    Ja! Und ebenso ist es die menschliche Situation, diesen „Ort der Beruhigung/Befriedung“ nirgends mehr vorzufinden!

    Und noch verstörender: wenn man ehrlich ist und genauer hinsieht, sich mit verschiedenen Formen des „natürlichen Daseins“ auseinander setzt, merkt man auch, dass der Wunsch, dahin zurück zu finden, eine Illusion ist. „Natürlicherweise“ würden wir am Blinddarmdurchbruch sterben, junge Frauen würden fast jedes Jahr schwanger – und „naturbelassen“ schmecken uns nicht allzu viele Lebensmittel (man schaue nur mal auf die elaborierten Speisen, die die heutige Rohkostszene mit ihren Trocknern und Gemüse-Feinstaub-Gemischen anrichtet!).

    So wandeln wir im Nirgendwo und suchen weiter das Eigentliche… ja wo?

  29. @Hardy: deinen Kommentar hab ich erst nach Abschicken des eigenen gesehen! Ich hab nix gegen Widerspruch und andere Meinungen, ganz im Gegenteil finde ich, dass diese die Diskussionen beleben. Anderswo werden oft meine eigenen, höflich und sachlich formulierten Kommentare nicht mal frei geschaltet, weil sie eben Einwände oder Widerspruch formulieren – sowas liegt mir total ferne.

    Trotzdem wunder ich mich über die Form, das „Kryptische“, das Aufgeregte… und verstehe halt dann auch manches nicht. Wie jetzt auch wieder nicht, was dein zitierter Absatz mit diesem Gespräch hier oder auch mit der allgemeinen Debatte zu tun hat! Wer ist denn da stark oder schwach, wer wird ins Wasser gestoßen und wem werden Klamotten geklaut?

    Für mich ist das ganze nichts als eine Blogger/innen-Debatte rund um natürliche/weniger natürliche Geburt.

    Wobei es mir durchaus recht ist, das Thema aufs Philosophieren über „natürlich“ zu verallgemeinern, wie Susanne es macht. Denn vom Gebären hab ich ja nicht wirklich Ahnung!

  30. Die Beiträge, Claudia, bekomme ich immer aktuell über den AOL Reader.

    Gibt es auf deiner Seite auch einen entsprechenden Link für die Kommentare? Bitte hilf mir mal. Ich find`den Link nicht.

    Lieben Dank,
    Menachem

  31. claudia,

    ich kann das auch weniger kryptisch sagen: das kind, das in’s wasser geschubst wird, ist die hebamme, die aus ihrem verständnis der dinge heraus, ein buch schreiben will.

    keine sehr wortgewandte frau. ein perfektes opfer.

    die schubser, das ist die „empöreria“.

    darüber bin ich nicht empört, ich bin entsetzt.

    weil ich dich eben nicht so sehe. was ich sehe, das ist, daß da etwas mit euch „durchgeht“ (ich hatte immer so bilder von stampedes und wutschnaubenden rössern im kopf), das euch davon abhält, zu verstehen, worum es neben persönlichen empfindungen geht: unsere entfremdung von unserem menschsein, von unserer „natur“

    aber, hey, ich lesen hier ja eher eine menge hohn und spott über den begriff „natur“, da muss es wohl eine menge dreck und unreines geben, mit dem ein zivilisierter mensch sich besser nicht abgibt.

    statt dessen kommt „ihr“ mit diesen horrorstories, jeder ging es dreckiger als der zuvor. ist das so was wie ein schwanzlängenwettbewerb am kaffeekränzchen????

    und diese entrüstung „wie kann die nur!“

    das ist aber eben sarrazin’s klage: die anna darf das nicht einmal mehr sagen, ohne daß sich sofort jemand findet, der ihr alles mögliche unterstellt und ihr geradezu das maul verbieten will. der sich davon „herabgesetzt“ fühlt, „entwertet“ … und du rennst da mit? als kinderlose?

    weil?

    ich verstehe ja den psychologischen impetus, aber ihr solltet verstehen, daß ein reflex „aus dem bauch heraus“ kein gedanke ist. es ist ein reflex.

    du fühlst dich angegriffen und keilst zurück.

    das, claudia, das passt nicht zu dir.

    jedenfalls nicht zu der person, die ich hier schätzen gelernt habe. zu der passt auch nicht diese unempfindlichkeit der für mich verständlichen aber (imho) „falschen“ reaktion von chräcker.

    er hätte dir das auch sagen können, hat es aber nicht getan.

    er ist dir (der stampede) aus dem weg gegangen.

    ich jedenfalls bin nicht an dem befüttern des hamsterrads, der „erregungswellenblogosphäre“ und der „digitalen bourgeoisie“ interessiert, ich gucke auch nicht dabei zu, wenn die empöreria eine „kleinere ins wasser schubst und ihr die klamotten klaut“, ich habe eher so diesen aus der mode gekommenen instinkt, ihr beizustehen.

    bei mir gibt es nämlich jenseits des reflexes einen zweiten, dritten, vierten und fünften gedanken. am ende dieses fünften werdet ihr damit leben müssen, daß ihr mal von anderen in’s wasser geschubst werdet und euch fragt, wie es bloß soweit kommen konnte.

    anna verdient das gespräch und nicht den diss, weil mit euch die gäule durchgehen. ich jedenfalls habe – aus erfahrung – mehr vertrauen in die arbeit von hebammen als in die von „hipster“-jammerösen, denen jeder gedanke, den ich da oben, als ich in den du&ich modus verfallen bin geäußert habe, so was von fremd ist.

    _diese_ erfahrungen werden sie nicht machen.

    aber sie werden weiter jammern und nicht verstehen, weshalb ihre welt so verkorkst ist, warum für sie eine natürliche geburt in dem richtigen set & setting vielleicht eine _erfahrung_ gewesen wäre, die sie zutiefst spirituell ergriffen hätte.

    die dinge sind verdammt noch mal komplexer.

    aber hier herrscht ja leider gerade stampede.

  32. @menachem:

    ALLE Kommentare kannst du per Newsfeed abonnieren:

    http://www.claudia-klinger.de/digidiary/comments/feed/

    Kommentare zu EINEM Artikel kannst du per Mail abonnieren – das Kästchen unterhalb des Eingabefensters ankreuzen, wenn du kommentierst.
    .

  33. @Hardy:

    sag mal, kannst du eigentlich auch noch sachlich? Oder legst du es gerade drauf an, dass ich mich doch noch aufrege?

    Du ziehst hier vom Leder, als hättest du nichts, aber auch gar nichts von dem gelesen, was ich zu deinen Äußerungen schon gesagt habe! Ich bin nicht „ihr“, ich renne nirgendwo mit und die oben gelisteten Artikel hab ich gar nicht alle gelesen, bevor ich meinen schrieb. Und die ich gelesen habe, waren nun nicht gerade schlimme Brandreden, sondern wie bereits gesagt eindrückliche Erlebnisberichte. Wie könnte ich Müttern ihre Erfahrungen absprechen oder mich über sie aufregen? Warum sollte ich? (Ich „keile“ auch nicht, ich weiß gar nicht, was du damit meinst!)

    Was Sarrazin mit dem Gebär-Thema zu tun hat, erschließt sich mir immer noch nicht. Sein Machwerk hab ich nicht gelesen und werde nun auch nicht nachforschen.

    Gegen die Hebamme Anna hab ich nichts, auch nicht gegen ihr Buch – lies einfach nochmal den Artikel, einzig und alleine ihren Leitsatz zur Urkraft des Gebärens als „Bestandteil jedes Frauseins“ hab ich als kinderlose, aber immerhin trotzdem weibliche Person ein bisschen „anpolemisiert“. Um dann sofort ALLEN, egal wie gebärenden Frauen meine Wertschätzung auszusprechen, die eigene Distanz zum Thema zuzugeben und das wars auch schon in Sachen Anna Virnich.

    Ab da bin ich vom Auslöser völlig weggekommen – ich verstehe also nicht, was du mir eigentlich vorwirfst.

    Vielleicht solltest du deine Anwürfe ja dort posten, wo Frau Virnich tatsächlich angegriffen wird, wenn du meinst, in ihr eine „ins Wasser gestoßene“ verteidigen zu müssen. Hier jedenfalls ging es mir nicht um SIE, sondern um die Frage:

    Wie berechtigt bzw. verfehlt ist die allgemein und vielfach formulierte Forderung/Erwartung an werdende Mütter, möglichst ohne medizinische Unterstützung zu gebären? Offenbar empfinden das viele als Druck und sich selber als Versagerinnen, wenn es nicht gelingt.

    Susanne hat dankenswerterweise mein eigentliches Thema aufgegriffen, nämlich was es wohl bedeutet, dass da so einen Druck Richtung „natürlicher Geburt“ in einer ansonsten so durchweg unnatürlichen Lebenswelt entsteht. Vorgetragen oft genug von Menschen, die dem Gebären an sich eher ferne stehen bzw. es NOCH nicht erlebt haben. (Z.B. finde ich es schon bemerkenswert, dass beim zweiten Kind die Kaiserschnittrate auf 70% steigt – ob man die Zahl überhaupt glauben kann?)

    NATUR ist jedenfalls differenziert zu betrachten und „an sich“ weder gut noch schlecht. Und was die „menschliche Natur“ ist, darüber kann man wirklich sehr lange und umfassend philosophieren (ist mir lieber als am Geburtsthema hängen zu bleiben).

    Was ist es denn, das uns von Tieren unterscheidet? Typisch menschlich ist doch ganz offensichtlich das Bemühen, der Natur NICHT „ausgesetzt“ zu sein und zu bleiben, sondern mittels Beobachtung, Wissenschaft und Technik eine Lebenswelt zu erschaffen, die die ursprünglichen Härten des Daseins deutlich mindert.

    Selbst die ganzen Zurück-zur-Natur-Bewegungen und Kommunen seit den 70gern lebten und leben in aller Regel nicht „wie einst“ von der Scholle, die sie bearbeiten, sondern von Kursen, Medien, Spenden, Workshops etc.

    Ich habe einige Suchbewegungen in diese Richtung unternommen, hab dann aber als Ergebnis der Auseinandersetzung mit „naturnäherem“ Landleben mein Städterinnen-Dasein angenommen – und mich mit einem „wilden Garten“ begnügt, als Ausgleich zum Sitzleben am PC. Eine tolle „Erdung“ und ein spannendes Experimentierfeld – aber kein Garant fürs Seelenheil.

  34. @Susanne, Danke, etwas verspätet, zu Deinen Ausführungen über den möglichen Quell des Rufs nach dem Natürlichen.
    Es kann durchaus so sein, daß „Frau“ es richten soll, daß „Frau“ die zunehmende Ungemütlichkeit und Feindlichkeit dieser Welt durch das „Opferritual“ einer natürlichen Geburt
    kontern soll. Die Frau als Bann des Bösen.

    hier wie auch sonst hilft es, sich diese Dinge bewusst anzuschauen und zu lernen, loszulassen und als Mensch in dieser Welt „auf eigenen Beinen zu stehen“ – was natürlich ein Sysiphos-Unterfangen bedeuten kann.

    Zu @Hardys und @Claudias Kontroverse kann ich weniger beitragen. Soweit ich @Hardy verstanden hatte, bedeute eine natürliche Geburt vielleicht eine tiefe spirituelle Erfahrung, die man als Frau nicht so ohne Weiteres missen sollte. Das bezweifle ich etwas. Ich denke, das Tragen des Kindes im Leib, DAS ist etwas ganz Besonders und kann spirituell verwandeln, aber die Geburt selbst?! Da müsste man die Mütter befragen, ob das letztlich doch meist nur Qual ist, durch das, wie ich vermute, nichts Spirituelles durchscheint.
    @Claudia, ich bin kein Wegrenner, auch wenn es so scheint. Ich merkte nur an, wenn es letztlich um Themen Mann-Frau geht, daß es hier sehr schnell hitzig wird – und sich auch nur wenige beteiligen.

  35. @Gerhard: Tja, ich bedauere das, „dass es schnell hitzig wird“ – sogar hier in diesem allgemein recht friedlichen Blog. Oft ist es dann besser, eine Kontroverse per persönlicher Mail fortzusetzen, denn ansonsten werden die Reden immer länger und für Dritte regelrecht abschreckend, allein schon deshalb! :-)

    Ich finde mich in diesem Geburtsthema auch nicht wirklich wieder, da es was mich selbst angeht, definitiv lange schon „durch“ ist, auch nie eine echte Frage war. Es mag anderen seltsam vorkommen, aber für mich war der Wunsch, Kinder zu bekommen immer in etwa so weit entfernt wie die Möglichkeit, den Mount Everest zu besteigen.

    Dafür hatte ich andere „Gipfel-Besteigungen“ im Leben… :-)

    Das Thema „natürlich“ bewegte mich allerdings schon in verschiedenen Zusammenhängen – nur deshalb bin ich hier drauf eingestiegen. Evtl. nehme ich das in einem anderen Zusammenhang nochmal auf! Aber nicht jetzt, da ist noch eine Latte ToDos davor…

  36. [..] Vielleicht solltest du deine Anwürfe ja
    [..] dort posten, wo Frau Virnich tatsächlich
    [..] angegriffen wird, wenn du meinst, in ihr
    [..] eine “ins Wasser gestoßene” verteidigen zu müssen.

    [..] gute idee [..]

  37. Ich weiß nicht ob es eine gute Idee ist, so spät in die von mir mit großer Spannung verfolgte Diskussion einzusteigen – vor allem auch, weil ich als Mann und Kinderloser nun wirklich ein von Farben redender Blinder bin.

    Aber…

    Beim Lesen dieses „Schlagabtauschs“ habe ich mehrfach gedacht, dass ich „diese“ Diskussion schon oft gelesen habe und das Einzige was hier anders ist, der Dreh- und Angelpunkt ist. Diese (hier spezielle) Debatte hat was Religiöses. Ein Agnostiker (Claudia) macht sich Gedanken und ein Gläubiger (hardy) besteht auf seine Wahrheit und darauf, dass allen, die seiner Wahrheit nicht folgen, gehörig was abgeht.

    Was aber in diesen vielen Worten und Argumenten untergeht sind die Konsense von der Selbstbestimmung des Individuums und die Beurteilung einer Sache aus der zweiten Reihe heraus. Denn weder hardy noch Claudia (und ich auch nicht) haben selbst Kinder geboren, wobei hardy die Erfahrung von drei Geburten hat – aber eben „nur“ aus der zweiten Reihe heraus.

    Susanne hat das mit der Natur und dem Natürlichen wunderbar auf den Punkt gebracht und Claudia hat die Vorteile der „unnatürlichen“ weil modernen Geburt gut herausgearbeitet (Stichwort Sterblichkeit). Und da denke ich, lieber hardy, dass man bei der Äußerung seiner Wünsche vorsichtig sein sollte, weil sie eben in Erfüllung gehen könnten. Andererseits denke ich aber auch, dass die von hardy beschriebene Impfung beim Passieren des Geburtskanals schon etwas ist, was dem Kind später beim Leben hilfreich ist.

    Unsere Welt ist und war voll von genau solchen Widersprüchen, die sich auch mit größtem Willen und besten Voraussetzungen nicht auflösen lassen. Was da bisher und auch in Zukunft nicht funktioniert ist Rechthaberei und man tut gut daran sich immer wieder zu verdeutlichen, dass jede Medaille zwei Seiten hat.

    Euch allen einen schönen Sonntag und vielen Dank für diese spannende Diskussion.

  38. „…Unsere Welt ist und war voll von genau solchen Widersprüchen “

    Für wahr, @Olaf.

    Danke, und dir auch einen schönen Sonntag.

  39. Mehr denn je denke ich: Wieso mischt man sich eigentlich in so eine Diskussion ein? Da kann es nur Verlierer geben, alle argumentieren bis manchmal ins letzte Detail hinein, sind aufgelöst und aufgebracht…und wozu?

  40. Um klüger zu werden @ Gerhard. Oder auch nur um seine Sicht der Dinge zu äußern. Oder um zu moderieren, zu konstatieren, manchmal auch nur um zu eskalieren, vor allem aber um zu kommunizieren. ;o)

    Ich habe mich eingemischt (Du meinst doch mich, oder?), weil es mir leid tut, dass sich zwei so kluge und kommunikative Köpfe wie Claudia und hardy überwerfen – wobei das nur meine höchst subjektive Ansicht ist, die durchaus falsch sein kann. Ich habe in den vielen Unterhaltungen von beiden einiges erfahren, neue Sichtweisen kennen gelernt und so manchen Denkanstoss erfahren.

    Ich halte es nicht für das Schlechteste zu einem späten Zeitpunkt dazu zu kommen und neue Impulse zu geben, einen (versteckten) Konflikt „heraus zu holen“ und ihm damit die destruktive Kraft zu nehmen oder eben einfach nur darauf hinzuweisen, dass es gewisse Parallelen gibt.

    Man, Du, Claudia, hardy oder die anderen Diskutanten können das als vermessen und anmaßend empfinden. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Und dennoch; so lange die Diskussion im öffentlich Raum des Internets stattfindet, mische ich mich ein, wenn ich meine, etwas dazu zu sagen zu haben. Wenn das nicht passt, dann hat Claudia in ihrem Blog das Hausrecht und kann meinen Beitrag löschen oder moderieren oder, das gilt dann auch für hardy, Susanne, Dich und jeden Anderen, mir die eigene Meinung geigen. Auch wenn mir das nicht immer passt, so kann ich doch damit leben. Im besten Fall werde ich dadurch wieder ein bisschen klüger. Im schlimmsten Fall hole ich mir ein Watschn ab – und werde dadurch wieder ein bisschen klüger.

    Aber auf eine Einmischung verzichten, nur weil es Verlierer geben könnte, werde ich nicht. Weil die Welt sicher nicht besser wird, wenn man sich nicht einmischt.

  41. @Olaf, mit einmischen meinte ich natürlich nicht dich. Sondern irgendwo wirft irgendwer ein neues Thema auf und dann beginnt plötzlich ein Lauffeuer…
    Auch ich habe da mitgemacht, habe mich hier geäussert, ohne gesonderte profunde Kenntnis. Wo bleiben die Mütter etwa mit ihren Erfahrungen?
    Deine Reaktion zeigt mir auch im allgemeinen, daß man garnicht genau genug und abgewogen formulieren kann, um NICHT missverstanden zu werden. Das gilt generell. Und das macht müde beim Diskutieren – das wollte ich wohl mit Verlierer sagen.

  42. Gerhard schrieb: „Wo bleiben die Mütter etwa mit ihren Erfahrungen?“ Na, schau mal die oben verlinkten Blogpostings durch! :-)

    Ich persönlich nehme mir heraus, zu allem was zu schreiben, wenn ich dazu Lust habe. Das ist doch der eigentliche Sinn und Nutzen des Bloggens: wer mag, kann und darf es machen, muss aber auch mit den Reaktionen leben.

    Mein eigentliches Thema in diesem Zusammenhang war und ist nicht wirklich die „Moral der Gebärmethoden“, sondern das Verhältnis zur Natur, zu Natürlichkeit und zum Stellenwert derselben als Bewertungsfaktor. Ich erlebe mich selbst und viele andere da als „unübersichtlich zerrissen“ – bin aber nicht geübte Philosophin genug, um das ganze Feld angemessen zur Sprache zu bringen. Also nehme ich hier und da mal ein Thema auf, das grade im Schwange ist und in dessen Rahmen zumindest die Problematik erkennbar wird.

    Über Hardy und mich müsst Ihr Euch eher keine Sorgen machen – wir mailen auch, textlich schon mal doppelt so viel wie hier – und werden uns mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht „für immer überwerfen“, wenn wir mal unterschiedliche Sichtweisen pflegen bzw. Dissense erleben.

    Zum Hebammen-Anliegen will ich noch ganz allgemein anfügen: Ich unterstütze sie, wie es eben online möglich ist, zeichne jede einschlägige Petition und bin wie sie der Meinung, dass Frau selbstbestimmt gebären sollte – was nicht immer „natürlich“ bedeuten muss. Der aktuelle Klinikablauf weicht von dieser Vorstellung wohl deutlich ab – und das ist ein ÜBEL, das abgeschafft werden sollte!

    Habt alle eine schöne Woche!

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