Claudia am 12. Juli 2008 — 19 Kommentare

Love, Peace, Happyness: ein Flashback in die Hippie-Zeit

Gestern sah ich auf ARTE den Film „The big Pink“ – die Geschichte einer sehr ungewöhnlichen Familie: eine Frau, ihre fünf Kinder und drei Männer, ihr Leben in Kalifornien, Thailand, Italien, Portugal, Tansania und Senegal. Zuvor schon war eine Dokumentation über den Hippie-Trail gelaufen, über die Zeit Ende der 60ger-Jahre, als der große Aufbruch zum ganz anderen Leben alle Welt erfasste: wer jung genug war, machte sich auf, hielt den Daumen in den Wind oder startete mit dem VW-Bus Richtung Süden: Marokko, Afghanistan, Indien – das große Abenteuer lockte, das zu den damaligen Zeiten ohne jede touristische Infrastruktur auch noch wirklich eines war.

Beide Filme boten viel Originalmaterial, Monica Neven Dumont (die Frau aus The big Pink) hatte auf all ihren Stationen und Reisen viel gefilmt, dazu erklang sehr kundig arrangierte Musik – und nicht nur die Gassenhauer, sondern all die subtilen Stücke mit guten Texten und einem Sound, der das Lebensgefühl dieser wilden Zeit, ihre großen Sehnsüchte und Utopien wundervoll ausdrückte. Ich war jedenfalls schwer ergriffen und wehmütig berührt: wie INTENSIV damals das Lebensgefühl doch war, wie weit entfernt von jeglicher beengenden Ängstlichkeit, von Konkurrenzdenken und Ellenbogenmentalität. Ein WUNDER, dass es das tatsächlich gab!

Selber war ich damals ein paar Jahre zu jung, um mit auf die Reise zu gehen, doch mein erster Freund trampte rund ums Mittelmeer und die allgemeine Atmosphäre der Hippie-Kultur mit ihrer Ablehnung des Bestehenden, mit ihren einfachen Rezepten für ein besseres Leben (Friede, Freude, Liebe…) hatte mich voll erfasst. Wenn ich das heute sehe, beeindruckt mich die Kraft des Zeitgeistes ungeheuer: es erschien tatsächlich MÖGLICH, aus allem, was anödet, nervt und langweilt, heraus zu kommen, indem man es einfach abwirft wie eine alte Haut und eben auf die Reise geht – die äußere und die innere.

Wenige Jahre erschien Utopia machbar, Geld spielte keine Rolle, man war fröhlich und freundlich zueinander und Fremden gegenüber aufgeschlossen. Die Männer sahen anders aus als üblich: weicher, langhaarig und weiblicher. Nicht der coole Kämpfer war angesagt, sondern der Lover, der Träumer, Sänger und Poet. Man saß in der Sonne, hörte Musik, rauchte Haschisch und war glücklich – aufrichtig überzeugt, dass die ganze Welt den Frieden fände, wenn es nur alle so machten und dass das ganz leicht möglich sei.

Was es dann doch nicht war – wir kennen ja den weiteren Verlauf der Geschichte. Und seit den 90gern tragen die Männer gerne Kampfanzüge als ganz normale Mode, die Haare wurden wieder kurz oder Mann rasiert sich gar eine Glatze, Symbol der neuen alten Härte.

Diskussion

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19 Kommentare zu „Love, Peace, Happyness: ein Flashback in die Hippie-Zeit“.

  1. Im Rückblick wird immer deutlicher, wie außergewöhnlich diese Zeit war. Dass es möglich war, dass so viele Menschen ähnliche Ziele und Träume hatten und dass sie sich gemeinsam auf den Weg machten.
    Schade, dass alles so verblasst ist.

  2. Ich bin ja in dieser Zeit Gross geworden, trotzdem war ich nie ein Hippi. Nicht weil ich den Mut nicht gehabt hätte, das brauchte ja keinen Mut, das war ja viel mehr eine Flucht aus dem Leben. Aber das war nie ein Traum von mir. Ich war in dieser Zeit auch in der Welt, aber am arbeiten und Reisen, in England, Amerika und Europa. Träume verwirklichen ist gut aber für viele Althippis ist die Traumblase irgendwann geplatzt.Nur wenn wir uns Bewusst sind Träume sind nur Träume, aber nie das reale Leben und wir müssen immer schauen das wir mit den Füssen am Boden bleiben. Das heisst jetzt nicht, dass man es nicht ruhiger angehen soll, unser stressige Leben von heute ist ja auch unnötig.  Es ist wichtig das wir immer beide Pole in uns Leben, Aktivität im Wechsel mit Passivität,so das wir uns selber bleiben. Das Leben kann auch so ganz intensiv sein.
     
     
    Liebe Grüsse zentao
     

  3. Doch, es brauchte schon Mut, mit kaum Geld und ohne konkretes Vorhaben in komplett unbekannte Weltgegenden aufzubrechen – noch lange BEVOR alles Touristen-gerecht vorgebahnt und geordnet war. Und ja, es war eine Flucht aus den versteinerten Verhältnissen jener stockkonservativen, verklemmten Gesellschaft der 60ger – und ebenso eine Flucht aus dem Trend zum Sektierertum der K-Grüppchen, der alsbald an der politischen Front der 68er-Revolution zu beklagen war.

    Ich bin auch nicht mitgereist, war aber im Herzen dabei und lebte meine persönliche Kulturrevolution eben im Lande aus.

  4. Was man auf keinen Fall machen sollte, die Orte die man damals entdeckt hat wieder entdecken zu wollen! Die Zeit nimmt alles mit! Mitte der Achziger, muß so um 1985 gewesen sein sind wir per Interrail nach Portugal, alles war unbequem aber die Strände leer und frisch. Die Leute die man getroffen hat zum großen Teil angenehm und aufgeschlossen. Wo sind die Alternativen hin? Macht uns das Alter bequem oder hat sich ein grundlegender Wandel vollzogen…

  5. Hallo Claudia, auch ich war ganz fasziniert von diesem Film. Ich gebe Dir recht mann/frau braucht Mut um das Leben so anzugehen.
    Zum Glück kann ich in meinem Freundeskreis auch verschiedene Lebensweisen beobachten und denke dann wie es wohl geworden wäre wenn…
    Mittlerweile finde ich meine „Notlösungen“ im Fahren eines italienischen Dreirades (APE) bzw. eines alten Landys. Natürlich nur parallel zum festen Job und zum Familienvan. Aber wenn es dann Abend wird, Freunde im Unimog nach Afrika verabschiedet werden und wieder neue Reiseberichte eintreffen, dann spürt mann/frau es, -oder eben auch nicht-

    Allzeit ein gutes Gefühl
    Ray

  6. ja,
    damals
    als gestern noch heut war und morgen ein traum
    da war das so einfach, man glaubte es kaum
    VW bus marokko und per daumen den rest
    magic bus über bagdad
    und  weiter nach ost,
    von gelbsucht und palmen
    die autos voll rost
    im dorf die finger der  kinder
    und ihr geschrei
    ein hippie, ein hippie
     
    da schlappt er vorbei:)
     
     
     

  7. Scheint mir, das arte die Hippiegenaration als Filler fuer das Sommerloch endeckt hat. Leider habe ich den Film nicht gesehen, schaue aber gleich mal in der Mediathek nach, wuerde mich auch interessieren. Letztes Jahr lief eine Reihe: The Summer of Love, auch sehr interessant.
    Gruss nach Berlin Fred

  8. Die Welt wird immer kleiner. Dass sie das auch schon Ende der 60er Jahre war, zeigt dieser Film. Kalifornien, Thailand, Italien, Portugal, Tansania und Senegal – alle vom Fernweh geplagten schlägt das Herz bei diesen Ländern schneller.  Mut ist natürlich bei einer Reise immer notwendig, ohne Mut ist das Leben langweilig.

  9. Ich habe den Film auch schon gesehen, jedoch nicht auf ARTE sondern am ZDF. Meiner Meinung nach ist der Film echte klasse, kann ich nur jedem weiterempfehlen, der sich für theatrische Höchstleistungen während der 60er Jahre interessiert.
    Auch in der „Neuen Zürcher Zeitung“ war über „The Big Pink“ zu lesen: „Ein Road Movie? Ein Hippie-Film? Ein Traum? Oder etwa ein Wellenrauschen aus einer Zeit, die zurückgelassen wurde, um sie gegen ein Leben mit Fast food, Quick-Money und Hightech einzutauschen? Vielleicht. Schult selbst nennt sein filmisches Dokument schlicht ‚ein Märchen‘. Und in gewisser Weise hat er natürlich Recht. Denn es mutet heutzutage wie ein Märchen an, was der ‚Viererbande‘ in den 60er- und 70er Jahren gelungen ist. In dem farbenfrohen Bilderbuch finden sich eine glücklich-gelöste Monica, Männer ohne Eifersucht, Kinder ohne Probleme oder Streitsucht, Flugzeuge, die scheinbar kostenlos Hippies und ihre Kinderschar in traumhafte Landschaften fliegen, zu Häusern und Gärten, die einfach da sind und nach keinem Miet- oder Pachtzins verlangen […] Im Zentrum dieser paradiesischen Inselwelten: die stets verlockende Kommunardin und Super-8-Filmerin Monica.“
     
     

  10. Ich hatte „The Big Pink“ irgendwann um 2000 herum auf arte gesehen… und mein Eindruck war seinerzeit, dass da ein Leben von Upperclass-Bohèmiens erzählt wurde, das mit dem Alltag nicht nur der westdeutschen Durchschnittsbevölkerung, sondern auch westdeutscher Durchschnitts-Hippies nicht viel zu tun hatte. Die meisten 70er-Jahre-Langhaarigen mit der Sehnsucht nach dem großen wilden Leben dürften kaum jemals weiter als bis nach Amsterdam gekommen, von denen, die es doch nach Kabul, Goa oder Katmandu geschafft hatten, gingen nicht wenige unterwegs oder am Ziel an den Folgen mangelnder Reisevorbereitung und/oder exzessivem Drogenkonsum jämmerlich zugrunde… und diejenigen, die durchkamen und halbwegs heil nach Hause zurückkehrten (die jahre- bis jahrzehntelange Globetrotter-Ausflippe auf never come back als gängige Praxis ist auch so ein Mythos, der der empirischen Überprüfung nicht standhält – auch damals dauerten Semesterferien nur ein Vierteljahr, und Industriellen-Väter, die lieber eine Überweisung nach der anderen Richtung Hindukusch schickten, als sich zuhause mit den rebellischen Blagen herumzuschlagen, dürften auch die Ausnahme gewesen sein…) hatten viel zu oft von wenig anderem als Schwarzem Afghan und Hepatitis zu berichten, jedenfalls hielt sich das unvoreingenommene Interesse an den bereisten Ländern und Kulturen eher in Grenzen, man bereiste im Grunde die schon vorher liebgewonnenen Freak-Klischees über eben diese Länder, Karl May meets Hermann Hesse meets George Harrison (was jetzt nichts gegen Hermann Hesse sein soll).
    Und dann natürlich diese haarsträubend naive Vorstellung, dass Geld überhaupt keine Rolle spielte, dass man einfach nur 100 Mark zusammenkratzen, eine Jeans zum Wechseln in den Rucksack zu packen brauchte, an die nächste Autobahnauffahrt, Daumen in den Wind und ab ging die Morgenlandfahrt – spätestens in Afghanistan war dann Schnorren und Klauen angesagt, sowohl untereinander als auch bei den Einheimischen, in den damaligen Alternativ-Reiseführern à la „Der billigste Trip nach Indien“ oder „Tips & Tricks für Tramps & Traveller“ (rororo, Reihe „anders reisen“) werden ja auch umfassend Anregungen dazu gegeben…
    Ich (Jahrgang 1969, aus Köln) habe selbst viel zu lange an diese Hippie-Romantik geglaubt – mit dem Ergebnis, dass ich auch nie weiter als bis Amsterdam gekommen bin, schon für den Interrail-Trip nach Marokko war ich zu eskapistisch und verträumt, als dass ich mich rechtzeitig um eine ausreichende Einkommensquelle bemüht hätte (und abgesehen davon auch zu sehr auf ausgerechnet!!! Afghanistan als Sehnsuchtsziel fixiert, aber das ist eine andere Geschichte). Aber dieses Problem hatte ich wohl nicht alleine – als Student in den 1990er Jahren war ich immer wieder Altersgenossen begegnet, die sichtlich an dasselbe Illusionsgestöber glaubten („warum fährst du nicht einfach?“) und/oder sich bereits erfolgreich aus der Wirklichkeit davongekifft hatten…
    Es war der Film „Ein Traum von Kabul“, gedreht Mitte der 90er zwei deutschen Dokumentarfilmemachern, der mir die letzten Illusionen hinsichtlich der damaligen Überland-nach-Indien-Hippieszene nahm: Matzka und Rennert kontrastierten Filmmaterial aus „Kabul“ von Johannes Schaaf (1972) mit Aufnahmen aus dem bürgerkriegszerstörten Afghanistan 20 Jahre später. Zu sehen waren unbedarfte Jugendliche, die Beatleslieder grölend auf Pickup-Ladeflächen durch die Oase von Herat karriolten, die in Kabul konfus in der Gegend herumrannten ohne wirklich zu begreifen, was sie denn hier nun eigentlich wollten; eine 19jährige Drogenprostituierte mit ihrem zweijährigen Sohn, gezeugt von einem anonymen afghanischen Freier (ein Jahr später war sie an einer Überdosis gestorben, von dem Kleinen fehlte jede Spur), schließlich ein schwer hepatitiskranker Freak, der unter Tränen erzählte, dass ihm die deutsche Botschaft nicht die Heimreise bezahlte und er wohl in Kabul sterben müsste…
    Und auch die meisten anderen Reiseberichte aus jener Zeit, die ich im Laufe der Jahre im Internet fand, beschreiben hauptsächlich Banalitäten – nervende Zoll- und sonstige Bürokratie, Kabulitis und Delhi Belly, dazwischen zieht man sich selbstredend alle möglichen legalen und illegalen Drogen rein, dass es einem über kurz oder lang wirklich wie „Ballermann für Hippies“ (Spiegel 2/1998) vorkommt,,,
     
     

  11. @Yadgar:   du hast offenbar ein ziemliches Ressentiment gegen die Weltreisenden von damals. Vielleicht, weil du selbst nur bis Amsterdam gekommen bist?  Ich finde es gut, wenn Menschen ihre Träume wahr machen – und in den 70gern war dafür eine gute Zeit, die es den Einzelnen leichter machte als die 90ger. Ich kannte etliche Leute, die wundervolle Reisen per Daumen oder dem sprichwörtlichen VW-Bus unternahmen – und nein, die sind NICHT als Drogentote irgendwo gestrandet, sondern bereichert zurück gekehrt. Manche blieben auch in der Fremde, schrieben Reiseführer, entwickelten den „alternativen Tourismus“ und betreiben noch heute Hostels oder Reiseagenturen. Für viele war es auch eine sehr spirituelle Reise – da kommt es nicht auf die äußeren Nervereien an, sondern ob man findet, was man sucht: sich selbst und eine ureigene Haltung zum Leben.

  12. „…und nein, die sind NICHT als Drogentote irgendwo gestrandet, sondern bereichert zurück gekehrt.“ schreibt Claudia – Grüß Dich!
    Well, vielleicht könnte man ja auch einmal daran denken, dass der Selbstzerstörungstrieb dem Menschen weiß Gott nicht fremd ist. Ich weiß natürlich nicht wie viele von den damaligen cracks bewußt ihren Abgang herbei führen wollten, aber ich denke, man kann schon sagen, dass einige wohl zumindest diese Möglichkeit eines Exitus billigend in Kauf nahmen, schwer befeuert von den spektakulären „Vorbildern“ wie Herrn Hendrix, Fräulein Joplin und Jim Morrisson nicht zu vergessen.
     
    Klar, irgendwie krank, aber in sich schlüssig. Ein durchaus menschlicher Aspekt. Eine angemessene Möglichkeit der zutiefst verletzten Seele eine Einengung, welche die freie Entfaltung zu verunmöglichen scheint, zu kompensieren, wie der Psychologe vielleicht analysieren könnte …
    Einfach ein Ausdruck, wenn auch kein erfreulicher, aber wir sind ja hier auch schließlich nicht im Paradiesgarten, oder?
    bisschen düstere Grüße, Hermann
     
     

  13. @Claudia:
    Ressentiment gegen die Alternativ-Globetrotter der 70er? Nicht wirklich, bis heute wünsche ich mir ja, selbst dabeigewesen zu sein, und es gab sicherlich auch genug Freaks, die wirklich Dinge erlebt haben, die sie als Menschen in einem umfassenden Sinne weitergebracht haben, die sie gelehrt haben, sich selbst, die Welt, das Leben und die Menschen zu lieben… aber von denen liest man relativ selten, unter den veröffentlichten Reiseberichten dominieren doch Geschichten von Scheitern und Desillusion (z. B. Hinrich Degkwitz: Die Reise nach Afghanistan. Von einem der auszog…) – Happy Ends traut man nicht erst heute, sondern schon seit Jahrzehnten nicht mehr, und deshalb verkaufen sich optimistische Reisegeschichten wohl eher schlecht.
    Aber auch auch ältere 68er-Freunde von mir, die damals im Iran oder Afghanistan unterwegs waren (als Studenten der Islamwissenschaft oder Völkerkunde), erzählten mir von ausgesprochen frustrierenden, abtörnenden Begegnungen mit der Hippieszene in Kabul und anderswo, insbesondere, was das vorherrschende Desinteresse an Land und Leuten anging, kaum jemand machte sich z. B. die Mühe, die dortigen Sprachen zu lernen, es ging den meisten hauptsächlich um Sex & Drugs & Rock’n’Roll, was sie weniger riskant auch in Spanien oder Griechenland hätten haben können (was jetzt nichts gegen Spanien oder Griechenland ist, würde ich auch gerne mal hin, und zwar nicht als Ballermann-Touri!), „im Grunde nahmen sie schon den neuen Hedonismus vorweg, nur die Mode war anders“ (Dr. Bernt Glatzer 1995 in einer E-Mail an mich)
    Nun waren die 90er Jahre nun wirklich nicht die beste Zeit zum Globetrotten, vor allem dann nicht, wenn man wie ich Flugreisen aus ökologischen und reise-ästhetischen Gründen (man bewegt sich viel zu schnell und verliert jedes Gefühl für die Größe der Welt, für die allmählichen Übergänge zwischen Kulturkreisen und Klimazonen!) ablehnt und die Sehnsuchts-Länder am liebsten mit dem Fahrrad bereisen würde… den Landweg nach Indien konnte man z. B. dank PKK, Teheraner Mulla-Regime und natürlich dem endlosen Krieg in Afghanistan gründlich vergessen, da ging einfach nichts ohne Flieger.
    Und jetzt bin ich fast 40, ohne Job (und Arbeitslosigkeit lässt einen auf die Dauer regelrecht lebensunfähig werden!) und schon rein materiell nicht in der Lage, weitere Reisen zu unternehmen als nach Gummersbach oder Altena (Bergisch-Afghanistan sozusagen…) – und ich rechne ehrlich gesagt nicht mehr damit, dass sich daran noch irgendetwas ändert, ich werde meine Träume wohl mit ins Grab nehmen müssen!

  14. @ Yadgar
    ein so tief gefallener Lebensmut
     
    > …Und jetzt bin ich fast 40, ohne Job (und Arbeitslosigkeit lässt einen auf die Dauer regelrecht lebensunfähig werden!)
    Einspruch! Das ist Deine persönliche FALSCHE Meinung, es sei denn, sie gefällt Dir! Dann ist es Deine Wahrheit. Immer alles eine Frage der Perspektive.
    > …und ich rechne ehrlich gesagt nicht mehr damit, dass sich daran noch irgendetwas ändert, ich werde meine Träume wohl mit ins Grab nehmen müssen!
     
    mein Gott, das schmerzt mich allein schon beim Lesen. Soche Phasen kenne ich natürlich auch. Aber was viel wichtiger ist, ich weiß auch das solche Phasen vorübergehen.
    Monsieur, ich will hier wirklich nicht klug schwätzen und Tipps verteilen, es tat mir halt einfach nur weh, was Du da geschrieben hast.
    beste Grüße & Wünsche, Hermann

  15. @Hermann:  ich empfand die Hippie-Bewegung alles andere als „Selbstmord-geneigt“! Dass ein paar Pop-Größen mit ihrem Erfolg nicht zu Recht kamen, hat m.E. andere Gründe und kommt immer wieder vor.

    „…Einfach ein Ausdruck, wenn auch kein erfreulicher, aber wir sind ja hier auch schließlich nicht im Paradiesgarten, oder?“

    Im Gegenteil: soviel Paradiesgarten war NIE wie damals in den 70gern!! Die weite Welt stand offen (mal abgesehen vom Ostblock) und war nicht feindlich drauf, zuhause boomte die Wirtschaft, jeder Studierte konnte sich einen Arbeitsplatz aussuchen! Und der TREND, der GEIST DER ZEIT war genau richtig zum jung sein: im Aufbruch zu neuen Ufern, in jeder Hinsicht!

  16. @Yadgar: only bad news are good news – klar wurden mehr Ausflipp-Stories kolportiert als andere. Vergiss nicht: das war ja auch eine Gegenbewegung zum versteinertenbundesdeutschen Rasen-betreten-verboten-Land!

    Ich hab mich schon gewundert, dass du den Damaligen ihren Hang zu Sex&Drugs&Rock’nRoll vorwirfst – wenn nicht in der Jugend, wann dann?? Viele haben auch die Flatter gemacht, weil sie keinen Bock auf die verkopften Verstrickungen der K-Grüppler und den sich zuspitzenden „deutschen Herbst“ hatten.  Und natürlich gab es auch „sozial Inkompatible“, die nicht viel auf die Reihe bekamen – auch sie konnten sich ein schöneres Leben an den Stränden von Goa machen und dort abhängen anstatt im Stadtpark auf der Bank zu sitzen und zu saufen.

    *

    „und Arbeitslosigkeit lässt einen auf die Dauer regelrecht lebensunfähig werden!“

    Aber nur, wenn man nichts unternimmt,  nur abwartet und jammert und vielleicht die 250.Bewerbung schreibt. Es gibt ungemein viel zu tun, entweder, indem man sich im Kleinen selbständig macht, ODER indem man sich ehrenamtlich betätigt, bürgerliches Engagement zeigt an den vielen Stellen, wo etwas fehlt (allermeist menschliche Arbeit und Zuwendung).  Ich war auch etliche Jahre im Leben arbeitslos – aber niemald unbeschäftigt oder gelangweilt!

    „ich werde meine Träume wohl mit ins Grab nehmen müssen!“

    Vielleicht mal die Träume ändern? Wenn du noch vorhattest, eine klassische Karriereleiter zu erklimmen, dann hast du wohl recht. Aber das ist schließlich nicht die einzige Art,  ein glückliches Leben zu führen (ich hab sogar immer bezweifelt, dass das miteinander vereinbar ist, zumindest in den Bereichen, wo es nicht um konkrete Werke geht, nicht um Arbeit, die man für sich genommen GERNE macht, sondern nur allgemein ums Geld verdienen).

    Es ist DEIN Leben und niemand anders wird sich drum kümmern, dass es so wird, wie es dir gefällt! Überleg doch mal, was du machen kannst, anstatt weiterhin drauf zu warten, dass dich einer „einstellt“! Werde aktiv, lerne was Neues, beteilige dich an Initiativen deiner Gegend oder gründe selber eine – oder optimiere dein Web-KnowHow, lerne PHP und vergiss C++, dann wirst du als Webprogrammierer gebraucht! (Hab grad in dein Blog geschaut…).

  17. @Claudia:
    Das „versteinerte bundesdeutsche Rasen-betreten-verboten-Land“ war in den 70er und auch noch 80er Jahren (trotz Herrn Kohls „geistig-moralischer Wende“) im Begriff, sich zu einer offeneren, weniger neurotischen Gesellschaft zu wandeln, natürlich vor allem dank der 68er und Alternativen – aber dann kam die Wiedervereinigung, und das Klima wurde sehr bald wieder deutlich autoritärer, klar, wir haben uns da mit 17 Millionen Menschen vereinigt, die nie ein 1968 erlebt hatten, deren Bewusstsein teilweise (vor allem wohl in Brandenburg und Meck-Pomm, den Hochburgen des ostelbischen Junkertums) dem von dumpfen Leibeigenen entsprach, Schnaps, Schrebergarten und unsäglich reaktionäre Sprüche, wenn es um Ausländer oder Langhaarige geht… und dieser Ossi-Mief hielt dann auch zusehends in Westdeutschland Einzug, hier dann freilich verbunden mit beinharter turbokapitalistischer Yuppie-Ideologie, ab etwa 1993/94 bekam man auf allen Medienkanälen nur noch Standort-Deutschland-Hysterie in den Kopf gebrüllt, während die Kanthers, Schilys und Schäubles in aller Ruhe und ohne nennenswerte Opposition ihren paranoiden Hochsicherheitsstaat aufbauten… nicht umsonst ist mittlerweile schon von „DDR light“ die Rede!
    Der Paradiesgarten der 70er Jahre ist leider unwiderruflich abgebrannt, und niemanden stört es wirklich… was vielleicht auch daran liegt, dass es heute anders als damals jede Menge „Lebensersatz“ in virtuellen Welten gibt – 50 Fernsehprogramme (das meiste davon hirnerweichend blöder Kommerzschund), Computerspiele und natürlich das Internet, wo es in Gestalt Zehntausender Blogs und Quasselforen Ventile für den Alltagsfrust gibt. In den 70ern musste man, wollte man etwas erleben, raus aus dem Wohnklo, unter Leute und mit diesen dann Demos organisieren, Landkommunen gründen oder eben auch einen gebrauchten VW-Bus organisieren und ab nach Afghanistan…
    Mit „Träume ins Grab nehmen“ meine ich nicht irgendwelche Karrierepläne (daran war ich nie interessiert und mir fehlt auch die dazu nötige Persönlichkeitsstruktur, sprich Ellenbogen und Skrupellosigkeit), sondern natürlich die Reiseträume – als Hartzer ist es so gut wie unmöglich, aus dem Alltagsknast auszubrechen! Und mein Freund, mit dem ich seit bald drei Jahren eine „Wochenendbeziehung“ führe, ist ungeachtet seines malerischen Hippie-Looks auch ein eher ängstlicher Mensch, der zwar auch gerne vom Aussteigen in unberührte Tropen (er hat es eher mit Afrika) träumt, aber im realen Leben so eingepreßt in seine Malocherwelt ist, dass es wohl Träume bleiben werden… und ohne meinen Micha möchte ich nicht auf den großen Trip gehen, das kann ich ihm nicht antun!
    C++ vs. PHP: ich habe mich mit PHP beschäftigt und auch schon einige kleinere Web-Programmierjobs angenommen – aber leben kann ich davon nicht, auf absehbare Zeit sehe ich da nicht den Ausweg aus dem Hartz-Knast… hier mal einen Link auf ein größeres Projekt, mit dem ich seit Herbst 2004  betraut bin:
    http://www.inwent.org/v-ez/lis/afghanistan/
    …aber auch das bringt trotz zeitweise erheblichem Arbeitsaufwand nur ein kleines Zubrot, das reicht pro Jahr vielleicht für eine Woche Amsterdam (was heutzutage auch nicht mehr so der Hit ist…)!
     
     

  18. @Yadgar
    Hallo, der Artikel ist zwar schon älter, aber solltest du noch ab und zu hier sein dann setze dich mal mit mir in Verbindung. Ich bin Jahrgang 58, habe die Zeit sehr genossen und tue dies heute noch. Sehe eine Möglichkeit für dich aus dem Harz IV Gefängnis heraus zu kommen. Wird dir auf jeden Fall weiterhelfen, sowie deinem Lebenspartner.
    Ich kenne die Situation zu gut mit dem Harz IV, aber mir hat es auch geholfen und du wirst sehen das du innerhalb von 6 Monaten wieder positiver eingestellt bist, weil du wieder Geld in den Händen hälst und nicht auf jeden Cent schauen musst.
    Ich möchte es hier nicht öffentlich machen, denn sonst werden es immer mehr die es machen, denn es ist legal.
    Ich komme 2x im Jahr nach Deutschland und, oder in die Schweiz, verdiene in 20 Tagen ca.3-4 tausend euros und haue wieder ab nach spanien. Wie gesagt, es ist ein legales Geldverdienen, jedoch kann man es nur machen wenn man nicht arbeitet und die Zeit dafür hat. Wenn du interesse hast melde dich bei mir unter 75Paris@gmx.net.
    dann werde ich dir per Mail mehr berichten.
    LG
    Finny

  19. Hallo zusammen. Die Einträge hier sind zwar vo n Anfang des Jahres, aber vielleicht kommt der ein- oder andere nochmal vorbei…

    Ich möchte mal kurz mitteilen, das wir seit 3 Jahren im Bus leben und auf Reisen sind, und wie wertvoll die Erfahrungen für uns sind, die das Leben unterwegs so beinhaltet. Meine Frau und ich haben unser Arbeitsleben im paramedizinischen Bereich hinter uns gelassen und wohnen seitdem in einem grossen Bus und sind viel unterwegs. Wir haben bis letztes Jahr in Portugal, Spanien und Frankreich gelebt und haben viele Menschen kennengelernt, die zu Freunden wurden. Einer unserer Prioritäten ist das „connecten“ mit Anderen. Hier erfährt man viel Sinn und Unsinn, aber immer bekommt man Tips und hilfreiche Informationen aus anderen Richtungen. So kamen wir in den Ländern auch an gut bezahlte Arbeit, die unsere Reise bisher immer weitergehen läßt. Und die parallele „innere Reise“ springt beim „connecten“ auf Lichtgeschwindigkeit. Das Leben unterwegs ist hart und fordert Kompromisse und Entscheidungen. Aber den Reichtum an Erfahrung den wir sammeln, ist die Mühe wert. So konnten wir nach und nach mehr lernen und sind noch dabei. Eine unserer weltlichen Errungenschaften ist diese: Wir sind sehr stolz darauf, seit etwa 2 Jahren Stromnetzunabhängig zu leben. Alle unsere Geräte wie Computer, Handy, Mixer usw. die wir an „Bord“ haben, betreiben wir mit Solarenergie. Strom als neue Errungenschaft? -Ja! Es ist ein Wahnsinnsgefühl wenn man das Licht einschaltet und braucht nichts mehr dafür zahlen… Verstanden? Diese Unabhängigkeit gibt einem ein sehr gutes Gefühl!
    Dies ist nur eine unserer vielen Geschichten zur „fühl-dich-gut-Unabhängigkeit“. Ist das denn nicht erstrebenswert? -Unabhängigkeit? Für uns mit das Wichtigste. So kommt man sich selbst auch ein ganzes Stück näher. Sind wir Hippies? Freaks? Ausreißer? -Keine Ahnug. Vielleicht einfach Mensch, Reisender mit Blick auf das Wesentliche, das sich eben nicht mit Geld, Krediten o.ä. erkaufen läßt. Auch wer weiterkommt als Amsterdam um über den Tellerrand zu schauen, wird sehen, das der Tisch reichlich gedeckt ist.
    Und wo die Reise endet? Das sehen wir auf dem Weg dahin ;-)

    Mit vielen guten Wünschen an alle Beteiligten hier:

    Sebi(30J) mit seiner Frau Yana
    und den beiden Hunden Shiva & Jolie
    unterwegs mit dem Bus „Fuchur“
    zur Zeit in Xanten(D)

    Kontakt: sebastiansteeger@web.de

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