Claudia am 31. Oktober 2009 — 9 Kommentare

Die Liebe zum Apfelbaum

Dass man einen Apfelbaum lieben kann, war mir gar nicht so klar. Das merkte ich erst, als ich gestern im Garten den hübschesten der dort stehenden alten Obstbäume geplündert und schwer verletzt antraf. Vermutlich war es eine Kinderbande, die da oft rund um die Gärten tobt – die Äpfel hätten sie gerne nehme können, aber dass sie dabei große Äste kaputt treten, ist eine Schweinerei!

Jedenfalls ist mir seitdem ganz wehmütig, wenn ich dran denke. Was ich ein wenig seltsam finde angesichts der vielen Schrecklichkeiten, die Menschen auf dieser Welt täglich widerfahren, durchaus mitzubekommen über die Medien. Da regt sich vergleichsweise wenig, da bin ich offenbar abgestumpft und bringe allenfalls eine „Empörung aus dem Kopf“ auf. Aber kaum beschädigt jemand mein Apfelbäumchen, bin ich richtig traurig.

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
9 Kommentare zu „Die Liebe zum Apfelbaum“.

  1. Es gibt in der Psychologie (Psychophysik) eine diesbezügliche Gesetzmäßigkeit, die besagt, dass die Betroffenheitsgefühle von einer Katastrophe mit der Entfernung abnehmen. Ein Zugsunglück in Hinterindien mit 100 Toten berührt nicht so wie eines im nächsten Dorf mit 2 Toten. So ist’s halt auch mit deinem Apfelbäumchen, das durch den guten Luther auch noch eine fast religiöse Konnotation erhalten hat. Die Waldbrände in Kalifornien mit tausenden toter Bäume sind da ein Klacks.

  2. Es ist rohe Gewalt, die da am Wirken war. Abscheulich! Es ging den Kindern nicht um die Äpfel…
    Das erinnert mich an einen Vorfall aus meiner Kindheit: Da hatten mein Freund und ich eine herrliche Baumhütte gebaut. Und nicht sehr bald danach war diese zerschlagen und geschunden. Es waren irgendwelche Kinder, die nicht dulden konnten, daß etwas Schönes dort auf dem Baum erhalten bleibt.
    Es machte jedenfalls keine Sinn, diese Hütte wieder neu aufzubauen.

    Gruß
    Gerhard

  3. warum auch nicht… bäume leben auch, und du hast den persönlichen bezug, ich wäre da auch traurig. hoffentlich erholt sich das bäumchen schnell.

    diese art von gewalt ist für jeden, der respekt vor der natur, dem schönen und dem leben hat, nur schwer nachzuvollziehen, und was wirklich erschreckt, ist der gedanke, was dahinter steckt, wie jemand denkt und fühlt, der sowas tut. ob das opfer nun eine baumhütte, ein baum, oder mensch oder tier ist. solange menschen so denken und fühlen, wird es auch kriege auf der welt geben.

  4. Hallo Claudia,
    vielleicht ist es auch ein persönliches Verantwortungsgefühl, das Du für Dein Apfelbäumchen hast. Du hast es nicht beschützen können vor der rohen Gewalt, die ihm angetan wurde.

  5. Und wenn die Kinder gar nichts anderes KANNTEN, als mit Gewalt sich das zu holen, was sie wollten? Weil wir sie als kleine Erwachsene behandeln, die in strikt durchstrukturierte Tagespläne gezwungen werden, mit dem ohne Zweifel gut gemeinten Ziel, nur die besten Chancen für den Nachwuchs bereitzustellen oder im anderen Fall gar nichts für sie bereitstellen und sie mit den menschenverachtenden Möglichkeiten digitaler Specialeffects in Privatsendern allein lassen!!
    Im ersten Fall brauchen sie, so denke ich mir halt, einfach Ventile, wie sollen sie die bekommen, wenn, wie ich kürzlich hörte, das Kind der Oma abverlangte, diese dürfe der Mama nichts davon erzählen, dass das Töchterchen auf einen Baum geklettert sei, sonst würde Mama sich ja über solche Fahrlässigkeit dermaßen erschrecken…
    Im zweiten Fall: wer ermöglicht diesen Kindern ein Gefühl für -sorry- gut und schlecht zu entwickeln, wenn sie möglicherweise nichts anderes kennen als „ich bin mir selbst der/die Nächste, alle(s) andere(n) interessier(t)en mich nicht“?
    Das macht dein Apfelbäumchen nicht wieder heile, ich weiß, hab selber welche.
    Wir können Kinder nicht mit intellektuell ausgereiften Argumenten von der Achtung vor jeglichem Leben und dem Respekt vor der Natur überzeugen, wir sollten ihnen einfach sagen, dass das eine Regel ist, die eingehalten zu werden hat. Verstehen werden sie es später. Klingt brutal, ist aber so.

  6. Wie sagt der Lateiner?

    homo homini lupus.

    Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

    Aber dass sich diese grotesker Weise als „Krone der Schöpfung“ bezeichnende spezies auch noch erdreistet, ihre Brut nicht davon abzuhalten, sich an unschuldigen Apfelbäumchen zu vergreifen, ist ein Skandal!

    Oh, sorry, jetz hab ich etwas überdreht ;-))

    Nein, kein Skandal, es ist einfach nur traurig, aber eben auch menschlich. Bäume sind halt nur aus Holz. Ob sie da eine Seele haben können??

    So erinnert Deine mein Herz anrührende Begebenheit jeden feinfühligen Menschen daran, dass er zur Trauer fähig ist. Und zur Liebe. Das ist unser Los…

    lieben Gruß, Hermann

  7. Liebe Claudia,
    womit Du Dich verbindest, daran hängt eben auch Dein Herz :-) Ich hatte ein ähnliches Erlebnis, als eine junge Linde in unserem Garten rigoros zurückgeschnitten wurde, ohne dass ich darüber zuvor informiert worden wäre. Es traf mit ‚mittenrein‘ und ich war ebenso verwundert wie Du, wie weh so etwas tun kann!…Und das ist gut so, weil es, weitergedacht, als Zunder für Engagement in eine genau Dir entsprechende Richtung, dienen kann. Dies ganz unabhängig davon, wofür Du Dich ohnehin schon engagierst :-)

  8. Kennst Du den dänischen Film „Adams Äpfel“?

    Ivan ist Pfarrer und hat es sich zur Aufgabe gemacht Straftäter zu bekehren. So auch Adam, dessen nicht ganz freiwillige Aufgabe also darin besteht, einen Apfelbaum zu pflegen, um später einen Apfelkuchen zu backen.

    Es entwickelt sich ein Gefecht um Gut und Böse, Gott und Teufel. Die Grenzen verschwimmen, kehren sich um. Der Apfelbaum wird von Krähen in Beschlag genommen, von Würmern befallen, brennt schließlich nach einem Blitzeinschlag sogar ab.
    Für Ivan, den Pfarrer, ist das klares Teufelswerk. Adam, der Straftäter, konfrontiert ihn mit der Ansicht, daß nicht der Teufel ihn prüfe, sondern Gott ihn hasse und bestrafe.

    Ivan realisiert nun Leid und Schuld in seiner unmittelbaren Nähe und stürzt in eine Krise. Adam entwickelt sich, er übernimmt Verantwortung. Aus einem letzten verbliebenen Apfel vom abgebrannten Baum backt er einen Kuchen und bringt ihn Ivan.

    Gruß
    Matthias

  9. Hallo Ihr Lieben,

    ein herzliches Danke für die einfühlsamen und ausführlichen Kommentare!

    Ja, die Kinder…

    es ist NICHT wie „November“ meint: diese Kinder sind noch „frei Laufende“, jedenfalls toben sie oft (unbeaufsichtigt, jawoll!) durch die umliegenden Wäldchen, sind also keinesfalls eingespannt in einen engen Terminplan. Und über sie reg ich mich jetzt auch nicht länger auf, als Kind hab ich auch allerlei angestellt und mit „Ehrfurcht vor der Natur“ war echt nix!

    Shit happens…

    Danke auch für die schöne Geschichte vom Adam! :-)

    Claudia

Was sagst Du dazu?

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht