Claudia am 28. März 2004 — Kommentare deaktiviert für Das Irrationale

Das Irrationale

Sonntagmorgen. Die Welt ist seltsam still, der Himmel verhangen, nur selten höre ich ein Auto vorbei fahren. Ich trinke Kaffee, arbeite einige Mails ab, die in der Woche liegen geblieben sind. Starre auf den Eingangsordner, während sich die SPAM- und Virenmails mit ihren voluminösen Anhängen hereinquälen – ob es noch mal dazu kommen wird, dass man gar nicht mehr mailen kann?

Das soll mich jetzt nicht interessieren! Sechs Stunden Zeit liegen vor mir, die ich nutzen will, um liegen gebliebenen Papierkram zu erledigen. Hinterher werde ich ein gutes Gefühl haben: Alles wieder im Griff, alle Bälle zurück gespielt, Behörden und andere „Gegner“ mit Stoff versorgt: ich werde wieder „im Reinen“ sein. Nicht mit mir, aber mit denen, die etwas von mir wollen, das aus dem täglichen Tun heraus fällt.

Warum nur fällt es mir so schwer, diese Dinge rechtzeitig zu erledigen? Warum lasse ich immer wieder kleine und mittlere Stapel auflaufen, die mir dann dieses unangenehme Gefühl des „Ich müsste jetzt aber…“ geben? Je höher so ein Stapel wächst, desto weniger erinnere ich mich an seine einzelnen Vorgänge und Inhalte. Dadurch verstärkt sich das miese Gefühl noch einmal, denn es entgleitet das Wissen darum, „was droht“. Und Ungewissheit ist eine der stärksten Drohungen, der sich das verwaltete Individuum ausgesetzt sieht.

Selber schuld. Immer wieder. Warum mache ich es nicht endlich besser? Es kann doch kein Problem sein, die wenigen Schriftstücke und Formulare, die ich so pro Vierteljahr an die Welt verteilen muss, rechtzeitig zu verfassen! Statt dessen folge ich den Impulsen des Augenblicks – und zwar ganz besonders dann, wenn ich „den Papierberg“ vor mir sehe.

WER ist das, der sich so verhält? Immer, wenn Sein und Sollen (oder auch Sein und Wollen) auseinander klaffen, stellt sich diese Frage neu. Bin ich vielleicht nicht eine, sondern zwei oder gar viele Personen? Diese Antwort kann recht inspirierend sein: Ich gebe den einzelnen Wesensteilen, die sich so unterschiedlich ausdrücken, verschiedene Namen und beobachte, wann sich welcher Aspekt an die Steuerknüppel des Daseins drängt. Anstatt alles, was jenseits des „vernünftigen Denkens“ lebt und handelt, zu verurteilen und wegdrängen zu wollen, schließe ich Frieden mit „Mrs. Hide“. Es fließt dann keine Energie mehr ins Verdrängen und Verleugnen, das ist schon mal ein Fortschritt. Ja, ich bin nicht nur „die Vernünftige“, die immer alles problemlos hinbekommt. Ich bin auch die Ver-rückte, die sich gehen lässt, die nicht ans Morgen denkt und aus dem Augenblick heraus dies und das anstellt – oder einfach nur „stört“, z.B. wenn’s ums Abarbeiten ungeliebter Verwaltungsdinge geht.

Eine andere Antwort wäre: Da ist gar nichts: kein „Ich“ nirgends! Das Ich ist nur ein Gedanke – was ja auch den Tatsachen, den „Hard Facts“ entspricht. Und als Teil des Denkens ist die Wirkungsmächtigkeit dieses Gedankeninhalts eben äußerst beschränkt: es gibt das „Ich“ genauso lange, wie ich es denke. Drastisches Beispiel: Wenn jetzt neben mir der Blitz einschlägt, gibt’s in diesem Moment KEIN ICH. Es gibt nur Gewahrsein und das Geschehen – wobei die Frage, ob Gewahrsein/Geschehen noch zwei verschiedene „Tatsachen der Welt“ sind, philosophisch zwar interessant ist, aber in diesem Augenblick gänzlich unwichtig.

Bringt mich diese Antwort weiter? Ja und nein. Sie ist einfacher als die Vorstellung des „inneren Zoos“, diese Versammlung unterschiedlicher Wesensteile, denen ich ja doch wieder in der Haltung eines „Dompteurs“ gegenüber stehe. Und Einfachheit ist ein hoher Wert. Andrerseits enteignet sie mich weiter: Immer nur im Denken bin „ich“ da – der große Rest ist einfach Geschehen, aus dem heraus immer wieder das Denken aufblitzt. Veränderungen sind nicht machbar, sagte mir heut morgen ein Freund am Telefon. Alles Geschehen verhält sich im Gegenteil so wie ein Fluss: Jahrelang fließt das Wasser über Geröll – und irgendwann ist der Untergrund dermaßen gelockert, dass der Stein ganz plötzlich aus seiner bis dahin festen Lage fällt und in eine neue Situation gerät.

Ich werde jetzt eine Runde um den Block laufen. Und dann, sofern sich das Denken durchsetzen kann, die Umsatzsteuervoranmeldung machen – endlich!

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Claudia am 24. März 2004 — Kommentare deaktiviert für Genug gefastet

Genug gefastet

Eine Woche gefastet, drei Kilo abgenommen, raus aus den achtlosen Gewohnheiten beiläufiger Völlerei. Es war gut, aber für dieses Mal hat es mir gereicht. Fastend erlebe ich eine Verlangsamung, eine „meditative Verinnerung“, die mich psychisch und geistig vom Alltag abzieht. Sie lenkt den Blick auf das Wesentliche, stellt alles in Frage, lässt mich immer wieder inne halten – ein Zustand, den ich am Fasten eigentlich schätze, doch diesmal spürte ich, dass ich ihn nicht verlängern oder vertiefen will. Hätte ich eine Arbeit, die mehr Routine beinhaltet, wäre es vielleicht anders. So aber kehre ich gerne in die „Welt der Essenden“ zurück.

Trotz der Kürze hat mich das Fasten inspiriert: ich verfolge eine neue Idee, die den bisherigen Rahmen meiner Netz-Publikationen erweitern und bereichern wird. Ja, für „etwas Neues“ in 1000 Gestalten ist Fasten genau richtig, es untergräbt die verfestigten Denk- und Fühlweisen des Gewohnten und öffnet für neue Möglichkeiten. Mich dann aber tatsächlich aufraffen, neben dem Alltäglichen auch das Neue umsetzen (und endlich mal meinen aufgelaufenen Verwaltungskram abarbeiten), dazu brauch‘ ich Kraft, Willen, Konzentration.

Ich stellte fest, dass mir fastend das Gefühl der „Kraft“ nicht mehr so ohne Weiteres zur Verfügung stand. Als hätte ich eine Rüstung abgelegt, die ich für den alltäglichen „Kampf uns Dasein“ und auch fürs kreative Spielen brauche. Aus früheren Fastenzeiten weiß ich, dass dieses Empfinden nicht physisch bedingt ist, sondern auf Gedanken beruht. Es schlägt bei längerem Fasten wieder um in andere Formen von „Stärke“. Doch darauf zu warten hatte ich keine Geduld: zu drängend erscheinen mir die Dinge, die ich abarbeiten und angehen muss. Mir fehlt die „äußere Ruhe“, um mich intensiver aufs Fasten einzulassen.

Beeindruckt hat mich auch die soziale Bedeutung des Essens, die erst richtig bewusst wird, wenn ich es mal ein paar Tage weglasse. Was tut man mit einem oder mehreren anderen Menschen, wenn „nichts Besonderes“ anliegt? Man geht essen. Irgendwie reicht es nicht, einfach da zu sitzen und zu reden, es fehlt das gemeinsame Erleben von etwas „Drittem“. Gemeinsam speisen ist das Simpelste, ohne Anstrengungen und Irritationen zu verwirklichen. Alle tun es, es bedarf keiner Begründung. Wogegen fast alle anderen physischen Aktivitäten (laufen, tanzen, Sex, massieren, singen…) eine spezielle Beziehung oder besondere Vorbereitungen und Umgebungen benötigen. „In Bewegung kommen“ ist deshalb erst mal ein einsames Unterfangen, gesellschaftlich kaum unterstützt.

Jetzt werde ich frühstücken. Ein bisschen Obst reicht mir für den Anfang.

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Claudia am 19. März 2004 — Kommentare deaktiviert für Fasten, Tag 5: Kein Schreiben „zum Termin“

Fasten, Tag 5: Kein Schreiben „zum Termin“

Die Idee, hier anzusagen, dass ich alle zwei Tage schreibe, solange ich faste, ist ein ziemlicher Flop. Diary-Schreiben ist die freieste meiner öffentlichen Aktivitäten, gerade hier ein Terminkorsett zu platzieren, wirkt kontraproduktiv. Wenn ich schreiben muss, weil ich es versprochen habe, fällt mir zum richtigen Zeitpunkt nichts ein – jedenfalls nichts, was ich wirklich sagen möchte. Klar, ich könnte ausführlich über „Darmreinigung“ schreiben oder andere „Fasten-Themen“, nur um Wort zu halten – aber so würde mir das Diary zur Auftragsarbeit! (was sein Ende wäre, schließlich bezahlt mich hier niemand).

Ich nehme also Abstand von dieser Idee und schreibe weiter, wann immer ich Lust habe.

Die Lust zum Schreiben ist schon vorhanden, deutlich mehr als sonst, doch ergießt sie sich gerade eher in Privatmail. Ein persönliches Gespräch ist oft der „Anstoß“ für einen Diary-Artikel zu einem „Herzblut-Thema“ – aber der kommt dann verzögert, in anderem Gewand, und gewiss nicht nach Terminplan.

Gestern fuhr ich mit U-Bahn und Bussen durch die halbe Stadt. Dabei ist mir verschärft aufgefallen, dass an allen Orten, wo die Bewegung stockt, Imbisstände stehen. Einfach irgendwo stehen bleiben und nichts tun, wie etwa an einer Bushaltestelle, ist offensichtlich so unerträglich, dass es viele vorziehen, jetzt etwas zu essen. Mich erinnert das an die zunehmende Zwangsbeschallung: bloß nirgends Stille aufkommen lassen! Neuerdings ist auch in der Sauna meines Fitness-Centers Musik – und auch im „Ruheraum“.

Vor was hat man eigentlich Angst?

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Claudia am 19. März 2004 — Kommentare deaktiviert für Fasten, Tag 2: Einstieg mit Hindernissen

Fasten, Tag 2: Einstieg mit Hindernissen

Eigentlich wollte ich schon vorgestern mit dem Fasten beginnen. Auch erst mal gut gestartet: nach dem Aufstehen kein Kaffee und keine Zigarette, sondern Wasser, Tee, ein Löffel Honig. Im Bioladen kaufte ich Gemüsesaft, Gemüsebrühe und „Kindersaft“, eine Obstsaftmischung, die ich sehr gerne mag. Mittags Brühe, vor- und nachmittags ein Glas Saft – das ist „Buchinger-Fasten“, schonender als das totale Fasten, das nicht mehr so empfohlen wird.

Der völlige Verzicht auf die üblichen Gifte fiel mir nicht schwer – am Vortag hatte ich zum „Abschied“ vom ungesunden Leben ein kleines Fest mit mir selbst und einer Flasche Weiswein veranstaltet. Das nimmt die Lust auf Rauchen am nächsten Morgen erst mal weg und auch nach Kaffee, meinem üblichen Wachmacher, gelüstete es mich nicht.

Schon nach wenigen Stunden spürte ich „die Umschaltung“: es war, als hätte die Zeit sich ein wenig verlangsamt. Alle körperlichen Empfindungen wurden stärker, draußen tobte der Frühling, mein Interesse, vor dem Monitor zu sitzen, sank, und so gönnte ich mir schon bald einen Spaziergang, der im Fitness-Center endete: nicht an den Geräten, sondern in der dortigen wunderschönen Sauna. Ich genoss die Reinigungsrituale, das Schwitzen, das kalte Wasser, das Abliegen in Nahezu-Trance – wunderbar! Hinterher ging ich gleich noch zum Frisör, ließ acht Zentimeter Haare abschneiden, fühlte mich leichter und leichter und wanderte dann durch die sonnigen Straßen Richtung Heimat.

Und dann plötzlich der Einbruch: ich kam an einer Metzgerei vorbei und wurde von eine Welle heftigen Appetits geradezu überwältigt. Gier hatte mich im Griff – erst widerstand ich noch, ging weiter, kaufte in einem kleinen Lädchen etwas ein – und dann kehrte ich doch um, betrat die Metzgerei und verfiel dort kurzfristig einer letzten Völlerei!

Was hatte mich bewegt, das geschehen zu lassen? Natürlich die plötzliche Gier aufs Essen, doch sie allein kann erfahrungsgemäß nichts ausrichten, mein Geist muss „ja“ dazu sagen. Ich hätte bloß weiter gehen müssen und nach wenigen Minuten wäre die Anwandlung verflogen. Warum gab ich also nach? Ich erinnere mich nur an den totalen Unwillen, zu kämpfen. Keine Lust darauf, mich als gespalten zu empfinden in diejenige, die jetzt einen Imbiss will und die Andere, die sagt: Nein, du sollst doch fasten!“ Ich soll überhaupt nicht, ich will – und wenn ich das Gefühl des „ich will“ nicht durchgängig verspüre, dann lasse ich es lieber.

Also gut, ich verbuchte es unter „letzte Sünde“ und verbrachte den Rest des Tages „vorschriftsmäßig“. Als ich dann jedoch abends mit einem Freund aus dem Theater kam und wir durch die warmen, frühlingshaften Straßen wanderten und nicht recht wussten, was tun, hing ich das Fasten-Vorhaben für diesen Tag an den Nagel und ging doch noch mit ihm Essen. Komischerweise hatte ich jetzt keinen Appetit mehr und aß nur eine Kleinigkeit.

So war mein Einstiegstag also volle Kante gescheitert, und ich fragte mich ernsthaft: Will ich wirklich fasten? So ein Fragen heißt nicht Grübeln, es ist eher eine Art In-mich-hinein-horchen. Gerade Fasten kann ich nicht einfach „machen“, denn es greift tief in alle Wesensteile ein. Wenn dann ein Teil von mir der Meinung ist, dass es nicht in Frage kommt, ist der Kopf letztlich machtlos. Klar, man kann sich mühevoll kasteien – aber das ist nicht das Fasten, das ich meine. Schließlich hab‘ ich mich danach gesehnt!

Seit gestern morgen nun bin ich „drin“. Die Saft-, Brühe-, Tee- und Honig-Zufuhr verlief zwar noch ein bisschen chaotischer als „nach Vorschrift“, aber das störte mich nicht: besser ein holpriger „Übergang“ ins Fasten, als wegen marginaler Startschwierigkeiten den Versuch abbrechen.

Jetzt stimmt soweit alles, nur vom Rauchen bin ich noch nicht ganz weg. Auch das wird noch geschehen, am Wochenende, wenn ich viel Zeit habe, mich zu bewegen und das „andere Gefühl“ zu genießen, das mich schon aufgrund der bisherigen „Verzichte“ tief verändert. Zum Beispiel ist die Wirkung von Kaffee wirklich heftig! Das merke ich erst, wenn ich ihn weglasse: erst mal eine stundenlange Fast-Trance, ein „ausgelaugtes“ Körpergefühl: offensichtlich ist dann jede Zelle damit beschäftigt, ihren Stoffwechsel umzukonfigurieren – und das schlaucht. Schlaucht aber auf eine angenehme Weise, fast so, als wäre man nach einer Gartenarbeit „rechtschaffen müde“.

Die Notbremse ziehen

Und nun zum Wesentlichen: Ich bin wirklich froh, die Kurve doch gekriegt zu haben! Erst das Abseilen von all den täglichen „Inputs“ zeigt mir, wie extrem ich in letzter Zeit am Äußeren gehangen habe, wie sehr ich „aus dem Kopf“ lebte. Damit meine ich diese Nichtachtung des Ganzen, wenn ich arbeite oder sonst etwas Zielgerichtetes tue: das MUSS jetzt – und wenn die „anderen Wesensteile“ ihr Recht verlangen, werden sie mit irgend etwas gestopft! Fastend bestehen zunächst all diese Gewohnheiten weiter: ganz automatisch kommt mir die gewohnte Idee, jetzt an den Kühlschrank zu gehen, und… aber es ist bereits nur noch ein Gedanke, den ich mit Verwunderung betrachte. Wer Fasten kennt, weiß, dass man ab dem zweiten, dritten Tag keinen Hunger mehr hat: der Körper schaltet auf Selbstversorgung um und lebt problemlos von seinen angesammelten Reserven. Da ist also einerseits die Idee, etwas zu essen, doch gleichzeitig ist deutlich spürbar, dass der Körper nicht danach verlangt. WER will das also? Wozu brauch ich das?

Es ist fast nie der physische Hunger, der mich treibt, mir irgend etwas einzuverleiben (den warten wir in der Regel gar nicht ab). Sondern eher ein „Erlebnishunger“, bzw. ein Ablenkungsbedürfnis. Das, was ist, scheint „nicht genug“ – und anstatt diesem „Nicht-Genug“ nachzuspüren, es anzusehen, darin zu verharren, bis es mehr von sich erzählt, wähle ich normalerweise das Essen. Etwas fehlt, also nehme ich etwas zu mir. Essen ist das Selbstverständlichste, die schnelle Lösung für Missempfindungen aller Art: ich gönn mir erst mal was! Es ist auch eine Art, sich selbst zu streicheln und zu belohnen, es braucht dazu keine Anderen und keine Fantasie, keine Konzentration und keine große Achtsamkeit.

Und „Essen“ ist nur die deutlichste Form, so zu verfahren. Genauso verhält es sich mit Rauchen, Trinken, die Glotze einschalten – auch „E-Mail abrufen“, auf Webseiten herum surfen und Zeitung lesen kann so benutzt werden. Irgend etwas in mir giert nach mehr, nach Anderem, nach Veränderung des Status Quo – und anstatt mich darauf einzulassen, probiere ich ein Pflaster nach dem anderen aus. Und keines hilft nachhaltig, denn auf diese Weise wird der Grund des Geschehens gar nicht berührt.

Natürlich faste ich jetzt auch, um mein Sommergewicht zu erreichen – zum Winter hin hab ich mir ein paar Kilo zuviel angefressen, die mich wirklich belasten. Hauptsächlich aber sehe ich dieses Fasten als eine Art „Notbremse“: Es katapultiert mich heraus aus dieser schlampigen und unachtsamen Art, mit mir und meinem täglichen Leben umzugehen, rettet mich aus der völligen Veräußerung, in die ich über den Winter zunehmend geraten bin. Ohne mich groß dem entgegen zu stellen. Ich bin wie gesagt nicht bereit, dauernd „mit mir zu kämpfen“. Lieber gehe ich in alles tief hinein, auch ins Schädliche und Ungesunde, bis es seine Folgen spürbar ausbreitet – erst dann sind auch „die anderen Wesensteile“ bereit, Änderungen mitzutragen. Das mach‘ ich schon immer so und bin damit in Frieden. Ja, es scheint mir der effektivste Weg zur Veränderung – für mich.

Heute abend geh ich ins „Liquidrom“: Klassische Musik unter Wasser. Man lässt sich in einem großen Schwimmbad treiben und von unten her kommt die Musik. Eine Sauna gibt’s auch. Ich war noch nie dort, doch jetzt bin ich auch durch das Fasten motiviert, neue Dinge zu erleben. Und wenn diese Tabak-Packung alle ist, ist auch mit Rauchen Schluss – dann werde ich der Leere noch intensiver begegnen als bisher.

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Claudia am 14. März 2004 — Kommentare deaktiviert für Frühlingserwachen – erst mal allein

Frühlingserwachen – erst mal allein

Was für eine unangenehme Jahreszeit! Immer schon ist mir diese Phase ein Graus: nicht mehr Winter, aber noch nicht Frühling. Gelegentlich spürt man einen Hauch des Kommenden, fast nur ein Versprechen – und dann zieht sich das doch noch etliche Wochen hin. Es gibt da einen deutlichen Unterschied zwischen dem Norden Deutschlands und den südlicheren Gefilden, in denen ich aufgewachsen bin. Vielleicht erlebe ich es deshalb so genervt, weil ich „eigentlich“ der Meinung bin, Frühling solle im März beginnen. Und gleich richtig!

Die Jahreszeit als Grund für allerlei Missbefindlichkeiten anzusehen, ist dem Seelenfrieden dienlich. Ich muss dann nicht groß grübeln: Was ist nur mit mir los? Was könnte ich dagegen tun? Sondern ich gehe davon aus, dass es sowieso vorüber gehen wird, ganz von selbst.

Und doch: ganz reicht mir das zur Zeit nicht. Zwar sind die im letzten Beitrag erwähnten „Sitzprobleme“ derzeit im ertragbaren Rahmen, ich kann meine Arbeit machen, ohne dabei sehr zu leiden. Aber insgesamt ist irgendwie der Wurm drin. Die Harmonie zwischen den einzelnen Arbeiten (Webdesign, Schreibkurse), meinen sonstigen Aktivitäten (Diary, Mailinglisten, privates Schreiben, Coachingrunde Berlin) und allem, was ich diesseits des Monitors tue bzw. tun könnte und sollte, ist deutlich gestört. Der Berg an unerledigtem Papierkram spricht Bände – selten hab ich mich solange diesem Reich der Notwendigkeit verweigert. Na, zum Glück nicht ganz, ein bisschen geht’s schon voran. Aber der „grüne Bereich“, in dem ich mich wohl und up-to-date fühle, ist noch ein ganzes Stück weit weg.

Die Gesundheitstipps, die ich zum Thema „zuviel Sitzen und die Folgen“ erhielt, sind durchweg gut und bedenkenswert. Einiges werde ich vielleicht ausprobieren, danke jedenfalls allen herzlich, die dazu etwas geschrieben haben, im Forum oder privat.

Tatsache ist, dass es (leider!) kein „Wissensproblem“ ist, wenn ich über eine längere Zeit so „disharmonisch“ herum lungere und mich mit allerlei Defiziten und Zipperlein herum schlage, nicht richtig in die Gänge komme, zerstreut und unkonzentriert bin, von diesem zu jenem hüpfe, anstatt die Dinge richtig, freudig und vollständig zu erledigen und sie dann hinter mir zu lassen. Es ist eine Art Motivationsloch, eine Leere an der Stelle der Psyche, von der ich üblicherweise meine Kraft und mein Engagement beziehe. Ich bin nicht be-geistert, bzw. immer nur viel zu kurz und sprunghaft, sondern der Geist ist unruhig und zersplittert.

Was tun? Ich weiß, dass ich im Grunde nichts tun kann. Jedenfalls nicht auf dieselbe Weise, wie man ein äußeres Problem üblicherweise löst: Da tropft der Wasserhahn, also muss eine neue Dichtung rein. Das funktioniert hier nicht, denn „ich selber“ bin kein durchschaubares und zur Gänze überblickbares System, dem nur irgendwo ein Teil oder ein Schmiermittel fehlt. Ich glaube nicht dran, dass diese oder jene konkrete Veränderung wirklich hilft, ich weiß ja nicht einmal, was „helfen“ hier eigentlich bedeuten könnte. Aber – das weiß ich sicher – es wird den Zeitpunkt geben, an dem ich feststelle: es ist vorbei!

In Bewegung kommen

Wenn es kein konkretes „Tun“ gibt, das sich anbietet, um einen missliebigen Zustand zu verändern, dann liegt es nahe, zumindest etwas zu lassen: Mal alles, was „herein kommt“ auf ein Minimum herunter fahren und so der gesamten Leiblichkeit (Körper + Psyche + Geist) die Chance geben, aus sich heraus mittels der dann weitgehend ungestörten Lebenskraft ins Lot zu kommen.

Es passt, dass der Schreibimpulse-Kurs „Frühlingserwachen: Fasten, Schreiben und in Bewegung kommen“ nicht zustande gekommen ist. Es gab zu wenige Anmeldungen und einige weitere Interessenten wollten zwar die Themen (Gesundheit, Schönheit, Fitness…), aber nicht selber fasten. Also hab ich den erst mal abgesetzt und darüber nachgedacht, wie ich ihn umkonzeptionieren könnte: Fasten nur als Möglichkeit, aber nicht als „Gruppenzwang“ – oder vielleicht auch ganz ohne Bezug zum Fasten.

Dieser Kurs war einfach nur „eine gute Idee zum Thema Frühling“ gewesen. Dass er nicht zustande kam, zeigt mir, dass die immer angestrebte „Einheit von Leben und Arbeiten“ nun tatsächlich weit gediehen ist: Womit ich selber noch Probleme habe, womit ich aktuell selber kämpfe, das kann ich nicht allen Ernstes als Kurs anbieten! Natürlich wäre es möglich, das einfach im selben Stil wie die anderen Kurse „durchzuziehen“, vermutlich würde kein Teilnehmer merken, dass mein persönliches Sein in Bezug auf die Kursthemen gerade selber im Argen liegt. Schließlich hab ich schon gefastet und mich mit all diesen Themen des öfteren auseinander gesetzt. Und doch: es genügt nicht!

Dass der Kurs nicht zustande kam, liegt oberflächlich gesehen ja z.B. daran, dass ich ihn nicht so beworben habe, wie es hätte sein müssen, um genug neue Interessenten für dieses Thema zu finden. Warum wohl nicht??? Weil ich mir selbst nicht klar und sicher war, was ich da will, was ich da suche und was ich geben kann. (Und ob ich wirklich FASTEN will…) Völlig anders als in den anderen Kursen, in deren Themen ich schwimme wie ein fröhlicher Fisch im Wasser. Transfer 2004, das Philosophieren und Visionieren zum Jahreswechsel, war so genau „meins“, dass ich den Kurs gleich fürs nächste Jahr auf die Website setzte und sogar schon Anmeldungen habe. Auch „Kommunikation im Internet – Webdiarys und mehr“ werde ich wieder ansetzen – es ist ein Thema, in dem ich weiß, was ich tue und was ich vermitteln will. Kann es auf tausenderlei Weise variieren – kein Problem!

„Fasten, schreiben und in Bewegung kommen“ muss ich aber wohl erst mal selber. Nur für mich. Und JETZT hab ich auch Lust dazu. Alles weglassen, was belastet, was ablenkt und durcheinander bringt: das Essen, das Rauchen, jegliche geistigen Getränke und andere Genussgifte – allenfalls Tee werde ich gelegentlich trinken, falls ich das Gefühl bekomme, allzu sehr in meditative Trance zu fallen. Und natürlich mich bewegen! Wobei es nicht darum geht, einfach ein Programm durchzuziehen, das ich mir immer mal wieder verordne und es dann doch nur kurz durchhalte, sondern auf die Suche nach der FREUDE in der Bewegung zu gehen. Das braucht Fantasie und Konzentration – und dafür ist dann auch Zeit und Energie da, die ich sonst mit Essen, dessen Einkaufen und Zubereiten verbringe.

Und ich werde darüber schreiben, hier im Diary. Täglich, oder zumindest jeden zweiten Tag.

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Claudia am 29. Februar 2004 — 1 Kommentar

Nachrichten aus der Schreibflaute

„Viel Spaß!“, sagt der Bademeister und schließt die Tür des höhlenartig gestalteten Saunaraums von außen. Was er wohl meint? Er hat nur ein bisschen Frischluft herein gewedelt, grad mal drei kleine Kellen Wasser auf den Ofen gegossen – womit sollen wir jetzt Spaß haben? Mein Blick schweift über die auf ihren Handtüchern sitzenden Frauen und Männer, ich zähl mal durch: 24 Nackte auf drei Etagen, im Alter zwischen Mitte zwanzig und siebzig, alle sehen aus wie echte Menschen und nicht wie von den Werbetafeln gefallene Vorzeigekörper, einer der vielen Gründe, warum ich Sauna so mag: der Anblick des Mitmenschen, wie er wirklich ist, korrigiert die medial vermittelten Körperbilder aufs Angenehmste. Ich schaue gern hin und hab auch nichts dagegen, angeschaut zu werden. Wie anders als noch vor Jahren, als ich mir Sauna nur „vorstellte“ und automatisch davon ausging, dass hier vornehmlich Männer den Anblick nackter Frauen voyeuristisch konsumieren wollen. Mag ja sein, dass einige wenige, vor allem die ganz Jungen mit ihrem leidigen Triebstau, „so“ schauen – die Regel ist es nicht. Die drastischen physischen Eindrücke, schwitzen bei 90 Grad und dann das kalte Wasser, befreien sehr effektiv vom Kopfkino aller Art. Ein Ort der Entspannung eben, der GEMEINSAMEN Entspannung!

Vögelgezwitscher dringt aus verborgenen Lautsprechern, rechts neben mir steht der Sauna-Ofen, ausgestaltet als feuriger Vulkankrater. Und als er zu „glühen“ und Dampf zu speihen beginnt, setzt auf einmal der berühmte Chor aus den Carmina Burana ein: Oh, Fortuna!!! Wow, was für ein Erlebnis, ich bin begeistert! Daran ändert auch der kurze Hinweis meines kritischen Verstandes nichts, dass ich mich hier doch in einem ganz schön dekadenten Wellness-Ambiente befinde, während große Teile der Menschheit darben und ums Nötigste kämpfen. Der aufsteigende Dampf erhöht die Temperatur und lässt die Gedanken ersterben, schweigend und schwitzend lauschen wir der euphorisierenden Musik, geraten langsam näher an die Grenze des physisch Erträglichen, bis am Ende wieder Stille herrscht. Noch ein wenig Vogelgezwitscher, dann nichts mehr.

Für einen Moment wirkt es, als hinge da ein Bann über der „Gemeinde“: niemand traut sich, zuerst aufzustehen und den mittlerweile qualvoll heißen Raum zu verlassen. Wenn es noch lange dauert, werde ich es sein – aber nein, eine blonde Frau mittleren Alters erhebt sich und steigt zwischen den Anderen die Holz-Etagen hinunter. Erleichtert folgt ihr die Hälfte der Anwesenden in Richtung Abkühlung, ich gehe mit. Nach einer kalten Schwalldusche und einigen sanften Schlauchgüssen fühl ich mich wie neu geboren. Liebe Leserin, lieber Leser, macht das doch auch mal!

Vom Sitzschaden

Dieser Diary-Beitrag widmet sich ganz dem Physischen, für manche ist ja nur das das sogenannte „Reale Leben“. Dass ich eine Schreibflaute erlebe, hat jedenfalls physische Gründe. Ich kann kaum mehr sitzen, will und muss aber trotzdem sitzen, meine Arbeit machen, per Internet mit Auftraggebern, Kursteilnehmern, Freunden und Bekannten kommunizieren. Nie hatte ich vor, öffentlich über „Krankheiten“ zu jammern, wenn es aber mal soweit ist, dass ich deshalb weniger schreibe, mach‘ ich eine Ausnahme. Zudem passt das Wort Krankheit nicht, ich habe einfach eine Reihe von „Sitzschäden“: nach jetzt zwölf Jahren am PC ist das auch kein Wunder. Der „Mausarm“ mit einer Schwellung im Oberarmmuskel, der mich seit über einem Jahr zur Links-Klickerin gemacht hat, ist das Geringste. Auch die mittlerweile chronische leichte Taubheit am rechten Oberschenkel stört nicht wirklich. Wenn sich das alles aber dann mittels „flottierender Empfindungsstörungen“, die gelegentlich in der rechten Hand und am rechten Fuß auftreten, sowie Verspannungen in Hals und Schultern zu einem Kontinuum gefährlichen Missbefindens verbindet, dann ist wirklich der Punkt erreicht, an dem sich etwas ändern muss!

Aber was? 10.000 Möglichkeiten bieten sich an und ich weiß nicht, welche ich mir wirklich antun soll. Ich will nicht Dauerpatient werden und die große Ärzte-Tour beginnen: Allgemeinarzt, Neurologe, Orthopäde – sie würden mich vom einen zum andern schicken, jede Menge Diagnose-Prozeduren anwenden, mich dann durch ihren Gerätepark jagen (bestrahlen, Reizstrohm-behandeln, strecken, dehnen, schütteln, schaukeln…), mir allerlei Cremes und Tabletten verschreiben, und letztlich anhand von Röntgenbildern erläutern, dass man vielleicht an meinen Wirbeln ein bisschen herum operieren sollte. Dies alles zusammen sehe ich als ebenso große, wenn nicht größere Gefahr an, wie die „Krankheit“ selbst. Hinzu kommen die „alternativen Therapieformen“, undurchschaubar in ihrer Vielfalt – wie könnte ich beurteilen, was davon wirklich nützt? Soll ich mich auf eine Chi-Machine legen und die Fersen in Gestalt des Unendlichkeitszeichens rotieren lassen? Ich weiß nicht recht…

Sensorische Neuropathie – und dann?

Iß Vitamin B, rät ein lieber Freund. Das hat ihm geholfen und netterweise bringt er gleich eine Packung mit. Und ich lese im Beipackzettel: „Periphere sensorische Neuropathien (Missempfindungen vorwiegend an Händen und Füßen) wurden bei langfristiger Einnahme von Mengen über 50mg, sowie bei kurzfristiger Einnahme über 1g/Vitamin B6/Tag beobachtet“. Das irritiert mich, schließlich hab ich ja bereits solche „Missempfindungen“ und will sie weg haben! Aber wer weiß: vielleicht gilt hier ja auch das Gesetz der Homöopathie: Ähnliches hilf Ähnlichem?

Ohne technische Diagnosen weiß ich ja immerhin, was los ist: Das viele Sitzen staucht die Zwischenwirbelscheiben zusammen, verschärft noch durch zuwenig Trinken. Dadurch werden Nervenbahnen geklemmt und/oder zumindest gereizt, was ich dann als Gefühle der Wattigkeit, Taubheit oder Phantomberührungen an den Stellen spüre, die von diesen Nerven versorgt werden. Hilfreich wäre mehr Trinken, mehr Bewegung, weniger Sitzen. All das versuche ich auch, stoße aber immer wieder an Grenzen: die eigene Trägheit, eingefleischte Gewohnheiten, wichtige Arbeiten – es gibt immer Gründe, sich grad nicht um die Gesundheit zu kümmern. Ein Trauerspiel, das eine Verschärfung der Lage erzeugt, die mich dann doch droht, aus dem Spiel zu werfen: Wenn ich, wie seit einiger Zeit, beim Sitzen wirklich leide, ist Schluss mit lustig!

Ergonomie am Arbeitsplatz

Nächste Woche kommt endlich der neue Monitor, den mir ein lieber Diary-Leser gesponsert hat: ein 17-Zoll-Flat-Screen, leicht genug, dass ich ihn ohne mich zu überheben auf Bücherstapel stellen kann und so zumindest die Verspannungen in Hals und Nacken vermindern. Auf der Suche nach dem ergonomischen Arbeitsplatz kam mir auch schon eine radikale Idee: Warum nicht im Liegen arbeiten, wenn Sitzen nicht mehr geht? Ich hatte schon ein fertiges Konzept für so ein Arrangement: eine Art Zahnarztliege, links daneben der Monitorhalter auf einer Teleskopstange, mit einem Schwenkarm nach rechts, der den Monitor in frei kippbarer Stellung hält. Von rechts ein ähnliches Element für Tastatur und Maus. Ein Schlosser könnte so was locker bauen, dachte ich mir und war schon drauf und dran, das zu verwirklichen. Dass ich dafür die gesamte Ästhetik meines Arbeitszimmers opfern müsste, schien mir verkraftbar. Doch dann machte mir ein Freund klar, dass ich mich damit in die falsche Richtung bewege: ich akzeptiere die Behinderung, passe ihr die Lage an, die irgendwann eine neue Behinderung nach sich ziehen wird. Auch das Arbeiten in der Halbliege wird Nachteile haben, die sich auswirken.

Nun ja, ich bin Pragmatikerin: ich hätte dann ja vielleicht nochmal zwölf Jahre, bevor das eintritt! Da es aber doch eine verdammt aufwändige Lösung ist, hab‘ ich mich erst mal davon abbringen lassen und suche jetzt nach anderen Möglichkeiten. Versuche, öfter ins Fitness-Center zu gehen, wieder mehr Yoga zu machen, insgesamt gesünder zu leben – und ich frage herum, was andere Leute in Sachen Sitzprobleme alles schon hinter sich haben.

Und jetzt sortiere ich erst mal offline den Papierstapel mit Verwaltungs-, Steuer- und Behördenkram, der sich in den letzten Wochen angesammelt hat. Zum Abarbeiten muss ich dann aber wieder an den PC – sitzen, sitzen, sitzen!

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Claudia am 28. Januar 2004 — Kommentare deaktiviert für Genug gelitten: Vom Wollen und Machen

Genug gelitten: Vom Wollen und Machen

Der letzte Eintrag handelte vom Wünschen. Wünsche motivieren, zeigen mögliche Realitäten auf, erwecken Sehnsüchte. Ohne Wünsche fällt es schwer, auch nur einen Handschlag über das Notwendige hinaus zu tun. Ja, selbst das Verlangen, dass alles zumindest so bleibt, wie es ist und sich nicht etwa verschlechtert, ist ein Wunsch. Die Not zu wenden ist das Erste, dann treten die Möglichkeiten der Verbesserung ins Bewusstsein.

Reicht das, um zu handeln? Leider nicht! Immer wieder erlebe ich, dass zwar Wünsche da sind, dass ich sogar beschließe, nun dies und jenes anders zu machen, um sie zu verwirklichen – aber bereits nach kurzer Zeit vergesse ich es, bzw. ich denke um, andere Bewertungen der Grundsituation konterkarieren meine Entschlüsse, weil die Gefühle, Grundlage der Bewertungen, sich fortlaufend ändern. Echte selbst bestimmte Veränderungen sind selten und bis heute kann ich nicht erkennen, woran es liegt, wenn es auf einmal klappt.

Ein banales Beispiel ist das Rauchen. Ich hab schon öfter aufgehört, auch über längere Zeiträume. Noch viel öfter aber hab‘ ich beschlossen, aufzuhören, doch hat sich dieser Entschluss in vielen Fällen nicht lange gehalten. Eigentlich hat es nur DANN ganz gut funktioniert, wenn ich rund um das Aufhören kein großes Aufhebens machte – aber auch das ist kein Rezept.

Jahrelang sehnte ich mich danach, im Internet mal ein eigenes Projekt zu beginnen, nicht immer nur Aktivitäten anderer darzustellen und für sie Webseiten zu bauen. Doch alles, was ich anfing, war reines „Hobby“ – ich traute mich nicht, allen Ernstes etwas zu beginnen, wovon ich perspektivisch auch leben will. Dabei mangelte es mir nie an Ideen! Es waren sogar gute Ideen, denn oft konnte ich schon wenige Monate später sehen, wie jemand Anders sie verwirklichte, mit Erfolg! Warum hab ICH den Sprung vom Wünschen und Planen zum Tun nicht geschafft?

With a little help…

Um 2003 die Rauslink Schreibimpulse-Kurse zu verwirklichen, brauchte es einen großen Vorlauf. Ein guter Freund hat viel Herzblut investiert, um mir im Grundsatz klar zu machen, dass es nicht nur möglich, sondern auch völlig in Ordnung und erfolgversprechend ist, meinen eigenen Impulsen zu folgen. Das ernst zu nehmen und umzusetzen, was mir Freude macht. Aus keinem anderen Grund, als WEIL es mir Freude macht, WEIL ich es für gut und richtig halte, weil ich es als meine Realität wähle und erschaffe.

Das allein hat noch nicht genügt. Ich gründete ein kleines Rauslink Frauennetzwerk in Berlin und über Monate tagte alle zwei Wochen mein „Erfolgsteam“. Hier trug ich mein Konzept vor, bekam Feedback und interessante Ratschläge – ich erlebte, wie meine Worte (ich WERDE dies und das unternehmen…) von den Anderen als Wirklichkeit verstanden wurden, wogegen es für mich durchaus noch einfach Pläne, Wünsche, unverbindliche Konzepte waren. Erst dieses Erleben versetzte mich in die Lage, auch die nächsten Schritte zu tun – es wirklich zu TUN, nicht nur davon zu reden.

„Wenn wir es nur wollen und machen, kommt der Stein ins Rollen und Krachen“ – ein Spruch aus der Hausbesetzerzeit, der den Punkt trifft, aber die Frage nicht beantwortet, wie denn dieses Wollen, das mehr als Wünschen ist, nun eigentlich zustande kommt.

Im Raum des Leidens

Seit dem Wochenende hab‘ ich einen allergischen Ausschlag über den ganzen Körper. Das hat mich schwer deprimiert, ich fühlte mich rundum beschissen. Voller Ärger entsorgte ich sämtliche Industrienahrung, einschließlich aller Suppenwürfel, Soßen und Gewürzmischungen mit Glutamat oder anderen undefinierbaren Zusatzstoffen. Gelobte, nie wieder bei Lidl so einen Mist einzukaufen, wie ich es die Tage zuvor leichtsinnig getan hatte: Den Multivitaminsaft mit AEC-Anreicherungen, den Tropical Mix aus 12 exotischen Früchten, die Shrimps in Lake und auch noch eine Dose Putenfleisch im eigenen Saft – letztere hab‘ ich am Abend vor dem Ausschlag zur Hälfte verzehrt. Zu alledem mehrere Tage Cola Light, das ja praktisch NUR aus „seltsamen Stoffen“ besteht. Ich dachte, all das würde mir nicht weiter schaden, denn ich hab‘ immer alles gegessen, worauf ich Lust hatte – allerdings nie soviel Schrott auf einmal! Offensichtlich waren das nun zu viele fremde Informationen für mein Immunsystem – oder lag es an etwas Anderem? Vielleicht was „Psychisches“???

Grübelnd versank ich in immer größere Wehleidigkeit. Sah diesen Allergie-Schock in einer Reihe von Krankheitserscheinungen, die mich seit Oktober heimsuchen – Erkältungen, Zahnprobleme, Nasennebenhöhlenvereiterung, Schlaffheit. Mein Fitnesscenter hatte Ende September die Sauna wegen Umbau geschlossen. Für mich ein Grund, nicht mehr hinzugehen, denn ohne die „Belohnung“ des Saunagangs danach reichte die Motivation nicht mehr zum Sporteln. Zudem war die Arbeit deutlich angewachsen, meine Kurse liefen, ich schaffte es, meine „gewünschte Realität“ zur Wirklichkeit zu machen und hatte Freude daran. Doch alles daneben entwickelte sich mehr und mehr zum Chaos, zumindest empfand ich es so: Unübersichtliche Berge von zu erledigenden Dingen, immer drohender das Unerledigte, Steuer 2002 noch immer nicht im Kasten – in mir wuchs das Gefühl, dringend mal selber „auf den Arm“ zu wollen. Mein Empfinden wurde immer selbstmitleidiger und kindlicher, was vielleicht etwas damit zu tun hat, dass ich dann auch ernährungsmäßig mehr und mehr schluderte.

Natürlich versuchte ich die ganze Zeit, das zu verändern. Aber alles, was ich „beschloss“, bzw. mir vornahm, hielt gerade mal ein paar Stunden, bis mich das nächste Tief erwischte. Und dann auch noch der Ausschlag – so was hatte ich noch nie!

Realität wird erschaffen

Ich würde das hier nicht schreiben, wenn es sich nicht verändert hätte. Wenn ich eines begriffen habe, dann das: Jammern, Klagen und Schimpfen verfestigt nur die Zustände, an denen ich leide. Genauso wie meine Coaching-Runde durch Gespräche Realität schaffen kann, die von den Teilnehmerinnen dann auch als solche begriffen und umgesetzt wird, genauso erschaffe ich meine Welt, indem ich in Worte fasse, was gerade geschieht. Dieses „was gerade geschieht“ ist nämlich nichts Festes, objektiv Vorhandenes. Sondern ich betrachte Phänomene, bewerte sie von aktuellen Gefühlen und Befindlichkeiten her, setze sie in Zusammenhänge, sehe (wähle!) Ursachen und Wirkungen, bilde mir eine Er-Klärung – und wenn ich all das dann noch in einem hübschen runden Artikel der Welt erzähle, dann IST es so! Dann bekomme ich womöglich mitleidige und hilfreich gemeinte Ratschläge, die mir bestätigen, dass ich WIRKLICH arm dran bin und Hilfe brauche.

Wirkliche Hilfe kann aber niemand geben, nicht auf der Ebene der Ratschläge: Tu doch dies, mach doch das, ändere doch jenes! Denn das ist ja dasselbe, das ich mir auch selbst stets verordne und mit dem ich nicht weiter komme, jedenfalls nicht heraus aus den Zuständen des Leidens. Um da heraus zu kommen, muss ich wieder loslassen, die einzelnen Phänomen wieder einzelne Phänomene sein lassen: ein Hautauschlag, ein Jucken am ganzen Körper – na und? Diverse Papiere in verschiedenen Ordnern, die ich mal binnen zwei Stunden zur Steuererklärung 2002 zusammen fassen muss – ein Problem? Nur, wenn ich es dazu mache, wenn ich mir „darüber einen Kopf mache“, anstatt es einfach zu tun. Schlaffheit am Nachmittag – muss mich das tief berühren?

Nein! Seit kurzer Zeit weiß ich es wieder! Nichts zwingt mich, an all diesen Dingen „einzuhaken“ und festzukleben, über sie zu grübeln und Ursache-Wirkungszusammenhänge zu suchen, in der Meinung, ich könnte dann etwas ändern. Ich kann SOFORT etwas ändern, indem ich die Phänomene so sein lasse, wie sie mir begegnen und kein „großes Aufhebens“ um sie mache. Was haben sie mit mir zu tun? Sie kommen und gehen – auch der Hautauschlag wird wieder gehen. Und selbst, wenn nicht: wie ich merke, kann ich blendend davon absehen und meinen spannenden Arbeiten nachgehen, den nächsten Kurs vorbereiten, mich in die Gestaltung einer Website versenken – und heut‘ noch mach‘ ich Steuer 2002.

Gestern dann zum ersten Mal keine Schlaffheit am Nachmittag. Dabei war ich völlig bereit, sie ganz gelassen auszusitzen. Vielleicht ist sie ja DESHALB nicht gekommen? Achtung, Fehlweg! Der machtgeile Verstand ist immer schnell dabei, neue Konzepte zu erkennen, wie das Leiden zu vermeiden sei. Und verstrickt sich dann im Absurden: Gelassenheit als Kopfkonzept wäre auch nur eine Vorschrift wie „du sollst dich gesund ernähren“. Der Vorschrift folgend, müsste ich gelassen beobachten können, wie ich die Gelassenheit verliere – und damit bin ich am Ende sinnvollen Denkens: Wer bitte ist da „ich“?

Nicht, dass das keine interessante Frage wäre. Aber auch an ihr will ich jetzt nicht festkleben. Das können Andere besser. Zum Geheimnis des Willens, zu dem, was wirklich in die Lage versetzt, Änderungen zu bewirken, kann ich im Moment nur sagen: es ist ein inneres Umschwenken in eine andere Haltung den Phänomenen gegenüber, ein tatsächliches Ergreifen der eigenen Definitionsmacht, die Wirklichkeit schafft. Nach allem, was ich damit schon erlebt habe, sehe ich zumindest, dass es mir letztlich nicht gelingt, es alleine aus mir heraus „zu machen“. Denn mein übliches Denken, Meinen, Wünschen und Beschließen geschieht aus dem planenden Verstand, der eben nur ein Teil des Ganzen ist, das ich bin. Und deshalb bleiben solche Beschlüsse kraftlos, führen sogar oft in die Irre, wenn ich dann noch Energie einsetze und mein eigener Sklaventreiber bin.

Aber manchmal bekomme ich einen Anstoß von außen. Jemand sagt nicht „geh du mal wieder ins Fitness-Center“, sondern öffnet mir erneut den Blick auf die Dinge, wie sie sind: Phänomene, die kommen und gehen. Material, aus dem ich durch Bewerten und In-Bezüge-Setzen meine Wirklichkeit erschaffe. Und auf einmal ist da wieder Spannung, Neugier, Leidenschaft: Ich löse die selbst erdachten Leid-Szenarien und schaue, was ich daraus sonst noch machen kann. Wenn es so herum funktioniert, steht ja auch der andern Richtung nichts im Wege.

Und jetzt ruft mich ein Kunde – ich hab‘ richtig Lust auf Arbeit!

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Claudia am 21. Januar 2004 — 1 Kommentar

Über das Wünschen

„Was wir uns wünschen“ – natürlich durfte dieser Schreibimpuls in einem „Kurs für Jahresendzeitmuffel“ nicht fehlen! Egal, wie skeptisch, kritisch, oder belustigt man auf den kalendarischen Start in ein neues Jahr schauen mag: Irgendwo kommen sie doch um die Ecke, kleine und große Wünsche, Unzufriedenheiten, Sehnsüchte nach Veränderung. Zum neuen Jahr gibt’s für kurze Zeit die kollektive „Lizenz zum Wünschen“, man darf in die Vollen gehen, auch Träume und Verrücktheiten aussprechen, ohne damit den Eindruck zu erwecken, mit dem eigenen Leben uneins zu sein, gar ein „Problemkind“, das seine Möglichkeiten nicht zu nutzen versteht und immer nur wünscht und jammert.

Mein eigenes Verhältnis zum Wünschen ist zwiespältig und schwankend. Lange Zeit meinte ich, keine Wünsche zu haben. Mit dem zufrieden zu sein, was ist, schien mir die einzig richtige Haltung. Dankbarkeit empfinden für das Glück, nicht zu hungern, eine angenehme Wohnung zu haben, eine Arbeit, die mir Freude macht. Mit zunehmendem Alter kommt auch die Dankbarkeit dazu, noch halbwegs gesund zu sein – ist es nicht geradezu unverschämt, noch spezielle, ganz persönliche Wünsche zu haben? Klar, den Weltfrieden kann man sich wünschen – aber sonst?

Manchmal dann der Sprung auf die andere Seite: „Was du nicht erfühlen kannst, das wirst du nicht erjagen!“. Schon Goethe sah das Wünschen, das auch ein Hineinfühlen in die Erfüllung umfasst, als Energie an, die uns zu Taten treibt. Was sollte mich bewegen, auch nur einen Handschlag zu tun, wenn ich rundum glücklich und zufrieden bin, wenn der Status Quo mir als die beste aller möglichen Welten erscheint? Ich kenne das aus Zeiten relativ gesicherter Existenz, alles ist eigentlich optimal, kein Drucktermin drückt, keine Gefahr droht – und prompt hänge ich herum und schlage die Zeit tot, während untergründig ein Gefühl der Unzufriedenheit wächst. Die große Langeweile zeigt ihr grau-schwarzes Gesicht, etwas fehlt und ich spüre kaum mehr, dass ich lebe. Ganz schön verrückt!

Die Ablehnung des Wünschens bedeutete für mich einen Weg zur Gelassenheit: Wenn ich nichts wünsche, sondern die Sonne dafür lobe, dass sie morgens aufgeht, kann ich auch nicht enttäuscht sein, wenn sich meine Wünsche nicht erfüllen. In der Auseinandersetzung mit dem Buddhismus verstärkte sich diese Sicht der Dinge noch einmal: Alles Leben ist Leiden, sagte Buddha, und meinte damit die Tatsache, dass sich alles Errungene wieder verflüchtigt und wir dann unausweichlich an den Verlusten leiden. Zeitweise unterfütterte diese Lehre meine ganz persönliche Wunschlosigkeit mit einem zitierfähigen Überbau, zeitweise spürte ich auch eine heftige Ablehnung gegenüber dieser und allen anderen spirituellen Lehren, die immer auch eine Art Weltüberwindung durch Entsagung vertreten. Wie lebensfeindlich! Etwas für Zahnlose, die auf Freuden und Lüste verzichten, um jeglicher Enttäuschung und jedem Schmerz auszuweichen – nicht mein Ding!

Nun bin ich selbst schon etliche Zähne los. Gerade neulich ist mir beim Salatessen einer abgebrochen, der war schon einige Zeit tot, obwohl erst kürzlich neu überkront. Und selbstverständlich wünsche ich mir jetzt irgendwoher eine Geldspritze, damit ich mir den Zahnersatz leisten kann. (Gottlob sieht man die Lücke nicht, wenn ich nicht sehr breit lache.) Und wenn ich schon mal grad dabei bin: Ein großer Flachbildschirm täte meinen Augen richtig gut. Der 19-Zöller, der vor mir steht, ist schon ziemlich betagt und kundige Freunde raten mir dringend, nicht länger so viele Stunden täglich in diese Strahlenkanone zu starren. Der Stuhl, auf dem ich sitze, war zwar vor sechs Jahren der letzte Schrei, da hab ich mal richtig Geld ausgegeben! Aber heute entspricht er nicht mehr den Erkenntnissen über ergonomisches Sitzen. Und das ist nicht nur Marketing, sondern richtig wahr: er kippt bei Bedarf überall hin und vieles lässt sich einstellen, nur kippt er eben leider nicht nach vorne, verhindert also das „dynamische Sitzen“. Mein Mausarm und mein Rücken lassen mich spüren, was damit gemeint ist.

Reine Abwehrwünsche bis hierher. Wünsche, die den natürlichen Verfall des Körpers und seine Abnutzungen und Leiden aufgrund zeittypischer Nutzungen abwehren und rückgängig machen wollen. Sie zu leugnen, ist fast unmöglich, aber auch sie lassen sich ablehnen: Warum nicht gegenüber dem Verfall Gelassenheit üben? Ist er doch letztlich unvermeidlich, warum also dagegen ankämpfen? Ein Freund von mir praktiziert lange schon diese Philosophie und ich bewundere ihn manchmal dafür. Allerdings kann ich ihm nicht folgen, müsste mich in einer Weise selbst verleugnen, die Schaden an meiner Seele bedeuten würde. Gesund und schmerzfrei will ich schon sein, mindestens!
Wieder jung?

Und sonst? Wie weit würde ich in diesem Wünschen gehen? Mal angenommen, die sprichwörtliche Fee erscheint und bietet mir an: „Du kannst den Körper wieder haben, den du mit fünfundzwanzig hattest – entscheide dich JETZT!“. Was würde ich tun?

DAS würde ich ablehnen. Zwar mit einer gewissen Wehmut, aber ohne Zögern und Zweifeln. Nicht, weil ich etwas dagegen hätte, gesund, schlank, schön und straff zu sein, ohne mich groß darum bemühen zu müssen. Sondern weil ich weiß, dass „ich“ in sehr weit gehendem Sinne dieser Körper BIN, dieser fast fünfzig-jährige, nicht mehr ganz so schlanke, nicht mehr ganz gesunde und deutlich weniger straffe Körper. Die Wissenschaft (und zwar die „herrschende“ UND die „alternative“) tut immer so großartig, wenn wieder einmal für irgend eine urmenschliche Qualität im Denken, Fühlen, Welt.wahrnehmen eine messbare „materielle Entsprechung“ gefunden wird, irgendwelche Botenstoffe, ein „Bauchgehirn“, Licht-Quanten, die aus den Zellen strahlen oder was immer. Ich brauche dazu keine Beweise, denn ich BIN es ja jeden Tag. Zwanzig Minuten Yoga-Üben versetzt mich in einen völlig anderen Zustand, Treppen-Steigen fühlt sich anders an, wenn ich dreimal die Woche ins Fitness-Center gehe, fünf Kilo Gewichtsunterschied ändern spürbar mein Lebensgefühl, genauso wie das Wetter, das Rauchen, die Ernährungsweise, die Jahreszeit und vieles vieles mehr. Und all das Viele in seinen tausend Qualitäten spüre ich heute anders, sehr viel intensiver in Leid UND Lust, als mit fünfundzwanzig. Deshalb sag ich zur Fee ganz ruhig: nein danke! Erbarme dich doch statt meiner der Leserschaft von Fit-for-Fun!

Was also wünsche ich mir noch, mal abgesehen von den „Erhaltungsbedürfnissen“? Wenn ich so überlege und mir dies und das vorstelle, merke ich, dass es schwer fällt, zu Wünschen jenseits solcher Verteidigungen eines Status Quo zu kommen. Allenfalls will ich dann noch mehr Sicherheit und Bequemlichkeit – also mehr Geld, ein regelmäßiges Einkommen, um das ich nicht immer neu kämpfen muss. Alles keine „richtigen“ Wünsche, sondern reine Rationalität, auf die Zukunft und den Erhalt der „Möglichkeiten“ gerichtet.

Richtiges Wünschen ist ein Fühlen. Der gedankliche Radar richtet sich spontan auf irgend etwas und ein warmes, sonniges Gefühl durchströmt mich, vom Herzen ausgehend. Im letzten Sommer hatte ich dieses Gefühl, als mich ein Freund für ein paar Wochen coachte und ich ernsthaft dazu kam, mir für das, was mir in der Arbeit am meisten Freude macht, auch richtig Zeit zu nehmen – und zwar inmitten der „Hauptarbeitszeit“ des Tages! Ich plante die Schreibimpulse-Kurse morgens zwischen zehn und zwölf, und erst dann widmete ich mich meinen Webdesign-Kunden. Heute hab‘ ich dasselbe Gefühl auch beim Gedanken daran, wieder gestalterisch zu arbeiten, „Bilder der Liebe“ herzustellen, die ich mir selber gern an die Wand hängen würde und sie als Grafik-Serien online zu verkaufen. Wenn ich soweit komme, das vormittags anzugehen, wird es sich realisieren – bis dahin nehme ich mir manchmal diese „wichtige Zeit“, um Diary zu schreiben. Nicht so oft, wie ich es mir wünsche, schließlich muss ich Geld verdienen, aber oft genug, um „am Ball“ zu bleiben, in Kontakt mit diesem warmen Gefühl, das vom Herzen kommt.

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