Thema: Weltgeschehen

Claudia am 12. April 2011 — 13 Kommentare

Wie blöd ist eigentlich das Volk?

In einer fulminanten Brandrede beklagt Hartwig Bögeholz auf Telepolis den Zustand der „politischen Klasse“, die prinzipienlos und inhaltsleer nurmehr hektisch auf Ereignisse reagiere, anstatt die Zukunft zu gestalten.

Einzig DIE GRÜNEN verfügten noch dank ihrer dreißigjährigen klaren Haltung in Sachen Atomkraft und Umwelt über einige Glaubwürdigkeit, die aber im politischen Alltag in Baden Württemberg ebenfalls drohe, den Bach ‚runter zu gehen. Würde das grüne Programm nämlich wirklich umgesetzt, gäbe es Proteststürme und die neuen Wählerscharen würden sich schnell abwenden, wenn sie merken, dass ihr eigener Lebensstil zur Debatte steht. Denn alles solle so bleiben, wie es ist – dies sei der wahre Wunsch der meisten Wähler: Weiter → (Wie blöd ist eigentlich das Volk?)

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Claudia am 04. April 2011 — 21 Kommentare

Tatort: Unser krankes Gesundheitssystem

Am Ende des Quartals geht nichts mehr in deutschen Arztpraxen: was das „gedeckelte Budget“ für schwer kranke Menschen bedeutet, hat der gestrige Tatort „Edel sei der Mensch, hilfreich und gesund“ in Form einer berührenden Krimi-Handlung den Fernsehzuschauern präsentiert.

Ein Mädchen mit Mukoviszidose bekommt das einzig helfende Inhalationsmittel nicht, weil es zu teuer ist: 800 Euro im Monat plus nochmal 900 für das Inhalationsgerät. Statt dessen stirbt es fast an der allergischen Reaktion auf ein billiges Antibiotikum. Eine alte Frau kann die Hand nicht mehr bewegen und leidet große Schmerzen, doch sie soll drei Wochen warten, denn erst im nächsten Quartal kann ihr das wirksame Medikament wieder verschrieben werden.

Ein GUTER Arzt muss das System betrügen

Der mitfühlende alte Arzt unterläuft das System per Abrechnungsbetrug: den Privatpatienten berechnet er mehr als sie bekommen haben, um so die NOT-wendigen Mittel für die Kranken zu finanzieren, die von der Kasse nicht bezahlt werden. Denn nur das billigste Medikament darf verschrieben werden, auch wenn das lange nicht so gut hilft wie neuere, die jedoch schweineteuer sind. Weiter → (Tatort: Unser krankes Gesundheitssystem)

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Claudia am 24. März 2011 — 8 Kommentare

Geld verdienen als Endzweck? Oder könnte es andere gemeinsame Ziele geben?

In Sachen Ausstieg aus der Atomkraft und Umbau in Richtung erneuerbare Energien hab‘ ich schon öfter mal gedacht: Warum macht man sowas eigentlich nicht zur großen gesellschaftlichen Aufgabe?

In Zeiten des Internets wäre es doch machbar, die verschiedenen Handlungsfelder mit „potenziell allen“ zu diskutieren und zu organisieren: den Aufbau dezentraler Energie-Erzeuger ebenso wie den erforderlichen Netzausbau, vor allem aber die unzähligen Möglichkeiten, Energie einzusparen. Informationskampagnen, bereichert durch „Schwarm-Intelligenz“, Communities, Anreiz-Systeme und vieles mehr wären denkbar – warum passiert das nicht? Warum bleibt die Diskussion im Wesentlichen in der althergebrachten Form „Bürger fordern, Politiker antworten“ stecken? Weiter → (Geld verdienen als Endzweck? Oder könnte es andere gemeinsame Ziele geben?)

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Claudia am 23. März 2011 — 7 Kommentare

Die Katastrophe als Normalität und Schreibblockade

Nichts hat sich wirklich gebessert in Fukushima, doch wenden sich die Medien langsam ab: keine Lösung, kein Super-GAU, da macht das Tickern und Sonder-senden keinen Sinn mehr. Dafür gibts die Meldungen aus Libyen, wir lesen, wieviele Geschosse wohin geschossen wurden und wie sich die ursprünglich so schnell einige Front gegen Gaddafi nun zerstreitet. Dem Aufruhr in der restlichen arabischen Welt vermag man kaum noch zu folgen. Jemen? Hat denn da wirklich jemand REGIERT??

Dass sieben AKWs auf die Schnelle abgeschaltet wurden, sei es auch nur aus wahltaktischen Überlegungen, ist immerhin mal eine gute Nachricht. Fakten sagen mehr als Worte und ich hoffe sehr, dass es vielen vielen Menschen jetzt auffällt, wie haltlos das Gerede von der Unverzichtbarkeit dieser Meiler über all die Jahre war. Gehen jetzt etwa irgendwo die Lichter aus? Mitnichten – es entfällt nur eine Million Gewinn pro Tag und AKW.

Ansonsten: der Frühling ist da und Knut ist tot. Am Berliner Zoo stapeln sich die Blumen der Trauernden.

Ich empfinde fast so etwas wie eine „Schreibblockade“. Zwar kann ich noch Sätze absondern, aber irgendwie fehlt mir der rote Faden: die Kontinuität des Erschreckens über ein und diesselbe Sache, aus der ein Sinn-Gefühl erwächst. Ein Wissen darum, wie man sich selbst in alledem verortet und welches Verhalten angemessen ist. Ist es nicht furchtbar, inmitten der laufenden Katastrophen und Kriege von „Seitan im Kochbeutel“ zu schreiben?

Deshalb bin ich zur Zeit ungewohnt still.

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Claudia am 16. März 2011 — 9 Kommentare

Moratorium: Beruhigungspille und Entlarvung vieler Lügen

Allen, die nun auf einmal vom Saulus zum Paulus in Sachen AKW-Sicherheit werden, nehme ich den Sinneswandel nicht ab, klar! Zu durchsichtig das Motiv, zu deutlich der Versuch, mittels einiger „Prüfmonate“ und vorüber gehender Abschaltungen einiger alter Meiler die Landtagswahlen zu überstehen. Selbst wenn es bei einigen Politikern wirklich so sein sollte, dass das japanische Desaster sie so geschockt hat, dass ein Umdenken möglich scheint, so haben sie doch schlicht alle Glaubwürdigkeit in dieser Sache lange verspielt.

War da was mit „Versorgungslücke“?

Wie lügenhaft die bisherige schwarz-gelbe Politik war, zeigt sich jetzt auch dem letzten Zweifler in aller Schärfe: Auf einmal soll es kein Problem mehr sein, mehr als ein Drittel der deutschen AKWs still zu legen. Von wegen Versorgungslücke!!! Auch nach der Abschaltung wird noch immer mehr Strom produziert als in Deutschland verbraucht wird, es bleibt ein Überhang für den Export. Weiter → (Moratorium: Beruhigungspille und Entlarvung vieler Lügen)

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Claudia am 12. März 2011 — 12 Kommentare

Tschernobyl 2 ? Zur Katastrophe in Japan

So sehen derzeit die deutschen Twitter-Trends aus:

Die Meldungen zur evtl. schon laufenden Kernschmelze überschlagen sich. Cäsium ist ausgetreten, was wohl dafür spricht, dass der „worst case“ schon passiert ist. Auch bezüglich eines zweiten AKWs wurde der Notstand ausgerufen, da auch dort die Kühlung ausgefallen sein soll.

Sicher habt Ihr auch alle in den Nachrichten die Erläuterungen zur Erdbeben-Situation in Japan gesehen: die vier Kontinentalplatten, die da aufeinander treffen und fortwährend Spannung aufbauen und per Erdbeben wieder abbauen.

Und immer ist, wenn es dann bebt, von der „nach oben offenen“ Richterskala die Rede. WIE kann man unter solchen Umständen 50 AKWs erbauen und 14 weitere planen ? Es wird gesagt, die Kraftwerke seien auf Beben bis 8,3 „ausgelegt“ – was das nützt, wenn es einfach mal noch heftiger bebt, sehen wir gerade.

Nun, die Welt ist süchtig nach Energie. Erneuerbare Alternativen könnten vielleicht in absehbarer Zeit den zum Leben nötigsten Bedarf decken – aber bei weitem nicht jene Mengen zur Verfügung stellen, die erforderlich sind, um den Wachstumszwang der Wegwerfgesellschaften mit ihren immer kürzeren Produkt-Zyklen zu bedienen. Also wird jedes Risiko in Kauf genommen, Hauptsache, es geht alles so weiter!

Ein Elend, zu dem mir auch nichts mehr einfällt.

***

Aktuelle Meldungen:

Twitter / #fukushima (deutsch) (= Beispiel für alle, die Twitter noch nicht verstanden haben)

Twitter / #fukushima international

N24 – Lifestream

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Claudia am 09. März 2011 — 16 Kommentare

E10 ist kein Kommunikationsproblem, sondern eine Sauerei!

Wie mich dieses politische Rumgeeiere doch immer wieder ankotzt! Da liegen Tatsachen auf dem Tisch, die sich nicht wegdiskutieren lassen: E10 ist kein „Biosprit“ im Sinne von Umweltschonung, sondern ganz im Gegenteil ein übler Versuch, Energie-Einsparungen zu vermeiden, indem man auf Ackerland zur Benzinproduktion zugreift.

Da hilft auch kein Schönreden, dass es doch zu 90% von europäischen Äckern käme: schließlich könnte auf diesen Äckern auch anderes angebaut werden. Regionale Biogemüse zum Beispiel, damit wir diese nicht massenweise aus anderen Erdteilen importieren müssen, was das „bio“ ebenfalls aufs Schärfste konterkariert. Und wer ernsthaft behauptet, auf Dauer habe die Nachfrage nach „Bio-Sprit“ keine Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion weltweit, der träumt nicht, der lügt!

Im Autosektor hat sich nicht viel geändert: was an Energie-Effizienz gewonnen wird, wird nicht etwa in echte Einsparungen umgesetzt, sondern die Karossen werden mit immer mehr Schnickschnack vollgestopft. Autos werden nicht kleiner, leichter und sparsamer, weil die Politik der Industrie keine entsprechenden Vorgaben macht. Also schwappt der Trend zum SUV auch nach Europa, Besserverdiener fahren nach wie vor große, schwere, protzige Autos – und alles für den „Markt“. Da wird auf die Umwelt geschissen, aber das Feigenblatt „E10“ soll jetzt „durchgesetzt werden“.

Keiner will haften, aber es wird Druck gemacht

OHNE dass irgend jemand auch nur eine echte Haftung für die technische (!) Unschädlichkeit übernehmen mag – gerade diese Frage hat man auf dem „Energiegipfel“ hübsch hin und her geschoben, aber nicht gelöst. Und sie ist es, die die Mehrheit der Autofahrer zum Käuferstreik motiviert, da bin ich mir leider recht sicher. Von E10 braucht es MEHR, ob und wie es auf Dauer den Motoren schadet, ist ungewiss (und wird es auch bleiben, der „Test“ läuft ja im richtigen Leben, nicht etwa bei den Autofirmen).

Und dass alles soll jetzt durch „mehr Kommunikation“ geheilt werden! Ein rechtsverbindliches Schreiben oder eine öffentlich erweiterte Garantieerklärung bekommt der Autofahrer allerdings nicht. Nur beruhigende Worte und einen nicht unerheblichen Preisdruck!

Ob das reicht?

***

Siehe auch:

Agrosprit: Wo die E10-Profiteure sitzen
Klientelpolitik: Agrosprit E10;
E10 und das Versagen der Politik;
Die Ökotricks der Autobauer

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Claudia am 06. Februar 2011 — 9 Kommentare

Für ein Recht auf Gesicht – zur Burka-Debatte

Der Streit um die Burka ist ja nun auch hierzulande angekommen. Eine Mitarbeiterin des Bürgeramtes Frankfurt/Main wollte nur noch vollverschleiert zum Dienst antreten, was ihr aber untersagt wurde. Nun gibt es ein offizielles Burka-Verbot für den hessischen öffentlichen Dienst. Und ich finde das richtig so.

Warum? Weil ich einem Menschen, dem ich im öffentlichen Dienst und auch in der privaten Wirtschaft treffe, ins Gesicht sehen können will. Ich will sehen, wer er oder sie ist, will das Lächeln, die Zornesfalten, den Trübsinn, die Fröhlichkeit und vieles mehr aus der Mimik ablesen können – und nicht einer vermummten Gestalt gegenüber stehen, die mich zwar sieht und mein Befinden erkennen kann, mir aber dieses Erkennen verweigert.

Ich empfinde das als verunsichernd und feindselig, noch bevor ich überhaupt zum rationalen Nachdenken komme. Mein Gegenüber will sich verstecken, mir sein Gesicht nicht zeigen – es misstraut mir also. Dieses Empfinden sehe ich nicht als etwas, das ich mir aus Multi-Kulti-Begeisterung abtrainieren sollte, sondern als spontane menschliche Empfindung, die ihren guten sozialen Sinn hat. Wir wollen sehen, mit wem wir es zu tun haben – und der Blick ins Gesicht ist dafür unverzichtbar (ein Kopftuch jedoch unproblematisch). Weiter → (Für ein Recht auf Gesicht – zur Burka-Debatte)

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