Claudia am 12. August 2013 — 17 Kommentare

Wir müssen die Alternativen zur Alternativlosigkeit selber erdenken!

Es fällt nicht schwer, sich mit fast allen Mitbürgern darauf zu einigen, dass vieles schief läuft, ja sogar darüber, dass die Karre richtig im Dreck steckt bzw. immer weiter ‚rein fährt.

Totale Überwachung, Finanzkrise, Eurokrise, Aktien- und Staatsanleihen-Blase, Verschuldungskrise – und damit immer mehr DRUCK in Richtung Ausbeutung und Verschleuderung aller erdenklichen Ressourcen für ein verschwenderisches „weiter so“.

Weil unser „System“ angeblich nicht anders kann. Weil es Wachstum braucht, um zu funktionieren. Wachstum, das auf den Märkten erwirtschaftet wird, die dann natürlich möglichst FREI sein sollen, damit auch jeder die Chance hat, mit seinem 234. Fertiggericht, der 23. Senfsorte oder der X. Massentierhaltung in sowieso Gülle-überlasteten Gebieten Rendite zu erwirtschaften. Weltweit natürlich, deshalb die Freihandelsabkommen.

Früher hab‘ ich geglaubt, der angebliche „Wachstumszwang“ wäre eine bloße Ideologie zugunsten von Leuten, die nicht genug kriegen können.

Mittlerweile weiß ich, dass dieser Zwang ECHT ist. Systemische Wirklichkeit. Geboren aus der Natur unseres Geld- und Zins-Systems. Wo der Schwerpunkt des Übels liegt – Falschgeld oder Zinssklaventum? – darüber ist man sich in einschlägig diskutierenden Kreisen nicht einig. (Leider nimmt die „herrschende Meinung“ an derlei Diskussionen nicht teil. Und dass das so durchgeht, kreide ich unseren guten Journalisten als Versagen in Sachen „4.Gewalt“ an!).

Andere gehen nicht so in die Tiefen des ökonomischen Betriebssystems, sondern erzählen immer wieder neu die Geschichte vom freien Markt, in dem man sich halt als Staat nicht einmischen soll, dann werde schon alles flutschen. Die aktuellen Verhältnisse (sogar jene in den USA) werden von den so Meinungskostümierten als „Sozialismus“ angeprangert. Nun ja…

Was aber auffällt: NIEMAND denkt über Alternativen zum Kapitalismus und zur Marktwirtschaft, wie sie real existiert, konkret nach. Nicht die Blogger/innen, nicht die Leit- und Mainstream-Medien, auch nicht die Indy-, Alternativ- und Widerstands-was-weiss-ich-Postillen.

Ist das etwa ein heutiges TABU? Verursacht durch das Scheitern des „real existierenden Sozialismus“?

PLANWIRTSCHAFT statt Marktwirtschaft – das war einst das Programm jener, die versucht haben, eine Alternative zum „Markt“ zu erschaffen. Und natürlich ist das DAMALS komplett gescheitert. Papier, Akten, Büroboten, Brief- und Fax-Kommunikation – was will man da anders machen als 5-Jahres-Pläne über die Köpfe der „Kunden“ hinweg…

Warum denkt das nicht mal jemand mit den heutigen Kommunikationstechniken durch?

Planwirtschaft 2.0 – was wäre da mit den uns bekannten Möglichkeiten machbar?

Ein Grundeinkommen reicht nicht, obwohl es die Basis legt. Man muss sich auch die Wirtschaft dazu ausdenken. Wie könnte man anders wirtschaften, perspektivisch global?

Diskussion

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17 Kommentare zu „Wir müssen die Alternativen zur Alternativlosigkeit selber erdenken!“.

  1. Liebe Claudia,

    sag, wie kannst Du eine solche Aussage formulieren:

    „NIEMAND denkt über Alternativen zum Kapitalismus und zur Marktwirtschaft, wie sie real existiert, konkret nach. Nicht die Blogger/innen, nicht die Leit- und Mainstream-Medien, auch nicht die Indy-, Alternativ- und Widerstands-was-weiss-ich-Postillen.“ ???

    Das ist einfach falsch. Simple Google Anfragen werden das bestätigen…

    und gleich zu Beginn heißt es:

    „Es fällt nicht schwer, sich mit fast allen Mitbürgern darauf zu einigen, dass vieles schief läuft, ja sogar darüber, dass die Karre richtig im Dreck steckt bzw. immer weiter ‘rein fährt.“

    Exakt dieser Gedanke hielt mich in den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts recht massiv fest… Irgendwann ging mir aber auf, dass der Glaube an die „immer weiter in den Morast fahrende Karre“ schlicht Unfug ist und keinerlei Meldung wird mich von dieser Meinung abbringen. So läuft die Welt halt, so ist nun einmal der Mensch. Ganz normaler Vorgang.

  2. Liebe Claudia,

    so ganz stimmt das nicht.
    Auf SlowLifeLab.de gab es schon Anfang des Jahres eine Artikelserie zum Thema Postwachstumsökonomie nach Niko Paech.
    http://slowlifelab.de/postwachstumsoekonomie-dr-niko-paech-in-stuttgart-folge-1-von-3/

    Und das war sicher nicht der erste Artikel zu diesem Thema.

    Mir schwirren so einige Initiativen im Kopf herum, über die ich bereits gelesen habe. Die folgende Liste ist ungeordnet und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

    Als erstes fällt mir natürlich die Initiative zum BGE ein (http://aktuelles.archiv-grundeinkommen.de/).

    Unter dem Begriff Degrowth gibt es internationale Bewegungen. Wikipedia ist ein guter Startpunkt: http://de.wikipedia.org/wiki/Wachstumsr%C3%BCcknahme

    Dann die Transition Initiativen: http://www.transition-initiativen.de/
    Auch die essbaren Städte und Gemeinschaftsgärten würde ich mittelbar dazuzählen.

    Es gibt viele lokale Initiativen die eigene Währungen entwickeln, teilweise sogar mit Verfallsdatum: http://www.zschopautaler.info/

    Sind nicht auch Maker-Labs ein Beitrag zur Degrowth?

    Ich lese seit Jahren jeden Artikel zu diesen Themen in der Hoffnung auf einen gangbaren Weg… Inzwischen bin ich Literatur über die Gründerzeit angekommen und suche nach Fehlern, die man zukünftig vermeiden kann …

    Liebe Grüße,

    Alice

  3. Ich danke Euch schon mal für die schnellen Resonanzen!!
    Und für die interessanten Links!!

    Über Grundeinkommen und Postwachstums-Theorien hab ich natürlich auch schon einiges gelesen – sogar dicke Bücher, die mich allerdings mangels realer Umsetzungsvorschläge enttäuschten.

    Insgesamt nehme ich jedoch in meiner durchaus BREIT angelegten Filterbubble zu diesem Thema sehr selten etwas wahr. Und das, was ich doch ab und an lese, kratzt meist nicht an der Freiheit, alles auf den Markt zu bringen, was man mag.

    In der Theorie vom Markt werden knappe Ressourcen dann eben teurer – bis sich die Produktion mangels zahlungsfähiger und bereiter Nachfrage nicht mehr lohnt. So ist es aber nicht, denn es wird dann eben „alles getan“, um die Preise im Rahmen zu halten: Fracking dämpft den Ölpreisanstieg, gefährdet und verschmutzt aber massiv die Umwelt. Drittweltländern werden extrem niedrige Preise einfach diktiert, damit das H&M-Shirt billig bleibt. Sollen Stromkosten zugunsten der Energiewende steigen, schreien alle Zeter & Mordio und man möchte das Ganze am liebsten wieder abblasen…

    Und das GELD als Ressource wird von den Zentralbanken ebenfalls seit der Finanzkrise (die ja nicht etwa vorbei ist, ganz im Gegenteil) billig gehalten, so dass das „notleidende Kapital“ die verrücktesten und riskantesten Aktivitäten finanziert, in die „Sachwerte“ flieht (weshalb z.B. die Mieten steigen) und Blasen aufbläht, um noch an Rendite zu kommen.

    Ab und an, wenns mal richtig brisant zu werden scheint, wird sogar in den Mainstreammedien „die Systemfrage gestellt“ (sogar die FAZ hat mich da verblüfft!) Versuche einer Antwort gab es allerdings nicht.

    Na, ich werde die vermutlich auch nicht finden, aber so beruhigt und fatalistisch wie Hermann kann ich das Geschehen auch nicht anschauen.

  4. Liebe Claudia, den oben aufgeführten links
    möchte ich noch folgende Namen hinzufügen:

    Charles Eisenstein, Margrit Kennedy, Bernard Lietaer

    Da wurde auch nachgedacht UND publiziert…

  5. NIEMAND denkt über Alternativen zum Kapitalismus und zur Marktwirtschaft, wie sie real existiert, konkret nach.

    Diese Aussage ist FALSCH: ich denke über alternetiven nach und ich bin nicht NIEMAND.

    Mir geht es aber oft so, WIE WENN die Aussage fast richtig wäre, weil ich ganz selten Menschen finde, die sich ernsthaft – MIT MIR – darüber unterhalten möchten. Ich nehme an, dass sich fast alle Menschen zum Thema Gedanken machen, dass ich aber einfach nicht viel davon mitbekomme, weil das was sie denken, für mich oft nicht nachvollziehbar ist. Nachdenken tun (fast) alle, aber gemeinsam nachdenken, sich also an einem Dialog beteiligen, ist eine andere Geschichte.

  6. PS: vielleicht liegts schon am Verständnis darüber, was NACHdenken heissen soll: ich meine damit zuerst und vor allem eine Reflexion des eigenen Sprachgebrauches. Wenn ich beispielsweise über Alternativen zum Kapitalismus nachdenke, mache ich mir bewusst, was ich als Kapitalismus bezeichne.
    Aber ich finde sehr selten Gesprächspartner, die NACHdenken so verstehen – woraus ich aber eben nicht folgere, dass sie nicht über Alternativen nachdenken …

  7. Ich denke bei Gegenentwürfen vor allem an ATTAC und an die Bücher von Christian Felber (Gemeinwohlökonomie z.B.)

  8. hmmm … ATTAC und „Bücher“ sind keine Gesprächspartner sondern Organisationen – überdies sind die beiden Organisatione gerade solche, die den Kapitalismus nicht ersetzen sondern besänftigen wollen – ODER (um mein (Miss)verständnis genauer zu formulieren) jedenfalls nicht sagen, was sie als Kapitalismus bezeichnen.
    ähhh .. natürlich muss man kein Verständnis von Kapitalismus haben, wenn man die Welt verbessern will, ein solches Verständnis bräuchte nur, wer Alternativen zum Kapitalismus möchte

  9. Nun, meine allzu absolute Äußerung („NIEMAND….“) hab ich ja schon im letzten Kommentar relativiert. Immerhin ergibt die Provokation interessante Links und Lesetipps, denen ich mal nachgehen werde – wenn auch nicht allen auf einmal.

    Aber wie Rolf Todesco richtig sagt: Bücher sind keine Gesprächspartner. Unter Artikeln im Web entspinnt sich wenigstens manchmal eine richtig gute Diskussion – mit Büchern ist man alleine und hat dann echt Mühe, die fette Packung an Infos plus Ansichten auch einzuordnen und ‚rüber zu bringen in Gespräche. Die in der Regel mit Leuten stattfinden, die das Buch nicht gelesen haben…

    @Rolf: mein Problem beim Diskutieren mit dir hast du selbst gut erläutert! Wenn ich mich zunächst über sämtliche Begriffe austauschen soll und da nicht auf ein „übliches Verständnis“ mittelprächtig gebildeter Europäer zurück greifen darf, bekomme ich schnell das Gefühl, dass es müßig ist und nirgendwohin führt. Weil es bremst, weil man nie zu einem Schluss kommt, in dessen Folge sich auch ein Handeln ergeben könnte. Sondern man kreist gefühlt endlos und immer wieder neu im Austausch über Definitionen…. Etwas, was ich ja mit anderen SO nicht erlebe, die meine Sätze anscheinend ohne Probleme verstehen können/wollen.

    Um auch das Positive solcher „Wortklaubereien“ nicht unter den Tisch fallen zu lassen: in so einem Gespräch mit Rolf wurde mir klar, dass GELD im rechtlichen Sinne nur Bargeld ist.
    Was aber hilft das in einer Welt, in der „Geld“ aus Schulden entsteht, das allermeiste über Buchgeld/Konten abgewickelt wird und Bargeld nur marginale, ja schwindende Bedeutung hat?

    Aber zurück zum Thema: Jede Menge Menschen finden den „entfesselten Kapitalismus“ furchtbar und hätten gerne eine Alternative. Mit dem etwas „gefesselteren“ Kapitalismus der Nachkriegszeit (bzw. während des kalten Kriegs!) bis in die beginnenden 90ger war man ganz zufrieden, doch ist der nun mal nicht einfach rückhohlbar, da sich weltweit die Rahmenbedingungen geändert haben (man sieht ja, wie es Frankreich geht…).

    Was also? Entfesselten Kapitalismus findet man schlecht, aber die Marktwirtschaft (am liebsten als „soziale“) will man behalten.

    Frage 1: kann es Marktwirtschaft ohne Kapitalismus geben?

    Und Frage 2: wird in Sachen Ressourcen- und Umweltverbrauch irgend etwas besser, so lange es „freie Märkte“ gibt, bzw. nur Beschränkungen, die sich auf Gefahren (Giftstoffe etc.) beziehen, nicht aber auf den Verbrauch von Ressourcen selbst?

  10. Zur Wortklauberei: Wenn ich jemanden ernst nehme, will ich verstehen, wie er seine Worte verwendet, statt einfach anzunehmen, er verwende sie so wie ich (vermeintlich jedermann). Wenn mich nicht so genau interessiert, was der andere meint, dann verstehe ich ihn immer ganz leicht und gut.

    Im Beispiel: Kapitalismus und Markt gehören schlicht nicht zusammen. Märkte hat es schon gegeben, als noch niemand eine Idee von Kapitalismus hatte. Also ist die Frage, ob es eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus geben könnte extrem irritierend (die Wörter müssen dabei offensichtlich unkonventionell verwendet werden, es sei denn, man teile meine Aussage, dass Märkte viel älter sind als Kapitalismus nicht)
    Positiv gedreht: Im Kapitalismus ist die Arbeitskraft eine Ware, die auf dem „Markt“ verkauft wird. Auf einem nichtkapitalistischen Markt werden Güter oder Dienstleistungen, aber keine Arbeitskraft verkauft.

    Und zur 2. Frage:
    Die Redeweise „freier Markt“ ist für mich unverständlich. Inwiefern könnte ein Markt „frei“ sein? Auf dem Markt herrschen Angebot und Nachfrage, das hat mit Freiheit doch gar nichts zut tun? Und auf jedem mir bekannten Markt ist geregelt, WAS gehandelt werden darf und was nicht. Da sehe ich auch keine Freiheiten.

    Ja, das kann man als Wortklaubereien abtun. Ich bezeichne es als ernsthaftes Nachfragen.

  11. Danke Rolf!! In diesem Posting hast du es jetzt aber auch mal kurz und knackig gesagt :-) Ich erinnere mich an Gespräche, da wusste ich nicht mehr, wo mir der Kopf steht angesichts der Infragstellung ganz normaler Worte…

    Frage 1 ist damit beantwortet. In der heutigen Welt kann es keinen Markt ohne Kapitalismus geben, da die Komplexität der Herstellung und die Arbeitsteilung viel zu weit fortgeschritten ist. (Ausnahmen: Flohmärkte, Bauern/Wochenmärkte…)

    Was den „freien“ bzw. weniger freien Markt angeht. Dabei gibt es mehrere Freiheiten:

    -> die Freiheit, eine beliebige Ware an beliebigem Ort beliebigen Abnehmern anzubieten

    Hier gibt es von Land zu Land unterschiedliche Vorschriften bzw. Beschränkungen bzgl:

    -> der Art der Ware (Drogen, Waffen, sexuelle Dienstleistungen, nicht zugelassene Medikamente)
    -> der Beschaffenheit der Ware (Giftstoffe, Normen etc.)
    -> des Ortes (z.B. Verbot der Nutzung öffentl. Straßenlands)
    -> der Zeit (Ladenschluss etc.)
    -> der möglichen Nachfrager/Abnehmer (Jugendschutz)

    Des weiteren beschränken Zölle, Patent/Warenmuster/Marken/Urheberrechte sowie Wettbewerbsgesetze die Möglichkeiten des Handels.

    Innerhalb dieser je unterschiedlichen Rahmenbedingungen ist der Markt dann „frei“, denn jeder darf alles anbieten, was nicht gegen die Gesetze/Beschränkungen verstößt.

    Die Bemühungen, möglichst überall Freihandelsabkommen zu schließen sehe ich als Versuch, die Beschränkungen der einzelnen Staaten auf ein für die Wirtschaft genehmes Minimum einzudampfen.

    Dass du da gar keine Freiheit siehst, wundert mich! Niemand hindert ein Unternehmen, die 143. Tütensuppe auf den Markt zu bringen, auch wenn es dafür – zunächst – keinerlei Nachfrage gibt. Oft wird dasselbe Produkt auch unterschiedlich verpackt und beworben. Das ist für mich der „freie“ Kern der Marktwirtschaft – und genau dieser Kern ist für den immensen Ressourcenverbrauch verantwortlich.

  12. hmmm … dann doch etwas wortklaubiger:
    zur Frage 1) Man könnte LOHNarbeit verbieten und ansonsten den Markt so lassen, wie er gerade ist. Dann wäre der Markt ohne Kapitalismus. Ob das funktionieren könnte? Der Sache nach ohne weiteres! Aber die LohnGEBER wären sicher nicht einverstanden und würden – auch mit Gewalt – durchsetzen, dass sie weiterhin Lohn GEBEN dürfen.
    Ich habe mal ein kleines Buch dazu geschrieben, wie die Arbeit ohne Lohn gemacht werden könnte: Das Aktienkapital gehört zu gleichen Teilen all denen die dort bei gleichem „Lohn“ arbeiten.
    Aktuell ist in der Schweiz eine Volksabstimmung hängig, in welcher die Lohnspanne innerhalb einer Firma im Verhältnis 12:1 maximiert wird. Meiner Meinung nach müsste es 1:1 sein. Aber die Gesetzesvorlage 12:1 zeigt, dass man das per Beschluss so einrichten kann.
    Kapitalismus abschaffen wäre ganz einfach, es würde aber wohl Krieg geben.

    zur Frage2 ) ich spreche da nicht von Freiheiten des Marktes, sondern von Freiheiten der Kapitalisten. Die erste Freiheit besteht darin, dass sie Arbeitskraft gegen Lohn kaufen dürfen. Dann kommen die Freiheiten, die Du aufzählst, die wie jedes Recht teilweise mehr oder weniger beschränkt sind. Recht bedeutet ja gerade solche Beschränkungen.

    Und schliesslich zur Ressourcen-Frage: Wir schädigen die Umwelt mit unserem Einkommen, nicht mit unseren Ausgaben. Dafür ist der Markt weder gut noch schlecht, aber grosse Einkommen sind am Markt nur im Kapitalismus möglich. Tütensuppen sind für mich kein Problem, aber dass es viele Menschen gibt, die Tütensuppen kaufen müssen, und viele Menschen, die nicht einmal das können – das ist für mich DAS Problem

  13. @Rolf: ich bezweifle, dass man Lohnarbeit einfach „verbieten“ könnte. Und es arbeiten doch nicht alle in Aktiengesellschaften! Zudem: hat es das nicht im Kleinen schon vielfach gegeben? All die Projekte in den 70gern und 80gern: Betriebe im Besitz der Belegschaft. Ich kenne keine, die in dieser Struktur noch existieren. Entweder sie hörten auf, machten Pleite – oder sie veränderten sich in Richtung des Üblichen: klare Eigentümer/Chefs und eben die Arbeitnehmer. Soweit ich es an Beispielen mitbekommen habe, entsteht das aus dem unterschiedlichen Engagement der Leute: die einen wollen eine ruhige Kugel schieben, die anderen möglichst viel verdienen….

    zu 2: Wieso schädigen wir die Umwelt durch Einkommen und nicht durch Ausgaben? Wenn ich – mal theoretisch – alles Einkommen in bar auszahlen lasse und in den Schrank lege, verbrauche ich keinerlei Ressourcen durch meinen Konsum. Geht natürlich nicht, schließlich muss ich von etwas leben…

    Das mit den Tütensuppen ist nur ein Beispiel für viele: egal wie gesättigt Märkte sind, es darf jeder noch ein Produkt produzieren und per Werbung die Leute motivieren, doch vielleicht auch noch DAS zu kaufen – obwohl ein wirklicher Bedarf nicht da ist, wenn es schon 123 Tütensuppen gibt.

    All die Tablets, die produziert, aber nicht verkauft werden, weil andere Modelle das Rennen machen – die liegen dann so rum, voll mit ihren „seltenen Erden“…

  14. ja, Claudia, ich habe etwas ungenau formuliert. Ich bin NICHT dafür, etwas zu verbieten und ich meine, dass MAN (im Staat) ALLES verbieten kann. Die USA hat über Jahre hinweg verboten, Gold zu besitzen, so wie sie jetzt verbieten, Drogen zu besitzen. Und so KÖNNTE ein Staat ohne weiteres die Lohnarbeit verbieten.
    Mir geht es aber mehr darum, woran wir denken, wenn wir von Kapitalismus UND Alternativen sprechen. Kapitalismus beruht auf LOHNarbeit, also muss eine Alternative immer auf Lohnarbeit verzichten (was mit oder ohne Verbote möglich wäre)

    Es kommt ausschliesslich auf das EINKOMMEN an. Denn jedes EINKOMMEN entsteht Arbeit, die Ressourcen abbaut. Viel EINKOMMEN = viel Energie verbraucht.
    Wenn ich mein Geld ausgebe, ist es wieder EINKOMMEN von jemandem. Je mehr EINKOMMEN ich habe, umso grösser (direkt proportional) ist mein Ressourcenverschleiss.
    Natürlich schauen die Reichen lieber, ob sie bei den Ausgaben die Umwelt schonen können. WIR Schweizer sind so umweltbewusst und haben so saubere Luft und die Chinesen, Brasilianer und Inder … die machen richtig viel Dreck !!!
    Ich sehe das eben GANZ GENAU umgekehrt, wenn ich die Einkommen anschaue. Fazit: Kommt darauf an, was ICH anschaue (Anschauung als deutsches Wort für Theorie)

  15. Apropos Alternativen

    Liebe (allem aufgeschlossene) Claudia,

    weiß nicht was DEIN Rauchverhalten derzeit macht, ABER: würdest Du dich mal dem Thema eCigarette annehmen und uns einen Produkttest durchführen und sodann präsentieren.
    Wäre toll.
    Danke.

    Otti

  16. @Otti: und das konntest du mir nicht per Mail schreiben?

    Wer für „alles aufgeschlossen“ ist, ist nicht ganz dicht! Ein Blick ins Blog hätte gezeigt, dass ich hier keine Produkte teste. WENN ich das aber täte, dann klar gekennzeichnet und abgegrenzt von normalen Postings. Und GANZ GEWISS NICHT UMSONST!!!

  17. Hej Claudia,

    Du siehst, ich arbeite brav alle Deine Posting ab. Is ja aber auch immer so interessant bei Dir. ;o)

    Zum Thema Kapitalismus, was er kann und was nicht, was er tut, was er lassen und was er tun sollte, möchte ich Dir wärmstens das Hamburger Wirtschaftsmagazin brand eins empfehlen.

    Die nehmen sich jeden Monat einen anderen Schwerpunkt zum Thema Wirtschaft vor, den sie von allen Seiten beleuchten. Der aktuelle heißt „Privat – Das Recht in Ruhe gelassen zu werden“ – und könnte aktueller nicht sein.

    Das Grundeinkommen hat die brand eins schon erklärt, als das Thema noch als Idee der Faulen und Tagediebe verpöhnt war. Den Kapitalismus – die Wirtschaft – mit seinen Auswüchsen und Risiken, aber auch mit seinen Chancen und Möglichkeiten haben sie immer wieder auf dem Radar.

    Der Verlag schafft den Spagat zwischen Geld verdienen und Content für alle. Alle Artikel erscheinen nach einem Monat im wohl geordneten Archiv. Die brand eins ist nie laut, aber immer verständlich. Sie ist nie polarisierend und bezieht dennoch Stellung.

    Und wenn Du dich jetzt wunderst, warum ich so flammend über das Magazin rede…; weil ich die brand eins mag und überzeugt von dem Konzept bin, dass mich jeden Monat ein Stückchen klüger macht und noch dazu hervorragend unterhält.

    http://www.brandeins.de/

    Zum Posting selbst:

    Das Problem des Kapitalismus ist nicht der Kapitalismus selbst. Es ist die Entregelung, die aus ihm ein Raubtier macht. Nicht das System muss auf den Prüfstand, sondern die Regeln nach denen er funktioniert. Dazu gehört unter anderem den Wert von Dingen in den Wertschöpfungsketten anzuerkennen, die bisher keinen Wert haben, aber aus denen die Wertschöpfungsketten bestehen, bzw. in denen sie ihren Ursprung haben. Die Natur zum Beispiel. Oder die Menschen, die die Produkte herstellen. Geplante Obsoleszens müsste unter Androhung der Betriebsschließung verboten und Dumpinglöhne mit Knast bedroht sein. Wer Bodenschätze ausbeutet muss dafür bezahlen und hinterher wieder aufräumen. Auch wenn das Geld kostet. Geschäfte, bei denen am Ende irgendwer oder irgendwas die Zeche bezahlt sind scheiß Geschäfte und sollten von der Allgemeinheit moralisch abgelehnt werden.

    Mit dem Kapitalismus ist es ist wie mit dem Beton. Es kommt drauf an, was man draus macht.

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