Claudia am 07. Dezember 2002 — 0 Kommentare

Weihnachtszeit II: Geben wir’s weiter?

Ob sie denn nur eine übriggebliebene Unverbesserliche sei, fragt Marianne in derselben Mail, in der sie mich auf die Aktion *„Gib es weiter“ aufmerksam macht. Offensichtlich haben wenige Stunden gereicht – die Website ist seit dem 4. Dezember online – um die verschiedensten freundlichen und unfreundlichen Kritiker herauszufordern: Das geht nicht, weil…, das kann doch nicht klappen, das ist doch total naiv! Deutschland im Stimmungstief ist nicht so easy in adventliche Nächstenliebe oder gar Weltverbesserungslust zu versetzen!

Worum geht’s? Ich surfe hin und lese:

Das Gib-es-weiter-Prinzip:

Du tust etwas für einen Menschen. Wenn möglich, einen großen Gefallen. Es sollte etwas sein, was diese Person alleine ohne Hilfe nicht bewältigen kann. Anstatt eine Gegenleistung oder Dank zu erwarten, erlegst du ihr auf, dass sie es an 3 andere Menschen weitergeben soll.

War da nicht mal so ein amerikanischer Film, in dem alle ständig gestrahlt und liebevoll gelächelt haben? Die Erinnerung an den Trailer untermalt den Ansturm meiner ganz persönlichen Niedermach-Gedanken: Das geht doch nicht! Das ist doch unendlich naiv! Wer will denn wissen, was für einen Anderen ein „großer Gefalle“ ist? Vielleicht reißt ihn ja genau die Wunscherfüllung, die ich ihm ermögliche, vollends in den Abgrund? Helfen ist doch nicht SO einfach, ja, praktisch ganz unmöglich…. und überhaupt: Tu ich nicht auch ohne Aktion etwas „für einen Menschen“? Bin ich nicht die Hilfsbereitschaft in Person? Soll ich denn jetzt auf die Straße rausgehen und rufen: Hallo, braucht jemand was???

Ich guck eine Zeit lang diesem inneren Theater zu und meine Sympathie für die Aktion steigt. Was solche Widerstände auf den Plan ruft, trifft auf jeden Fall ins Schwarze. Anstatt mit eigenen Argumenten über Sinn und Unsinn einer solchen Initiative zu streiten und so nur den graubraunen Sumpf der üblichen Scheiße einmal gut umzurühren, könnte man einfach der Empfehlung folgen und sehen, was passiert. Gewiß würde man etwas Neues erleben, denn etwas „Unmögliches“ wäre auf einmal möglich geworden – jenseits aller zweifelhaften Ideen vom Helfen-Wollen-Können-Sollen ist es DAS, worauf es ankommt!

Wer ist „man“? Die Widerstände wirken bis in die Wortwahl hinein: werde ICH denn der Empfehlung folgen? Oder möchte ich nur dem geneigten Surfer Ratschläge geben, deren Verwirklichung ich doch lieber bei Anderen beobachte als sie selber auszuprobieren?

Mal sehen, ehrlicherweise lasse ich das offen. Es kommt drauf an, wer bzw. was für eine Aktivität sich mir als Gelegenheit anbietet, „es weiter zu geben“. Dass da etwas kommen wird, ist gewiß, wenn ich mich für die Idee öffne – und zumindest dafür hat mir Mariannes Inititative den Anstoß gegeben.

übrigens: nicht nur, weil es weihnachtet, unterstütze ich diese Idee. Ich würde gerne für viel MEHR Initiativen, Ideen, konkrete Projekte und ungewöhnliche Vorgehensweisen den roten Teppich ausrollen, wenn sie nur EINES leisten: einen Kontrapunkt in dieses Jammertal Deutschland setzen, in dem zur Zeit alle in kollektiver Untergangslust an den Ästen sägen, auf denen sie sitzen und ihr je eigenes entrüstetes „So nicht!“ in die Welt hinaus rufen. Ich kann es nicht mehr hören: Wie hier jeder versucht, sich und die je eigene Interessengruppe mit großer Geste als das lange schon gemolkene Opfer darzustellen! Oder gar immer noch mehr rauszuholen, egal, ob die öffentlichen Haushalte den Bach runter gehen und dann eben noch ein bißchen mehr gestrichen und entlassen werden muss. Hauptsache, die Bediensteten mit den vergleichsweise sicheren Jobs bekommen ein paar Euro mehr – all das lässt eigentlich keine Weihnachtslaune aufkommen, im Gegenteil.

Wie kommt man aber von einem Bewusstsein, das immer nur die einstmals errungenen Besitzstände verteidigt, zu einem Denken & Fühlen, das immer zuerst fragt: Was kann ich beitragen? Was kann ich noch abgeben? Wie kann ich Neues schaffen, damit mehr zum Verteilen da ist? Was kann ich dazu tun, damit diese miese Stimmung sich bessert? Denn aus den Stimmungen entstehen die Gedanken, aus den Gedanken die Pläne und Vorhaben, und schließlich folgen die entsprechenden Handlungen.

Wer hier kreativ ist, tut uns allen einen Gefallen. Wer dazu Ideen hat und gar selber ein paar Finger rührt, gehört mit Orden bekränzt und mit Lob überhäuft . Und wenn DU, geneigte Leserin und lieber Leser, dich heute oder in den nächsten Tagen von einem lieben Mitmenschen oder einfach vom Leben beschenkt fühlst, dann behalt es nicht für dich, sondern gib es weiter!

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
Noch keine Kommentare zu „Weihnachtszeit II: Geben wir’s weiter?“.

Was sagst Du dazu?

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht