Claudia am 14. Oktober 2010 — 3 Kommentare

Entführt: Schweigen ist auch bloß Gold

Manchmal denke ich, ich wäre Odysseus,
wollte heimlich nicht heim,
hätte schon alle Gefährten verloren,
führe von Küste zu Küste und träfe dort Menschen,
die mir die Preise für Muscheln berichten, von ihren Sorgen um die Absatzchancen von Perlenschnüren erzählen, von Hoffnungen auf Märkte für Träume, und mich warnen, dass mein Wissen von fremden Ländern bei ihnen streng patentiert sei.

Müde sitze ich am Strand und will, kaum eingetroffen, wieder fort. Kinder spielen mit billigen Kieselimitaten Kaufmann und Kunde und fragen, ob man mit Reisen denn reich werden könne.

Ich weiß nicht, sage ich, spüre noch echten Sand von der
letzten Insel in meiner Tasche und weiß es doch.

Antike Helden, weitgereist, kampferprobt in mancher
Schlacht, Sandkorn in der Tasche, Wissen schweigt.

Bin dazwischen, fühl den Zug der Narben,
graue Grenzen, nicht viel, was wirklich noch im Ernst bewegt.
Ach so viele Krämerseelen am Wegesrand und immer nur ein kleiner Teil
vom Horizont. Was unendlich war kehrt in kleinen Kreisen.

Bin geneigt nur still zu sein,
seh fernab den bunten Reigen
tönern ist der Kieseltanz
mir genügt ein Schweigen.

Bis die Ruhelosikeit sich zurück meldet
und mich auf die nächste Klickstrecke lockt.
Wie steht es mit Ihrer Allgemeinbildung?
Wissen Sie über das Finanzsystem Bescheid?
Halten Sie Cyber-Angriffen stand?

Wer das geistige Eigentum nicht schützt
wird den Geist verlieren, sagt der Außenminister.
Wenn die Stoffe aufgekauft sind, werden Gedanken kostenpflichtig.
Mein Traum heute Nacht war eine Raubkopie.

Deshalb erzähle ich ihn nicht.

***

Dirk, Ingo, Claudia – entführt von da.

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
3 Kommentare zu „Entführt: Schweigen ist auch bloß Gold“.

  1. Am Ufer vom Fluß sind die Alten,
    die sieben den Sand
    zwischen Fingern aus Gras,
    und die halten
    Gewalten und Ängsten
    und Spaß
    noch am längsten
    die Hand.

    An Ufern von Flüssen
    sitzen alle, die müssen,
    und sie tunken die Füße
    in des Wassers ach Süße,
    und sie lachen dabei,
    weil es ist einerlei,
    ob die Wellen sie wiegen,
    oder sie munter lügen,
    bis die Fluten am Ende
    ins Meer sich ergießen behende.

    Und der Bogen, gespannt,
    streichelt lachend aufwachend
    die ihn spannende Hand.





  2. (Gold für alle …)

  3. Nein, Lyrik für alle!

Was sagst Du dazu?

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht