Claudia am 20. November 2003 — Kommentare deaktiviert für Aus dem Gleichgewicht

Aus dem Gleichgewicht

Von wegen Zahnarzt! Da hab‘ ich mich endlich überwunden, die Praxis drei Häuser weiter aufzusuchen, um das „Schließen der Lücke“ ernsthaft anzugehen, muss aber erfahren, dass ich erst nächstes Jahr einen Termin bekommen kann. „Alles dicht“, sagt die Zahnarzthelferin in diesem beflissen-abweisenden Ton, und schon ist sie wieder davon geeilt!

Oh ja, auf einmal erinnere ich mich: das sind jetzt all die panischen Last-Minute-Patienten, die, voller Angst vor 10 Euro Zuzahlung im Vierteljahr, noch eben mal die Praxen stürmen und sich die Kauleiste runderneuern lassen. Zwar wird in den Medien immer wieder beruhigend gemeldet., dass die „Reformen“ in Sachen Zahnersatz erst 2005 zuschlagen werden, aber wer hört da schon noch hin und glaubt noch irgend etwas. Was ich im Mund habe, kann nicht mehr teurer werden, denkt das Volk, und ich mit meinem „ernsthaften Bedarf“ hab‘ eben Pech gehabt.

Nicht aufregen. Darin bin ich doch geübt! Wenn ich nicht grad breit grinse, sieht man die Lücke nicht. Und WER sollte sie auch sehen? Alle, die mir physisch nahe kommen, mögen mich auch mit Lücke – ich kann also getrost den Jahreswechsel abwarten. So richtig Lust auf Zahnarzt hab‘ ich sowieso nicht. Alles ist gut, wie es ist!

Seit ich einen Fernseher habe, zappe ich des öfteren quer durch die Programme und bekomme die Welt mit, wie sie das TV zeigt. Dabei fällt mir auf, was für einen Stellenwert der medizinisch-industrielle Komplex mittlerweile hat! Unzählige Arzt- und Krankenhaus-Serien werden gezeigt, grünbekittelte, ernst blickende Männer mit Mundschutz operieren und transplantieren, das Reanimieren wird so oft vorgeführt, dass es schon bald jeder Do-it-Yourselfer auch könnte, hätte er die geeigneten Gerätschaften. Der Blick auf die Monitore mit der Herzkurve, die plötzlich in eine gerade Linie übergeht: Exitus! Bzw. doch nicht, denn dann geht diese Wiederbelebungshektik los: Komm schon, komm schon… ich zappe weg und lande in einer Sendung über Schönheitschirurgie: Falten glätten, Fett absaugen, Brust vergrößern – eine der wenigen Wachstumsbranchen in Deutschland, deren Umsatz sich in den letzten Jahren verdreifacht hat.

Ein voluminöser Mittfünfziger liegt auf dem Tisch, ganz entspannt im Dämmerschlaf, während drei Operateure gleichzeitig große Kanülen in Bauch Schenkel und Waden stechen, unter der Haut herum stochern und das eiterfarbene Fett teils abschaben, teils wegsaugen. Widerlich! Dann dasselbe Spiel mit einer wunderschönen schlanken Frau um die zwanzig, sie strebt nach letzter Perfektion und lässt sich die Oberschenkel bearbeiten – was glaubt sie, zu gewinnen? Eine fröhliche Frau in meinem Alter mit ein paar wenigen Mimikfalten verliert eben diese unter der Einspritzung von Eigenfett, dass zuvor am Hintern entnommen wird – ich finde, sie sieht jetzt NICHT besser aus, im Gegenteil, ihr Gesicht wirkt auf einmal langweilig, nichtssagend. Eine Expertin kommt zu Wort, Stirn und Wangen so glatt wie ein Kinderpo. Doch Hals und Hände lassen keinen Zweifel, dass dieser Körper weit älter ist, als es das Gesicht vermuten lässt. Es wirkt wie „hineingestellt“ in ein Ganzes, das durch den glattgestrafften „Fremdkörper“ regelrecht konterkariert wird. Nicht einmal wenn sie lächelt, bilden sich die üblichen Lachfalten zwischen Nasenflügel und Mundwinkel. Statt dessen so ein komisches Zucken – irritierend!

Der Mensch ist ein Ort, wo Krankheit entsteht

Ich zappe weiter, ein Gesundheitsmagazin belehrt über Gallensteine und ihre Entstehung. Jemand spült Geschirr ab und eine Stimme aus dem Off erläutert, dass es dazu ein Spülmittel mit fettlösenden Substanzen braucht. Diesen Job hat im Körper das Gallensekret – aha! Dann werden allerlei Gallensteine gezeigt, eingegossen in Epoxydharz. Hübsch anzusehen. Wer sich allzu fett ernährt, bringt da etwas aus dem Gleichgewicht. Das Spülmittel reicht nicht mehr aus, doch es wird vom Körper immer mehr „angefordert“ – die Galle gerät aus dem Lot, Stoffe kristallisieren, Steine entstehen. Die Moderatorin fragt die anwesende Frau Professor-Doktor: „Warum muss eigentlich immer gleich die ganze Gallenblase entfernt werden? Kann man nicht die Steine heraus operieren und sie belassen?“ Da wir Fernsehzuschauer gerade gelernt haben, dass die Galle kein nutzloser Kropf ist, bin ich gespannt auf die Antwort: „Nun ja,“ sagt Frau Prof. Dr., „zunächst einmal ist die Gallenblase ja der Ort, wo solche Steine entstehen. Wenn wir sie belassen, können sie wieder kommen“. Ah ja! Mir rieselt es kalt den Rücken herunter: Ist mein Körper nicht insgesamt ein „Ort, an dem Krankheiten entstehen“? Sollte man da nicht gleich vorbeugend zu radikalen Maßnahmen schreiten? Warum beim Rausoperieren von Galle, Gebärmutter, Mandeln und anderer Einzelteile stehen bleiben? Vielleicht ist der Mensch etwas, das man besser insgesamt verhüten sollte?

Nächstes Jahr werde ich fünfzig und schon länger spüre ich den sich verstärkenden „Sog“ des medizinisch-industriellen Komplexes. Vielfach wird mir kommuniziert: du bist in einem „kritischen Alter“, du musst jetzt endlich mal zum Arzt gehen und dich durchchecken lassen. „Du gehst doch hoffentlich zur Vorsorge?“, werde ich öfter gefragt, und wenn ich verneine, ernte ich irritierte Blicke, Nachfragen, Vorwürfe, Mahnungen. Bisher war es meine Strategie, diesen Konformitätsdruck einfach zu ignorieren: Fühle ich mich doch, abgesehen von der Erkältung und meinen diversen „Sitz-Schäden“, völlig gesund und denke erst dann daran, einen Arzt aufzusuchen, wenn dem nicht mehr so ist. Wobei, ich erinnere mich gut, mir die letzten Arztbesuche vor etwa zehn Jahren absolut nichts gebracht haben: Sie wollten mich nur auf gut Glück medikamentieren oder „Schmerzen wegspritzen“, ohne mir sagen zu können, was ich eigentlich für eine Störung habe und woher sie kommt. „Da lebe ich doch lieber mit meinen Symptomen“, hab ich gesagt. „Die kann ich beobachten und dann komm ich ja vielleicht noch drauf“. Erstaunte Blicke – und tschüss!

Im Diary hab‘ ich Themen rund um Krankheit und Gesundheit bisher eher vermieden. Jetzt denke ich um: Ignorieren ist auf Dauer keine Lösung. Mich ärgert die Art und Weise, wie sich viele entmündigen lassen, wie sie vom eigenen Körper, dem eigenen Gespür für Befindlichkeiten, für gesunde und kranke Zustände, total entfremdet werden. Und es auch noch für ganz normal halten, sich mit Medikamenten vollzuknallen, nur weil „Laborwerte“ einen „Mangel“ oder „Überschuss“ von diesem oder jenem Stöffchen im Blut festgestellt haben. Erhöhte Cholesterinwerte, zu hoher oder niedriger Blutdruck, Eisenmangel, zuwenig B-Vitamine – da haben wir doch was! (Damit machen wir unsere Milliardenumsätze…)

Dass im Jahre 2003 der Mensch noch immer als ein Chemiebaukasten angesehen wird, wo es nur darum geht, im Reagenzglas die richtige Mischung herzustellen, empfinde ich als ziemlich krass! Man wechselt doch auch nicht die Birne aus, die am Armaturenbrett rot blinkt, sondern schaut unter die Motorhaube, was im System eventuell aus dem Gleichgewicht ist.

Das Gesundheitssystem jedenfalls ist mehr als „aus dem Gleichgewicht“! Und noch kein Politiker hat es geschafft, sich gegen die Lobbys auch nur ansatzweise durchzusetzen. Diese, bzw. der gesamte medizinisch-industrielle Komplex, sind aber nur die Hälfte der Macht: die andere Hälfte sind wir alle, die wir es in der Hand haben, ob wir uns diesem geistlos-mechanistischem Denken anschließen, das unzählige Opfer fordert und riesige Profite bringt. Gut, dass es zur Zeit knirscht! Wenn die Verantwortung des Einzelnen in Gestalt von drastisch steigenden Zuzahlungen von außen erzwungen wird, ist das vielleicht mal Anreiz genug, ein bisschen wacher zu werden – und mit dem Selber-Denken anzufangen.

(Ich fange mit den Büchern an, die ich für einen Kunden auf Rauslink dieser Seite zusammengestellt habe. Wow, ist das spannend..!)

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Claudia am 15. November 2003 — 1 Kommentar

Mein Nachlass im PC

Dieser Text entstand im Rahmen eines von mir im November 2003 veranstalteten Online-Schreibkurses – da er sehr persönlich ist, übernehme ich ihn hier ins Digital Diary. Er basiert auf dem Gedankenspiel, dass ich plötzlich verstorben bin und nun jemand meinen PC sichtet. Weit in der Zukunft natürlich, was man beim Lesen bemerken wird.

„Der Tunnelblick verengt sich“ – der Dateiname im Ordner „Verschiedenes_sortieren“ springt mir ins Auge. Oh, wie wäre ich dankbar für eine gewisse Verengung, für mehr Konzentration, für irgend einen roten Faden, der mich durch dieses Chaos leitet. Claudia, was hast du uns da angetan! Ich fange beim Lesen immer mit dem „Vermischten“ an, deshalb jetzt auch der Blick ins „Verschiedene“ – aber verdammt noch mal, so wie der riesige Rest aussieht, ist das alles VERSCHIEDENES. Liebe Verschiedene, erscheine mir bitte im Traum und sag mir, was ich machen soll! Weiter → (Mein Nachlass im PC)

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Claudia am 14. November 2003 — Kommentare deaktiviert für November: Zeit zum krank sein

November: Zeit zum krank sein

„Ich deliriere. Fieber 40 plus. Eine heiße Sache ;-)“ Die SMS des fernen Geliebten erreicht mich just in dem Augenblick, als ich den Zahn, der mir gerade aus der Brücke links oben gebrochen ist, wehmütig betrachte. Eine Schweinerei! Zwei Jahre war das Teil erst alt, wogegen die Aufbauten, die ich seit über 25 Jahren zum Kauen benutze, erst in letzter Zeit ihre Erneuerungsbedürftigkeit spüren lassen. Das war noch Wertarbeit, nachhaltig, nicht mit Blick auf baldiges „Update“ ins Werk gesetzt!

„Und mir ist gerade ein Zahn heraus gebrochen“ simse ich zurück. Es wird ihn erheitern, denk ich mir. Denke dann daran, dass ich jetzt also wirklich zum Zahnarzt muss, was für ein Aufwand! Ganz zu Schweigen von den Kosten. Ob ich nach Polen fahren soll? Noch größerer Aufwand, kommt nicht in Frage! Wo ich doch noch immer nicht gesund bin, grade mal auf dem Weg dahin. Erkältung, Bronchitis – mein Fitness-Center hat die Sauna wegen Bauarbeiten still gelegt. Seither geh ich nicht mehr hin und handle mir prompt die erste richtige Krankheit seit vielen Jahren ein. Kein Wunder.

Ich telefoniere mit meiner Mutter, die vor zwei Tagen operiert wurde. Wenn der Krebs noch nicht gestreut hat, kann sie noch zehn Jahre leben, heißt es. „Mir geht’s gut“, sagt sie, und dass ihr das keiner glaubt. Auch ich sage, dass ich es nicht glaube – und merke, dass ich dabei bin, mich von der Wahrheit des Herzens zu entfernen. Ich will ihr Gelegenheit geben, ihr Leiden auszudrücken, wenn sie das möchte – aber ich weiß, sie will das nicht und wird es auch nie wollen. Und ehrlich gesagt, ich finde das gut so. Ich bin genau wie sie.
Ich?

Am Anfang war das Wort, und Gott war das Wort, und das Wort war bei Gott. Das gewaltige Mantra aus der Bibel tritt mir ins Bewusstsein. Es verweist auf die Tatsache, dass wir die Dinge schöpferisch zu Realitäten formen, indem wir sie benennen. Sie dadurch vom großen Ganzen abtrennen und zum „Objekt“ machen. Bewusstsein entsteht, wenn uns ein Gegenstand entgegen steht: ein Hindernis, ein Leiden, eine Krankheit, eine Gefahr. Damit etwas in diesem Sinne „entgegen stehen“ kann, muss ich zuvor beschließen, wo ich MICH verorte. Was bin ICH? Antworte ich „dieser Körper!“, dann werde ich mit diesem Körper leiden, verzweifeln und untergehen. Und daraus ein Riesendrama machen, für mich und für andere.

Das habe ich nicht vor. Ich werde den Teufel tun und mich so (oder anders) definieren, mich mit irgend etwas identifizieren. Ich bin nicht der Körper, sondern finde ihn vor. Ich erlebe ihn und kann ihn betrachten. Die Tatsache, dass ich z.B. den Arm heben kann, also aus dem Willen eine physische Wirkung verursachen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass dieser ganze Mechanismus „Gedanke-Wille-Aktion-Wirkung“ ICH bin. Denn ich kann ihn ja beobachten.

WER beobachtet? Habe „ich“ einen Zahn verloren? Das erinnert mich an die jedem geläufige Szene, wenn man mit einem Auto-Besitzer losgeht, um irgendwohin zu fahren. „Ich stehe da drüben“, sagt er. Das ist genau dasselbe: Er hat seine Ich-Definition so ausgedehnt, dass sie das Auto mit umfasst.

Kann man machen, warum nicht? Aber den Preis muss man immer bezahlen. Jede Selbst-Identifikation bringt Nutzen und Aktionsspielräume, aber auch Kosten: Leiden an Verlust und Vergänglichkeit.

Damit man mich nicht missversteht: Ich GLAUBE nichts! Weder an wandernde Seelen noch an einen Geist ohne Materie, und auch nicht an das Leben als Lehr-Anstalt, in dem wir Lern-Erfahrungen machen, um uns zu „entwickeln“ und eines Tages ins Nirvana oder Paradies einzugehen. Ebenso wenig glaube ich das Gegenteil, bin keine Anhängerin des wissenschaftlichen Weltbilds mit all seinen Stoffen und Prozessen, schwarzen Löchern, wechselnden Modellen vom Kosmos und seiner großen geistigen Leere. Auch Atheismus ist ein Glaube.

Fortschritt bedeutet für mich, nicht mehr zu glauben, das Nicht-Wissen auszuhalten und es dabei zu belassen. Wenn man den Verstand mal daran gewöhnt hat, dass er nicht für alles und jedes zuständig ist, wird das Leben sehr viel angenehmer.
Einfach da sein

Nun bin ich ja wirklich schwer abgehoben! Eigentlich wollte ich über das Krank-Sein schreiben, denn zur Zeit sind so viele um mich herum krank, genau wie ich. Der Programmierer von schreibimpulse.de kämpft seit Wochen mit einer schweren Erkältung, ein Kursteilnehmer kann nicht mehr in den Monitor sehen, ohne dass sich die Augen entzünden. Mein Ex-Lebensgefährte ist gerade erst dabei, wieder fit zu werden – ich sag mir einfach: es ist November! Zeit zum krank sein. Alle Natur stirbt und auch wir kränkeln halt so mit, denn wir sind Teil davon. Nichts besonderes.

Mehr und mehr fällt mir auf, was für ein Krieg an all diesen Fronten geführt wird, um das Unvermeidliche mit allen Mitteln zu bekämpfen. Sowohl die herrschende Medizin als auch die alternativen Lehren und Systeme sind sich in einem einig: Wir müssen gesund werden, möglichst lange gesund bleiben, und wenn das nicht mehr geht, dann ist zumindest das Ende so lange wie möglich hinaus zu schieben. Warum hat man meine 96-jährige Großtante noch mit Reanimationsversuchen belästigt? Sie ist gestorben, als ihr klar wurde, dass sie aus dem Krankenhaus nicht mehr zurück in ihre Wohnung, sondern in ein Pflegeheim kommen wird. Ist daran irgend etwas falsch? Hätte man sie lieber noch ein paar Jahre neben die anderen final Siechenden gelegt und mit dem Dekubitus gekämpft?

Oder bleiben wir beim ganz normalen Alltag: Warum sollen wir denn fortlaufend funktionieren? Das tun nicht mal die Computer, denen wir die Organisation unserer Welt mehr und mehr überlassen. Den Stress, immer fit, schön und gesund zu sein, brocken wir uns selber ein – warum eigentlich?

Ich habe meine Krankheit genossen. Endlich mal sagen können: Ich kann nicht! Ich pack das jetzt nicht, bin wie in Trance, kann mich nicht konzentrieren, muss mich hinlegen, kann zumindest nicht so ranklotzen wie sonst – wunderbar! Wenn das mal alle mitbekommen haben und die Welt trotzdem nicht einfällt, erlebt man eine ganz neue Art von Entspannung und Gelassenheit. Die Lizenz zum nutzlosen und irrationalen Einfach-nur-da-sein. Auf einmal ist Zeit und Muße da, um „in sich zu gehen“, bzw. zu erforschen, was diese Worte wohl bedeuten. Das Bewusstsein weitet sich: die Welt des alltäglichen Funktionierens mit seinen Zielen und Zwecken ist plötzlich nur ein kleiner, unwichtig gewordener Aspekt des Ganzen. Neue Räume des Erlebens tun sich auf, alle Dinge und Tätigkeiten zeigen sich in einem andern Licht – wer jetzt mental daran kleben bleibt, sofort gesunden zu sollen oder trotz Krankheit weiter zu funktionieren, versäumt etwas!

Nun ja, mag man denken, so eine kleine Erkältung, was ist das schon? Bekomm du mal deine „tödliche Diagnose“, dann sehen wir weiter! Ja, darauf bin ich auch gespannt. Aber nicht so sehr, dass ich ständig zum Arzt gehe, ohne krank zu sein, nur so als eine Art TÜV. Der Scheckheft-gepflegte Mensch, immer in Erwartung der bösartig veränderten Zelle, der sich schließenden Herz-Ader – das ist ein Trend, der ohne mich auskommen (und Kasse machen) muss. Meine Krankheit gehört mir, auch die letzte.

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Claudia am 13. November 2003 — Kommentare deaktiviert für Leben und Arbeiten: Was anliegt

Leben und Arbeiten: Was anliegt

Immer mehr altbekannte Webprojekte verschwinden aus dem Netz. Langsam wird das „Urgestein“ des Internet der frühen Jahre vom Fluss der Veränderung abgetragen und zerrieben. Viele haben ihre „Herzprojekte“ einfach eingestellt, andere versuchen auf die eine oder andere Art, ihr bisher kostenloses Webschaffen zu kommerzialisieren. Fortlaufend Werte erschaffen, Qualität ins Netz stellen und dafür über die Jahre nur ein bisschen Schulterklopfen und viel Meckereien zurück zu bekommen, ist offensichtlich auf Dauer nicht nachhaltig. Es kostet immerhin Zeit, Herzblut und Energie, die an anderer Stelle fehlt – z.B. dort, wo Geld verdient werden muss.

Mein persönliches Leben & Arbeiten ist eine ständige Suche: Wie schaffe ich es, für das, was ich am liebsten tue, bezahlt zu werden und nicht für irgend etwas Anderes? Ich gehöre nicht zu denen, die da von Anfang bis Ende eine klare Trennung akzeptieren: hier der Brotjob, der mich ruhig anöden darf, dort die Kunst, die Freiheit, das „Wahre, Schöne und Gute“. Das wäre allenfalls lebbar, wenn der „Brotjob“ eine einfache körperliche Arbeit wäre, wie etwa Putzen. Etwas arbeiten, bei dem man sich bewegt und nicht viel denken muss, lässt große Freiräume für „geistige Arbeit“ – kostet dann aber doch zuviel Energie und wird, was sehr ungerecht ist, auch noch extrem beschissen bezahlt.

Meine Schreibkurse sind ein Schritt in Richtung „Verwirklichung“ – mit Gruppen und Individuen online zu kommunizieren, Schreib-Projekte anzuleiten, etwas von dem weiter zu geben, was mich selbst so unendlich bereichert, ist tatsächlich ein Stück Erfüllung! ABER, das sehe ich jetzt schon, nachdem zwei Kurse einige Wochen laufen: es kann nicht das EINZIGE sein! Es ist mir nicht möglich und auch nicht wünschenswert, in der Rolle der „Schreibkurs-Leiterin“ vollständig aufzugehen. Denn ich schreibe ja auch selbst und habe nicht vor, das einzustellen. Würde ich nur noch „vermitteln“, müsste ich ansonsten verstummen – und ich merke, dass ich nicht im Traum daran denke! Im Gegenteil, mir fallen mehr Themen ein denn je, ich fühle stärker als sonst die Lust, zu schreiben, und die neuen „ungeschriebenen Artikel“ kommen mir sogar besser, wichtiger und inhaltsreicher vor als so Manches, was mir schon in die Tasten floss, als ich noch genug Zeit und Muße zum Schreiben hatte.

Damit komme ich wieder an den Punkt, der sich mir nicht zum ersten Mal aufdrängt: Wie schaffe ich mir einen Freiraum zum Schreiben, ohne dass ich diesen Freiraum durch Mehrarbeit auf anderen Ebenen selber finanzieren muss? Ganz klar: Ich brauche dafür ein „passives Einkommen“: Geld, das verdient wird, ohne dass ich dafür ständig neu arbeiten müsste. Denn jedes neue Projekt, jede neue Dienstleistung, die ich mir ausdenke, bekannt mache und vermarkte, zieht mich ja wieder vom Schreiben ab, besetzt jene inneren Ressourcen, aus denen meine Texte fließen, mit den jeweils mit ihr verbundenen Inhalten und Aufgaben.

Neue Impulse

Dass ein langjähriger Diary-Leser im August ganz von selbst damit angefangen hat, „mich zu fördern“, hat mich in innere Bewegung versetzt. So etwas ist also möglich, geschieht einfach so, ohne dass ich es erwartet oder verlangt hätte! Ein anderer bemängelte, dass ich nirgends meine Kontonummer veröffentliche. (hier: 24891109, Postbank Berlin, 10010010) Ich staune und frag mich, ob das eine „Methode“ wäre: Soll ich um Förderer und Spenden werben? Soll ich meine uralte Konditionierung endlich mal ablegen, die mir vorschreibt, bescheiden zu sein, mich nicht anzupreisen, keine Lob-und-Dank-Mails im Web auszustellen, und niemals auf so etwas wie „Return of Investment“ zu achten?

Natürlich müsste ich dann den Förderern etwas „Zusätzliches“ bieten – aber das ließe sich ja durchaus machen! Die ganze Idee könnte ich als Projektidee in eigener Sache begreifen, genauso, wie ich üblicherweise die Interessen und Vorhaben meiner Webdesign-Kunden kreativ aufgreife und ihnen Gestalt gebe. Statt dessen hab‘ ich mich jahrelang nicht mal um die eigene Startseite im Web gekümmert: www.claudia-klinger.de ist gegenüber dem Digital Diary sträflich vernachlässigt – warum eigentlich? Vorgestern hab‘ ich es immerhin geschafft, in einer Nachtsitzung diese Seite mal aufzuräumen. Jetzt zeigt sie wirklich meine gesamte Weblandschaft seit 1996 und ich muss nicht mehr über Google nach eigenen Seiten suchen. Ein erster Schritt – weitere werden folgen, ich weiß nur noch nicht, welche.

Ein alter Freund riet mir, auf dieser Startseite meine Webdienstleistungen zuoberst zu nennen – genau das mach‘ ich nicht, denn die Domain www.claudia-klinger.de repräsentiert mich in meinem Gefühl ALS GANZES. Was dort an erster Stelle steht, wird immer das sein, was mir gerade am wichtigsten ist – und Webdienstleistungen sind das derzeit eher nicht. Natürlich freu ich mich über jeden neuen Kunden, versenke mich nach wie vor in dessen Projekt – aber ganz persönlich bin ich auf der Suche nach MEHR, nach vielfältigeren Einkommensquellen, die der Verschiedenheit meiner Aktivitäten 1:1 entsprechen. Bezüglich Webdesign, wo ich meine gestalterisch-organisatorische Ader auslebe, ist alles lange klar. Und auch die Schreibkurse sind fürs erste erfolgreich und als „zweites Bein“ ausbaubar. DAS ist gerade aktuell, deshalb steht „Transfer 2004 – Wenn die Nacht am tiefsten ist“Rauslink an erster Stelle. Ich werde mich da noch mal ein Stück tiefer einlassen, eventuell selber mitschreiben. Bei nur 16 Tagen Laufzeit ist das auch möglich.

Fehlt noch das eigene Schreiben. Denn schon wieder drängt die Zeit, ein Webdesign-Kunde braucht mich, die Kursteilnehmer erwarten meine Kommentare zu ihren Texten. Ich fühle ich mich als Zeit-Diebin und komme allenfalls zu einem kurzen Bericht über den Stand der Dinge. Nicht aber zu alledem, über das ich furchtbar gerne schreiben würde: Über Krebs zum Beispiel (meine Mutter ist gestern operiert worden), über die subtil ins Totalitäre steuernde Entwicklung des Medizinbetriebs, über Vorsorge, Krankheit und Gesundheit, über das Altern und seine interessanten Qualitäten, über Sex und Erotik, über die spezifisch deutsche Art, Veränderungen abzublocken, zu verurteilen, zu jammern und zu klagen, anstatt neugierig ins „Unversicherbare“ aufzubrechen – Themen ohne Ende bilden eine Art Schlange, einen Rückstau in meinem Bewusstsein, der mir sagt: Ich muss etwas ÄNDERN, um wieder in den Fluss zu kommen. So wie bisher geht es nicht weiter: ich kann nicht bleiben, was ich immer war, tun, was ich immer tat – ich will MEHR.

Für dieses „Mehr“ eine Gestalt zu finden, ist das, was anliegt. Vielleicht finde ich sie in den „16 heiligen Nächten“ – mal sehen.

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Claudia am 02. November 2003 — Kommentare deaktiviert für Veränderungen im Nahbereich

Veränderungen im Nahbereich

Man muss sich Zeit zum Krank-Sein nehmen, um zu gesunden! Zwar bin ich immer noch sehr erkältet, doch in Sachen Mausarm vielleicht ein Stück weiter – und das kam so:

Über den Tag war die Erkältung wieder stärker geworden, ich fühlte mich schwächer, fiebriger – und wagte es schließlich um 14 Uhr, innerlich Schluss zu machen, ohne noch meine Kursteilnehmer besonders zu informieren. Im Grunde hatte ich für heute alles getan – warum dieses komische Gefühl, mich extra „abmelden“ zu müssen?

Ich telefonierte mit einem Freund und fragte ihn, wie es ist, während einer Erkältung „was zu rauchen“ – er bot mir sogleich eine „Hauslieferung“ an, die ich dankend annahm. Kochte also Tee, plauderte kurz mit meinem Gast, wir rauchten einen Joint… dann ging er wieder und ich legte mich aufs Bett. Bekifft und fiebrig, sehr angenehm. Endlich konnte ich einfach abliegen, keine Stimme murmelte mehr im Hintergrund: Du solltest jetzt lieber…!

Ruhe, fließende Wärme. Ich fragte mich, ob die homöopathischen Globuli, die ich vor einigen Stunden eingenommen hatte, wohl etwas bewirken würden. Immerhin, das Gefühl der Übelkeit, das ich beim Husten immer verspürt hatte, war verschwunden. Meine Aufmerksamkeit wanderte weiter durch den Körper. Plötzliche Schauder schickten Empfindungsgewitter durch alle Nerven und Zellen – war es etwa zu kalt? Oder kam das vom Fieber, bzw. von der erhöhten Temperatur? So „richtig“ Fieber bekomme ich nämlich nie: diese großartige Selbstheilungsmethode des Körpers ist leider in der Kindheit mit heftigen Medikamenten unterdrückt und somit „abgewöhnt“ worden. (So wird ein Grundpfeiler gelegt, auf dem der beständige Profit der Pharmaindustrie dann selbstgewiss ruhen kann!).

Einmal noch holte ich eine dickere Decke, bei den nächsten Schauern entspannte ich mich dann, genoss einfach die winzigen stromstoßartigen Sensationen, die mich vielfältig durchfluteten, versuchte, sie möglichst WEIT durchfließen zu lassen – vom rechten Zeh ins Scheitelchakra – und immer mehr zu genießen. Wie angenehm…

Heureka!

Auf einmal realisierte meine Aufmerksamkeit Stellen, wo etwas im Argen lag. Wo es nicht „durchfloss“, sondern im Gegenteil schmerzhafte Empfindungen ihren Ursprung hatten. Zum Beispiel der rechte Oberarm, mindestens an zwei Stellen – und an der Schulter auch, eine beständige Verspannung, wirbelsäulennah. Klar, das war der „Mausarm“, lang bekannter Teil der chronischen Beschwerden, die vom zuvielen Sitzen herrühren. Interessant, dass so als dichte, dunkle Stelle von innen zu spüren! Ich versuchte, die Energien, die mich rieselnd durchwanderten, sämtlich auf diese blockierten Stellen zu „jagen“ – ein bisschen wirkte es auch, die Schmerzpunkte am Arm wurden plötzlich heißer. Ich nahm den Vibrator und massierte die schmerzenden Stellen – nachhaltig, insistierend. Es war sehr „lustvoll“ und ich bekam als „inneres Bild“ fast eine Art Diagnose, was da im Einzelnen eigentlich los ist, physisch gesehen.

Während ich so in den „kranken Bereich“ hinein spürte, erinnerte ich mich auf einmal an die Haltungen, die ich täglich vor dem PC einnehme. Nicht als Bild, von außen gesehen, sondern als „Empfindungserinnerung“, von innen erlebt. Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: NA KLAR!!! Ich saß ja ständig SCHIEF, unsymmetrisch, beide Arme und Schultern unterschiedlich belastet und angespannt – immer auf die gleiche „unharmonische“ Art!

Und warum? Wegen der „ausgebauchten“ Form meines neuen Schreibtischs, den ich mir beim Einzug in der Gärtnerstraße als „Fortschritt“ zugelegt hatte. So ein Übereck-Teil, dessen Innenseite im Halbrund nach rechts übergeht. Was zur Folge hat, dass der Arm im Bereich dieses Halbrunds keine „natürliche“ Auflage findet, sondern ständig „im Leeren“ schwebt. Und nicht nur mal kurz, sondern seit zwei Jahren!

GENAU!!! 2001 im Sommer hatte ich den Tisch gekauft, im Frühjahr 2002 fingen die „Mausarm-Beschwerden“ an, und Anfang 2003 musste ich die Maus nach links legen, weil ich vor Schmerz nicht mehr klicken konnte. Seither keine Verschlimmerungen mehr, aber auch keine deutliche Besserung auf der rechten Seite – obwohl da doch gar keine Maus mehr zu bedienen war!

Ich wusste plötzlich: Ich muss auf einer geraden Seite des Schreibtischs sitzen, egal, wie ich ihn dafür hinstellen muss und wie das aussehen wird! HEUREKA, ich hatte es gefunden! Wie konnte ich das nur jahrelang übersehen???!!!

Mach’s jetzt, mach’s gleich…

Sofort aufgestanden und die Lage besichtigt. Mein „Arbeitsplatz-Arragement“ war dergestalt angeordnet, dass der Über-Eck-Schreibtisch einen kleinen Teil des Zimmers gegen den großen Rest abtrennte – wie eine Empfangsdame saß ich da „hinter dem Tresen“, überschaute das ganze Zimmer mit den Türen zum Wohnzimmer, zum Balkon und zum Flur, rechts der Blick aus dem Fenster – Feng Shui-mäßig alles voll in Ordnung. Aber: Auf, unter und hinter dem Schreibtisch zwei Computer, ein Drucker und ein riesiger Kabelverhau, der auch noch den Scanner auf dem Regal hinter mir einbezog, und mich immer wieder durch seine verworrene Unübersichtlichkeit anwiderte. Durch den neuen PC hatte sich das alles noch vervielfacht! In diesem meinem „Cockpit“ klebte ich im Prinzip den ganzen Tag. Alles, was ich brauchte, war in Griffweite, Maus, Tastatur, Telefon – und auch der Aschenbecher und der Tabak. Eine kompakte Situation, aus der man sich „um der Gesundheit willen“ gelegentlich heraus reißt, natürlich nicht oft genug, denn einen „echten Grund“ dazu gibt es ja nicht.

Ich überlegte, wie ich den Schreibtisch umstellen könnte, wo dann der Beistelltisch hinkäme, die beiden PCs, der Drucker – oh, ich merkte sofort, dass es ein Riesenaufwand werden würde, kein Stein würde auf dem andern bleiben! Wollte ich das wirklich tun? Jetzt, in DIESEM ZUSTAND? Egal, ich wusste: wenn ich es jetzt nicht sofort angehe, wird das nichts! Mach’s jetzt, mach’s gleich, mach’s richtig, ermunterte ich mich, und begann, die Kabel eins nach dem anderen abzuziehen. Drei Stunden später war das Zimmer ein völlig anderes!

Ich zuerst – und dann das Gerät..

Das war vor zwei Tagen. Jetzt sitze ich sehr exotisch an der kleinsten geraden Seite des Schreibtisches, die in Richtung Zimmermitte ragt. Mit ein bisschen Monitor drehen und Stuhl rücken kann ich noch zwei andere Sitzweisen mit dieser abwechseln. Der Bildschirm steht vor der Wand, hinter mir (und zu beiden Seiten!) ist freier Raum. Ich kann den Stuhl locker zurück schieben und zum Durchlesen aufstehen! Das Telefon steht zwei Meter weiter am Fenster – ich muss mich erheben und ein Stück laufen, wenn es klingelt, und das ist wunderbar so! Es gibt auch kein Kabelchaos mehr auf engstem Raum, sondern alle Geräte sind über mehrere, an der Wand aufgereihte Tische verteilt, genügend weit auseinander, um ganz übersichtlich vekabelt zu sein. Die „Dünen“ aus vermischten Materialen, Papieren, Technikteilen, Post, Daten- und Musik-CDs sowie Büromaterial sind ganz nebenbei in überschaubare Ordnung gebracht. Der zweite Tisch steht nicht mehr nutzlos rum, bis Gäste kommen, sondern dient als zweiter Schreibtisch für alles, was den PC nicht braucht.

Das Zimmer ist jetzt – sieht man von der „Büro-Zeile“ an der rechten Wandseite ab – ein großer leerer Platz: Ausgesprochen einladend, darin im Kreis herum zu gehen, während ich nachdenke. Es wäre jetzt auch gut Platz für einen Flipp-Chart fürs spontane Malen, bestimmt eine gute Abwechslung für den malträtierten „Mausarm“. Meine To-Do-Listen könnte ich da auch hinschreiben – groß und weithin sichtbar!!! Mal sehen, ob ich mir sowas gönne!

Sogar meiner alten Idee, auch mal im Liegen zu arbeiten, bin ich ein Stück näher gekommen. Im Moment sitze ich im frei nach hinten kippenden Stuhl, die Beine vor mir auf dem Tisch ausgestreckt. Mit den Zehen berühre ich den Monitor, die Tastatur liegt auf den Oberschenkeln. Wegen der Entfernung zum Bildschirm steht die Schrift auf 16 Punkt. Und ich hab mir die Tastaturbefehle von Windows und Word ausgedruckt, um auch mal ohne Maus auszukommen. Ein bisschen sperrig am Anfang, aber es geht.

Klar, das ist nur ein Experiment, der Stuhl ist fürs „Halb-Liegen“ nicht wirklich geschaffen. Ich werde mir eine Spracherkennungssoftware zulegen – etwas, das ich bis heute für gänzlich unnötig und überflüssig hielt – und allen Ernstes versuchen, Texte zu diktieren, langsam im Kreis herum gehend! Denn so, wie ich jetzt „an den PC sitze“, motiviert mich vieles, auch mal wieder aufzustehen, ohne dass ich das Gefühl hätte, mich wirklich von der Arbeit zu entfernen. Warum sollte ich auch immer sitzen bleiben, wenn ich auf den nächsten Satz warte?

Vermutlich wird die Genesung des „Mausarms“ genauso lange dauern, wie seine Erkrankung. Doch ich fühle, ich habe viel mehr gewonnen als nur die Chance auf Gesundung von dieser einen chronischen Beschwerde. Nach dreizehn Jahren „am Gerät“ bin ich zum ersten Mal dabei, das Equipment und alles was dazu gehört, MIR und meinen ganz konkreten individuellen Bedürfnissen anzupassen, anstatt umgekehrt. Dass ich dazu solange brauchte, ist ganz typisch: Selbstveränderung geschieht nicht per Beschluss und Verbesserungsvorsatz, sondern erst, wenn der Status Quo so richtig weh tut!

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Claudia am 26. Oktober 2003 — Kommentare deaktiviert für Andere Saiten aufziehen: Weg vom Monitor!

Andere Saiten aufziehen: Weg vom Monitor!

Heute morgen aufgewacht und gewusst: ich muss andere Saiten aufziehen, muss allen Ernstes ein „Programm“ für meinen Tag, jeden Tag, machen, und es auch ohne Frage durchziehen! Wenn ich nicht damit aufhöre, von früh bis spät vor dem PC zu sitzen, werde ich es bald, sehr bald, nicht mehr können. Nicht psychisch, aber körperlich.

Und da ich mir ein Dasein als Pflegefall ohne PC absolut nicht vorstellen kann, ist es wohl soweit: entweder „sozialverträglich ableben“ oder etwas ändern.

Heute also aufgestanden, eine Stunde Spatziergang, zügiges Gehen durch den nieselnden Regen, es ist warm, entgegen dem, was der Wetterbericht ankündigt hatte.

Winterzeit-Umstellung. Ich habe eine Stunde gewonnen.Wie jedes Jahr werde ich die Uhren erstmal NICHT umstellen, um mir dieses Gefühl zu erhalten: ich bin FRÜHER dran, habe noch MEHR Zeit…

Nachhause gekommen, in der Küche herum geputzt, dankbar, dass es in der Wohnung noch einiges zu putzen und aufzuräumen gibt. Ich werde wissen, WAS TUN, wenn ich in den nächsten Tagen PC-ferne Stunden einlege. Staubsaugen, Papiere und Daten-CDs sortieren, – auch die Steuerbelege ordnen ist eine PC-freie Arbeit, die ansteht. Im schlimmsten Fall könnte ich Fenster putzen!

Seit einer Stunde ist es nicht mehr aufgetreten, das kleine taube Gefühl in der rechten Hand, nur Teile der Finger, nicht GANZ taub, nur ein klein wenig, genug, um zu merken: Das ist NICHT die Durchblutung, das sind die Nerven! Das ist ein neuer Sitzschaden, diesmal nicht vom Lendenwirbel ausgehend, wie der, der den Oberschenkel teilweise taub gemacht hat, sondern von einem Wirbel in der Rückenmitte – einer, der sich mir neuerdings erst als „Problem“ erweist.

Nun ist es wieder weg – für jetzt. Sitze, bzw. hocke auf dem Stuhl, seit einer Stunde erst, und kommentiere die Beiträge meiner Kursteilnehmr. Es ist die „ideale Gruppe“, fünf Männer, fünf Frauen. Alles läuft wunderbar. Im Kurs vermittle ich nicht nicht nur das „in den Schreibfluss kommen“, sondern auch, das Internet kreativ und kommunikativ zu nutzen – so, wie ich es kenne und liebe.

Ich lade also praktisch dazu ein, so zu werden wie ich – netz-technisch betrachtet.

Kann ich das denn wirklich empfehlen??? Obwohl ich erreiche, was ich will, umsetze, was ich mir ausdenke, mich vor dem Gerät weitestgehend verwirkliche, sitze ich doch tatsächlich da und leide! Leide körperlich – und manchmal auch psychisch, wenn ich zulange vor der Glotze allein bin.

Ein Gefühl der Einsamkeit, manchmal, das in sich absurd ist: Ich WEISS genau, dass ich mir jetzt NICHT wünsche, unter X, Y und Z zu sein, irgend etwas zu reden, auf Andere einzugehen, mit ihren Befindlichkeiten mitzuschwingen – nein, tatsächlich WÜNSCHE ich mir das selten. Ich inszeniere es gelegentlich, so alle zwei Wochen. Und es reicht.

Oder doch nicht? WER bin ich? DIE, der das völlig reicht, die ganz zufrieden ist mit sich allein und der Kommunikation mit Anderen über „die Kanäle“ – oder auch die, um die ich mich irgendwie kümmern muss wie um ein krankes Kind? Die ich eigentlich nicht gewohnt bin, zum „Ich“ zu zählen, weil sie keinen Verstand hat und sich nur über Körperbefindlichkeiten und gelegentliche Gefühlseinbrüche unverständlicher Art mitteilt – als Mrs. Hide?

„Als wer“ will ich mich erleben? Das soll ich mich fragen und es „kreieren“, rät mir ein lieber Freund. Himmel, ich kreiere ständig, als was ich mich erleben will, aber offensichtlich reicht das nicht. Offensichtlich ist das, was ich kreiere, viel zu vernünftig, zu vermittelt, zu vergeistigt – ich weiss es selber nicht genau.

Wie aber soll ich aus dem „ich denke, ich möchte gern…“ etwas kreieren, was dem „Ich denke NICHT“ nützt?

Beim Herumlaufen heute Morgen das Wissen: Herumlaufen, putzen, sporteln ist nur dann langweilig, wenn ich dabei „weiter denke“. Immer weiter daran denke, was ich tun werde, wenn ich endlich wieder vor dem PC sitze, also wieder handlungsfähig und wirkungsmächtig bin. Vom Netz abgeschnitten bin ich nur halb.

Das ist der Fehler. Wie ich es ändere, weiss ich noch nicht!

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Claudia am 24. Oktober 2003 — Kommentare deaktiviert für Hinter dem Monitor…

Hinter dem Monitor…

Noch immer schalte ich morgens den falschen Computer ein: bücken, unter dem Schreibtisch den Startknopf drücken, dem Rödeln der Festplatten lauschen – die Gesten sind eingefleischt wie das Zähneputzen, ja, MEHR als das Zähneputzen. Erst wenn der Bildschirm schwarz bleibt, bemerke ich meinen Irrtum, würge den Alt-PC auf halbem Lade-Weg wieder ab und schalte den Neuen ein, der neben dem Monotor steht. Weit sichtbarer zwar, auffällig schwarz – aber physisch ungewohnt.

Neuerdings ist alles schwarz, die Tastatur, die Lautsprecher, der Drucker, die Maus, der PC sowieso, dafür ist die kürzlich angeschaffte Glotze weiß! Ein uralter Text fehlt mir ein, über die „schwarze und die weiße Glotze“, den müsste ich jetzt umschreiben. Ob der Farbwechsel etwas zu bedeuten hat? Präsentiert sich die Gerätschaft dadurch gewichtiger, auffälliger, ernsthafter? An sich liebe ich Schwarz, zumindest bei Klamotten und Kameras. Warum macht es mich also misstrauisch, dass mir das „Hauptgerät“ nun auch farblich entgegen kommt?

Der Neue gehört mir weniger als der Alte, das kommt hinzu. Ich muss ihn mir erobern, seine Vorschläge ignorieren, seine Neigung, alles groß und bunt und in Symbolen darzustellen, in die alte „Sicht der Dinge“ zurück zwingen. Wieviel Lizenzverträge ich schon abgenickt habe, seit ich ihn das erste Mal einschaltete, weiß ich schon gar nicht mehr. Im Handbuch steht zum Thema „Internet-Verbindung“ ein Kapitel über T-Online und eines über AOL, die CDs lagen bei. Nichts über „Netzwerkverbindung“, der selbstbestimmte Zugang zum Netz wird kommunikativ nicht unterstützt. Wie es wohl einem unkundigen Einsteiger mit alledem ergeht? Vielleicht bemerkt er gar nicht mehr, dass noch ein anderes Netz existiert, dass es mehr zu sehen und zu erleben gibt, als die Portale der Konzerne zur Ansicht bringen?

Genug davon! Draußen scheint die Sonne auf das gelbe Laub der Bäume, jeder Windstoß nimmt jetzt viele Blätter mit, wieder mal hab ich den Herbst irgendwie verpasst. Ein paar wenige Spaziergänge durch den bunten Plänterwald mussten dieses Jahr genügen. Macht nichts, ich spüre die Bereitschaft, vom „Außen“ abzusehen, mich in die Welt hinter dem Bildschirm zu versenken, wo es keine Jahreszeiten gibt.

Anfang des Jahres hatte ich beschlossen, mein „Dasein vor dem Monitor“ zu verändern: Das, was ich neben Webdesign am liebsten tue – kommunizieren, schreiben, mit Form und Inhalt, Nähe und Distanz spielen, intensive Gespräche führen – in eine Form zu bringen, die zu meinem Lebensunterhalt beiträgt. Jetzt ist es Oktober, die beiden ersten Schreibkurse sind gestartet, und alles läuft sogar noch besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Zwar ist der Arbeitseinsatz ungewohnt, die starke Bindung neu, die mich nun fester denn je „am Draht“ hält, doch ich fühle mich glücklich, spüre: Das ist es!

Dass das kommunikative Geschehen nicht mehr beliebig, nach Bockprinzip und Laune abläuft, ist ein Gewinn, den ich lange schon hätte realisieren können. Mit Menschen zu interagieren, die für sich etwas wollen, die bereit sind, auch etwas zu einzubringen und „am Ball“ zu bleiben, geht weit über das hinaus, was ich aus spontan entstehenden Einzelkontakten und aus der Gruppenkommunikation in Mailinglisten kenne. Die viel beklagte „Beliebigkeit“ der Kommunikation im Netz zeigt sich als das, was sie immer schon war: Mangelnde Bereitschaft, sich einzulassen, Angst, sich zu zeigen und zu öffnen, Unwilligkeit, die Hürden des Technischen gelassen zu sehen und zu lernen, Sorge um den eigenen Status in einer Umgebung, in der die Zeichen und Symbole sozialer Besitzstände zunächst nichts gelten – es gibt ja so viele Gründe, dem Netz und seinen Möglichkeiten reserviert gegenüber zu stehen!

Ein wenig fühle ich mich in die ersten Netzjahre zurück versetzt, als es für die, die sich in den Weiten des Webs trafen, noch selbstverständlich war, dem Anderen mit offenem Visier zu begegnen, die „Räume“, in denen man sich bewegte, selbst zu gestalten und sich auf gleicher Augenhöhe auszutauschen. Das geht heute offenbar nur noch in „geschützten Räumen“ – aber anstatt ohne Ende darüber zu klagen, kann ich ja solche erschaffen und in ihnen etwas veranstalten! Dass die Veranstaltung jetzt Eintritt kostet und die Teilnehmerzahl begrenzt ist, erlebe ich nicht als bedauerliche (wenn auch persönlich nützliche) Kommerzialisierung, sondern als notwendige Bedingung. Im freien „Raum“ der Netze, ohne feste Vor- und Aufgaben, ohne Verbindlichkeit, jedoch mit immer neuen, zufällig sich einfindenden Surfern, kann es einfach nicht funktionieren. Alles bleibt zwangsläufig an der Oberfläche – und deren noch so aufwändige, designerisch und technisch zu Höhen entwickelte Gestaltung kann daran nichts ändern.

Jetzt ist es schon falls halb elf – die Arbeit ruft. Arbeit? Auch dieser Begriff wird mir immer schillernder, vieldeutiger, fraglicher, genau wie andere Basisworte, über die ich immer wieder stolpere, weil ihre Bedeutung nicht mehr selbstverständlich ist. „Persönlich kennen“ zum Beispiel – für die einen bedeutet das ausschließlich, sich „von Angesicht“ getroffen zu haben. Andere sehen erst dann Grund, sich auch mal physisch nahe zu kommen, wenn sie sich bereits kennen gelernt HABEN: per E-Mail-Dialog, durch Besuche auf persönlichen Webseiten, durch gemeinsames Erleben in den öffentlichen Orten der Netze. „Face to face“ ist dann nur ein zusätzlicher Aspekt, unverzichtbar für den Gesamteindruck, gelegentlich sehr angenehm – muss aber nicht zur Gewohnheit werden. Sich regelmäßig im physischen Raum zu treffen, ist keine Garantie für „Beziehung“ im Unterschied zu Beliebigkeit, wie noch immer viele glauben. Die Rede vom „Real Life“ als Bezeichnung für Offline-Ereignisse ist einfach ein bisschen lächerlich, wenn auch derzeit als Hilfsbegriff mangels Alternativen noch in Gebrauch.

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Claudia am 16. Oktober 2003 — Kommentare deaktiviert für Der Neue

Der Neue

Gestern ist er angekommen. Schwitzend wuchtete der Postbote die beiden Pakete zu mir in den dritten Stock. Ich kritzelte meinen Namen auf das rutschige Display, das er mir hinhielt, und schon war ich allein mit ihm: ein Dell Dimension 8300 Premium Class-PC mit 1024 MB RAM Arbeitsspeicher und zwei 128 Gigabyte-Festplatten. Ein Quantensprung! Mein letzter Rechner, auf dem ich diesen Text noch immer tippe, ist schon über vier Jahre alt, begnügt sich mit Windows 98 (zu alt für die meisten Viren) und zwei 18-GB-Platten. Er stürzt gelegentlich ab, tut aber ansonsten seinen Dienst klaglos. Vor ihm hatte ich mir jeweils alle zweieinhalb Jahre die „Next Generation“ zugelegt, doch für die Arbeit für und übers Netz reicht der Jetzige völlig aus, ich spürte keinen „Upgrade-Bedarf“: weder spiele ich grafikintensiven Spiele, noch schneide ich Filme, ich gucke keine DVDs, und auch für die Bildbearbeitung tut’s ein Pentium 3 gut. Bilder fürs Web können nun mal keine Daten-Monster sein, sonst würden sie nicht durch die Leitung passen.

Trotzdem, die Zeit war reif! Schon lange hatte ich keine Lust mehr, neue Programme auszuprobieren oder Dinge, mit denen ich früher mal spielte, wie z.B. Soundbearbeitung, wieder ins Laufen zu bringen. Never touch a running system! Die Bilder, die meine neue Digicam mit den 5 Mio Pixel macht, kann ich ohne Wartezeiten nicht bearbeiten, zudem steht zu befürchten, dass zeitgemäße Programme Windows 98 bald nicht mehr unterstützen. Aber das wichtigste: Computertechnisch zu veralten bedeutet auch, sich vom Mainstream der Anwender abzukoppeln: nicht mehr zu erleben, was sie erleben, und sei es die neueste trickreiche Attacke irgendwelcher bösen Würmer. Wenn ich ein Uralt-System fahre, kann ich irgendwann meinen Kunden keinen Rat mehr geben, weil ich keinen Schimmer habe, was auf ihrem System abläuft. Es gibt viele Gründe für einen zeitgemäßen PC, Gründe, die ich allerdings nicht mal abwägen musste, denn „der Neue“ ist ein Geschenk: Lob und Dank dem großzügigen Spender, der damit meine Kreativ-Arbeit unterstützen will!.

Nun steht er also da, noch immer unausgepackt. Die Größe der Aufgabe schreckt mich erstmal: ein unbekanntes Betriebssystem, das schon „sehr anders“ sein soll, wie eine Kollegin sagte, das Installieren der Programme, ohne die ich nicht arbeiten kann, das Umschaufeln der Daten, das „Reparieren“ von XP, das erst mal eine Reihe mittlerweile erschienener Sicherheits-Patches von Microsoft braucht, bevor man sich damit ins Netz wagen kann; das Einrichten der Norten Internet Security-Tools – jede Menge Arbeit! Und allerlei Gefahren: Noch unwissend und unkundig im Umgang, muss ich mit diesem System mitten in den Krieg der Viren-Programmierer gegen die Anti-Viren-Programm-Entwickler treten. Bisher lebte meine alte Gurke ohne Schutzprogramme, Böses kam nur über Anhänge von E-Mails herein, und nicht „irgendwie“ über die Leitung. Da ich kein Microsoft-Mailprogramm benutze, war ich weitgehend geschützt, wenn ich diese Anhänge nur einfach ignorierte, bzw. die Mails löschte. Ein einziges mal hatte ich versehentlich auf einen Virus geklickt, merkliche Probleme gab das aber erst in dem Moment, als ich ein Virenschutzprogramm installiert hatte und den Feind loswerden wollte. Aufgrund dieser Erfahrung hatte ich es dann wieder deinstalliert: Wenn der Virus den Feind nicht sichtet, schloss ich, hat er keinen Grund, aktiv zu werden. Ich verweigerte mich den Fronten und lebte friedlich und ungestört.

Gott sieht’s

Damit ist es jetzt zu Ende. Mit XP kann man sich ohne hochgefahrene Schutzschilde gar nicht erst ins Netz wagen, sagen mir kundige User, man wäre sofort „verwurmt“. Zu Ende auch die Zeit, in der mich das Betriebssystem FRAGT, ob es ein Problem an Microsoft melden soll – XP fragt nicht mehr, sondern steht in fortlaufendem Kontakt mit dem Imperium. Mehr noch: es bedeutet die technische Ermöglichung totaler Überwachung, denn XP sendet immer wieder eine Identifikationsnummer übers Netz, die meinen Computer kenntlich macht. Was immer ich tue, Microsoft weiß, WER es war. Wenn man dazu noch bedenkt, dass Google die Suchvorgänge aller Nutzer open end speichert, mit IP-Nummer natürlich, so dass zumindest die Telekom nachvollziehen könnte, was ich wann gesucht habe, kommt man sich schon ziemlich beobachtet vor: von Giganten umstellt, die mich bald besser kennen können als ich mich selbst.

Aber ich tue ja nichts, was ich zu verbergen hätte! Der Gedanke liegt nahe, tröstet mich bisher auch ganz gut über die ganze Problematik hinweg, doch ich ahne, dass das nicht ausreicht. Kann nicht morgen schon die Gesellschaft sich so verändern, dass das, was ich bereits getan habe, in den Bereich des Illegalen oder zumindest Unerwünschten fällt? Ist nicht schon bald zu erwarten, dass die Daten, die ich vom alten auf den neuen PC mitnehme, mal eben von irgendwem durchgecheckt werden, ob nicht irgendwelche Copyright-Verletzungen vorliegen? Wobei das Copyright ja immer restriktiver wird: bald sind alle Dateien verdächtig, die alt genug sind, um noch keine Informationen über Nutzungsrechte zu enthalten.

Alles in allem bedeutet der Umstieg auf „den Neuen“ tatsächlich in vieler Hinsicht einen Quantensprung, und zwar einen, der nicht nur Freude macht. Ich werde wieder neu lernen müssen, wie ich das System bändige und zur Not austrickse, um mir ein Minimum an persönlicher Autonomie zu retten. Vielleicht installiere ich auf einer zweiten Partition Linux, damit ich das Netz noch betreten kann, ohne dass alles, was ich installiert habe, anfängt, „nach Hause zu telefonieren“.

Think positiv! Der Neue hat einen Pentium 4 2.80 GHz-Prozessor und 1024 MB Arbeitsspeicher: ich werde riesige Bilddateien bearbeiten können, als wären es kleine Webbildchen! Meine gelegentlich entstehenden Bildkompositionen werden dadurch in hoher Auflösung druckbar und verkäuflich – bald gibt’s hier vielleicht die „Serie Friedrichshain“, ausgedruckt auf Din-A3-Fotopapier, verpackt und zugesendet in den bekannten Papprollen. Könnte ein netter kleiner Nebenerwerb werden und mich motivieren, öfter in die Welt der Bilder einzusteigen.

Morgen werde ich den Neuen auspacken und die Sache in Angriff nehmen. Da ich mir keine Ausfallzeiten leisten kann, muss der alte PC bleiben, und zwar in voll funktionsfähigem Zustand. Bisher hab‘ ich mich immer von der Vergangenheit getrennt, den Alten verschenkt, auch damit ist es vorbei. Genau wie Microsoft mich über XP „am Halsband hält“ und Google und Telekom meine Netzbewegungen erforschbar machen, so hängt auch die neue Hardware am Service von Dell. Vier Jahre Vor-Ort-Service am nächsten Arbeitstag – hört sich gut an, aber bisher war ich gewohnt, meinen Rechner morgens in den Laden zu bringen und ihn abends repariert wieder abzuholen. Und eine „Pflicht zur Mitwirkung bei der telefonischen Fehlerdiagnose“ hatte ich auch noch nicht. Das wird jetzt alles aufwändiger, langwieriger, trotz Vor-Ort-Service. Also muss „der Alte“ bleiben, mein Gerätepark wächst.

Er steht jetzt vor der Tür, immer noch verpackt. Ich genieße die letzten Stunden ohne neue Probleme und Möglichkeiten – und klopfe auf Holz!

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