Thema: Zeitgeist

Claudia am 22. Dezember 2003 — Kommentare deaktiviert für Wert und Wertschätzung – über die Konsumkrise

Wert und Wertschätzung – über die Konsumkrise

Nun ist die Weihnachts-Einkaufsschlacht ja bald wieder vorbei. Wie ich höre, versucht der Handel noch in letzter Minute, mit neuen Rabatten Käufer zu locken, die immer noch in „Kaufzurückhaltung“ verharren. Schnäppchen jagen ist lange Volkssport Nummer Eins geworden, und es heißt, Geiz sei geil. In den Talkshows sitzen Politiker und grübeln darüber, was sie alles tun könnten, sollten oder müssten, damit das „Sparen“ als oberster Wert aus den Köpfen wieder verschwindet und die Wirtschaft endlich wiederbelebt würde. Hört man ihnen zu, erscheint das Konsumieren leicht als patriotische Pflicht eines jeden, der noch ein Minimum an Verantwortung für diesen Staat empfindet und das soziale Netz erhalten sehen will.

So kann man das betrachten, es ist allerdings eine rein äußerliche Sicht. Klar, die „unsicheren Verhältnisse“ stören die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu machen oder gar auf Kredit zu kaufen. Doch warum jagen auch Leute nach Schnäppchen, die das nicht nötig haben? Warum kaufen Besserverdienende bei Lidl und Aldi ein? Warum geht alles nur noch mit immensen Rabatten? Rabatte, die, wie man sich denken kann, auf Preise eingeräumt werden, die es so nie gegeben hat – und deshalb geht der Schuss nach hinten los: jedes Vertrauen darauf, dass ein gutes Produkt auch seinen guten Preis hat, dass dieser Preis etwas mit dem Wert des Erworbenen zu tun hat, geht zum Teufel.

Ich bin keine „gute Konsumentin“. Wenn ich wenig Geld habe, und das ist die meiste Zeit so, dann kaufe ich lieber gar nichts, als dass ich lange nach etwas Billigem herumsuche. Noch immer stehen zwei Plastik-Gartenstühle hier herum, falls mal mehr Leute um den Tisch sitzen sollen. Das uralte Zweisitzersofa hat Risse im Bezugsstoff, es ist lange reif für den Müll. ABER: ich denk‘ nicht dran, mir ein billiges, unbequemes, hässliches und unsorgfältig zusammengeschustertes Möbel für 300 Euro zu kaufen, um es zu ersetzen. Ich weiß genau, was ich für ein Sofa will, und das kostet mindestens 1000 Euro. Bisher jedenfalls – würde ich es morgen irgendwo rabattiert für „nur noch 600 Euro“ sehen, wäre ich in meinem Kaufwunsch irritiert. Denn mein Wunschsofa IST wertvoll: ordentlich verarbeitet, gute Stoffe, groß und bequem, farblich harmonisch – wenn das auf einmal verramscht würde, muss ich mich fragen, ob es wirklich DAS ist, was ich meinte?
Ein kleiner Prozentsatz der Gesellschaft ist immerhin bereit, Fleisch nur noch aus artgerechter Tierhaltung zu kaufen. Gut so! Aber warum ist es so weltfremd, beim Einkauf aller anderen Dinge auch auf die „artgerechte Menschenhaltung“ zu achten? Jeder Billigpreis, jeder (echte) Rabatt mindert den Gewinn der Hersteller und Verteiler, manchmal bis dahin, dass nichts übrig bleibt. Also „rationalisieren“ sie mehr und mehr, nehmen billigere Materialien, mindern die Verarbeitungsqualität, ersetzen Menschen durch Maschinen und quetschen ihre Zulieferer bis aufs Blut aus. Damit entfällt das Wertbewusstsein auf der Herstellungsebene: es macht keine Freude mehr, Dinge zu produzieren, die im Grunde schon Müll sind, bevor sie in die Läden kommen. Kreativität kann sich nicht mehr darin verwirklichen, schöne, gute, innovative Dinge herzustellen, sondern fließt in die Vermarktung und Verpackung, und eben ins Bemühen, immer schneller und billiger zu produzieren.

Die Liebe zum Gegenstand

Ein lieber Freund hat mir ein Regal geschenkt, das ich dringend brauchte. Ich durfte es selber aussuchen und wählte ein leichtes, helles Vollholzregal, einfach zusammen zu bauen. Ein schwedisches System (nicht Ikea!), das es seit 20 Jahren gibt, alles andere als billig. Beim Aufbauen bemerkte ich, dass das Regal nicht den „Sockel“ hat, der noch in der Gebrauchsanweisung eingezeichnet war, sondern statt dessen lediglich auf den beiden Längsseiten Latten angeschraubt werden mussten. Meine Nachfrage beim Verkäufer ergab: Eine „Sparmaßnahme“, der komplette Sockel wäre zu teuer und so ginge es ja auch. Mich hat das gewundert: ICH als Kundin wollte und musste ja NICHT sparen! Ich war bereit, ein teureres und in meiner Anmutung auch rundum perfektes Regal zu kaufen. Gut, man sieht den Unterschied von außen wirklich nicht. Auch die Standfestigkeit ist nicht gemindert, alles ok. Trotzdem wäre es mir lieber gewesen, wenn sich die Perfektion auch durchgängig auf die Bauweise erstreckt hätte.

Warum nur ist unsere Zeit so arm, sich das nicht mehr leisten zu wollen? Auch mein Vollholz-Sideboard hat leider innen furnierte Pressspanplatten als Einlegeböden – man sieht sie nicht, klar, aber man SPÜRT sie, wenn man das Ding mal verschiebt, gar tragen muss. Und man weiß außerdem, was Pressspan so alles ausdünstet. Die richtige Liebe zum Gegenstand will da einfach nicht mehr aufkommen.

Die Liebe zum Gegenstand – ist sie vielleicht überflüssig? Ein unmodernes Festhalten an traditionellen Erwartungen und Gepflogenheiten? Nicht das Besitzen und Benutzen soll offensichtlich im Vordergrund des Umgangs mit den Dingen stehen, sondern das Kaufen im Sinne des Erjagens. Und der Besitz ist dann nur noch „Bedeutung“: eine „Marke“ bringt Status, man zeigt, was man sich leisten kann. Wenn die Mode dann wieder wechselt, ab auf den Müll, das Nächste bitte! Dass dieser letztlich lustarme Prozess in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ins Stocken gerät, wundert nicht. Ich bedauere das auch nicht, obwohl mir alle leid tun, die sich verunsichert fühlen, um ihren Arbeitsplatz bangen oder ihn bereits verloren haben.

Vielleicht ändert sich ja etwas, indem diese Gesellschaft altert. Zwar besteht die Werbewirtschaft in ihrem Jugendwahn darauf, nur die 14 – 49-Jährigen als Zielgruppe ins Auge zu fassen, aber damit gräbt sie sich auf Dauer ihr eigenes Grab. Es gibt nun mal immer mehr Ältere und sie haben vergleichsweise viel Geld! Ältere Menschen sind allerdings stärker individualisiert, lassen sich weniger durch Mode und Meinung beeinflussen, wissen einfach schon genauer, was ihnen gut tut. Zum Beispiel ein Radiorecorder-CD-Player mit 50 Bedienelementen und einer 50-seitigen Gebrauchsanleitung tut nicht gut: das Teil kostet einfach zuviel Konzentration auf Technik und frisst kostbare Lebenszeit. Mein Gerät hat genau 15 Knöpfe und Tasten – wobei man mit DENSELBEN Knöpfen sowohl den Recorder, den Player, als auch das Radio steuern kann. Eine Anleitung gibt’s auch, aber die hab ich bisher nicht gebraucht. Genial!

Wert und Sinnlichkeit

„Man gönnt sich ja sonst nichts“, „weil ich es mir wert bin“ – mit solchen Sprüchen wird geworben, aber niemand nimmt das ernst. Allenfalls ist ein äußeres Statusdenken gemeint: Ja, ich leiste mir das, ich gehöre dazu! Wirkliche Wertschätzung benötigt zu ihrer Entstehung bewusste Sinnlichkeit: Farbe, Form, Verarbeitung, Bedienbarkeit, Material – all das macht etwas mit mir, wirkt auf mich, wenn ich mit einem Ding umgehe. Es sind Qualitäten, die ich ERFÜHLEN muss, nicht bloße Quantitäten, um die ich nur wissen kann. Wer die Dinge so erfühlt, ist Eigentümer, Besitzer, Benutzer, wer diese Aufmerksamkeit nicht aufbringen will, ist allenfalls Verbraucher. Ein wirklich passendes Wort, nur seltsam, dass kaum jemand den beleidigenden Gehalt wahrnimmt – es ist das gleiche „Ver-“ wie in „Verachtung“.

Der sinnlich-bewusste Umgang mit den Gegenständen ist ein Akt der Selbstachtung und Selbstliebe. Doch das Selbst, das hier „Beachtung“ erfährt, ist nicht das denkende und rechnende „Ich“, sondern das Ganze, das ich wahrnehme, wenn ich mit einem Ding umgehe. Meine physischen Empfindungen und psychischen Reaktionen auf seine gegenständlichen Qualitäten gehören dazu, aber genauso auch die Bedingungen, unter denen es hergestellt wird. Es stört meinen Genuss, wenn die Menschen, die es produzieren und vermarkten, dabei auf unergonomischen Billigstühlen sitzen müssen, nur einen Hungerlohn bekommen und keine Zeit haben, um es wirklich gut zu machen. Auf (echtem) Rabatt zu bestehen heißt im Klartext: Ich gönne dir deinen Lohn nicht; du sollst dich krumm legen und darben, um mir möglichst billig, am liebsten ganz umsonst das Optimale zu bieten! Mit Wertschätzung geht das nicht zusammen, denn das „Selbst“ ist nicht teilbar: die Ebene, auf der ich Qualität wahrnehme, verbindet mich mit allen anderen Menschen. Wenn ich ihnen ihren Verdienst streitig mache, hat das tief in mir immer eine Entsprechung, die da heißt: Ich verdiene es nicht! Es wird mir nicht wirklich gehören, denn ich habe es nicht angemessen bezahlt. Allenfalls kann ich es „als Beute“ wahrnehmen und allen erzählen, wie trickreich ich es erworben habe. Genießen ist das nicht – und Schnäppchenjäger-Gespräche werden schnell langweilig.

So gesehen ist die derzeitige Konsumkrise vielleicht gar nicht so schlecht. Vielleicht besinnen wir uns ja wieder darauf, was wir uns wert sind.

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Claudia am 29. August 2002 — Kommentare deaktiviert für Von der Last, kreativ zu sein – eine Umwertung

Von der Last, kreativ zu sein – eine Umwertung

„Was denkt Ihr über Kreativitat?“ Eigentlich eine harmlose Frage, die da über die Mailingliste kommt. Vermutlich werden jetzt gleich ohne weitere Vorwarnung alle von ihren kreativsten Leistungen berichten, vom Brainstorming und von Kreativtechniken, vom anlegen eines Gartens, von hunderfünfzig tollen Webseiten und vom Töpferkurs im letzten Jahr – ohhhhhh, bitte bitte nicht!

Hier hat es 29 Grad, aber das ist nicht neu. Seit Wochen schon bringt mich der Jahrhundertaugust ins Schwitzen, daran kann es nicht liegen, dass mir die Galle hochkommt! Kreativitat? Au, ich bekomme Fluchttendenzen, Beißreflexe, Pickel im Gesicht und die Zehennagel kräuseln sich vor Schreck nach oben.

Für mich ist Kreativitat namlich lange schon und immer mehr eine Last, nicht etwa Lust – und zwar die eigene genauso wie die Kreativitat anderer. Die Wertschatzung dieses Begriffs hat insgesamt den Zenit weit überschritten, oh ja, ich beteilige mich gern daran, den Popanz „Kreativität“ zu entzaubern und auf die hinteren Platze zu verweisen. Aus den augen aus dem Sinn, lasst Buchhalter um mich sein!

In einer lang vergangenen unkreativen Zeit bzw. Gesellschaft, in der es üblich war, von festen Traditionen und Rollen bestimmt zu leben, immer alles „nach Vorschrift“ zu tun und insgesamt
wenig Möglichkeiten zur Wahl und zur Selbstbestimmung zur Verfügung standen, da bekam Kreativitat nach und nach und zu Recht einen geradezu märchenhaften Glanz. Man denke nur an die Wertschätzung des AUTORS, des Schriftstellers, des Künstlers, ganz allgemein des „Genialen“ – aber heute? Ich kenne ja kaum noch jemanden, der noch KEIN Buch geschrieben hat!

In unseren Tagen der extremen Individualisierung, wo alles erlaubt und weitgehend egal ist, wo ein jeder gefordert ist, zu machen, was er will, ist Kreativitat, gelinde gesagt, nichts Besonderes. Mitten im Zwang, sich dauernd neu zu erfinden und in veranderten Bedingungen zu Recht zu finden, womöglich als ICH-AG zu bestehen und stets INNOVATIV und FLEXIBEL zu sein, entsteht die Sehnsucht nach dem, was bleibt, was sich nicht Ändert, nach Dingen, Orten und Strukturen, die nicht von ungebremsten Kreativen seit der letzten Sichtung schon wieder GANZ ANDERS gemacht wurden.

Ich bin kreativ – und das ist nicht gut so!

Wie furchtbar, wenn man die Dinge, wie sie gerade sind, nicht einfach mal so lassen kann! Am besten OHNE inneren oder äußeren Kommentar, ohne irgendwelche Verbesserungsvorschläge oder gar Initiativen!

Statt dessen geht das Andersdenken, Anderswollen, Verbessern los. Sei es die Einrichtung eines fremden Klos oder das Eingabeformular auf einer x-beliebigen Website: immer seh‘ ich Fehler und Unvollkommenheiten, immer gibt’s Potential zu großen Verbesserungen, Verschönerungen und Veränderungen. Jeder Text kann selbstverständlich weit besser formuliert werden, jeder
Vorgang und jede eingeschliffene Verhaltensweise ist kritisierbar – man könnte doch statt dessen…. Man könnte SO VIEL. Will das etwa jemand anpacken? Bitte bitte nicht!

In mir entstehen ständig Geschaftsideen und „mögliche Projekte“ – durchaus gute Sachen, aber weder hab‘ ich immer Lust auf sie, noch ist das alles im Rahmen meiner Möglichkeiten, rein aus Zeitgründen schon nicht. Viele dieser Projektideen sehe ich wenig spater „auf dem Markt“, liege also nicht unbedingt voll daneben. Und jeses Mal schmerzt es, gute Vorhaben NICHT anzugehen, einfach NICHTS zu tun, die vielfaltigen Potentiale, die an jeder Ecke schlummern (lauern, drohen, ihre gierigen Zähne fletschen…), NICHT zu nutzen – die Welt einfach zu LaSSEN, wie sie ist.

Ich war mal mit einem Mann zusammen, dem erging es wie mir. Wir saßen zusammen in der Badewanne und schon beim Anblick eines Nagels in der Wand kam er oder ich mit einer neuen Idee… furchtbar! Nach dem Orgasmus keine romantischen Momente, sondern ein Verbesserungsvorschlag…. nicht mal in Bezug auf den eben erlebten Sex, sondern einfach so, aus dem weiten Feld unserer gemeinsamen Aktivitäten.

Ahhhhh und dann der Kern des Kreativen: das Malen, Bilder machen, Gestalten, die Web-Kunst, Fotoshop-Art und all das!!! Ich habe ja noch das große Glück, dass ich meine Kreativitat am PC ausleben kann (klick und weg ist der Kram!), wogegen Andere wirklich arm dran sind: Müssen namlich die reale Welt mit den unzähligen Ergebnissen ihrer Kreativität belasten. Am Anfang ist das noch unproblematisch, gern zeigt man den Freunden, was man im letzten Volkshochschulkurs Entzückendes produziert hat, hartnackig das innere Auge vor der Erkenntnis verschließend, dass sie das genauso öde finden wie Diashows aus dem Urlaub oder Geschichten vom letzten Arztbesuch.

Doch Achtung! Über die Jahre kann sich einiges anhäufen und eh‘ man sich’s versieht, lebt man in extrem vollgestellten Häusern und Wohnungen: alles wird gesammelt und gestaut, die Fotos von annodunnemal, die selbst gekneteten Tassen aus der Toskana, der dann doch nie getragene Schmuck aus dem Goldschmiedeworkshop, all die vielen Texte, Briefe, Bilder, Malereien, Basteleien, Schnitzereien, Strickwerke und Wandbehange – und alles verstaubt, wird nie wieder angesehen – manch einer findet sich als „Messi“ wieder (= die Krankheit, nichts wegwerfen zu können und zu vermüllen).

DU bist kreativ? Verschone mich!

Mein Advancebankkonto kündige ich in diesen Tagen – zum dritten Mal haben sie schon das Homebanking-Portal geändert. Es umfasst jetzt auch Internet-Brokerage mit all den Infos aus der Aktienwelt und vieles mehr (schauder!). Das brauch‘ ich alles nicht, ich will Überweisung, Kontostand, Dauerauftrag, Ende. Sie sind mir zu kreativ dort, genau wie viele Andere, die ständig an der Welt herumbosseln, Synergien nutzen, Produktlinien einstampfen und neue erzeugen und mich damit zum erneuten Studium irgendwelcher Anleitungen, Handbücher und Hilfedateien zwingen. Seit Jahren weigere ich mich erfolgreich, neue Features und Programme einzusetzen, solange ich nicht genau das brauche, was sie an MEHR zu bieten haben; Und was den PC angeht, lebe ich gut und störungsfrei nach dem berühmten Motto: Never touch a running system!

Nicht, dass all das über die Möglichkeiten meiner kleinen grauen Zellen ginge, keineswegs (hab schließlich auch mal ’ne Weiterbildung zur EDV-Fachkraft hinter mich gebracht). Ich denke nur nicht im Traum daran, Zeit und Energie im Umgang mit Hilfsmitteln und Werkzeugen zu verschwenden, wenn es nicht sein muss. INTELLIGENT ist für mich heute, was Lernen minimiert, Informationen schon gleich im Vorfeld vermeidet und das Gehirn von Texten, Daten und reinen HowTo-Inhalten weitestgehend verschont. Da bleibt nicht viel zu tun für Kreative, sorry!

Und die Gegenstände? Die Welt der 10.000 Dinge? In den Kaufhäusern sieht jedes einzelne Objekt nach einem Designer-Wunderwerk aus – daneben bin ich haßlich! Die Dinge sind es, die glitzernd auf dem Thron sitzen, und wir stehen alle in der Schmuddelecke und genügen nicht. Also versuchen wir, selbst zum Ding zu werden und dieses Ding dann zu verschönern. Deshalb die derzeitige Tatoo- und Piercing-Welle, all das vielfaltige Body-Styling bis hin zu pathologischen Auswüchsen wie das „Ritzen“. Für die unauffälligere Mehrheit gibt’s die Schönheitsoperationen und die Nervengift-Spritzen für ein glattes (weil gelahmtens) Gesicht.

Jaaaaa, wir MACHEN WAS aus uns und wer da nicht kreativ ist, hat schlechte Karten. Jeder will und soll und muss „etwas Besonderes“ sein – wie anstrengend, wie trennend auch. (Mögen wir denn die Leute, die so toll aussehen, wie wir gern sein wollen?) alles soll schöner sein, als es jetzt ist – und immer so weiter! Jeder ist kreativ und tut alles dazu, noch etwas zu finden, wo
der persönliche Verschönerungsdrang gnadenlos ausgelebt werden kann – zu Lasten einer Welt die so müde von alledem ist, deren Müllberge schon so hoch und deren Seelen verwirrt sind von all dem
allzu Vielfaltigen und immer wieder Neuen und anderen.

Ach, wie muss das gemütlich gewesen sein, damals, als sich niemals etwas änderte außer den Jahreszeiten! Als niemand „sich in-formieren“ und nachdenken musste, weil sowieso immer schon klar war, was man jetzt WIE tun musste. Als das Kreative dem GENIE überlassen blieb, einer Art Märchengestalt, die gottlob im richtigen Leben nur sehr, sehr selten vorkam.

Falsch? Ja, ja, ich weiß, es war natürlich auch eine furchtbare Welt, statisch und dogmatisch, voller Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Man hatte allen Grund, zu rebellieren, umzugestalten, in die Fremde zu ziehen, Neues anzufangen, die Welt auf den Kopf zu stellen – aber nun steht sie da und rotiert. So etwas wie EIN MITTLERER WEG ist uns offenbar nicht gegeben. Wir oszillieren zwischen den Extremen und gucken zur Entspannung Filme an, in denen alles in die Luft fliegt.

Kreativitat? Nein danke. Nicht im Jahr 2002.

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Claudia am 23. April 2002 — Kommentare deaktiviert für Nachhaltiger Verzicht – wenn Verbraucher streiken

Nachhaltiger Verzicht – wenn Verbraucher streiken

Wenn ich so durch die Berliner Straßen und Parks laufe, bemerke ich normalerweise jedes Blümelein, das den Asphaltdschungel mit seiner Anwesenheit beehrt und freue mich darüber. Eines ist mir auf meinen Wegen durch reale und virtuelle Welten allerdings lange nicht begegnet: das „zarte Pflänzchen des Aufschwungs“, von dem die Politiker so gerne reden. Es muss sehr versteckt vorkommen, vielleicht kennen nur Eingeweihte seine Standorte, Deutschland jedenfalls scheint im Moment nicht dazu zu gehören.

Der Handel vermeldet bis zu 20% Umsatzminus im ersten Quartal, die Entlassungen und Insolvenzen gehen munter weiter, der SPIEGEL fasst zusammen: Die Leute kaufen nur noch das Nötigste und auch beim Nötigsten sparen sie, wo sie können. ALDI, LIDL & Co verzeichnen zweistellige Zuwachsraten.

Auch bei mir ist schon einige Zeit ins Land gegangen, seit ich mir mal etwas kaufte, das nicht unbedingt sein muss. Mein Luxus ist das Fitness-Center und gelegentlich die Sauna. Mir fehlt nichts, ich habe alles, was ich brauche, sogar ein Handy, das ich eigentlich nicht haben wollte, aber schließlich geschenkt bekam. Wie soll so eine Wirtschaft florieren, die auf WACHSTUM angewiesen ist? Sogar mein PC, den ich bisher alle 2,5 Jahre durch einen neuen ersetzte, tut es noch wunderbar. Noch immer erfüllt er meine Bedürfnisse: kein Wunsch nach „mehr Speicher“ oder mehr Geschwindigkeit kommt auf, alles funktioniert blendend – und wer denkt denn noch im Traum daran, einfach mal ein neues „Winword“ zu kaufen? Ein komischer Gedanke aus alten Zeiten, als man noch bei jeder Version glaubte, mit der neuen MEHR machen zu können, im Ergebnis aber auch ein Betriebssystemupdate und einen frischen Computer brauchte. Um dann – im besten Fall – genau das tun zu können, was vorher schon funktionierte! Ha, da haben wir dazu gelernt, zum Elend der Softwareschmieden.

Nun warten alle auf UMTS, auf dass der Austausch sämtlicher Handys und neue Dienste den widerborstigen „Verbraucher“ aus dem Dornröschenschlaf holen möge, die Kids hoffentlich einen Boom anstoßen wie mit SMS – bangen, hoffen, zittern – ob die Hoffnungen berechtigt sind? Eine neue Euphorie, ein Hype wird gebraucht, der nicht nur einer Branche ein kurzes Hoch beschert, sondern viele mitzieht. Ich bin skeptisch, ob UMTS das zaubern kann.

…und sie können es doch!

Die Verbraucher tun derzeit unaufgefordert etwas, was sie nach Einschätzungen der Umwelt-Marketing-Leute überhaupt nicht mögen, wovon sie nicht einmal hören wollen: Sie üben Verzicht. Wer hätte das gedacht!

„Verzicht“ ist lange schon das Unwort der Öko-Branche und der engagierten Umweltschützer. Energieeffizienz, Ressourcenschonung, sinnvolle Wiederverwertung, Qualität und Genuß, technische Innovation, nachhaltiges Wirtschaften – viele neue Begriffe sind in diesem Kontext entstanden, alte bekamen eine neue Bedeutung. „Verzicht“ aber darf man nicht in den Mund nehmen, wenn man vom Volk ernst genommen werden will. Das ist das Credo, das man als Umwelt-Aktivist schnell zu lernen hat, will man nicht als sektiererischer Radikaler im Nichts enden.

Mitte der 90ger konnte ich das hautnah miterleben, als ich zwei Jahre in Sachen Klimaschutz zugange war. Mit arbeitslosen Akademikern im Rahmen von ABM Energiesparkampagnen entwickeln und durchführen – das war die anspruchsvolle Idee, die damals auch umgesetzt werden konnte, weil sich noch genug Geld in den „öffentlichen Händen“ befand. Meine Begeisterung war groß, schnell wurde ich Projektleiterin, kam raus aus ABM, rein in einen tollen BAT 2A-Job – alles wunderbar, und sogar eine Arbeit mit Sinn!

Doch schnell landete ich auf dem Boden der Realität. Da unsere Kampagnen auf Verhaltensänderungen zielten, wurden wir in der „Energie-Szene“ kaum ernst genommen. Dort hatten die Leute das Sagen, die auf „technisches Verunmöglichen von Fehlverhalten“ setzten. Niemand will darauf achten, beim Verlassen des Raumes die Fenster zu schließen, also braucht es Fenster, die sich AUTOMATISCH öffnen und schließen, besser noch eine zentral gesteuerte Klimaanlage, energiesparend, hocheffizient! Schon gar nicht mag der Büromensch Verantwortung für die Beleuchtung und das Regeln der Heizung übernehmen – lasst uns das alles automatisieren! Der Mensch ist unfähig und unwillig, sein Verhalten zu ändern, er braucht ANREIZE und neue Geräte, das spart berechenbar Energie, angeblich auch Geld, belebt nebenbei den Markt und alle sind glücklich.

Das Schlimme: Sie hatten im Grunde recht! Unsere RauspfeilKampagnen motivierten tatsächlich ganze Hausgemeinschaften zu Verhaltensänderungen, jede Menge Energie wurde gespart – aber nur so lange wir da waren und als eine Art „Umwelt-Animateure“ die Motivation aufrecht erhielten. Danach sank das Verhalten zurück in die übliche Ignoranz. Ich begann, einen neuen Menschenhass zu entwickeln, den berufsmäßigen Zynismus der Aktivisten: Verantwortungslose Idioten überall, die nichts anderes kennen, als ihre Fettlebe zu genießen, koste es, was es wolle. Ekelhaft!

Alles Lüge

Wenn so ein Gefühl das Herz vereinnahmt, macht keine Arbeit mehr Spaß. Viele arrangieren sich, machen einfach so weiter und beziehen die eigene Motivation zunehmend aus den persönlichen Benefits, die solche Jobs erlauben. Vielleicht hätte ich das auch gekonnt, wenn wenigstens die Lehre von der technischen Innovation, vom Klimaschutz durch Energieeffizienz, gestimmt hätte. Leider ist sie falsch, eine geschickte Lüge, an der viele zum Zweck der Selbsttäuschung festhalten.

Wenn ich mir nämlich ein neues Gerät zulege, sagen wir mal einen energieeffizienter produzierten PC, dann verbraucht die Herstellung dieses PC trotzdem ein Vielfaches der Energie, die er – verglichen mit dem Weiterlaufen des alten – in seinem ganzen „Leben“ einsparen kann. Und so ist es mit den meisten Dingen: energiesparend und umweltschützend ist das „Nutzen bis es nicht mehr geht“, nicht das ständige Erneuern auf die letzte – meinetwegen hoch energieeffiziente – Version. Und noch jeder Fortschritt in Sachen Energieverbrauch und Schadstoff-Ausstoß bei Autos wurde „aufgezehrt“ durch die VERMEHRUNG des Autoverkehrs, mehr Zweitwagen, mehr Individual-Mobilität, mehr Brummis auf den Straßen.

Jeder wusste das. In kleinen nicht-offiziellen Gruppen kam das auch durchaus zur Sprache: Allein der VERZICHT (auf Waren, Bequemlichkeit und Mobilität) bringt’s. Alles andere ist nicht wirklich problemlösend, höchstens vermindert es ein klein wenig die Geschwindigkeit der Verschlimmerungen. Und Verzicht – Pech für die Natur und unser aller zukünftiges Überleben – ist dem Menschen nun mal nicht beizubringen!

Was ICH kann, können alle – und dann?

In dieser „Meinungslage“ besann ich mich auf mich selbst: Was ICH zustande bringe, können auch andere leisten, egal was „man“ über „die Menschen“ denkt. Ich drückte meine Stromrechnung um 40 Prozent, schaltete die Geräte immer brav aus, kaufte eine Plastikschüssel als Spülschüssel, um nicht immer das Waschbecken mit unnötig viel heißem Wasser vollaufen zu lassen. Ja, ich war ein guter Energiesparer, hoch effizient, solange ich mich mit diesem Job und seinen Themen & Problemen befasste…

Aber auch der aus dem eigenen Verhalten geschöpfte Glaube rettete nicht. Denn bald schon fragte ich mich und meine Mitarbeiter: Wie soll denn unsere Wirtschaft funktionieren, wenn alle so handelten, wie wir es empfehlen müssen, wenn wir die Wahrheit sagen? Verzicht üben, nichts Überflüssiges kaufen, nicht „just for fun“ verreisen und herumfahren? Wenn alle, die auf schöne, hochwertige Dinge stehen, sich einfach mal quer durch den Katalog bei Manufactum eindecken und dann ist Schluß? Diese Sachen sind verdammt „nachhaltig“ – und dann? Was geschieht, wenn die Menschen auf die Mode pfeifen und nicht mehr, nur weil ein Jahr vergangen ist, von spitzen Schuhen auf „quer abgehackt“ umsteigen?

Im BTX führte ich eine private Umfrage unter anonymen Chattern durch: Wieviel Geld könntest du sparen, wenn du nur das Notwendigste kaufen würdest? Die Antworten schwankten zwischen 10 und 90 Prozent, im Mittel waren es 50! Wow, die Hälfte des Konsums ist also reiner Luxus, potenzieller Schonraum für Klima, Natur und Umwelt. Aber: was wird dann aus uns?

Der Präsident der Europäischen Zentralbank schrieb mal in der ZEIT: „Die Deutschen sind Menschen, die das Licht ausschalten, wenn sie einen Raum verlassen. Sie drehen die Dusche ab und seifen sich ein, ohne dass heißes Wasser ins Leere läuft. Das macht sie symphatisch, aber all das bedeutet immer auch ein kleines Stück weniger Wachstum.“

Tja, so sieht’s aus. Meine Rede, mein Denken, mein engagiertestes Wünschen endet im Absurden. DIE GRÜNEN bekamen gestern in Sachsen-Anhalt gerade mal zwei Prozent der Stimmen. Im wirtschaftlichen Ödland mit der höchsten Arbeitslosigkeit denkt niemand über grüne Themen nach. Was aber geschieht, wenn Verzicht tatsächlich um sich greift, sei es auch aus anderen Gründen, das erleben wir gerade. Und kein Vordenker der „Nachhaltigkeit“ meldet sich zu Wort, stellt diese Bezüge her und sagt dazu was Intelligentes!

Was kein Grund zum Lästern ist, mir fällt ja auch nichts ein.

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Claudia am 15. April 2002 — Kommentare deaktiviert für Sumpfpegel steigend

Sumpfpegel steigend

Schon den ganzen März über gelingt es mir nicht, etwas über die Welt „da draußen“ zu schreiben. Wenn sich der Blick unvorsichtig vom Detail abwendet und diese seltsame Gesellschaft im Niedergang ins Auge fasst, wird mir so schlecht, dass der Schreibimpuls gleich wieder verschwindet. Es verschlägt mir die Sprache, stumm stiere ich auf den blinkenden Cursor und schließe dann das Schreibprogramm. Nicht lästern, nicht jammern, weder spöttische Kolumnen, noch tief entrüstete Tiraden, keine Relativierungen und Distanzierungen, uberhaupt kein Zuschütten fremder Gehirne mit noch mehr überflussigem Ballast – das ist die letzte Zärtlichkeit fürs große Ganze, die ich derzeit zustande bringe.

Manchmal kommt mir dann der verrückte Gedanke, mich völlig abzuwenden, nicht nur, was das Schreiben angeht. Warum interessiert mich das alles uberhaupt noch? Es zwingt mich ja keiner, die täglichen Widerlichkeiten fortlaufend zur Kenntnis zu nehmen. Die Ausbreitung des Sumpfes aus Korruption, Betrug und hemmungsloser Gier, die Ausplunderung sozialer Netze, die gut-gelaunte Beraubung wehrloser Noch-Steuerzahler – all dem kann ich sowieso nichts entgegen setzen – warum also uberhaupt noch hinsehen?

Manche meinen (und schreiben das sogar in ihre Webtagebücher), es gehe uns zu lange schon zu gut. Mal wieder ein Krieg wäre gar nicht so schlecht, er würde die Menschen aufwecken, das tagliche Lügen und Betrugen auf einen Schlag beenden – Wahrheit unter Stahlgewittern? Mir gruselt!

In Berlin ist das Hauen & Stechen im Kampf um die Zuwendungen der unter Schuldenbergen versinkenden öffentlichen Hände gerade besonders extrem. Jede Abendschau bringt die neuesten Sparbeschlüsse, dann die heftigen Proteste der Betroffenen, routiniert veranstaltete Demonstrationen, das tägliche „Nein“ der Gewerkschaften zu jeglichen Kurzungen; dazu immer neue kriminelle Aktivitäten von Ärzten, Apothekern und Sozialamtsmitarbeitern, die sich locker aus den Kassen und Steuertöpfen bedienen, in die wir alle einzahlen. Kontrolle findet nicht statt, wer sollte die denn ausüben, wie sollte man das finanzieren und organisieren???

Die Software ist schuld, sagt man im Sozialamt, die kontrolliert die Abbuchungen der Sachbearbeiter nicht, was will man da machen? Ärzte rechnen Unsummen über die Behandlung unzähliger „Patienten“ ab, die niemals bei ihnen in der Praxis waren, ganze Kartelle fliegen auf, die sich die „Kärtchen-Daten“ massenweise gegenseitig weiter reichen, die Staatsanwaltschaft ist überlastet und wird sowieso nur zufällig findig. und jeder Politiker und Funktionär, der in diesen Tagen einem Mikrofon zu nahe tritt, ist tief entrüstet! Böse Ärzte! Hey, ich erinnere mich noch sehr gut, dass das einzige Mittel, das diese Betrügereien effektiv verhindern könnte (nämlich den Patienten Rechnungen zu schreiben, wenn sie in der Praxis waren), zu Zeiten Andrea Fischers nicht beschlossen werden konnte: angeblich wurde man sich nicht einig, wer das Porto zahlt! auch aus der Speicherung verschriebener Medikamente auf der Mitgliedskarte ist nichts geworden, aus Datenschutzgründen, wie es heißt, doch faktisch wird hier einfach ein Freiraum zum unkontrollierten absahnen verteidigt – MIT Hilfe der Politiker.

Der Bäcker um die Ecke hat dicht gemacht, das Nichts breitet sich aus, zumindest in Gestalt leerer Laden. Gegenüber der Turkey wollte seinen Getränkestützpunkt verkaufen, muss aber nun doch weiter machen, denn er wird nicht aus dem 10-Jahresvertrag entlassen, wenn der Käufer nicht MEHR Miete zahlt – dabei berappt der arme schon seit Jahren einen total überteuerten „Nach-der-Wende-Preis“. Nicht weit davon sitzt eine nette Frau die letzten Monate ihres Jahresvertrags in ihrem Secondhand-Laden ab, sie hat ein Existenzgründerverfahren hinter sich, aber keine Kunden – leicht absehbar in dieser Nebenstraße ohne Laufpublikum, da muss ich kein professioneller Berater sein, um das zu bemerken. Keine Bankgesellschaft hilft solchen Menschen, sie können niemanden bestechen und haben das Pech, nicht von öffentlichen Mitteln, sondern vom Endverbraucher zu leben. Der macht sich rar zur Zeit, behält sein Geld bei sich, guckt Abendschau und beobachtet das „sozial ausgewogene Sparen“. Nicht sparen müssen die Glücklichen, an die die Manager der Bankgesellschaft diese tollen Immobilienfonds mit der für 23 Jahre zugesicherten Rendite verteilt haben – obwohl die Immobilien bereits leer standen. Berlin hat das jetzt für die nächsten 23 Jahre im Haushalt, na klar! und die Verantwortlichen beziehen noch über Jahre ihre Pensionen und Abfindungen in Millionenhöhe, da kann man auch nichts dran andern, Vertrag ist Vertrag.

Ach, jetzt hab‘ ich mich ja doch hinreißen lassen, im Sumpf zu wühlen! Zur Zärtlichkeit durch Schweigen hat es heute leider nicht gereicht. Gibt es vielleicht was Positives, so für den Schluss? Das mit öffentlichen Mitteln aufwendig restaurierte Altberliner Klohäuschen am Boxhagener Platz soll Ende März wieder eröffnet werden, lese ich im Wochenblatt. Ob man das glauben soll? Es war schon letztes Jahr fertig, doch nach wenigen Tagen ereignete sich ein Wasserrohrbruch, das „aus“ für die Anlage – wer sollte denn auch die Reparatur bezahlen???? Bis zum Wintereinbruch beschwerten sich die Anwohner fortlaufend über den Gestank – es ist ja nicht so, dass die Leute sich hier NICHT erleichtern, nur weil das Klohäuschen dicht hat! Nichts hat geholfen – aber JETZT, inmitten der schlimmsten Sparmaßnahmen, soll das „Café Achteck“ wieder öffnen? Vielleicht ein Zeichen des kommenden Aufschwungs…

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Claudia am 28. Februar 2002 — Kommentare deaktiviert für Menschen technisch verbessern?

Menschen technisch verbessern?

Die Gen-Debatte ärgert mich. Nicht weil da „Grenzen überschritten“ werden, die uns Gott, die Natur oder sonstwer auferlegt hätte, sondern wegen der verwirrten und verwirrenden Diskussionsweise. Man redet ohne Geschichte, bzw. benutzt die Geschichte allenfalls als Selbstbedienungsladen zur Untermauerung eigenen Wollens & Meinens. Ein gutes Beispiel ist die gerade wieder laufende Auseinandersetzung um die PID (=Selektieren der Embrionen vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter). England hat es jetzt in einem Fall erlaubt und alle schreien AUWEIA! Weiter → (Menschen technisch verbessern?)

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Claudia am 27. Januar 2002 — Kommentare deaktiviert für Linke Lähmungen: die Älteren

Linke Lähmungen: die Älteren

Ein berühmter Schriftsteller und ein ebenso berühmter Soziologe im TV-Gespräch über das Elend der Welt. Beide über 60, gelten sie heute als „alt-linke Dinosaurier“, deren archaische Sicht der Dinge man nicht mehr ernst nehmen müsse – so zumindest der Tenor in der heutigen Medienlandschaft. Weiter → (Linke Lähmungen: die Älteren)

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Claudia am 21. Januar 2002 — Kommentare deaktiviert für Intelligenz im TV: Ein Comeback mit Stoiber und Sloterdijk

Intelligenz im TV: Ein Comeback mit Stoiber und Sloterdijk

Fernsehen ist meistens deprimierend. Wenn ich mal zu träge bin, gleich nach dem Tatort-Krimi abzuschalten oder es gar am frühen Abend wage, durch die Kanäle zu zappen, verdirbt mir die beiläufige Menschenverachtung der Programm-Macher punktgenau die Laune. Nichts gegen Spaß und Unterhaltung, ich lache gern, wenn es was zu lachen gibt. Dass aber fast alles wegzensiert wird, was auch nur von Ferne zum Nachdenken und Mitdenken anregt, weil es für den Zuschauer vorgeblich zu mühsam wäre, macht das Medium zum schier unerträglichen Nullmedium. Das mächtigste Kommunikationsmittel des 20sten Jahrhunderts ist zum einflussreichen Kasperltheater geworden, multipliziert primitivste Gefühle, verkleistert das Hirn mit katastrophischen Info-Bits und scheut komplexe Sachverhalte wie der Teufel das Weihwasser. Ich sollte es einfach ignorieren, sag ich mir immer wieder, aber mich nervt die Spiegelfunktion der ganzen Veranstaltung: Weil IHR, die Zuschauer, nun mal solche Idioten seid, die kein anderes Programm sehen mögen, MÜSSEN wir all diesen Fun&Crime-Schrott fabrizieren, selber schuld! Weiter → (Intelligenz im TV: Ein Comeback mit Stoiber und Sloterdijk)

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Claudia am 09. Januar 2002 — Kommentare deaktiviert für Kampfzone

Kampfzone

Gestern abend lief ein Fernsehfilm auf 3SAT, „Schlafende Hunde“, der gut und gern als Illustration zum Roman „Ausweitung der Kampfzone“ von Houellebecq gesehen werden könnte. Ein Konzern plant in einer kleinen Stadt ein riesiges Shopping-Mall-Projekt mit Gastronomie, Wellnesslandschaft und Hotelerie, Gesamtvolumen 140 Millionen. Schauplatz des Films ist die Büroszene des Projektträgers: Wichtige Männer, die laufend Besprechungen haben, viel telefonieren, jede Menge Bestechungsgelder in Geldkoffern hin und herreichen, umgeben von schick gestylten Frauen, die für Häppchen und Getränke sorgen und niedere Organisationsarbeiten erledigen. Jeder kämpft für sich allein, wittert im Anderen den immer zum Tiefschlag bereiten Gegner. Verbissen sägen sie gegenseitig an ihren Stühlen und tricksen sich aus, wobei immer der GANZE Mensch gefordert ist, alle Beziehungen, einschließlich der sexuellen, stehen ganz im Dienst der Intrigen und Karrieren, Freizeit ist fast ganz verschwunden. Weiter → (Kampfzone)

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