Claudia am 13. Mai 2012 — 2 Kommentare

Mal ein paar frei kopierbare Texte ohne Schöpfungshöhe und Urheberrechtsstress

Alles Folgende ist frei kopierbar. MEHR DAVON gibt es da. Der Verfasser sichert der Welt zu: „Alle Texte frei von Urheberrechten (mangels Schöpfungshöhe)“. Wir dürfen uns also bedienen – hier eine kleine Auswahl:

Abstottern

Die Augen schauen aus nach Instruktionen
die Nasen schnuppern nach Gelegenheiten
die Ohren wollen immer nur gehorchen

Die Finger tasten nach dem Geld der andern
man braucht das Geld, man muss die Zinsen zahlen
für Tränen gilt es Taschentücher einzukaufen

Empfängern ist das wieder mal zu wenig
denn in der Schule lernen viele Kinder schreiben
Der Stolz des Dieners ist das Lächeln seines Herrn

Wer keinen Diener hat, der wird vergessen
man muss Empfänger sein, sich zu erbrechen
nur der Gefangene kann sich befreien

*

Ich schreibe nur

Sie sind Autor?
Nein, ich bin Texter.
Was ist der Unterschied?
Ich hebe nicht ur.

*

Aus origineller Grille Kleineigentum

Was da ist, das ist mein! hätte er [Byron] sagen sollen, und ob ich es aus dem Leben oder aus dem Buche genommen, das ist gleichviel, es kam bloß darauf an, daß ich es recht gebrauchte! Walter Scott benutzte eine Szene meines ‚Egmonts‘, und er hatte ein Recht dazu, und weil es mit Verstand geschah, so ist er zu loben. So auch hat er den Charakter meiner Mignon in einem seiner Romane nachgebildet; ob aber mit ebensoviel Weisheit, ist eine andere Frage. Lord Byrons Verwandelter Teufel ist ein fortgesetzter Mephistopheles, und das ist recht! Hätte er aus origineller Grille ausweichen wollen, er hätte es schlechter machen müssen. So singt mein Mephistopheles ein Lied von Shakespeare, und warum sollte er das nicht? Warum sollte ich mir die Mühe geben, ein eigenes zu erfinden, wenn das von Shakespeare eben recht war und eben das sagte, was es sollte? Hat daher auch die Exposition meines ‚Faust‘ mit der des ‚Hiob‘ einige Ähnlichkeit, so ist das wiederum ganz recht, und ich bin deswegen eher zu loben als zu tadeln.
Goethe a. 18.01.1825, n. Eckermann: Gespräche mit Goethe, 1848.

Und dass die Jugend, überhaupt schier alle Welt, sich nimmer um das Geigentum schere, das Urheberrecht an Akzeptanz verlöre vor dem Internet, die Sitten verfielen usw., das ist bloß Unfug. Tatsächlich ist die Idee so neu, sind ihr Gesetz und ihre Zwangsmittel so ungewohnt, dass gar keine Sitte besteht, die verfallen könnte. Es soll vielmehr das sittenwidrige, unnatürliche, unserer Tradition fremde Ansinnen eines Eigentums am Geiste erst eingeredet werden. Nicht wir sind vom rechten Weg abgekommen, sondern der Weg soll nicht mehr der rechte sein, der der momentanen, modernen, Praxis der Gewerbebetriebe nicht entspricht.

*

Demagogie

Kunst und Kultur basieren auf Eigentum.
Das geistige Eigentum sichert,
dass Kunst und Kultur
professionelle und authentische
Performance des Eigentums sind.

Kunst und Kultur sind bedroht
von Computern und Internet
und von denen,
die danach süchtig sind.

Wir appellieren an die Einsicht
und die Befähigung
des Konsumenten
zur Überwindung
studentischer Kostenlosmentalität
und der damit verbundenen
unprofessionellen Wertverluste
im deutschen Wirtschaftsleben.

Wir appellieren an die Einsicht
und die Befähigung
des Studenten
zu Integration und Karriere,
zu einer Elite des Eigentums,
ausgestattet mit der Kraft
und aus dem Geist
unseres geistigen Eigentums.

*

Drängende Fragen

Ist Klickbetrug ein Problem der Beziehungsebene?
Welche Rolle spielt die Intelligenz im Mobile Marketing?
Was bringen Sex-Wikis im Unternehmenseinsatz?
Welche Gefahren drohen durch Spyware bei Wikipedia?
Erhöht der Schaden durch Pishing die Lebenserwartung?
Was gilt der Identitätsdiebstahl im Blogger-Wissen?
Wie misst man die Bedeutung des Kleinhirns für Weblogs?
Senken Musik-Downloads aufs Handy die Heimkosten?
Über welche Fähigkeiten verfügt der Podcasting-Markt?
Sind Wissenschaften das Manko der westlichen Kultur?
Welchen Wert hat das Internet als interaktives Medium?
Steigt die Terrorismusgefahr durch Zeitungsanzeigen?
Was lehrt die Theorie der verschmutzten Scheinwerfer?
Wer sind die Übeltäter der technischen Dokumentation?
Wie schafft man Steueranreize für hörgeschädigte Mädchen?
Setzt die Macht der Liebe auf personelle Synergien?
Wo sind die neuen Getriebe für den Erfolgsfaktor Mensch?

*

Zitate: Preise den Promi

Es ist beim Reden von der Literatur wie bei jedem anderen Reden. Auch die netteste Banalität wird oft mit den Worten von Prominenten ausgedrückt. Es gibt so viele davon. Und noch mehr Texte. Ein unerschöpflicher Vorrat, der befähigt, alles zu sagen. Alles. Was immer man will. In den Worten eines Berühmten. Aber man täuscht sich: man sitzt nicht auf den Riesenschultern und man wächst, so zitierend, auch nicht mit. Nur der Verehrte wird mit jeder Erwähnung größer – man selbst also kleiner und kleiner…

*

Verluste

Meinungen frage ich neuerdings, wie sie sich dazu verhalten, dass die, die sie äußern, bald tot sind. Von den Geschichten will ich wissen, ob sie sich wie erzählt zugetragen haben. Und wenn einer ein trauriges Lied singt, sinne ich, was ihn wohl traurig macht.

Die Dinge verblassen. Meine Augen werden schlechter, doch das ist es nicht. Sie sind ja da. Erst wenn ich genauer hinsehe, lösen sie sich auf, verschwimmen und verschwinden dann. Vielleicht liegt es am Alter. Wie auch immer: es klafft zwischen den Botschaften und ihren Absichten ein Spalt, den ich kaum mehr überbrücken kann. Die Brücken brechen weg und allmählich begreife ich, dass ich sie selber war. Aber nicht ich, sondern der ich sein sollte.

*

Korrespondenz

„Mit der Autorin, deren Rechte zu schützen Sie sich engagieren, bin ich verheiratet.
Setzen Sie doch bitte Ihre Frist aus, bis ich Gelegenheit hatte, Ihr Mandat zu prüfen.“

(Wer wird mich mahnen, wenn ich mich selbst zitiere?)

Diskussion

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2 Kommentare zu „Mal ein paar frei kopierbare Texte ohne Schöpfungshöhe und Urheberrechtsstress“.

  1. Schön, dass ich hier gelandet bin.
    Die Überschrift „Vom Sinn des Lebens zum…….“
    Gefällt mir sehr.
    Ich werde mich mal hier ein bisserl umschauen.
    Beste Grüsse
    Norbert

  2. Ist Klickbetrug ein Problem der Beziehungsebene?
    Welche Rolle spielt die Intelligenz im Mobile Marketing?
    Was bringen Sex-Wikis im Unternehmenseinsatz?
    Welche Gefahren drohen durch Spyware bei Wikipedia?
    Erhöht der Schaden durch Pishing die Lebenserwartung?
    Was gilt der Identitätsdiebstahl im Blogger-Wissen?
    Wie misst man die Bedeutung des Kleinhirns für Weblogs?

    „wir sind die Ur Heber“ vs „WIR sind die Bürger“
    die Medien gönnen sich eine neue alte Sau die durchs
    dorf abgetrieben wird und die bürger dürfen zusehen.

    die verwertungsgesellschaften am Urheberrecht, so
    ziemlich die einzigen, die mit ihren Abmahnanwälten
    in diesem alten sumpf kräftig kasse machen bleiben
    aussen vor.

    ist es denn tatsächlich so, dass eine/r/m der/die
    millionenfache Internetabrufe eines von ihm /ihr
    urgehobenen machwerks diese millionenfache aufmerksamkeit
    auch ohne internet erreicht hätte?

    was muss ein urheber anstellen um freiwillige aufmerksamkeit
    bei einem millionenpublikum zu erreichen?
    was muesste an werbemitteln investiert werden,
    um ein urgehobenes trällerliedchen millionenfach
    auf die rechner der downloadenden zu pressen,
    (natürlich NACHDEM dafür -freiwillig- der jeweils
    in den verwertungsprozessen angenommene urheber rechts
    inkasso betrag von dem downloadenden dem autor/in
    überwiesen wurde)?

    ich vermute mal, dass so gut wie kein einziger urrrrrheberr
    die mittel die für eine werbekampgne von dieser effektivität
    vorab ausgeben würde/könnte und somit beisst sich das
    urheberschnurrle an diesem punkt in den urrrgehobenen
    schwanz.

    wer nicht will,dass seine werke/inhalte/ansichten
    umsonst und draussen überall auf der welt kostenlos
    rezipiert werden können sollte sich auf die althergebrachte
    weise der Buch/Musik-und sonstigen Verlagsindustrie
    zurückziehen und seine Urrgeschöpfen zwischen konkret
    bepreisbare buchdeckel einsperren auf dass sie dort
    verstauben.

    noch ein zitat : (von ebenda, dem link oben:)

    Nun sind wir Verbrecher. Die Schwarzweißkopie eines Stadtplanauschnitts, der zeigt wo wir wohnen, auf der Homepage meines Sohnes (8 Jahre alt) aus seiner Internet AG, aber bei uns gehostet, hat dem Inhaber der Stadtplanrechte einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von 5.500,- Euro verursacht. „Das ist Diebstahl“, schrieb der Abmahnanwalt und hat Recht. Wir sind ertappt. Nur eine Zahlung von ein paar Hundert Euro an Anwalt und Stadtplanfirma und eine Unterlassungserklärung wird uns heilen. Kinder sind teuer. Wenn auch Automatenknacken und Fensterscheiben einschmeißen billiger kommen… Die Kinderwebsite habe ich gleich gelöscht. Sicherheitshalber.

    Übrigens kostet eine Lizenz für so eine Anfahrtsskizze für die eigene Website (ordentlich erworben) nur wenig mehr, als ließe man sie sich von einem Grafiker anfertigen. Als würde eine DVD mit einem Hollywoodfilm so viel kosten wie die Produktion des Films. Im Angebot nur, um Schäden zu beziffern. Die also sind das Geschäftsmodell.

Was sagst Du dazu?

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