Claudia am 17. Januar 2013 — 7 Kommentare

Die alltägliche Schere im Kopf

Das wird jetzt kein Beitrag zum Thema Journalismus: es geht ums persönliche Bloggen. Um solche wie mich, die – weil sie gar nicht anders wollen können – an der Einheit von Leben & Arbeiten als Ideal und zu förderndem Zustand festhalten.

Die kommerziellen Elemente in diesem Blog sind marginal und haben noch nie jemanden gestört. Auch mich nicht bei der Wahl meiner Themen und deren Gestaltung. Ich schreibe zuvorderst für mich (Selbstausdruck) und als nächstes für die Leser/innen – und das schon recht lange, unter dem Label „Digital Diary“ seit 1999.

Die Schere im Kopf, die ich meine, hat nichts mit etwaigem kommerziellen Eingebundensein zu tun, sondern mit meinen „gefühlten Lesenden“, bzw. der Art, wie ich mich zu dieser „gefühlten Allgemeinheit“ und speziell zur intendierten, aber undefinierten „Stammleserschaft“ verhalte. Deutlicher: ich spreche nicht über Euch, sondern über mich.

Weil das hier ein persönliches Blog ist, hab‘ ich ihm niemals eine „eigene Domain“ gegönnt. Es scheint mir gut aufgehoben unter www.claudia-klinger.de/digidary/. Das war schon der erste Verstoß gegen das sich entwickelnde SEO-Wissen, viele andere sind gefolgt. Auf „unverbissen-vegetarisch“ mache ich in diesem Sinne vieles besser, deshalb hat dieses Themen-Blog auch drei- bis viermal soviel tägliche Zugriffe. Ganz ohne dass ich ständig was dafür tue.

Aber das nur am Rande. Das Digital Diary hatte seine Aufs und Abs – mal 700 Besucher/innen pro Tag, mal 150. In diesem halben Wintermonat Januar sind es grade mal 168 Besuchende/Tag. Öfter hab* ich bemerkt, wie leicht es ist, die täglichen Besucher zu vervierfachen: ein paar Buzzwords im Titel, die grade auf aktuell durchs Dorf getriebene Medien-Säue verweisen, reicht dazu locker aus.

Aber was bringt mir das? Z.B. die Erfahrung, mit Themen zur Eurokrise die Klientel von „Schall und Rauch“ und diversen „Krisenvorsorgern“ hier begrüßen zu dürfen. Bringt mir nichts – und IHNEN auch nicht, denn ich steige nicht auf ihre allzu schlichte und in der Regel wenig solidarische Herangehensweise an relevante Themen ein.

Kurzum: Über die Jahre ist es mir ernst geblieben und geworden, dass diese Plattform namens „Digital Diary“ für mich DAS Medium ist, mich selber auszudrücken. Ganz ohne Blick auf irgendwelche Benefits oder Rücksichten. Wenn man nicht mehr „nach Quote schaut“ ist man wirklich frei – und warum soll ich mir das auf meiner ältesten Plattform nicht gönnen? Hosting kostet schließlich nicht die Welt.

Dachte ich! Ist aber nur ein Teil der Wahrheit: Vielleicht hat der eine oder die andere Stammleserin (mit dem Gendern tu ich mich noch schwer, suche aber open minded nach dem Machbaren) bemerkt, dass ich mich seit einiger Zeit in einer Art „Blockade“ befinde. Das gilt fürs Leben wie fürs Schreiben, aber für mich war es hilfreich, es auch mal als „Schreibblockade“ zu beschreiben.

Mit solchen kenne ich mich ja aus, hab‘ immerhin gut drei Jahre Schreibkurse gegeben und Menschen dazu verholfen, ihre jeweiligen Blockenden zu erkennen und zu durchbrechen. Deshalb kann ich gar nicht mehr umhin, zu bemerken, wenn ich selber „irgendwie blockiert“ bin – und warum.

Dass ich im Alltag so einen „Themenmangel“ fürs Digital Diary empfinde (gefühlt gibt es ja kaum etwas, über das ich noch nicht gebloggt habe…), liegt an der mangelnden Bereitschaft, mich als unfertig, schwach, fehlerbehaftet, unweise, verletzlich zu zeigen. Sehe ich von derlei Behinderungen ab, ergibt sich gleich ein mega-inspirierender Themenkatalog! Egal, wohin ich schaue…

Womöglich bin ich mit dieser Art „Schreibblockade“ nicht alleine.

Wonach es mich NCIHT gelüstet, ist übrigens die Veröffentlichung meiner persönlichen Beziehungen und Intimitäten. Meine privaten Erfahrungen sind sowieso stets Fundus meinses Daseins als politischer Mensch. Die muss ich nicht im Detail ausbreiten, sondern freue mich mehr daran, diese Themen versuchsweise zu analysieren, zu abstrahieren und verallgemeinerbare Lösungen anzudenken.

Nö, darum geht es nicht (von mir erwartet auch niemand so einen Beziehungs-Journalismus) – sondern eher darum, mich als das Ganze zu zeigen, von dem ich gerne rede. Und eben nicht nur die bei meiner gefühlten Stammleserschaft „grade noch akzeptablen“ Aspekte.

Beispiel: ich schaue derzeit durchaus ohne schlechtes Gewissen „Dschungelcamp“ – wenn ich denn abends zur entsprechenden Zeit vor dem TV lande und keine spannendere Alternative lockt. Obwohl ich doch auch einst mit Dschungelcamp-Bashing (Verletzung der Menschenwürde! Sollte verboten werden! Übles Privatfernsehen!) anfing…

***

Dazu demnächst womöglich mehr. :-)

Diskussion

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7 Kommentare zu „Die alltägliche Schere im Kopf“.

  1. “ ..Wenn man nicht mehr “nach Quote schaut” ist man wirklich frei“

    Das mag wohl unser Ziel sein, @Claudia, frei zu sein. Wobei ich glaube, „unabhängig“ zu sein, trifft es für mich, persönlich, besser. Wer hat uns eigentlich diesen Quatsch mit der „Freiheit“ implementiert? Faust?

    Es ist die Mitte, meine ich, auf deren Suche ich mich begeben habe. „Freiheit“ und „Abhängigkeit“, was mich persönlich aus deinen Gedanken zum nachdenken anregt.

    Die Kunst ist nicht, „frei“ zu sein, das geht nicht, das gibt`s nicht – sondern die Kunst ist, im „nicht frei sein können“ zu realisieren, das wir voneinander abhängig, bedürftig, angewiesen sind und dies als unsere innerste Natur anzunehmen.

    Es ist defintiv nicht allein dieser oben zitierte Satz, indem ich „frei sein“ auf einmal ganz neu erfühle. Es ist, was mich aus all deinen Zeilen hier erfasst.

    Trotz des gedanklichen Durcheinanders meiner Worte, schlicht und einfach:
    Wir können uns, glaube ich, von diesen Dingen nicht „frei“ machen. Und weil wir es nicht können, sollten wir überlegen, warum?

    Und dann bekommt das Phantom „Freiheit“ vielleicht eine ganz neue Rolle, eine in unserer Gesellschaft nur noch unwichtige, vielleicht sogar eine, die in der Besenkammer verschwindet.

  2. Verstehe ich das richtig: Du scheust jetzt plötzlich Artikel aus Angst, daß sie als „unfertig, schwach, fehlerbehaftet, unweise“ usw erscheinen können? Das ist doch m.E. garnicht zu vermeiden.

    Auch würde ich gerne wissen, wie sich die xxx Leser täglich aufbröseln? Sind das xxx unterschiedliche Identitäten oder xxx Klicks? Wieviel davon sind wiederkehrende Leser?

  3. @Menachem: danke für das Zurechtrücken Richtung Mitte! :-) Die ja viel stimmiger ist, denn natürlich sind mir Kommentare WICHTIG und wenn sie total ausbleiben, frag ich mich: warum hat das jetzt wohl niemanden interessiert – jedenfalls nicht genug, um was dazu zu schreiben?

    @Gerhard: normalerweise spüre ich diese „Schere“ nicht und bin durchaus der Meinung, dass ich alle Themen auch schreibe, die mich berühren. Aber manchmal, in besonderen Stimmungen wie gestern abend, bemerke ich MEHR: eben auch das Ungeschriebene – und sehe dann mit einiger Verwunderung: stimmt nicht! Da sind noch viele Themen, die sozusagen im Untergrund warten, bis ich mich traue…

    Über „wiederkehrende“ Leser hab‘ ich keine Daten. Und „Besucher“ sind immer einzelne Besucher, das andere sind Seitenzugriffe.
    Dass das Diary nicht MEHR Leser hat, liegt auch am Trend zum Themenblog. Würde ich immer zu Politik schreiben, oder immer „sehr persönlich“ wäre es anders. Auch bin ich nicht sehr aktiv in den sozialen Netzen. Hinzu kommt, dass hier dringend technisch modernisiert werden muss – auf Smarthandys lässt sich dieses „Theme“ teils gar nicht lesen, der Code ist altertümlich, was Google negativ wertet – es gibt einiges zu tun in 2013!!

  4. „wonach es gelüstet“
    durch den Anagrammgenerator
    gesendet,(http://www.sibiller.de/anagramme)
    ist sehr ergiebig:
    von

    1. : ESST WUT ECHOLAENGE
    bis
    5000.: LACHSEWUST EGNOETE

    reicht die palette der möglichen wortschöpfungen
    hier nun ein wenig zum Thema zurechtgestoppelt von einem
    deiner Stammleser, die garantiert nicht auf Quotenfreiheit
    oder garnierte Meinungsvielfalt in Häppchenjournalen
    mit Dillpastete achten.

    die Testaeugelchen der Wechselagenten,
    -gewachsene Gewaechse,geschaelt,geschlagen,gestaucht
    im Blickfeld- watschelten am getauschten Wochentag
    als getauchte Wesenlose queraus querein durch das
    Digitale Diary, stöberten lang und wurden überall fündig,
    jedoch: kompromittierende persönliche missfälligkeiten
    konnten Sie nirgendwo auch nur ansatzweise feststellen.
    Hut ab! hier fehlts an nichts, es ist alles da wo es hingehört und das schöne daran ist: es ist immer etwas neues, anderes interessantes zu entdecken.

    Eine Tuete voller Nachlese nehmen die Wechselagenten sicherlich mit, um den Scheusalen der gegenwärtigen Zukunft die achtloseste Loeschtaste unstet unter die Augen zu halten: wage es nicht, am Kunstwerk zu kritteln, kunst ist kunst ist kunst. sich selbst genug, der Freiheit der Freiheit gesonnen, dem wesen der Welt, dieser und anderer ein Zeichen zu setzen:
    genug ist nie genug, nur:
    besser ist es nie in dieser allerbesten aller welten!.

    So schäle ich vor mich hin, Haut um Haut fällt und bildet sich neu. der Tag verrinnt, ich blättere in leeren seiten. ich fühle mich frei,alles kann und wird gesagt geschrieben gesungen gebrüllt verschwiegen werden- die Wechselagenten sind unter uns.

    Eine Seelachsente paddelt durch die Seelachsenge, die EGNutten wogen engumschlugen im Parlament um die Urnen der endgültigen Abstimmung leider ohne dauerhaftes Ergebnis, ich hingegen fühl mich frei.

    Der UNO Schaeltest war nicht das Schlaueste, nein, eine EWG Note wog den weg. und ich, ich fühl mich frei:)

    Schalte um zu den Wachleuten, watschelte ostwachleuten segnend entgegen doch leider entging ich den heranheulenden geschossen. sie hatten nicht gezielt, nur blind gefeuert.

    Die nächste Eule am See hielt mir die Totenwache, luegte der Löwenesse das Mal, naechstes mal wird alles anders, versprochen!

    des Nachts segeln Schwäne am See, EgoNaechte verrinnen im Tau der Zeit,ich denke es wird zeit zum punkt und ende zu gelangen, noch fühl ich mich frei, wer weiss wie lange noch.

    Vielleicht ächten die wechselagenten doch die waechten der EGOs im Nebel der Zeit? ich vermag es nicht zu sagen, vermutlich taeuschte ein engel der wogenden seelen
    mangels Chauseeentgelteter Unvernunft nur ein gewitter der Leidenschaften vor, wo im grunde nur hilfloses nichtwissen hinderlich war?

    mir gelüstet es nach in unschuld gewaschenen händen, leider ist mir jedoch die seife entfleucht, Schuld klebt unsichtbar auf meiner haut wer leugnet der lügt, unbezweifelbar.

    gelacht wo neuestes leuchtgas der Uten Sense entfloh, ich fühl mich noch frei und wo landest du?
    mein getauschtes Gutachten mag nicht ganz so stimmig sein, es mag sein, dass ich hier ein klein wenig über die stränge der erdulteten vernunft gewichen bin, wie dem auch immer es sei, noch fühl ich mich frei, noch fühl ich mich frei.

    Lache! die stege der lebenden sind unstet!
    Des Lachens Getöse wogt über den See,
    mir wütet der schweiss unter den achseln,
    und noch tut es weh.
    doch weh mir vergeher,
    die Wechselagenten sind hinter mir her
    erst log ich dann bog ich und nu will ich ans meer.
    lausche schlauen achteln im vier vierteltakt,
    fühl mich wiederum freier als frei
    und mensch kann so schön sein, wie die nachwelt zu
    berichten wusste.

    achtloses getue auf achtlosen wegen,
    nachtlos belebtes und immer entgegen
    all der grimmen unbilligen welt
    mein kampf der geht weiter
    auch wenn alles zerfällt.

    bin wie ein lachs in seenot
    ein grinsen der zeit
    ein lächeln im mondlicht
    mit sternstaub verschneit.

    :)
    gruss im,sz

  5. Hach Ingo, wie toll! Erst gerührt, beschämt, entzückt über die „eingebaute“ Wertschätzung – dann mehr und mehr staunend, belustigt, irritiert, ermuntert, entspannt… das ist mal ein poetischer Text, der was mit mir macht, obwohl ich wahrlich nicht alles verstehe/richtig deuten kann!

    1000 Dank!!!

    Machst du daran Rechte geltend? :-) Oder darf ich das auf Googel+ posten? (All meine Postings dort sind öffentlich, auch für nichtPlusser lesbar.)

  6. hi::)
    klar doch, ich bin da ganz auf der linie von dirk
    der text selbst (wesentliche bestandteile) sind alles annagramme von „wonach es gelüstet“

    hat mir eine mords laune gamacht:)
    so mal wieder richtig ins volle chaos zu greifen:)
    möglicherweise kann man den text auch rückwärts lesen:)

    gruss aus sz im

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